Indiana Tribüne, Volume 28, Number 166, Indianapolis, Marion County, 7 March 1905 — Page 6
Jndiana Tribüttl. 7. März 1005
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Europäische Nachrichten. Frovinz Sctzresn?ig'Korstein. A l t o n a. In dir Adolfstraße 15 wohnt eine von ihrem Mann getrennt lebende Frau Auguste Frieder, 39 Jahre alt. Sie hielt mit einem Arbeiter häusliche Gemeinschaft, die aber eines Zerwürfnisses wegen aufhören sollte. Letztens lauerte dieser'Arbeiter der Frau Frieder auf und versetzte ihr mit einem Messer schwere Verletzungen durch Stiche in den Hinterkopf. Die Frau wurde zunächst in die Wohnung ihrer Schwester geschafft. Der Thäter wollte entfliehen, ward aber eingeholt und verhaftet. Der verhaftete Attentäter heißt Harnack und ist als Zuhälter der Polizei bekannt. V r'e k l u m. Dem Küster und Hauptlehrer Hansen, der unter sehr zahlreicher Theilnahme dieser Tage sein 40jähriges Ortsjubiläum festlich beging, wurde der Adler der Inhaber des Hausordcns von Hohenzollern verliehen. Flensburg. Der hier wohnende Arbeiter Heinrich Traulsen erhielt bei einem von einer Berliner Zeitfchrift erlassenen Preisausschreiben für das beste Weihnachtsmärchen den 1. Preis im Betrage von 3000 Mark. Traulsen hatte erst kürzlich von einer anderen Zeitschrift in einem ähnlichen Preisausschreiben den 1. Preis erhalten. Gramm. Kürzlich gingen hier die Pferde des Landmannes Asmus Hoyer aus Osterlinnet durch. Der 67jährige Schneider Th. Boysen, welcher gerade des Weges kam, wurde über den Haufen gerannt und erlitt dabei sehr schwere innerliche Verletzungen. Kiel. An Erstickung ist hier der Zimmermann Jensen gestorben. Es gerieth ihm beim Abendessen ein Stück Fleisch in die Luftröhre, was den herbeiführte. Durch Selbstmord auö dem Leben geschieden ist der hiesige Musiker Schulz, dessen Leiche mit einer Schußwunde in der Schläfe in dem Vilsener Gehölz gefunden wurde. Pettluis. Einen grauenhaften Tod fand das zweijährige Kind der Eheleute Selk. Während die Mutter Wasser holte, zündeten die zurückbleibenden Kinder mittelst brennender Kohle den Tannenbaum an. Die beiden ältesten Kinder liefen vor den wei-
ter um sich greifenden Flammen davon, während das zweijährige im Bette liegende Kind verbrannte. Toftum(Westerlandföhr). Hier verstarb im Alter von fast 91 j Jahren das älteste Glied der St. Laurentii - Gemeinde und damit zugleich der letzte qrönländische Commandeur unserer Insel, Friedrich W. Friedrichs. ! Wesselburen. Müllerknecht Jakob Reimers gerieth auf der Heinrich'schen Mühle in die Welle und wurde mehrere Male herumgeschleudert. Der Verunglückte wurde sehr schwer verletzt, doch hofft, man ih am Leben zu erhalten. Provinz Scycesie. V r e s l a u. Sein 50jährigeö Dienstjubiläum beging der Chordiri gent an St. Nikolaus und Letter der kathol. Volksschule XXXV, Rektor Bumbke. Carl Emmerich, Geschäftsfuhrer der hiesigen Firma Rudolf Mosse, feierte sein 25jähriges Dienst, jubiläum. . B u n z l a u. Eines traurigen Todes ist der Begründer und Mitinhaber der hiesigen Möbelfabrik von Martin & Barasch und langjährige Stadtverordnete Gustav Martin gestorben. Er starb bei einer Operation in der Rarkose, nachdem er am Tage vorher an einem Halsleiden erkrankt war. Conradswaldau. Der Gründer des hiesigen Militärvereins, Gottfried Demuth, der nunmehr auf eine 50jahrige Mitgliedschaft bei diefern Vereine zurückblickt, wurde vom Militärverein ehrend ausgezeichnet. x Geltendorf. Bei einem hier ausgebrochenen Stubenbrande erstickten drei Kinder des Dominialknechtes Hellmann infolge des entstandenen Rauches. H a h n a u. Auf dem Wege zwischen Brockendorf und Adelsdorf wurde der imDienste befindliche Briefträger Senftleben von hier von zwei Wegelagerern angehalten. Zwischen dem Briefträger und einem