Indiana Tribüne, Volume 28, Number 172, Indianapolis, Marion County, 14 March 1905 — Page 7
Jubkaua Tribüne, Mär, ROos.
3m V5nmpfe .mit bcm BdiäaU Zloman von LilaS tt. Holking, übersetzt eon Treumann.oner.
Fortsetzung. Der Geistliche zog sich so gut aus der Verlegenheit, wie cs anging. Er schrieb eine Art Berichtigung, und die kurze Mittheilung wurde kaum beachtet, zumal sie an einer ganz unauffälligen Stelle abgedruckt war. So hatte C m C . n - r sti rr vix slliier lvenigslens iem Heroinen beruhigt. Hans gelangte allmählich wieder in den Besitz seiner Kraft und Gesundheit. Und das Gefühl, daß er an Pfarrer Treherne einen zuverlässigen Freund gewonnen hatte, förderte und beschleunigte seine Herstellung nicht unerheblich. Ende März trat er als Gärtnergehilfe in die Dienste des Barons Treherne auf Penlogan ein. Obwohl sein Gehalt durchaus kein besonders hohes war, denn der Baron George beschäftigte viele Gärtner, fühlte Hans sich sehr zufrieden. Er empfand es schon als ein Glück, überhaupt eine feste Stellung mit festem Lohn zu haben. Anfänglich wurde ihm die Arbeit freilich sehr sauer, und Abends war er so müde, daß er sich kaum die Treppe zu seiner Schlafkammer hinaufschleppen konnte. Doch mit der Zunahme seiner Kräfte kam ein Gefühl von Lebensfreude und Frische über ihn, wie er es noch kaum je ' gekannt hatte. Schloß Penlogan war herrlich gelegen, dem Meere nahe und umgeben von ausgedehnten Parkanlagen und Waldungen. Eine Bucht reichte bis in die Nähe des Hauses, und in diefem natürlichen Hafen lagen oft Machten und Fischerkähne bor Anker. DaS große solide Herrenhaus war vielleicht etwas zu massiv gebaut, um malerisch zu wirken, dafür aber außerordentlich bequem und wohnlich. Und die Gärten von Penlogan gehörten zu den schönsten des Landes. An Preisen von Blumen- und Gartenbau Ausstellunzen hatte Sir George Trcherne schon so viele gewonnen, wie wenig Gartenbesitzer weit und breit. Hans hatte sür den Antritt seines Dienstes eine besonders glückliche Zeit getroffen Frühlingsanfang! Jeder Tag brachte ihm neue Offenbarungen, ein hundertfältiges Knospen. Entfalten und Blühen, wohin er blickte. Die mit lichtem Grün sich belaubenden Wälder erweckten in seiner Brust neues Hoffen, die thaufrische Morgenluft erquickte seine Nerven, und der den unzähligen Blüthenkelchen entströmende Duft umschmeichelte seine Sinne. Mit Interesse beobachtete er all' das Wachsen und Gedeihen, wo er aber kümmerliche und kränkelnde Pflanzen sah. pflegte er sie mit Fleiß und Sorgfalt. Er hatte bisher nicht geahnt, wie unendlich mannigfaltig die Natur im Hervorbringen und Gestalten ist, und welch' reichen Lohn die Pflanzenkultur in sich schließt. Dies trieb ihn zum Studiren der botanischen und hortologischen Werke, mit denen die öffentliche Bibliothek des Dorfes Polduly versehen war. Baron Treherne war in seiner Eigenschaft als Großgrundbesitzer Philanthrop, und es lag ihm ernstlich an der Hebung des socialen und geisiigen Lebens der kleinen Pächter, die theils als Fischer, theils als 'Handelsgärtner in dem zur Herrschaft Penlogan gehörenden ansehnlichen Dorfe Polduly wohnten. Die vortrefflich ausgestattete Bücherei nebst Lesezimmer, die er zur freien Benutzung für die Einwohnerschaft gestiftet hatte, fand jedoch leider keine den edlen Absichten des großmüthigen 'Spenders entsprechende Würdigung. Aus dem schmucken Lesezimmer war ein Rauchzimmer geworden, in welchem sich die jungen Leute lieber mit Anekdotenerzählen und Tagesgeschwätz die Zeit vertrieben, als über Büchern zu hocken und Kenntnisse zu sammeln, mit denen sie doch nichts anzufangen wußten. Für Hans aber war die Bibliothek mit dem Lesezimmer ein Segen, ein köstliches Schatzhaus. Hier legte er den Grund für eine Geistesbildung, die ihm für seine Zukunft förderlich werden sollte, und hier auch gewann er einen gleichgesinnten Freund für's Leben. Der Bibliothekar, Richard Trethewey, ein nicht mehr ganz junger Mann mit feinem, blassem Antlitz, breiter Stirn und großen schwärmerischen Augen flößte Hans sofort Sympathie ein. Der Mann war ein echter Schöngeist, ein enthusiastischer Bücherund Literaturfreund. Er schien jedes Äuch in der Bibliothek zu hinten und auf jedem wissenschaftlichen Gebiet gründlich Bescheid zu wissen. Daß er sich zu Hans ebenfalls hingezogen fühlte, war leicht erklärlich.' In Polduly war Bildungstrieb und Leseeifer selten zu finden, und es verdroß den Bibliothekar im Innersten, daß die männliche Jugend des Dorfes immer nur auf die Stärkung ihrer Muskelkräfte bedacht war, ihren Geist aber nicht im geringsten zu stärken trachtete. Wie batte er sich bemüht, ihnen die Sache mundgerecht zu machen, für jeden passende Bücher ausgewählt, sogar einen Lesecirkel hatte er zu gründen versucht alles umsonst. Das Lesen lag ihnen einmal nicht im Blute. Um so freudiaer aina er an's Werk.
