Indiana Tribüne, Volume 28, Number 164, Indianapolis, Marion County, 4 March 1905 — Page 7

Jttdlana Tribüne, a. Marz ISS.

Im Aampfs mit dem Schicksal. Noman von Silaö ttHocking, Übersee von V. Treumannttoner.

( Fortsetzung.) Sie hcltte eine außerordentlich lebhafte Phan'tasie und einen ziemlich starken Hang zur Romantik. Und so versetzte ihre neue Bekanntschaft -sie in die höchste Erregung. Während sie an ihren mysteriösen Beschützer -dachte, spukten in ihrem elfjährigen Köpfchen allerlei Geschichten aus ihren LiebIingsbiichern von fahrenden Rittern und verkleideten Prinzen. Wundersame Bilder stiegen vor ihr auf, und eine erwartungsvolle. Stimmung entrückte sie der Gegenwart. Sie spann ihr abendlichesErlebniß zu einem märcdenbaften Aukunftstraume auL. Niemand störte sie. Es war ungewohnlich still im Hause. Die Schwurßerichtssitzung hielt Jasper mehrere Tage fern vom Gehöft, und Lea, die in der Wirthschaft draußen zu thun hatte, steckte zwar mehrmals den Kopf durch die Stubenthür, aber da sie ihr Pflezetöchterchen mit Schularbeiten beschäftigt glaubte, zog, sie sich wieder zurück und ging zur Suse in die Küche. Plötzlich polterte Charleh, der die Fütterung des Rindviehs besorgt hatte, von draußen in die große Küche herein, und Eva gesellte sich zu ihm. Sie un terhielt sich gern mit dem alten Burschen. Er wußte so gut Bescheid übe? die Thiere und Pflanzen, die Aussaat und Ernte und das Wetter. Und was er nicht wußte, das muthmaßte er, was meistens erst recht interessant war. Habtti Sie heut' keine Bücher zum Lesen, Fräulein Evchen?" frug er, ein paar Scheite Holz auf das Herdfeuer legend, an das sie sich einen Schemel gerückt hatte. Nein, Charley, ich mochte, du plaudertest ein wenig mit mir. Hab' leider gar keine Zeit, muß wieder in die Ställe, Die kleine Bleb ttrtH kalben, uno unsere neuen jungen Stiere, mit denen hab' ich auch meine liebe Noth.Ach, wie schade," sagte sie. Und als er auf der Diele war, verfiel sie wieder in ihre Träumereien. Am folgenden Nachmittag zögerte sie absichtlich in den Straßen von Stamer, bis e5 dunkel war. Ihr unbekannter Beschützer schalt sie ernstlich deswegen, als er sie auf dem einsamen, finsteren Heckenwege eingeholt hatte. Ach, seien Sie mir nicht böse sagte sie mit Thränen in den Augen. Ich will's ja auch nicht wieder thun. Ich hab' nur sehen wollen, ob Sie wohl kommen würden." Und wenn ich! nun nicht gekommen wäre?Ja, daS hätte mich traurig gemacht." Also ist es dir lieb, wenn ich dich nach Hause bringe?" Ach ja! Ich höre Sie so gerne reden, und Sie sind groß und stark, so daß ich mich gar nicht fürchte, wenn Sie mit mir gehen. Aber Ihren Namen mochte ich kennen." Was ist ein Name?" sagte er la chend. Das weiß ich nicht. Wenn ich an Sie denke, fo mein' ich immer, Sie wären einer von den Rittern, die in meinen Geschichtenbüchern vorkommen." Gut also; Herr Ritter, so kannst du mich nennen." Sie heißen aber doch nicht so. Ich wünschte, daß Sie mir Ihren wirklichen, richtigen Namen sagten." Warum denn?" Damit ich mal nach Ihnen fragen konnte." Fragen