Indiana Tribüne, Volume 28, Number 166, Indianapolis, Marion County, 7 March 1905 — Page 5

Jndkana Tribuns, 7 März inos.

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.KMeW. geliefert von A. B. MEYER & CO.

Telephone UTuf : Alt - 2440" Neu - Sitz" 10 Haupt-Vcrbmdungcn Wir sind zu jeder Zeit zu haben Kohlcnhof nahe bei Ihnen. Sanpt Office : J9 Nord Pennsylvania Straße Aus Eifersucht brachte e!n großer Neufundländer in Ludwigslust dem vierjährigen Töchterchen seines Herrn nicht ungefährliche Bißwunden bei. Das Kind sollte in's Bett gebracht werden und wollte dem Vater oute Nacht sagen, wobei der Vater sein Töchterchen küßte; plötzlich stürzte sich der Hund wüthend auf das Kind und biß es in's Gesicht. Der sofort hinzugezogene Arzt mußte die Wunde nähen. Der Hund wurde sofort erschossen. Aufdiemeteorologische Station auf dem Drachenkopf bei Eberswalde bei Berlin ist von unbekannten Thätern ein Attentat verübt worden. Am hellen Mittag wurden auf die Station drei Schüsse abgegeben, die von einem 6-Millimeter - Gewehr herrühren. Eine Kugel drang in die Holzwand einer Schutzhülle, die zweite hat fos Gehäuse eines dicFeuchtigkeit registrirenden Instruments getroffen und die dritte hat die Glaswand des Apparates zertrümmert und das Papier, auf dem die Feuchtigkeit aufgezeichnet wird, sowie das Uhrwerk beschädigt. Anscheinend sind die Thäter in halbwüchsigen Burschen zu suchen; die Ermittelungen nach ihnen sind im Gange. A I S .nothlciden 5 i r Landsmann hat ein 30 Jahre lier Kellner Johann Jürgens aus Ernten Berliner Studenten geprellt. Er hatte eine Zeitlang im Hospital gelegen. Nach seiner Entlassung verschaffte er sich ein Verzeichnis der Studirenden der Universität, besuchte hiernach die Studenten aus der Emdene? Gegend, klagte ihnen, daß er eine ihm angebotene Stellung nicht annehmen könne, weil er nicht im Stande sei, seinen versetzten Frack auszulösen, und erbeutete durch diese falsche Vorspiegelung von, seinen Landsleuten Beträge von 8 bis 10 Mrk. So wurde ihm der versetzte Frack eine gute Einnahmequelle bis der Schwindel an den Tag kam. Jetzt, wurde Jürgens festgenommen. Unlängst feierten die Insassen einer Pariser Altersversorgungsanstt den 100. Geburtstag ihres Alterspräsidenten Josef Sardou durch ein Bankett. Sardou ist noch immer ein hochgewachsener, schlanker Mann, der stolz auf seiner Brust das Kreuz der Ehrenlegion trägt, das er sich einst vorm Feinde erworben hat. Er ist auch im Besitz einer goldenen Uhr, die ihm die Stadt Eastelnau a Ory zum Andenken und Lohn für sein tapferes Verhalten bei einem Brande gechenkt hat. Jetzt aber ineldet sich eine Familie Sardou aus Marseille, die behauptet, daß der wahre Josef Sardou, Ritter der Ehrenlegion und Besitzer der famosen Uhr, bereits im Jahre 1869 gestorben ist. Die Familie besitzt heute noch die Uhr und das Verleihungsdekret der Ehrenlegion. Nunmehr ist gegen den noch lebenden Josef Sardou" die Klage erhoben worden. Hoffentlich erlebt der Hundertjährige noch den Ausgang des Prozesses. I n Ea st an l Panopttku m zu Köln zeigte sich unlängst eine stattliche Schönheit, die hinsichtlich ihrer Größe von 7,21 Fuß nicht nur unter ihren Geschlechtsgenossinnen, sondern auch unter allen derartigen Abnormitäten den ersten Platz beanfpruchen dürste. Rosa Wedsted ist 1882 in einem finnländischen Dorse bei Helsingfors geboren. Weder ibre Eltern noch ihre vier Geschwister zeigten eine außergewöhnliche Größe, und auch bei Rosa konnte man noch bis zu ihrem sechsten Jahre von einer Kleinen" sprechen. Dann aber schoß sie ganz gewaltig i die Höhe, und schon im Alter von vierzehn Jahren hatte sie die respektable Größe von 5y2 Fuß. Seitdem langsam, aber stetig wachsend, hat sie heute in ihrem -vierund-zwanzigsten Lebensjahre 7,21 Fuß erreicht, und nach Ansicht der Aerzte ist ihr Wachsthum noch keineswegs als beendet anzusehen. Die Riesendame ist . von durchaus normalem, ebenmäßigem Körperbau; helle Haare, blaue Augen und eine rosige Gesichtsfärbe geben der ganzen Gestalt etwas Sympathisches, was im Allgemeinen bei stlchen Abnormitäten nicht der Fall zu sein pflegt.