als er bei Sans nicht nur ewen eyrn
chen Trieb zu ernster Lektüre, sondern auch ein ganz ungewöhnliches Fassungsvermögen entdeckte. Er hatte bald herausgefunden, welche Art Literatur dem Neuling am besten zusagte und ihm danach einen förmlichen Lehrkursus aus gediegenen Werken zusammengestellt. Und Hans, dem zu Sinn war, wie einem aus tiefem geistigem Schlaf Erweckten, stürzte sich mit einem wahren Heißhunger auf alle diese Bücher, so daß er fast Gefahr lief, seinen Geist zu überfüttern. Eines Abends forderte ihn der Bibliothekar auf, in seine Wohnung mitzukommen. Wir können dort ungestörter plaudern als hier, und vielleicht guckt auch Regoning bei mir ein. Ein Prachtkerl, der Regoning. Sie werden ihn sicher lieb gewinnen." Regoning? Wer ist das?" fragte Hans. Der Schullehrer hier. Ein sehr gescheidter Mensch, sag' ich Ihnen. Viel zu schade für dieses Nest. Aber ihm behagt's, das ist schließlich die Hauptsache." Ja, das meine ich auch," sagte Hans nachdenklich. Bei seinen Fähigkeiten," fuhr Richard fort, hätte er längst eine zehnmal bessere Stelle bekommen können. Aber er ist nicht ehrgeizig, er liebt die Ruhe und ist bedürsnißlos. Das Getriebe der großen Welt ist ihm derhaßt." Ist es Ihnen auch verhaßt?" Mir leider nicht," erwiderte der Bibliothekar mit einem Seufzer. Es mag thöricht von mir sein, aber ich sehne mich oft danach. - Mir steht der Sinn nach einer Sphäre, wo das geifiige Leben stärker pulsirt. Waren Sie schon in London?" Ich bin zwar in London geboren, kenne es aber nicht, denn ich kam schon als siebenjähriges Kind von dort weg." Ach, London ist die Welt. Ja, eine Welt vieler Welten! Und eine davon möcht ich vor allen sehen und kennen lernen. Ich meine die Welt der Gelehrten, Künstler und Literaten. Bücher sind mein höchstes Erdenglück, mein Lebenselement, und xxw gar die Leute, die Bücher schreiben, mit denen in Verkehr zu treten, dafür gäbe ich ein Stück meines Lebens hin." Es sind doch wohl Menschen, wie andere auch," meinte Hans. Aeußerlich wohl, aber ihr Inneres! Ihre Gedanken, ihr Geistesleben! Lese ich von ihren Clubs, ihren Versammlungen, ihren öffentlichen Festen, so wird mir schwindlig. In einem solchen Kreise auch nur eine Stunde zu verweilen, welche Erinnerung für's ganze Leben! Aber mir armem Teusei blüht so was nicht nein, niemals." Und er seufzte wieder. Hans blickte ihm stumm in das von Begeisterung noch einen Schein bleicher gewordene Antlitz. Ein derartiger Heroenkultus ging ihm über das Verständniß. Es war gut, daß er der Antwort überhoben wurde, da sie soeben Richard Tretheweys bescheidenes Häuschen erreicht hatten. So sieht's bei .einem einsamen Juggesellen aus," sagte dieser, während er geschäftig den Abendimbiß herrichtete. Ich dachte, Sie seien verheirathet," erwiderte Hans, auf dem wackligen kleinen Sopha seines Wirthes Platz nehmend. Noch nicht," antwortete der Bibliothekar mit fast mädchenhaftem Erröihen. Noch nicht." So sprach er nun schon seit fast zwanzig Jahren von seiner Heirath. Und dabei war es geblieben. Nicht, daß es ihm kein Ernst damit gewesen wäre ganz im Gegentheil. Er besah ein Herz für die Frauen, nur die eine, der er dieses Herz voller Liebe hätte weihen können, war noch nicht in seinen Lebenskreis gelreten. Sie war eine Vision, und diese himmlische Vision zur irdischen Wirklichkeit werden zu sehen dies erschien ihm als das höchste Ziel seiner Wünsche. Er malte sich das Glück, das seiner an der Seite des holden Wesens harrte, mit den glühendsten Farben aus. Daß es kommen wurde, dies Glück, daran zwe: felte er nicht, aber wie? Das war ihm nur nicht klar. Aber wenn er sie nun fand, die Erkorene semes Herzens, wo sollte er den Muth hernehmen, um sie zu werben? Richard Trethewey war kein eitler Mensch, und bei der Erwägung dieses