Indiana Tribüne, Volume 28, Number 169, Indianapolis, Marion County, 10 March 1905 — Page 6

Jttdiana Tribüttc, iO. Marz 1905

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Der Kcicrknstcn. Von golc&lattf lt?tt'0. J 2 x D4444a444ÄVl4'44"4'4'44444-l40 Schluß.) Die liebste Beschäftigung der Blinden war es, die Gegenstände mit ihren kleirien Händchen zu berühren und sie zu erkennen. Eines Tages brachte die Mutter ihr eine hübsch angekleidete Puppe für einen Rubel. Das Mädchen ließ sie nicht aus den Händen, befaßte ihr Näscken, den Mund, die Augen und liebkoste sie. Sie ging sehr spät schlafen und dachte fortwährend an die Puppe, die sie in eine mit Watte gepolsterte Schachtel gebettet hatte. In fccr Nacht weckte ein Gerüusch und ein leises Flüstern die Mutter. Sie sprang aus dem Bett heraus, machte Licht und sah in der Ecke ihr Töchterchen, das schon angekleidet war und mit der.Puppe spielte. Was machst Du, Kind? Warum schläfst Du nicht?" Es ist doch schon Tag, Mama!" erwiderte die Unglückliche. Tag und Nacht waren für sie zusammengeschmolzen und dauerten fortwährend. Allmälig begann die Erinnerung an die wahrgenommenen Eindrücke sich in dem Mädchen zu verwischen. Die rothe Kirsche wurde für die Blinde zur glatten, runden, weichen Kirsche, die blinkcnde Münze war eine harte, klingende Scheibe, auf welcher verschiedene Zeichen geprägt waren. Sie wußte, daß das Zimmer größer war als sie, das Haus großer als das Zimmer und die Stratze größer als das Haus. Aber es war in ihrer Vorstellung alles kleiner geworden. Ihre Aufmerksamkeit wurde auf die Sinne des Gefühls, des Geruchs und des Gehörs gelenkt. Ihr Gesicht und die Hände lourden so empfindlich, daß sie in der Nahe der Wand die kühle Luft spurte. Entfernte Dmge wirkten nur durch das Gehör auf sie. Darum horchte sie tagelang. Sie erkannte den schleppenden Ganq des Portiers, der eine schrille Stimme hatte, und sie wußte genau, wann er den Hof ausfegte. Sie konnte unterscheiden, ob em Vauerwaaen mit Hol?. eine Droschke oder ein Wagen, der den Kehricht vom Hofe fortbrachte, vorüberfuhr. Nicht das leiseste Geräusch, kein Geruch, kein Luftzug entgingen ihrer Aufmerksamkeit. Mit unbegreiflicher Schärfe ergriff sie diese Erscheinungen und zog daraus ihre Schlüsse. Eines Tages rief die Mutter nach dem Dienstmäbchen. Janowä ist nicht hier," sagte das Mädchen, das wie gewöhnlich in seinem Winkel saß; sie ging Wasser holen." Wieso weißt Du es?" fragte die erstaunte Mutter. Wieso? Ich weiß doch, daß sie die Kanne aus der Küche nahm, über den Hof gmg und Wasser pumpte. Jetzt unterhält sie sich mit dem Portier." Thatsächlich konnte man da5 undeutliche Geflüster zweier sprechenden Personen vernehmen, wenn man mit Anspannung horchte. Die schärfer gewordenen untergeordneten Sinne konnten dem Kind jedoch das Augenlicht nicht ersetzen. Es fühlte den Mangel der Eindrücke und begann, sich zu sehnen. Mai- lrlaubte ihm, im ganzen Hause umherzugehen, und das beruhigte die Blinde ein wenig. Das größte Vergnügen bereiteten ihr jedoch die Ausslüge nach zwei ganz verschiedenen Welten; in den Keller und auf die Bodenkammer. Im Keller war die Luft kühl, die Wänd? waren feucht. Der gedämpfte Straßenlarm drang von oben herein, andere