Indiana Tribüne, Volume 28, Number 170, Indianapolis, Marion County, 11 March 1905 — Page 3

Jndiana Tribüne, II. März kSvS.

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Mulden und Fushun Werden von den Russen gcrönmt und von den . Japanern besetzt.

Unsichere Stimmung in St. Petersburg. Ungewißheit über das Schicksal der geschlagenen Armee. Hohes Lob eines deutschen Generals für die Japaner. Unzufriedenheit mit den Handelsverträgen. Streik-Unruhcn zu Brest.

Mukdenbesetzt. T o l o, 10. März. Feldmarschall Oyama meldet unter dem heutigen Datum : Wiz befehlen heute Morgen 10 Uhr Mulden. Unsere EinschließungSbewe ' gungen, die seit einigen Tagen im Gange find, haben vollen Erfolg gehabt. 2In verschiedenen Punkten in der Mhe Mukoen's, wird auf's heftigste gekämpft. SSi machten zahlreiche Gefangene und erbeuteten große Mengen Waffen, Munition. Lebensmittel ' und andere KriegZvorräthe." Fushun besetzt. Tokio, 10. März. Fushun wurde letzte Nacht von den .Japanern besetzt. Der Kampf dauert auf den Höhen nörd lich von Fushun fort. Rückzug nach Kirin. Niutschwang. 10. März. Nach zuverlässigen Mittheilungen ziehen sich die Russen nach Nordoften zurück ES wird ihnen unmöglich sein viele Tage Widerstand zu leisten, da die Verpro diantirung in der rauhen Gegend, durch die sie kommen, höchst schwierig ist Man glaubt, daß sie versuchen werdeu Kirin, 225 Meilen nordöstlich von Mukden, zu erreichen, doch sucht ihnen ein japanische Korps vom Jalu aus diesen Weg abzuschneiden. General Kuroki marschirt in nord westlicher Richtung und drängt die Russen gegen General Nogi'S Armee. Die Verluste auf beiden Seiten find riesig. Kuropatkin meldet. Rück, z u g. St. Petersburg, 10. März. Gen. Kuropatkin hat dem Zaren unter dem heutigen Datum folgende Depesche gesandt: Letzte Nacht begann der Rückzug unserer sämmtlichen Truppen. Wäh rend der Nacht kam es zu keinen Käm pfen. doch war eine starke Kannonade im Gange." Ein Sturm bringt Ruhe. M u k d t tvlO. März. Ein Sturm, der in dem flachen Liao-Thale große Staubmassen aufwirbelte, brachte das Gefchützfeuer im Westen und Nord Westen zum Stillstand, da man häufig kaum 200 Schritte weit sehen konnte, und e5 herrschte ungewohnte Stille. ES find aber Anzeichen vorhanden, daß die Japaner im Norden ihre Operatio nen fortfetzen und ihre Angriffe auf die Eisenbahnlinie mit größerer Heftigkeit erneuern werden, sobald der Sturm nachläßt. Wirkung der Trauerbot' schaft. St. P e t e r 5 b u r g, 10. März. Die Nachricht von Kuropatkin'S Nieder läge hat eineStheilS Bestürzung hervor gerufen, anderntheilS die Hoffnung auf Frieden neu belebt. St. Petersburg kennt keine Einzelheiten der Niederlage, auch nicht die Rückzugslinien. Wenn Kuropatkin in die Berge flieht, wird er oort mit seiner Armee gestellt ' und ausgehungert werden. Die lakonische Depesche Kuropatkin'S lautet : Letzte Nacht begannen alle unsere Armeen den Rückzug." Optimisten schließen daraus, daß die Hauptmacht sich von den Japanern frei machte, wenn auch die Nachhut und die schweren Belagerungsgeschütze geopfert werden mußten. Äußerlich macht fich in St. PeterZ. bürg die Niederlage nicht bemerkbar. Ein Fremder würde auf der Straße nie erkennen, daß die Armee, welche die Ehre und das Ansehen Rußlands vertheidigen, soeben eine vernichtende 'Niederlage erlitten haben. Keine De monftrationen fanden gestern Abend statt und keine Aenderung im gewöhn lichen Straßenleden war zu bemerken. Zeitungsjungen riefen die Extrablätter mit Gen. Kuropatkin'S kümmerlicher Depesche aus, die von einem großen weißen Rande umgeben war, aber es war nichts Auffälliges im Be

