Indiana Tribüne, Volume 28, Number 171, Indianapolis, Marion County, 13 March 1905 — Page 3

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er Krieg

Sa verkündet offiziell Kaiser Nikolaus von Rußland. Niesige Verluste der rnssischen Armee. Neuer Kampf am Tie-Passe zu erwar teu. Oku in Mulden. Doppelfest des Prinzregenten von Bayern. Vorbereiwngen für die silberne Hochzeit des Kaisers. Montignoso-Prcßprozesse.

Beschluß des Zaren. St. Petersburg-, 13. März. Die unmittelbare Antwort der Regie, rung auf die Niederlage bei Mulden ift die Ankündigung, daß eine neue Armee ausgestellt und die Truppen im Osten reorganistrt werden sollen, daß Vize-Admiral RojeftvenSky den Befehl erhalten wiro, Admiral Togo'S Flotte aufzusuchen und daß der Krieg bis zum bitteren Ende fortgesetzt werden wird Dies ift der gegenwärtige Wille des Zaren und seiner Berather, wie er in einer offiziellen Erklärung angekündigt wird. Die Stellung Rußlands, heißt eZ tveiter, fei unverändert und die Initiative für Frieden könne nur von Japan kommen. Trotz dieser Ankündigung wird in Petersburg nur von Frieden gesprochen. Weitere Mobilmachungen werden fast für unmöglich gehalten. Die größte Hoffnung auf Frieden liegt in der finanziellen Erschöpfung Japans. Die Ausdehnung der Niederlage in der Mandschurei ift hier noch nicht bekannt. Nur spärlichelNachrichten, mei ftenS über Tokio kommend, wurden veröffentlicht. In seinen Depeschen an den Zaren hat Kuropatkin die volle Verantwor. tung für die Niederlage auf sich genom. men und keinen Versuch gemacht dieselbe auf Unterbefehlshaber abzuladen. Seine Rück berufung wird al sicher an genommen, wenn er auch noch immer von seinen Soldaten verehrt wird. Vom Rückzug. St. Petersburg, 12. März. Eine Depesche Kuropatkin'S vom Sam stag sagt: Dtt Nacht vom Freitag auf Sam ftag verging ohne Kampf von der Front der zweiten Armee, die ich be gleite. Die Nachhut dieser Armee unter Gen. Guerschelmann hat Stellungen in der Nähe von Chuchitai Station genommen. BU 7 Uhr heute Morgen find von der 3. Armee keine Nachrichten einge lausen. Die erste Armee hatte deute Mor gen Stellungen 25-30 Werft (17 20 Meilen) südwestlich vom Tie.Paffe inne." Kampf anTiePasse er. wartet. T o k i o. 12. März, 6 Uhr Abends Man erwartet, daß es am TiePaffe nochmals zu einem heftigen Kampfe kommt. Derselbe ift schon von Natur aus für Vertheidigung sehr geeignet und ift von den Rügen vielfach be festigt. Die rasch vorrückenden Japaner find bereits in jener Nachbarschaft ange langt. Die Russen find demoralifirt und erschöpf,, vielleicht fehlt eS ihnen an Nahrungsmitteln und Munition. Man glaubt nickt, daß fie einem krüfti gen Angriffe Stand halten können. Es wird Monate nehmen, um die russischen Armeen zu reorganifiren. Einer Mahnung der Regierung fol gend werden hier und in anderen Städten keine große Siegesfeiern gehalten, das Geld wird für die Verwun beten und Nothleidenden gegeben. Die 3. Armee aufgetaucht St. Petersburg, 12. März. Gen. Kuropatkin meldet unterm 11. März, 10 4 Uhr AbenoS dem Zaren: De? Angriff deS FeindeS beschränkte sich heute auf die Nachhut der 3 sibirischen KorpS. Die erste Armee deckte den Rückzug der anderen nach den ihnen bezeichneten Stellungen. Nach einem Berichte des Comman deurS der 3. Armee steht seine Nochhut auf der Mandarinenstraße, 16j Meilen südlich vom Tie.Paffe. Nur eine kleine Abtheilung Japaner, hauptsächlich Kavallerie, steht dieser Nachhut gegen, über. Vom 23. Feb. bis 11. Mürz incl. ' find 1190 Offiziere und 46.391 Mann beim Namensaufrufe nicht erschienen. Stellung bei Tieling. T i e l i n g, 12. März Die Vor. Hut von Kuropatkin'S Armee ist hier

