Indiana Tribüne, Volume 28, Number 174, Indianapolis, Marion County, 16 March 1905 — Page 5

Jnbitma Tribüne, I. März 1905

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- a fr ,r, $4 H zz. 4 H H n - N Die Wittwe d es 4? Z" MlarKgrafen 4 "S XX 22 XX XX XX li ...... .. . . . . . . V V - - ' "V "V V er Gasthof zum Goldenen Engel unwelt der kaiserlichen Hofburg zu Wien erfreute sich um die Wende des siebzehnten Jahrhunderts des' allerersten Rufcs. Die vornehmsten Fremden verschmähten es nicht, unter seinem Dache Quartier zu nehmen, und das eichengetäfelte Herrenstübchen hinter der großen Trinkstube unten im Erdgeschoß hatte schon manchem Kavalier von großem Namen als behaglicher Rastort gedient. An einem Herbstabend des Jahres 1699 sah es nur einen einzigen Gast im traulichen Winkel neben dem Ofen, einen kräftigen, hochgewachsenen Mann von etwa siebenundzwanzig Iahren, der mit seiner breiten Brust, seinem kühn und edel geschnittenen Gesicht und seinen lebhaften blauen Augen recht wie ein Kriegsmann aussah, obwohl er nicht den Soldatenrock, sondern ziemlich einfache bürgerliche Kleidung trug. Vor ihm im hohen Becherglase funkelte ein feuriger dunkelrother Burgunder, aber der Wein schien dem einsamen Zecher nicht zu munden, denn er führte den Pokal nur in langen Zwischenräumen an die Lippen und starrte zumeist mit ernsthaftem, fast finsterem Blick vor sich hinaus in's Leere. Da öffnete sich die Thür, und $13 die Schwelle trat ein. alter, fehr vornehm gekleideter kleiner Herr, dessen runzliges Fuchsgesicht sich wunderlich genug ausnahm in der Umrahmung der mächtigen, tief auf die schmalen Schultern herabfallenden Perücke. Als er dem Aufwärter in kurzem, befehlendem Tone seine Bestellung machte, konnte man an seinem Dialekt unschwer den Norddeutschen erkennen Er sah kaum weniger übellaunig aus, als der einsame Trinker beim Ofen, und obwohl er den anderen bei seinem Eintritt mit raschem Blick gestreift hatte, schien er doch nicht willens, sich irgendwie um ihn zu kümmern. Der aber beugte sich erst auf seinem Stuhle ein wenig vor, wie um den Ankömmling schärfer in's Auge zu fassen, und dann, c1 er seiner Sache gewiß par, rief er 'it dem Ausdruck größten Erstaunens: Ist's möglich, daß ich gleich bei der ersten Stunde hier in dem fremden Wien einen alten Bekannten und Gönner aus der fernen Heimath finde? Herr Nath Friccius, Sie sind es wirklich?" . ... Der kleine Mann mit der großen Perücke schien im ersten Moment nur unangenehm berührt. Allerdings bin ich der fürstlich brandenburgische Geheimrath Klemens Friccius. Aber ich kann mich nicht erinnern, mein Herr" Wie? Sie sollten mich ganz verg'essen haben, Herr Geheimrath den Christoph v. Wackerbarth, Ihr Pathenttnd?" Die mürrische Miene des Kleinen hatte sich plötzlich aufgehellt. Mit einer, Herzlichkeit, die man in dem vertrockneten Männchen mit dem gelben Pergamentgesicht kaum gesucht haben würde, streckte er dem endlich Erkannten beide Hände entgegen. Christoph mein Junge! Das heiße ich mir doch mal eine freudige Ueberraschung! Wie in aller Welt 'kommst Du hierher? Bist Du denn nicht Offizier in