Geräusche verhallten. Das war Nacht für die Blinde. Auf dem Boden, besonders vor dem Dachfenster, ging es ganz anders zu. Dort war mehr Lärm als im Zimmer. Die Blinde hörte das Wagengerassel von mehreren Straßen, auch der Lärm im Hause war hier am deutlichsten zu vernehmen. Ein warmer Wind umwehte ihr Gesicht. Sie hörte Vögelgezwitscher, Hundebellen und das Raufchen der Bäume im Nebengarten. Hier war für sie Tag. In dieser Zeit war es, daß die Mutter mit ihrer Freundin in das Haus zog, in welchem Herr Thomas wohnte. Die beiden Frauen freuten sich über die neue Wohnung, aber für die Blinde war diese Veränderung ein wahres Unglück. Das Mädchen mußte im Zimmer sitzen, es durfte nicht in den Keller oder auf die Bodenkammer gehen. Es hörte weder die Vögel, noch die Bäume, und ?m Hofe herrschte fürchterliche Stille. Niemals hörte man das Ausrufen von Käufern, die alte Sachen kauften, oder von Slovaleniungen, die ihre DrahtWaaren anboten. Es wurden weder alte Weiber, die ihre frommen Lieder sangen, noch alte Männer mit Klarinetten, noch auch Leiermanner hereingelassen. Das einzige Vergnügen der Kranken war, m die Sonne zu schauen, die tdoch nicht immer, gleich stark schien und sich oft schnell hinter den Häusern verbarg. Das Mädchen begann, sich wieder zu sehnen. Es wurde bleich, sein Gesicht nahm einen niedergeschlagenen, starren Ausdruck an, über den Herr Thomas sich so sehr wunderte. Da die Unglückliche nicht sehen konnte, so wollte sie wenigstens verschiedene Stimmen hören. Aber im Hause war es immer so still. ' Armes Kind!" flüsterte manchmal

Herr Thomas, wenn er das traurige

tleme Madchen betrachlete. Wenn ich für das Kino etwas thun könnte!" dachte er, als er sah, daß es mit jedem Tag blasser und schwächer wurde. Es aefefan in iencr Zeit, daß einer vva den vreunoen oe -jtaitits einen Prozeß hatte und ihn bat, die Papiere durchzusehen und ihm seinen Rath zu ertheilen. Herr Tbomas tina zwar nicht mehr auf's Gericht, doch verstand er es als erfahrener Prakttlus, ver Handlung die geeignetste Richtung zu weisen und dem Rechtsanwalt nützliche Winke zu geben. Es war eine verwickelte Sache. Je mehr Herr Thomas in den Papieren las. desto mehr ereiferte er sich. In dem Rentier erwachte der Anwalt. Er verließ die Wohnung nicht mehr; in seinem Arbeitszimmer eingeschlossen, las cr die Dokumente und notirte. Abends kam der alte Diener des Rathes mit dem täglichen Bericht. Er theilte mit, daß die Frau Direktor mit den Kindern auf Sommerwohnung gereist, daß oie Wasserleitung nicht m Ordnung wäre, daß der Portier sich mit dem Schutzmann qezankt hätte und eine Woche brummen müßte. Zuletzt fragte er, ob der Herr Rath Nicht den neuen Portier sprechen wollte. Aber der Justizrath war in seine Papiere vertieft, rauchte eine Cigarre und beachtete den treuen Diener kaum. Am nächsten Tage soß er noch immer mit seinen Akten: gegen zwei Uhr aß er zu Mittag, um sie bald darauf wieder vorzunehmen. Die Mutter der Blinden und deren Freundin, die mit Strickarbeiten beschäftigt war, bewunderten den Justizrath; sie hielten ihn für einen rüstigen Wittwer, der die Gewohnbeit hatte, von früh bis Abends an seinem Schreibtisch zu schlafen. Indessen schlief der Rath nicht, wenn er