Indiana Tribüne, Volume 28, Number 172, Indianapolis, Marion County, 14 March 1905 — Page 3

Jttdiana Zvlbünc, 14 März

riebe in

Bedeutsam Erlliinmg des japnftfjcn Gesandten in Washington. Einzelheiten vom russischen Rückzüge. Japaner zählen ihre Beute. Die innere Lage in Rußland. Englisches Armeebudget. WahlUnruhen in Spanien. Beulenpest in Chile. Abcssinische Banl.

FriedenZverhandlungen. Washington, 13. März. Wenn der Zar morgen seinen Kriegs rath versammelt, wird er nicht allem im Stande sein, mitzutheilen, daß Japan unter angemessenen Bedingungen Stieben zu schließen bereit ist, sondern er wird auch die Bedingungen nennen können, wenn dasselbe die Zusicherung erhält, daß sie ernstlich in Erwägung gezogen werden. Die hat der Zar durch befreundete europäische Regierunge erfahren. Ja pan verlangt die Abtretung Port Ar thur's, ein Protettorat über Korea und eine Kriegsentschädigung. Von einem hohen Beamten erfährt die Associirte Presse, daß Rußland sein zweites Pacific-Gefchwader zurückberu sen hat. Dies waren in Kürze die Berichte, die heule in hiesigen diplomatischen Kreisen im Umlaufe waren. In Re gierungskreisen glaubt man, daß Ruß land und Japan vor dem Frieden schlusse stehen. Freunde Rußlands geben zu, daß die Rückberufung deö Geschwaders, wenn sie erfolgt ist, ein sicheres Anzeichen ist, daß Oyama'S Sieg den Frieden herbeiführt. Botschafter Cassini Iheilt diese An sichten nicht. Wie nobel auch die An erbietungen Japans fein mögen", so erklärte er, Rußlands Ansehen hat gelitten und bleibt geschädigt. Für die seö aber wird der Krieg bis zum Ende durchgefochten werden. Nur ein russi scher Sieg kann Frieden bringen." Der japanische Gesandte Takahira erklärte emphatisch, Japan habe nicht Frieden angeboten, allerdings hätten ausländische Diplomaten bezüglich der Bedingungen sondlrt. Wenn Japan die Gewißheit habe, daß FriedenZvorschZäge von ' Rußland in Erwägung gezogen wurden, könnten dieselben sofort gemacht werden. L ond on, 13. März. Obgleich Gerüchte von Friedens Verhandlungen weder vom auswärtigen Amte noch von der russischen oder japanischen Gesandtschaft bestätigt worden, ist doch ein Umschwung der Ansichten in diplomatischen Kreisen eingetreten, wo bisher solche Gerüchte als nicht der Erörterung werth befunden wurden. Auf der russischen Botschaft hieß es. Zar Nikolaus möchte, durch die össentliche Meinung beeinflußt, VerHand lungen zustimmen. Gewiß seien bis jetzt von keiner der kriegführenden Pav seien Verhandlungen angestrebt wor den, aber wenn solche angeknüpft wür den, werde eS nicht durch eine dritte Macht, sondern durch Japan geschehen. Auf einer neutralen Gesandtschaft wurde die Anficht ausgedrückt, der deutsche Kaiser werde der FriedenSstif ter sein. Noch 100,000 Mann. St. P e t e r b u r g. 13. März. Der russische Generalftab meldet das Gerücht, daß die Japaner bereits Vor kehrungen getroffen haben, den Tie Paß zu umgehen. Sollten die Russen den Paß nicht halten können, so wür den sie auf der weiten Ebene nördlich davon von dem überlegenen Feinde der nichtet werden. Kuropatkin gibt zu, daß 50.000 Verwundete vom Felde getragen wur den; fügt man hierzu die 26,000 Todte und 60,000 Gefangene, so ergibt sich ungefähr die japanische Schätzung von 155,000 Mann. ES bleiben dann Kurcpatkin nicht mehr wie 100,000 Mann. Am Besten ist Gen. Linevitch's Ar mee davongekommen, aber dies hat sie den tapferen Armeen Rennenkampf'S und KaulbarS' zu danken, die die japa Nischen Angrisse aus die Flanken mit Aufopferung zurückwiesen. Ausgezeichnet hat sich in diesem Feld zuge daS VerpflegungSwesen der Rus sen erwiesen. Die Suppenküchen wa ren stets nahe der Front und bei Muk de. erhielten die Soldaten selbst wäh rend der Kämpfe warme Mahlzeiten. Sorge für Gefange n e. Niutschwang, 13. März. Die Frage des Transportes und der

Sicht.

