Indiana Tribüne, Volume 28, Number 175, Indianapolis, Marion County, 17 March 1905 — Page 5

Jndiana Tribüne, 17. März 1905.

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u Wittwe l! des

WarKgrafen f ! (Schluß.) Ers5 mehrere Stunden Ip'aler, als sich die Markgräfin von dem Schrecken über ihren ohne alle schädlichen Folgen verlaufenen Unfall längst vollständig , erholt hatte und mit holdseligem Lacheln den Grafen in ihrer prächtig ausgestatteten Wohnung empfing, kam es zu einer Aussprache, bei der merkwürdiger Weis? der junge Edelmann wieder mit derselben Verlegenheit zu kämpfen hatte, die ihn schon so oft während des Alleinseins mit der schönen Wittwe befallen. Wohl sagte er ihr, daß er sie liebe und daß es ihn zu dem glücklichsten der Menschen machen würde, sie zu besitzen. Aber das Geständniß kam stockend und unsicher übe? seine Lippen. Er vermied es, der Markgräfin in's Gesicht zu sehe. - Und als sie erglühend an seine Brust sank, schien er viel eher in Versuchung, sie von sich abzuwehren als sie stürmisch in seine Arme zu schließen. Jch bin noch nicht zu Ende, Bianka," fuhr er mit gepreßter Stimme fort. Ein Hinderniß, das ich Dir nicht verheimlichen darf, stellt sich unserem Glücke noch entgegen. Und Deine Liebe wird kaum stark genug sein, das Opfer zu bringen, das ich von Dir fordern müßte." Die Markgräfin verhehlte ihre Bestürzung nicht. Ein Hinderniß?" wiederholte sie. Worin könnte das bestehen?" Noch immer suchte Ux angebliche Graf Lychow ihren fragenden Augen auszuweichen, und er sah beharrlich vor sich nieder, während er erwiderte: Ich habe Dir bisher nicht den wahren Grund genannt, der mich aus der Heimath vertrieben. Es war ein Zerwürfniß mit meinem Vater, einem starrsinnigen alten Manne, der schon seit Jahren an das Leidenslager gefesselt ist. Er wollte mich mit einer jungen Verwandten vermählen, fr die ich keine Liebe empfand, und so sind wir im Groll voneinander geschieden. Wenn ich jeht ohne seine Einwilligung einei Ehebund schlösse, noch dazu mit einer Dame, die er nie gesehen, so würde ich damit auch das letzte Band zwischen ihm und mir zerreißen, und nimmermehr würde er mir verzeihen." . Es schien fast, da die Markgräfin Schlimmeres zu hören erwartet hatte, denn' ihr Gesicht hatte schon wieder den vorigen strahlenden Ausdruck angenommen. Dahin darf es natürlich nicht kommen," erklärte sie mit großer Bestimmtheit. Aber was hindert uns denn, vor Deinen Vater hinzutreten und seinen Segen zu erflehen? Glaubst Du,, daß .er zu stolz sein würde, die Wittwe des Markgrafen von Brandenbürg als Tochter willkommen zu heißen?" Gewiß nicht, sofern er Gelegenheit hätte, sie in all' ihrer Liebenswürdigkeit und Anmuth kennen zu lernen. Aber er kann Schloß Lychow nicht verlassen; und Du wirst Dich schwerlich dazu verstehen, mir in mein Vaterland zu folgen." Warum nicht, mein Freund? Unter Deinem Schutze ginge ich getrost bis an das Ende der Welt. Ich weiß, daß der ' Kurfürst von Brandenburg mir nicht wohlgesinnt ist, und ich würde mich unter anderen Umständen allerdings weislich gehütet haben, die Grenzen seines Landes zu überschreiten. An Deiner Seite aber weiß ich mich wohlgeborgen. Gegen die Braut des Grafen Lychow wird er nichts zu unternehmen wagen." Schneller und müheloser, als er es hatte erwarten können, sah sich Ehristoph v. Wackerbarth am Ziel seiner Wünsche. Aber es war etwas ganz anderes als freudige Genugthuung, was er in diesem Augenblick empfand. Er war bei der Erwiderung der Markgrä'sin bis in die Stirn hinauf erröthet, und seine Brust athmete schwer, als hätte eine furchtbare Last sich darauf gewälzt. Deutlich malte sich der Kampf, den er zu bestehen hatte, in seinen Zügen. Und wenn wenn ich dennoch nicht stark genug wäre. Dich zu schützen?" stieß er hervor. Begehe ich nicht ein schweres Unrecht, indem ich dies Opfer von Deiner Großmuth annehme?" Nicht doch, Du thörichter Mann!" suchte sie lächelnd seine Aufregung zu beschwichtigen, deren Heftigkeit sie nicht begriff. Dein Kurfürst wird mich ja nicht umbringen lassen. Und ich sehe es sehr wohl ein, daß die Pflichten kindlicher Dankbarkeit heiliger sein müssen, als alle anderen." Ohne es zu ahnen, hatte sie damit ein verhängnißvollcs Wort gesprochen, ein Wort, das über ihr Schicksal entschied. Um den heiligcn Pflichten kindlicher Dankbarkeit zu genügen, hatte er ja dieses ganze Gaukelspiel begönnen. Und wenn er sich jetzt, wo er dem erstrebten Ziele so nahe war, durch die Stimme seines Gewissens von dem letzten entscheidenden Schritt zurückschrecken ließ, so beging er damit gewissermaßen einen Verrath an seinem unglücklichen Vater. Daß Vianka selbst ihn. daran mahnte, erschien ihm

