Indiana Tribüne, Volume 28, Number 172, Indianapolis, Marion County, 14 March 1905 — Page 5

Jndkana Trw,mo, M. März 1903.

5

RcKOT0TcSOZc)öOK'OOTOK'c S

o 8 o 5 o s o s o s o $ o ! o Zo o o 5 O Z o Z o K UV. Eine alltägliche Geschichte. f?cm garinhatj. o o o o $ o S o o o o o s o o $ o s o Bie war Blumenbinderin in einem der ersten Geschäfte, ein bescheidenes, hübsches, gutes Kind, weder frech, noch genußsüchtig, noch falsch von Herzen, wie es so viele jener weiblichen Geschöpfe sind, die Mittags und Abends nach Ladenschluß die Straßen der Großstadt überfluthen. Von den Blumen, welche die forgfältig temperirte Treibhausluft oder die Sonne der Riviera eingesaugt hatten, schienen Zartheit und Duft ein wenig auf sie übergegangen zu sein. Die Poesie ihrer Beschäftigung drückte manchen giftigen Keim des Großstadtbrodems im Entstehen, in ihr nieder und ließ zuweilen reine Regungen anwachsen zu lebenskräftigem Empfinden. So blieb sie unverdorben und zeigte sich anders als die Anderen. Und Während diese voll Gier, Sehnsucht und Wohlbehagen von den Vergnügungen und Verlockungen plauderten und gegenseitig alle Sinne in Aufruhr brachten, verarbeitete Walburga mit geschickten Händen die Blüthen ebensowohl zu kostbaren Brautbouketts wie zu feierlichen Todtenkränzen, und der Kontrast stimmte sie nachdenklich.' Sie gewöhnte sich allmälig an, über die Dinge Gedanken zu haben, und ein Mensch, der denkt, geht ruhiger an den Versuchungen vorüber und bleibt im sicheren Geleise. Darüber flog die Zeit hin, und Walburga kam über die erste Blüthe hinaus. Sie wurde hellsehender, selbstbewußter. Was vorher dunkler Instinkt gewesen, gestaltete sich jetzt zu klarem, festem Willen. Sie war zufrieden mit ihrem Verdienste, mit ihrem Hinterstübchen, das sie bei Frau Dülmer bewohnte und das so hoch lag, daß sie Mond und Sonne aufgehen sah und, dem Gezwitscher der Schwalben lauschen konnte, die auf den Giebeln saßen ein weiteres Stückchen Poesie, dem sie sich mit voller Seele hingab, da sie Niemand hatte, an dem sie hing und der sich um sie gekümmert hätte. Gedanken machte sich Walburga auch über die verschiedenen Miether der Dülmer'schen Wohnung. Da war außer ihr und der gutmüthigen Wittwe ein altes Fräulein, das eine kleine Rente- verzehrte, welche ihr der einstige Herr fürtreugeleisteteDienste ausgesetzt hatte; sodann ein blutjunger Kommis, den man aus der Straße für ein Grafensöhnchen hätte halten können, wenn ihn nicht in unbewachten Momenten die rothen, erfrorenen Hände verrathen hätten. Das vierte Zimmer mit den Staatsmöbeln der Frau Dülmer diese selbst lebte und schlief in der geräumigen Küche war in der Regel an einen Studenten abgegeben, der Urfache hatte, etwas zurückgezogen zu leben.' Diesen Nachbarn bekam Walburga fast nie zu Gesicht. Denn wenn sie Morgens fortging, lag er noch in den Federn, und wenn sie Abends heimkehrte, war er ausgeflogen. Seit Kurzem aber bewohnte das Zimmer ein junger Mann, der andere Gepflogenheiten hatte als seine Vorgänger. Er war Walburga zum ersten Mal aufgefallen, als er Abends vor ihr her ginA, den gleichen Weg mit ihr. Wenige Schritte vor ihr verschwand er in der Dülmer'schen Wohnung, die er selbst aufschloß. Daraus erkannte sie, daß er ein Miether war. Und gleich darauf sah sie auch Frau Dülmer mit Licht und einer Flasche Bier in das Staatszimmer treten. Mal ein Solider," dachte sich das Mädchen und begab sich in ihr Kämmerchen, um ihren Abendimbiß, eine Tasse Milch und ein Butterbrod, zu verzehren, was sie beides noch mit einem jungen Kätzchen theilte. Sie hatte sich das Thierchen erst vor einigen Tagen angeschafft, weil sie, wie sie zu Frau Dülmer sagte, ja nun doch schon eine angehende alte Jungfer sei. Als sie am nächsten Morgen, mit ihrer Toilette beschäftigt war, hörte sie nebenan eine gedämpfle Tenorstimme ein Studcntenlieo singen. Ah, der Neue ist ein Frühaufsteher und ein lustiger Gesell!" lächelte sie, und das Ankleiden ging noch einmal so rasch vorwärts bei dem heiteren Gesang. Sonst hatte man nichts als das Schlürfen der hausfräulichen Pantofseln und das Klirren von Geschirr vernommen. Auch das Kätzlein, das noch träge im Bette seiner Herrin geschlafen hatte, spitzte die Ohrcn. Nicht aber um des Tenors willen, sondern weil plötzlich ein seltsames Knurren und Kläffen laut wurde. Walburgas Augen erweiterten sich. Ach," sagte sie ängstlich zu Frau Dülmer, die ihr eben das Frühstück brachte, hat der neue Herr einen Hund?" Ja, Fräulein, einen allerliebsten Rattenfänger hat der Herr Doktor Lenz." Sie fand an ihren Miethern alles allerliebst, so lange sie mit ihnen auf friedlichem Fuße stand. Brauchen keine Banae u haben um Ihre Mieze; der Rattenfänger ist lammfromm und äußerst anständig, gerade wie sein Herr." Es ist mir aber doch lieber, Frau