die Augen auch geschlossen hatte, sondern er beschäftigte sich mit dem Prozeß. Und während er sich in -die komplizirten Verwickelungen vertiefte, ereignete sich ein sonderbarer, schwer begreiflicher Zufall. Auf dem Hofe, direkt vor dem Fenster des Herrn Thomas, hegann ein Leierkasten zu spielen. Der Justizrath fuhr zusammen. Wenn es wenigstens noch eine italienische Drehorgel mit angenehmen Flötentönen gewesen wäre, die hübsche Stücke spielte! Kein Gedanke! Der Leierkasten spielte ordinäre Walzer und Polkas, hatte eine Walze, die nicht ganz in Ordnung war, und benahm sich dabei so laut, daß die Scheiben zitterten. Der Eindruck war ein mächtiger. Der Justizrath wurde starr. Er wußte nicht, was er denken, was er beginnen sollte. In seinem Herzen erwachten wilde Instinkte. Er hegte gegen die Natur stillen Groll, daß sie ihn nicht König von Dahomey werden ließ, der das Recht hatte, seine Unterthanen zu todten, und er dachte daran, mit welcher Wonne er den Leiermann jetzt niederstrecken würde. Da aber die Menschen von dem Temperament des Herrn Thomas von frechen Projekten sehr leicht zu den schrecklichsten Thaten übergehen, so sprang der Justizrath wie ein Thier zum Fenster und beschloß, dem Leiermann die gröbsten Schimpfworte entgegenzuschleudern. Schon hatte er sich hinausgebeugt und den Mund geöffnet, um zu rufen: Du Faulpelz!" als er eine Kinderstimme vernahm. Er blickte hinüber. Das kleine blinde Mädchen tanzte im Zimmer Und klatschte mit den Händen dazu. Das blasse Gesichlchen war geröthet, der Mund lachte, und trotzdem rollten von den erloschenen Augen die Thränen wie Hagelkugeln herab. Die Aermste hatte in diesem stillen Hause noch niemals derartige Eindrücke erfahren. Wie herrlich erschienen ihr die falschen Leiertöne! Wie wunderbar war das Gebrüll der Trompete, die dem Rath beinahe einen Schlaganfall verursacht hatte! Als der Leiermann die Freude des Kindes sah. begann er obendrein mit dem schweren Stiefel den Takt zu treten und den Lokomotivenpfiff nachzuahmen. Gott! Wie schön er pfiff! In das Zimmer des Justizraths stürzte der treue Diener herein, der den Portier herbeigeschleppt hatte, und rief: Ich habe diesem Lumpen gesagt, gnädiger. Herr, daß er den Leiermann sofort hinausjagen sollte. Ich sgte ihm, daß er dafür bezahlt bekäme, daß wir einen Kontrakt haben Aber der Dummkopf! Er ist vor acht Taqen vom Lande gekommen und kennt unsere Sitten nicht. Jetzt kannst Du was hören" schrie der Diener, indem, cr den bestürzten Portier an der Schulter packte höre, was Dir der gnädige Herr Justizrath selber sagen wird!" Der Leiermann spielte bereits da? dritte Stück ebenso falsch und kreischend wie die beiden ersten. Das blinde Mädchen war berauscht. Der Justizrath wandte sich zum Portier und sagte mit seinem gewöhnlichen Phlegma, obgleich er etwas blaß war: Höre einmal, mein Lieber! Wie heißt Du denn?" Paul,' gnädiger Herr!" Nun, lieber Paul, ich werde Dir anderthalb Rubel monatlich zahlen. Weißt Du auch, wofür?" Damit Du nie einen Leierkasten in den Hof hineinlaßt, bemerkte der Diener eilig. Nein," saate Herr Thomas. Damit Du eine Zeit lang jeden Tag Leierkästen in den Hof hineinlaßt." wieder holte der Justizrath und streckte die Hände m die Taschen.

