Indiana Tribüne, Volume 28, Number 182, Indianapolis, Marion County, 25 March 1905 — Page 4

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Indiana Tribüne. Hlraulgekc5tn von der tndeg Indianapolis, Ind.

öany O. Thudium Präsident. GeschäftSlocal: No, 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE 239. JCrtered at the Post Office ot Indianapolis as sccond dass matter. Japanische Zuknnftsmusik (Westl. Post.) Während in Ostafien noch mit unge schwächte: gegenseitiger Erbitterung weiter gekämpst wird, beschäftigt man sich in den unbetheilizten' Ländern im. mer angelegentlichem nit der Frage der Haltung und der Politik der beiden sümpfenden Mächte nach dem Krieg. Besonders mit der Haltung Japan's; denn Rußland wird, wie auch der Ausgang, des Krieges sich schließlich gefallen mag, durch die Unruhen und die chaotisch verworrenen Zustände in sei nem Innern so in Anspruch genommen sein, daß es für eine Reihe von Jahren weniger als bisher anderen Mächten gefährlich werden kann. Anders scheint daS Verhältniß von Japan zu den übrigen Mächten sich ge stalten zu wollen. Japanische Staatsmänner und Diplomaten lassen es sich freilich dem Auslande gegenüber ange legen sein, zu versichern, daß ihr Land nicht daran denke, die Interessensphäre der europäischen Mächte und der Ver einigten Staaten in Ostasien zu berühr ren. Erft in den letzten Tagen wurde versichert, daß Japan nie danach streben würde, den Vereinigten Staaten auf den Philippinen jemals unbequem zu werden. Man wird allem Anschein nach gut thun, wenn man sich nicht allzu sehr auf diese friedlichen Versicherungen Japan's verläßt. Die Stimmen we nigftenZ, die in Japan selber in den dortigen Zeitungen sich vernehmen las sen, klingen ganz anders. Sie legen sich wett weniger Zwang auf, als die japanischen Diplomaten und geben allem Anschein nach der Stimmung im Volke einen weit richtigeren Ausdruck. So äußerte sich in der letzten' Zeit eine in Tokio erscheinende Zeitung, welche die Ansichten der Regierung?, kreise reprüsentirt, daß Japan nur einen Frieden abschließen werde, der ihm . die Oberherrschaft in Oftasien, Korea und China eingeschloffen, sichert. Noch energischer drückt sich die Zeitung aus, welche die in der japanischen Ari. stokratie herrschende Stimmung wieder giebt. Sie fordert geradezu .Asien -für die Asiaten" und stellt einen japa nifchchinefischen Zweibund in Aussicht, um amerikanische und europäische Ein flösse in Ostasien zu verdrängen. Die seZ Ziel sei eine der Hauptursachen, weshalb Japan überhaupt den Krieg gegen Rußland begonnen habe. Asten für die Asiaten!" Warum auch nicht? ES war ja zu erwarten, da die panamerikanische Devise Amerika für die Amerikaner!" in anderen Theilen unseres Planeten ein annähernd gleich' gestimmtes Echo sinden werde. Durch seine Ueberlegenheit im gegenwärtigen Krieg mag sich Japan mehr als bisher veranlaßt fühlen, fein weitreichendes Programm in Asien durchzuführen. Da feine strategischen Vortheile in Oftasien allen europäischen Mächten und den Vereigten Staaten gegenüber noch Welt größer find, als gegen Rußland, so würde eö sich auch im Kampfe mit anderen Gegnern als ein überaus gefährlicher Gegner er weisen. Wird eS aber so bald schon zu der Durchsührung deS von Japan erstreb, ten panaasiatischen Programms kommen? Niemand vermag eS zu sagen, ob die mongolische Raffe unter der Führung Japan'S Isich auS ihrem passiven Dasein zu erneuter energischer Thätig' keit emporraffen, ob. daS Beispiel Ja. pan'S Nachahmung bei den anderen . mongolischen Völkern finden wird, oder ob die ungeheure nationale Kraftlei' stung Japans nur eine rasch vorüber, gehende Episode ohne weltbewegende Folgen sein wird. Viele Umstände sprechen für daS Letz. tere. Ein heroisches Zeitalter, wie es Japan gegenwärtig durchlebt, pflegt nur wenige Jahre anzuhalten. Wenn in einer kleinen Reihe von Jahren der Mikado, einelweltgeschichtliche Erschei nung erften.RangeS, mit Tod abgeht, mag unter seinem Nachfolger in Japan eine radikale Wandlung eintreten. Je neS Land wirthschaftet mit seinem Men schenmaterial und seinen Finanzen im gegenwärtigen Krieg wie ein toller Ver.