kritischen Moments erfaßte ihn regelmäßig ein banges Zagen. Er liebte die Frauen, aber ob er ein Mann war, wie ihn die Frauen lieben? Und so war er zu einem grüblerischen Hagestolz geworden, immer noch in Erwartung 1x5 kommenden Glücks. Regoning, der Lehrer, dessen Bekanntschaft Hans noch an demselben Abend machte, war ein ganz anderer Mann, als der bleiche, schwärmerische Bibliothekar. Robust, von einer urwüchsigen Heiterkeit, die wahrhaft ansteckend wirkte, hatte er so gar nichts vom Gelehrtenstaub an sich, daß Hans canz überrascht war. Größere Gegensätze. als die beiden Freunde konnte es kaum geben. Die Bücher liebte Regoning zwar auch und fast ebenso leidenschaftlich, wie Trethewey. Doch um deren Verfasser kümmerte er sich nicht, ihn interessirten nur ihre Werke. Die Ideen, die er in einem Buche fand, waren ihm alles, an die Person des Autors dachte er nicht.
Bis aeaen Mitternacht vlauderten
die drei miteinander. Eigentlich besorgten das Plaudern nur die Zwei älteren Gefährten. Hans fühlte sich völlig befriedigt, den Zuhörer abzugeben. Eine neue Welt that sich für ihn auf. Nicht nur frische Eindrücke, sondern auch frische Impulse empfing er. Mit dem heutigen Abend war wiederum ein Wendepunkt seines Daseins eingetreten, und nach der günstigsten Richtung hin. Vierundzwanzigstes Kapitel. Eine überraschendeBeförd e r u n g. Anscheinend bekümmerte sich Baron Treherne kaum um den neuen Gärtnerburschen, indessen hatte er in Wirklichkeit das lebhafteste Interesse, für ihn. und er wußte bald, daß er etwaige Ltückfälle in die alte zigeunerische Lebenswelse durchaus nicht be: Hans zu befürchten brauchte. Es stellte sich im Gegentheil heraus, daß die früh erwordene Gewandtheit bei ihm ersetzte, was ihm an Vorkenntnissen fehlte, und ganz so gelehrig, wie ehemals in allen Zigeunerkünsten, erwies er sich jetzt in der Gärtnerei. Dankbarkeit gegen seinen Brotherrn und eine Zähigkcit des Willens, vor der es eine Umkehr auf halbem Wege nicht für ihn gab, machten ihm seine Aufgaben desto lieber, je schwerer sie ihm anfänglich dünkten. Dabei hatte sich auch wieder der alte Frohsinn bei ihm eingestellt. Der Druck des Sträflingslebens war gänzlich von ihm gewichen und sein gesunder Humor zum Durchbruch gekommen. Bei seinen Kameraden machte er sich besonders dadurch beliebt daß er sie in der Mittagspause durch allerlei Akrobaten- und Taschenspielerkünste ergötzte, die er als geschickte? Schüler Bradleys, Lockets und Sam Lazarus' betrieben hatte. Nur ein paar alte Leute wurden sehr still und schüttelten die grauen Köpfe. Dachten sie doch nicht anders, als daß der junge Hexenmeister einen Pakt mit dem Teufel geschlossen habe. Als Hans davon hörte, machte er ihnen die geheimen Kunstgriffe klar und zeigte ihnen, daß alles ganz natürlich dabei zuging, worauf sie sich denn beruhigten. Auf dem Jahrmarkt von Polduly. der in die zweite Woche des Mai fiel, erregte er förmlich Aufsehen. Dort lockte ein gewisser Professor Vulkan", wie er sich nannte. Abend für Abend die Landbevölkerung in seine Bude durch Zauberkünste, die er vorgab, intimen Beziehungen zur Geisierwclt zu verdanken. Hans besuchte jede dieser Vorstellungen und beobachtete den Magier ganz genau. Als dieser dann zum Beschluß am letzten Abend sich mit dem prahlerischen Ruf an die Zuschauer wandte, wenn einer etwa noch an der Mitwirkung übernatürlicher Kräfte Zweifel hege, so möge er damit hervortreten, folgte Hans gelassen der Aufforderung und wiederholte das ganze Programm des Taschenspielers, bei jeder Nummer die Erklärung gebend, wie die Täuschung bewirkt worden. Das Gesicht des entlarvten Geisterbeschw'örers war zum Malen, und der Spaß gab noch lange Stoff zum Lachen in der Gegend, wo der Herr Professor" sich nie wieder blicken ließ. Seine Studien versäumte