L

ulmer. -wenn Sie meine Ztmmertyur ja nie offen lassen. Man weiß nicht"

Freilich, freilich! Soll gecheyen! ürfen ganz ruhig sein. Fräulein." Abend für Abend fast ging WalO buraa hinter dem neuen Zimmernachbarn nach Hause und beobachtete ihn. Er war etwas scbmamtla und blatz, aber doch ein hübscher Mann. Sie sah, daß seine Kleidung peinlich sauber, aber nicht gerade fein war, daß sein freundliches Gesicht einen ernsten Zug zeigte. Nichts von dem' leichten Sinn und Wohlbehagen anderer Studenten lag darin. Ohne daß er nne Ahnung hatte, beobachtete ihn Walburga ganz genau. Jeden losen Knopf bemerkte sie, und es that ihr leib, daß sie ihn nicht annähen durfte. . Als er einmal seinm Ueberrock über dem Arm trug, entging :s ihr nicht, wie abgestoßen die Kante war. Er hatte wohl nicht die Mittel. lhn vom Schneider wieder m Stand setzett zu lassen. Wie leicht wäre es ihr, ihn wieder ordentlich zurecht zu machen. Ein paar Sonntaanachnlittagsstunden, und es wäre geschehen. Es zuckte ihr schier in den Fingern. Ein großes Mitleid stieg in ihr auf. Und was ihr Frau Dülmer über den Studenten sagte, war nicht darnach, dieses Mitleid zu verkleinern. Der Herr Doktor ging Abends nie aus. aß und trank sparsam und war ganz übermäßig fleißig. Immer saß er über den Büchern und schrieb auch für Zeitungen. Und den Hund Walburga hatte ihn nichts weniger als allerliebst gefunden, denn es war ein alter, dicker, brummiger Koter behielt er nur aus gutem Herzen. Er hatte ihn einst aus dem Wasser gezogen und in Ermangelung eines Gebieters adoptirt. Dmer Herr Doktor scheint ja em halber Heiliger zu sein," entgegnete Walburga mit leichtem Lächeln auf diese Erklärung ihrer Wirthin. Da könnten wir wohl mal seinen zerrissenen Ueberzieher flicken, ohne daß er's merkt. Das heißt, dann haben's eben Sie gethan, liebe Frau Dülmer." Ach, bestes Frauleinchcn, hab s aum qesehen, jawohl! Aber meine steifen Finger bringen so was nicht mehr fertig. Wenn Sie so gutig sein wollen, so mensäenfreundliich ich sage Ihnen. er verdient's wirklich." Am Abend saß Walburaa beim Lampenlicht bis Mitternacht und stichelte mit peinlichster Akkuratesse am Ueberzieher des jungen Mannes herum. Jeden Knopf untersuchte sie, jede Naht. Der Gedanke, daß er ihn moraen Heu und sauber am Leibe tragen sollte, entschädigte sie für die Muhe und das kleine Opfer des Wachbleibcns. Wenn er auch nicht wußte, daft sie es gewesen, die den Schaden entfernt was that's. Es regnete am nächsten Abend, und es wurde daher rascher dunkel. Als Walburga nach, sieben Uhr heimging, waren die Straßen schon finster. Sie spähte umsonst nach ihrem Zimmernachöarn aus. Wohl schien er diese