der Räuber entstand ein heftiger Kampf, bei welchem der Postbeamte an einem Arme und am Rücken so schwer verletzt wurde, daß er längere Zeit dienstunfähig sein wird. Es gelang ihm aber, zu entkommen, ohne daß es dem Weqelagerer gelungen wäre, ihn zu berauben. L l 1 b a u. Infolge Vereisung des Fußweges an der steilen Berglehne des Heidelberges bei Krausebauden stürzte der neunjährige Sohn des Arbeiters Gottstein ab in die unten fließende Elbe. Seine ihn begleitende jüngere Schwester holte den Vater herbei, der sein Kind todt aus dem Wasser zog. M Y s l o w i tz. Infolge eines Glatteises stürzte die Frau Vahnmeister Schittler so unglücklich, daß sie .sich einen Schienbeinbruch und einen Knöchelbruch zuzog. Sie wurde nach ihrer Wohnung geschafft, wo ihr von einem sofort herbeigeholten Arzt ein Noth verband angelegt wurde. Salzbrunn. Das 23jährige Geschäftsjubiläum und zugleich die Silberhochzeit feierten die Springer'schen Eheleute hierselbst. rsVinz Fosen. Posen. Als der Lehrer Trifterer aus Granowo sich auf seinem Rade
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$xau Jane . Stanford, die Wittwe des Senators Leland Stanfoid. welche in Honolulu einem Giftmorde zum Opfer siel. Da? Ehepaar gründete die Stanford Universität in Kalifornien und hat bis jetzt dem Institute 833.000,000 geschenkt. Durch den Tod von Frau Stanford erhält die genannte Universität weitere S10,000,000.
nach Hause begeben wollte, wurde er in der Posenerstraße von wüthenden Hunden, die einen Holzplatz bewachen, angefallen. Die Thiere zerrten ihn vom Rade, zerrissen ihm die Stiefel und Kleidung und brachten ihm viele Wunden an den Beinen und am Körper bei. Der Arzt ordnete die Ueberführung des Verletzten in ein hiesiges Krankenhaus an. A r g e n a u. Forstmeister Schartow überreichte in Gegenwart der Forstbeamten und sämmtlicher Waldarbeite? mit einer patriotischen Anspräche, welche in ein Kaiserhoch ausklang, den Klaftermeistern MahukeDombken und Krhan - Magdalenowo das ihnen für langjährige treuePflichterfüllung verliehene Allgemeine Ehrenzeichen. Buk. Auf dem biesiaen Bahnhöfe wurde'dem Streckenarbeiter Klinke das rechte Bein und der rechte Vorderarm abgefahren. Klinke beging die Unvorsichtlgkeit, unter emem Guterwagen hindurch zu kriechen, während der Zug ni der Abfahrt begriffen war. Gnesen. Em iuaendlicher Verbrecher an seiner eigenen Gesundheit ist der Schulknabe Puchalski. der auch schon Amerika gesehen hat. l? hat die eine and muthwima m das Getriebe eines Göpelwerkes gesteckt in der Abficht, sich zu verletzen, um dann nicht zur Schule zu müssen. Dieses Experlment wurde für den Knaben aber verhängnißvoll, denn ein Finger wurde ibm abaenssen und zwei andere aefährlich gequetscht. 1903 schoß er sich mit einer Pistole absichtlich in die Hand, und er erreichte den, Zweck: er konnte die Schule schwänzen . K a r a e. Ementhumer Neoua zog sich beim Schlachten einer Ziege eine leichte Verletzung zu, welcher er weiter kerne Beachtung schenkte. Als er auf sein Feld Kainit ausstreute, muß ihm hiervon etwas in die Wunde eingedrungen sein, denn es schwoll die Hand und den Arm bedenklich an. Der sofort hinzugerufene Arzt stellte tim hochgradige Blutvergiftung fest. Att Errettung des Lebens des im .rn Mannesalter stehenden Verunglückten mußte der Arm bis zum Schultergelenk abgenommen werden. O st r o w o. Der 8jährige Sohn des Hilfsweichenstellers Kubera fiel auf der Eisbahn so unglücklich auf den Hinterkopf, daß eine Gehirnerschütterung eintrat, der er bald darauf erlag. 