j& $ z - -$ Mansche. ErMung. . Ho;i 21. Dr(s). jl -$ $ 55 ! : ; H wie der Zuruf einer höheren Macht, der er sich beugen mußte, ob auch sein Herz sich rebellisch auflehnte gegen den schändlichen Mißbrauch, den er da mit dem Vertrauen eines liebenden Weibes trieb. Du bist ein Engel, Bianka," sagte er mit beinahe tonloser Stimme, indem er sich niederbeugte, um ihre Hand zu küssen. Und wann wann können wir unsere Reise antreten?" Je eher desto besser. Denn ich weiß, daß wir hier von hundert neugierigen Augen beobachtet werden, und ich fürchte deshalb, daß wir unser Geheimniß nicht lange zu wahren vermöchten. Ein Diener und meine Kammerfrau werden mich begleiten, während Du, mein Freund, uns gewissermaßen als Kurier vorausfährst. Natürlich werde ich unter einem angenommenen Namen reisen, und so lange wir unterwegs sind, wird Niemand erfahren, daß wir zu einander gehören." Mit jener Klugheit und Energie, die einen hervorstechenden Grundzug ihres Charakters ausmachte, hatte sie sogleich alles bedacht und ihren Plan für die bevorstehende Reise entworfen. Ehristoph v. Wackerbarth fühlte sich in innerster Seele beschämt durch die heitere Zuversicht, mit der si& von dieser gefährlichen Reffe plauderte wie von einer harmlosen Vergnügungsfahrt. Und er empfand es als eine Erlösung, da ihm durch die Dazwischenkunfi einer Vesucherin ein schicklicher Vorwand geboten wurde, sich für heute zurückzuziehen. In der Einsamkeit seines Gasthauszimmers hatte er dann noch einen langen und schweren Kampf gegen du Auflehnung seines Ehrgefühls und sei nes jungen, liebeheißen Herzens zu bstehen. Denn auch für ihn war ar.s dem trügerischen Spiel trotz all' seines Slräubens längst bitterer Ernst geworden, und er hätte den heutigen Tag als d?n glücklichsten seines Lebens etrachtet, wenn er wirklich das gewesen wäre, für den er sich der Markgräfin gegenüber ausgegeben. Die frühe Dunkelheit eines trüben Winterabends begann ihre grauen Schleie? über die emtomg flache Landschaft zu breiten, als auf 'der schneebedeckten Landstraße, die von der Stadt Wittcnberg de? preußischen Grenze zuführte, eine von zwei starken Pferden gezogene Postkutsche daherrollte. - Auf dem Bock neben dem Kutscher saß ganz in Decken vermummt ein alter Wiener, Gesicht recht ariesarämia aus vem yochgeschlagenen Pelzkragen hervorschaute: im Innern des rumpelnden Gefährts aber suchten sich zwei ersichtlich sehr müde und abgespannte Frauen mit ihren Mänteln und Kapuzen fi gut als möglich gen den rauhen Nordwind und die schneidende Kälte zu schützen, die fühlbar genug durch die Ritzen und Fugen des altersschwachen Wagens drang. Namentlich die auf dem Vordersitz ganz in sich -zusammengekauerte weibliche Gestalt hätte man viel eher für ein rundliches Bündel von Kleidungsstücken als für ein menschliches Wesen halten können, wenn nicht von Zeit zu Zelt em sehr vernehmlicher Seufzer kundgegeben hätte, daß irgend etwas Lebendiges in dem Hausiern stecke. Leidest Du Schmerzen, Theresa, daß Du gar so herzbewegllch stöhnst?" brach endlich die in der gegenüberliegen den Ecke der Kutsche lehnende Dame das Schweigen, das seit der Abfahrt von Wittcnberg zwischen den Beiden ge Herrschi hatte. Oder verlangt es Dich noch nach einigen weiteren Tuchern zum Schutz gegen die Kalte? - Ach, alleranädiaste rau Markarä fin," klang es in höchst jämmerlichen Lauten aus dem Bündel zurück. Wären wir doch wenigstens diese Nacht unter einem sicheren Dache geblieben! Ich habe eine zuverlässige Ahnung, daß uns etwas Schreckliches bevorsteht." Diese fürchterliche Ahnung, meine gute Theresa, hattest Du feit unserer Abreise von Win? bisher noch an jedem Tage. Und wie Du siehst, ist sie bisher nicht in. Erfüllung gegangen." Aber es war auch noch nie zuvor so unheimlich wie hier. Seitdem wir an dem Galgen mit den beiden gehenkten Straßenräubern vorübergekommen sind, habe ich noch nicht aufgehör: zu zittern." Du bist eine Thörin. Die armen Gehenkten thun keinem mehr etwas zu leide. Und man hat uns in Mittenberg gesagt, daß die Landstraßen jetzt völlig sicher seien." Aler wir hätten doch die Nacht dort bleiben sollen, Frau Markgräfin! Der Kutscher kann in der Finsterniß sehr leicht den Weg verlieren und kann uns in einen Fluß hineinfahren oder in einen Sumpf, wo wir elend ertrinken müssen." Aus der anderen Wagenecke kam ein leises Lachen. Arme Theresa! Wie vielfältig sind doch die schrecklichen Gefahren, die Dich zittern machen! Aber ich kann Dir versichern, daß ich ebenso wenig Lust verspüre wie Du, in der Blüthe meiner Jahre elend zu ertrinken, und daß ich darum gewiß nicht so