und jene Gestalt zu sein, aber sie war nicht sicher. Bor ihr ging ein Mann in's Haus. War er es? Auf der Treppe herrschte undurchdringliche Nacht. Bor dem ersten Oktober gab es m dieser MiethsIkaserne kein Lichl. Da flammte ein Streichholzchen auf, bei dessen Schein Walburga den Studenten erkannte. Ein halbes Dutzend entzündete er, bis sie die Hälfte des Weges zurückgelegt hatten. Er bemerkte sie, schritt langsamer und leuchtete ihr. Und klopfenden Herzens folgte sie ihm. Mit einem Mal unterbrachen Geschrei, Gefauche und Bellen den Gleichklang der Schritte. Die Stufen herunter kam etwas Weißes mit glühenden Augen, dahinter jagte der Rattenfänger her. Der Student pfiff, Walburga stürzte mit dem Rufe: Mieze. Mieze!" der Katze nach. Es dauerte eine Welle, bis sie das geängstigte Thier erfaßte. Dabei steckte der junge Mann ein Zündholz ums andere an und hielt den jagdlusiigen Hund fest. Walburga eilte mit raschen Schriiten voran, da die Katze sich verzweifelt in ihre Schulter einkrallte. Als sie durch die offene Dülmer'sche Wobnungsthür trat, war der Student mit einigen schnellen Schritten neben ihr. Sie sind wohl Fräulein Walburga?" fragte er, und im matten Flurlicht sah sie, daß er ganz verlegen aussah. Stumm nickend rannte sie ihrer Stube zu. Nach einer Viertelstunde kam die Hauswirthin. Der Herr Doktor lasse um eine Unterredung bitten. Mein Gott, weswegen?" stammelte das Madchen erschrocken. Es wird wezen des Hundes sein, er wird sich entschuldigen wollen. Aber da ja ich an der Geschichte schuld bin. weil ich die Thür offen ließ, wär' das meine Sache. Die feinen Leute haben jedoch ihre besonderen Manieren. Also, darf er kommen? Frau Dülmer, ich bitte Sie nur in Ihrer &tuct red' ich mit ihm! Und Sie müssen dabei sein! Ich werd's ihm sagen." Etwas bleich und erregt trat sie ihm gegenüber und hörte verlegen seine Entschuloiauna an. Und außerdem," fuhr er fort, mutz lch Ihnen noch danken, recht herzlich danken. Sie hatten die Güte ich weiß nicht, wie ich sie verdient habe. Sie waren fo lieb und Walburga wurde roth. D-ge-f linste Ueberrock!

ürau AUlmer yal gejcywanl, .oas war nicht recht von ihr," sagte sie verwirrt und sah sich vorwurfsvoll nach der Uebelthäterin um. Aber diese hatte sich empfohlen. Ueber Walburga kam eine ungeheure Verlegenheit, und sie war nahe daran, in diesem SSamaefühl unterzugehen. Wie thöricht! ' Sie hat ja nichts Unrechtes gethan. Ein paar frische, freie, ungezwungene Worte sollten sie retten. RedeuSie doch davon nicht. weiter, Herr Doktor! Was sind für eine Mädchenhand so ein paar Stiche! Und dann ich that's ja für Frau Dülmer. Jbren Dank hab' ich schon, also ist's