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angekommen und hat sofort die vorbe reiteten Stellungen besetzt; die russische Armee ift jetzt 25 Meilen südlich von hier auf beiden Seiten der großen Mandarinen Straße aufgestellt. Die Russen find geschlagen, haben aber den Muth nicht verloren. Die Japaner hatten die Rückzugslinie der schiedentlich durchbrochen, aber fie wur den immer wieder zurückgetrieben. Die Russen haben ihre Belagerungö' geschütze zurückgelassen, aber ihre Feld' artillerie gerettet. Die VcrtheidigungSwerke um Tieling sind bedeutend verstärkt worden. Kuro patkin Wird Über 250.000 Mann verfügen, wenn die Nachhut glücklich herankommt. Oeftlich vom Baikal . See stehen 150-200.000 Mann, die schleunigst nach der Front gebracht werden sollen. Russische Kolonne g e fangen. Tokio, 12. März. Feldmarschall Oyama meldet von Samstag Abend: Alle unsere Truppen find auf das rechte Ufer des HunFlusseS üdergegan gen und verfolgten den Feind nach allen Richtungen. Am Nachmittage des 10 März waren wir 13 Meilen nörd. lich vom Hun'Flusse. Am 11. Mürz fetzten wir die Verfolgung fort. Un fere Truppen rückten nördlich vom Pu. Fluffe vor und stieß auf eine starke feindliche Kolonne, die auf dem Rück zuge nach Norden war. Nach einem Handgemenge nahmen wir die Kolonne gefangen. Leichen des FeindeS liegen allent. halben; wir waren bis jetzt nicht im Stande sie zu beerdigen." Verluste. Tientfin, 12. Mürz. 10 Uhr Vormittags. Gut unterrichtete Leute schätzen die russischen Verluste auf 150.000 Mann, die japanischen auf 60,000. ES wird berichtet, daß der TiePaß ohne eigentliche Vertheidigung ist, und daß kein weiterer großer Kampf zu erwarten sei. Tientsin, 12. März. 2 Uhr Nachmittags. Spätere Nachrichten ge den die Zahl der russischen Todten auf 30.000 an. Ueber 80 Geschütze und 65.000 Gewebre wurden von den Ja. panern erbeutet. 30.000 Gefangene. Tokio, 12. März. Feldcharschall Oyama schützt die Zahl der russischen Gefangenen auf über 30,000. Die japanischen Verluste werden auf 41.000 geschützt. Die Japaner nah. men eine ganze russische Kolonne am PU' Flusse gefangen. Britisches Schiff geka. p e r t. Tokio, 12. März. Der brf tische Dampfer Saxon Printe", mit Stahlschinen nach Wladiwostok be stimmt, wurde am 9. März von den Japanern in der TouStraße gekapert und nach Sasebo gebracht. OkuinMukden. F u s h u n, 11. Mürz. (Verspätet.) Gen. Oku ift mit seinem Stäbe heute Nachmittag in Mukden eingezogen. Ä0N ien. -ums Armee wuroen nur 800 Mann verwundet. Neutralitätsbruch. T i e n t s i n. 12. März. Die chi' nefische Bahnverwaltung macht be kannt, daß in Fole unvorhergesehener Schwierigkeiten der Bahndienst zwischen Kupont. Ainlau und Sinmintin bis auf Weiteres von Montag ab ringe gellt wird. Die unvorhergesehene Schwierigkeiten- bestehen in der Förde rung der Japaner, daß die Bahn Kriegsmaterial für sie befördere. Streik. Warschau. 12. März. Die Behörden haben die Wiedereröffnung der Schulen auf Dienstag festgesetzt. Schüler, die nicht erscheinen, werden ausgeschloffen. Tb man erwartet, daß die Mehrzahl der Schüler am Streik bleibt, haben Eltern den Minister für Volksaufklä rung in St Petersburg erfucht, tit Schulen geschloffen zu halten, bis die Lage sich geklärt hat.

