Indiana Tribüne, Volume 28, Number 168, Indianapolis, Marion County, 9 March 1905 — Page 3

Jndkana Tribüne, S. März 1903.

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Japaner tnumphuen. General Kuropattin muß seine Stellung bei Mulden ausgeben. Der russische rechte Flügel umgangen. Japaner bereits nördlich von Mulden. Russen verbrennen ihre Vorräthe. Die russische Pacisic-Flotte fährt zurück. Prinzessin von Sachsen-Koburg klagt. Sorgen des Kaisers Franz Joseph.

Niederlage. St. Petersburg, 9. März. 3 Uhr Vorm. Die Schlacht bei Muk den hat mit einer russischen Niederlage geendet. Feldmarschaü Oyama hat sich wieder als großer Statege erwiesen und Gen. Kuropatkin ist dabei, seinen Rus als Meister im Rückzüge zu wahren. Sein Ziel ift der Tie.Paß, wo schon lange eine Stellung für diesen Nothfall vor. bereitet ist. Die Aufgabe des russischen OberbefehlShabeaS ist weit schwieriger, als die am Liao.Jlusse, da er jetzt auf beiden Flanken bedroht ist. Doch trauen ihm hiesige Militärs die Fähig. seit zu, die Aufgabe zu lösen; auch hoffen sie, daß die japanischen Truppen zu ermüdet find, um eine energische Verfolgung aufzunehmen. Man nimmt jetzt an, daß die De pesche, welche der Zar Dienstag von Ku ropatkin erhielt, bereit den Rückzug anmeldete. Derselbe ist das Resultat von Oyoma's geschickter Umgehung deS rechten russischen Flügels. Kuropatkin wollte sich zurückz'ehen ohne sich auf einen großen Kampf ein zulaffen, aber er wurde von den Ja panern dazu gezwungen. - Die große Frage ist nun, ob Oyama das Netz schon so fest zugezogen hat. um Kuropatkin an einem Rückzüge nach dem Tie'Paffe zu verhindern. Andern falls Wird der Sieg Oyama's keine volle Frucht tragen. Daß Kuropatkin iut Oberbsfebl ab' gelöst wird, gilt als sicher. Als wahr schemliche Nachfolger werden der gegen wärtige Kriegsminister Sakharoff und auch Großfürst Nikolaus Michaelovitch genannt. Kuropatkin geschlagen. r. r nm u m - o ij langte Nachrichten zeigen an, daß Ku. n t t n . njian. jnipr auai ropatkin in der blutigsten Schlacht des gegenwärtigen Krieges entscheidend ge schlagen wurde. Japanischer Sieg. Washington, 8. März. DaS StaatZ.Departement t ojnM von Tokio benachrichttgt worden, daß die Japaner vor Mukden einen großen Sieg erfochten haben und daß die Ruffen m vollem Rückzüge Nnd. Mukden bedroht. Mukden, 8. März, 4:30 Vorm. Die Japaner gussen letzte Nacht die russischen Stellungen nördlich von Mukden an und zwanaen die Ruffen mYPfiimthtn Die Japaner konzentriren ihre Kräfte auf der Westfront. DieZ mag die letzte TeveiSe von Mukden sein, da die Telegraphenlinie in Gefahr ist. zerstört zu ftiritn. Die Schlacht ist in vollem Gange. . Mukden, 3. März. 4:30 Vorm. Die russische Armee räumt ihre Stellungen südllch von Mukden. Mukden. 8. März. 5 Uhr Nachm. Die russische Armee verläßt ihre Stellungen südlich und südöstlich von Mukden. Der Himmel ift von den Flammen brennender Vorrathshüufer geröth:t. Der Rückzug erfolgt in perfekter Ordnung; die Ruffen schlagen die Angriffe der verfolgenden Japaner ab. Der Rückzug würd: unvermeidlich v v a ir . . w -n durch die starke Eorcentrirung der Ja v v ... ? paner westlich und nordwestlich von Mulden .ftin die Japaner große Maffen von lhrer Südsront geworfen haben, um General Nogi zu verstärken. Die Ruffen halten noch ihre Stellung bei Madyapu, wo jeden Augenblick ein heftiger Angriff erwartet wird. Gint Vlmnon Japaner m nord j von Mukden. auf den Höhen westlich hnn her fSnfsipM PitrtHnn ??si?n?n Die Vorkehrungen der Japaner für den Transport von Munition längs ihrer langen Front werden von rufstschen Offizieren für großartig erklärt. Kuropatkin' Fehler, 5 !. 2W r 8 fi li r i . fi. 5N??,. l5Zn s.5. w Vhtlfc.U., Vfc. VfcVVl VWtt Vfc U 44. gwrückkehrte, sagte dem Vertreter der Ass. Presse. Kuropatkin's Fehler als Ober. befehlSdaber feien feiner bureaukratischeu Ausbildung zuzuschreiben und seinem Wunsche, alle Zügel inderei genen Hand zu halten. Anstatt sich