'S u t s ch i n. Der 82jährige hiesige Rentenempfänger, frühere Bahnarbeite? Gohlke ist verschwunden. Fiovinz Sachsen. Aschersleben. Lichterloh brennend und laut schreiend kam die fünfjährige Tochter Emmy des auf dem Zollberge wohnenden Handelsmannes Hesse auf die Straße gelaufen. Ein gerade des Weges kommender Bahnbeamter warf der Kleinen sofort seinen Mantel um und erstickte so die Flammen. Das Kind hatte aber schon erhebliche Brandwunden davongetragen. Das Unglück ist dadurch entstanden, daß die Kinder beim Spielen in AbWesenheit der Eltern die Lampe vom Tisch gezogen hatten und das brennende Petroleum sich über das Kind ergoß. Ein schnell hinzugeeilter Nachbar löschte die Flammen im Zimmer und verhütete so einen Brand. V ü t t st t d t. Stellmacher Gustav Wolf, der sich an der Dreschmaschine seines Vaters zu schaffen machte, wurde von der Transmissionswelle erfaßt
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f.4& - iKzm- :v$Atä j , ! X.y,,'?? Af.r" sV,'"'''? ' s - iHm ';fM ' V-'s'.sss'", "'s,'t ' - . sy-bi ,,- !'S'34n s t'"S''i und mehrere Male herumgeschleudert. Der 33jährige, erst kürzlich verheirathete Mann hatte so furchtbare Verletzungen erlitten.- daß er nach kurzer Zeit, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, verstarb. Domsdorf. Der Maschinenwärter Moritz Veger aus Presiewitz, der auf der hiesigen Grube Luise" beschäftigt war, fiel in ein Heißwasserbassin und verbrühte sich, so daß er ulsbald starb. Fichtenberg. Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich auf dem Hofe des Gutsbesitzers Unger. Der Arbeiter Kocksch, welcher von einem wüthenden Bullen angegriffen wurde, ergriff die Flucht, kam aber zu Falle, und der Bulle bearbeitete nun den auf der Erde Liegenden derart mit den Hörnern, daß der Unglückliche schwere Verletzungen am Unterleibe und an einem Beine davontrug.' H a l b e r st a d t. Ein oriainelles Jubiläum konnte Prof. Kehr feiern: seine tausendste Gallenstein - Operation, die er, wie die bisherigen 999, mit Erfolg ausgeführt hat. Klein - Germersleben. Das August Voigt'sche Ehepaar hierselbst konnte die diamantene Hochzeit feiern. N o r d h a u s e n. An der Ecke der Rauten- und Weberstraße wurden die 9jährige Olga Geist und ihr 2jähriger Bruder Willy, Kinder des Schuhmachers Wilhelm Geist von hier, von einem Spülichtwagen überfahren. Dabei gingen dem Mädchen die Räder über den Leib und dem Jungen wurde das linke Ohr fast ausgerissen. R e i n h a r z. Bei einer hier kürzlich veranstalteten Buschjagd erschoß Amtsrath Hertwig von Domäne Pretzsch den ca. 12 Jahre alten Knaben Tesch, den einzigen Sohn des auf der Domäne beschäftigten Kutschers Tesch. Außerdem soll' auch noch ein älterer Mann angeschossen worden sein. W e l s a u. In der Scheune des Gutsbesitzers Richard Korb brach Feuer aus, das Scheune und Stallüngenuin kurzer Zelt in Asche legte. Provinz Hannover. Hanno'ver. Der 14jährige Schüler Clemens Mundbenke aus Wülfel ist bei den Maschinenzügeleien eingebrochen und ertrunken. Tisch: ler Wilhelm Teeve. Glünderstrake 11 feierte mit seiner Ehefrau in aeistiaer und körperlicher Frische das Fest der goldenen Hochzeit. Vom Zuge überfahren und getödtet wurde an der Unterführung beim Entenfang der Schaffner-Heltmann, welcher einen Prodierzua oealeitete.' Dem Verun glückten, der verheiratet ist. wurden beide Beine abgefahren, infolgedessen der Tod sofort eintrat. Sein jähriges Jubiläum als Kassenbote der Hauptagentur Hannover der Preußi schen National - Versickerunas - Ge sellschaft Stettin beaina Ferdinand Rischmüller Hierselbst. Dem Jubilar wurde von der Direktion ein Ehrenge schenk zutheil. B o ck h o p. In dem Meyer'schen Hoize wurde bu Leiche des Vollkothners Fritz Hokenkamp auö Pennigsehl, in Borstel wohlnhaft gewesen, an einem Baume hängend aufaefunden Der Unglückliche, der erst 37 Jahre alt war und in guten Verhältnissen lebte, soll häufia über heftiae Kovfscbmeren geklagt haben und wird die unselige That m emem Anfalle von Geistesge störtheit begangen haben.