Verpflegung der Tausende " von russischen Gefangenen beginnt den japani schen Behörden Kopszerbrechen zu machen! ES heißt, daß 40,000 über Dalny und die anderen über Jinkan geschickt werden sollen, so bald der LiaoFluß aufgeht. Japanische Ossiziere berichten, daß noch viele Russen sich versteckt halten; daß dieselben sich ergeben oder verhungern müssen, da daS Land von Lebens Mitteln entblößt ist. Beute bei Sing King. Tokio, 13. März, Abends. AuZ dem Hauptquartier im Felde sind sol gende Nachrichten eingelaufen: Seit unserer Besetzung von Tsinketchen am 24. Febr. find in der Richtung von Sing King Wenden) folgende Beutestücke in unsere Hände gefallen: 2200 Gewehre, 6 Maschinengewehre, 320,000 Patronen, 11,500 Granaten. 6000 Schanzzeuge. Material für 33 Meilen leichter Eisenbahn mit 450 Wagen, 10 Wagenladungen Kleider. Außerdem nahmen wir große Vor räthe an Getreide. Futter, Betten, Oefen und Telephonen, sowie viele Pferde. Der Feind ließ etwa 1200 Todte auf dem Felde; wir machten 80 Gefan gene. Buigin'S Ansicht. St. Petersburg, 13. März. Der neue Minister des Innern, Bui gin, der bisher für ZeitungSCorrefpondenten unzugänglich war, hat sich heute dazu herbeigelassen.eine fpeziell für das amerikanische Volk bestimmte Erklürung über seine Politik aufzuge ben. Ueber seiner Namensunterschrift erklärt er: ES ist eine Thatfache, daß ich unter dem Großfürsten SergiuS glS Polizei chef in Moskau diente, aber ich bin des halb !ein Reaktionär. Als ich mein jetziges Amt übernahm, thatlch dies in der festen Ueberzeuguug, daß eS meine Aufgabe fein würde, den JarenUkaS vom WeihnachtStag durchzuführen. Ich möchte emphatisch sagen, daß ich jede mögliche Reform begünstige. DaS Volk sollte meiner Ansicht nach bei der Gesetzgebung mitwirken, jedoch nur unter der Bedingung, daß daS Prinzip des Absolutismus unangetastet bleibt. DaS Gerücht von der angeblich be abfichtigten Einberufung des SemSky Sabor ist leeres ZeitungSgerede. Ich glaube jedoch, daß die Befugnisse des SemstwoS ausgedehnt werden und habe dies stets befürwortet. Die jetzt bu. reaukratifch verwalteten Provinzen müssen ein größeres Maß von Selbst regierung haben, doch muß in diesem Punkt sorgfältig zu Werke gegangen werden, da sehr viele lokale Fragen berücksichtigt werden müssen. Eben diese Lokalfragen mit dem Krieg in Ostafien bilden die eigentliche Ursache der gegenwärtigen Unruhen. Die Regierung hat schwere Fehler gemacht. Einer der größten war, dafe sie von der Gewaltherrschast eines Plehwe urplötzlich zu einem allzumilden Liberalismus überging." Gen. L i n e v i t ch. St. Petersburg, 13. März. Wenig Neues ist im Kriegsministerium zu erfahren. Gen. Linevitch's Armee hat, wenn sie auch stark durcheinander geworfen wurde, die geringsten Verluste erlitten. Dagegen Hai Gen. KaulL barS 23,000 Gefangene in Händen der Javaner gelassen. KaulsbarS und der Rest der Armee entkamen mit knapper Noth. Nach den letzten Nachrichten ist eS ihm noch nicht gelungen aus den Bergen herauszukommen. Gen. Meyendorff, der Befehlshaber des 1. Korps, wurde an der Schulter verwundet. Rojestvenky'S Geschwader. St. LouiS. Insel Mauritius. 13. März. Admiral RojeftvenSkh'S Geschwader befindet sich wahrscheinlich an der NordwestküfteMadagaScar'S, we nigstenS sah eS .dort der französische Dampser 0ru5" am 4. März. Man