nehmen des Publikums, das die Nach richt ebenso ruhig laS wie frühere Depefchen Kuropatkin'S. Die Regierung machte keinen Ver such die Nachricht zu bemänteln oder die Bedeutung deS Rückzuges zu beschö nigen; fie schickte die Depesche, wie sie spät am Abende vom Generalstab ausgegeben wurde, direkt an die Zeitungen mit der Erlaubniß, sie abzudrucken. In Clubs und Privathäusern dagegen war die Lage Gegenstand langer Diskussionen, die unabänderlich mit der Frage schlössen: WaS nun!" Die russische Nieder, läge. Pari. 10. März. Die Besetz, ung Mukden's durch die Japaner wird hier als Bestätigung ihres Sieges auf gefaßt und als Vorzeichen, daß KuropatkinS Niederlage bald den Charakter einer Katastrophe annehmen mag. Kommentare zurrussi schen Niederlage. London, 10. März. Mit größter Spannung wartet man hier auf Nachrichten über die japanischen Um gehungS-Operationen gegen Kuropatkin und die mögliche Wirkung auf die künftige Kriegslage. Man glaubt hier, daß die Russen sich wahrscheinlich noch hinter den Tie.Paß, vielleicht bis Harbin, zurückziehen müssen, daß aber der KampfeSmuth der russischen Nation durch die Niederlage eher erhöht als

vermindert wird. Die japanische Gesandtschaft wurde mit Glückwünschen überschwemmt; überall wird das Feldherrngenie Oyama'S gepriesen. Anerkennung für die Japaner. Berlin. 10. März. General. Leutnant Freiherr v. Gayl, Graf Waldersee'S UnterbefehlShaber bei der China-Expedition, drückte heute Abend in einem Vortrage vor der Ostasiati schen Gesellschaft grenzenlose Bewunde rung für daS Militärgenie der Japa ner aus. Seine Bemerkungen wurden durch einen Artikel Die gelbe Gefahr" hervorgerufen, in dem der Verfasser die prekäre Lage Deutschlands in China darlegte, falls Japan sich China nähere und dessen Armee reorganisire. Was dieses Jnselvolk in den letzten Tagen geleistet hat," sagte Gen. von Gayl, verdient die höchste Bewunde rung. In Anbetracht des furchtlosen, tapferen Gegners, war es ein geradezu phänomenaler Erfolg. Die Führung war die eines Genies und es giebt keine Worte für die Tapferkeit und Hingabe der Truppen." Bezüglich der Befürchtuug , daß China japanische Militär.Jnstruktoren anstellen werde, sagte der General: Ich weiß nicht, wo sie bessere aus wählen könnten, als unter den Ossi zieren, die Port Arthur nahmen." Schadenfreu de. Wien. 10. März. Bei Besprechung der Besetzung Mukden's zeigen die hiesigen Zeitungen keine Sympathie für Rußland, im Gegentheil scheinen sie die vollständige Niederlage Ruß. land's mit einer gewissen Befriedigung zu berichten. In manchen Kreisen hält man die russische Sache in der Mandschurei mit der Niederlage bei Mukden für verlo ren, abzr Ion Frieden spricht Niemand. Man glaubt jedoch, daß der Schlag im Osten fich durch das ganze russische Reich fühlbar machen wird. Deutschland. - Hetzlüge der Times-. Berlin, 10. März. Eine offi. zielle Depesche deS Gesandten Mumm von Schwarzenstein erklärt das Tele gtarnrn der Londoner Times aus Pe king. wonach fich Deutschland in die inneren Angelegenheiten China'S mische, in allen Einzelnheiten für unbegründet. Die halbLffizielle Nordd. Zeitung schickt der Depesche die Bemerkung vor aus, die Depesche der TimeS bezwecke in den Ver. Staaten und Japan Mißtrauen gegen Deutschland zu erregen. Materieller Bräutigam. Berlin, 10. Mürz. Nachher Art seines Vaters ist der Kronprinz

