Indiana Tribüne, Volume 28, Number 167, Indianapolis, Marion County, 8 March 1905 — Page 3
Jndlana Tribune, 8. März I93.
3
Riesen-Strelk
Der Straßcnbahn-Angcstclltcn stört das Geschäfts" Leben New YorZ's. Der Senat verhandelt über den Vertrag mit San Domingo. Dorf in Minnesota abgebrannt. Scnatorwahl in Missouri. Carneval in New Orleans.-Abenteuer eines Richters ans Ccbu. Zoll-Einnah-men von Erhibits der St. Louiser Weltausstellung.
Streik. New Jork, 7. März. Viele Ge. schaste in der Stadt wurden heute früher geschlossen, um es den Angestellten zu ermöglichen nach Hause zu kommen. Der erste des Streiks brachte eine Kollision, bei der Niemand getödtet. aber 29 Personen verletzt wurden, noch einige kleinere Unsälle waren Folgen de abnormen Verhältnisse. Auhegö' rungen find keine vorgekommen, wenn auch einige Wagen mit Steinen bewor sen wurden. DieUnbequemlichketten für daZPubli. kum wurden durch nassen Schnee dermehrt, der am Nachmittage zu fallen begann. Der Dienst auf der Hochbahn und der Untergrund.Bahn war nicht eingfteellt, aber stark gestört, besonders auf den Linien der ersteren in den Boroughs. . Eine große Anzahl Polizisten bewach, ten die Züge und Stationen der Untergrundbahn. Der Verkehr wurde bis zu dem Unfälle an 23. Straße ziemlich gut aufrecht erhalten. Die Unterbrechung dauerte nicht lange. Der Unfall bestand darin, daß ein Zug auf den vorausgegangenen stieß. Die Lichter des vorderen gingen aus und einige Augenblicke herrschte eine schreckliche Panik. Die Feuerwehr arbeitete über eine Stund,' bis sie alle Personen au? den Trümmern befreit hatte. Unter den Schwerverletzten sind: JameZ A. Alexander, Verkäufer; Sa muel Austin; Edward 23. Bohmke, Polizist, befand sich zum Schutze des MotormanneZ auf dem zweiten Zuge; Samuel T. Bradford, ein Wächter auf dem ersten Zuge; Joseph L. Cohen; C. E. JameS. Polizist, zum Schutze der Angestellten des ersten ZugeS commandirt; Henry O. Dinger, Matonah, N. Z).; JameS Fizz, farbiger Bedien steter; Edward Nuremburg, Mamore neck, N. Y.; Samuel Oeftreicher; Ri chard F. Taylor; Frau Rose Weyrich. Schulter ausgerenkt. New I o r k, 7. März. Das Exe kutiv-Komite der Jnterborough Rapid Tranfit Co. erließ heute eine Erklärung in der es heißt : Das Komite glaubt, daß die Löhne dieser Gesellschaft höher sind wie an irgend einer ähnlichen Bahn im Lande und daß die Arbeitsstunden ebenso kurz oder kürzer sind. DaS Komite fühlt, daß es sich nicht um Lohn oder ArbeitSftunden handelt sondern darum, ob die Leitung der Gesellschaft die die Sicherheit des Publikums involvirt, in den Händen der Beamten bleiben soll oder nicht." DaS Komite erklärt ferner, sobald die genügende Zahl kompetenter Leute gesichert sei, werde sie keine Leute an stellen, die ihre Plätze aufgegeben hat ten. obgleich die Gesellschaft alle Bedingungen der bestehenden Vereinbarung eingehalten habe, dagegen werde die Treue der Leute, die im Dienste geblieben seien, anerkannt werden. Unter den Nicht'Unionleuten, welche Züge bemannten und in den Ticket Offices beschäftigt waren, befanden fich viele Studenten von Columbia College. Generalmajor ChaZ. F. Rose, wel cher die Staatsmiliz von New Jork commandirt. hat Mayor McClellan die Dienste derselben zur Aufrechterhaltung der Ordnung angeboten. Der Bür. germeifter verwies ihn an Polizeicom missär McAdoo. -Der Letztere dankte dem Generalmajor und sagte, er halte die Polizei für vollständig genügend, die Situation zu beherrschen. N e w I o r k , 7. März. Die Po. lizkl berichtete, daß bei einer Collision auf der Untergrundbahn an der 4. Ave. vier Personen getödtet und dreißig verletzt wurden. New York, 7. März. Die Verkehrsstörung wurde während des Nachmittags so ernst, daß Mayor M Clellan sich veranlaßt sah, in Briefen an die Bahngesellschaft und an die Be dicnsteten seine Vermittelung zur Beilegung der Differenzen anzubieten. Antuurten sind von beiden Seiten erst morgen zu erwarten. Betriebsleiter Hedley sagt, die Ge