Ich vergehe Sie nickt!" bemerkte

der Diener mit dem Ausdruck verletzenden Staunens. Bist zu dumm, mein Lieber!" saate ihm Herr Thomas gutmütbig' Gcht jetzt zur Arbeit!" fügte er hinzu. er wiener und der Portler ainaen hinaus, und der 5(ustinatb bemerkte. wie sein treuer Diener seinem Kameraden etwas in's Ohr flüsterte und mit dem Finqer auf die Stirn matt. err A,yomas lacyene uno warf oem Leiermann ein Fünfkopekenstück zu, gleichsam zur Bestätigung der düsteren Äwthmaßungen seines Famulus. Sodann nahm er den Kalender, schlug die Liste der Aerzte auf und notirte die Adressen einiger Augenärzte. Als der Leiermann sich jetzt seinem Fenster zukehrte und zum Dank für das em; fangene Geldstück noch lauter zu stampfen und zu pfeifen begann. da hatte der Justizrath Muhe, seine Erregung zu unterdrücken; er nahm das Blatt mit dcn Adressen der Aerzte, ging hinaus und brummte: Armes Kind! Ich hätte mich längst darum bekümmern müssen!" R a s i r t e Goldmünzen. Auf die Anklage. M-Goldsiücke rasirt" zu haun, wurde George Heb, ein reicher Viehzüchter von Snohomis. Wash., in Haft genommen. Heß soll in der Weise operirt haben, daß er mitIst einer Maschine von dem Rande jedes GoldückeZ Gold im Werthe von etwa HO Eents abschnm. worauf er mittelst iner Feile der Münze wieder das gewohnt Aussehen gab. Die Maschine. womit Heß die Arbeit ausführte, ha! man gleichfalls gefunden. Man f:,': auch Goldschnikel im Werthe von $300. Nerven von Stahl scheint ein -gewisser John Mastrup in Eincinnati, O., zu besitzen, denn die stoische Ruhe, welche er anläßlich des plotzlichen Hinscheidens seines Bruders bewies, grenzt schon an's Unglaubliche. Sein Bruder Henry, der seit längerer Zeit leidend war, unternahm dieser Tage, nachdem er sich zum Schutze gegen die Kälte drei Anzüge angezogen, einen Spaziergang. John kehrte am Abend zurück und machte sich, da Henry noch nicht wieder eingetroffen war, nachdem er sein Abendbrot verzehrt hatte, auf den Weg. um ihn zu suchen. Er marschirte nach dem Steinbruch hinaus und fand dort, an einer schwer zugänglichen Stelle, seinen Brudertodt, in sitzender Stellung erfroren, auf. Der Kranke war wahrscheinlich von dem vielen Laufen müde geworden und hatte sich etwas ausruhen wollen, wobei er der grimmigen Kältc zum Opfer fiel und erfror. John machte der Polizei weiter keine Anzeige. sondern ging ruhig heim und legte sich schlafen. Erst gegen Morgen benack richtigte er die Polizei. John führte als Entschuldigung an, daß es bereit? dunkel war, als er die Leiche seine) Bruders auffand und daß ein Wagen jene Stelle doch nicht hätte erreichen können. Solidarische Student e n. Infolge kürzlicher Ruhestörungen auf der Ackerbauschule in Amhersi. Mass.. beschloß die Senior-Klasse, sich von der Schule zurückzuziehen. Vor kurzer Zeit wurden 30 Mitglieder der Klasse der unehrenhaften Aufführung im Schulzimmer für schuldig erklärt. Es wurde ihnen Gelegenheit gegeben, sich zu vertheidigen und für die Zukunft ein besseres Benehmen zu versprechen; sie unterließen es aber, da Lehrerkollegium in dieser Beziehung zufrieden zu stellen, und die Angelegenheit wurde dem Lehrer-Komite für Disziplin übergeben. Als Ergebnis? der Untersuchung wurde der Klasse befohlen, oc;.; Lehrerkollegium und dem Professor, in dessen Zimmer der Skan dal stattfand, öffentlich Abbitte zu.leisten. Dre' der Schuldigen wurden au? ein Jahr "lspendirt. Die Mitglieder der Klasse erhoben Widerspruch gegen die Suspcndirung, da sie ebenso schuldig seien, und in einer Versammlung wurde beschlossen, das College zu verlassen. In papierenemGewandc Die St. Louiser Polizei verhaftete un längst sechs Vagabunden in dem Nach!asyl der Heilsarmee wegen Radaumachens. Unter ihnen befand sich rn Vorbote des papiernen Zeitalters.' Er nannte sich Howard Stafford und behauptete, ein Zeitungsmann zu sein. Seine Socken, Unterkleider, Weste. Hemd und Schuhe waren aus Zeitungspapier angefertigt. Die Papiere, nen Schuhe waren, um sie besser gegen Nässe schützen zu können, mit Sacktuch umwunden. Hose und Rock waren auiKleiderstoff angefertigt, aber stark ab getragen. Auf die Frage, ob er in seiner papierenen Kleidung nicht friere, erwiderte Stafford lächelnd: Ich bin kein Narr und habe schon in der Schule gelernt, daß Papier die Wärme länger bewahrt, als andere Stoffe. Ist man in einem .papierenem AnZuge' einmal warm geworden, so kann die Kälte kaum hindurchdringen und man fühlt sich so behaglich, wie an einem schönen Maitage." " Die Pariser Universttat,- vle ve. kanntlich sehr se ien den Doktorgrad verleiht, machte Mlle. Louise Poillon als erste Frau zum Doktor der sch'önen Künste. Mlle. Julia Cartier. Graduirte der Universität Genf, zum Doktor der Literatur. Die Doktorarbeit der Mlle. Cartier hat das interessante Thema: Görard de Nerval, ein Ver. mittler zwischen Frankreich u. Deutsch-land.