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Der Ztrohsack. Humoreske von Welhelm Herbert. Es gibt Leute, die den Schein und das Gerede .nicht von sich losbringen, daß sie heimlich bedeutende Gelder be-
saßen selbst wenn sie keinen rothen Deut haben. Besonders alte, alleinstehende Menschen, die ein zuruckgezogenes, mäßiges Haushalten führen, verfolgt der argwöhnische, habgierigneugierige Klatsch der Verwandten und Bekannten fort und fort mit der zähen Nachrede, daß sie irgendwo verscharrt oder vergraben, verraumt oder vernäht einen Thalerstrumpf oder eineu Dukatentiegel oder ein vergilbtes, verschimmeltes Päckchen Tausender vor aller Welt verborgen hielten. Besonders der Strohsack war von jeher ein Hausgeräth, dem man mit Vorliebe zutraute, heimliche Schatze in seinem unscheinbarenJnnern verborgen zu halten. Auch der alte Holzapfel - Lenz besaß einen solchen Strohsack. Alle seine Basen und Muhmen und' deren hatte er im Dorfe nicht wenige waren davon im Innersten überzeugt, daß das kleine, dürre, verhuzelte Männchen mit den schlauen, wassenhellenAugen und dem verschmitzten Lächeln um die Mundwinkel nur deshalb mit einer so gleichmaßigen, spöttisch-überlegenen Ruhe auf das Welt- und Dorfgetriebe rings um ihn herabbllckte, well er seme Batzen lm Schrein hatte. Das in manch traulichem Kaffeetratsch ausgesonnene Geheimniß von dem Schatz" des alten Lenz redete sich allmählich so herum und wurde nach und nach derart zur Dorfüberzeugung, daß man sich wenn der Alte hin und wieder seufzend meinte: 's Geld, wenn i hätt', that i noch einmal auf ein paar Tag in d' Residenz 'neinfahren, wo i in meine Jugend so a lustige Zeit verlebt hab'!" daß man sich dann hinter seinem Rucken anstieß, einander zunickte und murmelte: Tropf, alter, hast es ja, brauchst nur deinen Strohsack aufzuschneiden!" Aber Lenz merkte von diesen Gerüchten, die über ihn umgingen, nichts oder that wenigstens so. Die Sache konnte indessen nicht immer so bleiben. An einem stillen Sonntag Nachmittag. als die Männer alle zur Kirchweih nach Oberbach gegangen waren, kam es zu einer Wendung der Dinge. Die Bürgermeisterin, eine von den nächstverwandten Basen des alten Kauzes, hatte sich ein paar Freundinne neingeladen, welche sich gleichfalls rühmen konnten, zur Sippe des Holzapfel - Lenz zu gehören. Der Kaffee war ausgezeichnet, die Nudeln so, wie man sie von der ersten Frau im Dorfe erwarten konnte, und an Gesprächsstoff fehlte es nicht. Denn ob Großstadt, ob Dorf, für findige und mittheilsame Seelen gibt es immer und überall Neuigkeiten genug, um. damit einen stillen Sonnlagnachmittag angeregt zu verplaudern. Endlich aber, nachdem man diese und jene durchgehechelt, kam man auf das Lieblingsthema von allen dreien f den mehrerwähnten, geheimnitzvollen Strohsack des alten Vetters. Jede wußte irgend eine neue Bestätigung dafür beizutragen, daß dem genau so sei, wie man schon lange gemunkelt habe, und man redete sich stets in eine größere Hitze hinein, je tiefer die Fluth im Kafftetopf fiel und je breiter ch die Abendschatten über den Krautgraben draußen legten. Da muß mal was geschehen!" sagte die Bürgermeisterin resolut und diktatorisch, wie es der