riesig galant. Wie soben bekannt wird, hat er seinen Oberkoch nach Cannes zu seiner Braut gesch ckt. Der Küchenmeister hat jedoch beileibe nicht den Auftrag, zu spioniren, so quasi den Sittenwüchter zu spielen. Seine einzige Aufgabe ist eS, abzufinden, was die Lieblingsgerichte der zukünf tigen Kaiserin find und wie dieselben am schmackhaftesten zubereitet werden können. Badischer Ministerpräsi dent tritt zurück. Karlsruhe, 10. März. Wie gemeldet wird, hat Großherzog Frie drich von Baden daS EntlassungSgesuch deS Ministerpräfidenten Dr. Arthur v. Brauer genehmigt. B e r g g e s e tz. Berlin, 10. März. Die Novelle zum Berggesetz, die jetzt dem p,eußischen Landtage vorliegt, fieht im Wesentlichen vor: Regelung der Arbeitszeit beim Steinkohlenbergbau, ein schließlich der Seilfahrt, soweit dies durch sanitäre Rücksichten geboten ist; Regelung des Ueber, und Nebenschich tenwesenS; obligatorische Einführung von Arbeiterausschüssen, welche inLbesondere auch bei der Verwaltung der jenigen Zechen Untergützungskassen mitzuwirken haben, in die Arbeiterbeiträge oder Strafgelder fließen; Verbot des Nullens und Begrenzung der Höhe der Strafen für einen bestimmten Zeit räum. UnzufriedenheltZmitden neuen Handelsverträgen. Berlin, 10. März. Die Generalversammlung deS Vereins deutscher Maschinenfabriken" nahm eine Resolu tion an, welche in dürren Worten Fol gendeS besagt : Der deutsche Maschinenbau wird durch die neuen Handelsverträge auf

daS sawerne aetmädlat. Wabrend we gen der niedrigen EinfuhrzölleZder Ma schinenbau dem ausländischen Wettbewerd schutzlos preisgegeben ist, lasten auf den nach den Vertragsstaaten gehenden Maschinen enorme Zollsätze. Um die Beziehungen zumAuSlande zu erhalten, werden die deutschen Fabri kanten gezwungen sein, ihre Fabriken nach dem Auslande zu verlegen." Man erwartet, daß noch Zahlreiche ähnliche Resolutionen und Proteste auf die Regierung niedergehen werden. Die ganze zoll, und handelspolitische Aktion, die ihren Abschluß in den neuen Han delstarifen gefunden hat, hatte eben das Ziel, den deutschen Zollschutz für landwirthschaftliche Produkte zu . erHöhen, und dies Ziel war natürlich nur zu erreichen, wenn auf industriellem Gebiete anderen Ländern Zuge ständnisse gemacht wurden. Inwieweit die Industrie hat bluten müssen, wird sich erst erkennen lassen, nachdem die neuen Handelsverträge gleichzeitig mit dem Zolltarifgesetz am 1. März 1906 in Kraft getreten sind. 3000 Passagiere auf der M a i n". B r e m e n, 10. März. Der Nordd. Lloyddampfer Main" bringt 3000 Passagiere nach New York, die größte Zahl, welche jemals ein Dampfer be förderte. An Bord des Nordd. LloyddampferS Kronprinz Wilhelm- sind nach New Jork abgereist: Prinz Poniatowsky, Kommerzienrath Stöhr und Musikdirektor Vogel. Prof. Oncken nachChicago. Berlin, 10. März. Professor Hermann Oncken von der hiesigen Uni versität wird vom Oktober bis zum April 1906 an der Chicagoer Universi. tät deutsche Geschichte lehren. (Bekanntlich hat Herr F. I. DeweS der Universität Chicago S2000 zur Ver fltguNi.' gestellt, um die Kosten zu decken, welche die zeitweilige Berufung deS namhaften Historikers verursacht. Afrika. SomaliS auf dem Krieg S Pfade. M o m b a s i d a , Britisch Oft. Afrika. 10. März. ES wird berichtet, daß 9000 SomaliS die Stadt Merk, an der Bexdir-Küste genommen und die Einwohner niedergemetzelt haben. Türkei. Aufstand in Jemen. K o n st a n t i n o p e l, 10. März. Im Ganzen sind jetzt 32 Bataillone ge gen die Rebellen in der! arabischen Pro. vlnz Jemen aufgeboten. Ali Riza Pascha ist mit 7 Bataillonen und mit einerBatterie von Hodeida nach Manakha abgerückt.