sächsischen Diensten?" Bin's gewesen, Herr Rath! Die Avancementsaussichten waren mir zu schlecht. Vielleicht hat man hier in Oesterreich bessere Verwendung für einen tüchtigen Soldaten." Das mag wohl sein, 's ist ja ein rechter Jammer, daß Du nicht im brandenburgischen Heere weiter dienen konnlest. Aber freilich nach jener traurigen Affäre" Die Stirn des jungen Mannes umwölkte sich von Neuem. Ihnen gegenübe? darf ich ja ganz aufrichtig fein, Herr Rath-gerade jene traurige Äffärc ist es, die mich veranlaßt, in der Armee des Kaisers Dienste zu suchen. . Man sagt, er habe so großen Einfluß auf den Kurfürsten. Wenn es mir gelänge, seine mächtige Fürsprache für meinen unglücklichen Vater zu erlangen " Mach Dir darauf keine großen Hoffnungen, mein Junge' Du weißt. daß auch ich Deinen Vater mehr für ein Opfer ränkesüchtiger Feinde als für einen Hochverräther halte, aber die Richter haben ihn nun einmal des gekeimen Einverständnisses i.rn den Fein den des Kurfürsten schuldig gesprochen. und Niemand dürfte es wagen, auch nur ein einziges gutes Wort für den in schwerer Festungsgefangenschast Schmachtenden einzulegen. Niemand? Auch nicht der Kaiser? Nun der dürfte es schon. Aber er denkt mcht daran, sich in die inneren Angelegenheiten unseres Landes einzumischen. Ich habe leider in diesen letzten Tagen die unzweideutigsten Be weise dafür erhalten!" - Sie sind in diplomatischer Sen dung nach Wien gekommen, Herr Rakh?" Friccius nickte, bejahend, aber ein schwerer Seufzer entrana sich aleichzci 'tig seiner Brust. Jetzt, da ich meine Mission als cndgiltiz gescheitert ansehen mutz, kann ich wohl darüber reden, zumal diese schreckliche Frau vermuthlich

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jXbiXh, vT V K 44 -S '5 H 5)iflorischc Erzählung. von 3s. JOrtsj. XX H H -$ VV . w VT 4 4 aller Welt triumphirend erzählen wird, wie gründlich sie mir heimgeleuchtet hat. Ich wollte wahrhaftig, man hätte diesen ehrenvollen Auftrag irgend einem anderen gegeben, als gerade mir." Er schien zu erwarten, daß der junge Mann eine Frage an ihn richten würde: da es aber 'Nicht geschah, fuhr er fort: u erinnerst Dich doch der unglückseligen Heirathsgeschichtc des Markgrafen Karl Philipp von Brandenburg?" Des Stiefbruders unseres Kurfllrsien? Des schönen, ritterlichen Jünglings, der vor etlichen Jahren in Berlin so prunkvoll beigesetzt wurde, nachdem er in Turin eines plötzlichen Todes gestorben?" . Ja des nämlichen. Er hatte, wie Du weißt, sein tragisches Ende selbst vcrschulder." Nein, davon weiß ich mchts. Man erzählte damals freilich allerlei romantische Geschichten. Etwas Gewisses aber war Nirgends zu erfahren. So will ich Dir den wahren Hergang ohne alle Ausschmückung berichten. Karl Philipp war kaum zweiundzwanZ'g Jahre alt, als er sich m ehrgeizigem Thatendrang als Volontär zur brandenburgischen Armee nach Italien begab." Dessen entsinne ich mich wohl," fiel Christoph v. Wackerbarth bestätigend ein. Es war vor vier Jahren und ich sprach ihn noch wenige Tage vor seiner Abreise. Niemals werde ich vergessen. wie fröhlich und voll hochshegendcr Hoffnungen er war." Leide: