Indiana Tribüne, Volume 28, Number 165, Indianapolis, Marion County, 6 March 1905 — Page 4
Judiana Tribüne. Marz W0S.
Indiana Tribüne. vnzeked von der utbra SB. Indianapolis, Ind.
Harry O. Thudlum , Präsident GeschäftSlocalt No. 31 Süd Delaware Straße. Telephone 2s. ' rtcred t the Pott Office ot Indianapoli . second du matter. Jnauguratiovs-Festlichkeiten in den Ver. Staaten. (Westliche Post.) Der JnaugurationS Ball ist nie eine- prunklofe Affaire gewesen, selbst als die Regierungsstadt Washington an Ausdehnung noch einem Marktflecken glich, war höfischer Glanz in Ceremonien und Toilette eingezogen. . Der erste Ball wurde zu Ehren George Washington'S einstimmiger Wiederwahl am 4. März 1793, dem Jahrestage der Constitution, in Phila delphia gehalten, dem die feinen UmgangSformen altenglischer Aristokratie den Stempel der AuZerwähltheit auf prägten. Darnach wurde der Sitz der Regierung von Philadelphia nachWash. ington verlegt, wo am 4. März 1803 der- erste Jnaugurationsball gehalten und von dem Präsidenten Madison, dessen Gatin, sowie dem Exprüsidenten und den auswärtigen Ministern, en grande tenue besucht wurde, die Chro nik überliefert, daß Frau Madison grundsätzlich niemals tanzte, dennoch als Zuschauerin der graziös dahinglei tenden Paare großes Jntereffe und Vergnügen an den Tag legte. Die zweite Inauguration des Präsidenten Madison brachte lwiederum ein glänzendeö Ballfest mit sich, das in jeder Be. ziehung erfolgreich verlief. Im Antrittsjahre deö Präsidenten JameS Monroe 1317 war das Weiße HauS" niedergebrannt, weShalb der Präsident und seine Gattin im DaviS Hotel Wohnung genommen hatten, wo eine prominente Gesellschaft von 800 Personen sich zum Tanze versammelte und beim zweiten AmtSantritte JameS Monroe dieselbe Huld!gung entgegennahm. Präsident Monroe konnte vor seinem Scheiden aus dem Amte gerade noch den ersten öffentlichen Empfang in dem wieder aufgebauten Weißen Hause" abhalten, danach wurde Carufi's a loon" für den Ball seines Nachfolgers John Adams bestimmt. Als Andrew Jackson mit der PrSsidentenWürde ausgezeichnet wurde, war kein Ball arrangirt worden; nach der Ablegung deS Eides drängte sich jedoch eine ungeheu Volksmenge, um den Helden von New Orleans zu feiern, in das Wenje Haus", welcher begeisterten Demonstra tion werthvolleZ Glas und Porzellan zum Opfer fiel. Präsident Jackson'S Wiederwahl gab alSKann die Veranlassung zu einem in der Central Masonic Hall- von dem Mayor nnd dln Behörden besuchten Ball. Später wurde die Sitte eingeführt, zur Inauguration mehrere Bälle ?u veranstalten, zu welchen Funktionen Carufi's Salornt" das tonangebende Lokal bezeichnete, wo der Präsident, der meisten nur einer Festlichkeit bei wohnte, zu erscheinen nie verfehlte. Hervorzuheben in Bezug auf Glanz Entfaltung und 2000 Doll. den Wai. senhäusern zufallender Reingewinn ist der Ball, auf welchem der ueuerwühlte Präsident William Harrison mit Frau GaleS, der Gattin des Redakteurs der .National Jntelligence" den Reigen führte und außerdem fanden an demselben Abend noch zwei andere luxuriöse Bälle statt als Wahrzeichen der natio nalen Wohlfahrt. Auch 1845 versammelte sich zu Ehren deS Präsidenten Polk in Carusi'S Saloon" eine auf 600 Personen beschränkte höfisch feine Gesellschaft. Als ZachariaS Taylor den Thron" bestieg beiläufig bemerkt, der einzige Präsident, deffen Ruhestätte kein Denkmal schmückt wurden wiederum drei Bälle gegeben; für den HonoratiorenBall errichtete man auf dem Judiciary Square" ein prächtig dekorirteS temporäres Gebäude, in dem am 4. Mürz das zur Zeit gefeierte Österreich! sche Orchester Professor Gungl'S spielte. Der zweite fand in Jackson Hall" und der dritte in Carusi'S Saloon" statt, glanzvolle Ereignisse, die im Laufe des Abends Präsident Taylor und Prüsiden Fillmore besuchten. Franklin Pierce'S Inauguration gab ebenfalls den Anlaß zur Aufführung eines temporären Gebäudes auf demselben Platze.' Der prunkvolle aal, in dem, wie die Ännalen der Geschichte