Frankreich. Streik. Brest. 10. März. Der Streik der Hafenarbeiter bält an. Heute versuchten die .Streiker Barrikaden zu errichten, doch wurden dieselben von den Truppen zerstört. Es kam zu häusiöen Carrambolagen zwischen den Truppen und Streikern und viele Ver. hastungen wurden vorgenommen. Der Stadtrath, welcher aus Sozialisten be steht, hat für die Streiker 8400 dewil. ligt. Die höheren Behörden erwägen eine Auflösung des Stadtraths. Botschafter McCormick. Paris, 10. März. Botschafter McCormick ist hier eingetroffen, um sich nach einer Wohnung umzusehen. Er wird wahrscheinlich eine solche an der Rue de Billy nehmen. Italien. Cardinal Sa toll li. Rom, 10. Mürz. Cardinal Sa. tolli erschien heute zum ersten Male seit seiner schweren Erkrankung im Vatican und wurde vom Papste aus'S Freund, lichste begrüßt. I e su i t e n G e n e r a l im Sterben. Rom, 10. März. ES wird gemel. det, daß Pater Martin, der gegenwär tige General deS Jefuiten'OrdenS, im Sterben liegt. Oesterreich'Ungarn. Ministerwechsel. Wien, 10. März. Wie verlautet, tritt der LandeövertheidigungSminister Graf von WelferSheimb infolge hefti' ger Angriffe, welche im Reichsrath auf ihn gemacht wurden, zurück. Sein Nachfolger wird Feldzeugmeifter Gene. Franz Schönaich. Schiffsnachrichten. Glasgow: Siberian" von Philadel phia. Hamburg: Graf Walderfee" von New Jork. Liverpool : Cymric" von Boston ; Georgic" nach New York. Genua: Republic" von New Jork. Hamburg; AbydoS" von San Fran cisco. Plymouth: Blücher" nach Cherbourg. Havre: La Bretagne" von New York Neapel: Weimar" von New York.