ernt." Der Student lächelte, und dabei blickten sie sich in die Augen. Er sah. daß es ein Paar schöne, seelenvolle Mädchenauaen waren: sie sah. daß er jenen warr..en, offenen- Blick hatte, der so leicht Vertrauen erweckt. Am folaenden Taa saß sie em wenig träumerisch bei ihre: Arbeit. Ein großer Vorhang trennte sie und ihre Kolleginnen vom Verkaufsraum. Durch einen Spalt konnten sie alles beobachten, was dort vorging. Geaen Abend, dicht vor Schluß des Geschäfts, kam noch ein Herr herein und verlangte ein Straußchcn. Alle waren weggegeben; es mußte rasch ein neues aebunden werden. Das war Walburgas Aufgabe, und als sie es der Verkäuferin uberaab. fiel ihr Blick durch den Vorhang auf den Käufer. .Doktor Lenz kaufte em Liebesstraußchen! Sie fühlte einen Stich in der Lrust. Für wen? Starr betrachteie sie ihn, wie er zahlte, wie er ging. Für wen? Was kümmerte sie das eigentlich? Warum sollte er kein Mädchen haben, das ihn liebte? War er doch hübsch und jung und hatte eine Zukunft. Eine Zukunft, die weitab lag von der ihren. War iie verruckt? Wie kam sie dazu. an so etwas zu denken? Ging auch nur ein Fädchen von ihr zu dem schwarzhaarigen Mann hinüber. Etwa weil sie bei der gleichen 'Hausfrau wohnten, weil sie ihm den Ueberrock geflickt hatte? Einfach lächerlich! Mit trägen Händen räumte sie ihr Arbeitsmatenal weg, und mit tragen- Schritten ging sie nach Hause. In ihre friedliche, ausgeglichene Stimmung war ein Schatten aefallen. Wie strömte ihr aber das Blut zu Herzen, als sie in ihrem Stübchen Licht machte und auf dem Tisch den Strauß liegen sah, der vor einer halben Stunde aus ihrer Hand hervorgegangen war! Also für sie! Und mit zitternden Fingern erfaßte sie die Blumen und roch daran. Ganz anders sprachen diese Blunien zu ihr als jene, die sie in Fülle täglich in Händen hatte. ' Als wäre etwas Beklemmendes, Bedrückendes von ihr gefallen, 'so leicht und froh fühlte sie sich jetzt. Sie nahm sich aber doch vor, den Nachbarn auszuzanken. Solche Verschwendung! Er brauchte sein Geld jedenfalls für andere Zwecke. Ihr Blumen zu schenken, das hatte eigentlich gar keinen Zweck. Sie war ja doch abgestumpft gegen Farbe, Duft und Pracht der Blüthen. Das wollte sie ihm fagen. Es klang recht glaubhaft, wenn es auch nicht die Wahrheit war, denn noch nie waren ihr Rosen so schön erschienen, noch nie Reseden so wohlriechend wie diese. Am Abend darauf trasen sie beim Nachhauseweg zusammen. ' So finster es war, er sah sie und grüßte sie. Sie bedankte sich schlicht für sein duftendes Geschenk, und mit einem innerlichen Anlauf brachte sie es auch fertig. ihm derartiges zu untersagen. ..Aber wie soll ich meine Dankbarkeit zeigen?" Ich lese gerne. Wenn Sie mir gclegentlich ein Buch leihen wollen ) gern. Ich habe Bücher aenug. Da ich öfters Schriftstellern in's Handwerk pfusche, flattern nur allerlei zu. . Ich nehme jedoch auch das nur an. wenn wenn Sie m Zukunft Mit Ihren Garderobeschmerzen zu mir kommen. Das wollen Sie sagen? Nicht wahr?" Sie nickte. O. Sie werden sehen, wie unbescheit r ' . oen q tm rann, gramem zusei burga." Von da an brachte ihr Frau Dülmer Bücher nnt den besten Empfehlungen des Herrn Doktor aus s Zimmer und zuweilen auch Toiletienstücke, die einer bessernden Hand bedurften. Hier war ein Hutband locker, dort eine Naht aufgegangen, Schäden, die Walburga mit mütterlicher Sorgfalt gutmachte. Nach Hause gingen sie fast jeden Abend mit einander. Ohne Verabredung trasen sie auf der Straße zusammen. bald näher ihrer Wohnung, bald weiter davon entfernt. Anfangs plauderten sie meist über den Inhalt der Bücher. Der junge Mann vernahm mit besonderem Interesse die Ansichten des einfachen Mädchens. Aus ihren Urtheilen 'erkannte er. daß sie ein warmes, lebhaftes Gemüth und treffende, klare Gedanken öesaß. Später sprachen sie auch über intimere Sachen. Bald wußte sie seine ganzen Verhältnisse wie er die ihren. Freilich, es war nichts Besonderes, was sie da erfuhren, nichts Großes, Außergewöhnliches. Nur das eine Tragische ward offenbar. daj Lenz, durch einen jähen Tod seines Vaters der Mittel zum Studium beraubt, gezwungen gewesen war, eine Hauslehrersielle anzunehmen. Das war ein Verlust von drei Iahrm, den er nicht verschmerzen konnte. Und er mußte jetzt alle vorhandenen

