Indiana Tribüne, Volume 28, Number 175, Indianapolis, Marion County, 17 March 1905 — Page 3

Jndlana Tribune, 17. März 1905

Unsicherheit

Mit die Msttgen Entschlicßllngcn dcs General Kllroplltlm. Neue Truppen sollen mobil gemacht werden. Das künftige Operationsseld Kuropatkin's. Im deutschen Reichstag greift Bebcl den Reichskanzler an. Heyl v. Hcrnsheim über die Monroc-Doktriv.-Gen. v. Trotha'S Rückkehr.-Kaiser Franz Josef nach Budapest.

UngewisseZukunft. S t. P e t e r 3 b u r g. 16. März. Die Japaner bemühen sich offenbar aus's Aeußerfte die Einschließung der russischen Armee zu bewerkstelligen, der bei Mulden nicht gelang, aber man glaubt, daß Gen. Kuropatkin mit einer Eisenbahn als Rückzugslinie im Stande fein wird, seinen Verfolgern zu entgehen. Anhaltende Rückzugsgefechte find wahrscheinlich. Militärs haben nicht die leiseste Idee, wo die Ruffen sich wieder stellen mögen. Offenbar find keine weiteren be festigten Stellungen vorbereitet und der Rückzug wird nicht vor Harbin oder Kuanchentzy enden. Wenn die Japa' ner die Verfolgung energisch betreiben, mögen fich die Ruffen über den Sun gari-Jluß zurückziehen, um dort neue Truppen zu erwarten, deren Mobili firung sofort in Rußland beginnen wird. Die Räumung des TiePaffeS hatte auch den Verlust der Kohlengruben in jener Nachbarschaft zur Folge, der mit dem Verluste der Tushun und Ientai'Gruben ein schwerer Schlag ist. Die EisenbahN'Werkftätten von Tie Paffe mit großen Vorrathen wurden auch geopfert. Vorbeireitende Befehle für eine weitere Mobilisirung sind bereits erlaffen worden, doch ist deren Umfang nicht be kann. Bis jetzt ist keine Veränderung im Oberbefehle der Armee im fernen Osten gemeldet. Ein hoher Offizier sagte gestern dem Vertreter der Ass. Presse, jetzt General Kuropatkin abberufen heiße die Pferde mitten im Strome wechseln." ES sei besser. Kuropatkin Gelegenheit zu geben, waS noch von seiner Armee übrig sei, aus den Klauen der Japaner zu reißen, als eS einem neuen BesehlShaber zu überlassen, der erst die Lage kennen lernen müsse. Für Frieden. St. P e t e r s b u r g, 16. März. Fürst Mestchenöky räth im .Grash. danin" der Regierung schleunigst Frie den zu schließen und sagt : Laßt uns die heroische Kraft haben vor der Welt eine Niederlage zuzuge stehen. Jetzt werden bessere Bedingungen zu erlangen sein, wie später. wenn Wladiwostock und Sachalin in die Hände der Javaner gefallen find und der Friedensschluß wird fich als die Rettung des Landes erweisen, indem er den inneren Schiffdruch abwendet. Diese Worte von einemReaktionären, wie Fürst MeftchenSky, haben großes Aufsehen erregt. Der Krieg dauert fort. Berlin, 17. März. Die deutsche Regirung ist benachrichtigt worden. daß der Zar alle FriedenSgedanken bei Seite gesetzt hat und den Krieg fort führen wtrd. Umgehung deSTi e.P a s s e S. S t. P e t e r s b u r g, 16. Mürz. Die Nachrichten von der Front lauten wieder sehr bedenklich. Feldmarschall Oyama hat einen 'anderen Schlag ge : gen die besiegte russische Arm?e' geführt Trotz der Erschöpfung seiner Truppen hat er eS fertig gebracht eine neue Um aedunasoeweauna auslumsren. um seinen Sieg bei Mulden zu einem voll kommenen zu machen. Der Angriff auf die russischen Vorposten am Fan Fluffe war, wie fich jetzt herausstellt, nur eine Finte, um die Aufmerkfamkei der Ruffen von ihrer Flanke abzulen ken. Wie eine Depesche von Santopu meldet, ist eine Schlacht nördlich vom Tie'Paffe im Gange. Daß Gen. Kuropatkin durch diese Umgehung überrascht wurde, küßt sich daraus entnehmen, daß er bei seinem Rückzüge vom Fan-Flusse seine Vor rätbe verbrennen mußte, um sie nich in die Hände des Feindes fallen zu . lassen. Mit Verwundeten über. füllt. v a r b l n, 16. März. Massen chinesischer Truppen und Banditen sollen westlich von Tsitsihar stehen und man befürchtet einen Angriff auf die Eisenbahn