Amerikanische Botschaft.

St. Petersburg, 12. März. Der neue amerikanische Botschafter Geo. v. L. Meyer hat den bekannten Kleinmichel'Palast als Wohnung ge miethet. Derselbe liegt in dem Ge sandtschaftSviertel und wurde früher einige Jahre von dem spanischen Bot. schafter Fürst Pio bewohnt. Deutschland. Doppelfest deS bayeri schen Prinzregenten. München, 12. März. Der Prinz. regent Luitpold von Bayern begeht heute die Feier seines 84. Geburtstags, und am gleichen Tage kann er auf eine 70 jährige Zugehörigkeit zur bayeri' fcben Armee zurückblicken. ES war am 12. März 1835, daß der 14.jährige Prinz Luitpold von seinem Vater König Ludwig I. zum Haupimann im 1. ArtillerieRegiment ernannt wurde, womit der Prinz seine militärische Lausdahn begann. Die Schillerfeier. München, 12. Mürz. Nach dem für die Schillerfier in Berlin nun mehr endgültig festgesetzten Programm wird Reichskanzler Gras v. Bülow am 9. Mai die Festrede vor dem' Schiller Denkmal auf dem Eendarmenmarke halten. Der Kanzler hat sich an den Vorbereitungen für eine würdige Ve. gehung des 100. Todestages des Dich terS mit regem Eifer betheiligt, und allem Anzeichen nach wirr- fich die Feier überaus großartig gestalten. Bekannt lich ist für den 9. Mai ein großer Hul digungszug zum Denkmal geplant. Der volkstümliche (Iharakter der Feier soll streng gewahrt werden. Anläßlich der Schillerfeier wird Her. zog Georg von SachsenMeiningen zum Ehrendoktor der Jenaer Universität er nannt werden. Konferenz'der Universi täts. Rektoren. H a l l e, a. M., 12. März. Hier hat die erste Konferenz von Rektoren preußischer Univerfitüten stattgefunden, welche zum Zweck der Besprechung aka. demischer Fragen einberufen war. Sie stand im engsten Zusammenhang mit der jüngsten Bewegung auf den deut schen Hochschulen, welche durch die Studentenwirren in Hannover in Gang gebracht wurde und ihr Ende fand, als die akademischen Behörden einlenkten und ausdrücklich versicherten, daß es niemanden einfalle, die akademische Freiheit antasten zu wollen. Der neue badische Mini st e r p r ä s i d e n t. Karlsruhe. 12. Mürz. Wie gemeldet wird, ist der seitherige Mini. ster der Justiz, deS Kultus und Unterrichts, Freiherr v. Dusch, zum Mini, fterpräfioenten ernannt worden. Er nimmt die Stelle des Dr. v. Brauer ein, dem der Großherzog von Baden sein Entlaffungsgesuch genehmigt habe. Köln's Arbeitslose. Köln a. R., 11. März. Die kürz. liche Zahlung der Arbeitslosen in Köln hat das bedrückende Resultat ergeben, daß fast 3000 Männer in der alten Stadt brodloS find. Die Steigerung gegen das Vorjahr ift bedeutend. ZuKaiferSSilderhoch. zeit. Berlin. 11. März. Stets in der ersten Reihe, wenn Anhänglichkeit an's Kaiserhaus gezeizt werden soll, hat die Provinz Brandenburg dem Rest des Deutschen Reiches bereits Notiz . gege. den. daß treue Unterthanen sich für die im nächsten Jahre erfolgende Silber Hochzeit des KaiserpaareS vorbereiten sollten. Der Provinzal'Landtag hat beschlossen, als Gabe der Provinz in Wrlezen ein Taubstummenheim zu er richten, denn eS ift bekannt, daß die Kaiserin für diese Unglücklichen ftetS große Theilnahme zeigt und oft den Kaiser bewogen hat, sich aktiv an den Hilftbewegungen zu betheiligen.Wriezen hat bereits ein ähnliches Institut, das sein Entstehen einem ähnlichen Anlaß, der goldenen Hochzei Kaiser Wilhelm I. verdankt. DaS Ge bäude genügt aber seinen Anforderun gen nicht und ist auch in anderen Be Ziehungen nicht ganz zufriedenstellend. Die Kohlenarbeiter Union. Berlin, 12. März. Lautgati. stischem Nachweis hat die Mitgliedschaft deS Bergarbeiter.VerbandS fich feit dem ersten Tage deS kürzlichen Streiks um über 50,0' 0 vermehrt. Die Exekutive hat eiue allgemeine Erhöhung der Ver bandsbeitrüge beschlossen und dies läßt fich wohl nicht anders deuten, als daß man neue Wirren vorauSfieht, fie viel