Eine Ballnacht.

Von Rosa Auspitzer. Seid ihr fertig, Kinder?" rief die oerwittwete Hofräthin Goller von ihrem hellerleuchteten, eleganten Ankleidezlmmer aus. Sie stand vor einem großen Spiegel und befestigte mit ei- . . ' r v , rrn -. ner Ärlllanlvroicye eine tauge cuexschleife an ihrer schwarzen Spitzentoileite. Die kleine Dame seufzte einige Male auf, wandte den Kopf gegen die angelehnte Thüre des Nebenzimmers, woselbst ihre beiden Töchter Toilette zum Kostümfest machten. Sie wartete vergeblich auf eine Antwort. Nur geschäftiges Hin- und Hertrippeln, balblautes Lachen und Plaudern war zu hören, dann leises Seidengeknister, Klirren von Metallspangen und ein klapperndes Geräusch heftig aneinanverschlagender Perlenschnüre. Hin und wieder ertönte auch ein lauter, fröhlicher Aufschrei. Kinder!" rief die Hofräthin nochmals mahnend, ihr werdet nicht fertig, wenn ihr fortwährend Unsinn treibt." . In diesem Augenblick wurde die Thüre hastig aufgerissen, und auf der Schwelle erschien der Hofräthin Aelteste. Nun, Mama, was sagst du zu meiner Eomposition?" fragte das schlanke, dunkeläugige Mädchen. Es trug ein Odalisken - Kostüm aus vielfarbiger Seide, reich mit Goldschnüren, Spangen, Steinen und Perlen verziert. Mit schelmischem Blick, auf einem Bein stehend, drehte sie sich im Kreise graziös vor der Mutter, um sich von allen Seiten betrachten zu lassen. Das Mädchen sah in der That bezaubernd aus. Der Kopfputz aus rothen, dicken Korallenschnllren, die kunstvoll durch das blauschwarze glänzende Haar gezogen waren und der darüber duftig arrangirte Gazeschleier, der lose über die weißen Schultern glitt, verliehen dem leichtgerötheten Gesicht einen seltsamen Reiz. Sah man näher hin, so bemerkte man, daß die Gesichtszüge durchaus nicht regelmäßig waren, allein die dunklen, . blitzenden Augen, die heute in freudiger Erwartung noch Heller leuchteten als fönst, sowie die schöngeschwungenen, granatrothenLippen ließen alles andere übersehen, so sehr zogen sie die Aufmerksamkeit auf sich. Also sage, wie -ich dir gefalle, Mama?" fragte Nelly ungeduldig noch einmal, während sie die feingerundeten, weißen Arme hochhob, so daß die sie verhüllenden Schleier herabglitten und sie sich wiegend vor der Hofräthin hin- und herdrehte. Recht gut siehst du aus," erwiderte die Mutter nach einigem Zögern. Sie vermied es geflissentlich, ihrer Tochter zu sagen, wie schön sie sie fände. Das thaten Verwandte, -Freunde . und Bekannte nur zu viel, und die Mutter sah besorgt, wie oberflächlich und eitel die Schmeicheleien Nelly gemacht hatten. Ihr Antlitz verdüsterte sich beim Anblick des herrlichen Geschöpfes,, das voller Lebenslust und Lebensfreude vor ihr stand. Unwillkürlich mußte die Hofräthin an Bella, ihre jüngere Tochter. denken, die Natur um Bildung falsch betrogen" hatte, an Bella, die von Jugend auf hinkte. Nelly wartete 'auf weitere bewundernde Worte der Mutter; doch als diese ausblieben, sagte sie, um dem Schweigen, das ihr schon zu lange aedauert hatte, ein Ende zu machen: Ich hole jetzt meinen Mantel." Sie warf noch rasch einen Blick in den großen Ankleidespiegel, der ihr Bild strahlend schön zurückwarf, nickte vergnügt mit dem Kopfe und tänzelte, eine Walzermelodie vor sich hinsummend, auf ihren rothen, goldgestickten, kleinen