weiß, daß RojestvenSky beabsichtigte bis Ende April dort zu bleiben. Die Drohung deS Zaren. Berlin, 13. März. Die Meinung, daß der Friede zwischen Rußland und Japan nahe ist, gewinnt an Bo den. Die Kreuzzeitung, welche ge wohnlich in russischen Angelegenheiten gut unterrichtet ist. glaubt, Zar NikolauS könne sich nicht mebr lange der Erkenntniß verschließen, daß eS ihm an Mitteln und an der Macht fehlt, um die Mandschurei wiederzuerobern, weil es viele Jahre beanspruchen würde, die sibirische Bahn mit Doppelgeleisen zu versehen. Die Zeitnng bezeichnet den angekündigten Entschluß deS Zaren, den Krieg, koste e, was es wolle, fortzusetzen, als leere Drohung, die darauf berechnet sei, die Japaner zur Müßigung ihrer Friedensbedingungen zu bringen. R u s s i s ch e r P r o t e g. Washington. 13. März. Der japanischen Gesandtschaft wird vom auswärtigen Amte in Tokio mitgetheilt, daß Rußland wiederum die Auf merkfamkeit der Mächte auf die Verletzung der Neutralität yhwa'S durch japanische Truppen gelenkt habe, die durch die Mongolei den rechten rufst schen Flügel umgingen. Die Depesche

erklärt, daß niemals japanische Truppen durch die Mongolei marschirt seien, daß aber Rußland bewaffnete und un bewaffnete Soldaten dorthin geschickt habe, um Lebensmittel zu holen. Vorsichtige Leu t e. T! en tsin, 13. März. Die chi. nesische Bahnverwaltung hat die Loko motlven und anderes rollendes Mate rial von der Strecke SinmintiN'Ku pangtse-Vmkau zurückgezogen, da die Japaner verlangten, daß aus dieser Strecke Kriegsmaterial sür sie befördert werde. Streik. Warschau, 13. März. Berichte, daß bereits Reserven mobil gemacht werden, haben in Anbetracht der hiesigm kritischen Lage Besorgniß erregt. Im Gouvernement Lublin haben viele Landarbeiter gestreikt; sie verlan gen höhere Löhne und einen neunstün digen Arbeitstag. Die polnische Delegation, welche nach St. Petersburg ging, um Konzessionen bezüglich des Unterrichts in der polni schen Sprache zu erlangen, ist entmu thigt zurückgekehrt. Der Präsident deS MinifterrathS, Witte, theilte der Delegation mit, sie solle eine gelegenere Zeit abwarten, um ihre Wünsche vor zubringen. Spanien. Wahlunruhen. Mavrtv, 13. Alarz. Hier, zu Barcelona und Valencia kam eS bei den Provincialwahlen zu Unruhen. Zu Valencia wurde von Revolvern und Säbeln Gebrauch gemacht; ein Mann wurde getödtet, virle verwundet. Großbritannien. Armeebudget. L o n d o n, 13. März. Das Armeebudget beträgt für 19051906 S149.065.000, d. i. 34,915,000 mehr wie im Vorjahre. Die Zunahme beruht auf der geplanten Neubewaff nung ber Artillerie, die auf 86,065, 000 berechnet ist. DaS Budget nimmt als Grundlage eine Truppenzahl von 221,300 Mann in den Vereinigten Königreichen und in den Kolonien, ausschließlich IndienS, an. Die Kosten der nordamerikanischen und westindischen Stationen sind mit $3,510,725 angesetzt. Chile. A e u l e n p e st. Valparaiso, 13. März. Pi. sagua, eine Stadt von 20.000 Einwoh. neru, 44 Meilen nördlich von Jquique, wird von den Bewohnern Verlagen, eil Hunderte von Menschen an der Beulenpzst gestorben sind. Häuser, die verlaffen schienen, wur den von der Polizei geöffnet. Man fand Leichen in ihnen, die schon stark in Verwesung übergegangen waren. Akrika. Abessinische Staats, dank. I i b u t i l , Franz. ' Somaliland 13. März. . Wie von Abis Abeba, der Hauptstadt AbessinienS, gemeldet wird hat König Menelik die Gründung einer Staatsbank durch die Bank von Aegvp ten mit 52.000,000 genehmigt. Das Geld wird von der Bank von Aegypten und französischen, sowie italienischen Banken geliefert werden.