sollst du eben nicht nach mir." So? Ich soll nicht?" lachte sie. Ich krieq' aber Alles heraus, was ich wissen will. Das versteh' ich extra, sag' ich Ihnen." Ei, das ist ja furchtbar! Da muß . ich mich in Acht nehmen!" Weshalb?" Weil 'ich eben dein ungenannter Ritter bleiben möchte, Nleine. Sieh', jetzt bist du gleich zu Hause." Wollen Sie nicht mit hineinkom men?" bat sie, als sie angelangt waren. Heute nicht. Vielleicht ein andermal." Und mit einem kurzen Gute NachV eilte er wieder davon. In später Stunde des nächsten Tages kam Jasper zurück, und für diesen .Abend vergaß Eva ihren unbekannten Ritter ganz und ccz ilitz der Geschichte von dem jungen Menschen, der wegen Einbruchs zu drei Jahren Gefängniß derurtheilt worden. Dreizehntes Kapitel. Drei Jahre später. Hans war frei. An einem rauhen Decembermorgen, ganz in der Frühe, als die Morgendämmerung noch mit der nächtlich:n Dunkelheit im Kampfe lag, ohne doch einen merklichen Erfolg zu erringen, stand er abseits von einer Anzahl mit ihm zugleich entlassener Sträflinge, die vor dem Thor des Gefängnies von Verwandten und Freunden unter lärmenden Begrüßungen empfangen und alsdann zu einem lustigen Schmause nach der nächsten Schenke geführt wurden. Hans sah dem Trupp nach und seufzte. Noch nie hatte er sich so einsam und verlas-

sen gefühlt, wie eben jetzt. Anstatt r . rt .r" r i

trog zu iem, oem ieiangniß Dtn Nucken kehren zu dürfen, empfand er es fast schmerzlich, daß jene Pforten für lhn nun geschlossen waren, hmter denen er sein Frelhen, arer doch das einzige Obdach besessen, welches die Welt ihm geboten hatte. Einige Mlnuten stand er qanz still. Dabei begannen seine-Zähne hörbar aufeinander zu schlagen, und bis in's Mark sei ner Knochen schien der schneidende Morgenwind zu dringen. Seine kahle Zelle war wenigstens warm gewesen, und im Vergleich mit der grauen, wlNierlichen Oede, die ihn hier draußen umgab, ein trauliches Plätzchen zu nennen. Er hatte nur wenig frühstückt. Vor Freude war er zu erregt gewesen. Wie lange hatte er sich nach diesem Tage gesehnt, wie oft von der Zeit getWnimi. in der er frei sein würde und nun! Was sollte er mit scinerFretheit machen? Wohin sich wenden? Was beginnen heimathlos und ohne Freunde, ohne Zeugnisse, ohne Geld? Die vollen drei Jahre seiner Gefangenschaft hatte er gearbeitet, und jetzt sah er sich in die Fremde hinausgestoßen. Und mehr als das! Ihm war zu Muthe, als sei er in die Fluthen des Meeres hinabgeworfen, allwo es hieß: Sinken oder Schwimmen, just wie das Geschick es wollte oder die Kraft zum Kampfe mit den Wogen ausreichen würde. Zur Zeit, wo Hans diese trüben Erfahrungen machte, gab es in England ttine hilflosere, schummere Lage, als die eines entlassenen Strafgefangenen. Und auch heute noch ist hier in diesem Punkte wenig gebessert, so weit staatliche Fürsorge geht. Der Mensch kommt nicht in Betracht, vom officiellen Standpunkt aus gibt's keine Unterfcheidung Gefangener' ist Gefan gener, weiter nichts. Ist ihm sein Strafmaß zuerthellt und d ihm zu gemessene Zeit abgelaufen, so mag