Kräfte anspannen, um nicht wieder in dieselbe Lage zu gerathen. Sparsam-!

seit und Fleiß konnten ihn allem, an's Ziel bringen. Damm wohnte er so einfach und mied allen Verkehr. Nur der Rattenfänger war sein Gesellschaft ter und Freund. ' -. In Walburga quollen eine Menge fluthende? Empfindungen auf. Die Mutter, die auch im jungfräulichen Weibe schlummert, erwachte in ihr, und bethätigte alle Sorafalt einer solchen an dem jungen Mann, so weit es angängig war. Wie viele Männer, war auch Lenz in den Kleinlichkeiten des Lebens unpraktisch, und weibliche Rath wie weibliche Hand thaten ihm wohl. Frau Dülmer war eine gutmüthige, aber derbe Hausfrau; sie traf's bei allem guten Willen nicht so, wie es dem mit verfeinerten Lebensgewohnheiten Behafteten recht unb angenehm war. Walburga aber hatte einen jungen w- war geschickt, ein bischen voetisck. und mit dem feinen Instinkt des Wcibes errieth sie, wie man ihn behandeln und nehmen mußte. Zwischen Beiden entwickelte sich so eine vertrauliche Kameradschaft, die sich sogar auf den Nattenfänger und die Katze'erstreckte. Die zwei vertrugen sich längst. Die jungen Leute riefen sich bei dem Vornamen. Sie nannte ihn auf seinen Wunsch hin Herbert, er hatte sie Lu? getauft, da ihm Walburga mißfiel. An vielen Abenden saßen sie in der Stube der Frau Dülmer anders wollte es das Mädchen nicht beisammen und lasen oder plauderten. Lür gestaltete sich bei diesem Verkehr wundersam. Sie wurde lebhast, witzig; eine Menge kleiner Talente, die vielleicht sonst für immer in ihr geschlafen hätten, hakn an die Oberfläche. Frau Dülmer machte einmal, als sie mit Walburga allein war, zarte Anspielungen. Vielleicht haben Sie Glück. Fräuleinchen. Seien , Sie nur klug, dann werden Sie noch Frau Doktor." Das Mädchen erglühte vor Zorn und Scham. i.Sagen Sie so etwas nicht mehr! Sie kränken mich. Von derlei ist zwischen uns keine Rede, es ist alles nur Freundschaft, reine, harmlose Freundschaft, sonst nichts!" . Frau Dülmer schwieg und lächelte zweifelnd. Sie hatte ihre Erfahrungen als Zimmervermietherin, und diese waren wohl so, daß sie an Freundschaft zwischen Mann und Weib nicht recht glauben konnte. Ein leickter Schleier legte sich von da ab über das Wesen Walburgas. Sie benahm sich etwas zurückhaltender gegen Herbert. Aber er schien es nicht zu bemerken. Eines Abends trat er vor sie hin, als sie das Geschäft eben verlassen batte. Fommen Sie. Lur, ich habe einen Artikel unverhoffter Weise gut verkauft undletwas übrig, so daß wir uns einen schönen Abend machen können. Sie sagten neulich, daß Sie noch nie im Theater waren. Hier sind zwei Karten Machen Sie sich hübsch und seien Sie flink." Walburga ' wollte Einwendungen laut werden lassen, er schnitt aber jede Widerrede ab mit den Worten: Seien Sie lieb und verderben ' Sie mir die Freude nicht, sondern freuen Sie sich mit!" Und Walburga war mit ihren fünfundzwanzig Jahren 'noch keineswegs entsagungs lustig. Sie freute sich wie ein' Kind mit einer zitternden, ängstlichen Freude auf die nie genossenen Herrlichkeiten. Man spielte , die erschütterndste Liebestragodie Shakespeares Vttmeo und Julia." Eine ungesunde Kost für das poetisch angehauchte Gemüch Wal-burgas,-für ihre bereits aus dem Alltagsleben gelenkte Phantasie. Immer bleicher wurde ihr Gesicht. - Das war die Liede! Ja. so hatte sie es sich stets erträumt. Kein Opfer zu groß, kein Hinderniß zu schwer; und lieber sterben, als leben ohne das Wesen, an dem Seele und Sinne hangen. Das Blut des Mädchens jagte, ihr Gehirn arbeitete fieberhaft, das Herz ainq mit wilden Schlägen. Auch Herbert stand im Bann des gemalen Dichters. Daher fiel ihm die Erregung seiner Nachbarin nicht aus. Schweigend verließen sie das Thea ter. Genießen wir noch etwas!" sagte er nach einer Weile und zog sie in ein yeuerleuchtetes Lokal. Sie folgte ohne Widerstreben. Aber nichts nahm sie zu sich als ein Glas Wein. Er machte es ebenso. Dann gingen sie heim, doch nicht getrennt, wie es Walburga vorher gewünscht, der Hausbewohner wegen. Seien lmr nicht kleinlich jetzt, Lur, und kommen Sie!" sprach er, als sie Miene machte, sich von ihm zu entfer nen. Still schritt sie neben ihm her, und mit verwirrten Sinnen horchte sie auf seine Worte, die noch einmal die Schönheiten des Werkes vor ihren Augen lebendig machten. Er schlon das Haus auf, und sie betra ten den dunklen Flur. Herbert suchte nach Streichhölzchen in der Tasche, aber noch ehe er sie gefunden hatte, fühlte er einen Arm, der s?ch zag um seinen Hals schob, den Hauch eines Mundes, der flüsterte: Es war so schön. Herbert. Ich danke 5lbnen von Herzen." Und obne Ueberleauna. nur dem warmen, aufsteigenden Impulse folgend, zog er Walburga an sich und küßte sie fest und lange. (Schluß folgt.)