sollte es Nicht das Gluck, sondern das Verderben sein, dem er entgegenzog. Wie es seiner hohen Geburt angemessen war, wurde er am Hofe zu Turin mit allen fürstlichen Ehren empfangen. Der Herzog von Savoyen veranstaltete um seinetwillen eine Reihe glänzender Feste. Und bei dieser Gelegenheit lernte Karl Philipp das unselige Mädchen kennen, für dessen Liebe er sein Leben hingeben mußte." Sochät das Gerücht nicht aelogen. das von seiner heimlichen Vermählung mit emer schonen Italienerin zu melden wußte?" Es sagte die Wahrheit. Die Gräfin Salmour war damals achtzehn Jahre alt. Und nachdem ich ihr jetzt von Angesicht zu Angesicht gegenüber gestanden, kann ich es wohl begreifen, . daß ihre wundersame, Schönheit den , feurigen Jüngling' um allen Verstand' gebracht hat. Wenige Wochen später war das Unerhörte bereits geschehen, und die Gräfin Salmour hatte das Recht erhalten, sich Markgräfin von Brandenbürg zu nennen. In größter Heimlichkeit zwar, aber unter Beobachtung aller Feierlichkeiten war ihre Vermählung erfolgt." Wenn sie so schön und so liebenswürdig war, weshalb hätte er sie dann nicht hcirathen sollen? Ein Verbrechen war es doch wohl nicht." In ernster Mißbilligung schüttelte der Geheimrath seine Perücke. Wohin sollte es mit unseren erlauchten Fürstengeschlechtern konimen, wenn man solche Dinge ohne Weiteres geschehen ließe! Ich finde es vollkommen begreiflich, daß der Kurfürst äußer sich geiieth, als er von dem Geschehenen unterrichtet wurde. Er ließ unverzüglich an seinen in Turin befindlichen Obersien Hackeborn den Befehl ergehen, den Markgrafen gefangen zu nehmen und ihn nach Berlin zurückzuführen. Dem Herzog von Savoyen mag die Sache unangenehm genug gewesen sein, aber wenn er es nicht mit seinem Bundesgenossen verderben wollte, konnte er nicht umhin, seine Einwilligung zu der beabsichtigten Gewaltthat gegen den Markgrafen zu geben. Karl Philipp und seine junge Gemahlin befanden sich eben beim Frühstück, als der Oberst in Begleitung von vier anderen Offizieren eindrang. Statt sich gutwillig zu ergeben, riß der Markgraf feinen Degen aus der Scheide und setzte sich wie ein Rasender zur Wehre." Das begreife ich wohl, und den möchte ich sehen, der an seiner Steü'e anders gehandelt bätte." Als Offizier hätte er ohne Widcrstand dem Befehl seines Vorgesetzten gehorchen müssen. Und überdies war er einer gegen fünf. Der Kampf scll fürchterlich gewesen sein, aber er wa? nur von kurzer Dauer. Bald hatte Karl Philipp einen Stich in den rechten Arm erhalten, der ihn zu jeder weiteren Vertheidigung unfäma machte, der Blutverlust war so stark, daß ihm die Sinne vergingen, und so sah er es nicht, daß seine Gemahlin von den Offizieren gewaltsam fortgeschlepp! wurde. Und der Markgraf ?" Die Aerzte erklärten zwar, daß die Wunde nicht lebensgefährlich sei. Aber als er aus seiner Ohnmacht erwachte und sich feiner Gattin beraubt fah, riß er dre Verbände herunter, die man ihm inzwischen angelegt, und duldete nicht, daß man das auf's Neue hervorströmende Blut stillte. In der folgenden Nacht verfiel er in ein hitziges Fieber, und wenig Tage später war er todt. Sein letztes Wort war Bianka. der Vorname der Grafin Sclmour. Eine traurige Geschichte bei Gott