er gehen. Der Kehricht wird hingeschüttet, wo er herkam hinaus auf hk Straße. Wen kümmert's, ob er dort unter die Füße getreten wird, oder in den Rinnsteinen liegen bleibt als eine Pestgefahr für die menschliche Gesellschaft? Der grobe, schlecht sitzende Anzug, den Hans trug, war Alles, was er besaß. Seine Taschen waren buchstäblich leer. Nicht einmal ein Taschentuch steckte darin. Kein junger Mensch von achtzehn Jahren ist jedoch ganz ohne Hoffnung. Und bei dem kalten Wetter stehen bleiben und frösteln wäre mehr als dumm gewesen. Ei konnte sich wenigstens durch Bewegung erwärmen. So wanderte er also die Richtung war gleichgültig. Vielleicht führte ihn der Zufall günstig. Nachdem er eine halbe Stunde rüstig gegangen war, wurde ihm schon anders zu Muthe. Die Decembersonne hatte sich mittlerweile durch die grauen Nebel hindurch gerungen, und die Gegend machte nicht mehr solchen trostlosen, unfreundlichen Eindruck. Ein Dorf kam in Sicht. Er beschleunigte seine Schritte, es zu erreichen. Die ganze Ortschaft bestand aus vier Vauernhütten. zwei Schweinekoben und einem Viehstall. Er fetzte sich auf einen umgestülpten Steintrog und wartete fünf Minuten, Doch kein Mensch ließ sich blicken. Die Häuser waren wie auSgestorben. Das ist heiter," murmelte Hans und setzte seine Wanderung fort. . Um Mittag meldete sich der Hunger bei ihm, und gegen einen leeren Magen kommen optlMlstlfcheRegungen schwerlich auf. Er erklomm einen Hügel, aber die Aussicht, welche dieser gewährte, war nicht gerade verhnßungs voll. Kein Dorf, keine Stadt, nur hie und" da eine vereinzelte Hütte. Kein Laut war vernehmlich, außer dem langgezogenen Hüh, hüh!". womit ein pflügender Bauernknecht seinen Gaul aufmunterte. Sonst Todtenstille ringsum. Und weiter wanderte Hans, immer in der gleichen Richtung gen Norden. Um auszuruhen, setzte er sich auf einen breiten Feldstein am Wege. Im Rücken schützte ihn ein hoher Zaun vor dem rauhen Ostwinde, und die hinter einer Wolke hervorschimmernde Sonne erwärmte ihn etwas. Er gedachte der Zeiten, da er so in Gemeinschaft mit Gemma gerastet, wenn sie zusammen das Land durchstreift hatten. Wie lange schien es her! Und doch waren es nur drei Jahre, nach dem Kalender berechnet. Der Kalender zählt aber nicht die Schläge eines gequälten Herzens, nicht die Seufzer aus gepreßter Brust und die Thränen unaestillter Sehnsucht. Es dünkte Hans fast undenkbar, daß wirklich nur drei Jahre verstrichen waren, seit er Eemmas Blondhaar in der Sonne schimmern sah und ihr in die fröhlichen blauen Augen geschaut. Gemma, das Zigeunerkind, mit der weißen Haut und den Augen von himmlischem Blau! Er vergaß übcr der schmerzlich süßen Erinnerung an sie sogar feinen Hunger. Seine Stimmung verdüsterte sich indessen, als er die Aussichten auf ein Wiederfinden seiner Spielgefährtin in Betracht zog. Sie war inzwischen nahezu erwachsen, hatte vielleicht ihren Prinzen kennen und lieben gelernt. Und was war er? Ein. Landstreicher und gewesener Strafgefangener. Nein, es war am Ende besser, wenn sie einander nicht be-gegneten.