Verbranntes Kind, Das wei Jahre alte Töchterchen der Eheleute Tagelöhner Kaufung m Barmen, Rheinprovmz. hatte,' während die Eltern ihrer Arbeit nachgingen, mit Streichhölzern gespielt. Dabei geriethen des Kindes Kleider in Brand. Nachbarn hörten 5war das Kind wimmein, glaubten jedoch, als alles ruhig wurde, es sei eingeschlafen. Erst als Brandgeruch bemerkbar wurde, offnete man die Thüre und fand das Kind stark verkohlt am Boden liegen. Hochzeitsreise mit Hind e r n i f s e n. Mit einem Neapeler Schnellzuge kam neulich in Rom ein auf der Hochzeitsreise begriffenes junges Ehepaar an, das auf seiner Heimfahrt nach Florenz noch einige Tage in der ewigen Stadt" verbringen wollte. Der junge Ehemann wurde auf dem Bahnhofe in Rom alsbald verhaftet und zur Wache gebracht. Er sollte einer Photographie zufolge mit einem aus Trieft geflohenen Bank-Kasstrer identisch sein, und es bedürfte stundenlanger Auseinandersetzungen und Praktiken, bis die Polizei sich überzeugte, sie habe es nicht mit dem Bankdieb Bertoli, sondern mit dem reichen Florenzer Kaufmann Marussig zu thun. Der Schwergeprüfte wurde also entlassen und bestieg mit seinem Ehegespons den nächsten, nach Florenz abgehenden Zug. Kaum dort angekommen, wurde Marussig trotz allen Sträubens abermals festgenommen und sammt der jungen Frau auf der Wache behalten, bis aus dem Bett geholte Honoratioren seine Persönlichkeit legitimirten. Das Ehepaar benutzte nunmehr eine Droschke, um dem Port seines häuslichen Glückes zuzusteuern; unterwegs ging jedoch das Pferd durch, und beide Insassen wurden aus dem Wagen'geschleudert, wobei sie sich nicht wenig verletzten. Der Kaufpreis im Geb e t b u ch e. Ein bejahrter Söldner in einer Stadt im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben hatte sein AnWesen um 6000 Mark verkauft. Er erschien mit dem Käufer in der Kanzlei eines dortigen Notariats. Der Käufer erlegte nach Unterzeichnung des Kaufvertrages den Kaufpreis in Papiergeld, wobei sich mehrere Tausendmarkscheine befanden. Etwas verdutzt schaute der Käufer drein, als er seinen ganzen Besitz in wenigen Scheinen auf dem Tisch liegen sah, und meinte dann: Dös han i gar nit gewißt, daß a solches Geld a geit, da hätt' i ja kein Korb mitz'nehma braucht, dös ka mer in's Gebetbüchla neischieba." Den Worten ließ er die That folgen und zog dann mit dem fürsorglich mitgebrachten großen Henkelkorb ab.