auf das Urtheil seiner KorpZkommandanten bei der Ausführung seiner Be fehle zu verlassen, habe er dieselben zu Ordonanzen gemacht, welche seine Be fehle an die Truppeneinheiten zu der Mitteln hatten. Das Genie eines Napoleon." sagte der General, hätte , nicht hingereicht,

die Aufgabe zu lösen, die Kuropatkin sich selbst gestellt hatte." Ueber denHun-Fluß. Tokio, 8. März. Die Japaner nahmen letzte Nacht Towankamper auf dem rechten Ufer des Hun-FlusieS. Sie erbeuteten große Vorräthe, welche die Ruffen bei ihrer eiligen Flucht nicht zerstören konnten. Der Vormarsch der Japaner ist sehr rasch; sie wollen den demoralifirten Ruffen nicht Zeit geben, sich wieder zu sammeln. Die Be setzung der Bahn nördlich und südlich von Mulden wird die Schlacht beenden, Die japanischen Pioniere benutzen das Eis und bauen bereits mehrere Brücken über den HunJluß. Die Eisdecke ist fest genug, um Ge schütze zu tragen. Die chinesische Bevölkerung hat schwer gelitten; viele Dörfer sind durch das Granatfeuer niedergebrannt. Mackuntan erobert. Tokio. 3. März. Aus dem Haupt. quartier in der Mandschurei wird gemeldet: Unsere Truppen trieb den an Zahl überlegenen Feind heute Morgen um 3 Uhr auS seinen Stellungen bei Ma chuntan, südöstlich von Mukden, und verfolgen ihn nordwärts. Gen. K a u l b a r . Mukden, 7. März. In dem ge waltigen Kampfe westlich von hier han delte es sich heute speziell um die Dörfer Ulhunun und Tatchekiao. Die Schlacht blieb unentschieden, aber die Japaner haben ihre Umgchungskolonnen weiter nordwärts geschoben. Die letzte Nacht war österö durch Infanterie- und Geschützfeuer unterbro chen worden; bei Tagesanbruch begann der Angriff auf die beiden Dörfer, wejfle zwischen Tamarinden - Hainen, die jetzt entlaubt sind.eingebeltet liegen. Die Häuser haben meistens dicke Mau ein und die Dörfer sind mit Thonwällen umgeben, die von Gewehrkugeln nicht durchschlagen werden. Es war sehr tö an diese Dörfer heranzukommen unb cbe5 cin3elnc au5 mußte mit dem Bajonett genommen werden. Das japanische Geschützfeuer verwandelte die Dörfer in Trümmerhaufen, die Ruffen wurden auZ Ushuntun getrieben. Nach0em !" ncr,iarrungen eryauen yarren erneuerten sie den Angriff unter den Augen des General Kaulbars. Derlbe erschien stets mit seinem Stäbe. wo der Kampf am Heftigsten war; er mm fiestm be geln gefeit zu sein. Schützen deployirten wie auf dem Exerzier - Platze. Mochten auch die Schrapnels Lücken in ihre Reihen reihn pc stürmten ohne einen Schuß abfeuern vorwärts, eroberten das Dorf unö ,üZten gegen die feindlichen 6lan jeu Um 4 Uhr Nachmittags hatten sich die Ruffen in ihren Stellungen festge letzt und Gen. KaulbarS ritt weiter. Die Japaner landten ihm eine Salve aus ihren Geschützen nach , ur ü. I t 7 w v Tatchkiao blleb in den Händen der Jgper Russischer Rückzug. 0 Gen. Kuroki's Haupt. quartier, 8. März. Unter dem Schutze der Dunkelheit räumten letzte Nacht die Ruffen ihre ganzen Stellun fl en ßm Shake-Fluffe. Sie befinden sich in vollem Rückzüge nach Norden. Die Japaner sind ihnen dicht auf den Fersen. Gen. Kuropatkin verbrannte viele Vorräthe, bevor er abrückte. Der Fall von Mukden ist nur noch die Frage !ur3!r Die russische linke Flanke wird eben . . , stn3 ai! tmn&-Russische-Linkebedroht St. Petersburg, 8. März, 2:45 Uhr Nachm.- Die Ass. Presse ist in der Lage positiv zu erklären, daß die Gerüchte Gen. Kuropatkin's Rück