schwender, . so daß nach' dem Krieg der

Rückschlag und für die Dauer von Iah ren eine schwere Erschlaffung eintreten mögen. Sehr zweifelhaft ist auch, ob China mit der Oberherrschaft deS bei ihm kei. neöwegS sehr beliebten Nachbars Japan in Ostafien einverstanden sein wird. Viel wahrscheinlicher ist, daß die neu. gebackene japanisch chinesische Freund schast in nicht ferner Zeit mit einem so gewaltigen Krach in die Brüche geht, daß an keine gemeinsame Gewaltpolitik Beider gegen die Mächte der weißen Raffe zu denken ist. Allem Anschein nach wiederhol! zur Zeit Japan den Fehler jener abend, ländischen Mächte, die sich im Verlauf der letzten Jahrzehnte die erdenklichste Mühe gaben, jenes Land zu cintr Kriegsmacht ersten Ranges heranzu bilden und die nun gewärtigen müssen, daß die Waffen, die sie Japan in die Hand gedrückt haben, sich gelegentlich gegen sie selber kehren werden. Wie Japan bei den abendländischen Mächten, so geht nun der alte große Schüler China bei seinem weit klei neren Lehrmeister Japan in die Schule, um LüngftversäumteS nachzuholen und sich in moderner Kriegs kunst ausbilden zu laffen. In Japan studiren zur Zeit über 3000 junge Chinesen und Koreaner und ihre Zahl nimmt beständig dermaßen zu, daß die japanischeLZegierung in Tokio bereits mehrere Schulen und Pensionate für junge chinesische Siudi rende eingerichtet hat. Sehr schön von Japan! Ob aber China, wenn eS in ähnlicher Weise erstarken sollte, wie Japan, mit der Suprematie des Letz teren in Ostafien einverstanden fein sollte, erscheint zweifelhast. Die Ereignisse in Ostafien lassen schon jetzt erkennen, wie wenig Liebe zwischen den beiden mongolischen Völkern herrscht. Ueberall, wo die flegrei chen Heere Japans in der Mandschurei vordringen, flüchtet die chinesische Bevölkerung. Die Japaner benehmen fich ihnen gegenüber als die Herren des Landes, hochmüthig und gewaltthätig, und erkennen kein Recht derselben an. AuS China melden Kenner von Land und Leuten, wie wenig freundlich dort in den VolkSmassen die Stimmung ge gen Japan ist. So mag es leicht der Fall fein, daß fich dort die Keime eines kommenden großen Conflictes entwickeln und Japan seinen nächsten großen Krieg nicht gegen irgend eine abendländische Macht, sondern gegen seinen mongoli schen Vetter und Nachbar China zu führen gezwungen sein wird; denn die Stimmungen unter den Völkern wer. den in erster Linie durch Interessen, gegensätze bedingt. , i Als Sachverstandige in grateZischen Rückzügen qualifiziren fich die Russen durch tägliche Uebung in hohem Maße. Die Administration erntet nun den Dank für ihre Intervention zu Gunsten Castro'S gegen seine euro päischen Gläubiger. Sie erführt fo. gar noch unverschämtere Behandlung als die anderen Nationen vor Jahres frist erdulden mußten. Die Langmuth des Staatsdepartements verdient des halb besonders hohe Anerkennung. Freilich würde unser Land so man chem Spott ausgesetzt