Obgleich starke Züge von ReconvaleS zenten westlich dirigirt wurden, ist diese Stadt mit Verwundeten don Mukden überfüllt. Eine Anzahl verdächtiger Chinesen wurde verhastet. Neues OperationS-Feld.

St. Petersburg, 16. März. Gen. Kuropatkin und die Reste seiner Armee sind nun einige Meilen nördlich vom Eingänge zum Tie'Passe und ver uchen ihre Verfolger abzuschütteln. Kuropatkin ist durch die Garnisonen von Ticling und anderen nördlichen Orten verstärkt worden, sowie durch inige neue Truppen, welche aus Ruß and kamen, als die Schlacht bei Muk den begann. Aber selbst mit diesen cheint er wenig AuSftchten zu haben. Zugegeben, daß er 3040 Meilen hügeliges Land zwischen dem Tie-Paß und Tenghnatsien vor fich hat, das es hm ermöglicht, dengelnd einige Zeit aufzuhalten, aber hinter demselben ommen 300 Meilen flachen 'Landes mit unzähligen Wasserläusen, die überchritten werden müssen. DaS ist das sogenannte große Thal des Sarugari, aber thatsächlich ist es M . n eme große tzvene, me tm untn von hohen Bergen begrenzt wird, sich nörd ich in Sibirien und westlich in die Mongolei erstreckt. Kirin und Harbin, wo Bahnen von Wladiwostock und Sibirien einmünden, sind die Central punkte dieser wunderbar reichen Gegend, die in vielen Beziehungen dem Nordwesten Canada'S gleichen. Vom TiePasse führt auch eine gute Fahrstraße nach . Kaiyuan, wo sie sich theilt. Eine Strecke führt westlich nach Harim, die andere durch die Berge nach Kirin. Die Entfernung vom Tie Passe nach Harbin ist wenig unter 300 Meilen. Hier ist jeder Acre bebaut; das Land ist mit zahlreichen Heerden von Schasen, Rindern und Pserden bevölkert. Die Verflegung stößt also auf keine Schwierigkeiten. Das Klima ist weit kälter wie bei Mukden. Vor April pflegt der Boden nicht aufzuthauen. Hundert Meilen nördlich vom TiePasse liegt Kwanfuling, wo große Vorrathe aufgestapelt und Hospitäler errichtet sind. Gelingt eS Kuropatkin vom Tie-Passe Oyama zu entrinnen, so hat er eine gute Gegend zu günstiger Jahreszeit zu durchqueren. GeneralKaribee. S t. P e t e r S b u r g , 16. März. General Karibee ist zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte zu Wladiwostok ernannt worden. BobrinSky wird Präsident des OrganifationS-ComiteS vom Rothen Kreuze. DierussischeAnleihe. Paris, 16. März. Die Ver schiebung der russischen Anleihe wird noch immer lebhast besprochen. BankierS sind der Ansicht, daß die VerHand lungen wieder aufgenommen werden und ein befriedigendes Resultat er reichen mögen. Einer der Bankiers, der nach St. Petersburg gereist war, sagte, Herr Witte habe bemerkt: Wir können eine Niederlage in der Mandschurei auShal ten, aber nicht in Paris." -Man schließt daraus, daß Rußland geneigt ist, alle möglichen Konzessionen zu machen, um seine Stellung im fran r . zon azen Gelomartte ausrecyt zu erhalten. Deutschland. Reichstag. Berlin. 16. März. Der Reichs kanzler von Bülow und Abgeordneter Bebel geriethen heute im Reichstage heftig aneinander. Der Sozialisten führe? sagte, Deutschland hbe sich in den Augen der Welt erniedrigt; v. Bü low sei veranttvortlich dafür, daß Preußen sich mit der schmutzigen Arbeit befasse, russische Militärflüchtlinge zu fangen und auszuliefern, daß es .aus Veranlassung russischer Spitzel Man ner und Frauen zum Verlassen fcieufcl schen Gebiets zwinge, deren einziges Vergehen Liebe zur Freiheit sei. Ist die indirekte Theilnahme deut scher Schiffe mit deutschen Bemannun gen und unter deutscher Flagge nicht

eme Verletzung der Vceutratttatk" fragte Aebel weiter.