zugslinie sei abgeschnitten, unbegründet

sind. Aus guter Quelle verlautet, daß die linke Flanke der Ruffen in großer Gefahr schwebt. Da eS den Generalen Oku und Nogi gestern nicht gelang, den russischen rechten Flügel zu schlagen, hat Feldmarschall Oyama seine Kraft gegen den linken Flügel gerichtet. Gen. Kuroki ist eS gelungen, einen Keil zwifchen Gen. Linevitch'S Hauptarmee und Gen. Rennenkampf'S Korps zu treiben. das die äußerste Linke bildet. Rennenkamps'S Korps soll in großer Gefahr sein abgeschnitten oder gar umzingelt zu werden. Autokratische Ansicht. St. Petersburg, 3. März. Aussehen erregt ein Leitartikel der MoS tau-Gizette, des Mundstückes der Autoeratie, in welchem erklärt wird, die gegenwürtige Rebellion im Innern müffe sofort durch die Mittel unterdrückt werden, die Gen. Murawiew bei der lithauischen und polnischen Rebellion im Jahre 1863 angewendet habe. ES würde ein bedauernSwertheS Opfer von Menschenleben sein," heißt eS in dem Artikel, aber hundertmal geringer jetzt, als bei einer Fortdauer der Rebellion, wenn eS nothwendig wird, entscheidende Schritte zu thun. Kaifergräber in Gefahr. Mukden, 8. März, 10 Ubr Vorm. Eine heftige Kanonade nordwestlich von Mukden macht die Mauern der Häuser zittern. Ein Kampf ist bei den Kaisergrübern im Gang. Russische Flotte zurück. Paris, 8. März. Eine Depesche an den TempS" von Tananarivo, der Hauptstadt Madagascar's. meldet, daß die gesammte russische Flotte aus jenen Gewüffern nach Jubitil. Französisch Somaliland, abgefahren ist. DieRückkehr der russischen P a c i s i c s l o t t e. H a m b u r g, 8. März. In hie sigen Rhederkreisen war man nicht er staunt über die Umkehr des russischen PacisicgeschwaderS nach dem Rothen Meer, da verschiedene Anzrichen darauf hindeuteten, daß die russische Regierung bezüglich des Versuches, die Flotte nach ogasiatischen GewSffern zu schicken, un entschlossen war. Der Dampfer St. Nikian", der mit Kehlen für das Geschwader nach Batavia unterwegs war, wurde von RußGeneral AkFej Nikolajewitsch

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land zurückbeordert. Ferner wurde die

Absicht der russischen Regierung dadnrch angedeutet, daß sie den Handel Über Schiffe der Hambu:gAmerika Linie rückgängig machte. Streik. Warschau, 8. Mürz. Nachdem nun der Streik in der Hauptsache vorüber ist, kommen die Arbeitgeber zu dem Schlüsse, daß die Konzessionen, welche sie gemacht haben, eine zu schwere Last für sie sind. Die Wiener Bahn hat nach genauer Berechnung gesunden, daß sie bei den neuen Löhnen jährlich 8490,000 mehr zahlen muß anstatt $375.000, wie sie annahm Die Stadt im Allgemeinen ist ruhig, wozu die Ernennung des neuen GeneralgouverneurL Maximovitch viel beitrügt. T i f l i S. 8. März. Eine Untersuchung hat ergeben, daß die kürzlichen Ruhestörungen zu Baku von dem armenischen Revolutions-Komite herbeige" führt wurden. Eine Anzahl Verdächtiger ist verhaftet worden, darunter ein Mitglied des internationalen RevolutionSkomiieS und 2 Frauen, bei denen Proklamationen gefunden wurden, die eine Verschwörung gegen die Regierung verriethen. St. Petersburg, 8. März. Die Arbeiter in dem Baltischen Schiffsbauhose sind an Streik gegangen, weil 3 ihrer Repräsentanten zu der Arbeiterkonserenz verhaftet wurden. Der Direk tor droht die Werke zu schließen. Grokbritannien. Fürst von Bulgarien. London,. März. König Ed. ward verlieh heute dem Fürsten von Bulgarin, der am 6. März hier ankam, das Großkreuz des Bath-OrdenS. Palästina. Heilsarmee. Jerusalem, 8. März. Gen. Booth von der Heilsarmee ist hier eingetroffen. Er will eine Anzahl Versammlungen halten. Die Pforte hat die Lokalbehörden angewiesen, den tür kischen Unterthanen die Theilnahme an diesen Versammlungen zu verbieten. Deutschland. Schreckensscenen in B a k u. Berlin, 8. März. Immer schlimmer lauten diePostnachrichten über die Vorgänge in Verbindung mit den