verzeichnen, eine muntere diftinguirte Ballgesellschaft sich thatsächlich vergnügte. stand durch verdeckte Gänge mit den als Garderoben dienenden Zim-
mern der Stadthalle in Verbindung. Finanzielles Mißgeschick störte die Festlichkeiten, als Präsident JameS Buchanan sein Amt antrat, so daß ein nicht unbedeutendes Defizit von den Comitemitgliedern gedeckt werden mußte. Präsident Buchanan betrat in Begleitung von Miß Harriet Lane um 11 Uhr den in einem eigens für den Zweck der Inauguration aufge führten Bau mit den Flaggen aller Nationen geschmückten Saal, deffen Plafond ein wahres Himmelszelt, mit weißem Tuch drapirt und mit goldenen Sternen besät war. Der Präsident ließ die Promenade" Revue pajsiren und nahm um Mitternacht Theil an dem Bankett, während der Tanz bis Tagesanbruch dauerte. Die Prognose zu Abraham Lincoln's Regierung : Am Himmel geschehen Zeichen und Wunder; und aus den Wolken blutigroth, hängt der Herrgott den Kriegsmantel runter" mag den trotz der äußersten Bemühungen deS Sekretärs Seward finanziellen und gesellschaftlichen Mißerfolg deS InaugurationSballS, auf dem der Prüsi. dent nicht erschien, verschuldet haben. Der Ball zu Ehren deS Präsidenten Grant wurde im nördlichen Flügel deS Schatzamtes gegeben und gestaltete sich bei allem durch räumliche Beschränkung entstandenen Gedränge zu einem großartigen Ereigniß. Das ganze offizielle Washington war erschienen, 5000 Per. formt und viele Helden der Union vermischten in vornehm kleidsamer Militärtracht sich mit den schillernden' Uniformen des diplomatischen Corps und feierten dle Auferstehung der Nation. Um eine Wiederholung des GedrängeS, in dem damals Horace Greeley zwei Stunden eingedämmt auf seinen Ueberzieher wartete, zu vermeiden, war man bei Antritt des zweiten Termines auf den Bau eines Saales am Judiciary Squre" zurückgekommen. Zweitaufendfünfhundert Gasflammen erleuchteten die fürstlich dekorirten Räume, die Speisen lieferte Delmonico aus New Jork, und das spricht für sich selbst; nichtsdestoweniger war es verlorene Liebesmühe; die sirenge Winterkalte ließ die in Ueberziehern, Pelzen und Hüten im Saal prominirenden Gäste nicht in Stimmung kommen, die selbst den zum munteren Gesang requi rirten Canarienvögeln ausblieb, kurz der ganze Jnaugurationsball von 1873 machte ein Fiasko. Als Präsident Hayeö die höchste Staatswürde übernahm, konnte keine Festlichkeit stattfinden aus Mangel an genügender Zeit zu den Vorbereitungen zwischen der Entscheidung der Präfidentenwahl und dem 4. März. Mit dem Ausschwung der Nation hielt ln der Folge die Luxusentfaltung gleichen Schritt. Der zu Ehren deS Präsidenten Garfield 1881 in dem ge rade vollendeten National Museum gedäude gegebene Ball war die zahlreichst besuchte aller Festlichkeiten. Die Rotunda verherrlichte die Colossalstatue der Freiheit,' deren hoch erhobene Rechte die elektrisch strahlende Fackel hält; Reihen von Gasflammen verbanden die Säulen und unter dem Lichtthurm wogte eine elegante Gesellschaft, die der Präsident, sowie der Cx-Präsident mit ihren Familien besuchten. Daö PensionSamtS Gebäude wurde vollendet, als Präsident Cleveland, der