sein, wenn man Castro ohne Weiteres mit Waffen gemalt zur Vernunft brächte. Es würde heißen, daß die Union fich stets solche Gegner wählt, die mit Leichtigkeit be. fiegt werden können, um billigen Was. fenruhm einheimsen zu können, aber daran braucht man fich nicht zu stoßen. Ein Krieg würde eS kaum sein, son. dern eine einsache Züchtigung unver schämter Schuldenmacher. Aegypten. Russisches Geschwader. Port S ai d, 24. März. Admi ral Nebogatoff'ö Geschwader, bestehend aus einem Schlachtschiffe, vier Kreu zern und vier Transportschiffen, kam heute hier an. Die Schiffe nahmen keine Kohlen ein, aber einen beschränk ten Vorrath von Lebensmitteln. - Türkei. Bulgarien massakrirt. Kon ftantin opel, 24. März. Eine Depesche- aus Salonichi meldet, daß im Distrikt Chevghow von türki. schen Truppen eine vierzig Köpfe zäh. lende bulgarische Räuberbande aufge spürt und nach dreistündigem Kampfe niedergemacht wurde. Nicht ein ein ziger der Bulgaren entging dem Tode. Auf türkischer Seite wurden drei Mann getödtet und neun verwundet.

Vom Jnlanve.

Eine interessante Operatic ist im Maryländer Univerfitäts - Hospital" von Dr. John R. Winslow an einem 16 Jahre alten Knaben vollzogen worden. In Folge eines Halsleidens waren dem Knaben die Stimmbänder zusammen gewachsen, und seit sechs Jahren konnte der Patient nicht sprechen. Jetzt hat Dr. Winslow die Stimmbänder getrennt und die erkrankten Theile beseitigt, so daß der Junge bereits wieder laut sprechen kann. Von einer Mädchenschlacht wird aus St. Charles in Missouri berichtet: Zahlreiche junge Mädchen des hochfashionabeln Lindenwood College haben fich mitten in der Nacht im Corridor des Hauses eine Schlacht geliefert; glücklicher Weise nur mit Kopfkissen. Eine Anzahl anderer Mädchen verübte dazu auf sechs Klavieren in schrecklichen Dissonanzen eine kriegerische Musik. Das Resultat war eine Haupt- und Generalpauke der entrüsteten Borsteherin am nächsten Morgen und das Verbot, den Parsifal" besuchen zu dürfen. Aus Marinette, Wis., wird berichtet, daß Fred Sahrenkrug von Winnebago County und Fräulein Lena Scrabel von Fond du Lac von Richter Van der Berg in Menominee getraut wurden. Als der neugebackene Ehemann die übliche Gebühr entrichtet hatte, erhielt die junge Frau für den vollen Betrag Trading Stamps. Nichter Stiles in Menominee ist diesemRichter nach seiner Anficht aber um eine ganze Pferdelänge voraus, denn er gibt jedem Manne, der in seinem Bureau den Eheknoten schürzen läßt, eine Kiste Cigarren mit auf den Weg. Die Concurrenz in jener Gegend scheint demnach sehr stark zu sein. Von einem Esel zu Tode gebissen wurde in Paris, Tex., ein Kind. Die dort ansässige Frau May Helm ging, ihr kleines Töchterchen auf den Armen tragend, durch den Hof ihres Hauses zur Scheuer; da kam ein in der Einfriedigung frei umherlaufender Esel auf sie zu und entriß ihr das Kind; die Frau rannte ihm nach und es gelang ihr, das