Hans indessen keineswegs über solchen Spielereien. Um sich ungestörter und fleißiger als bisher in der Bibliothek beschäftigen zu können, gab er die Wohnung auf, welche er mit einem anderen Gärtner inne hatte und nahm Richaro Tretheweys Anerbieten an, , mit ihm zusammen zu wirthschaften. Als der Gutsherr von diesem Wohnungswechsel hörte, lächelte er und sagte: Ja, ja, in dem steckt Bildungstrieb. Ein wenig Ermuthigung, und es wird noch ein ganzer -Mann aus ihm." Für Hans folgten nun einige wahrhaft genußreiche Monate. Nach Feierabend, zwischen fünf und sechs, eilte er heim zu seinen geliebten Büchern. Regoning und Trethewey unterstützten ibn wacker, und sie füblten fick belohnt durch seine Fortschritte. In seiner Begeisterung glich er einem mit dem Ruf höher hinauf!" sich stetig anfeuernden leidenschaftlichen Bergsteiger. Er brachte auch die ganze frische Kraft des Neulings, der noch nie mit Widerwillen dieSchulbank drückte, zum Werke mit, und so lernte er in drei Monaten mehr, als ein Schulknabe in drei Jahren. Die beiden Freunde mußten oft seinen Eifer zügeln und die Bücher verschließen, damit er sich die nöthign Ruhepausen gönnte. Richard, der ihn wie einen lungeren Bruder behandelte, Nev:e :yn nicht nur wegen seiner Lust zum Studiren, sondern fast mehr noch, weil er ihm selbst in mancher Hinsicht so unähnlich war. Hans wirkte mit seiner unbefangenen Fröhlichkeit und seiner robusten Vollnatur förmlich belebend auf den bleichen Bibliothekar, der unter diesem erfrischenden Einfluß wie verwandelt erschien. Er, über dessen Züge sonst nur selten ein Lächeln huschte, konnte jetzt gelegentlich in ein herzhaftes lautes Lachen ausbrechen. So war ein Jahr vergangen, da trug sich an einem schönen Märztage etwas , ganz Unerwartetes zu. Vergnügt vor sich hintrcllernd schritt Hans nach seiner Arbeitsstätte. In seinem elastischen Gang lag .das Selbstvertrauen eines mit sich und der Welt zufriedenen Menschen. Das Jahr auf Penlogan hatte einen ganz anderen Geist in ihm erweckt. Die Er-
sllllung seiner Zukunstötraume war zwar noch so fern und unsicher wie je. y r . - . .
VCUi 0 vtt! yalle )q auch hierin geändert, er konnte vor seine ' Schwester Eva hintreten, ohne fürchten zu müssen, daß sie sich seiner schäme. Was aber seine romantische Jugendliebe zu Gemma betraf, seinen Vorsatz, sie ihrem Prinzen zu entführen und ihr ein behagliches Heim zu schaffen, wie sie es sich immer gewünscht hatte so war dies eine so schwache Hoffnung, daß deren Erfüllung kaum noch im Bereich der Möglichkeit erschien. Vier Jahre lang hatte er die frühere Spielgefährtin nicht gesehen, und die Liebe eines Knaben mag noch so ehrlich und leidenschaftlich sein," sie gleicht doch nur dem flüssigen Golde, das den Morgenhimmel in sirahlendenGlanz taucht, um dann bald vor dem weißen Tageslicht zu schwinden. Im Traum sah Hans wohl noch öfters das von blonden Locken umrahmte zarte Antlitz, doch im Wachen hatte er zu vieles, was seine Gedanken von diesem Bilde der Erinnerung abzog. Am heutigen Morgen nun dachte er überhaupt an nichts besonderes. Das Wetter war herrlich. Lachender Sonnenschein lag über den Feldern. Die noch kühle Luft, des Vorfrühlings war erfüllt von dem würzigen Erdgeruch, der dem zur Aussaat bereiteten Boden entstieg. Als Hans in den Pfad einbog, der zu den herrschaftlichen Gärten führte, sah er den Obergärtner vom Thor herkommen. Der Herr Baron will Sie sprechen. Er hat soeben nach Ihnen geschickt." Hans stutzte. Was mochte die ganz außergewöhnliche Botschaft zu bedeuten haben! Hatte ihn sein altes Pech wieder ereilt? Der Herr Baron will mich sprechen?" . Ja. Sie haben doch keine Dummheiten gemacht?" Ich wüßte nicht." Seine eben noch so sorglose Miene war aber doch einem Ausdruck der Bestürzung gewichen. Der andere sah ihn scharf an. Langes Besinnen nutzt nichts. Die Sache wird ja so schlimm nicht sein." Mit diesem Trost ging Hans so rasch er konnte, dem Schlosse zu. 