Vlatt für Vlait. . Skizze von Otto Orth. Klopfenden Herzens stieg sie die mit weichen Teppichen belegte Treppe eines vornehmen Hauses in der Tauenzien straße hinan. Wor einer Thür im zweiten Stock, neben der auf einem eleganten' Schild der Name Mahler" stand, machte sie Halt. Ihre Aufregung stieg noch, so daß sie eine Zeitlang nicht zu klingeln wagte. Wenn auch dieser Versuch wieder fehlschlug was dann? Mehrmals hatte sie schon versucht, Doktor Mahler in der Redaktion des Blattes, das er leitete, zu sprechen. Jedesmal vergeblich. Nun wollte sie ihn persönlich bitten, daö Manuskript zu prüfen, gerade weil man ihn ihr als einen wohlwollenden, liebenswürdigen Menschen geschildert hatte,' der jungen, ernsthaft strebenden Talenten half, soweit cs nur angängig war.' Und der Roman konnte nicht schlecht sein; sie fühlte, sie wußte es. Und schließlich: Sie mußte Alles versuchen, diese Arbeit endlich materiell zu verwerthen. Ihre geringen Mittel waren aufgezehrt, und von den wenigen Stunden, die sie gab, konnte sie unmöglich leben. Kaum besaß sie noch das Nöthigste für die nächsten Wochen, nachdem sie vor wenigen Tagen dfe monatliche Miethe für ihr armseliges Stübchen imHinterhaus be-