Kuropatkin, der Commandeur der vor Mukden geschla genen russischen Streitkräfte.

türzlichen Strike- und Arbeiterwirren in Baku, der russtschkn Kriegs- und Handelshafen - Stadt am KaSpischm Meer. Besonders in der Schwarz? Stadt" dem Mittelpunkt der Pctroleum.Jn'

dustrie des Gouvernements Baku, haben sich furchtbare Szenen abgespielt. Nach hier aus St. Petersburg eingegangenen Privatmelduugen beträgt die Zahl der Opfer der Bakuer Metzeleien annähernd tausend. DaS Verhalten der Behörden den dortigen blutigen Unruhen gegenüber gilt als typisch. Hier ist die Ansicht vorherrschend, daß die Regierung die gegenwärtige Bewegung, nicht nur in Baku, sich austoben lassen will, bis sie in sich selbst zusammenbricht. So lange nur das staatliche Eigenthum nicht bedroht ift, verhalten die Behörden sich apathisch, und darum hätten die Militärbehörden auch in Baku den dort der übten Grausamkeiten unthätig zugesehn. UeberStudententhum in Amerika. Berlin. 8 März. In Gera hat Profeffor Rein die Resultate seiner eisrigenStudien bei seinem längeren Aufenthalt in den Vereinigten Staaten in einem interessanten Vortrag in Gera niedergelegt. Der Professor sprach über Amerikanisches BildungSwesen". Ein großer Vortheil, so führte der Vortragende aus, bilde das in Amerika befolgte gemeinsame ErziehungS-System. Wenn auch der Einwand, daß diese gemeinsame Erziehung beider Geschlechter mit der Abnahme der Eheschließungen etwas zu thun habe, nicht kurz von der Hand gewiesen werden könne, so em pfehle eS sich doch für Deutschland, das System einmal auSzuprobiren. Prinzessin Luise klagt. Dresden, 8. März. Die Prinzessin Luise, Gemahlin des Prinzen Philipp von Sachsen Koburg und Gotha, deren Eskapaden mit dem Gra fen Mattachich bekanntlich ihre Entmündigung und Jnternirung in dem Sanatorium des Sanitätsraths Dr. Pierson bei Dresden zur Folge hatte und deren Flucht aus Bad Elster im verflossenen Sommer so viel Staub auswirbelte, macht wieder von sich reden. Wie die Bläter melden, hat sie nicht nur gegen Dr. Pierson, sondern auch gegen die sächsischen Aerzte; welche sie seinerzeit für geisteskrank erklärten, die gerichtliche Strafanzeige wegen Freiheitsberaubung erstattet. Daß ein sächsischer Staatsanwalt die Sache aufnehmen wird, ist kaum anzunehmen.

