Indiana Tribüne, Volume 28, Number 171, Indianapolis, Marion County, 13 March 1905 — Page 4
Judwna Tribüne, l. Marz 1905.
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Indiana Tribüne. HnauZzeAeitn von der Sutenderg T. JTldianapolis, Ind.
HarrH O. Thuöium ... Präsident. Geschäftölocal: No, 31 Süd Deläware Straße. TELEPHONE 269 Kntered a: the Post Office ot Indianapolii is tcond dass matter. Der Ausstand in NuKland. Aus Rußland wird Mitte Februar der .VosftschenZtg. in Berlin geschrie. den: Wer heute behauptet, die Lage in Rußland überschauen und darum U urtheilen zu können, dem ift nicht zu trauen. Kein Politiker, Diplomat, Schriftsteller oder Finanzmann roeiß thatsächlich, roas los ift, am wenigsten aber scheinen diejenigen Personen zu wissen, die für die Zukunft Rußlands verantwortlich find, nämlich der Zar und seine Berather. wa5 um sie herum vorgeht. Diese Tohuwabohu ift auch daran schuld, daß ich erst heute die Mög keit finde, Ihnen ein Bild der allge meinen Lage zu entwerfen. Um hierzu -im Stande zu sein, habe ich hier die hervorragendsten Mitglieder aller Par teien gesprochen, serner bin ich auf einen Tag nach Petersburg gefahren und habe dort diejenigen Stellen der höchsten Bureaukratie, der Hofgesellschaft und der Presse aufgesucht, d:e berufener unberufen die Politik beeinflussen oder wenigstens beobachten. Das Ergebniß meiner Umfragen ift leider negativ: es weiß kein Mensch, wer regiert, welches Prinzip regiert und was morgen sein . wird. Die hier folgenden AuSführun gen find darum völlig subjektiv, aller dingS auf Grund vielseitiger Beobach tung und der erwähnten Gespräche ent standen. AngefichtS der sehr traurigen Schlüsse, zu denen ich komme, wäre ich glücklich, wenn meine Auffassung der Lage sich als falsch erwiese. Doch möchte ich mir die'jVemerkung gestatten, daß ich mich an dieser Stelle nur einmal über die Lage in Rußland geirrt habe, und däZ war dort, wo ich die Verhält nisse zu optimistisch auffaßte. Wer in Raßland gegenwärtig re giert, soll nichttuntersucht werden. ES ist auch gleichgültig, denn eS ist ein böf. Xfli f JinTserrttifcsTÄ h.7irJMr Wkl, Vkl fc4lU4iVbtäf Regierungsantritt über Rußland die Sonne der Cultur verfinstert Sagen wir die Clique. Seit Swiatopolk MirSky die.Jntelligenz zum Vertrauen gegenüber der Regierung aufrief, hat diese Clique allmählich das Ohr des Zaren wieder erobert. Ganz allein ihr Verdienst ift der Erfolg aber nicht. Vielmehr hat die Intelligenz mit ihrer schlechten Organisation, mit ihren drohenden Reden und Zeitungsartikeln, mit den miserabel vorbereiteten Stu denteN'Unruhen u. a. m. den Einfluß der Clique gestärkt. Indem ich das zugebe, will ich aber durchaus nicht den Vorwurf, der den obersten Leiter der Regierung trifft, abschwächen. Im Gegmtheil ! das GotteSgnadenthum, mit dem fich der Autokrat brüstet, sollte ihn doch auch mit der Erkenntniß aus gerüstet haben, wo der richtige Weg in erster Linie für ihn selbft liegt. Hätte er daS erkannt, dann wäre er thatsüch lich Selbstherrscher eineö fich glücklich entwickelnden Volkes und, nicht der Spielball einer egoistischen, nur dem Augenblick lebenden Clique geworden. In meinen früheren Aufsätzen habe ich bereits an der Hand historischer Thatsachen nachzuweisen versucht,wie fich der Einfluß der reaktionären Clique ge steigerthat.' DaS letzte Zeichen ihrer Wirksamkeit ift für den Eingeweihten erst durch daS Blutbad in Petersburg aufgedeckt worden. Die Regierung war über den in Vorbereitung begriffenen Ausstand bereits unterrichtet, als noch kein Führer der bürgerlichen sozialrevo lutionären Partei eine Ahnung davon hatte. Die Regierung konnte daher die Organisation deS AuSftandeS bereitS am 15. Januar n. St. vollständig unterbinden durch Verhaftung der ihr bekannten 68 Organisatoren. Die Clique hat solches aber verhindert, da fie ein Exempel zu statuieren wünschte, und jetzt folgt' meine persönliche Ansicht um der großen Masse der Bauernbevölkerung die fal sche Thatsache vorzuspiegeln, das Leben Väterchens, des gnädigen Zaren, sei bedroht. Thatsächlich aber war davon in Petersburg bei den Arbeitern niemals die Rede. ES handelte fich lediglich um eine schlecht vorbereitete Massen kundgebung, die dem Zaren hätte zei gen sollen, daß hinter der Intelligenz auch daS Proletariat stehe. . Da? Blut, vergießen war unnöthig, eS war ein frivoler Mord.