und an diese Frau hat man ?te zeyr in diplomatischer Mission gesendet?" Ich habe, wie gesagt, keine Ursache mehr, es zu verheimlichen. Die junge

Wittwe war nach dem Tode ihres unglucklichen Gatten wieder m Freiheit gesetzt worden und sie zog sich vorerst ganz von der Welt zurück. Vor ungefähr Jahresfrist aber tauchte sie plötzlich wieder auf und zwar hier in Wien, wo sie sich unter dem Schutze des Kaifers am sichersten fühlen mochte. Sie ist reich genug, um an jedem beliebigen Orte ganz nach ihrem Gefallen leben m können, und Niemand würde sie behclligen, wenn sie verstanvig genug wäre, auf den Namen und den Titel zu verzichten, die sie sich durch ihre schlauen Verführungslünste von der Thorheit eines unreifen JüngUngS erschlichen. Aber in offenkundigenl Trotz gegen den Kurfürsten, den sie ganz iinrerhohlen den Mörder ihres Gatten nennt, ist sie hier von Anfang an als Markgräfin von Brandenburg ausgetreten, und Kaiser Leopold konnte selbst auf die dringendsten Vorstellungen meines ertauchten Herrn nichts anderes erwidern, als daß er kein Mittel besäße, die Gräfin an der Führung eines ihr der Form nach rechtmäßig zustehenden Titels zu verhindern. Da sonach mit Gewalt Nichts auszurichten war, hat mich .der Kurfürst behufs gütlicher Verhandlungen mit der Gräfin Salmour hierher entsandt. Ich war ermächtigt, ihr eine sehr große Summe anzubieten, wenn sie sich verpflichten wolle, den Namen abzulegen, auf den sie um ihrer Unebenbürtigkeit willen nach unserer Aufsassung keinen Anspruch hat." Und sie wies dies Anerbieten zu-rück?"-Ja, sie wies es zurück, so fest und bestimmt, daß ich mir alle Hoffnung vergehen lassen mußte, sie anderen Sinnes zu machen. Keine Schätze der Welt so erklärte sie stolz würden sie vermögen, einen Schritt zu thun, durch den sie selbst ihre Ehe mit dem Markgrafen Karl Philipp von Brandenburg als eine nicht rechtmäß-z geschlossene brandmarken würde." Mich will dünken, Herr Rath, viele Markgräfin ist kein alltägliches Frauenzimmer." Eine gleißende Schlange und eine schöne Teufclin ist sie," knurrte ingrimmig der durch die Erinnerung an das klägliche Scheitern feiner Mission von Neuem aufgebrachte alte Herr. . Von allem Anbeginn war es ihr um nichts anderes zu thu, als um diesen stolzen Namen. Ich wollte, daß wir sie einmal innerhalb der preußischen Grenzen hätten." Nun? Und wenn das der Fall wäre, was würde man dann mit ihr beginnen?" O, man würde sie nicht umbringen; aber ich vermuthe, daß man sie so lange in sicheren Gewahrsam nehmen würde, bis sie zur Vernunft gekommen wäre, und für alle' Zukunft, auf die Führung des ufurpirten Titels verzichiet hätte." Vertraulich legte der kleine Mann plötzlich feine Hand auf die Schulter des jungen Offiziers. Mein lieber Christoph, wenn Du das fertig brächtest, könntest Du von unserem 5wrfürsten dafür verlangen, was Du wolltest." Christoph v. Wackerbarth schaute eine kleine Weile nachdenklich vor sich hin. Dann leert: er fein Glas auf einen Zug und sagte: Alles, Herr Rath? Auch die Begnadigung