?cr liegende ZZuddha in Zlangun. k.'uöcrgewöhnttchcS Vildnih deS NeligionS ftisters Ter Lysay Dagon. Für den Reisenden in Ostasien bilden Vuddha-Statuen einen fast täglichen Anblick. Allerorten, von Kolombo auf Ceylon bis Kobe in Japan, grüßt ihn das ruhige leidenschaftslose, geheimnißvolle Gesicht des Lehrers des Ostens. Aber in keiner Stadt des fernen Orientes bilden Buddha-Monumente einen so häufigen und wesentlichen Theil des örtlichen Schmuckes als in Rangun in Birma, dem Hauptbollwerke des Buddhismus. Bemerkenswerth unter den zahllosen Statuen in Rangun ist befonders eine Buddha-Nachbildung, die den Weisen des Ostens nicht, wie sonst üblich, stehend oder mit gekreuzten Beinen sitzend darstellt, sondern auf einem riesigen steinernen Ruhebett liegend zeigt. Die Buddha-Nachbildung hat eine Länge von nicht weniger als 200 Fuß und in der Schulterhöhe eine Brustweite von 60 Fuß. Auf den Händen der Figur könnten bequem vier Männer stehen. Das Monument befindet sich in der Nähe des berühmten Schreines" Shoay Dagon, einer 1353 Fuß im Umfange messenden kastenartigen Anlage, die das Centrum des Buddhismus in Birma bildet. Gekrönt wird der Schrein von einer 300 Fuß hohen Pagode, deren Wände mit reinem Golde bedeckt sind. Das Gold stammt von einem Fürsten, welcher seiner Zeit der Pagode so viel von dem gleißenden Metall schenkte, als sein Körpergewicht betrug. Neben zahllosen anderen Vuddha-Statuen befinden sich im Shoay Dagon auch viele Buddha-Re-liquien. Alle diese Gegenstände, der liegende Buddha eingeschlossen, bilden bei der Ausübung der buddhistischreligiösen Gebräuche einen integrirenden Theil. ,Das Wesen des Buddhismus besteht in dem Ringen und Streben seiner AnHänger nach Ähnlichkeit oder Gleichheit mit Buddha. Zur Erreichung dieses Zieles ist es für sie nothwendig, Buddha stets in ihren Gedanken zu tragen. Um dieses Gedenken zu erleichtern und immer wieder anzuspornen, hat man in den buddhistischen Ländern so außerordentlich zahlreiche Buddha-Bildnisse aufgestellt. Buddha wird keineswegs göttlich verehrt. Es liegt nach der Lehre der Buddhisten die Möglichkeit vor, daß jeder derselben die Vollkommenheit Buddhas erreichen kann, allerdings nur durch immerwährende Nachahmung der Lebensführung jenes Weisen. Während die Buddha-Statuen in Rangun bei den religiösen Verrichtungen der dortigen Buddhisten bereits eine große Rolle spielen, sind die BuddhaReliquien', hierbei noch von größerer Wichtigkeit. Es war am Shoay Dagon, wo die Birmanen den Briten, als diese 1852 Rangun erstürmten, den letzten heftigen Widerstand entgegensetzten. Von einem venetianischen Reisenden, der vor 300 Jahren Rangun besuchte, existirt vom Shoay Dagon und dem liegenden Buddha eine Schilderung, die jetzt noch aktuell ist. Wie damals, so bringen auch heute die Birmanen dem Buddha auf dem steinernen Ruhebette Blumen,- Früchte, Kerzen und Papierflaggen als Opfer. Die L'Abbave-Feier iu Berlin. Im ersten Drittel des vorigen JahrHunderts konnte man in Berlin an einem bestimmten Tage im Januar einen kleinen, wohlwollend blickenden Mann sehen, der um die Mittagszeit seinen Weg durch das Halle'sche Thor und die damals öde, sandige Straße nach der Hasenhaide zu nahm. UnterWegs sammelte er alle Armen, Männer und Frauen, so vieler er habhaft werden konnte, nahm sie mit in die große Happoldt'sche Gastwirthschaft und ließ hier Erbsen, Pökelfleisch und Sauerkohl, sein Leibgericht, auftragen; jeder seiner Gäste durfte essen,' so viel er mochte. Auf diese Weise feierte der Geheime Staatsrath L'Abbaye, ein alter Junggeselle, seinen Geburtstag. Als er 1831 sein 60jähriaes Amtsjubiläum beging, stiftete er em Kapital, von dessen Zinsen alljährlich an diesem Tage je 60 arme Männer und Frauen, ohne Schranken bezug des Alters und der Religion," gespeist werden sollten, und zwar .stets mit Erbsen, Pökelfleisch und Sauerkohl. Als der warmherzige Stifter 1847 starb, trat das Vermächtnlß in Wirksamkeit, und seit 1867 wurde es zu einer lieben Gewöhnfett für viele, als Ehrengäste des Entschlafenen sich einzufinden und an dem Mahle theilzunehmen. Alles, waS in Berlin m!t der Armcnverwaltung zu thun hat, findet sich ein, vom Oberbürgermeister bis zum ArmenkommifsionsMitglied, und mit den hundert Armen essen mehrere hundert Gaste (diese natürlich auf eigene Kosten) Erbsen, PSkelfleisch und Sauerkohl. Zu kalt zum Leben. In einem Holzlager bei Wiehe, WiS., wurde em Waldarbeiter Namens August Mann, der sich eine tödtliche Wunde am Halse beibrachte, weil ihm daS Wetter zu kalt war, im sterbenden Zustande aufgefunden und in ein Hospital gebracht. . Es war vier Uhr Morgens und der Koch weckte die Leute. August fragte, wie kalt es sei. Nur 40 Grad unter Null," meinte der Speckund Bohnenkochn gemüthlich. Da ist's für mich zu kalt auf der Welt." damit fprang der Mann aus den Decken, ergriff ein großes Messer und brachte sich eine gefährliche 'Schnittwunde am Halse bei.

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