sellschaft sei vorbereitet, den Dienst auf allen Linien aufrecht zu . erhalten und zu verbessern. Er verfügt über 700 bis 800 Streikbrecher und kann angeblich mehr haben. GomperS nach New Jork. Washington, 7. März. Samuel Gompers, Präsident der amerikanischen Föderation of Labor ist heute nach New Jork' abgereist, um seine Dienste zur Beilegung deö dortigen Straßenbahnstreiks anzubieten. Straßenbahn verkauft. M e m p h i 5 . Tenn., 7. März. Die hiesige Straßenbahngesellschasi hat ihren Besitz an eine New Jorker Finanz gruppe verkaust. Der Preis wird von den Betheiligten nicht angegeben, wird aber auf 58 Millionen geschätzt. San Domin g'o - Vertrag Washington, 7. März. Der Präsident hatte heute eine Besprechung mit den Senatoren Allison, Spooner, Nelson, Clapp, Carter HopkinS und HanSbrough über den Vertrag mit Dominga. Die allgemeine Ansicht war, der Vertrag werde, wenn auch amen dirt, angenommen werden. Senatorwahl. Jefferfon City, Mo., 7. März. Eine wesentliche Veränderung ist in der Parteiconstellatlou bei der Senatorwahl nicht eingetreten. Die Repräsentanten Hoeber, KeiS, Smith, Detweiler nnd Ossenforth stimmten für Bartholdt, Senator Pick "und Repräsentant Mooneyhan für KerenS. NiedringhauS hat feit der ersten Abstimmung 30 Stimmen verloren. Die Anhänger von KerenS hoffen, die zersplitterten Stimmen für ihren Mann sammeln zu können. Carneval. New Orleans,?. März. Obgleich am Morgen Regen drohte, hielt sich das Wetter vortrefflich und störte nicht die gewaltigen Menschenmagen in ihrem Vergnügen. Die Parade war prächtig. Heute Abend fand im französischen Opernhause ein Ball statt, der lebensfreudige Menschen aus allen Theilen des Landes versammelte. Bürgerrechte der Portori c a n e r. Washington. 7. März. DaS Appellgericht deS Distriktes Columbia entschied, daß ein Portoricanet die nach den Bestimmungen deS Zivildienftcs bezüglich Bürgerrechte nothwendigen Qualifikationen befitzt, um im Regie rungSdienste angestellt zu werden. Richter WiSlizenuS auf i C e b u. S t. L o u i S, 7. März. Von Manila ist die Nachricht von einem Erlebniß deS hiesigen früheren Polizeirichters Wislizenus, jetzt Richter auf Cebu, angelangt. - AIS dort im Januar die amerikanische Barkentine ChehaliS- absegelte, verbreitete sich das Gerücht, dieselbe habe 3 Filipino - Mädchen entführt. Ein Kreuzer überholte die Barkentine, aber die Mädchen wurden nicht gefunden. ÄlS Richter WiSlizenuS dies erfuhr, schloß er die Gerichtssitzung, steckte einen Revolver in die Tasche und machte mit einigen einheimischen Beamten in einer Barkesse Jagd auf die Barkentine. Er fand oie Mädchen, nahm den Kapitän der Barkentine mit nach Cebu zurück und verurtheilte ihn zu 2500 PesoS Strafe. Streik in Eisenwerken. Chicago, Jll., 7. März. Ein Streik von 300 Arbeitern in den RepublicEisen und Stahlwerken hatte die Einstellung des ganzen Betriebes zur Folge. Dorf abgebrannt. FerguS Falls, 7. März. ES ist die Nachricht eingetroffen, daß das Dorf Campbell, 20 Meilen von hier, abgebrannt ist. , G e g e n C i g a r e t t e n. Madi fon, 7. März. Die LegiS latur nahm heute eine Bill an, welche die Fabrikation und den Verkauf von Cigaretten und Cigarettenpapier verbietet.