Der Kanzler erwiderte: Nach den ausdrücklichen Versicherungen derHam burg.Amerika.Linie müssen die deut schen Transportschiffe das russische Geschwader nicht begleiten. Sie liefern nur Kohlen in gewissen neutralen Häfen. Die kaiserliche Regierung weiß Nichts von einem ungesetzlichen Druck auf die Bemannungen der deutschen Schiffe bei Madagaskar. Wenn der russische Admiral im Interesse der EeHeimhaltung russischer Umstände die Bewegungsfreiheit deutscher Matrosen zu beschränken sucht, so kann ihm das kaum Übel genommen werden. 'Sollte die HamburgAmerika-Linke die Be mannungen nicht so behandeln wie in dem Kontrakte unter deutschem Gesetze bestimmt ist, so würde sie die Regierung schonungslos zur Verantwortung ziehen." Frh. v. Heyl zu HernSheim lenkte die Aufmerksamkeit deS Reichskanzlers aus die kürzliche Erweiterung der Mon roeDoktrine, die der Kanzler mit größ ter Aufmerksamkeit verfolgen solle. Wir deutschen Fabrikanten", sagte Heyl, haben traurige Erfahrungen mit dem Eindringen deS amerikanischen Einflusses in Westindken gemacht. Der Differcntial'Vertrag der Ver. Staaten mit. Cuba hat die deutschen Arbeiterund HandelSklaffen schwer getroffen. In San Domingo, Venezuela und auch Brasilien versuchen sie deutsche Arbeit und Kapital durch die Monroe-Doktrin zu verdrängen." Befremden in Dresden. Dresden. 16. März. Unter der Bevölkerung Dresdens hat es nicht geringes Befremden wachgerufen, daß ein StaatSminister mit den weiteren Verhandlungen in Sachen der Gräsin von Montignofo, der geschiedenen Ge mahlin des Königs Friedrich August, betraut worden ist. Es ist dies Justiz. minister Dr. Otto, der an Stelle des in Ungnade gefallenen Justizraths Dr. Körner, bisherigen Spezialbevollmäch tigten des Monarchen, sich der heiklen Angelegenheit fernerhin annehmen soll. Man nimmt im Publikum großen Anstoß daran, weil nunmehr die Pri vatsache des Königs zur Staatsangele genheit gemacht ist, und meint, dies würde sich für das Ansehen deS HofeS im ganzen Lande nachtheilig erweisen. Japanische Anleihe. B e r l i n, 17. März. Der Lokal. Anzeiger" - meldet, Japan sondire deutsche Finanzleute bezüglich Unter bringung einer Anleihe auf dem deut schen Markte. Das Resultat ist nicht bekannt. Kaiser und StudentenTag. Berlin, 16. März. Der Kai ser beantwortete einen Huldigungsgruß deS Eisenacher Studenten-Tages, wel cher soeben seine Berathungen abhielt. mit einem Telegramm, in dem es heißt: Ich vertraue darauf, daß die Stu deuten stets bestrebt sein werden, die deutsche GeisteSsreiheit durch Achtung vor der Ueberzeugung Andersdenkender hochzuhalten." Trotz dieser Kundgebung deS Kaisers faßte der Studente. Tag nachstehenden Beschluß: Die konfessionellen Corpo rationen haben als studentische Körper schasten keine Existenzberechtigung". r V n 9 P Belannluaz tu lazon lett geraumer Zeit eine Bewegung an zahlreichen deutschen Hochschulen im Gange, welche auf Beseitigung der confessionellen Verbindungen abzielt, und auch be dem vielerwähnten Conflicte in Hanno ver spielte gerade diese Frage, welcher sich der Studentenausschuß angenom men hatte, eine Hauptrolle. General v. Trotha's Heimkehr. Berlin, 16. März. Einige Blätter melden, daß GeneralLeutnan v. Trotha, der Höchftcommandirende der Truppen in Deutsch Südweft Afrika, kriegSmüde fei und feine Abbe rufung wünsche: vor wentaenaaen hatte ver lautet, daß der General im Juni heim kehren und dann der neuernannte Gou verneur des Schudgebletes, Herr von Lindequist, seine Funktionen antreten werde. ES ist indeß schon seit langem be kannt gewesen, daß MeinungSverschie denheiten zwischen v. Trotha und hiesi gen maßgebenden Stellen bestanden und die eigenthümliche Behandlung mancher seiner Vorschlüge dem Genera die Fortführung seines undankbaren Mandats verleidet hatte. So wurde erst jüngst ein Erlaß des Generals welcher sich auf die zur Waffenftreckung