Kind wieder zu erlangen; doch der Esel erreichte sie wieder, nahm das Kind zum zweiten Mal und die arme Mutter konnte erst die Leiche des kleinen Kindes wieder erlangen, nachdem fie selbst, beim Kampfe mit dem Esel schwere Verletzungen erlitten hatte. . Die Kinder'deö i n P o u n d. Wis., wohnenden William Rhode spielten in dem Schuppen hinter ihrem elterlichen Hause Hinrichtung". Der zum Tode verurtheilte . Delinquent war das jüngste der Geschwister. Die älteren hatten dem. Kleinen auch be reits an einer aufrecht stehenden. Heu-, gabel aufgehängt, und er würde auch seinem Schicksal nicht, entgangen sein, wäre nicht die Mutter dazu gekommen die den Kleinen aus seiner bedenklichen Lage befreite. Derselbe befindet sich übrigens in einem kritischen Zustande. Der Vater, William Rhode,, befindet fich seit einiger Zeit in ein!? Irrenanstalt. , W ä h r e n d a u s e i n e r L a n dschule in der Nähe von Long Prairie, Minn., die Kinder gegen Abend auf dem Heimwege waren, stieß plötzlich ein großer Adler aus der Luft nieder und packte mit seinen Krallen ein kleines, 5 Jahre alter Mädchen an der Schulter und den Kleidern. Das Kind schwebte schon einige Fuß hoch in der Luft, als ein Sohn von' F. Blair und mehrere ' andere Knaben hinzusprangen und die Kleider der Kleinen erfaßten. Der wüthende Raubvogel hackte mit dem Schnabel nach ihnen, mußte aber schließlich seine Beute fahren lassen und sauste mit lauten Flügelschlägen hinauf in die Lüfte.' Ein stattliches Heim haben die Daughters of Jacob" auf dem Grundstück No. 3023 East Vroadway in New Fork errichtet. Die Einweihung fand unter außerordentlich zahlreicher Betheiligung und reichhaltigem Ceremoniell hatt. Acht volle Jahre haben die Daughters" an ihrem Werk, dessen Krönung fie nunmehr als stolze Zeugen beiwohnten, gearbeitet. Das Heim ist mit einem Kostenaufwande von $65,000 errichtet worden, ist ein fünfstöckiger Steinund Backsteinbau, hat vier Wards zur Aufnahme alter Männer und Frauen, zwei Hospitäler, eine Synagoge, ein Sitzungszimmer, einen Speisesaal und hat Raum für 100 Betten. Nur gebrechliche Leute,, die das 60. Lebensjähr überschritten haben, finden Aufnähme. Ein merkwürdiger Fall von Halswirbel - Verletzung ereignete fich in Newark, N. I. Dort fiel das vierjährige Söhnchen von L. M. Auchmoody beim Spiel mit seinem Bruder gegen ein Bett und verrenkte fich seinen Hals so sehr, daß sein Kopf beinahe auf der linken Schulter ruhte. Die herbeigerufenen Aerzte fanden zu ihrer Ueberraschung, daß trotz der schweren Verrenkung keine Anzeichen von Lähmung vorhanden waren, wie sie sonst fast immer bei einer derartigen Verletzung des Halses eintritt. Mit äußerster Sorgfalt brachten sie den Kopf des Knaben wieder in die richtige Stellung und dann wurden Kopf, Halö und Schultern in Gipsverband gelegt. Die Operation dauerte etwa fünf stunden. Der Knabe befindet sich verhältnißmäßig wohl.

Vom Auslande.