Pantöffelchen aus dem Zimmer. Sage Bella " Da bin ich. Mamachen," wurde Hofräthin Goller fröhlich von der eintretenden Bella unterbrochen. Das schmächtige, kaum mittelgroße Mädchen hatte ein Dornröschenkostüm aus elfenbeinweißer, weicher Seide mit prachtvoller Goldstickerei angelegt. Das blonde, leichtgewellie, üppige Haar hing aufgelöst um ihre Schultern, nur durch ein um den Kopf gewundenes, schmales, weißes Seidenband zusammengehalten. Etliche widerspenstige Löckchen umrahmten das blasse Gesicht. Den schlanken, weißen Hals umgab ein zartes, bläulichschimmerndes Perlenkollier. Es war das einzige Schmuckstück, das das Mädchen trug. Wie eine Märchenprinzessin sieht das liebe Kind aus." dachte die Mutter, in den Anblick Bellas versunken. Es wurde ihr ganz weh um's Herz, bei dem Gedanken, daß dieses liebliche Geschöpf ein Krüppel war. Gut, daß du fertig bist, Kind, ich glaube, der Wagen wartet schon." Ach, wirklich! Wie ich mich freue, Mama!" Bei diesen Worten klatschte Bella in die Hände, wie Kinder es zu thun pflegen, um ihrer Freude über ein neues Spielzeug Ausdruck zu geben. Bitte, Mama, stecke du mir die Schleppe an; du machst das viel saoner als Marie," fuhr sie fort. Sie sah die Mutter mit ihren großen, sinnenden Blauaugen bittend an und ging, langsam den rechten Fuß nachschleppend, auf sie zu. Ich kann dir gar. nicht sagen, wie neugierig ich bin. Wie geht es denn auf einem Ball zu?, Ist es wahr, daß man sich wie verzaubert auf einem Kostümball vorkommt? Nelly hat mir das eben gesagt," so plauderte Bella unaufhörlich,

während dieHofräthin an der Schleppe herumnestelte. Wirst du nicht zu müde werden?" fragte sie Hofräthin Goller, halblaut. Ach müde! Ich fühle mich so wohl; Schmerzen hatte ich lange keine mehr. Ich habe vorher probirt, mit Nelly ei-

nen Walzer zu tanzen, und es ging, wirklich, es ging. Ich möchte heute so gern tanzen. Es ist ja mein erster Ball!" Den trauriaen Blick, mit dem die Mutter sie ansah, bemerkte sie in ihrem Eifer nicht. Ich werde tanzen," sagte sie nach einer kleinen Pause, wie Jemand, der einen festen Entschluß gefaßt hat. Mir darfst du keine Vorwürfe machen. Bella, wenn du morgen wieder Schmerzen'im Fuß verspürst." Aber, Mama wie du bist!" entgegnete Bella schmollend. Erst läßt du dich so lange bitten, bis du mir überHaupt erlaubst, mitzukommen, und dann sprichst du immer von meinem Fuß. Nelly durfte schon mit 16 Iahren ihren ersten Ball mitmachen, und früher war sie schon auf einem Tanzschulkränzchen gewesen. Ich mußte auf all das verzichten," jagte sie mehr für sich, und jetzt bi ich schon über 18 Jahre alt, und auch heute läßt du mich nur sehr ungern mitgehen. 0, ich sehe es dir an, Nelly darf alles. Sie fährt Rad, geht fast täglich auf's Eis, im Sommer spielt sie Tennis, und und " Ja, Nelly," seufzte die Hofräthin wieder auf; sie war eben mit dem Arrangement der Schleppe fertig geworden; das ist etwas anderes. Du weißt, wie krank dein Fuß vor der Operation war, und daß du nur dann völlig genesen kannst, wenn du dich sehr schonst, dem Fuß nicht zu viel zumuthest. Nur aus dem Grunde meinte ich, ein Ball sei " Sie brach ab. Sie wußte, daß sie die Unwahrheit gesagt hatte, als sie von der Aussicht völliger Genesung sprach. Der Arzt hatte ihr gleich damals gesägt, daß