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Die Hauptstraße in ZNukden.

ruhig wäre, wenn uns hier etwas derartiges bedrohte. Es thut mir ja sehr leid, daß ich Dich den Bedrängnissen dieser Nachtfahrt aussetzen muß, aber es ließ sich wirklich nicht anders einrichten. Und , morgen schon werden wir Schloß Lychow erreichen. Tann haben -orge und Ungemach em Ende, und Du sollst Dich mit mir meines Glückes freuen. Oder zweifelst Du etwa daran, daß ich glücklich sein werde?" Ach, allergnädiaste Frau Markgrasin, ich bin nur eine arme Dienerin, und es . ziemt mir nicht, alles auszusprechen, was iä) denke." Aber ich befehle Dir.' es zu thun," klang es etwas ungeduldig' aus , dem Munde der Gebieterin. Hast -Du irgend etwas wahrgenommen, das Dich beunruhigen könnte?" - " Nichts Bestimmtes, Frau Markgräfin! Aber ich weiß nicht der Herr Graf war gestern und heute während der kurzen Zeit-wo wir mit -ihm zusammen trafen, so , sonderbar,' so aufgeregt und " : ' y Genug! Ich will nichts weiter hören!" Mit einer ungestümen Handbewegung, als wäre es ihr plötzlich zu heiß geworden unter der schützenden Hülle, hatte die Markgräfin die Kapuze ihres Mantels in den Nacken zurückgeschoben, und auf ihrem schönen Gesicht war ein Ausdruck fast düsteren Ernstes.- Mrt aller Energie hatte sie sich bisher 'dagegen gesträubt, an die Richtigkeit der selben Wahrnehmung zu glauben,' der die Dienerin soeben Worte verliehen. Aber wenn Lychows Benehmen sogar ihrer Kammerfrau auffallen konnte, mußte es doch wohl keine Täuschung gewesen sein, als sie zu sehen' meinte, daß er seit dem Beginn !der"Reise ein ganz Anderer geworden war, daß sich eine eigenthümliche Scheu und ZurückHaltung in seinem Wesen offenbarte und daß er geflissentlich bemüht war, die ohnedies sehr karg gezählten Augenblicke ihres Beisammenseins nach Möglichkeit abzukürzen. Sie hatte es anfangs nur für -ritterliches Zartgefühl genommen, daß er ihr während dieser Reise niemals mehr von seiner Liebe gesprochen und sich' keine jener zärtlichen Vertraulichkeiten gestattet hatte, die sonst unter Verlobten Brauch sind und die sie ihm gewiß nicht ver-. wehrt haben würde. Allgemach aber hatte sein sonderbares Benehmen, seine Unrast und Aufgeregtheit, sie doch mehr und mehr befremdet. Und daß sie trctz ihrer Ernmdung heute darauf besianden hatte, die Fahrt ohne Unterbrechung fortzusetzen, war vielleicht nur aus der dunklen, uneinqestandenen Empfindung heraus . geschehen, allen qualenden Zweifeln ein Ende zu bereiten und sich ihres gefährdeten Glückes zu versichern.. Wie ein eisiger Hauch hatten jetzt die Wcrte der Dienerin ibre Seele berührt, und mit umflortem Blick starrte sie in die rasch immer dunkler werdende Landschaft hinaus. Da plötzlich erdröhnte durch die abend-liche-Stille der scharfe Knall eines Schusses, der in nicht sehr großer Entfernung abgefeuert sein mußte, und dem schon wenige S'.'unden später ein zweiter folgte. Mit emem Ruck,, als ob der Kutscher festig an den Zügeln gerissen hätte, stand die Postkutsche still. Die Kammerfrau, die ihre schrecklichsten Ahnungen in Erfüllung gehen sah, stieß einen gellenden Schrei des Entsetzens aus. Die Markgräfin aber wickelte sich blitzschnell aus ihren Umhüllungen, um ungestüm den Wagenschlag aufzureißen. , Was gibt's?" rief ste zu den beiden Männern auf dem Bocke hinauf. Weshalb fahren wir nicht weiter?" Der alte Diener beugte .sich herab und sagte mit zitternder Stimme. Eure Erlaucht haben nichts zu fürchten. Der Kutscher meint, daß wahrscheinlich ein vor uns fahrender Wagen von Straßenräubern angefallen worden sei. Aber wenn wir sofort umwenden und in scharfem Trab nach Witienberg zurückfahren, werden wir ihnen gewiß entgehen."' Seid Ihr' von Sinnen," fuhr die Markaräfin auf. tan Ihr daran den

ken könnt, solche Erbärmlichkeit zu begehen? Ich befehle Euch, auf der Stelle weiter zu fahren und zwar so schnell, als die Pferde laufen können, damit wir den Bedrängten noch rechtzeitig Hilfe bringen." Trotz dieses nachdrücklichen Befehls machte, der um sein Leben zitternde Kutscher Miene, das Gespann zu wenden. Im nämlichen Augenblick aber