leicht heraufbeschwören wird. Die Un' zusriedenheit im Ruhrgebiet soll wieder im Zunehmen begriffen sein. Wegen Beleidigung de S sächsischen Königs verurtheilt. Dresden, 12. Mürz. In Zwickau hat heute der erste der sögenannten Montignoso.Preßprozesse, die aus den Affairen der geschiedenen Gattin deS Königs Friedrich August ent standen, sein Ende gefunden. Der Redakteur des Sächsischen Volksblat. teö" wurde wegen Beleidigung des Königs von Sachsen zu acht Monaten Gefängniß verurtheilt. Andere Pro zeffe gleichen Charakters werden in Bälde fclgen. Oesterreich'Ungarn. Kroaten wollen mit dabei sein. Budapest, 12. März. Führende Kroaten erklären, fie seien nicht gesonnen, müßig zu bleiben, wenn die unga rische Unabhängigkeitö-Partei ihre For derungen ln Wien durchsetze. Für'den Fall, daß der Kaiser-König Joseph die ungarische Kommändo-Sprache bewil lige, würden die Kroaten auch ihre ei gene Sprache für die kroatischen Regi menter verlangen. Daß die Kroaten hierbei im vollen Ernst find, kann kaum bezweifelt werden, und ihr Hauptmotiv ist: Ungarn ein Paroli zu bieten. In Kroatien find die Gelüste, von Ungarn loszukommen, Jahrzehnte hin durch lebendig geblieben, und die jetzige Situazion bietet den Kroaten einen willkommenen Anlaß, den verhaßten ungarischen Unterdrückern zu zeigen, daß in ihnen noch der alte Geist steckt, der schon im Jahre 1643 die Kroaten unter ihrem Ban Jellacic anfeuerte, die Trennung von Ungarn zu erwirken. Die Kroaten reiten heute wieder" das ist kein Zweifel, und wenn der König fich wider Erwarten doch noch bereit finden laffen sollte, die ungarische

Hauptforderung auf militärischem Ge biete zu erfüllen, dann werdrn auch die Kroaten auf dem Plan erscheinen. Nach dem kategorischen Auftreten der ungarischen Chauvinisten gegenüber der Krone war von Kennern der Verhält niffe bereits mit Bestimmtheit vorausgesagt worden, daß die Kroaten sich die gespannten Beziehungen zwischen Wien und Budapest zunutze machen würden. um den Magyaren eins auszuwischen. Großbritannien. Sekretär für Irland. London. 12. März. Die Er. Nennung von Walter Hume Long, deS Präsidenten der lokalen RegierungSbehörde' zum 1. Sekretär für Irland, als Nachfolger Wyndham's, wird offi. ziell angekündigt. Lucania" beschädigt. QueenStown, 12. März. Der Dampfer Lucania" mußte, nachdem er von hier 100 Meilen in See gegangen war, umkehren. Die Repa raturen werden wahrscheinlich bis mor gen Mittag gemacht sein. Grubenbrand. Cardiff, 12. März. Alle An. strengungen den Brand in der Cam brian'Grube zu Glydach-Vale zu löschen, find erfolglos gewesen. Sie werden fortgesetzt werden, doch ist nicht die geringste Hoffnung einen der Ver. schütteten lebend zu erreichen. Frankreich. Vater Gopon. Paris, 12. März. Le Petit Journal" behauptet, daß Vater Gopon fich in Paris befindet. Sein Haar sei seit dem 22. Jan. weiß geworden. Er sei hager gcttor den und habe fich den Bart abscheeren lagen. Selbst seine besten Freunde würden ihn nicht wiedererkennen. Eo von wolle hier noch eine Sitzung der Revolutionäre beiwohnen und dann nach London gehen. Schweiz. Hospiz abgebrannt.' Genf, 12. März. DaS berühmte St. Gotthardt.Hofpiz ist abgebrannt. Canada. Auf den Robbenfang. St. John S, N. F., 12. März. Morgen mit Tagesanbruch werden von hier 22 Dampfer mit .3300 Mann auf den Robbenfang ausgehen; 20 werden nach den Gewäffern nördlich von La brador gehen und 2 in den St. Law. rence.Golf. DaS Wetter ift in letzter Zeit fehr stürmisch gewesen und man erwartet, daß die Reise den Leuten große Strapazen auferlegen wird. ,