Die Ausstände in Moskau, Riga, Warschau u. s. w. find nun nicht allein eine Folge der Petersburger Vorkomm nisse. wie die Regierung glauben machen will. Alle diese Fabrikarbeiter.Unruhen bilden vielmehr eine einzige, in ihren Anfängen fchon längst bestehende Be wegung. Daß fie in Polen so stark auftritt, liegt auch nicht in erster Linie in politischen, sondern in wirthschaft lichen Verhältnissen, da alle Betriebe die Produktion bis zu 75 v. H. einge schränkt haben. Weit mehr als daS interesfiren uns die Wirkungen der reaktionären Politik. Sie machen sich gerade jetzt auf dem flachen Lande beim ungebildeten, aber dem Zaren treu er gebenen Bauern bemerkbar. Es muß als Thatsache hingenommen werden, daß der Bauer Partei ergreift gegen die Intelligenz. Die reaktionä. ren Machthaber kannten sehr wohl den Grundton der Stimmung des Volkes und haben ihn geschickt ausgenutzt. Die Grundstimmung beruht auf der alten Legende von der Auftheilung deS Lan des, der sog. schwarzen Umtheilung, die der Zar wiederholt befohlen habe, die aber von den Gutsbesitzern im Bunde mit dem Tfchinownik nicht ausgeführt wird. Zu diesen, fest in die Volksseele hineingewachsenen Gedanken und Wünschen trat im Laufe der Jahre die sozialistische Propaganda. Auf der schiedenen Wegen gelangte .sie in'S Torf, vor' allem durch Vermittelung der Land und Haus besitzenden Fabrik arbeiter, die durch die Dorfgemeinschast noch fest mit der bäuerlichen Gemeinde verbunden sind. Ich stelle mir vor, daß der Bauer bei seinem engen Ge sichtSkreiS in der allgemeinen Landauf theilung die für ihn allein mögliche, praktische Durchführung 'der sozialisti schen Ideen sieht. Darum liegt aber auch daS Ziel seiner Wünsche ganz wo anders, als dasjenige der sozialistischen Propagandisten, nämlich an der Grenz mark seiner Gemeinde, wo das Land des Grundbesitzers, d. h. deS Jntelli genten beginnt. Die Regierungen der letzten vierzig Jahre haben den einzigen Weg, der
zur Zurückdrängung der Landgier füh ren könnte, nicht betreten, nämlich den Weg der Volksbildung. Im Gegen theil, sie haben alle Mittel angewendet. um das Volk dumm zu erhalten. In vielen Provinzen lebt und arbeitet da her da.S Volk unter Bedingungen, wie fie uns deutsche Chronisten auS dem 12. Jahrhundert schildern. Gewiß, der Bauer ift nicht mehr Leibeigner, seine Lage ist aber noch weit trauriger, als die der Leibeignen, denn er ift Werk zeug und Kanonenfutter für eine ihm unbekannte Clique, während er fich ein bildet, für den Zaren zu arbeiten. Für dieses thörichte Volk war jene Depesche der ?Ag. L atme" redigirt, in der be hauptet wurde, die Ausstünde seien mit Hülfe englischen und japanischen Gel deS hervorgerufen worden. Gleichen Charakter haben die Aufrufe der Gou verneure und Polizeimeister von Odessa, Moskau und Kiew, in denen den Ar beitern gesagt wird, fie seien gegen deu Zaren gemißbraucht worden. Am deutlichsten aber spricht PabjedanoSzew, der fich durch ein Rundschreiben an das Landvolk wendet, worin die Bauern aufgefordert werden, den Zaren zu schützen und der Obrigkeit zu gehör chen ! Gegen wen soll der Zar geschützt werden? Doch wohl gegen den Feind der Clique, gegen die Liberalen, gegen alle Nichtrugen" und Intelligenten, die eS satt haben, fich und daS Volk auspressen zu lassen. . Anders ift der Aufruf gar nicht zu verstehen. Die Clique bereitet das Volk vor, im gegebenen