Europäische Nachrichten.

Wyeinpfcirz. S p e y e r. Im Mai v. I. verunglückte auf dem hiesigen Bahnübergang eine Hochzeitsgesellschaft aus Lachen-Speyerdorf, wobei fünf Personen den Tod fanden. Durch Reichsgerichtsentscheid wurde nun die Pfalzbahn endgültig verurtheilt, für jeden der Getödteten 27.000 Mark Entschädigung an die Hinterbliebenen zu zahlen. A l s h e i m. Der wegen seiner Herzensgüte und seines leutseligen Wesens allgemein beliebte Ackerer Johs. Koob fiel so unglücklich die Stiege herab, daß er sich einen Schädelbruch zuzog. Der Schwerverletzte, welcher viele Jahre lang dem hiesigen Presbyterium angehörte, ist gestorben, ohne noch einmal das Bewußtsein erlangt zu haben. Frankenthal. Seinen Verletzungen erlegen ist im hiesigen Spital der Tünchermeister Simon Wind, der sich in einem Anfalle von Schwermuth mit einem Revolver in den Kopf geschössen hat. Herschweiler. Einen schweren Unfall erlitt im hiesigen Steinbruch der Arbeiter Zimmer von Oberweite? i. T. Nach Heidelberg verbracht, wurden dem Verunglückten beide Beine abgenommen. Ludwigshafen. Der hiesigen Polizei ist es gelungen, den Mörder des Maurers Martin Schiffer in der Person des erst 16jährigen Fabrikarbeiters Adam Ihrig von hier dingfest zu machen. Silz. Kürzlich wurde der 60 Jahre alte Händler Peter Allmann von hier in der Nähe von Gossersweiler todt aufgefunden. Allmann ist wahrscheinlich auf dem Rückweg von Annweiler vom Wege abgerathen und hat dann durch einen unglücklichen Fall seinen Tod gefunden. Elsaß-Lothringen. Straßburg. Der Kaiser von Oesterreich hat dem preußischen Oberleutnant Lohmüller im 3. unterelsässischen Jnfanterie-Regiment No. 138 das Ritterkreuz des Franz JosephOrdens verliehen. E r st e i n. Der Sturm wehte den Briefträger Koch, der sich auf dem Dienstwege befand, hier in den RheinRhonekanal. Der Beamte ertrank. Metz.. Der Bahnwärter Frieders zu Diedenhofen hat durch fein entschlosscnes Verhalten verhütet, daß ein Fuhrwerk überfahren wurde. Es ist ihm deshalb eine Belohnung von der Reichseisenbahnverwaltung bewilligt worden. Z a b e r n. Eine traurige Messerstccherei, die den Tod zweier junger Männer zur Folge hatte, beschäftigte die hiesige Strafkammer. Am 2. October gab es in einer Wirthschaft - in Wolf Freibier und es wurde dem Alkohol mächtig zugesprochen; in später Stunde entstand zwischen den fcindlichen Familien Hüller und Kiener ein Streit. Eine Hauptrolle bei der Schlägerei spielten die beiden Angeklagten, der Bannwart Baptist Müller und der Ackcrer Barnabas Müller. Wenige Tage nach der Schlägerei erlagen zwei der Verletzten ihren Wunden. Wer die tödtlichen Stiche den beidenOpfern beigebracht hatte, konnte nicht ermittelt werden. Die beiden Angeklagten wurden daher nur wegen Betheiligung an einem Raufhandel zu 6 Monaien bezw. 1 Jahr und 9 Monaten verurtheilt. Leckren bürg. Schwerin. Sein 60jähriges Dienstjubiläum feierte hier der Kirchenrath Wilhelm Jung-Lübtheen. Der Jubilar ist im Jahre 1830 in Plau geboren, ftudirte Theologie und wurde l am ö. Januar iödd suorettor ?n