die Operattion ihrem Kinde wohl eine Erleichterung bringen konnte, daß aber ein voller Erfolg ausgeschlossen fei. Hätte sie doch lieber nicht eingewilligt, Bella auf den Ball mitzunehmen. Warum war sie so schwach gewesen? . So dachte sie, als mit hellem Lachen und den Worten: Ich bin fertig, los, gehen wir," Nelly in das Zimmer hineinstürmte. Hinter ihr kam das Stubenmädchen Marie. Sie hilft den Damen in ihre sie ganz einhüllenden Abendmäntel, und die kleine Gesellschaft setzt sich in Bewegung. Nicht die Schuhe durchtanzen, Fräuleins!" rief Marie den jungen Damen nach. Hofräthjn Goller und Töchter hatten eben ihre Ueberkleider abgelegt und standen nun im Vestibül des Vallsaales. Nellys Herz klopfte stürmisch; sie hätte die glänzende Uniform Leutnant v. Lessers bereits in der Garderobe erblickt. Bellas Herz schlug rascher voll fröhlicher Erwartung. Die Mutter blickte ernst drein. Plötzlich, wie aus dem Boden hervorgezaubert, stand der überschlanke Leutnant v. Lesser vor den Damen und schlug die Hacken kräftig zusammen.. Er bat, Nelly in den Ballsaal führen zu dürfen, und diese schob glückselig ihren Arm unter den seinen. Die Hofräthin folgte, Bella kräftig stützend. Eben wurde ein Walzer von ' Strauß gespielt. Hunderte von Paaren schwebten nach seinem Takte über das glatte, glänzende Parkett dahin. Nelly, mehr tänzelnd als gehend, läßt sich von ihrem Führer, der nach einem bequemen Tisch für die Damen auslugt, fortziehen. Nachdem es endlich gelungen ist, ein freies Eckchen 'Zu finden, von wo aus die Hofräthin und Bella den ganzen Saal übersehen können, bittet der Leutnant seine schöne Begleiterin sofort um den ersten Tanz, und einige Augenblicke später mischen sie sich unter die tanzenden Paare. Die Hofräthin und Bella haben indeß Platz genommen. Der feenhaft erleuchtete und dekorirte Ballsaal, die flotte Tanzmusik und das bunte Treiben wirken nahezu lähmend auf Bella. Mit hochgerötheten Wangen und glänzenden, verträumten Augen sitzt sie da. Wie in einem Märchen", murmelt sie vor sich hin. Sagtest du etwas?" fragt die Hof.räthin, die sich mit dem Studium der Weinkarte bis nun beschäftigt hatte. Bella schüttelt verneinend den Kopf. Hofräthin Goller nimmt das Lorgnon und betrachtet nun ebenfalls schweigend das bewegte, fröhliche Bild. Der Tanz ist zu Ende. Die Paare prominiren langsam durch den Saal und die Nebenräume. Manch bewundernder Blick kommt nach dem Platz, wo Dornr'ösch.n - Bella sitzt. Sie fühlt es jedesmal, wenn sie Jemand ansieht. So verwirrt sieht sie womöglich noch lieblicher aus. Ein junger Mann war schon einige Male an ihrem Tisch vorbeigegangen. Er konnte sich nicht sattsehen an dem reizenden Dornröschen. Das Orchester begann wieder zu spielen. Diesmal war es eine Polka. . Nelly, die während der Pause von einem Schwärm junger Offiziere umgeben war, flog in Lessers Armen durch den Saal. Bella sah ihr mit verlangenden Augen unverwandt nach. Wie herrlich mußte das sein, auch so dahinrasen zu können! Sie bebte beinahe vor Verlangen, zu tanzen. . .Gnädiges Fräulein," hörte sie plötzlich neben sich sprechen. Es war der junge, brünette Mann, der ihr