meines unglücklichen Vaters?" - Ist. das eine - ernsthaft -gemeinte ?" Gewiß; denn das ist' für mich wahrhaftig kein Gegenstand zum Scherzen. Seitdem ohne sein Verschulden das Entsetzliche über ihn hereingebrochen ist, habe ich keinen anderen Gedanken mehr als den, meinem armen Vater zu feiner Freiheit und seiner Rechtfertigung zu verhelfen. Und ich würde vor keinem Wagniß zurückschrecken, wenn mir als Lohn die Erfüllung dieses Wunsches winkte." Solche Rede, mein wackerer Chrisioph, niacht Deinem Herzen viel Ehre. Versuchen solltest Du es auf alle Fälle. Wodurch aber glaubst Du. die mißtrauische Gräfin bestimmen zu können, sich freiwillig in die Gewalt eines Fürsten zu liefern, von tern sie sehr wohl weiß, daß er ihr erbitterter Feind ist?" Tarübe'-, Herr Rath, vermag ich Ihnen in dicser Stunde keine Auskunft ZU geben. Denn was mir da soeben durch den Kopf gegangen, ist nicht etw.i ein bestimmter Plan, sondern nur ein toller Gedanke, der es kaum verträgt. daß man ihn in Worte kleidet. Allein ich habe beinahe nichts zu verlieren. wohl aber einen johen Preis zu (U Minnen. Weshalb also sollte "ich zögern?" Darf, ich den Kurfürsten von Deinem Vorhaben unterrichten?" Das wünsche ich sogar. Denn ich verlange die schriftliche Zusicherunz, daß mein Vater seine Freiheit zurückerhalten wird, sobald es mir gelungen ist, dem Kurfürsten zur Erreichung seines Zieles bei der Gräfin Salmour zu verhelfen. Alles Weitere geschieh! dann lediglich auf meine eigene Gefahr." Bravo! Da es nun hier für mick) nichts mehr zu thun gibt, gedenke ich morgen mit Tagesanbruch meine Heimreise anzutreten. Und wenn mein fürstlicher Herr geneigt ist, aus Deine Bedingung einzugehen, könnte von Verli'i aus allsogleich ein Kurier mit dem Dokument nach Wien abgefertigt werden." ..Ich bin's zufrieden. Denn auf einige Tage oder Wochen kann mir's nicht eben ankommen, zumal ich die Zeit bis zum Eintreffen .des Kuriers

nicy: ungenützt verstreichen lassen werde. Aber wohlverstanden, Herr Rath: es darf der Gräfin weder an ihrem Leibe noch an ihrem Vermögen ein Schaden geschehen, wenn ich sie in die Gewalt des Kurfürsten liefere." Dessen darfst Du Dich versichert halten. Auch wenn man sie gefangen setzen sollte, wird man sie so behandeln, wie es ihrem Stande gebührt. Und an dem Tage, wo sie die EntsagungsUrkunde unterzeichnet, wird sie gehen können, wohin es ihr beliebt." . Wenn es sein kann, möchte ich auch das gern schriftlich haben Sie verstehen, Herr Rath, zur Beruhigung meines Gewissens. Und noch um eines müßt' ich Sie ersuchen. Es kennt hier in Wien bisher keine menschliche Seele meinen Stand und Namen. Und da ich vielleicht genöthigt sein werde, mir für meine Zwecke einen anderen auszuborgen, dürfen Sie weder hier im Hause , noch sonstwo Jemand mitthnlen, wer ich bin." Selbstverständlich, mein Junge! Aber möchtest Du mir nicht wenigstens eine Andeutung machen über das, was Du zu thun beabsichtigst, wäre es auch nur, damit ich meinem kurfürstlichen Herrn Rede stehen kann auf feine Fragen?" ' Zur Erfüllung dieses Wunsches aber ließ Christoph v. Wackerbarth sich durchaus nicht herbei.