erste De mokrat seit Buchanan, erwählt war und der prächtige große Lichthof zum Ball.Lokal bestimmt, das einer hervorragend schönen Feier diente. AIS Präsident Benjamin Harrifon in die Bundeshauptstadt einzog, regnete eS den ganzen Tag, doch frohe Stimmung beherrschte die im Pen sion Building" so dicht gedrängte ex klusive Gesellschaft, daß an Tanzen nicht zu denken war und der zwei Stunden lang verweilende Präsident nur einen ceremoniellen Empfang abhielt. Zur zweiten Inauguration des Präsidenten Cleveland beleuchtete elekirischer Glanz die zwölstausendköpfige Menge, die sich eingesunden hatte, zu Ehren deS neuerwählten Präfidenten. Vor acht Jahren wurde Präsident McKinley mit gewohnter Pracht und weitreichenden Vorkehrungen inaugurirt, dennoch, war Gedränge unvermeidlich. Der Präsident nebst Gemahlin waren eme -knappe Stunde anwesend. Der letzte Jnaugurationsball . ist jedem Betheiligten noch frisch km Ge-
düchtniß. Der Präsident und General MileS erschienen um 10 Uhr und geleiteten Frau McKinley in einen kleineren Saal, wo ein kurzer Empfang abgehalten wurde. Der Viceprüsident Roofevelt, dessen Gattin und Tochter nahmen an der kosmopolitischen Affaire theil, wenig . ahnend, daß McKin-
ley'S tiesbeklagteS Martyrum so bald die RegierungSpflichten auf die Schul tern des jüngeren ManneS übertragen würde, , deffen Umsicht und Thatkraft das gesammte Volk durch seine Wieder wähl zum Präsidenten, anerkannt und sich in dem Wunsche vereinigt, daß die RegierungSjahre Theodore Roosevelt'S den Abglanz der mit allem erdenklichen Pomp vorbereiteten JnaugurationS festlichkeiten bilden mögen. Präsident Noosevelt hat am Sam stag die politische Hinterlaffenschast McKinley's abgewickelt. Er ist nun Präsident durch die Gunst des Volkes, welches ihm durch eine ungeheure Stirn menzahl bei seiner Wahl den besten Beweis seines Vertrauens gab und wird sich , nur durch Rücksichten auf das Volkswohl leiten laffen. Der Theatcrvorlinng nnd seine Sannen. Von Josef Leminsky. An welchem Theater der Welt wäre es nie vorgekommen, daß beim Emporgehen des Vorhangs jemand auf der Bühne stand, der durchaus nicht hingehört?" bemerkte Wilhelm von Hoxar, der kürzlich verstorbene Rcgisseur und Bonvivant,. als ich vor einiger Zeit über Thlerkuriosa mich mit ihm unterhielt. Gewöhnlich wird' der Fall dadurch am drastischsten," fuhr der Künstler fort, daß der Betreffende durch seine moderne Tracht sofort als,nicht hingehörig erkannt wird. , Die Sache kommt, nämlich meist in Kostümstücken vor, und wird vom Publikum immer mit schallendem Gelächter belohnt. Wunderbarer Weise ist die betreffende Persönlichkeit, die durch den unerwartet emporgehenden Vorhang der Lust des Auditoriums überantwortet wird, meist der Regisseur, der Direktor oder gar der Intendant des Theaters. Mehr häufig auch ein Theaterarbeiter. ' Der Effekt bleibt stets derselbe. In einem Zszuderperücken - Stück zum Beispiel rauscht der Vorhang empor und ein moderner Theaterarbeiter in Hemdärmeln springt eiligst über die Bühne! N'bst vielen anderen sind mir zwei chst drastische Fälle bekannt. An eium ersten Hoftheater geht zum dril4n Akt von Maria Stuart" der Vorhang empor und statt Maria und Kennedy sieht man im eifrigsten Gespräch zwei ganz modern gekleidete Herren auf der Bühne stehen, der eine, klein und dick, im schwarzen Rock, der andere auffallend groß im dito . Frack mit Stern. Es war der Herr Direktor mit Sr. Eczellenz dem Herrn Intendanten. Ein lustiges Kichern geht durchs Auditorium. Dadurch.werden die Betreffenden" da oben auf der