In Apenrade, Schleswig - Holstein, und der Außenföhrde sind, in letzter Zeit so ungewöhnlich viele Heringe gefangen worden, daß sich für die Waare keine Abnehmer mehr fanden. Schließlich kaufte ein Gärtnereibesitzer aus Flensburg etwa 25 große Kisten zu je 20 Pfennigen, um die Heringe als Dünger zu verwenden. Auch im Vinnenlande find in letzter Zeit so viele Heringe auf den Markt gekommen, daß sie stellenweise auch nicht untergebracht werden konnten und den Abdeckereien überwiesen werden mußten. Dem Präsidenten Loubet und seinen Nachfolgern hat ein französischer Großindustrieller Faulquier, der vor einigen Wochen in Montpellier das Zeitliche segnete, letztwillig eine schöne Facht gestiftet. Dieses kleine Dampfboot Jeanne Blanche" hat 350 Tonnen Gehalt. Es mißt öl Meter in der Länge und 7 bis 8 in der Breite und umfaßt einen Salon, ein Eßzimmer und sechs Schlafkabinen. Für die Salutschüsse sind zwei kleine Kanonen an Bord, und außer einer Dampfpinasse find noch sechs andere kleine Fahrzeuge vorhanden. Im Walde bei Schönholz unweit Potsdam wurde die Leiche eines Knaben gefunden, neben ihm lag ein Revolver, der entladen war. Ein Schuß in die Herzgegend hatte dem jungen Leben ein Ziel gesetzt. Der Todte war der 15jährige Willi S., er besuchte eine hiesige Oberrealschule und hatte keine Ausficht, zu Ostern versetzt zu werden. Da er bereits länger als die regelmäßige Zeit in der Klasse saß, so glaubte Willi, seinen Eltern die angebliche Schmach nichi anthun zu dürfen, und beschloß, sich das Leben zu nehmen. In Hamburg ist Poli-zeileutnant-Karl Ewald von Jeß. der älteste Polizeileutnant der dortigen Polizeibehörde, plötzlich gestorben. Er war auf dem Wege, die Wache zu besichtigen; als er der Droschke entstieg, ereilte ihn ein Schlaganfall, dem er bald erlag. Der Entschlafene war seinerzeit Adjutant des Kaisers Mazimilian von Mexiko, der im Jahre 1866 in Oueretaro erschossen wurde. Spater kam Herr von Jeß nach Hamburg und war dort längere Zeit am Kai beschäftigt. Als dann Polizeileutnants angestellt wurden, wurde er Polizeileutnant. E i n ungewöhnlicher Vorgang spielte sich' unlängst auf dem Gemeindefriedhof in Spandau ab. Die junge Frau eines ehemaligen Chinakämpfers, des Büchsenmachers Vreuer, der in der Deutschen Waffenund Munitionsfabrik beschäftigt ist, war gestorben, nachdem fie einem Kinde das Leben gegeben hatte. Nachdem der Geistliche im Beisein derLeidtragenden die Leiche der Dahingeschttdenen in der Friedhofskapelle gesegnet hatte, wurde über dem Sarg die Taufe des neugeborenen Kindes vollzogen. Es geschah das gemäß dem letzten Wunsche der todten Mutter. Gelegentlich eines Streites zwischen den 21-, bezw. 14jährigen Söhnen des Hofbesitzers Britsch in Schwientochlowitz, O.