Das Rasseln etn3 Fuhrwerks UNierbrach seinen trüben Gedankengang. Der Wagen, ein in allen Theilen klapMinder Karren, kam aus derRichwng, die Hans genommen hatte. Auf einem Brett, das als Kutschersitz diente, saß ein etwa siebzehnjähriger Bursche. Er hielt auf den Knieen einen Napf mit Fleisch und in der Hand ein Stück Brod, in das er eifrig hineinbiß. Wollen Sie mir bitte sagen," fragte Hans, auf das Gefährt zugehend, nach welchem Ort dieser Weg sührt?Kamt rnchi verstehen! Lrrl WaZ meinen Sie?" Als der Karren hielt, wiederholte Hans seine Frage. Kommt drauf an, wie Sie gehen. Wenn Sie nach Bodmin zu gehen " Nein, nicht dorthin," fiel Hans ihm in's Wort. Also nach der anderen Seite?" Jawohl, wohin komme ich da?" O, nach vielen Orten. Nach London auch, wenn Sie so weit gehen." Ich will heute nicht nach London." Könnten Sie auch nicht; wenn Sie wollten. London, ist ja tausend Mn len weit von hier." .Wirklich?" Na, denn hundert, aber so weit gewiß. Bin noch nicht da aewesen, möcht' auch nicht hin. JZm Theway ist zweimal da gewesen, und was der

erzählt, danach muß es ja eine mächtig große Stadt sein, mit einem Spektakel wie 'ne Dreschmaschine, und so voll Wagen in den Straßen, daß, wer zu Fuß geht, nicht von der Stelle kommt." Ja, ja," nickte Hans lächelnd, aber wohin komme ich zunächst?" Wie wollen Sie denn gehen? Gradeaus?" Ja, gradeauZ." Nun, also immer gradeaus, da werden Sie wohl an die See kommen." Ich bin kein Seemann," sagte Hans halb belustigt, halb ärgerlich. Danach sehen Sie auch nicht aus. Sie sind wohl fremd hier in der Nach barschast?" Allerdings r So? Und was thun Sie denn eigentlich hier?" Jeht rede ich hier schon eine Wett zu Ihnen, aber Antwort auf meine Frage hätte ich ebenso gut von dem Karren da kriegen können." O, Sie werden ' doch ein bischen Spaß versiegn?" sagte der Junge und grinste mit dem ganzen, sommerspros. senübersaten Gesicht. Es war nicht bös gemeint. Der Tom Liddicoat ist nun mal ein Spaßvogel, sonst aber ein guter Kerl. Ich laß Sie auch mit aufsiben, wenn Sie wollen." Danke, das nehme ich gerne an." Und Hans kletterte behende auf daZ Sitzbrett. Gepolstert ist die Bank nicht," bemerkte der Bursche, aber schlecht sahren ist besser, als stolz zu Fuß gehen." Wohnen Sie weit von hier?" fragte Hanö. Na, so, so. Blackwater, was meinem Herrn sein Hof ist, liegt im Tudor Kirchspiel, und das, sag' ich immer zu meinem Herrn, ist noch sieben Meilen hinter Nirgendwo. Und was bekommen Sie von Jhlern Herrn gezahlt, wenn Sie ihm solche interessante Belehrung erthei len?" Mir scheint, Sie haben Hunger?" Wieso?" Na, weil Sie so auf einen losbeißen." Hungrig bin ich, das stimmt." Thut mir leid, daß ich mein Mittagsbrod schon halb aufgegessen habe," und der Junge reichte Hans den noch zur Hälfte mit Pökelfleisch gefüllten Napf. Beraube ich Sie auch nicht zu sehr?" Nehmen Sie nur wir haben mehr in Blackwater." Gierig verzehrte Hans das Fleisch, ihm dünkte, er habe nie etwas so Gutes gegessen. Ist Ihnen besser?" Sehr vielbesser." Ja, ja, Hunger macht einen knurrig. Haben Sie einen guten Dienst?" Augenblicklich bin ich außer Stellung." Schlechte Zeit zum Wechseln. Hier ist mitten im Winter wenig Arbeit. Aber vielleicht versuchen Sie's in Polwhele. Sie sind gewiß ein Stadtmensch, Sie sehen so blaß aus. Mir würd'S in der Stadt nicht gefallen. Ist zu viel Lärm und ein ungemüthliches Leben. Die nächsten Nachbarn kennen einander nicht mal." Ist's noch weit bis Polwhele?" Nicht sehr. Dunkel wird es aber doch wohl, bis Sie hinkommen." Ist der Ort groß?" Nicht groß, nicht klein. Nun; sind wir aber kurz vor Blackwater, und ich muß Sie absetzen." Hans erkundigte sich beim Absteigen genau nach dem Wege und wanderte dann rüstig vorwärts. Die cornischen Feldwege mit ihren zahllosen Windungen und den hohen Zäunen, welche die Aussicht versperr ren, bieten aber einem Wanderer, der die Gegend nicht kennt, unendliche Schwierigkeiten. 'Und bald wußte Hans von den umständlichen Weisungen Tom Liddicoats kein Wort mehr. Hin und wieder traf er heimkehrende' Feldarbeit, doch wenn ihm der ernt gesagt hatte, er sei auf dem rechten

Wege, so hieß ihn der nächste wiederum anders gehen.