Bühne erst aufmerksam auf die Thatfache. Man denke sich nun vor allem die verblüfften Gesichter der beiden Herren; dann den strengen fragenden Blick der Exzellenz und das devote, bedauerliche Achselzucken des anderen. Endlich entfliehen beide schleunigst in mächtigen Sprüngen nach einer Coulisse zu da stoßen sie aber gerade auf Maria und Kennedy, die eben auftreten wollen. Nun wollen sie in eine andere Coulisse; in der Eile aber rennen sie zusammen, prallen auseinander, dann erst verschwinden sie. Nicht bei dem lustigsten Stück ward in jenem Hoftheater das Haus durch ein schallendes Gelächter so in seinen Grundfesten erschüttert. Maria Stuart. und Kennedy mußten lange warten, ehe sich der Heiterkeitssturm so weit gelegt hatte, daß sie es wagen durften, aufzutreten. Der andere Fall ist mehr idyllischer Natur. Auch dieser spielt an einem bedeutenden Hoftheater. Schillers Tell" wird gegeben. Vierter Akt: Die hohle Gasse bei Küßnacht. Diese Dekoration ist an dem betreffenden Theater durch viele hintereinander aufgestellte, in die weiteste Tiefe führende, enge Bogen hergerichtet. Da nun in diesem Akt großer Volksauflauf stattfindet und die derart aufgebaute hohle Gasse bis an die tiefste Wand reichte, so hatte der Regisseur, ein altes, kleines, trippelndes Männchen, immer die Besorgniß, es könne dahinter an der offenen Mündung der hohlen Gasse, oder in dieser selbst, jemand, der nicht hingehörte, erscheinen. Sobald der vierte Akt also angehen sollte, lief der alte Herr auf der Bühne und hinter den Coulissen umher und bat und beschwor nach allen Seiten hin, man möge sich doch ja davor hüten, der hohlen Gasse zu nahe zu kommen. So auch an diesem Abend. Nachdem er seinen beschwörenden, Rundgang gemacht, bezog er seinen Wachtposten an der gefährdeten Stelle. Alles stand wohlgeordnet zum Beginn des Aktesuuf seinem Platze. Der letzte Ton der Zwi-schenakts-Musik verklang. Der Vorhang rauscht empor, und das bekannte schadenfrohe Lachen erhebt sich im Vublikum, denn anstatt, daß Tell mit
seinem Monolog auf die Bühne ftürmen soll, trippelt ganz gemüthlich der wohlbekannte Regisseur mit dem Buch in der Hand in der gefürHteten hohlen Gasse umher und ruft, für das ganze Publikum vernehmbar, mit seiner dünnen scharfen Stimme nach rechts
und links hin: Also gebts'acht, wanwi der Vorhang m der Höh' ist, daß mix niemand in die Gassen hineintritt! " Damit blickte er auf, sieht den offenen Vorhang, und sucht mit eiligen Sprüngen so schnell als möglichzu verschwinden. Im Auditorium brach nun natürlich erst recht ein förmlicher Lachsturm aus und sein donnerndes Getöse fand an diesem Abend auf der Bühne den kräftigsten Widerhall. Ja, ja, nirgends wird der Schritt vom Erhabenen zum Lächerlichen so leicht zum Ereigniß", als auf der Bühne," bemerkte ich, mich eigener Erfahrungen entsinnend. Haben wir nicht schon erlebt, daß beim zu frühen Aufziehen des Vorhangs, zum Gaudium des Publikums, ein ganzer Schwärm Nichtbeschäftigter auseinanderstob? Waren wir nicht schon Zeugen, wie durch sein zu spates Niederrauschen der Effekt einer Schlußscene vernichtet wurde? Ja, von seinen Launen hängt vielleicht gar dasSchicksal eines neuen Stückes ab. Er ist im Stande, einer wichtigen Scene ein vorzeitiges Ende zu bereiten; den Lebensfaden des dem Tode geweihten Helden sckon im ersten Akt abzuschneiden; in der Oper vermag er dem Tenoristen die schönste Arie zu verkürzen, im Schauspiel dem Liebhaber bei dem herrlichsten Monolog in die Rede zu fallen." Für manche Novität wäre es freilich besser, d'er,Vorbana ginge