zahlt hatte. Dabei war Winter Weihnachten stand vor der Thür. Ein herber, bitterer Nusdruck legte sich bei diesem Gedanken über ihr Gesicht; sie erinnerte sich, wie sie früher als Kind dieses -Fest gefeiert hatte. Früher und jetzt! Wahrlich das Leben hatte ihr arg mitgespielt! Doch wozu solche Gedanken! Mit trüben Erinnerungen kam sie nicht vorwärtö. Sich zusammenraffend, hob sie energisch den Bügel der Klingel. Eine Wirthschaften öffnete ihr und bejahte ihre Frage, ob Doktor Mahler zu Hause und zu sprechen wäre. Und wenige Augenblicke darauf stand sie ihm in seinem geschmackvoll und gediegen eingerichteten Arbeitszimmer gegenüber. Sie war erstaunt, in ihm einen noch verhältnißmäßig jugendlichen, stattlichen Herrn zu erblicken; eher das Gegentheil hatte sie erwartet. Doch auch er stutzte, als er ihre zarte, schlanke Erscheinung, der trotz der einfachen Kleidung etwas Vornehmes anhaftete, vor sich sah. Er blieb einige Augenblicke, nachdenklich, als ob er in seiner Erinnerung suchte. Ihm war es, als müßte er dieses feingeschnittene Gesicht mit den großen, ausdrucksvollen Augen schon einmal gesehen haben. Er kam indessen nicht darauf,- wenn auch das Gefühl, daß es der Fall geWesen war, nicht von ihm weichen wollte. Höflich, aber doch freundlich und liebenswürdig bat er sie, Platz zu nehmen, ließ sich selbst neben ihr nieder und wartete darauf, daß sie ihm ihr Anliegen vortrüge. Sie fühlte sich indessen in seiner Nähe und unter seinen Blicken mit einem Male so befangen, daß es ihr unmöglich war, sich ihm anzuvertrauen und ihre Bitte auszusprechen. Einem älteren Herrn, gegenüber, wie sie ihn zu finden erwartet hatte, Ware ihr dies leichter geworden. Erst durch sein Fragen erfuhr er daher einiges ' über ihre Verhältnisse, daß sie feit dem vor Jahren erfolgten Tode ihrer Eltern allein stände und einzig auf sich angewiesen wäre. Und ermuntert durd, sein freundliches Entgegenkommen, fprach sie es dann offen aus, wie viel ihr gerade in Rücksicht auf ihre jetzige Lage daran gelegen wäre, für diese erste größere Arbeit Verwendung zu finden. Er erwiderte ihr, daß er zwar infolge der außerordentlich vielen Anliegen dieser Art, die an ihn heranträten, mit Arbeiten überhäuft wäre, aber trotzdem den Roman lesen und ihr sobald wie möglich Nachricht zukom men lassen wollte. Und Ihr Name, mein gnädiges Fräulein? Wohin darf ich die Nachricht senden?" fragte er, da er auf dem Umschlag deS Manuskriptes, das sie ihm übergeben hatte, weder Namen noch Adresse vermerkt fand. Maria von Wensingen," antwortete sie, in der Absicht, Straße und Hausnummer hinzuzufügen. , Unwillkürlich hielt sie indessen inne, als sie merkte, daß er bei dem-Nennen ihres Namens überrascht auffuhr und sie groß anblickte. So war Ihr Herr Vater Geheimer Rath und wohnte früher in der Kurfürstenstraße?" Ja," entgegnete sie erstaunt, vor langen Jahren. Kannten Sie ihn?" Das nicht gab er nach einer Pause langsam zurück. Aber ich batte einen Freund, der zu jener Zeit m dem Hause wohnte. Er hatte zwar nur ein kleines Parterrezimmer nach hinten hinaus inne, denn eö ging ihm damals recht schlecht, und er mußte viel arbeiten und sich redlich plagen, um sich nur seinen Lebensunterhalt zu verdienen. . Leider wurde er indessen in seiner Arbeit oft durch die Kinder der Familie des Vorderhauses gestört, denen der kleine Garten unter seinem Fenster zum Spielen zur Verfügung stand. Manchmal bat er sie freundlich, doch etwas ruhiger zu sein, aber sie borten nickt darauf. Und vor Al-