So irrte er bei zunehmender Dunkelheit kreuz und quer, und, was das Schlimmste war, ohne Ziel und ohne Plan. Er befand sich in einem Zustände völliger Rastlosigkeit. Das Gefangmßleben hatte. sein Denkvermögen dermaßen abgestumpft und erschlafft, daß ihm die zur gründlichen Ueberlzgung und zu geistiger Sammlung nöthige Kraft manqelte. Drei Jahre lang war Denken überhaupt nicht von ihm verlangt worden. Das hatten Andere für ihn besorgt, und ihm war'S im Grunde recht gewesen. Denn daS Dasein schien ihm nur erträglichwenn er möglichst wenig nachdachte. Jetzt dämmerte die Erkenntniß seiner Verdummung in ihm auf. Er entsann sich, daß es eine Zeit gegeben, wo Vradley und Lockett seinen Scharfsinn und seine Geistesgegenwart gerühmt hatten. Damals wa? Plänemachen und intensives Denken eine Lust für ihn gewesen; jetzt empfand er es als eine Anstrengung und eine Qual. Ein Knabe war er in's Gefängniß gekommen und verlassen hatte er es als Mann, doch nur an Körperkraft und Gestalt als ein solcher. In geistiger Hinsicht war er zurückgegangen, eingeschrumpft, und konnte sich aus sei nem Stumpfsinn nicht aufraffen. Seine Wanderung in's Ungewisse führte ihn endlich an eine Brücke, die einen ziemlich breiten Strom überlvannte. Doch als er sie überschreiten wollte, trat ein Wächter auf ihn zu und verlangte einen Groschen Brückenzoll. Ich kann das Brückengeld nicht geben," sagte Hans, ich habe keinen Groschen." Thut mir leid, da kann ich Sie nicht passiren lassen. Wer die Brücke betritt, muß einen Groschen zahlen, so ist meine Instruktion." Kach diesem brüskm Bescheid blieb Hanö nichts weiter übrig, als umzu kehren und den Weg zurückzugehen, den er gekommen! war. Dreizehntes Kapitel. Ein Wendepunkt. Nicht immer ist es als ein Unglück zu betrachten, wenn unsere Wünsche durchkreuzt werden. Widerstand stählt die Willenskraft, während lässiges Sich-Treiben-Lassen sie abschwächt. Den ganzen Tag hatte Hans sich auf der Landstraße herumgetrieben, ohne eigentlich zu wissen, weshalb. Einen bestimmten Zweck hatte er nicht verfolgt. Er hoffte, irgend eine Stadt zu erreichen. Das war Alles. Das Weitere würde sich dort finden. Nun sah er sich plötzlich in feinem Vorhaben behindert. Er steckte die Hände in seine leeren Taschen und bemühte sich, nachzudenken. Der Strom war breit, vielleicht auch tief, und das Wasser kalt. Hindurchschwimmen war kaum rathsam. Ich möchte doch über den Fluß sprach er zu sich. Man pflegt gerade das am lebhaftesten zu wünschen, was einem verwehrt wird. Und bei Hans trug die geistige Trägheit, die sein Denken hemmte, noch dazu bei. daß er die Vorstellung, jenseit? der Brücke liege für ihn das Gelobte Land", nicht wieder los ward. . Ueber den Fluß muß ich auf jeden Fall!" sagte er sich nochmals. Ja aber wie? Er hatte nie zuvor bedacht, wie viel manchmal von einem Groschen abhängt. Ein Groschen konnte ihm das Land erschließen, wo Milch und Honig floß, ohne den Groschen war er vielleicht verdammt, in der Wüste elend zu verschmachten. Die Trauben von Eskol hingen, wie er meinte, an dem Besitz jenes Groschens. . Woher sollte er aber den Groschen