aar nicht in die Höhe. Die Schauspieler und' das Publikum könnten dabei nur gewinnen vielleicht auch der sogenannte Dichter" In neuerer Zeit ist es der eisern: Vorhang, der schon oft seine Renitenz bewiesen hat. Haben wir es doch vor Kurzem erst im Berliner Opernhaus erfahren, daß er partout nicht in die Höhe wollte. In dem neuen NationalTheater war er wenigstens so liebenswürdig, in einer Hugenotten - Aufführung auf halbem Wege stecken zu bleiben. Dabei erinnere ich mich der Darstellung des Banvilleschen Dramas Gringoire" durch ein ambulantes Hoftheater" in dem oberbayerischen Neste G. , Es war ein Meisterlich der Schelmerei, den der Vorhanges war kein eiserner an jenem Abend vollführte. Die Kunstscheune war natürlich ausverkauft, und das ländliche Publikum gab seiner Ungeduld durch Klatschen, Trampeln, Johlen und den Rufen: Anfangen!" Vorhang hoch!" den lebendigstes Ausdruck. Der das Orchester repräsentirende Leierkasten hatte bereits seine'n. ganzen Vorrath an Ouvertüren, Tänzen und Märschen, erschöpft und war im Begriff, von vorn anzufangen da ertönte die Klingel, der Lärm verstumm !e und der Vorhang hob sich langsam und so weit, um eine Anzahl Tisch-,'Stuhl- und Menschenbeine sehen zu lassen, und dann hängen zu bleiben. - ' Verwünschter Vorhang, warum ist er nicht vorher probirt worden!" ließ sich eine rasselnde Stimme, von der Bühne her vernehmen, während ein Dutzend Füße sich hinter dem Dreiviertel - Vorhang hin- und herbewegten, der Souffleurkopf aus dem Kasten sichtbar und Hämmern und Rufen hörbar wurde. Endlich gelang es, den Vorhang wenigstens so weit in die Höhe zu bringen, daß man den Anblick von fünf kopflosen Gestalten ht quem genießen konnte, bis auf König Ludwig XI., welcher, im Armstulil sitzend, in seiner ganzen Majestät zu sehen war. Dank der vortrefflichen Stimme des Souffleurs ging die erste Scene indesjen befriedigend vor sich. Freilich vernahmen die Zuschauer bloß die Reden der Akteure, sahen auf ihre Armbewegungen, ohne jedoch ihr gewiß ausdrucksvolles Mienenspiel bewundern zu können, ein Umstand, welcher erst eine Aenderung erfuhr, nachdem der Vorhang durch einen erneuten Gewaltzug in die Höhe gebracht war. Aber nicht nur die elende Schmiere, auch das vornehme Berliner Schauspielhaus ist nicht gefeit gegen Launen des Vorhangs. Von dem Beginn seiner Laufbahn erzählte mir Friedrich Haase folgendes lustiges Geschichtchen. Im Jahre 1849 gastirte Haase auf der Hofbühne als Adam in dem Lustspiel Doktor Wespe" von Venedix. In der Schlußscene des zweiten Aktes hat Theudelinde von Zünndorf dem vermeintlichen Doktor Wespe in der Person seines Dieners Adan ihr Trauerspiel vorzulesen, wobei dieser, von der Schönheit der Dichtung überwältigt, einschlafen muß. Nun hatte Adam-Haase seinen Sessel von der Vorleserin immer weiter und weiter weggerückt, bis . . nun, es ist Aktschluß und der Vorhang fällt. Der gute Adam öffnet die Augen, um zu sehen, ob er feine Schlafstelle" schon verlassen kann.. Doch was ist das? Mit Entsetzen sieht er sich dicht an der Rampe, während hinter ihm der Vorhang gefallen ist. Das Publikum lacht unbändig, und im Gefühl eines jämmerlichen Fiasko schlägt er sich seitwärts in die Coulisse. Daö Publikum aber, das den durchaus unbeabsichtigten - Scherz für eine -feine Nüance" Haases hielt,, ruhte nicht eher mit sei-