Berlangen 510, für ihre - Dienste.

Dr. R. C. Light und F. I. Scholz, der frühere . Staatsschatzmeifter, haben in Seymour, Ind., Ansprüche für $10,000 gegen den Nachlaß des verfiorbenen Louis Schneck eingereicht. Dr. Light sagt, daß die Ansprüche auf zur Verfügung gestellte Zeit, sowie auch auf von ihm und Herrn Scholz gemachte Geldauslagen sich basiren. Er giebt an, daß beide, er und Herr Scholz häusig Reisen nach New Aldany und Jeffersonville untemahmen und daß sie einmal sogar nach New Bork reiften, um die. Jeffersonville und New Aldany Jnterurbanbahn, von der Schenk einer der Hauptbeamten war, in'S Leben zu rufen. Feuer-Chronik. Ein' Feuer in der Wohnung Peter Kreis, 1215 Beville Ave., richtete ge stern einen Schaden von $1200 an. Der Thurmwächter entdeckte das Feuer und ehe noch die Nachbarn von demselben eine Ahnung hatten, langte die Feuerwehr vor dem in hellen Flammen stehenden Haufe an. Ein schadhafter Schornstein wird als muthmaßllche Urfache des FeuerS angesehen. Funken auS dem Schornstein waren nach Ansicht der Feuerwehrleute die Ursache eines Feuers im Hause Charles Albert, 320 West Ohio Straße. Ver. lust $75 Italien. Apostolischer Delegat bei d e r P f o r t e. R o m, 13. März. Bischof Giovanni Tacci Porcelli, der neuernannle apostolische Delegat für Konstantinopel, ist auf seinen Posten abgereift. Seine Ernennung wird viel besprochen, da Frankreich durch seinen Botschafter bereitS den Schutz der Katholiken im Orient ausübt, freilich sind die BeZiehungen zwischen Frankreich und dem hl. Stuhle unterbrochen. . Die Instruktionen, welche Bischof Porcelli auf seine delikate Mission mitgegeben wurden, werden geheim gehalten. Die Äff. Preffe erführt, daß der Bi schof angewiesen ift, den Bruch zwischen Frankreich und dem hl. Stuhle zu ignoriren, daß er aber in rein religiösen Angelegenheiten keine Einmi schung des französischen Botschafters erlauben soll. Inzwischen find, an all: römisch'katholischen Congregationen in der Türkei, ohne Unterschied der Nation. Befehle erganngen, den Delegaten als erste Autorität anzuerkennen. Grundeigenthums - Uebertragungen. Mollie Pollard an Meliga Mount, Lot 9, Kaufmann's Woodside Add., verbeffert, Westseite Woodside Ave., südlich von Graydon Str. S1650. Katie M. Weiß an Aug. Longerich, Lot 28, Moore'S Subd., 40 bei 150 Fuß. verbeffert. Nordseite 12. Str., östlich von Larch Str. $1675. . ...Ayres Bulletin ..Grgandy.. Beschrankte Dessins Ein großer Reiz an einem Organdy Kleid ist dessen Exclusivheit der Dessins; irgend ein Organdy Kleid muß nothwen dlger Weise hübsch sein; wenn dasselbe ebenfalls verschieden ist, in Dessin und Farbe, von allen anderen die Sie sehen, so bleibt von seiner Individualität nichts zu wünschen übrig. Ayres Or'gandies wurden direkt importirt, mit dem Ueber einkommen, daß keine DessinS in dieser Umgegend duplizirt werden. Franzosische Organdies, beschränkte Dessins, aus weißer oder schattirter Grundarbeit, fünfzig Muster, Yard.. 45c Bänder-gestreifte Organdies, prächtig in Gewebe und Farbe; gewählte Dessins, die Yard 59s Organdies in Strahlen Effekten, mit Blumenflröußen, wundervolle, herrliche Musterung, die Hard 59c Gestickte Organdies mit ganz kleinen Würfeln bedruckt in Farben, reizend zierlich, die Yard 29c Jndiana' größte Dr? Sood Händler. Dlchmann 5 Orabhorn, Favrikante do sie. Schau - Kästen. Slal Ladentische und Cigarren-Tische 022 Ost Washington Gtts? tter Phonrawl i.