vernahm er hinter seinem Rucken das Knacken eines Pistolenhahns, und in einem Tone, der ernsthaft genug klang, rief ihm die Markgräfin zu: Wenn Du nicht auf der Stelle weiter fährst, Feigling bei Gott, so schieße ich Dich von Deinem Bock herunter. Der arme Bursche warf einen entsetzten Blick hinter sich und, hätte vor Schreck beinahe - die Zügel fahren lassen. als er sah, daß sein vornehmer weiblicher Passagier, dessen Namen und Stand ihm allerdings bisher unbekannt geblieben war,, sich mit halbem Leibe zum Wagenfcnste! herausgelehnt und die Mündung einer Pistole auf ihn gerichtet hatte. Da ihm gleichzeitig auch der Diener zuraunte: Um des Himmels willen, fahr zu, wenn Dir Dein Leben lieb ist," verlor, er vollstän-, l. . f . ...!ir.i. ri ll r.:. vig.oen nops uno peiicyie, pni leine ursprüngliche Absicht auszuführen, wie einÄnsinniger auf die Pferde ein. Nach etnr tollen Fahrt von nur- wenigen Minuten' sah die Markgräfin. vor sich eini -Laterne aufblinken, und ein wirres.' Geräusch .wie von dem Lärm kampfender Menschen drang an .'ihr Ohr. Gleich darauf erkannte sie auch die Umrisse einer Postkutsche, die kaum eine andere als .die des vorausgefahrenen Grafen-. Lychow sein konnte. Zwar war er fast, um eine halbe Stunde srnher von Witienberg aufgebrochen als sie; aber er hatte die schlechteren Pferde für' sich genommen, und so war es keineswegs verwunderlich, daß der Wagen der Markgräfin ihm. schon hier so nahe gekommen war. Die Bersicherung des Wittenberger PostHalters aber, daß die Landstraßen wieder vollständig sicher seien, erschien nun doch viel, weniger zuverlässig als die Ahnungen der Kammerfrau, denn das halbe Dutzend' zerlumpt und verwegen aussehender Gestalten, gegen das sich da ein einzelner Mann in bewunderungswürdigem Muthe mit ebenso wuchtigen als geschickten Degenhieben wehrte, gehörte ohne allen Zweifel keiner anderen Zunft als der ehrsamen Gilde der Straßenräuber an: Sie hatten eines der beiden Pferde niedergeschossen und wohl auch den Kutscher kampfunfähig gemacht, so daß der Passagier ihnen ganz allein gegenüberstand. Wie tapfer und gewandt er sich auch wehrte, hätte der ungleiche Kampf doch unfehlbar schon binnen kürzester ?t.J in 5!, rOrtr&le? s Stnr mi?fg iiutm .muuyn vvtym sen. wenn ihm nicht just im Augenblick höchster Noth Hilfe gekommen wäre. Diese Hilfe aber brachten ihm nicht die mit der zweiten Postkutsche auf den Schauplatz gelangten beiden Männer, sondern eine heldenmüthige Frau. Wie aus der Erde aewachsen, stand die unerschrockene Markgräfin plötzlich an seiner Seite, und ein wohlgezielter Schuß aus ihrer doppelläufigen Pistole streckte den ungestümsten und gefährlichsien der Angreifer nieder. Da Ehristoph v. Wackerbarth gerade im nämZichen Augenblick feinen Degen einem Anderen ein paar Zoll tief zwischen die Rippen stieß, und da die übrigen in den aus dem Dunkel auftauchenden Gestalten des Kutschers und des Dieners zwei weitere gefährliche Gegner argwohnen mochten, zogen ste es vor, ihre beiden verwundeten Gefährten im Stichs zu lassen und schleunigst Fersengeld zu geben. Kaum zwei Minuten nach dem Erscheinen der Markgräfin waren üe,' verschwunden. f? w Mit einem lauten Jubelruf warf sich Bianka an die Brust des geliebten Mannes. , Gerettet! Gelobt sei Gott, daß wir noch nicht zu spät gekommen sind! Im nächsten Moment aber durchrieselte ein Strom eisigen Entsetzens ihre Adern. Denn sie fühlte, wie der starke Mann' in ihren Armen wankte.