schon wiederholt aufgefallen war, als er immer wieder an ihrem Tisch vorbeiging. Nun stellte er sich ihr und der Mutter vor. v. Huth ist mein Name. Gnädiges Fräulein, darf ich bitten." Er verbeugte sich elegant. ' Bellt erhob sich ganz verwirrt und nahm den dargebotenen Arm des junttn Mannes, der unverwandt in ibre süßen, treuen Blauaugen blickte und darüber die ganze Umgebung vergaß. Beim ersten Schritt vorwärts aber gab es Bella einen Stich. Wenn er merkte, daß sie hinkte?! Stockend sagte sie: Ich tanze sehr schlecht und gerade Polka." Aber gnädiges Fräulein!" Er lachte fröhlich auf. Ich kann das kaum glauben; aber wenn es wirklich so. sein sollte, ich tanze um so besser, und Sie können sich mir ruhig andertrauen. Einverstanden?" Er sah ihr bei diesen Worten tief in die Augen. Dadurch ermuthigt, machte sie die ersten Schritte gegen den Saal. Jetzt erschrak der junge Mann. Täuschte er sich oder - ja, ja, es war kein Zweifel mehr. Sie waren bei den Stufen, die in den Saal führten, angelangt, und Bella konnte nur vorsichtig hinuntersteigen. Er sah es nun ganz deutlich, so sehr sie sich auch bemühte, stramm zu gehen sie hinkte. Nicht nur er, auch andere bemerkten es, und er fing einige auf das Mädchen gerichtete mitleidige Blicke auf. Bella, der diese Blicke auch nicht entgangen waren, errieth mit ihrem großen ftein gefühl, was in dem jungen Mann vorging. Was ihr noch vor einigen Minuten möglich erschien, sah sie jetzt als unmöglich an. Sie konnte ihm nicht zumuthen, mit ihr zu tanzen. Er mußte sich doch ihrer schämen. Thränen wollten ihr in die Augen schießen, aber sie drückte sie wacker nieder, und sie war eben daran, ihn zu bitten, sie wieder zur Mutter zurückzuführen, als ein vorllbertanzendes Paar heftig an sie stieß. In diesem Augenblick legte v.'Huth, dessen Verlegenheit bereits anderen Empfindungen gewichen war, mit fast mädchenhafter Zartheit einen Arm um sie und fragte leise: Wollen wir Probiren?" Sie blieb stumm und. vermied es auch, ihn anzusehen. Ihr Herz klopfte so sehr, daß sie meinte, es müsse ihr die Brust 'springen. Unbewußt schmiegte sie sich an ihn, und liebevoll schob er sie ein paar Schritte von der Stelle. Ihr Herz jauchzte vor Freude, daß er sie nicht gleich wieder zurückführte und doch wenigstens den Versuch machte, mit ihr zu tanzen; aber die Freude währte nur wenige Augenblicke. So sehr sie sich auch mühten, es ging nicht. Nun standen sie wieder still, während die Paare an ihnen' vorbeiwirbelten. Wu wollen noch einmal anfangen, wix waren nicht im Takt," sagte der junge Mann " kleinlaut. Ruhig sich tanzbereit umschlungen haltend standen sie einige Minuten nebeneinander. Bella blickte starr in das Gewirre all der lebensfrohen Tänzer. Die Musik, das laute Sprechen und das laute Lachen der anderen empfand sie wie aus weiter Ferne an ihr Ohr klingend. Einen Augenblick war es ihr, als schwänden ihr die Sinne. Ein Wunsch nur trat klarchervor: ewig hätte sie so an seiner Brust liegen mögen. Den Köpf vorgeneigt ' ihr Haar schimmerte in dem Meer von Licht wie pures Gold die Augen geschlossen, so hing sie in seinem Arm. . Fühlen Sie sich nicht wohl?" fragte er ganz erschreckt. Nein, nein, es ist nichts," stammelte sie kaum hörbar, wie aus einem schönen Traum erwachend. Die letzten Polkatakte waren verklungen. v. Huth führte Bella auf ihren Platz zurück, wechselte mit ihr und der Hofräthin einige conventionette Phrasen, machte