S50,000 verschwunden
Aus einer Bank Eincinnali's. Cincinnati, 7. März. AuS dem vorgeschriebenen Refervesond der Germania National Bank sind $50,000 in Papiergeld und Zold gestohlen worden. Der Verlust wurde schon vor vier Wochen bemerkt, doch hat man trotz der peinlichsten Untersuchung noch keine Spur deS Thäters. Engelmacherin. Highland, N. Y., 7. März. Große Anfregung herrscht hier übn die Entdeckung einer Vabv-Farm" in Panahang, etwa 3 Meilen westlich von hier, wo ein gebrechliches, altes Weib seit Jahren Kinder in Obhut" genommen haben soll. Die Entdeckung wurde durch den Tod eines kleinen Kindes veranlaßt, das von der sauberen Pflegemutter auf das Eis fallen gelassen wurde, wobei der erst eine Woche alte bedauernswerthe Wurm so schlimme Verletzungen erlitt, daß er bald darauf starb. Ihren eigenen Angaben zufolge gebrauchte die Leiterin der angeblichen Babi) Farm" solch' einfache Hausmittel" an dem kleinen Geschöpf, die selbst den Tod eines erwachsenen Menschen zur Folge gehabt hätten. Bei dem Jnqueft gab die Frau ferner zu, daß sie das betreffende Kind, sowie verschiedene andere von einer Hebamme NamenS Beatta Doer gegen Bezahlung erhalten habe, und daß schon vorher ein ihrer Obhut anvertrautes Kind gestorben sei. Stanford-Fall. Honolulu, Hawaii, 7. März. Sheriff Henry theilte dem Korrespondenten der Äff. Presse mit, die Ehe miker hätten bei der Untersuchung deö Mageninhaltes Frau Stanford'S eine Farbe gefunden, die Strychnin - Vergiftung anzeige und, daß sie bei der Todtenfchau entsprechende Aussagen machen würden. Z o l l e i n n a h m e n aus der Weltausstellung. S t. L o u i S , 7. März. Richter ChaS. F. Gallenkamp, Zollkollektor zu St. LouiS; erklärt, doß das Schatzamt über $400,000 aus Zöllen für ExhibitS der abgelaufenen Weltausstellung erhalten wird. Die'Gesammt Ein nahmen waren $600.000, doch betrugen die Kosten deS - Departements $200,000. Nach Schätzung Gallenkamp'S wurde nicht die Hälfte, der ExhibitS verkauft, die zurückgeschickten brauchten keine Zölle zu bezahlen. Auditor desKriegS departementS. Washington, 7. März. Fred E. Kittman von Cleveland, O., hat als Auditor des KriegSamteS dem Präsidenten feine Resignation eingereicht, die am 1. Mai in Kraft treten foll. B. F. Harper von Fort Wayne, Ind., wird zu seinem Nachfolger ernannt werden. Botschaft aus dem Nord e n. New York. 7. Mürz. Eine Botschaft, welche um Hilfe ersuchte und von dem Nordpolforscher Baldwin vor seiner Rückkehr aus dem Norden, im Sommer 1902 mit einem Ballon abgelassen wurde, ist von dem Generalkonsul zu Christiania eingetroffen. Die Botschaft wurde von einem norwegischen Schiffer zu Tanfjord, Norwegen, am Ostende deö NordkapeS gefunden und dem Generalkonsul zugeschickt. FilipinoSnachHause. Washington, 7. März. DaS Bataillon philippinischer Kundschafter, daS auf der WeltauSllellung in St. St. Louis und hier zur JnaugurationSparade war, wird am 31. d. M. von San Francisco mit dem Dampfer Thomas nach der Heimath abfahren. Republikanisches National C 0 m i t e. Wyington, 7. Mürz. Mit Uebernahme des Amtes als GeneralPostmeister hat Cortelyou erkläre, daß er seinen Posten als Vorsitzer des republikanischen Natlonal-Comites in einigen Tagen niederlegen werde. Stellvertretender Vorsitzer wird wahrscheinlich Harry S. New von Indianapolis werden. Geftändniß. Danville, Ark., 7. März. Angesichts der Leichen seiner Frau und 3 Kinder brach der Farmer JameS Jnce zusammen und gestand den vierfachen Mord begangen zu haben.