nehmen? Er konnte ihn nicht stehlen, und zum Vetteln war er zu stolz. Also mußte er ihn zu verdienen suchen. Dies wa? ein Wendepunkt in seinem Leben. Bisher hatte er nur gehofft, es werde sich etwas für ihn finden. Jetzt war er zu der Einsicht gekommen, daß er sich selber bemühen müsse, etwas zu finden. Damit hatte der Stand seines Schicksalsbarometers sich bedeutend gebessert. Der Zeiger war von Abwarten" auf Arbeiten" vorgerückt. Hans merkte es allerdings noch nicht. Hilfloser und' verlassener war er sich noch nie vorgekommen. . Steigt doch oft das Quecksilber des Wetterglases zu Schön Wetter" auf, während noch der Negen berniederströmt. Hans war etwa eine Viertelstunde gegangen, als er einen Weg entdeckte, den er vorhin nicht bemerkt hatte. Es war ein Seitenpfad, der sich von der Landstraße durch Felder hinzog. Alle Wege führen irgend wohin," dachte Hans. Ich will mal auf diesem mein Glück versuchen." Und wirklich kam er bald auf ein kleines Dorf zu. Die paar Wohnhäuser beachtete er nicht, weil ihn die Schmiede mit ihrem Wärme spendenden Feuer mächtig anzog. Wenngleich schon seit zwei Stunden dunkel, war es doch nicht sehr spät. Drinnen arbeitete der Schmied noch er machte Hufnäkk. Hans trat durch das offen siehende Thor, und nach kurzem Gruße streckte er die Hände dem Feuer entgegen. Möglichst unbefangen bemerkte er dazu: Es ist kalt geworden, Meister. Werden halt Frostwetter über Nacht bekommen " ... . . .... S (Fortsetzung folgt.)

Europaische Nachrichten.

EellerreiH'Jlngrn. Wien. In der Josephstädterstraße ist Frau Gabriele .De Sommain, Gattin des Generalmajors a. D. Ferdinand De Sommain, Langegasse 26 wohnhast, auf der Straße einem Schlaganfall erlegen. Der Präsident des Wiener Modeclub Karl Uty wurde, als er mit mehreren Freunden eine Tarokpartie spielte, in seiner Wohnung, Helferstorserstraße 11, vom Schlage getroffen und starb wenige Minuten darauf. In seiner Woh nung, Zollergasse 2, ist der vormalige Polizeidirektor in Prag und Hofrath Albert Sedlaczek Ritter v. Grauthal gestorben. Im Passagierzimmer eines Hotels in Favoriten wurde der 17jährige Malergehilfe Jakob Kolar todt aufgefunden. Er hatte sich aus einem Revolver eine Kugel in die rechte Schläfengegend gejagt und war auf der Stelle todt geblieben. Der 23jährige Schuhmachergehilfe Alois Prina, Flachgasse 48 wohnhaft, trank in der. Einfahre des Hauses Arnethgasse 74 Salzsäure. Er wurde in's Wilhelminenspital gebracht und ist dort im Laufe der Nacht gestorben. Ursache der That ist unglückliche Liebe. Generalmajor d. R. Karl Nawratil Edler v. Kronenschild, Besitzer des Militärverdienstkreuzes mit Kriegsdekoration, ist im 75. Lebensjahre durch Schlaganfall eines plötzlichen Todes gestorben. A n z b a ch. Vor einiger Zeit wurde hier der pensionirte Oberlehrer Josef Posch im 95. Lebensjahre unter außerordentlicher Betheiligung von nah und fern zu Grabe getragen. - Brunn. Die Gemeindevertretung Wählte mit 39 von 42 Stimmen zum siebenten Male Rudolf M. Rohrer sen. zum Vicebürgermeister der LandesHauptstadt Brünn wieder. Friedek. Der Chef der hiestgen Bezirkshauptmannschaft, Bezirkshauptmann