'Auf dem Wege zerbrach er sich fortwährend den Kopf, um zu ergründen, womit er möglicherweise den Gutsherrn erzürnt haben könne. Etwa dadurch, daß er die alten Jongleurkünste wieder hervorgesucht hatte, um die Dörfler zu amüsiren? Aber nein, das war's wohl nicht. Oder hatte er als Gärtner irgendwie seine Pflichten versäumt? Noch mit diesem peinlichen Selbstverhör beschäftigt, schellte er am Herrenhause. Ein Diener kam und führte ihn in ein kleines Bibliothek- und Studienzimmer, dessen gediegen vornehme Einrichtung Hans fürstlich dünkte. Ein dicker persischer Teppich bedeckte den Boden. Hohe geschnitzte Bücherschränke nahmen fast die ganzen Wände ein. Die Polster der Stühle und des Divans waren mit dunkelbraunem Maroquin überzogen. Und ein so kostbares Möbel, wie den eleganten großenSchreibtisch, hatte Hans im Leben nicht gesehen. Das alles ge nau zu besichtigen, blieb ihm jedoch keine Zeit, denn bald nach seinem Eintritt öffnete sich die Thür abermals, und der Baron erschien auf der Schwelle. Der Blick, mit dem er Hans begrüßte, war nicht im geringsten zornig oder auch nur ärgerlich. Bitte, wollen Sie sich nicht setzen," sagte er, während er selber sofort vor dem Schreibtisch Platz nahm. Hans setzte sich auf die Kante des ihm zunächst befindlichen Stuhls und blickte zu dem Herrn hinüber. Als dieser, der ein Notizbuch aufschlug, so mit gesenktem Kopf dasaß. kam es dem ihn gespannt beobachtenden Hans vor, als habe er schon früher ein Gesicht gekannt, das dem des Barons ähnlich war. Wenn er ihn sonst sah, war es außerhalb des Schlosses, wo der Herr immer Hut oder Mütze trug. Nur einmal hatte er jbn mit unbedecktem Sauvt aeseben rm Schwurgerichtssaal und schon damals toar es ihm genau so ergangen, wie eben jetzt. Er wußte nicht, an welches Gesicht ihn die obere Partie des Kopfes erinnerte, die Ähnlichkeit war da, aber er konnte sie nirgends hinbringen. Sie sind nun seit einem Jahr auf Penlogan?" hub der Edelmann an, ohne, vom Schreibtisch aufzublicken. Ja, gnädiger Herr." .Und Sie sind in dieser Zeit nicht nur auf Ihr leibliches, sondern auch auf Ihr geistiges Wohl . bedacht geWesen." ..Die Herren Trethewey und Regoning haben sich sehr viel Mühe mit mir gegeben. Ich hoffe, daß ich nichts darüber versäumt habe?" Nein, wenigstens ist mir keine Klage zu Ohren gekommen. Von Regoning hörte ich aber, daß Sie tüchtig studirt haben und merkwürdig rasch lernten." Hans wurde sehr roth und sagte verlegen: Ich hatte eben noch nichts gelernt, als ich anfing." Das hat mitunter auch sein Sutes," bemerkte lächelnd der Baron. Ich weiß nicht, gnädiger Herr. Es ist aber schwer, so viel verlorene Zeit nachholen zu müssen." Sie sind wenigstens redlich bemüht gewesen, es zu thun, und das lobe ich. Wie Regoning mir sagt, haben .Sie eine nicht unbedeutende Fahiakeit zum Rechnen und für Wirthschaftliche Dinge einen praktischen
Blick. Sie sehen, ,ich interessire micy für Sie, und deshalb zog ich Erkundigungen über Sie ein," setzte er gleichsam entschuldigend hinzu. Sie sind sehr gütig," sagte Hans, der nicht wenig neugierig' war, was sein Herr bei dem allen im Sinn haben mochte. Als ich die Bibliothek für Polduly stiftete," fuhr der Baron fort, that ich 's, um strebsamen jungen Leuten, denen es hier an den nöthigen Bildungsmitteln fehlte, Gelegenheit zu ihrer geistigen Vervollkommnung zu geben. Doch leider sah ich bis jetzt keinen Erfolg meiner guten Absicht. Die männliche Jugend von Polduly legt auf geistige Interessen keinen Werth. Auf Ehre, tch glaube, es würde ihren Ehrgeiz mehr befriedigen, Gewinner einer Fußballpartie zu sein, als einen akademischen Studienpreis