Augenblick für die Reaktion zu arbeiten. Im An siedlungSrayon wird der Jude, in MoSkovien der liberale Semstwo Mann daran glauben müssen Nach den Vorgängen in St. Petersburg halte ich die Clique zu allem fähig, und kein gebildeter Russe leugnet, daß die Popularität wörtlich zunehmen auf Seiten der Regierung bleiben wird. Hierin aber liegt die große Ge fahr für den Staat und das russische Volk. Ich glaube nicht, daß ein Volksauf, stand in Rußland in allen Gouveme mentS gleichzeitig ausbrechen wird; dazu hat die Clique wohl noch zuviel Gegner in den Reihen der Gouverneure. Ebenso wenig kann ich annehmen, daß er schon jetzt beginnen wird. Starker Frost, tiefer Schnee, die Abwesenheit der Dorfbewohner in den Städten machen erhebliche Zusammen rottnngen in den Dörfern unwahr scheinlich, wenn auch die Regierung das Ihre dazu thut. So werden große
Trupps von Arbeitern, die sich an den Ausständen betheiligten, in die Hei mathdörfer abgeschoben. Wozu wird denn gerade das unruhige Element in die Dörfer geschickt und nicht die Tau sende von Bettlern ? Es giebt dasür keine andere Erklärung als den Wunsch der Machthaber, daS Volk gegen die In telligenz auf dem Lande zu Hetzen. Trotz alltdem dürfte ein Bauernauf stand gegen die Intelligenz vor dem Frühjahr nicht zu erwarten fein. Dann aber treten wirthschaftliche Faktoren hinzu, die mir einen solchen Ausstand wenigstens für einzelne Gouvernements als unvermeidlich erscheinen lassen. Zunächst der Mangel an Saatgetreide und der Mangel an Geld, solches zu beschaffen, und dann die Abwesenheit genügender ArbeitZbände. Die Zeit zur Ackerbestellung ist in Rußland weit kürzer bemessen, als in Deutschland, und die in mehrere Stücke geschnittenen Aecker liegen häufig zwei bis drei deutsche Meilen auseinander. Nun haben einzelne Kreise sieben bis acht Mobilmachungen über sich ergehen lassen müssen. Die Bauern vieler Ge biete werden daher vor der Unmöglich keit stehen, den Acker zu bestellen und später zu ernten. Der Staat wird nicht in der Lage sein, rechtzeitig Ge treibe zu liefern, wenn er dazu auch finanziell in der Lage wäre. Was also bleibt dem Bauern übrig, als zu rauben? Oder glaubt Jemand, daß er schon so ausgemergelt sei, daß er sich hinlegt, um zu sterben? Wenn der Zar nicht einlenkt und unverzüglich die von der gemäßigt liberalen Gruppe ausgestellten Haupt forderungen: Freiheit der Presse und Zusammentritt eines Parlaments von SemstwoLeuten erfüllt, dann wird Rußland der Tummelplatz eines VolksaufstandeS werden, der an Schrecknissen nicht geringer werden wird, als der dreißigjährige Krieg es für Deutsch' land war. Dieser Aufstand wird viel leicht nicht nur daS HauS der Roma now vom Throne fegen, er wird die Kultur vernichten ' und den russischen Staat zertrümmern. . . ''2: ,, Sogenannte fashionable Dame der New Forker Gesellschaft v:rsuch:n immer wieder die Diensibotenfrage zu lösen, unter d:r fie so sehr zu leiden haben. Eine der Vierhundert" schlug in einer Versammlung vor, jedesMädchen. das fünf oder mebr Jahre in einer Stellung ist. durch eine Medaille,' die ihr öffentlich überreicht werden soll,' auszuzeichnen. Frau Charles Henrotin ist dieser Idee sehr zugeneigt, wäh. rend Frau Moses Wentworth die Idee als eine lächerlich: bezeichnete, da die Mädchen durch solche Kleinigkeiten nicht zu fesseln wären. Frau Fenton Türck befürwortete -aeleaentlicke Aus?