lern war eS ein kleines, zierliches Mädchen, das ihn hochmüthig kaum beachtete"und sich scheinbar absichtlich stets über seine Ermahnungen hinwegsetzte. Ja, einmal, als die Kinder eS wieder besonders arg getrieben hatten und er infolge dessen heftiger als sonst zu ihnen sprach und t schalt, wanvie sich das kleine Mädchen, verächtlich die Nase rümpfend, ab und sagte in wegwerfendem Tone zu einem etwaS älteren Spielgefährten, der sich entschuld:gen wollte: Laß doch! Wer wird sich mit Leuten aus dem Hinterhaus abgeben!" Mein Freund war ein viel zu verständiger Mensch, als daß ihn eine solche Bemerkung aus dem Munde eines Kindes hätte kränken können. Aber sie berührte ihn in jenem Augenblick doch eigenthümlich denn auch er stammte aus einer angesehenen Familie und war ohne seine Schuld in die Lage gerathen, sich mühsam und kümmerlich durch's Leben schlagen zu müssen. Auch that es ihm leid, daß dieses junge, niedliche Mädchen schon von einem so grenzenlosen Dünkel erfüllt war. Und deswegen konnte er es nicht unterlassen, es mit einigen ernsten, geeigneten Worten vor den Folgen eines solchen Hochmuthes zu warnen." Maria von Wensingen war bei den letzten Worten aufgesprungen und stand mit geratheten Wangen und heftig athmender Brust vor ihm. Auch ihr war, während er sprach, ihr Gedächtniß zu Hilfe gekommen. Sie entsann sich jener kleinen Szene ehr wohl und wußte nach einem for'chenden Blick in sein Gesicht mit einem Male genau, wer jener Freund gewesen war, über den sie die verächtliche Bemerkung gemacht hatte. Wenn ich damals so gedacht und eine solche Aeußerung über Sie gethan habe," sagte sie erregt, so geschah. eS in kindlichem Unverstand, und deswegen finde ich dies immer noch entschuldbarer als Ihr jetziges Bestreben, mich durch die Erinnerung hieran den Wechsel in unseren Geschicken so recht fühlen zu lassen und mich, der es ohnedies peinlich genuS ist, als Bittende zu Ihnen kommen zu müssen, auf diese Weise noch mehr zu demüthigen." Doktor Mahler war durch diesen plötzlichen Ausbruch ihres Gefühls derart überrascht, daß es eine Weile dauerte, ehe er etwas zu erwidern vermochte. Dann aber geschah es trotz ihrer Heftigkeit in ruhiger, maßvoller Weise. Würde ich wohl in einem solchen Ton, in einer solchen Art gesprochen haben," sagte er, sich gleichfalls erhebend, wenn ich die Absicht gehabt hätte, die Sie. mir unterlegen, mein gnädiges Fräulein?" Welche Absicht Sie geleitet hat," erwiderte sie erregt, ist mir gleich. Jedenfalls bedauere ich es unendlich, daß mich der Zufall zu Ihnen geführt hat, und ich bitte Sie deswegen, mein Anliegen an Sie als unausgesprochen zu betrachten und mir meine Arbeit zurückzugcben." Wieder ruhte sein Blick eine Zeitlang auf ihr; aber sein Gesicht drückte nicht mehr Staunen oder Ueverraschung aus. Eher umspielte ein leichtes Lacheln seine Lippen. Es war fast, als ob er sagen wollte: Immer noch so stolz wie früher? Dann trat er mit einem Male auf sie zu, faßte, ehe sie es hindern konnte, ihre beiden Hände und sagte freundlich: Können Sie mich wirklich für einen solch' rohen Menschen halten, mein liebes, gnädiges Fräulein, um mir zuzutrauen, daß ich Sie mit dieser Erinnerung absichtlich verletzen wollte? Ich gestehe, s wäre' besser fortgeblieben, aber sie kam mir unwillkürlich auf die Lippen. Und wenn ich Ihnen weh gethan habe, so bitte ich um Vergebung." Sie wußte einen Augenblick nicht,

was sie thun oder entgegnen sollte. Seine Worte klangen so aufrichtig, seine Sjimme so warm, daß sie sich fast beschämt fühlte, gleich so heftig gegen ihn geworden zu fein. Sie hob den Kopf, um zu antworten, senkte aber, ohne zu sprechen, verwirrt wieder die Augen zu Boden. Auch vergaß sie ganz, ihm ihre Hände zu entziehen. Eine Weile blieben . sie in dieser Stellung, bis er in demselben weichen Ton, wie vorher, sagte: Nicht wahr Sie zürnen mir nicht mehr?" Ein leises, kaum hörbares Nein" war die Antwort. Mit einem leichten Druck des Dankes gab er ihre Hände frei. Und das dort er deutete auf das Manuskript darf ich wohl trotzdem hier behalten? Ich verspreche Ihnen auch daß Sie rcct bald Vescheid erhalten sollen." Sie verbeugte sich leicht zum Zeichen ihres Einverständnisses, nannte ihm auf seine Bitte noch kurz ihre Adresse und verabschiedete sich dann eilig. Es drängte sie, fort , zu kommen. Sie fühlte sich so seltsam beklommen. Draußen auf der Straße trieb ihr ein häßlicher, kalter Wind die Schneeflocken in's Gesicht. Sie achtete wdessen weder hierauf, noch auf die an ihr vorbeieilenden, hastenden und drängenden Menschen, da der Eindruck des eben stattgehabten Besuches noch in ihr nachwirkte. Immerfort war ihr, Äs stünde' Dr.' Mahler noch neben ihr, als hielte er ihre Hände in den seinen, und als fühlte sie seinen - Blick auf sich ruhen. ... Än einer ganz sonderbaren Unruhe