bereiten Herero bezog, in Berlin nicht gebilligt, und Trotha hatte den Erlaß

rückgezogen,' nachdem ihm die bezügiche Entschließung des Kaisers übermittelt worden war. Uebrigens soll auch die Gesundheit deS Generals unter den Strapazen des IeldzugeS gelitten haben. Hapag'S" günstiger Stand. H a m b u r g. 16. März. Der so eben erschienene Jahresbericht der Hamburg.Amerika.Linie" konstatirt eine glänzende Geschäftslage. Die e ellschaft hat aus den Schiffsverkäufen an Rußland große Gewinne erzielt, aber auch der Paffagier- und Frachtverkehr hat eine beträchtliche Zunahme erfahren. Sie ist deshalb in der er freulichen Lage, eine Dividende von neun Prozent an ihre Aktionäre verheilen zu können. Schweiz. Montblanc-Bahn. Genf, 16. März. Neuerdings verlauten nähere Mittheilungen über eine Bahn auf den Montblanc, für die im Auftrage einer Gesellschaft französicher Kapitalisten der Ingenieur Aallot nach dem Muster der JungfrauBahn einen Plan ausgearbeitet hat. Die Bahn hätte im Ganzen einen Höhen unterschied von 3750 Metern zu überwinden und würde 17,601 Meter lang werden. Von diesen 17j Kilometern kämen allein 10 auf Tunnels. Als AuSgangSPunkt wird die Ortschaft LeS HoucheS im Chamounixthal genannt, als erste Haltestelle des Gipfelmassiv deS GroS Vechard (2565 Meter), bekannt durch feine prächtige Aussicht auf daS Chamounixthal. Die zweite Station soll sich unter dem Gipsel der Alguille de Gouter (3864 Meter) befinden, also schon inmitten der Welt ewigen Schnees und EifeS. Unter der Eisdecke soll dann die Bahn zum Rocher deS BoffeS fortgeführt werden, wo sich unweit der Refuge Vallot und deS Obfervatoire du Montblanc die dritte Station befinden soll. Hier tritt die Bahn durch einen Tunnel in den Nordabhang des Mont-blanc-Massive, um über dem Mur de la Cote bei den PetitS Rochers RougeS in einer Höhe von 4560 Metern zu enden. Die Fahrt soll nur 2 Stunden in Anspruch nehmen, während ein Bergsteiger drei Tage braucht. Oesterreich'Nngarn. Kaiser nach Budapest. Wien, 16. Mürz. Die offizielle Ankündigung, daß Kaiser ffranz Jo seph am Samstag nach Budapest gehen wird, soll die Hoffnung aufleben laffen. daß die lange politische Krisis in Un garn endlich zu einem Ende gelangt. Freilich find die Mittel und Wege zu einer Lösung soweit nicht bekannt. Weder die Krone noch die ungarischen unabhängigen Parteien Haien merken lassen, daß sie ihre früher gemeldeten Stellungen modifiziren wollen. Jedenfalls wird die Reise des KaiserS eine gute Wirkung haben und man nimmt an, er würde sie nicht machen. wenn er nicht gegründete Hoffnung auf Erfolg hätte. Türkei. Kampf mit Bulgaren. B a l o u i c a, 16. März. Zwischen 500 Mann türkischen Truppen und einer Bande Bulgaren kam eS Dienstag bei dem Dorfe Smalon nahe Chevyeli zu einem scharfen Gefechte. Die Bul garen ließen 42 Todte auf dem Kampf' platze zurück. ; Gesandter Leishman. Konftantinopel, 16. Mürz. Der amerikanische Gesandte Leishman ist aus den Ver. Staaten hierher zurückgekehrt. Frankreich. Kabel V e n e z u e l a's. Paris, 16. März. Die französifche Kabelgesellschast hat von ihrem Geschäftösührer Brun in Caracas eine Depesche erhalten, daß ein Urtheil, welches die Konzession der Gesellschaft für erloschen erklärt, am 20. März zu erwarten sei. Sie sagt nichts von einem Durchschneiden des Kabel. Marokko. Der 1. amerikanische Gesandte. Tanger, 16. März. Samuel R. Gummere, der erste amerikanische Gesandte nach Marokko, ist hier ange kommen. Guatemala. PräsidentenJnauguration. Guatemala, 16. Mürz. Don Marmel Cabrera trat gestern seinen zweiten Termin als Präsident an. AlleS ist ruhig hier.