-Schl., versetzte der ältere Bruder dem jüngeren einen Peitschenschlag in das Gesicht. Hierüber aufgebracht, zog der 14jährige Bursche einen geladenen Revolver und feuerte auf seinen Bruder einen Schuß ab, von dem dieser sofort todt zu Boden gestreckt wurde. Der jugendliche Mörder gab bei seiner polizeilichen Vernehmung an, daß es ihm ganz gleichgültig sei, selbst wenn er einen Kopf kürzer gemacht werde, im übrigen seien ja seine Eltern auch schon im Zuchthause gewesen, und er sehe daher nicht ein, weshalb er nicht ebenfalls dorthin kommen sollte! Ein bedauerlicher Unfall ereignete sich während einer Uebung beim 50. Infanterie - Regiment im Gelände bei Rawitsch in Posen. Einem in Reih und Glied siehenden Soldaten der 2. Compagnie ging plötzlich beim Laden seines GeWehrs mit einer Platzpatrone durch einen unglücklichen Zufall oder Unvorsichtigkeit die Waffe los. Der Schuß traf einen unmittelbar vor dem unglücklichen Schützen stehenden Mann an der rechten Kopfseite und riß ihm einen Theil des Ohres ab, auch erlitt der Getroffene Brandwunden am Kopf. Der Verletzte wurde sofort an Ort und Stelle verbunden und alsdann dem Garnisonlazareth zugeführt. Glücklicherweise sind seine Verwundungen nicht lebensgefährlicher Natur. E l n w a h r e s Prairieleben hat der Füsilier Georg Ennulat geführt, der vor Kurzem aus seiner Garnison Rastenburg in Ostpreußen desertirt war. Er hatte nch im Blausteiner Walde aus Strauchwerk eine höhlenartige Wohnstätte hergerichtet, die er mit einer Feuerung versah. Als dieser Tage ein Beamter der Pflegeanstalt für Epileptische in Karlshof den Wald passirte, bemerkte er aus jenem Strauchwnk Rauch emporsieigen und gewahrte auch beim Nähertreten -den steckbrieflich verfolgten Soldaten, der gerade im Begriff war, ein gestohlenes Ferkel zu braten. Es wurde sofort dem Regimentscsmmando hierüber Anzeige erstattet, worauf eine aus einem Unteroffizier und fünf Mann, bestehende Patrouille die Festnahme des Ausreißers veranlaßte.

plcik Zabersack's Zchrcibebrief.

Ho. ktt. Seöhrter Mister Edithoe! Wie ich seilen Obend, nachdem mir den Tahk mit den Mister Mehr gehabt hen, heim sin komme, do Hot e schreckliches Eckseitement geherrscht. Die Kids hen in die Ecke erum gelege, als wann se das Wasser hingeschwemmt hätt. Die Selma Hot hinnig den Ofe gehockt un Hot e Paar Auge gehabt, die wäre von dem viele Greine so roth un so uffgeschwolle, daß mer gedenkt Hot, se hätt se mit rothe Pfeffer eingeriwwe. Der Christ is aus ein Ruhm in das annere gange UN Hot sich die Hoor fast ausgerisse. Wie ich in das Sittenruhm komme sin, wo die ganze häppie Fämmillie gewese is, do hen se all gestart zu greine un zu hallern. Die Kids hen sich an mich gehängt un hen gebettelt un gelamentirt: Och, liwer Onkel Meik, helf uns, mach daß mir nit in die Pennitenscherie komme." Die Selma is uff mich zu komme und Hot sich auch an mich gehängt un Hot gesagt: Meik, wann du uns aus die Schlamassel helfe duhst, dann brauchst du so lange wie du bei uns lewe duhst, keine Bohrd mehr zu b:?ah!e. Wann mei arme Kinner errestet wer'n, dann häng ich mich uff odder duhn Suhseit kammitte. O es is zu schrecklich! Ich kann Jhne sage, ich sin puttinier zusammegebroche, wie ich die Lohd so an mich hänge gehabt hen. Ich hen die Gesellschaft denn auch en diesente Tscherk gewwe un do sin se all hingefalle. Dann hen ich gesagt: Fo? Hemmen Sehks, seid Ihr denn all