seine Verbeugung und verschwand. Er war zum Balle gekommen, um sich zu unterhalten, und er konnte dieses arme Geschöpf mit dem rührenden Ausdruck in den Augen nicht ansehen, ohne daß ihm das Herz weh that. Er wollte tanzen. Was wollte er mit dem Mädchen, das hinkte? Er vermied es daher in der Folge sorgfältig, an dem Tisch, wo Bella saß, vorbeizugehen. Nelly, Leutnant v. Lesser und andere junge Herren, die sie im Schlepptau hatte, waren zum Tisch gekommen. Sie scherzten und lachten viel und laut, so daß es nicht auffiel, daß Bella völlig schweigsam dasaß. Die Hofräthin warf ab und zu besorgte Blicke auf ihre Töchter. Nelly's auffällige Koketterie, die allzu freie und ungezwungene Art, wie sie mit den jungen Leuten verkehrte, schien ihr zu mißfallen. Ihrem Blick entging auch nicht, daß Bella von Minute zu Minute blässer wurde. Sie ahnte, was in dem Kinde vorging, aber sie hatte nicht. den Muth,' mit ihr darüber ein Gespräch anzuknüpfen. ' Jetzt kommt eine Quadrille,", sagte eben Lesser, die tanze ich mit Fräulein Hohn; aber Fräulein Nelly und Vetter Authur müssen v!-ä-v!s tanzen." Er blickte Nelly schmachtend an. Sein vis-ä-vis" dachte Bella und tanzen, tanzen können!" Ihr Herz krampfte sich zusammen und sie fühlte einen heftigen Schmerz. Ihre Augen wurden feucht. Diese fröhliche Tanzmusik that ihr unsagbar weh. Sie war tief traurig . geworden. An ihre freudloseJugend mußte sie jetzt plötzlich denken. ' Fast immer an das Krankenbett gefesselt; die vielen Wochen im Sanatorium nach der Opera-

tion fielen ihr ein; welche Schmerzen hatte sie gelitten, ohne, daß ihr geholfen worden wäre. Warum hatte man sie von Kindheit auf gequält? Wäre es nicht besser, solche Krüppel, wie sie einer war, zu tödten, wie es die Spartaner mit den schwächlichen Kindern gemacht hatten. Bitterkeit erfüllte ihr Herz. Sie wollte nach Hause, sie mußte sich wenigstens ausweinen können. Thränen hatte sie doch auch von der Natur bekommen. Die Hofräthin war von Bellas plötzlichem Entschluß, nach Haufe fahren zu wollen, sehr unangenehm berührt. Nelly allein zurücklassen wollte sie nicht, und ihr den Vorschlag machen, Bella zu Liebe auch nach Hause zu gehen, hatte sie nicht den Muth. Sie fand es denn als eine Erleichterung, als Bella erklärte, sie sei durchaus nicht unwohl, sondern nur unendlich müde und könne allein nach Hause sahren. Den Wagen wollte sie wieder zurückschicken. Die Ouadrille war noch nicht zu Ende, da verließen sie den Ballsaal. Bella setzte sich im Vestibül auf ein kleines, rothes Sammetsosa und wartete auf die Mutter, die den Auftrag gab, ihren Mantel zu besorgen. Die Hoffnung, bald allein zu sein, entrückt der tollen Heiterkeit, die mit ihrem Gemütszustand so contrastirte, richtete sie etwas auf. Sie warf sogar noch einen Blick in den Tanzsaal zurück. Da sah sie ihren Tänzer, wie er . gerade die Treppe hinaufschritt. Ihre Miene hellte sich auf. Sie hoffte, daß er auf sie zukommen würde. Wie dankbar wäre sie ihm für' ein paar freundliche Worte gewesen. Jedoch Huth wandte sich in entgegengesetzter Richtung. Ob er sie wirklich nicht gesehen hatte oder ... nein, er mußte sie gesehen haben ... Solche Zweifel bewegten ihr Herz. ' Helle Thränen rannen über ihr blasses Gesicht er hatte sie nicht sehen wollen. Hastig