und sie gewahrte zugleich eine schreckenerregende Veränderung auf seinem Ge-

sichi. Vielleicht zu spät für mich, Frau Markgräfin," sagte er mit matter Stimme, aber glücklicher Weise nicht zu spät für Sie. Ich beschwöre Sie, Ihren Wagen zu besteigen und schleumgst desselben Weges zurückzufahren, den Sie gekommen stnd. Mich aber mögen Sie getrost meinem Schicksal überlassen, denn ich glaube, mir ist nickt mehr zu helfen." Er taumelte und lehnte sich an den Wagen, um nicht zu Boden zu sinken. In Todesangst rief die Markgräfin nach einer Laterne, und bei ihrem Schein erkannte ste, daß ihr Verlobter ganz mit Blut überströmt war. Es drang aus einer Kopfwilnde und aus einer Wunde in der Brust, auf die er umsonst seine Hand preßte, um die unaufhaltsam hervorquellende warme Lebensfluth zu hemmen. Welches ist die nächste Ortschaft?" wandte sich die Markgräfin in verzwcifelter Erregung an ihren Kutscher. Und wie weit sind wir noch von ihr entfernt?" Kaum eme halbe Stunde," lautete die Antwort. Sie liegt gleich jenseits der Grenze." So werden mr dorthin weiter fah ren, und nicht nach Wittcnberg zurück," entschieddie junge Wittwe. Aber Mit einer gewaltigen Anstrengung seiner schon versaaenden Kräfte richtete sich der Verwundete empor und nef: Sie werden die Grenze nicht überschreiten, Frau Markgrasm, denn Sie werden dort von den Häschern des Kurfürsten erwartet. Bei dem Heil meiner Seele schwöre ich Ihnen, daß es lautere Wahrheit ist, was Sie jetzt von mir hören. Ich bin nicht der Graf Lychow. für den Sie mich hielten, sondern ein elender Betrüger, der Sie schmählich hinterging, um Sie- auf brandenburgisches Gebiet zu locken und in die Gewalt des Kurfürsten zu liefern. Seine Schergen stnd von Ihrer Ankunft benachrichtigt und haben Befehl, Sie sofort in sicheren Gewahrsam zu bringen. Darum bitte ich Sie noch einmal: kehren Sie um. Und lassen Sie mich hier am Wege sterben, wie ich's verdient habe." Seine Hand sank von der Brust herab, und ein Strom von Blut drang aus der Wunde. Es war, als ob er noch etwas Weiteres sprechen wollte; aber nur ein paar unverständliche, röchelnde Laute kamen über seine Lippen. Bewußtlos brach er zusammen. . Als Christoph v. Wackerbarth aus seiner langen und tiefen Ohnmacht erwachte, lag er in einem sauberen und freundlichen Stübchen desselben Mittenberger Gasthofes, in welchem er zum letztenmal vor der Katastrophe mit der Markgräfin