krehstg? Odder wollt ihr mich umbringe? Ihr hätt die Kansekwenzes beforhand bedenke solle, dann wärt Ihr jetzt nit in den Trubel. Der Christ is der Bolies - Thiereckter un der Hot die Errests zu mache, un ich kann do gar nicks bei duhn. Jhwen wenn er mich erreste deht, do könnt ich nit kicke. Ich sin effreht, daß Ihr all in e böse Motz seid. Do hätte Se awwer emol das Hallern höre solle! Se hen Widder getreit, sich an mich zu hänge, awwer ich hen gesagt, wann se nit in e Distenz von en ... halwe Black, von mich bleiwe. dehte, dann deht ich' reiteweg nach die Stehschen gehn un deht se all hole losse. Do hen se mich off Kohrs nit mehr getotscht. Blos die Selma die is zu mich komme un Hot mich mei Fehs gepätt un Hot gesagt: Liewer guter Meik, helf uns, sonst is es mein Doht! Se is mich gar nit aus mein Fehs gebliwwe; ich hätt ja nit so viel drum gewwe, awwer ich sin noch nit geschehft gewese un do hen ich doch e wenig schennierlich gefühlt. Ich kann Jhne sage, den Obend sin Thräne vergösse worde, das war e Schehm. Wann mer die all in Tobs uffgefange hätt, dann hätt mer e Fämmillie Wasching drin duhn könne. Schließlich hen ich doch davon genug gehabt; ich kann Niemand greine sehn und wann gar e Wummen so anstelle duht, dann geht das gege mich. Do hen ich denn so laut wie ich's in mich gehabt hen, gehallert: Schott abb, loßt mich emol tahke!. Do wäre se so still wie die Mäuscher un se hen mit sämmtliche Auge uff mich geguckt; purtinier hätt ich laut lache müsse. Dann hen ich gesagt: Es gibt vielleicht noch ein Weg, wo ich Euch helfe kann " Wie se daß gehört hen, do sin se Widder all uff mich zu gesterzt, awwer ich hen mein Riewalwer eraus gezoge un hen gesagt, wann mich eins zu nah komme deht, dann deht ich die ganze Fämmillie doht schieße. Ei bett juh, do sin se ausgebäckt. Jetzt gebt emol acht, hen ich gesagt, in die Sach kann nur ein Mann ebbes duhn un das is der Mister Mehr. Morge früh macht Ihr euch all rettig un dann nemm ich Euch mit in die Zittiehahl un spreche mit den Mister Mehr m ich denke, dann kann ich die Sach noch ufffickse, awwer es derf keins fehle un Ihr müßt all recht traurige Fehses mache. Könnt Ihr das duhn? Do hcn fe gesagt, well, se dehte denke. Von die Minnit an, do hen se Widder all e wenig besser gefühlt un ich hen den Christ mit fort genomme, for eins zu täckele. Ei tell juh, ich sin arig drei geworde von all die Eckseitement un auch der Christ Hot gesagt, so en Dorscht hätt er in sei gdnzes Lewe noch nit gehabt un ich sollt ihn nur e wenig watsche, for dan er nit t .kollossable Kischt rehse deht. Mer sin ln die Saluhnwertjschaft un mer hen alle beide genug kriegt; awwer es Hot e lange Zeit genomme bis mer genug hatte. Mer hen das Sobscheckt gar nit. mehr getotscht. awwer wie mer heim Ware, do Hot der Christ gesagt, ich sollt ihn ecksjuhse, er könnt awwer nit helfe; ich wär der beste Mensch, wo er noch jemals gesehn Hot un do Hot das alte Kameel gestart zu greine, wie alles un is mich um den Hals gefalle un hot, befohr ich hen den Eckzident.priewente hen könne, mich en Kiß gewwe.