Hochbäyn-UnsaU.
40 Personen verlekt. Chicago. 7. März. Auf der' Hochbahn von State Straße siel ein! Wagen mit 80 Insassen um; 40 derselben wurden verletzt. 2 Leichen gefunden. Pocatello, Jdaho, 7. März. Ein Viehzüchter berichtete heute, daß er 4 Meilen von bier zwischen Felsen und und Lava 2 Leichen gefunden habe. Coroner I. H. Bean ließ die Leichen nach hier bringen. ES waren ein Mann und eine Frau. . Der Manne? leiche fehlte der Kopf, die Frauenleiche war in eine Decke gewickelt. Die Nedenumstünde deuten auf einen Mord. 58. Congrek. Senat. Washington. 7. März. Ohne sich auf die Frag: der Politik einzulassen beschloß der Senat heute, daß -der Vertrag mit San Domingo vom Ko. mite für ausländische Beziehungen so rasch wie möglich einberichtet und die ganze Frage dann in Exekutiv-Sitzung erledigt werden soll. Dies war auch die Ansicht des Komites, das fich geneigt zeigt morgen den Vortrag zu unterstützen. Die AmendementS die im Komite gemacht wurden, beschränkten sich auf die Ausmerzung Überflüssiger Redensarten. Sie werden von dem Komite morgen berathen werden. Nach stillschweigender Uebereinkunft kam die Politik, die im Vertrage zum Ausdruck kommt, nicht zur Sprache und die Einbringung von Amendemellts wird keinen Senator verpflichten dcn Vertrag zu unterstützen. Man hofft, daß diese Behandlung im Komite eine raschere Erledigung des Vertrages im Senate zur Folge haben wird. Man will den Vertrag nicht zu einer Parteifrage machen. Mühlenbrand. 2 Mann todt, mehr vermißt. CedarRapidö, La., 7. Mürz. Die Mühle der American Cereal Co." steht in Flammen und wird auf den Grund niederbrennen. DaS Feuer entstand durch Selbstentzündung. Man weiß, daß 2 Mann todt sind, mehrere andere werden vermißt. Mehrere Ex plostonen folgten sich rasch aufeinander und schleuderten Funken über die ganze Stadt. Die Mühle nahm 3 Blocksein. " " Fehler beim H u f b erschlag e. Soll der Hufbeschlag seinen Zweck erfüllen, den Huf gegen eine starke Abnützung zu schützen, ohne dabei seine natürliche Form und Beweglichkeit zu beeinträchtigen, so ist bei dem häufigen Beschlagwechsel das zu starke Vehauen, Beschneiden und Beraspeln des Hufes ein großer Fehler; eher! kann der Huf zu groß als zu klein gemacht, Sohle und Strahl lieber gar nicht als zu viel beschnitten werden. Besonders fehlerhaft ist das zu starke Beschneiden der Sohle an der Zeche, wo sie gerade am. empfindlichsten ist. Viele Schmiede schneiden die Sohle bis über die weiße Linie hinaus hohl, so daß der Tragrand zu schmal wird und Huf und Eisen eine zu geringe Beruhrungsfläche haben. Beim Anpassen des Eisens kommt es vor, daß dasselbe nicht nach der Hufform gerichtet ist. Ein zu kurzes Eisen wird dann meist dadurch passend gemacht, daß die Zehenwand zu stark verkürzt wird, umgekehrt wird dcr Trachtentheil hufig zu weit gehalten. Als ein weiterer Fehler ist das Aufbrennen des zu stark oder Ungleich erhitzten Eisens anzusehen, weil dadurch leicht die Sohle, besonders am Zehentheil, verbrannt und das Eisen infolge des späteren Abkühlens zu eng wird. Beim Aufschlagen des Eisens werden oft die ersten Nägel sofort fest angetrieben, so daß das etwa nothwendig werdende Verschieben des Eisens nur ourch gewaltsames Gegenschlagen und Abbiegen