In Vizzini bei Catania auf Sizilien lebt ein Bauer Antonino Lo Presto, der beim Volke in dem Rufe stehj, ein Zauberer zu sein und die gewinnbringenden Lottonummern voraussagen zu können. Dieser Wundermann wurde eines Tages vor das Städtchen gelockt, dort von zwei maskirten Banditen gebunden, auf einen Wagen gelegt, nach einer Fahrt, die die ganze Nacht dauerte, in einer verlassenen Gegend von seinen Fesseln gelöst und in einem von den Banditen bewachten Hause untergebracht. Hier zwang man ihn, drei Nummern aus-' zuplaudern und hielt ihn bis zur nächsten Ziehung gefangen. Als die Nummern aber nicht herauskamen, erhielt er die jämmerlichsten Prügel und mußte andere Nummern - nennen. Glücklicherweise gelang es dem Bauern, vor der nächsten Ziehung zu entkommen und, übel zugerichtet, seinen Heimathsort zu erreichen, wo er die Banditen zur Anzeige brachke. Wenn das Väuerlein den Zauberer spielte, so hat er die Lektion sicher verdient; aber das Geschichtchen beweist andererseits, wie tief das sizilianische Volk noch im Aberglauben steckt. Pflege der Kunst auf dem Lande" ist das Ziel, welches eine unter dem Namen gälischev Liga" in's Leben gerufene Bewegung in Jrland verfolgt. . Dorfschauspiele sind in irischen Dörfern und kleinen Städten jetzt an der Tagesordnung. Die Liga veranstaltet regelmäßig literaris che und gesellige Feste, Feiseanna" genannt, in vielen Orten des ganzen Landes. Sie dauern einen bis drei Tage und wirken in den Dörfern sehr anregend.- Ganz unabhängig davon sind jetzt die dramatischen Abende in kleinen Städten und Dörfern im Süden und Westen eingeführt. Die Inscenirung ist einfach, und die Schauspieler sind alle Ortseinwohner. Der Eifer der Mitwirkenden ist groß. Eine besondere Stellung nimmt kr kleine Ort Tawin in der Graftschaft Galway ein. Ein junger Student der Medizin aus Tawin schrieb einen Zweiakter, der in diesem Dorfe mit vielem Glanz inscenirt wurde. Als man in Galway von dem Erfolg hörte, mußten die Dorfbewohner dort eine Vorstellung geben. Später wurden sie nach Dublin eingeladen, wo sie mit ihrem Stück gleichfalls lebhaften Beifall fanden. Vor kurzem wurde dasselbe Stück auch in London von Iren zur Aufführung gebracht. Das Städtchen Marcianite in Süd - Italien steht unter dem Eindruck einer Liebestragöd, die sich auf dem Domplatze am hellen, lichten Tage abspielte. Der Lehrer Tranquillino Santoro war mit der ebenso schönen wie vornehmen Emilia Cavallo, Tochter eines höheren Staatsbeamten, verlobt. Aber Jahr für Jahr verging, ohne daß sich die Sehnsucht der Verlobten nach der Heirath erfüllte, weil die Stellung des Bräutigams den Eltern der Braut nicht die völlige Sicherheit für die Begründung einer Familie zu bieten schien. Kurz, eines Tages wurde dieVerlobung aufgehoben und Signor Santora von den Eltern der ehemaligen Braut das Haus verboten. Aber während sich Emilia leicht in diese Aenderung der Dinge fand, nahm Tranquillino die Lösung