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nen Velfallsäußerungen, als bis er wieder vor der Rampe erschien, um sich für seinen Erfolg'dankend zu verneigen. Diesen Erfolg," bemerkte Haase lachend, hatte ich aber nicht etwa memer Schlummerrolle" zu danken, nein, ausschließlich" dem gesälligen Vorhang." Vor der Soiree. Aber, Edgar, wie kannst Du nur jetzt schon gähnen, wo der Abend noch gar nicht begonnen hat?" Ja weißt Du das rührt noch vom letzten Mal her!" Scheinbarer Widerspruch. Ich habe gehört, Jsidor Bär in Pleiterode könne sich nicht mehr über Wasser halten." Im Gegentheil er ist schon über's Wasser!" Von der Schmiere. Direktor (im letzten Akte dem Helden zuflüsternd): Herr Schmierl ... wir kriegen heute die Vorstellung zu zeitig aus Sie müssen in der letzten Scene eine Viertelstunde länger sterben!" Variante. Mancher ergreift in der Verzweiflung den Mitgiftbecher. Höchste Zeit. Aber, lieber Freund, die Leute lachen schon über Deine kokette Tochter! . . Red' ihr doch zu, daß sie endlich dreißig ahr' alt wird!" Die Marchesa Vitellec'chi kehrte dieser Tage von Turin in ihr Heim nach Neapel zurück und fand, als sie ihre Koffer öffnete, daß ihr daraus ihre sämmtlichen Juwelen entwendet waren, die nach Angabe der Dame einen Werth von 35,000.. Lire .ausmachen. Aller Wahrschemlichkeit nach sind die Koffer während derEisenbahnfahrt erbrochen und ausgeplündert worden; die Marchesa beabsichtigt daher, gegen die EisenbahnGesellschaft auf Schadenersatz in der Höhe des genannten Betrages klagbar zu werden. E i n schlauer Eisen b a h n d i e b hat in einem von Würzbu?g in München eingetroffenen Schnellzuge mit Erfolg gearbeitet. Er bestahl einen schlafenden Fahrgast, verließ dann das Abtheil und kletterte am Wagen entlang nach einem BremsHäuschen. Als er dieses von einem Wagenwärter besetzt fand, stieg er in ein anderes Abtheil, zog dann in der Nähe von Dachau die Nothbremse und sprang, als der Zug hielt, aus dem Wagen. Im Augenblick war er verschwunden. ehe man hatte feststellen können, von welchem Abtheil aus die Nothbremse gezogen worden war. Man hat keine Spur von dem schlauen Diebe. Z m - A u g e Berlin Eydtkuhnen wurde unlängst die 25jährige Tochter Nadine des Kaiserlich russischen Staatsraths Groscheff aus St. Petersburg plötzlich irrsinnig. Die junge Dame, die sich auf der Rückfahrt von der Riviera nach ihrer Heimath befand, versuchte zwischen den Stationen Schneidcmühl und Konitz sich mit ihrer goldenen Uhrkette zu erwürgen, wurde aber hieran durch den SchlafwagenWärter noch rechtzeitig verhindert. Während der Weiterfahrt warf die Unglückliche einen Theil ihres Gepäcks zum Fenster hinaus, riß sich die Kleider vom Leibe und durcheilte, wilde Reden führend, die. Gänge des SchlafWagens. Da die Unglückliche nicht zum Anlegen ihrer Kleider zu bewegen war, mußte sie, um ihre Blößen zu verdecken, vom Zugpersonal' in wollene Schlafdecken gehüllt werden. Bei der Ankunft in Dirschau wurde die Irrsinnige, die einen ansehnlichen Baarbetrag bei sich führte, auf Anordnung des Bahnarztes nach dem dortigen Johanniter - Krankenhause gebracht. Ein Kaufmann der Stadt Cork in Irland ist wohl der erste Mensch, der sozusagen bei seinem eigenen Begräbniß gesungen hat. Auf den Deckel deö Sarges wurde nämlich ein Phonograph gestellt, nach Beendiaung der religiösen Ceremonien wurde oieser in Bewegung gesetzt und die Traüerversammlung in der Kirche hörte nun ein Requiem, das der Verstorbene selbst in den Apparat gesungen hatte. Die Walze soll aufbewahrt werden, und an jedem Jahrestage feines Todes soll seine Stirne? wieder erklingen. Der Kaufmann tatte ctnc schöne Baritonstimme; er hatte bei mancher öffentlichen Feier gesungen. -
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Joliu C. Rucke