davon zu tragen!" Die meisten jungen Männer sind heutzutage Bewegungsspielen im Freien ergeben," wagte Hans bescheiden einzuwenden. Nun ja, recht schön. Ich bin selbst ein Freund des alten nationalen Sports in jeder Form. Aber alles hat seine Grenzen. Nur alle Energie auf Entwicklung der Muskelkraft zu verwenden, das kann, ich nicht billigen. Doch um auf die Angelegenheit zu kommen, derentwegen ich Sie zu mir bitten ließ. Mein alter Rendant.Herr Teaaue, ist in den Jahren, wo ihm die alleinige Geschäftsführung schon etwas zu viel wird. Er braucht einen Amtsgehilfen, und für diesen Posten habe ich Sie ausersehen, wenn Sie Lust dazu haben. Das Gehalt wird doppelt so hoch sein, wie Ihr bisheriger Lohn und die Thätigkeit bei Ihrer Geistesrichtung Ihnen vermuthlich besser zusagen. Anfangs freilich werden Sie sich erst an die Bureaustunden gewöhnen müssen, aber es wird Ihnen bald gelingen, sich einzuarbeiten. Und mit der Zeit je nun. wer kann wissen, was. sich mit der Zeit noch ereignen mag." Hans war zu überrascht, um gleich Worte zu finden. Solch ein Glücksfall überstieg seine kühnsten Träume. -Gnädiger Herr Baron," stotterte er endlich, ich fürchte nur, daß ich für die Stelle nicht befähigt genug bin." Sie werden allerdings nach der Unterweisung bedürfen, aber das darf Sie nict abschrecken. Herr Teague trägt alle Verantwortung, und Sie haben nur unter seiner Leitung zu arbeiten." Falls ich aber doch nicht genügen sollte," fragte Hans ängstlich, würde ich dann wieder in meine Stellung als Gärtner eintreten können." Der Baron Machte gutmüthig. Gewiß. Falls Sie nicht genügen sollten, können Sie wieder Gärtner werden. Ich glaube aber, Sie werden genügen." Und wann darf ich antreten?" Am liebsten sofort. Je eher Sie an's Werk gehen, desto besser werden Sie sich eingewöhnen." 5 ans erbob sich. -Qx sah sehr blaß aus, doch in seinen Augen leuchtete ein so stolzes Frohgefühl auf, wie er es lange nicht empfunden hatte. Ihren Arbeiteranzug können Sie wohl einem der Gärtner überlassen," bemerkte derBaron ein wenig zögernd. Herr Teague ist sehr penibel in Bezug auf das Aeußere." Ich verstehe," sagte Hans mit leichtem Erröthen. .Ich hoffe, daß Sie sich in Ihrer neuen Stellung wohl fühlen werden." Und mit einem freundlichen Guten Morgen" stand der Gutsherr auf. Als Hans wieder im Freien war, sandte er einen dankbaren Blick zum Himmel. An meinem ersten freien Tag fahre ich zu Eva. Jetzt braucht sie sich meiner nicht zu schämen. Und wie der alte Downderry wohl schmunzeln wird, wenn ich ihm die drei Goldstücke zurückzahle!" Nickard Tretbewev weinte Freudenthränen, als Hans ihm sein Glück mrttheilte. Nun können wir uns eine Bedienung leisten," schloß Hans; irgend eine zuverlässige ältere Person, die uns das Essen kocht und die Strümpfe stopft." Ach, Hans!" rief Richard halb lachend, halb weinend. Du wirst eines Tages ein großerMann werden. Ich sehe Dich schon in London mit der geistigen Aristokratie verkehren mit Gelehrten, Künstlern und den-vor-nehmsten Leitern der Presse. Ja, ja. Dir winkt eine Zukunft!" (Fortsetzung folgt.) Verbilligter Wunsch. Was, tf Automobil will Du haben. . . Uilsinn! Putz' Der die Handschuhe mit Bwziu und lauf' spazieren; das kommt billiger!" Wegen zahlreicher B etrügereien verhaftet wurde in Nordhausen der Baron Emil v. Karmainsky, der von der Berliner Staatsanwaltschast gesucht worden war. Karmainsky hatte in jungen Jahren eine glänzende Position eingenommen, später wurde er nach schwerenVermögensVerlusten Kaufmann. Als Vermittler für ein Berliner Agenturgeschäft fälschte er Quittungen und Auftragszettel, und kam auf diese Weise in den Besitz namhafter Geldsummen. Als ihm in Berlin der Boden zu heiß wurde, floh er nach Nordhausen, wo ihn sein Geschick ereilte. "
Seuer - Signale.