Obrigkeit zukam. Die beiden anderen nickten überzeugt und lebhaft. Man is 's ja dem alten Bruder selber schuldig," meinte die Schweizerbäuerin, wenn ihm amal das ganze Geld wegkäm' er sperrt sein Häusl nie ab Ein unsicherer Blick flog von der einen zur anderen und die Selchenhofcrin gab dem in allen dreien jäh aufgestiegenen Plan als erste Worte, indem sie halblaut wisperte: Sicher is er auch zur Kuchweih der Streu ner, der alte! Man muß sich einmal überzeugen, was dran ls! Nun ging ein Tuscheln, Zischeln, Vorschlagen, Bedenken, Zureden uno gegenseitiges Sichanseuern los, bis zuletzt etwa eine Viertelstunde später eine nach der anderen von den Dreien vorsichtig die Stube verließ und anschelnend emen gemüthlichen Sonn tagsnachmittagsspaziergang in Feld und Wa.d hinaus unternahm. Thatsächlich trafen sie sich, nachdem sie behutsam gegen alle Seiten Umschau gehalten, bald darauf vor dem abgelegenen Holzapfelhäusl. Die Bürgermeisterin blickte auf es war, wie immer, unverschlossen und sie schlüpften hinein. In der Stube tickte die alte Wanduhr krächzend und ächzend, und die Katze schnurrte im Schlafe, weil sie von einer fetten Feldmaus träumte. Sonst war's still. Und so blieb es auch im großen und ganzen. Nur hier und da klappte eine Scheere, das spröde Sackzeug raschelte, das Stroh knisterte und eine leichte Staubwolke stieg auf. . Die drei Weider hockten über ihr Werkzeug gebeugt, erregt, mit rothen Köpfen und wühlten und wühlten und wühlten. -' Einmal erschien außen am Fenster unbemerkt und rasch ein Gesicht und guckte durch den Spalt, des vorgescho-
denen, knallrothen Vorhanges. We? das Mienenspiel des Lauschers beobachtet hätte, würde ein boshaftes, Pfiffiges Lächeln bemerkt haben. Aber dann war es schon wieder verschwunden. . SchlSlicb gab es drinnen ein zoniges, enttäuschtes Brummen und Zetern, ein heftiges, mit schlechtem Gewissen vollbrachtes Ausräumen und . Wiederzusammenflicken, ein Verwischen der Spuren und ein entmuthigtcs, verschämtes Wegschleichen vom Häusl. Der Lenz hatte lange nicht mehr so gut geschlafen wie diese Nacht. War die fidele Kirchweihunterhaltung daran schuld gewesen oder das frische Aufrütteln des Strohs, oder hatte ihm
ein lustiges Vorhaben das Herz so leicht gemacht wer weiß. Am anderen Taae. scknitt er iedenfalls ein sehr betrübtes Gesicht, als er zum Bürgermeister kam und den um eine vertrauliche Unterredung bat. Der Dorfalteste kam nachher ganz . bestürzt in die - Küche. Eine schöne Geschichte erzählte er seiner Ehelieb sten und Beratherm unter dem Siegel tiefster Verschwiegenheit , da sei eben der Lenz dagewesen, ganz desperat und auseinander, gestern wär ihm all sein Erspartes aus dem Strohsack gestohlen worden dreihundert Mark und nun müßt' er nicht, was thun. Wahr sei's gewiß; denn daß der Lenz Geld im Strohsack gehabt habe, wisse ja Jedermann und eine greuliche Blamage wär's auch, wenn man das Gericht in's Dorf bekäme, wo seit Jahr und Tag nichts vorgekommen. Die Bürgermeisterin, über's Herdftuer gebeugt, war einmal weiß und einmal roth geworden. Jedenfalls, meinte sie dann etwas gedrückt, dürfe man gleich nichts thun, sondern müsse sich alles wohl überlegen und inzwischen