des Verhältnisses sehr tragisch. Eines Tages begegnete er nun Emilia und fragte: Also du liebst mich nicht mehr?" Nein," antwortete brüsk das Mädchen. So mußt du sterben!" schrie Tranquillino wuthverzerrt und stieß ihr einen Dolch in das Herz, so daß Emilia todt zusammenbrach. Zwei Stunden später stellte sich der Mörder den Carabinieri. Die Polizei hatte inzwischen festgestellt, daß der mörderische Dolch auch vergiftet war. G r a f F i tz w i l l i a m ist mit dem Rest seiner Schatzsucher von seiner abenteuerlichen Reise nach der Cocosinsel nach England zurückgekehrt und gibt jetzt offen zu, daß er thatsächlich auf der Schatzsuche war und dabei verunglückte. Der Dampfer Veronique", auf dem sich Fitzwilliam mit dem englischen Admiral Pallis befand, der ebenfalls an das Vorhandensein des Schatzes glaubt, hielt sich in gemessener Entfernung von der Steilküste der Insel, während dort die mitgenommenen Arbeiter mit Dynamit sprengten. Diese Sprengungen vermochten auf die steile Felsküste keinen großen Eindruck zu machen, und man beschloß deshalb, zu stärkeren Ladungen überzugehen. Diesen neuen Plan hatte man noch nicht lange verfolgt, als ein schweres Unglück den Arbeiten ein jähes Ende, bereitete. Eine Ladung war abgefeuert- worden, aber offenbar nicht krepirt. Nachdem man geraume Zeit gewartet hatte, gingen die Arbeiter wieder an die Sprengstelle heran, um die Ladung zu untersuchen. In diesem Augenblick erfolgte eine furchtbare Explosion. Acht Leute wurden durch deren Gewalt vollständig zerrissen. Andere waren durch fallende Fels steine schwer verletzt worden. Selbst die zur Rettung herbeieilenden Leiter der Expedition wurden noch durch nachstürzendes Gestein verletzt.. Earl Fitzwilliam selbst nur leicht, aber der Kapitän feines Schiffes schwer. Ein früherer Gardeoberst, der sich ebenfalls bei der Expedition befand, mußte im Hospital von Colon zurückgelassen werden. Earl Fitzwilliam beschloß nach dem Unglücksfall, das Suchen nach dem verhängnißvollen Schatz ein für allemal aufzuaeben. '

EinePreißelbeeren - G esellschaft in Atlantic County in New Jersey hat ihre gefammte Ernte von 9000 Bushels an kalifornische Conserven - Fabrikanten zu einem Preise verkauft, welcher die VertheUung einer Dividende von 90 Procent ihres Aktienkapitals ermöglichte. Ein traurigeseschick hat einen jungen Ehemann im Staate New York betroffen. In Long Island City wurde dieser Tage Alexander Klabbenik mit Julia Kara getraut. Fünf Stunden nach der Ceremonie wurde der neue . Ehemann geistesgestört, brannte durch und wurde von seiner Gattin und deren Familie in der Nähe des East River planlos hcrumwandernd aufgefunden. Er wurde zurück und nach seiner Wohnung gebracht, woselbst er sich zeitweise ruhig verhielt, bis er wieder Anfälle bekam. Verschiedene Aerzte haben seinen Zustand untersucht und erklären den Fall als einen hoffnungslosen. Er mußte in eine Anstalt gebracht werden, obwohl seine junge Gattin ihn nicht weglassen wollte. Eine verlas s'eneFrau kann den Heimstätte - Claim ihres Mannes beanspruchen und denselben auf ihren Namen im Landamt eintragen lassen So lautete eine Entscheidung des General - Landamtes in Washington. Im vorigen August wurde Frau Christine Vowden in Ransom City. N. D., von ihrem Manne verlassen. Sie suchte im lokalen Landamt um Uebertragung der Heimstätte auf ihren Namen nach, welches ihr auch bewilligt und ihr die Zeit, welche sie mit ihrem Manne dort zugebracht