,?0ttO 5 Cst ; Engltff' OperH kaftud Ski, Fort r Noble und Wichiga ZN.JerWu.5Xaz 4 Pine und North Startet und Pine ! Vermont nah Eaft Nz. L Spritzachank Mass. h nah 5lbl 5 SeiatearcunfeZSAlnut i .Jersey Central. 6 Raff, und CsrnekLv 9 sh uv li. Straße Park Lve und 12 Str 5 Columbia und Hillfkd 'j Highland Lvu.Ptt2 ?1 Illinois und St. Jo i3 Pennsylv. und Pratt . Raidian und II. St? t 5io.5Sprtyenhansl5. nahe Illinois .6 Senate &x u, LtTIair n JUineiA undMiaXga Peesylvania und 14. Senate Lve. nnd 15. o. 1 Spritzenhaus Jnv Ä'enaheWichiga Neridia und ßalimt California u Ccrornt 9la!c und New Dort !f Ind. v. u. t air kity Hospital . Blake und Noru) ii ZNchigaund Lgm . Spritzenhau Sashington nah Seft iS Tfendorf u Daff. s Missouri New Fork 15 Meridian Waff Jllrnoi und OHW '7 Sapitol SV. Wash X mgaa'S Poryau! i Straßenbahn Etöll W. Washington Ctt N. 10 Evritzenhau ZllinoiSuVerriU Jllinoi u Louistana 5 Wett und South 54 West und MeEarttz ' Senat ve. u Henry 97 Meridian und gkah No. 4 Lpritzenhaus üiadtson v. Morri Vkadison kW.u Dunlop n S!o 5 Hake Leiterhaut South ah Delawar Temu n ZKerrill Delswsre n.Oc5artH artund, SZewJerse, .eniU vr Birg. . u LradshaS afi und Prospeet 19 icking und High 1 11 Cpritzenhau ir Lve. ah Hur t Eckst und Seorgi ?1 Seda? und 6In Y4 Davidson u Seorgia English Lv.u Plne '6 ChelZv und Säte 'No. Spritzenhaus Prospekt nahe Sh ? Sletcher 2v. u Shelby Jl Market u. New Zersey !2 Delaware und Wash. 5.sl u Washington 4 New Dork u. Davids K. Taubstummen Anstalt 5 Ver. Staaten ArsenaZ r Orient! und Waff. Frauen-Reformat. i No. 13 Spritzenhaus Maryland nahe Wer. Äeridian u. Veoraia. !5 Meridian und South . Pcnnshl) u. Louistana Jirgini Ave u. Llab. Hauptquartier. ? Grand Hotel. Capital Lve und ßh 5 Ao. 16 Spritzenhaus 16. und Zlsh. X Alabama und 15. Central v und H . Dandes und 15. Brookside und Juptt Central Lve ud 17. .9 Deülware und 19. Alabama und 11 J Bellesontaw und. 4 College Ave und M. Delaware und l. t Zllabama und Nerth ,7 Ncvmann und 19. 'b College Nv und 14. Tornell Ave und 18. 4i Dande und 19. 's Highland Ave und 10, ? Tecunifeh nd 10. Kew Jersey und 22. t ZUvord und 17. ' Ao. Cpritzenhau Sillside Tve und 16 lo liege Ave und . College Ave und 7. v park Zlve und U. 2 S u. W Bahn n. 1. y Ramsey Ave und 1. Stoughton u Newme .'7 Atül und Pike. 8 Bloyd und Pakpaw. No. 21 Spritzenhaus VrightwooH u Zkcden und Depot 69 Brightwood und 28. Rural und Llodd - St. SZair u. Seyfton 47 Arsenal Ave un 5Z. öS eUefsntatn und Vrf. W?atCK und ic 1 apUa! v und 17. 215 Pennsylv. .Mchia, ,14 JllinoU nd 2. 215 Senate Ave und 22. ik PennsvZvania und 22. 217 Meridian nd 1. 21 Capital Lv und 26. 219 Vroadway und 10. 231 Jllinoi und McLea, 234 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 30. 235 Jllinoi und 88. 6 Vnnetta und 80. 2Z7 No. 9. Spritzenyau Udell und Räder 28 Udell Ladder orks 2S9 Nabel und 27. 241 Meridian und 24. 242 Jllinoi St.Clai2i 248 Eridge und 28, , 12 West uud Watnut 18 West und 12. 