daS strengste Geheimniß darüber bewahren. Ueberlegen das paßte dem BUrgermeister immer, der kein Mann der raschen That war. So ging er einstweilen feinem Tagewerk nach. Seine Frau aber lief mit braun rothem Kopf hinaus und ließ durch die Stalldirne sofort die Schweizerbäuerin und die Selchenhoferin zu einer außerordentlichen Sitzung in's Hinterstübl zusammentrommeln. Was dort geschah, hat Niemand erfahren; sonst hätte er von ohnmächtigen Thränen der Wuth und unHeimlichen Verwünschungen über den alten Lenz erzählen hören können, der der abgefeimteste Loder war. den es gab. Aber was half schließlich alles? . Wollte man nicht als Diebin gelten er' hatte ia offenbar gelauscht so mußte man handeln. Denn ihn zu widerlegen, durste man nicht wagen, da man ja selbst die Legende von seinem angeblichen Schatz" immer am überzeugtesten mitverbreitet hatte. Also hieß es eben alle heimlichen Spargroschen, Milchkreuzer und BlutPfennige zusammenkratzen, mit denen sich die Frau Bürgermeister höchstselbst am Abend, als sie den Lenz zum Wirth hatte gehen sehen, in sein Häusl schlich. Das war ein bitterer Gang und eine bittere Näherei, als sie den Strohsackschlitz, in den sie das Geld gesteckt hatte, wieder schloß. Die Thränen liefen ihr über die Backen, und nur der Gedanke, daß ihre beiden mitgebrandschatzten Freundinnen jetzt zu Hause im stillen Kämmerlein nicht minder heulten, tröstete sie etwas. Der Herr Bürgermeister dagegen lachte fidel, als er ihr am nächsten Morgen mittheilte, der Lenz sei wieder dagewesen, er hatte sein Geld wiedergefunden, es wäre im Strohsack verschoben gewesen. Man sah dem Dorfoberhaupte an, wie leicht ihm war, weil die Sache so gut ausgegangen. Seiner Frau hätte er, wenn er eine Ahnung von dem Geschehenen gehabt hätte, etwas anderes ansehen müssen. Ein paar Wochen später aber unternahm Lenz die längst geplante Reise in die Hauptstadt. Schau, schau," sagten die Leute, also war das mit dem Schatz doch richtig!" Recht hat er," sagte der Bürgermeister zu seiner Frau, besser, er verjubelt das Geld, statt daß es ihm schließlich doch noch gestohlen wird!"' Sie und ihre Freundinnen sagten mchts. Aber als jede von ihnen eine schöne Ansichtskarte mit freundlichen Grüßen von Lenz geschickt bekam, hüpften sie alle drei gleichzeitig vor Wuth deckenhoch und zerschnipselten das arme, unschuldige Papier in tausend Fetzen. Eine recht bedenkliche Verwechslung auf der Eisenbahn verursachte in Varel, im Großherzogthum Oldenburg, mancherlei Schaden und -noch größere Bestürzung. Ein Kaufmann verkaufte versehentlich Benzin statt Erdöl, was zur Folge hatte, daßmehrere Abnehmer, als sie die damit aufgefüllten Lampen anzündeten, durch das schnell aufflammende Benzin Brandwunden davontrugen. Der Kaufmann erließ sofort eine öffentliche' Bekanntmachung, die seine Abnehmer veranlaßte, das Benzin auszuschütten. Die Verwechselung ist dadurch entstanden, daß zwei von Nordenham abgehende Eisenbahnwagen falsch beklebt worden waren. Der Wagen mit Benzin war nach Mainz bestimmt, trug' jedoch die Ausschrift: Petroleum M Varel und umgekehrt, so daß t'zz ErdölwagenMainz ankam. J
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