stellungen der von Mädchen gelieferten Arbeiten, die ja dann belohnt werden könnten, während Frau Hall denVogel abschoß mit der Bemerkung, daß die beste Lösung der Dienstbotenfrage da rin bestände, daß man die Hausfrauen reformirte. Die kühne Dame behauptet, die meisten amerikanischen Haus stauen seien Butterslies", die selbst nichts verständen vom. Haushalt und von denen könnte man auch keine Lö. sung der Dienstbotenfrage erwarten. Wer hct nun Recht? .' - Myriam Harry, die aus dei Wettbewerb für französische ' Schrift' stellerei mit ilrem modernen psycholo. gischen Roman Die Eroberung Jeru, salems" siegreich hervorging, ist du Tochter einer Berlinerin. Die Mutter Myriam's war als Diakonissin nack Aegypten gegangen und hatte sich dort mit einem Archäologen verheirathet. Myriam Harry hat im Jahre 1895 als Zwanzigjährige ihre ersten Novellen in deutscher Sprache geschrieben und in deutschen Zeitschriften beröf fentlichi. Sie beherrscht die deutsche, französische, englische, russische und arabische Sprache gleich geläufig in Wort und Schrift. Unter den Damen, die bei der Zuertheilung des Preises von 5000 Franks für sie stimmten, be fanden sich auch die bekannten Schrift stellerinnen Jeanne Marin" Lehueur. Bentzan, Payrebourne und Severine. Die philosophische Fakultät der Wiener Universität hat einen prinzipiell wichtigen Beschluß gefaßt. Sie hat sich für die Zulassung von Frauen zur Dozentur entschieden. Anlaß zu der Entscheidung gab dasGesuch des Fräuleins Dr. Elise Richter um die S3erna legendi". Das Gesuch unterliegt nunmehr nur noch der 'Bestätigung durch das Unterrichtsministerium, und dann kann die moderne 'Novella d'Andrea ungehindert die Vorlesungen eröffnen. Mit Beginn des nächsten Unterrichtsjahres dürfte der Jnskribierung von Hörern bei dem weiblichen Dozenten kaum mehr etwas im Wege stehen. Die Frauenfrage in Oesterreich hat damit einen großen Schritt vorwärts gethan. Denn es ist klar, daß nach der Zulassung weiblicher Do'zenten die Ernennung von außerordentlichen und ordentlichenProfessorinnen nur noch eine Frage der Zeit ist.
Die doppelte Wittwe. Humoreske von Julius Knopf. Herr Littlewood war seit zwei Iahren verheirathet. Er besaß eine Frau, deren Schönheit im gleichen Verhältniß stand zu den Ansprüchen, welche sie stellte. Und da Frau Littlewood sich einer außerordentlichen Schönheit erfreute, so waren auch die Ansprüche nicht gering, die sie an ihres Gatten Börse stellte. Doch, was that's! Littlewood hatte ein gutgehendes Geschäft, so daß er sich den Luxus einer theuren" Frau wohl erlauben konnte. Da kam das große Unglück.. Eine wirthschaftliche und geschäftliche Zerrüttung trat in Amerika ein. Ein Bankhaus nach dem andern verkrachte, und eines schönen Tages fallirte auch die Bank, mit der Littlewood in Bei bindung stand. Am Abend vorher hatte er noch einen glänzenden Hausball gegeben, dessen Mittelpunkt seine interessante Frau bildete. Doch als er sich am
andern Morgen vom ehelichen Lager erhob, sagte ihm ein Blick in die Han delszeitung, daß der größte Theil seines Vermögens den Weg des Bänkerottes gegangen war. Littlewood fluchte und spuckte heftig. aber das alles brachte ihm seine schönen Dollars nicht wieder zurück. Verzweiflung ergriff ihn. . Der Gedanke, die angebetete Frau in sein Unglück zu verwickeln, bereitete ihm Qualen. . Er war stets ein Freund von schnellen Entschlüssen gewesen, welchem Umstände er auch seine Erfolge zu verdanken gehabt hatte. Und so war er auch diesmal bald mit sich im reinen. Der kleine Rest des Vermögens, der ihm geblieben war, genügte, um seine Frau bor Entbehrung zu schützen; für zwei hätte es nicht ausgereicht. So entschloß er sich denn, seine Väterstadt Chicago zu verlassen, ohne jedes Aufsehen und ohne selbst von seiner Frau Abschied zu nehmen. Denn", fo