.' In den prächtigen Empfangsräumen des kaiserlichen Kämmerers Grafen Rüdiger v. Starhemberg bewegte sich etwa vier Wochen später eine glänzende Gesellschaft, in der die Träger der stolzesten Adelsnamen ebenso zahlreich vertreten waren, als die schönsten Frauen und Mädchen der an bestechenden weiblichen Erscheinungen allezeit besonders reichen österreichischen Hauptstadt. Die Kavaliere überboten sich in ritterlichen Huldigungen der in kostbaren Gewändern und strahlendem Juwelenschmuck prangenden Damen. Keine aber war so umschwärmt, wie die hochgewachsene, schlanke junge Frau, deren klassisch edle Gesichtszüge und deren große sammetschwarze Augen siegreich über alle andere hier vorhandene weibliche Schönheit triumphirten. Sie trug als - einzigen Schmuck ein dreireihiges Perlenkollier um den herrlich geformten Hals, aber man flüsterte sich zu. aß dieses Kleinod ein ganzes Vermögen werth sei. Wollen Sie nicht die Güte haben, Graf Schönborn, mich der Frau Markgräfin vorzustellen?" wandte sich einer der Gäste, ein stattlicher, hochgewachsener'Mann mit kühn geschnittenem Gesicht und lebhaften blauen Augen, an den ihm zunächst befindlichen Kavalier. Ich kenne hier sonst Niemand, den ich darum angehen durfte." Bereitwillig kam der Angeredete der Aufforderung nach und durchbrach den Kreis von Trabanten, der die schöne Frau umschlossen hielt. - Eure Erlaucht mögen mir gestatten, Ihnen den Grafen Lychow vorzustellen, einen brandenburgischen Edelmann, der nach Wien gekommen ist, um unser höfisches Leben kennen zu lernen." . Der. angebliche Graf. Lychow verneigte, sich tief. , Die schöne Märkgräfin aber, die ihre Unterhaltung mit einem anderen Kavalier sofort abgebrochen hatte, wandte sich ihm mit einer lebhaften Bewegung zu. Sie kommen aus .Brandenburg, Herr Graf aus dem Vaterlande meines unglücklichen Gatten? Und Sie waren vielleicht sogar mit ihm bekannt?" Mehr als das, Frau Markgräfin! Ich hatte dereinst das Recht, mich Karl Philipps Freund zu nennen." O, so müssen Sie mir von ihm erzählen viel, sehr viel alles, woran Sie sich noch erinnern können. Es ist so lange her, daß ich mit Niemand mehr von ihm sprechen konnte." Ihr Interesse schien nur noch dem Fremden zu gehören, der bis dahin von Niemand beachtet worden war und der jetzt mit einemmal zu einem Gegenstand des Neides und der eifersüchtigen Aufmerksamkeit für sehr viele Anwesende wurde. Er mußte ihr wohl sehr viel von dem verstorbenen Markgrafen zu erzählen wissen, denn die Anderen, die-sich natürlich diskret zurückgezogen hatten, sahen ihn in sehr langem und angeregtem Gespräch mit der Markgräfin. die anfangs öfter ihr Spitzentüchlein an die schönen Augen geführt hatte, deren Sinn sich aber gar bald von den trüben Erinnerungen ab und fröhlicheren Vorstellungen zugewendet haben mußte, da sie wiederholt hell auflachte und den stattlichen märkischen Edelmann dabei mit auffällig lebhaft glänzenden Augen ansah. Am Tanze betheiligte sich die Markgräfin nicht, und es wurde jetzt, nachdem man einmal angefangen hatte, ihn zu beachten, allgemein bemerkt, daß auch Graf Lychow auf dies lockende Vergnügen verzichtete, trotz der feurigen, einschmeichelnden Musik und des reichen Kranzes verführerisch schöner Tänzerinnen. Der Graf blieb fast während des ganzen Abends an der Seite der ehemaligen Gräfin Salmour, und er genoß sogar die Vergünstigung, sie beim Aufbruch bis an ihren .Wagen geleiten zu dürfen, ein Vorzug, der in der klatschsüchtigen Hofgesellschaft das Benehmen der sonst so stolzen und unnahbaren jungen- Wittwe gegen den fremden preußischen Junker alsbald zu einem Gegenstand des Geredes machte. Und dies Gerede erhielt während der nächsten Tage und Wochen durch daS Verhalten der Beiden immer neue und