möglich wird, wodurch mehr oder weniger starke Zerrungen und Trennungen an Horn- und Weichtheilen auftreten. Die Warzen an unseren Hauthieren, die sehr häufig bei Jungvieh vorkommen, entfernt man am besten durch das Abbinden, wenn sie gestielt sind. Sitzen sie breit auf, dann kann, man sie mit Essigsäure betupfen. Man muß aber darauf achten, daß die Umgebung nicht angeätzt wird. Vielfach werden kleine Warzen einfach mit dem Messer öder der Scheere abgeschnitten und die blutenden Stellen mit einem glühenden Eisen gebrannt. Thiere, die mit Warzen behaftet sindsollte man von den anderen trennen, da eine Uebertragung auch stattfinden kann, wenn sie sich aneinander reiben.
Die Schreier.
Humoreske von Albert Roderich, Wir waren so eine kleine gemüthli che Vereinigung von sechs Männern und kamen jede Woche einmal im kleinen Clubzimmer der Bierhalle" zusammen. Wir diskutirten und debattirten dann so recht biertischartig über alle möglichen Zeit- und Streitfragen, und wenn wir dabei die Weltgeschichte nicht in die einzig richtigen Bahnen zu lenken vermochten, so lag das sicher nur an den anderen Menschen, die außer uns sechsen noch vorhanden waren. Wir haben uns wirklich sehr viel Mühe darum gegeben. ' Da war nun unter uns ein Herr Melchior, über den wir uns häufig ärgerten. Wenn wir uns in der Hitze des Disputirens noch so stark erregten, er blieb immer ruhig und gelassen. Je lauter wir unsere Ansichten und Meinungen vertheidigten, desto leiser und gemessener sprach er. Nun wußten wir aber aus seiner sonstigen Lebensart ganz gut, daß diese Ruhe des Herrn Melchior nur eine erkünstelte war. Er wollte uns nur zeigen, wie man sich beherrschen könne. Er protzte mit seinem gewaltsamen Phlegma. Und als wir uns mal wieder ordeutlich über den Herrn geärgert hatten, da beschlossen wir, uns auch mal ordentlich an ihm zu rächen. Und als Herr Melchior eines Abends früher das Lokal verließ, da heckten wir fünf einen ganz wunderschönen Racheplan aus. Und als wir das nächste Mal wieder versammelt waren, da- eröffnete Freund Müller, wie verabredet, eine möglichst blödsinnige Disputation. Von dem eben erfolgten polizeilichen Verbote eines Buches ausgehend, warsen wir Verschworenen uns mit großer Wucht und Wichtigkeit auf die ganze Literatur. Es ist ganz in Ordnung," rief Freund Schultze, 'solche Bücher müssen verboten werden." Wie können Sie sagen, daß so was in Ordnung ist," schrie Freund Meier ihn an. Wir gaben möglichst laut theils Herrn Meier, theils Herrn Schultze Recht. Da sagte Herr Melchior in seiner Ruhe mit gezwungen gedämpfterStimme: Die Wahrheit wird wohl mal wieder in der Mitte liegen." Jetzt begann unser Rachezug. Warum schreien Sie denn so, Herr Melchior?" fragte Herr Meier. Herr Melchior sah ihn mit einem Blicke an, in dem etwas Verachtung und etwas Verwunderung zusammengemanscht waren. Wissen Sie, wenn ich zu sagen hätte, dann müßte die ganze Literatur' passend gemacht werden für die einzelnen Persönlichkeiten. Jawohl." Ich bin begk.Zg, wie Sie das machen wollen," sagte forcirt leise Herr Melchior. Das will ich Ihnen sagen, auch wenn Sie nicht so schreien, Herr Melchior," erwiderte Freund Schultze. Was?! Wie können 'Sie denn sagen, daß ich schreie?! Meine Herren, habe