Theodor Jelen, beging sein 25jähriges Dienstjubiläum. I s ch l. Die Gemeindevertretung wählte den Vicebürgermeister Franz Leithner einstimmig zum Bürgermei ster. Luxemburg. Luxemburg. Zu Straßen ent stand in einem Hause der Gemeinde (früher Eigenthum des Herrn Vricher), bewohnt von den Familien Fries-Weimann und Belleville-Ley, ein Schadenfeuer.' Der versicherte Schaden beträgt ungefähr 100 Francs. B i w i s ch. Hier entstand eine Fencrsbrunst in dem Gerätheschuppen des Ackerers Michel Post. Differdingen. Der Fuhrknecht Ricardo Fravkini fiel in einer Gallerie über einen Stein und geriech mit dem rechten Arm unter die Räder der Förderwagen, die er bediente. Der Arm wurde ihm förmlich zu Brei gedrückt; er muß amputirt werden. Düdeldingen. Der in den zwanziger Jahren stehende, erst vor 6 Monaten verheirathete Grubenarbeiter Joh. Heinz verunglückte in einer Gallerie, indem er von einer Maschine er faßt und zur Seite geschleudert wurde. Er starb kur darauf. Ein Pariser Verleger ist von einer merkwürdigen Klage be droht. Dieser Tage erhielt er. aus einem Städtchen in den Ardennen einen eingeschriebener Brief, in dem ihm mit heftigsten Worten eine Entschädigung von 100,000 Franken abverlangt wird, weil er einer Braut den Vräutigam abspenstig gemacht habe. Der Verleger,, ein ehrenwerther, 'verheirathetec Mann, wußte erst nicht, was ihm geschah. Es stellte stchdann heraus, daß er die unheilvolle That mit einem der bei ihm verlegten Bücher vollbracht hatte. Vor einiger Zeit deröffentlichte er die Arbeit eines jungen Doktors der Medizin. Gewöhnlich werden mit solchen Erstlingsarbeiten nicht sehr glänzende Verkäufe erzielt, in der Regel gar keine. Auch von der Arbeit des Doktor Cousin erhoffte der Verleger nichts weniger als einen Massenabsatz. Er war sogar hoch erstaunt, als ein Herr aus einem Ardennenstädtchen stch ein Stück des Schriftchens bestellte, das kaum im engsten Kreise der Fachgelehrten bekannt" geworden war. Die Doktorarbeit be handelte in der That und ziemlich trocken die physiologische Möglichkeit der hin und wider behaupteten Thatsache, daß die Kinder aus einer- von einer Frau eingegangenen zweiten Ehe dem ersten Gatten ähnlich sehen. Der Verfasser schloß sogar auf die wissenschaftliche UnHaltbarkeit der Behauptung. .Das hinderte den Herrn aus dem Ardennenstädtchcn freilich nicht, aus dem Büchlein das Gegentheil herauszulesen und seiner Braut, einer jungen Wittwe, sofort den Abschied zu geben, da ihm aus dem Lesen des Buches eine ideelle Eifersucht gegen den verstorbenen ersten Gatten erwachsen war. Die junge Wittwe scheint das Leben viel zu ernst zu nehmen, um in den Aengsten des Bräutigams bloß einen Vorwand zum Bruch des Verlöbnisses zu erblicken. Sie schrieb sofort an den Verleger nach Paris und drohte ihm mit gerichtlicher Klage, wenn er ihr für den angerichteten Schaden nicht 100,000 Franken Schmerzensgeld bewillige. Der Verleger wartet natürlich ruhig ab, bis sich ein Gericht findet, das ihn für diese kaum erwarietenFolgen seiner Thätigkeit verantwortlich macht.

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