zusammengetroffen war. und sein erster Blick fiel auf die Gestalt der jungen . Wittwe, die eben auf die Schwelle getreten war. - - Bianka!" stieß er hervor. Sage mir, ob all' das Schreckliche Wirklichkeit war oder nur ein wüster Traum?" - Sie näherte sich seinem Lager und legte ihre Hand auf seine verbundene Stirn. Fühlen Sie sich stark genug, mir Antwort zu geben auf wenige Fragen?" - Fragen Sie mich, Frau Markgräfin! Ich werde. Ihnen nichts mehr verhehlen." Sie stnd nicht Graf Lychow, sondern der Junker Christoph v. Wackerbarth?" Ich bin es.". Und Sie haben mich an den Kurfürsten von Brandenburg ausliefern wollen, um dadurch die Befreiung Ihres Vaters zu erlangen?" Nur deshalb! Aber woher können Sie wissen?" ' Als man Sie entkleidete, fand man in Ihrer Tasche einige Dokumente, aus denen ich leicht den Zusammenhang der Dinge errathen konnte. Alles, was Sie mir von Ihrer Liebe sagten,, war also eitel Lüge und Betrug?" Nein, so wahr mir Gott helse es war die Wahrheit!' Jetzt, da ich die Gewißheit habe, daß ich sterben muß, darf ich es ja sagen: ich habe Sie geliebt. Und die Stunde, die uns trennte, wäre ohnedies die letzte meines Lebens gewesen. Sobald die Pflicht meiner lindlichen Dankbarkeit erfüllt war, hätte ich mein verlorenes Dasein geendet." In der offenen Thür erschien der Chirurg, und während er sich mit dem Verwundeten beschäftigte, war di: Markgräfin verschwunden. Eine Stunde später verfiel der Schwerverletzte in ein heftiges Wundfieber voll der fürchterlichsten Phantasien, und viele Tage lang schien jede Stunde die letzte seines zungen Lebens werden zu wollen. Aber seine riefenstarke Natur überwand die Gefahr, und eines Morgens blickte er wieder mit völlig klaren Augen in die Welt. Diesmal währte es ziemlich lange, ehe ihm die Erinnerung zurückkehrte an das, was seiner Verwundung vorausgeqangen war, und als endlich alles wieder in deutlichen Bildern vor seiner Seele stand, da packte ihn em wüthender Schmerz und ein finsterer Groll gegen das Schicksal, das ihm nicht die Wohlthat vergönnt hatte, zu sterben. Wer weiß, was er in dieser ersten verzweifelten Aufwallung gethan hätte. wenn irgend eme Waffe :m Bereich sei ner Hände gewesen wäre. Glücklicher Weise aber gab es nichts derartiges in dem Gemach. . .. . Und eine halbe Stunde später war er für immer von allen schwarzen Selbstmordgedanken geheilt. Denn

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