Die Scmski-Sobors.

Oirlsame Volksvertretung int Reiche des Qaxcn i früherer Jett. Die in jüngerer Zeit wiederholt erschienenen Meldunzen über die bevorstehende Einberufung eines Semski Soöor, einer Art Volksvertretung in Rußland, sind mehr oder minder verstummt. Der Regierung des Zaren erscheint offenbar angesichts der'dortigen rekolutionären Bewegung ein derartiges Zugeständniß an die Nation nicht opportun. Die Thatsache, daß das Volk in Rußland aber bereits früher eine Stimme im Rathe der Regierung besaß und nicht selten nachdrücklich zur Geltung brachte, dürfte Manchem unbekannt sein. Semski Sobor heißt wörtlich Lan-des-Versammlung. Man bezeichnete damit die Versammlungen, welche im Großfürstenthum Moskau in kritischen Zeiten zusammenberufen wurden, um dem Herrscher mit Rath und That beizustehen. Der erste Semski Sobor wurde im Jahre 1550 von dem jungen Zaren Iwan, später der Schreckliche" genannt, wegen der im Lande Herrschenden Unordnung einberufen. Sechzehn 'Jahre darauf trat ein zweiter Sobor zusammen, um über die Frage zu entscheiden, ob der Krieg gegen Polen fortgesetzt oder Frieden geschlossen werden sollte. An diesem Sobor nahm auch die Duma (der Rath) des Zaren theil. Im Jahre 1585 wählte nach dem Tode Iwans ein Sobor seinen Sohn Theodor zum Zaren, und nach dessen Tode erkor ein Sobor 1593 Boris Godunow zum Herrscher. Der Zar Wassili Schniski wurde abgesetzt, weil er nicht von Vertretern des ganzen Landes, sondern von den Bojaren und den Moskowitern erwählt worden war. Im Januar 1613 trat ein das ganze Land vertretender Semski Sobor zusammen und wählte am 7. Februar zum Zaren Michail Feodorowitsch Romanow,' den Begründer der jetzt noch herrschenden Dynastie. Es folgten in den nächsten Jahren weitere Sobors, die sich mit Fragen der inneren und äußeren Politik beschäftigten. Die Regierung suchte sich auf die Autorität der Sobors zu stützen, insbesondere wenn es sich um die Auflage neue? Steuern handelte. .Der Unglückliche Krieg mit Polen zwang die Regierung, im Jahre 1632 nach zehnjähriger Pause einen neuen Sobor einzuberufen, dem 1637 und 1642 weitere folgten. Dle Sobors setzten sich zusammen aus Beamten, Geistlichen, Adligen und Vertretern der Kaufleute und der Bauern. Die Mitglieder versammelten sich im Palaste des Zaren, der die Sitzungen mit einer Thronrede eröffnete. Die Stände beriethen getrennt und reichten ihre Beschlüsse schriftlich ein, doch waren diese Beschlüsse nicht bindend für den Zaren. Die Sobors hatten das Recht, Gesetze vorzuschlagen. Je mehr die Macht des Zaren wuchs, desto geringer wurde der Einfluß der Sobors. Im Jahre 1648 wurde ein Sobor einberufen zur Redaktion des Gesetzbuches, 1650 wegen einer Revolte in Pskow, 1651 und 1653, um über das Anerbieten Chmelnitzkys .wegen Annexion Klein-Ruß-lands zu entscheiden. Dann wurden die Sobors nur noch berufen, um Rath zu ertheilen, und mit dem Jahre 1698 verschwanden 'sie vollständig. Wie man sieht, haben die Sobors einen ähnlichen Ursprung wie die Volksvertretungen im Westen Europas; innere Wirren und unglückliche Kriege zwingen die Herrscher, sich an das Volk um Hilfe zu wenden. Nur haben die Russen es nicht verstanden, die einmal errungenen Rechte festzuhalten und zu erweitern. Die dankbaren Japaner. Der Vertrauensmann der Japaner in Berlin hat für den freundlichen Empfang, den seine aus Rußland ausgewiesenen Landsleute in der deutschen Reichshauptstadt gefunden haben, folgende Danksagung übersandt: Als wir nach Ueberwindung vieler Schwierigkeitcn von Rußland glücklich nach Deutschland gekommen waren, wurden von deutschen Wohlthätern unser Hunger gestillt und unser Durst gelöscht. und gegen die Kälte wurden wir durch warme Kleidung geschützt. Der freundliche Empfang wird uns unvergeßlich bleiben. Auch heute, in dem Augenblick, in jdem wir die heimathliche Erde wieder betreten, erinnern wir uns mit großem Danke an die zahlreichen Wohlthaten, die uns durch die Deutf chen erwiesen worden sind. Wir weren ewig dankbar bleiben. Weil es nicht möglich ist. an jeden einzelnen Wohlthäter ein Dankschreiben zu senden, erlauben wir uns, als Vertreter der glücklich hier . eingetroffenen 827 Japaner hierdurch unsere Gefühle des Dankes kundzugeben." LanglebigeParifer. Im letzten statistischen Ausweis der Stadt Paris werden drei Frauen und zwei Männer angeführt, die das 100. Lebensmhr .schon überschritten haben, fer ner 530 Personen zwischen 95 und 100 und 10,000 Greise und Greisinnen zwischen 90 und 95 Jahren. Die älteste Pariser Bürgerin ist eine Frau Rousseau, die bei ziemlicher korper licher Rüstigkeit und Geistes klarheit das 105. Lebensjahr bereits zurückgelegt hat. In sinahalesischen V ü ch e r n des sechsten Jahrhunderts sind 67 Moskito-Arten und 424 Arten von Malariafiebern beschrieben, die durch Moskitos hervorgerufen wurden.