n?0MMS lepattemenl Wechsel, Crcditöricsc, Postantvcisungcn, auf alle Städte Europas. Schtffsscheine von und nach Europa. Au- und Verkauf ausiändi' schen Geldes. kml m, No. 35 Süd Meridian Str. 2IeroKants National Bank. Do hen ich ihn awwer en Pusch gew we, daß er wenigsten dreißig Füß weit gefloge is un dayn sin ich schnell in mei Rühm gange. Do kann mer sehn, wie en Mann sich zu e alteS Mummen mache kann, wann er e paar Vierche inseit Hot. Es Hot mich .lang genomme, biefor daß ich eingeschlafe sin. Ich hen ja mein Fonn bei die Sach gehabt, das is gut genug, awwer dieselwe Zeit is die Sach doch an meine Nöhrfs gange. Das Riesolt war, daß ich am nächste Morgen erscht um neun Uhr uffgeweckt sin, awwer wie ich daunstehrs sin komme, do hen ich doch laut lache müsse. Do hen se all in eine Roh gestanne, der Christ un die Selma un die sämmtliche Kids, all uffgefickst. als wann se zu e Pahrtie gehn wollte un Fehses hen se gemacht, als wann se ihr bester Freund gestorwe wär un se wollte als traurige Hinnerbliewene zu die Leich gehn. Ich hen gesagt, wann Ihr nit in leß denn. no teim annere Fehscs mache duht, dann martsch ich mit Euch nit zu den Mister Mehr, sonnern zu die BoliesStehschen. Wie der Blitz hen fe do ge grinnt, als wann se Winnecker un Mehpelsirupp verschluckt hätte. Ich hen mich rettig gemacht un dann .sin mer losgeschowe. Wie die Selma die Dohr von den HauS zugeschlosse hot, do hot se en Seifzer von sich gewwe, als wann se ihr häppie Hohm nie nit mehr Widder sehn deht. Das nächste mol verzähl ich Jhne, wa!i bei den Mister Mehr gehäppend iö.. ' Mit allerhand RiegardZ Juhrs Trulie, Meik Habersack, CSkweier un Scheriff von Apple jj&d Holte Terrer Kauntke. Zu den vielerlei Produkten, welche der fruchtbare Boden von Minnesota hervorbringt, mag ,ein neues kommen die Anpflanzung von Hanf. Unter denen, die Versuche mit dem Anbau von Hanf machten, ist Senator A. D. StephenZ, welcher, vor cinigen Tagen in der Legislatur diese Faserpflanze vorlegte und die erfolgreiche Anpflanzung konstatirte. Es waren in der Nähe von Crookston im Ganzen etwa 100 Acres angebaut' worden. Eine Wolfsgeschichte, die jedenfalls stark mit Jäger-Aufschnei derei gebessert ist, erzählt man sich in Rhinelander, Wis. Ein Mann, Namens E. S. Shepard soll nämlich eine Anzahl Wölfe gezähmt und dressirt haben und sie nun zur Jagd benutzen. Die Wölfe, fo heißt es, nehmen die Spur, des Wildes leicht auf. Kürzlich erbeuteten sie in drei Tagen 17 Hir sche, 9 Ottern und 3 Bären. Der größte Wolf, ein riesiges, aber außergewöhnlich zahmes Thier, macht den Führer und hält das Rudel in Ord nung. Wie der Besitzer sagt, füttert, er die Thiere zwei Tage lang nicht, ehe er sie auf die Jagd ausschickt, damit sie um so größeren Eifer in der Verfolgung des Wildes entwickeln. Eine eigenartige Schadenersatzklage würde neulich im Kings Bench - Gerichtshof zu London verhandelt. Ein Einwohner der Vorstadt Ealing hatte die Aylesburh Milchge- t nossenschaft aus Schadenersatz wegen des Verlustes seiner Frau verklagt. Deren Tod war angeblich durch den Genuß von Milch verschuldet worden, die durch Typhuskeime verunreinigt war. Als Hauptzeugen traten zwei Vezirksärzte auf und beschworen, daß in der Nachbarschaft des Klägers eine kleine Epidemie von 23 Typhusfällen zur Beobachtung gekommen sei, und diese sei in erster Linie auf den Genuß von Milch zurückzuführen, die das angeklagte Milchgeschäft an 13 der erkrankten Personen geliefert habe. Ferner wurde nachgewiesen, daß auf der Farm, von welcher die von den Kranken getrunkene Milch stammte, zwei Typhusfälle mit einem. Todesfalle vorgekommen seien. Der Richter wies darauf hin, daß es im höchsten' Grade nachlässig sei, Kühe in einer Umgebung zu melken, die schlechtes Wasser habe, und die Milch zu verkaufen. Die Geschworenen schlössen sich der Ansicht des Richters an und sprachen, wie die Deutsche medizinische Wochenschrift berichtet, dem 'Kläger 5500 Schadenersatz zu. '

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