hatte, noch dem Heimstättegesetz gutgeschrieben, wurde. Die Beamten wandten sich aber für eine Entscheidung in diesem wichtigen Falle an das General - Landamt, welches jetzt den Anspruch der Frau bestätigt hat. An welchen überlieferten und verrotteten, aber doch mit Pietät gepflegten Zöpfen" unser Gerichtswesen krankt, davon erlebte man dieser Tage wieder ein Beispiel in dem Staat New Jersey. Der Sheriff von Passaie County mußte vor einigen Tagen einem altenGesetz gemäß einem Säugling eine Klage' zustellen. Die Klage war vor Jahresfrist im Kanzlergericht gegen die Familie Marcy, in Clifton, eingereicht worden, und da seitdem dem Ehepaar ein Kind geboren wurde und das Gesetz verlangt, daß auch dem Kind die Klage zugestellt werden muß, ward ein Constabler mit der seltsamen Aufgabe betraut. In anderen Fällen genügt die Zustellung der Klage an die Eltern als Vormünder der Kinder, in diesem Falle raußte der Beamte in Anwesenheit der Eltern des in einem Kinderbettchen liegerden einjährigen Baby's mit den Klagepapieren die Stirn des Baby's berühren, um dem Gesetz Genüge zu leisten. Es ist ohne Zweifel der jüngste Mitbeklagte im County, wenn nicht im Staate. Die Erbschaft eines Vermözens von $75,000 ist einer Frau in New Jersey verhängnißvoll geworden. Frau Thomas Boyer von Belvidere, die kürzlich von ihrem Bruder, dem bekannten Sussex County - Farmer James Titman, $75,000 erbte, ist nach längerer Krankheit im Alter von 70 Jahren gestorben. Sie war bereits krank, als vor Kurzem der Bruder starb, und die Nachricht von dessen Ableben griff sie so sehr nn, daß sie sich nicht wieder erholen konnte. Sie hinterläßt ihren Mann und fünf Kinder. Nach der testamentarischen Verfügunz Titman's fällt das der Schwester zukommende Erbtheil nach deren Tode zu gleichen Theilen an ihre Kinder, so daß diese jetzt jedes $15,000 erhalten werden. Frau Boyer war eine nahe Verwandte von dem verstorbenen Multimillionär John I. Blair von Vlairstown. James Titman war einer der reichsten Leute von Sussex County und wohnte in der Nähe von Sparta. Die andere Hälfte seines Vermögens fiel einer zweiten, ebenfalls verheiratheten Schwester zu. " In den Wäldern vom s ü'dl i ch e n Ufer des Superior-Sees hat sich eine neue Art von Wildkatzen entwickelt, welche ursprünglich von Hauskatzen ' abstammen. Wie aus Marinette mitgetheilt wird, wurden vor einer Reihe von Jahren von einer Holzcompagnie an ihre verschiedenen Holzfällerlager fünfzig Hauskatzen vertheilt behufs Ausrottung der sich sehr lästig machenden Ratten. Als die Lager abgebrochen wurden, überließ man die Katzen ihrem Schicksal. Dieselben akklimatisirten" sich auch in der Wildniß und vermehrten sich sehr stark. Schon die ersten in den Wäldern geborenen Jungen entwickelten sich zu weit größeren und wilderen Thieren, als. ihre Eltern waren. Da es in jenen Wäldern an allerlei kleinem Gethier, namentlich auch an Kaninchen und Vögeln aller Art nicht mangelt, leben die verwilderten Katzen daselbst herrlich und in Freuden und wissen sich gegen die Kälte und gegen die Wölfe und andere größere Raubthiere wohl zu schützen. Die Luchse und die ursprünglich in den Wäldern heimischen Wildkatzen lassen sie ungeschoren. Ein nach Marinette aus den Wäldern zurückkehrender Holzhändler sprach es als seine Ueberzeugung aus. daß die Legislatur sich in Bälde deranlaßt sehen werde, eine Prämie auf Erlegung der Angehörigen der neuen .Wildkatzenart zu setzen.