814 Howard und 11 15 Torvet und Pa 81 Capital Ave und I 817 NorHweftrrn Lv U.2Z 18 Sent nd 18. 219 Canal und 10. 8H Strealine Works 824 Vermont und Lyu 825 BiSma, u SremdmeA 524 No. 20 Spritzenhaus Haughville. 827 Vichigan u. Ibtc, 28 Vichigtn u. Cencord. 41 Lest nnv SKJnry 412 Missouri u. Vürryla 418 Wissouri und f)hl 415 Capital ANkHeorgta 416 Missouri u Sentucky A. 417 Senate A . Baft. 421 P und S ffcmdNittl W. Washington. 42 Irren-Hospital. 424 Wiley Aveu.JDuk 425 Wash. and Harr 426 No. 18 CpritzenHas 23. Washington 427 Ollver und irch 23 Oliver uud Osgoob 429 Nordhke und fort 431 Hadlky Ave u. Morrt 432 Riva Lv n. Staril 484 River Av und Katz 455 Hardwg u.vig4R? 48Hard!ng und CKto 487 N. 19 SprtHenhq Morris nd atttn 3HerjdsS 4MCt0eU 451 Reir rd EZ "52 Howard und fit 458 Rorris xCl 5 ZamHc tt 2Mn 457 NordySk Ct . . 0 Works tu Oeft und 2 BI ÄentttftjCt.Sltr 014 Vleridia und vterrfi 5iJNnois nd ansas 517 Morris und Dakota 18 Vkorris und Churä) 19 Capital .SZcCar 21 Veridia und Palma 8 Pine und Lord 24 Madison Ave u Linco! 2 Veridian und kZeltLV 527 Carlos' und Ray 23 Vkridian und Ariz5iu 529 &mdii u. NayÄond 531 Veridian u. 2ft:CaU 53 No. 17 Spritzen! Morris nahe West 2 McKaaund 2x 13 Saft u. Lincoln Irr 14 Cast und Seech -15 Wright uno Sans 17 McCarty und Deaky 41 New Jersey teM 71 Sprüce nd Prrspect 71 knglish Ave. u. Laure! 714 State ve u.Belt? Tld Shelb d Bch i State Cüx und OrmS 718 Orange und Launl 719 Shelby .GUaaeSa 721 LertngtonA,e &uQ . 72 Fletcher Avu. Opruc 724 State ve u. Plcasan7 Prospekt und ?leasaul 72 Oranc und Hrla 72 Liberty und Wea 722 Nokle und South 8lt No. 15 Spritzenhaus Oft Washington 812 Market und Noble 14 Odi . Highland Lv 815 Mchigan u. Highla 81 artet u Arsenal A 817 Oft 0 Clair und Union Bah Geleise. 821 Pa Handle Shop m Vermont und Wal 824 Wash. und State C8 62 Madden'LmgFab ' 828 Tker und Torsey 827 Wash. und BeviSe ASt 82,Ns.1sCprttzenhaus VcviSe nahVichiga, 8Z1 Southeafter Ad n2 Woodside. 82 Walh. und Teark, 884 Sontheaster und Arsenal Ade. 88 New Dort und 5CenU 12 JSinoil nd Martzl. 18 Illinois und Markt. 914 Penn, nd -3ftft 9i5$cb&ar rm VS Spezial-Oignale. ersten Schläge, zweiter Wann, gelten Schläge, dritter Alar, ?rittm Schläge, vierte Alarm 2-1, Feuer aus und Schlauch aufgenQ. Schläge, Sasserdru ad. Schläge, l Uhr Mittags. 0 JDi o bezeichnete Signale werden nur do khur ächter angegeben da an den betretend w$ 5eupmg fest gtarmtäfttn anaebttcht sind. IAKE ERIE &17ESTERII U.R. .. ..Fahrzeit der Züge.. .. blahrtAnkuns Toledo. Chicao und Michigan Cxjtt 7.16 flOXC rolelo. Detroit und Chicago Lim I2.r0 f SM Vichigan Ktty,Ddlrcieu.LafayetttVpl7 7.20 tiO.25 täglich t genommen Sonntag. OEIITIIU COLLEGE OF CÖSIG, 550 Hört Neridlan Str. ...Schule jetzt eröffnet.... Lez-vchül sowie auswärtige Schüler, ,klet hier im College völlige Oufr. ft, türmt zu jeder Zeit eintreten. Qa csteuS gut eusaerüftetes Institut, voll i2 in allen Obtheilungen deS LernenZ 7N lfi d u7 und den verwandter (ten ' . ?t..) iret. EdTsCid Tnylcr, Direktor.