trocknete sie die Thränen und schlüpfte in den Mantel, den ihr die Hosräthin fürsorglich umgab. Bella, sei kein Kind. Siehst du. Bälle sind eben nicht für jeden ein Vergnügen. Es gibt viele Menschen, denen nichts unausstehlicher ist, als ein Ball. Siehst du, ich zum Beispiel, fühle mich nirgends mehr angeödet als in solch' einem Ballsaal!"' Dachtest Du in meinem Alter auch so, Mama?" fragte Bella mit bebender Stimme, aus welcher der Zfveifel deutlich herauszuhören war. Ja, auch in meiner Jugend dachte ich so," log die Mutter tapfer. Lege dich nur gleich hin und ruhe dich aus. Morgen führe ich dich in die Oper zur Zauberflöte". Dann küßte sie sie auf beide Wangen und half ihr in den Wagen. , Bella lächelte der Mutter unter Thränen dankbar zu. Während sie so durch die dunklen Straßen dahinfuhr, gingen ihr viele Gedanken durch den Kopf. Ja, die Mutter hatte recht, hatte sie nicht die Musik, diese nie versagende Trösterin? Welch' herrliche Genüsse hatte ihr die Beschäftigung mit den großen Tondichtern Beethoven, Mozart und Wagner verschafft! Nelly war gänzlich unmusikalisch und mußte auf diese erhebenden Freuden verzichien. ES fehlte nicht viel, und sie hätte sich selbst eine Standrede gehalten, weil sie auf dem Balle Nelly beneidet batte, als ob diese um soviel glücklicher Ware. Nun hielt der Wagen vor dem Hause. Ruhiger, als sie ihn bestiegen entstieg sie ihm mit Hilfe des Dieners. Marie öffnete ihr schlaftrunken: Ach, das gnädige Fräulein sind schon zurück?" - Bella antwortete nicht gleich. Als sie Maries neugieriges Gesicht beim Auskleiden bemerkte, sagte sie, um alle weiteren Fragen 'abzuschneiden: Ja, Bälle sind eben nicht für jeden." . Lange lag Bella wach im Bette. Die Tanzmusik klang ihr immer in den Ohren. Sie konnte sich drehen und wenden, wie sie wollte. Wie glückselig die Gesichter der tanzenden jungen Mädchen waren! Sie sah wieder Nellys strahlende Augen. Sie tanzte jetzt sicher mit Lesser oder irgend einem anderen. Tanzen! Wieder regte sich der Wunsch in ihr. Was hätte sie jetzt nicht alles darum gegeben, wenn sie hätte tanzen können. Ein neuer Strom von heißen Thränen schoß ihr aus den Augen, als sie auf das von Marie sorglich ausgearbeitete Dornröschenkostüm blickte. Wenn sie so hundert Jahre schlafend hätte daliegen können, und dann ein Prinz gekommen wäre, um sie zu erwecken und sie in 'fein Schloß zu führen... Sie stattete den Prinzen unwillkürlich mit Huths Zügen aus, ja, so mußte er aussehen. Aber der würde nie kommen, um sie zu holen, war er ihr ja doch ausgewichen, um es zu vermeiden, sie dochmals ansprechen zu müssen. Niemals würde ein Mann heimlich zärtlich ihre Hand drücken, wie sie das heute von Lesser bei Nelly bemerkt hatte, noch weniger würde e3 ein Mann unternehmen, sie zu holen, sie, den Krüppel. Sie schrie laut auf vor Schmerz. Nie, noch nie hatte sie so deutlich empfunden, toa?

für ein unglückliches Geschöpf sie war, wie in dieser Ballnacht. Sie löschte das Licht aus, sie wollte nichts mehr sehen. In ihre Kissen preßte sie den Kopf und weinte : - Ewige Lie b e. Wirst Du mich, Arthur, auch ewig lieben?" Gewiß, liebes Frauchen!" So, dann schwöre mir, daß Du, wenn wir uns jemals scheiden lassen sollten, keine andere als mich wieder heirathen wirst!- . '

Seuer - Signale.