umti

epartmeuj .Wechsel, . . Crcditbriesc, Postanweisungen, auf alle Städte Europas. Kchisssscheittö von und nach Europa. An- und Verkauf ausländi schen Geldes. i l No. 35 Süd Meridian Str. Blcclumts National Bank. Gl n die dielen Fremden welche Isich J beständig in Indianapolis auffirtTtfn rsnfTtt Ynr ttt fritS 7,, vvVt IVI VMtV tlUltV" liche Einladung, unsere Gesellschaft zu einem Depositum für ihre Ersparnisse zu machen. Mit unseren ausgezelchneten Facilitäten sind wir in der Lage, d:e beste Bedienung zu liefern. ES bleibt sich ganz gleich, wie klein daö erste Deposit ist, es wird darum nicht weniger anerkannt. Depositen und Zurückziehungen können zu irgend einer Zeit und zu irgend einem Betrage gemacht werden Zinsen werden zu der vla't von orel Prozent erlaubt, halbjährlich verrechnet, am ersten Mai und November. IvlX TRUST co:, Gapital $1,000,000 Ueberschuß $250,000 Ecke Washington Str. und Virginia Ave. ! Burton & Statt, ...Rechtsanwälte.. . W H. Burton, früher Konsul in Deutschtand. John Stahl, früher. Gedilf - EtaatSanwalt. Deutsche Advokaten und Notare Praktiziren in allen Gerichten der Ver. Staaten. t 607 State Life Gebäude. vkeue Telephone S88Ä. C. IS Acchtsanwalt... (Früher Staatlanwalt.) 323-325 Jndiana Trust Gtbäudk Telephon (neu) 150. ü2 Prozent MUH. Zinsen zahlbar vierteljährlich. Dividenden zahlende Aktien in etablirten Manufakwr Geschäften in Indianapolis. Ebenso Bonds, GrundeigenthumS-Hyxothe ken und alle Sorten Geldanlagen ersten Ran geS. Bessere Sicherheit als eine Bank. Um wechselbar in Baar auf Ivtägige Kündigung. Kapital und Zinsen garantirt von der ..Germania Investment Company.. lJncorporirt.) Eingezahltes Kapital tz10,0L0. BURT0N & STAHL ....Deutsche Advokatur 607 Statt Life Gebäude. ...KMm.. geliefert von A. B. MEYER & CO. Telephone Ruf : ..Mt - 244 4 Reu - - 5iß 44 10 Haupt-Verbindungen Wir sind zu jeder Zeit zu haben. ttohlenhos nahe bei Ihnen. Sanpt Ossice : 19 Nord Pennsylvania Straße.

Europäisches

Tt in n

mm

.lurniui uiuuiuiu

Ali!

i