ich geschrieen?" Allerdings, Herr Melchior, ein wenig geschrieen haben Sie," sagte Freund Müller. Na, also," fuhr Schultze fort, und nun will ich Ihnen auch sagen, wie ich die Sache meine. Es ist ja schließlich ganz einfach. Der Staat muß dafür sorgen, daß jede einzelne Kategorie seiner Bewohner die richtige Lektüre vorfindet." Hähä, wofür der Staat alles sorgen soll," sagte Herr Melchior noch leiser als gewöhnlich. Jawohl, das soll er," schrie Herr Schultze, und wenn Sie noch so doll dagegen toben und schreien." Zum Donner ich schrei' doch nicht," rief jetzt wirklich fd$3ii ziemlich laut Herr Melchior. Herr Melchior," sagte ich nun, es schadet aber doch gar nichts, wenn Sie mal ein bischen schreien." Er sah mich verlegen fragend an. Schreie ich denn wirklich?" Jawohl, Herr Melchior, ganz gehörig." Nu lassen Sie mich doch mal wieder ausreden," begann jetzt wieder Freund Schultze. Also, es müssen passende Bücher geschrieben werden für Kinder bis zu sieben Jahren, für Kinder bis zu zwölf Jahren, für Knaben, für Mädchen, , für Jünglinge, für Jungfrauen,. für Männer, für Frauen, und Jeder darf nur, Zum Donnerwetter, . Herr , Melchior, . lassen Sie mich doch erst mal ausreden!" i Ich hab' ja gar nichts gesagt," wimmerte förmlich Herr Melchior. , . Er hatte auch "wirklich nichts gesagt. Aber wir sahen ihn alle streng und vorwurfsvoll , an, und Freund Fischer 0 riet: .. . . . . , A)as ist doch wttkncy taxu Er yar nichts gesagt!" Und schreit, als ob er geprügelt würde,", sagte, Herr Müller. . Da blickte HerrMelchior ganz angstlich um sich. ! Also was wollten Sie nun eigentlich sagen, Schultze?" fragte ich. Ja, also jeder Staatsbürger, darf nur das lesen, was für ihn geschrieben ist. Und wer waö anders liest. der muß strenge bestraft, werden. Wenn ein. zwölfjähriger Junge liest, was für einen Jüngling von L0 Jahren bestimmt ist, dann bekommt , er eine Tracht Schläge; wenn eine Dame liest, was nur für Herren ist. acht Tage, im
Uleveryottngssalle vl Monate Vesängniß." Aber, wer soll denn das controlliren?" rief Freund Müller. Das ist Sache des Staates," sagte triumphirend Schultze. Unstnn! Das ist ja lächerlich! So ein Nonsens!" Gar nicht übel! Famos Sehr gut!" So tobten, schrien und lärmten wir alle durcheinander. Nur Herr Melchior lispelte kaum hörbar: Wie kann ein Mensch nur so was sagen?" X ' Da fuhr aber Freund Schultze bös auf ihn los: Herr Melchior, nun wird mir die Sache aber zu. bunt. Wenn Sie was Vernünftiges vorzubringen haben gegen meine Vorschläge, dann sagen Sie es ruhig und anständig, aber todtschreien lasse ich mich nicht, nein, zum Donnerwetter noch mal, todtschreien lasse ich mich nicht!" Nun fing aber Freund Melchior wirklich an zu schreien: Ich habe nicht geschrieen, sag' ich Ihnen; ich schreie überhaupt nicht, ein gebildeter Mensch schreit nicht." Nun warf ich meinen Mitverschworenen einen bedeutsamen Blick zu, der das Signal zu unserem Haupttrick abgeben sollte. Dann sagte ich mitleidsvoll und wie mit tiefem Bedauern: Hm, nein, meine Herren, hm nein, HerrMelchior hat ja auch nicht geschrieen." Eine Pause unheimlichen Schweigens trat ein. Meine Freunde begriffen und theilten augenscheinlich meine Ansicht, daß mit Herrn Melchior nicht alles in Ordnung