Streik

Auf New Bork's Strabenbahnen. New I o r k. 8. Mürz. Eine be. deutende Besserung des Betriebes der Untergrund und der Hochbahn war heute zu bemerken, besonders auf 'erste, rer zur Zeit des stärksten Andranges. ES kamen keine Unordnungen vor und nur einige geringfügige Unfälle. Die Beamten der Jnterborough.Eo. behaupten, die Sachlage zu controlli ren und in einigen Tagen den Betrieb vollständig in Ordnung zu haben. Nach ihrer Angabe haben sich 50 Procent der Streiker bereit erklärt, die Arbeit wie. der aufzunehmen, und 40 Procent der Motorleute sind bereits zurückgekehrt. Dies wird vom Präsidenten Pepper vom Verbände der Bahnangestellten entschieden beftritten. In den Werbe.Bureaux der Jnter borough-Eo. wurden etwa 250 Leute ' angenommen. ES waren heute Abend Gerüchte in Umlauf, daß die Streiker erwarteten, die Arbeiter in den Maschinenhäusern zu einem Sympathiestreik überreden zu können. Dies würde den Betrieb auf allen Linien sofort unterbrechen. Obgleich die Untergrundbahn gut funktionirte, benutzten heute Abend die Theaterbesucher meistens die Straßen linien. Wahrscheinlich war dies eine Folge des gestrigen Unfalles auf erste rer Bahn. New York, 8. Mürz. Die Beamten deS Verbandes der Straßen, bahnangestellten und der Lokomotiv. sührer haben Mayor McClellan auf dessen gestriges VermittelungSanerbie ten geantwortet, daß sie willens find irgend einen Vorschlag in Erwägnng zu ziehen, der eine freundschaftliche Bei legung deS Streiks bezweckt. Die Antwort der Straßenbahngefell schast behandelt die Stellung derselben sehr eingehend und lehnt schließlich das Anerbieten des MayorS ab. Die Konserenz zwischen Präsident Mahon vom Verbände der Straßen, bahnangestellten und anderen Arbeiter, führern, Dauerte fast den ganzen Tag. Am Ende derselben wurde erklärt, daß nichts EndgiltigeS beschlossen worden sei. Cisenbahnrabatte. T o p e k a, KanS.. 8.'März. Müh. rend deS JahreS das mit Juni 1902 endete, zahlte die Atchison, Topeka & Santa' Fe - Bahn an Versender ' $1,98.352 zurück, wie im Kreuzverhör vor dem Generalanwalt vom Auditor der Bahn bekannt wurde. Der General'Anwalt hat nämlich eine Untersuchung eingeleitet um zu er Mitteln, ob genannte Bahn das staat liche Anti'Trustgesetz verletze. Er ift der Ansicht, daß genannte Rückzahlun gen Rabatte sind. Bestrafter Kindersegen. N e w I o r k. 8. Mürz. Als Rich. ter Worcester gestern Vormittag seinen Sitz im dreizehnten Municipal-Gericht am Eaft Broadway einnahm, wäre er beinahe dem Stuhl gefallen, als er fünf Frauen auf sich zukommen sah, von denen jede von einem Dutzend Kinder begleitet war. Se. Ehren hatte augenscheinlich die Morgenblütter noch nicht gelesen, die von dem Miniatur.Riot in No. 3 Goerck Str. berichtet hatten, weil der Besitzer drö betreffenden HaufeS für jedes neuankommende Kind eine Stei gerung der Miethe um einen Dollar pro Monat angeordnet hatte. Fünf Frauen, welche sich geweigert hatten, die CitraMiethe für den Kin derfegen zu bezahlen, waren deshalb aufgefordert worden, auszuziehen, und Cxmissionsbefehle waren ihnen zuge. stellt worden. Richter Worcester ließ gestern zu nächst die Kinderschaar in ein Neben, zimmer bringen und erklärte dann den erregten grauen, daß er nicht im Stande sei ihnen zu helfen, da sie ent weder die Miethe bezahlen oder au, ziehen müßten. Gouverneur ö'Conte st. Denver, Col., 9. März. Die heutigen Verhandlungen der LegiZla tur in gemeinsamer Sitzung scheinen Stimmengleichheit in dem Gouver neurSContest anzudeuten. Es haben bei einerProbeabstimmung 20 Republi kaner mit den Demokraten gestimmt. Diese Republikaner sollen entschlossen sein zusammenzuhalten, um ViceGou verneur Jeffe A. McDonald als Gou. verneur einzusetzen. Es sollen 41 Re publikaner vorhanden sein, auf die Peabody sich verlaffen kann, d. i. aber 5 weniger wie die Majorität. DaS de mokratische Votum von 31 Stimmen bei gemeinsamer Sitzung wird für Gouv. AdamS abgegeben werden.