Ludwigslust. Badendiek. Dier vierjährige Vohn des ArbeilSmanneZ HSppner erlitt so schwere Brandwunden, daß bald darauf der Tod eintrat.. G r a n z i n. Hier brannte das Gehöft des Krügers Klüssendorf ab. M a l ch o w. Der Sohn des Fischers Pohlmann wurde in seinem Kahne todt aufgefunden. Neustrelitz. Das Privatier Adler'sche Ehepaar beging das Fest der goldenen Hochzeit. Der Großherzog ließ durch Pastor Neinhold dem Jubelpaar sein Bild überreichen und seine Glückwütische aussprechen. T e s s i n. Das zweieinhalbjährige Töchterchen des Arbeiters Schildt kletterte während der Abwesenheit der Mutter auf den Feuerherd. Die Kleider der Kleinen fingen sofort Feuer. Das arme Kind starb infolge der erlittenen Brandwunden. Warnitz. Der hiesige Landbriefträger Friedrich Vick wurde von einem Eifenbahnzug überfahren und getödtet. Wesenberg. Letztens starb der älteste männliche Einwohner unserer Stadt, der im 90. Lebensjahre siehende Schuhmachermeister - Fritz Lücking. Der Verstorbene war seit einer Reihe von Jahren Obermeister der hiesigen freien Schuhmacherinnung. Hrdenöurg. Oldenburg. Das Concursverfahren über das Vermögen des hiesigen Bankiers Wilhelm van BadenVruns, des alleinigen Inhabers der Firma Oldenburgifche' Vercinsbank Bruns u. Co., ist nach erfolgte? Schlußvertheilung aufgehoben wor

den. Die Erinnerungen an eine der unseligsten Thaten wird dadurch wieder wach. Wilhelm van Baden-Bruns erschoß, wie noch erinnerlich sein dürfte, am 16. April 1902 den Oberamtsrichter Becker und wurde vom Schwurgericht nach mehrtägiger VerHandlung zu zwölf Jahren Zuchthaus und zebn wahren, Ebrverlust verurlyeilt. &ie GejHworenen yatten nur vorsätzliche Tödtung angenommen und die Frage, ob der Angeklagte die That mit Ueberlegung ausgeführt hatte, verneint. Der Vater des Verurtheilten, der bei ihm Prokurist geWesen war, erhielt später wegen Concursvergehens eine längere Gefängnißstrafe. B e r s ch w e i l e r. Der Landtagabgeordnete Lajendecker von hier und Niederhoscnbach im Fürstentum Birkenfeld ist im 64. Lebensjahr gestorben. E u t i n. Das seltene Fest der diamantenen Hochzeit feierten die Eheleute Altersrentenempfänger Joachim Tews und Frau Hierselbst. Der GroßHerzog verlieh dem Jubilar aus diesem Anlaß die goldene Ehejubiläumsmedaille und die Bibelgesellschaft für das Fürstenthum Lübeck ließ eine Prachtbibel überreichen. Petcrsfehn. Arbeiter Nordorf, der bei dem Wirth Buttermann in Arbeit stand, fiel beim Heuabwerftn vom Boden durch die Luke auf die Diele und brach das Genick. Der Bedauernswerthe starb auf der Stelle. W i e f e l s. Opfer des Eises wurden die beiden Knaoen des Leyrers Willen und der Wittwe Hinrichs hierselbst. Sie brachen beim Schlittschuhlaufen durch's Eis und sind leider ertrunken. Z?rcie Stcidre. Hamburg. Baron von' Emden, ein Neffe Heinrich Heine's, ist im Alter von 78 Jahren hier gestorben. Verstorben ist das, am Neuen Steinweg 10. Hinterhaus, bei den Eltern wohnende 11jährige Schulmädchen Weselsw. Das Kind war bei dem kürzlich hier herrschenden Sturme von einem umgewehten