kalkulirte er, wenn ich es ihr. mittheile, so wird sie's entweder nicht zugeben oder mir nachreisen. In Australien aber' dessen Goldminen mir zu neuem Wohlstand verhelfen sollen, kann ich mich mit einer Frau nicht belasten." ' Zwei Tage später dampfte LittleWood nach Sidney ab und ging von dort in die Minen, um der spröden Erde ihre goldgelben Schätze zu entreißen. Frau Littlewood war über das plötzliche Verschwinden ihres splendiden Ehegatten zuerst untröstlich. Sie vergoß viele Thränen und kaufte sich ein neues, schwarzes Kostüm, das der blonden Dame entzückend stand. Dankbar gedachte sie" ihres verschwundenen Gebieters, der gut für sie gesorgt hatte. Sie trauerte ein ganzes halbes Jahr, doch als auch dann noch keine Nachricht von ihm kam, vertauschte sie an einem schönen Mäienmorgen das Schwarzseidene" mit einem hellen, duftigen' Sommergewand. . , , Sie hatte . keine Lust mehr, die Penelope zu spielen und auf ihren Odysseus zu warten. Sie war jung, hübsch, nicht unempfindlich gegen die Freuden dieser Welt. Warum also trauern um etwas, das sie für auf immer verloren hielt? Die meisten ihr bekannten Wittwen machten aus dem Trauerjahr ein Trauerquartal, und sie hatte schon ein Trauersemester hinter sich. Was also länger kla gen? ' Die Vögel fangen immer noch so süß wie vordem; die Blumen blühten nicht minder schön, und die Frühlingslust legte sich nicht minder lockend auf die Sinne, lind so misckte sick ftraii Littlewood wieder froh und vergnügt in das lustige Treiben der Welt und ließ sich die Bewunderung der Herrenwelt gefallen. Nach drei Jahren ward Frau LittleWood endlich der Streifereien und Terrain - Untersuchungen auf dem Gebiete des geflügelten Gottes müde. Ihr Gatte war todt das konnte als abgemacht gelten. Sie besaß es zwar nicht schwarz auf weiß, daß er selig entschlafen, aber wer mochte daran zweifeln! Ja, wäre sie noch häß lich gewesen! Aber so! Ein Mann, der seiner hübschen Frau 36 Monde hindurch kein Lebenszeichen sendet, ist todt oder so folgert ihr weibliches Rechtsgefühl verdient es wenigstens zu sein. Das amerikanische Gesetz hinderte sie auch nicht an einer Wiederverheirathung. So kam es, daß Frau Littlewood' eines Tages ihren Namen gegen den nicht minder wohlklingenden einer Frau Dirkcns vertauschte und zum zweitenmal idyllische Flitterwochen verlebte. An ihren ersten Mann dachte sie schon nicht mehr. Dieser hatte inzwischen in den australischen Minen mit unermüdlichem Fleiß gearbeitet und manchenSchweißtropfen vergossen. Doch endlich war ihm der große Schlag gelungen, er war auf eine sehr ergiebige Miene gestoßen und hatte sich wirklich ein paar hunderttausend Dollars ergraben. Flugs, wollte er nach Chicago zurückkehren, aber an dem Morgen, da sein Dampfer abging, wurde er von den grassirenden Blattern ergriffen, und nun mußte er lange Zeit auf dem Krankenlager zubringen. An demselben Tage, da er sich zum ersten Male von seinem Schmerzenslager erbob. reichte seine angebetete: treue
Frau dem neuenAnbeter ihre reich mit Ringen geschmückte, weiße Hand vor
dem Altar. Viele Monate mußte Littlewood sei ne Ungeduld zügeln, ehe er seinen toj tal geschwächten Körper wieder so weit ! gekräftigt hatte, um dle lange Seej reise wagen zu können. Da er seine ; geliebte Gattin, das theure Weib, ' überraschen wollte, so hatte er es natürlich unterlassen, sie von den freudigen Ereigniß zu benachrichtigen. Auf der langen Dampferfahrt aber malte er sich im Stillen aus, wie seine ' L . tfiau lym um oen ai5 sauen, wie sie ihn abküssen würde. Die Augen gingen ihm über, und sein Herz weitete sich. Endlich endlich war die Heimath, Chicago, erreicht. Er eilte nach seiner früheren Wohnung seine Frau war weggezogen, niemand kannte sie. Er fragte auf dem Polizeiamt nach Frau Littlewood; man zuckte die