i Pennals send Sterke i Sngliff'S Opern-Hu Sag und Stts York -f Noble und Michigan i 53. Jersey u. Mass 20 Pine und NorH a Market und Pine . 1 Vermont nahe Saft Nq. 8 Spritzenhaus JSafl. Avcnahe Sbk s Deulware und Walnnt 4 N. Jersey Central A. 5 Mast. und Korne? 5lvt sb ifed 11. Etraß ? Park Ave und l Str h Columbia undHillfid $ Highland Ave .Pratt ii JllinoiS und Et. Jsx 3 Pcnnsylv. und Pratt .4 -Neridianund ll. Et? '5 Slo. 6 SpriyenhauS 15, naye J!linS 6 Eenate Sveu.StEIaik . JUineiS und Mchigan Prfylöania und 14. s Senate Ave. und vR i No. l Spritzenhaus JnoKvenaheMichiga ! Meridian und Walnut 4 California u Vermont 5 3Iab und New gor w Ind. Av. u St atr .7 City Hospital Blake und orth i Michigan und Lgnes 1 No. 6 Spritzenhau Washington nahe Weft .2 GsendorfuWash. ia Missouri u New Fort 8 Meridian u Wash JllinoiS und Ohis ? Tepitol Av.u Wafh mgan'S Porkhau '9 Straßenbahn StöHi W. Washington Su Ns. 10 Spritzenhaus JllinoiS u Merrill 41 JllinoiS u Louisiana 5 WeK und South 4 West und KcCarty ü Senate Slve. u Henry 57 Meridian und Aay No. 4 Spritzenhau Madison . u MorrtS 4 Madiso Lv.uDunlop a No Haken Leiterhaui South nahe Delawar 6 Penn. Merrill ttla&artu. McSart) afiundOcSsrt? New Jersey U.ra irg.Lv.n Lradffs IS Gast und Prokpect Licking und High ,1 No.ll Spritzenhaus ir Ave. NLhe Huroo &st und Seorgi 1t Tedar und Ein ?4 Davidson n Seorgia English Av. Pwe '6 Ehelöy und Bates S No. Spritzenhaus Prospert nahe Shelkch k Fletcher Äv. u Shelby il Market u. New Zersey Delaware und Wash. i3 S-.st u Washington l New York .Davids Zkubstummen Anstalt S Ler. Staaten Arsenal fT Orients! und Waff. Frauen-Resormat. )i 3. 13 Spritzenhaus Maryland nahe Mer. t Meridian . yeorgia. i3 Meridian und Leuth .'4 Pennsyd u. Louistana 'S Lirgmi Ave u. Slab. 'S Hauptquartier. il Grand Hotel. x 8 Tapital Ave und öhk '.3 No. 16 Spritzenhaus 16. und Afh. il Alabama und 18. ?5 Central Ave und 1&. i ZandcS und 15. 27 Brookstde und Juptta 3 Central Av und 17. 9 Delaware und 19. 31 Alabama und 11. 32 Bellesontawe und d. 34 College Ave und SA. 5 Delaware und 13. 3 Alabama und North 37 Newmann und 1. 33 College Nve und 14 39 Cornell Ave und 13. 41 DandeS un! 19. v2 Highland Ave und 10. ii Tecumseh und 10. 46 New Jersey and 22. S Alvord und 17. i7 No. Spritzenhaus Hilififc Ave und 16. 9 College Ave und 3. 9 College Ave und 7. bL Park Ave und 12. ?s L E u. W Bahnn.?. 54 Namsey Ave und IS. 55 Stoilghten u Newma 57 AtlaS und Piks. 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Spezial Signale. krstea Schläge, zweiter Alarm, Zweiten Schlöge, dritter Alarm, Oritten 5 Schläge, vkrttf Alarm. i--i, Feuer aus und Schlauch aufgersA. i Schläge, Wasserdruck ad. H Schläge, 1s Uhr Mittags. Die o bezeichneten Signal verden nur d, ZSssra achter angegeben da an den betretend Cfca reuzunge deine SUcnn&ftcti npclmcht f&s. In Paris haben )q Spaßmacher neuerdings recht bedenkliche Scherze ausersonnen. Fast jeden Tag findet die Polizei Sprengbomben, die selbstverständttch mit der allergrößten Vorsicht und unter der höchsten Aufregung des Publikums fortgeschafft werden, und die sich dann alö harmloser Jux" entpuppen. So wurden in da Rue D'Huys und in der Rue Dupetit - Thouars zwei sprengbüchsenähnliche Vorrichtungen gefunden. Sie wurden nach den: städtischen Laboratorium zur Untersuchung gebracht. Durch die Funde - entstand einige Aufregung, doch stellte sich bald heraus, daß die Bomben" nur Kohlen oder Gips enthielten. Einige andere scheinbare Bomben, deren Legung sich ebenfalls als schlechter Scherz erwiesen hat, wurden an verschiedenen Stellen gefunden. - : :