Schornstein, der das Dach durchschlug und in die Wohnung stürzte, schwer verletzt worden und befand sich feit dieser Zeit im Krankenhause. Jetzt ist das Kind den Verletzungen im Krankenhause erlegen. Bremen. Auf ein fünfundzwanzigjähriges Bestehen konnte kürzlich das Institut der hiesigen Flußlotsen, welcher den Lotsendienst zwischen hier und Bremerhaven versehen, zurückblicken. Ertrunken ist der Leichtmatrose Wilhelm Unnasch aus AltWarschow, der an Bord des Dampsers Kaiser Wilhelm II." in Bremerhaven bedienstet war. u o z a. Jur rmrccrullg un , nen vor 40 Jahren erfolgten Eintritt in das väterliche Geschäft hat Juwelier . Georg Schwartzkopf Hierselbst für den Silberschatz des Senats einen großen prächtigen, silbervergoldeten MünzPokal mit Untersatz gestiftet. Der Senat hat das Geschenk mit herzlichem Dank entgegengenommen. Der Pokal hat dadurch einen besonderen Werth, daß an ihm alle Arten alter Lübecker Silbermünzen im Betrage von 1 bis 48 Schillingen angebracht sind. Schiffsmakler Gaedertz hinterließ der Stadt 800,000 Mark zu Wohlthätigkeitszwecken. Schweiz. Bern. Leopold Wölsling. früher Erzherzog Leopold, der seit zwei Jahren zurückgezogen am Zuger See lebt, will nunchweizer Bürger werden und hat deshalb hier Unterhandlungen angeknüpft, die wahrscheinlich zum Ziele führen.. Wölfling ist letzthin auch Mitglied der SridtschützenGesellschaft in Zürich geworden und besuchte einige Vorlesungen am dortigen Polytechnikum. Im Alter von ungefähr 70 Jahren ist hier Louis E. Gauchat gestorben. Er war seit vielen Jahren Civilstandsbeamter in unserer ?tadt und Mitglied des Munster - Kirchengemeinderaths, früher Lehrer der französischen Sprache an der Mädchensekundarschule und ein hochgebildeter und in allen Kreisen beliebter Bürger. Altstätten. Der hiesige aus Prien am Chiemsee gebürtige Pfarrvikar, Georg Adamer,' wurde unweit Ringlikon erschossen und beraubt aufgefunden. Nach Ermittelungen war der Vikar Nachts von einem unbekannten Burschen gebeten worden, er solle dessen schwerkranken Mutter in Ringlikon die letzte Wegzehrung bringen. Auf dem Wege scheint dann der Raubmord begangen worden zu sein.' Die Kranke war fingirt. Von dem Thäter ist keine Spur vorhanden. Biberstein. Vor einiger Zeit tödtete der 19jährige Konditor Emil Dürr aus Stuttgart seine Geliebte, die 21jährige Frida Häuptle, und erschoß sich darauf selbst. Die beiden wären im gleichen Geschäft in Zürich thätig und besuchten die Eltern des Mädchens, welche die Einwilligung zur Heiraih verweigerten. Genf. In seinem Zimmer ermordete der Hotelsekretär Robert Henneberger, dessen Familie in Lausänne wohnt, seine Geliebte Marie Ccllier geb. Carreau, deren Familie in Ouchy wohnt, und entleibte dann sich selbst. Als Motiv der That wird Subsistenzlosigkeit angegeben. W o h l e n. Hier verstarb der 72jährige Pfarrer Nietlispach, nicht residirender Domherr und Dekan, seit 1875 Pfarrer unseres Ortes und einer der hervorragendsten Mitglieder des

' Klerus im Bistbum Basel.

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