sei. Ach so," sagte Freund Müller mit heuchlerischem Mitleid, wenn's so ist, ich hab' nicht gehört, daßHerr Mel, chior geschrieen hat." Ach nein," Ach du mein Himmel, nein." Schrecklich, aber ich hab' auch nichts gehört. Wie kann so waö mit einem Mal", so redeten wir, wie schmerzlich ergriffen, durcheinander. Wenn die Sache so liegt," begnnn wieder Herr Schultze, und seine Stimme bebte vor Erregung, wenn die Sache so liegt, dann bitte ich um Entschuldigung, Herr Melchior, dann hab' ich mich mal verhört. Dann hat mal 'n anderer so laut geschrieen. Verzeihen Sie, Herr Melchior " Wir saßen stumm und starr und blickten einander tödtlich erschrocken an. Jetzt ergriff Herr Melchior ein Bierglas und schmetterte es mit furchtbarer Gewalt zu Boden. Und dann fuhr er sich wieder mit den Händen an den Kopf und brüllte in feiner Raserei; Wer mir sagte, daß ich schreie, das ist ein Hund, ein Schurke, ein Schuft, den schlag' ich todt!" und dabei ergriff er einen Stuhl und schwenkte ihn in der Luft herum. Wir fielen ihm in den Arm. Wir preßten ihn in peinlichster Angst auf einen Sitz nieder. Eine plötzliche Ermattung schien über ihn zu kommen. Wie abwesend blickte er uns der Reihe nach an und begann dann wieder -mit laut kreischender Stimme: Ja, ja, wenn ich ein so miserabler Bösewicht wäre wie Ihr, so ein Menschenschinder wie Ihr, ja, ja " nun fiel er plötzlich in seine gewöhnliche leise Redensart, ja, ja, dann würde ich Euch noch länger foppen." Laute Rufe der Erleichterung und des Erstaunen stiegen auf. Aber Mensch, wie hastDu denn das Complott entdeckt?" Ha, ha meine Herren, schreie ich auch nicht? Wenn Ihr mal wieder so was machen wollt, dann müßt Ihr den Herrn Roderich vorher hinauslassen. Der wirft im wichtigsten Moment so bedeutungsvolle Blicke um sich. Und nun eine Extrarunde auf Euren Schreck, was? Kinder, Ihr seid ja noch ganz blaß. Es ist zum Schreien, nichts Cromwell oder Crumwell?
Ein interessantes Dokument aus demFahre 1638 ist in der Northampton Free Library" zutage gekommen, ein Contrakt aus dem Jahre 1633, nach dem Oliver Cromwell auf eine Jahrerente von 30 Pfd. Strlg. derrichtet, die er sechs Jahre bezogen hatte. Die im Britischen Museum geprüfte Urkunde wirft ein neues Licht auf das frühere Leben des Lord-Pro-tektors. Er wird in der Urkunde als Oliver Crumwell, Gentleman" . bezeichne! und, abgesehen von der Unterschrift, immer Erumwell geschrieben, jetzt oder ehemalig ein Diener des RightHonorable, Oliver Lord Sr.John von Bletsoe." Man kann also annchmen, daß Cromwell außer seiner Beschäftigung als Viehzüchter, in St. Jves auch als Verwalter eines der anstoßenden Güter ' St. JohnS thätig war. 'Verwalter und Diener waren damals synonyme Ausdrücke. Die Familien Cromwell und St. John waren immer befreundet und verschwa-, gert. Die Rente wurde in halbjährlichen Zahlungen zu Mariä Verkündigung (25. März) und Michaelis (29. September) in der südlichen Vorhalle der grauen alten. Kirche von Cottosbrooke ausbezahlte Cromwells Unterschrift ist sehr energisch und charakteristisch. - Boshaft. Maler (Sonntagsjäger): . Sehen Sie . mein , neuestes Bild Hase im Feld". : Wie gefällt es Ihnen?" Förster: Großartig, ja da treffen's halt d' Hasen besser als auf der Jagd." -