..Warum nicht Ihr Heim.

anziehend machen, durch den Ge, krauch eines Garland Ofen... y .... und .... Range... Dieselben übertreffen alle andem in Schöns heit. Dauerhaftigkeit, Heizkraft und Spar samkeit im Kohlen Verbrauche. Dlcsclbrn werden mit Vergnüge zczciat, in WILLIQ'S ...Möbel-Handlung... 141 West Washington Straße. vervracy:e t die nächsten age. Was Gefühl, zu wissen, daß er jetzt ihren Roman einer sicherlich scharjen, kriti schen Prüfung unterwarf, sowie die Ungewißheit über den Ausfall txrsel ben versetzten sie nach und nach in eine derartige Aufregung, daß sie die Ant wort kaum erwarten konnte. Nach einer Woche etwa traf diese ein. Mit zitternden Händen öffnete sie daS Couvert, und mit flimmernden Augen überflog sie die wenigen Zeilen Doktor Mahlers, die indessen nur eine kurze, förmlicke Aufforderung enthielten, zu einer bestimmten Stunde des nacynen Tages zu ihm zu kommen. Kein Wort über ihre Arbeit stand darin. In großer Erregung legte sie am folgenden Nachmittag den Weg nach seiner Wohnung zurück. Sie war fest davon überzeugt, daß er ihr zwar liebens würdig, aber doch mit einer gewissen kühlen Höflichkeit sein Bedauern aussprechen würde, von ihrem Roman keinen Gebrauch machen zu können, da er sich leider für seine Zwecke nicht eigne Als er ihr aber statt dessen herzlich die Hand entgegenstreckte und sie zu ihrer guten Leistung beglückwünschte, wirkte dieser Gegensatz so sehr auf sie, daß ihr, während ein Zittern ihren Körper durchlief, die Thränen in die Augen traten. Sie wollte sie zurückdrängen; aber es gelang ihr nicht, sich so schnell wieder zu fassen, so daß sie es geschehen lassen mußte, daß er sie zu einem Scssel geleitete. . Sich neben ihr niederlassend, wartete er einige Augenblicke, bis sie sich wieder beruhigt hatte. Dann sagte er ihr, daß ihm der Roman im Allgemeinen , sogar recht gut gefiele, daß er ihn deswegen erwerben und möglichst schon mit Beginn des neuen Jahres zum Abdruck bringen wollte, daß er ihn jedoch in Bezug auf Einzelheiten mit ihr gern noch einmal genau durchgehen möchte. Ohne weiteres erklärte sie sich hiermit einverstanden und ging auch aus seinen Lorschlag ein, gleich heute damit zu beginnen. Bon diesem Tage an fand sich Maria von Wensingen ziemlich häufig in der Wohnung Doktor Mahlers ein, um mit ihm gemeinsam ihren Roman durchzuarbeiten. Hierbei war es ein merkwürdiger Zufall, daß sich diese Zusammenkünfte stets länger ausdehnten, als eigentlich nöthig war, und hn& frrfi rtitffi trnrnr hiitar rrrifft föM f jj V V VV frr V len fanden, über die sie Rücksprache nehmen mußten. Jedenfalls führte es dazu, daß an der Hand dieses Romans auch ihr eiaener so weit gedieh, daß sie sich am Schluß verlobten. Aerzte. Dr. J. A. Sutcliffe, Wnnv'Qrzt, Ätschlechts-, Urin- un!,Rectum Arankheiten. Dmtt ; 155 Oft Market Str. Tel. 541 Onlcftamli : 8 Hl 18 Uirv.:, 611 4t?lr. Dr. Carl G.Winter V.L. CTt14. , ' fckUllVl Behielt alle akute und chronische Rtavl htiren. SeburtShülfeSpezialität. Dfftec 14 Welt Ohto Oi. CCisstts: 1 li Strau ft 4 924. CfXXUslf m-18.10 EN. C)m, tttft . - Oelung: 150 55adiss v, . QpnS stund : 78 Clak CoBtttaal : 64 ach. Uonung Telephon, : ins; S!,U

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