immer reichere Nahrung. Es war bald genug ein öffentliches Geheimniß, daß Lychow der Markgräfin nicht nur in den. ihm gastfreundlich geöffneten Palösten der Wiener Aristokratie oftmals begegnete, sondern daß er auch ein ständiger Gast in ihrem eigenen, nur wenigen Auserwählten zugänglichen Hause war. Immer häufiger sah man ihn bei ihren Spazierritten an der Seite der jungen Frau, und es konnte nicht fehlen, daß man aus Kiesen Wahrnehmungen allerlei Schlüsse auf ein bevorstehendes oder vielleicht schon geknüpftes Herzensbündniß zog. In Wahrheit waren die Dinge einstweilen noch nicht bis zu diesem Punkte gediehen. Das Verhältniß der beiden schönen jungen Menschenkinder zu einander war vielmehr ein ganz eigenthümliches. Und ein scharfer Veobachter würde vielleicht die Wahrnehmung gemacht haben, daß sie ein sehr sonderbares Spiel miteinander trieben. Wenn sie sich begegneten, begann ihr Gespräch fast immer mit irgend einer Erinnerung an den verstorbenen Markgrafen, den der märkische Edelmann in der That ziemlich genau gekannt- haben mußte, da er immer neue Züge von ihm zu erzählen wußte. Mit wärmster Theilnahme lauschte die junge Wittwe diesen Geschichten, und ein Schatten der Wehmuth legte sich dann wohl über ihr schönes Gesicht. Aber es war doch unverkennbar, daß ihre Trauer um den Gatten, den sie schon nach wenigen kurzen Flitterwochen verloren, nur noch den Charakter eines zärtlichen Gedenkens, nicht mehr den eines untröstlichen Schmerze hatte. Und wenn ihre Unterhaltung mit dem Grafen Lychow, wie es' regelmäßig geschah, sehr bald auf andere Dinge übersprang, so bewiesen ihre strahlende Miene und ihr silberhelles Lachen zur Genüge, daß jugendlicher Lebensdurst und sonnige Daseinsfreude längst den Sieg davongetragen hatten über den ersten großen Kummer ihres Herzens. Dann kennte es sogar den Anschein gewinnen, als ob "sie dem stattlichen Manne auf mehr als halbem Wege entgegenkommen wolle bei seinen BeWerbungen um ihre Gunst. Ihre Blicke waren zuweilen so heiß beredt, ihr holdes Lächeln so ermuthigend, daß wohl jeder andere Verehrer den rechten Moment für eine Erklärung gekommen geglaubt hätte. Und Graf Lychow schien in der That mehr als einmal nahe daran, das entscheidende Wort zu sprechen, das einer freundlichen Aufnahme gewiß fein durfte. Ja, er hatte ein paarmal bereits ganz unverkennbar einen muthigen Anlauf zu dem Geständniß genommen, das die Markgräfin vielleicht schon seit einer Reihe von Tagen erwartete. Aber das inhaltsschwere Wort war trotzdem bis zur Stunde ungesprochen geblieben. Irgend eine unsichtbare Gewalt mußte dem Grafen im letzten Augenblick immer wieder die Lippen verschließen. ? Und wenn er sich in. solcher Situation plötzlich mit gerötheten Wangen und bebendem Munde von der schönen Wittwe abwandte, um unter irgend einem Vorwande aus ihrer Nähe zu entfliehen, so stand diese unbegreifliche Verlegenheit in einem sehr seltsamen Gegensatz zu der gewöhnlichen Sicherheit und Keckheit seines ZSenehmens. Eines Tages aber führte der Zufall, der so gern den Gelegenheitsmacher für schüchterne Liebesleute spielt, doch die entscheidende Wendung herbei. Die Markgräfin hatte auf einem Spazierritt das Mißgeschick, mit ihrem Pferd? zu stürzen.' und Graf Lychow, der sie begleitete, sprang sofort aus dem Sattel, um der am Boden Liegenden Beistand zu leisten. Gerade als er sich über sie. herab beugte und mit dem Ausdruck zärtlichster Besorgniß ihren Namen rief, schlug die aus einer kurzen Ohnmacht Erwachende die Augen auf. Und ehe er noch wußte, wie ihm geschah, fühlte er feinen Nacken von ihren weichen Armen umschlungen. Ihre Lippen fanden sich in einem langen, glühenden Kusse, und sie konnten sich nach solchen unzweideutigen Beweisen gegenseitiger Zuneigung für den Moment alle weiteren Erklärungen ersparen. . (Schluß folgt.)

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