Der Zord Wardein.

in hohes Ehrenamt i Sngland, fceffrn rntstcl)uz und ursprüngliche Bcöcutung. Eine der höchsten und ältesten. Ehrenstellen Englands, die des Lord Wardein der fünf Häfen, ist dieser Tage von Lord Curzon, dem Vizekönig von Indien, auf den Prinzen, von Wales übergegangen, und es dürfte in der Folge dieses Ehrenamt zu den ständigen Würden des Thronerben oder eines anderen Mitgliedes der Königsfamilie hinzugefügt werden. Einkünfte waren schon seit geraumer Zeit mit dem Amte nicht mehr verknüpft; dafür waren auch die Pflichten und Befugnisse rein formeller Art. Der Lord Wardein war indessen im Genusse einer Amiswobnung, dcs an der Südostküste gelegenen Schlosses Walmer. Doch auch der Vorzug, diesen alten, von Heinrich VIII. als Fort und Küstenschutz erbauten Steinkasten bewohnen zu dürfen, hatte feine Schattenseiten. Einmal war es ein kostspieliaes Vergnügen, so daß nur recht reiche Leute sich der Ehre, das Schloß als Lord Wardein bewohnen zu dürfen, freuen konnten, und dann soll Schloß Walmer auch ein ungesunder Aufenthalt gewesen sein. Die Thatfache, daß Lady Eurzon vor einiger Zeit dort bedenklich erkrankt und noch auf dem Krankenbett aus dem Schloß ausgezogen war, veranlaßte König Eduard jüngst zu einer Ocular-Jn-spcktion, die in. dem Beschluß resultirte, Schloß Walmer als Wohnstätte eingehen zu lassen, dem Publikum dagegen als historische Vesuchsstätte zu öffnen und den Thronerben zum Lord Wardein zu ernennen. Wohl 500 Jahre lang waren die fünf Häfen die Cinque Ports, wie sie heute noch in altem normannischen Französisch heißen Hastings, Romne, HYthe, Dover ' und Sandwich, wozu später die alten Städte" Winchelsea und Rye hinzukamen, die Heimstatte der englischen Flotte. Denn ihnen fiel die Bewachung der für fremde Landung zugänglichen Küstenstrecke und die Beschaffung der für Kriegführung zur See und Beförderung von Kriegsvolk für den Landkrieg in Feindesland nöthigen Schiffe zu. Der Lord Wardein war damals eine Art Großadmiral. König Eduard I., der größte Plantagenet. war 126667 Lord Wardein. Priiu Heinz, Falstaffs Gönner und Kumpan, bekleidete, ehe er König Heinrich V. hieß, um 1469 die Stelle. Humphrey Herzog von Gloucester, den sie den guten Herzog Humphrey nannten und den die Nachwelt als Förderer des gelehrten Unterrichts ehrt, war Lord Wardein, wie auch der schlimme Gloucester, den man