Achseln. Es gab keine Frau Littlewood. Doch er ließ sich nicht irre machen und bestand darauf, daß eine Frau Littlewood existiren müsse oder wenigstens existirt habe. Man schlug auf dem Bureau die Bücher nach und fand endlich, daß Frau Littlewood seit drei Vierteljahren Frau Dirkens heiße, vor einer halben Woche indeß zum zweite.: Male Wittwe geworden sei. Ihr Mann, der zweite natürlich, wäre am Delirium gestorben; er hätte den Whisky noch mehr geliebt als seine Frau und wäre daran zugrunde gegangen. Littlewood war starr. Ihm schwindelte, und er trank ein Glas Wasser. Diese kühlende Flüssigkeit beruhigte ihn einigermaßen. Was thun? Vor allem seine Frau wiedersehen! Er ließ sich den Kirchhof nennen, der die irdischen Reste seines unglücklichen Nachfolgers aufnehmen sollte, und wohnte der Beerdigung bei. Dort sah er seine treulose Frau wieder, die ihn, den die Blattern, Die gebräunte Gesichtsfarbe und ein Backenbart sehr verändert hatten, nicht wieder erkannte. Aber sie, die treulose Frau, sie war ebenso hübsch, ebenso entzückend, wie an dem Tage, da er sie verlassen hatte. Alle seine Rachegedanken schmolzen bei ihrem Anblick wie Butter in der BratPfanne. Das Unglückliche geschah: er verliebte sich aufs neue in die Pflichtvergessene, und flugs entschloß er sich, um seine Frau zu freien! Mit dem ganzen Gewicht seiner Hunderttausende ließ er sich bei der trauernden Wittwe unter falschem Namen einführen, um ihr dann ein Vierteljahr hindurch consequent den Hof zu machen, ohne daß sie ihn erkannt hätte. Zuerst nahm sie Anstoß an seinen Blatternarben, aber nach und nach gewöhnte sie 'sich an diesen Anblick, und schließlich gewann sie Herrn Littlewood recht lieb. Ein charmanter Mann ein reicher Mann und vor allem ein mäßig:? Mann; kein Säufer, wie ihr Zweiter. Und als er sie an einem' traulichen Abend fragte, ob sie seine Frau werden wolle, vergab si: zum dritten Male in ihrem Leben ihre feine Hand. In diesem feierlichen Augenblick zog Herr Littlewood den nämlichen Trauring aus der Tasche, den sie ihm bei ihrer ersten Verheirathung gegeben hatte. Sie sah den Ring an dann ihren Mann und sie fiel in Ohnmacht. Als sie wieder zu sich kam, fragte sie entsetzt auf den Ring deutend: Das das ist?" Mein Trauring!" versetzte er wllrdevoll. Dann sind Sie dann bist du ja mein Mann." Es scheint so." Und Sie und du willst?" stöhnte sie angstvoll. Meine Frau heirathen!" Die Katze des Traindepotö. Die peinliche Genauigkeit der preußischen Oberrechnungskammer zu Potsdam ist von jeher bekannt. So begegnete es dem Commandeur eines Trainbataillons in einer ProvinzialHauptstadt, daß die genannte Kammer die amtliche Anfrage an ihn richtet: Weshalb wird für die Katze des Traindepots täglich für ö Pfennig Milch verbraucht, während für die Katze des Proviantmagazins für den gleichen Zweck nur I Pfennig täglich verausgabt'werden?" Der Commandeur, ein alter Praktikus, gab sofort folgenden schriftlichen Bescheid: .Die Katze de.sProviantmagazins nährt sich von Mäusen, die sich am Korn und Mehl gemästet haben; die Katze des Traindepots dagegen von solchen, die ihr Leben dürftig von den dortigen Ledervorräthen und dergleichen fristen. Daraus erhellt sich der tägliche Aufschlag von 2 Pfennig Milch für die letztere!" Diese Erklärung leuchtete der Oberrechnungskammer in derThat ein; denn die Milchration, der Katze wurde nicht geschmälert. Tischdecken (Wachsleinwand) erhält man dadurch recht lange wie neu, daß man sie nach dem Gebrauch, nachdem sie mit lauem Wasser abgewaschen und mit einem weichen Tuch trocken gerieben sind, mit etwas Milch abreibt und dann aufgerollt fortlegt. Feuchtigkeit auf wachsleinenen Gegenftänoen stehen zu lassen, ist sehr schadlich und macht dieselben hart und brüchicr.
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