als Richard III. kennt und nach lhm spater noch Hetnrich VIII. und James Herzog von Aork, der ein guter Flottenorganisator, aber ein unfähiger König war und als Jakob II. der letzte Monarch aus dem Hause Stuart wurde und. Krone und Reich einbüßte. Nach Heinrich VIII. verlor die Stelle des Lord Wardein of the Cinque Ports mit den Häfen selbst von Dover etwa abaeseyen allmaua me frühere Bedeutung für den Seekrieg. Die drei letzten Träger der Stelle. Lord Dufferin, Lord Salisbury und Lord Curzon sind kurz nacheinandergefolgt, und mit dem Thronerben tritt nun wieder das alte Herkommen m seine Rechte. Patriarch und Kaiser. Dieser Taae starb der lateinische Patriarch von Jerusalem. Monsignor Piavi, der für den deutschen Kaiser stets eme leohaste Verehrung gezeigt hat und auch noch kurz vor feinem Tode eine bobe vreukiscke Dekoration erhielt. Um sich erkenntlich zu erweisen, beschloß er, dem Kaiser das Großkreuz des Ordens vom heiligen Grabe zu verleihen, und erbat, da es sich um die Person eines Protestanten handelte, vom Papste die Erlaubniß, die auch sofort eintraf. Der Patriarch theilte daraiu? dem Kaiser die Absicht der Dekorirung mit, und der Kaiser dankte in einem überaus warm gehaltenen Schreiben. Er fühle sich," äußerte der Kaiser wörtlich, hochgeehrt, den Orden zu erhalten, der ihn beständig an den Boden erinnere, wo der König der K'önige gewandelt." Der Patriarch starb aber ehe er noch das Dekret unterzeichnete. Dckorlrte Ehepaare. Während des Jahres 1904 sind im Königreiche Preußen 1490 Ehejubiläumsmedaillen verliehen worden. Nach den Provinzen vertheilt, entfielen auf Ostpreußen 41 Medaillen, auf Westpreußen 36, Brandenburg mit Berlin 211, Pommern 103, Posen 52, Schlesien 135, Sachsen 143, SchleswigHolstein 92, Hannover 186, Westfalen 153, Hessen-Nassau 75, Rheinprovinz 256 und Sigmaringen 2 Medaillen. Bon den mit Medaillen ausgezeichneten Ehepaaren gehösten 1152 der evangeli-, schen, 306 der katholischen Konfession an; 22 lebten in evangclisch-katholi-scher Mischehe, 2 gehörten der Mennoniten-, je 1 der Baptisten- und der Methodistensekte an; 33 Ehepaare waren jüdischer Religion; 10 Ehepaare feierten das 60jährige Ehejubiläum, die übrigen die goldene Hochzeit. In Japan wurden letztes Jahr 346,590 Ehebündnisse geschlossen und unter den Neuvermählten befand sich nicht eine Braut, die älter , als 22 Jahre war.