Indiana Tribüne, Volume 28, Number 163, Indianapolis, Marion County, 3 March 1905 — Page 3

Jndiana Tribüne, 3. März 1903.

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RussWc Front Wmilt bereits unter dem heftigen Anpralle der Japaner. General Stösscl warm vom Zaren begrüßt. Die aNgMeine Strcillage wieder sehr lrilisch. - Ungünstige Lage in Tcutsch-Südwestasrila. - HandelsMinister Möller angeblich amtsmüde. Noch ein Versuch zur Lösung der ungarischen Krisis.

Ostasien. Allgemeine. Kriegslage.' S t. P e t e r S b u r g , 2. März. Die Lage von Kuropattln'S Armee wird hier als mehr oder weniger kritisch angesehen. D'e UmgehungS - Bewegung, welche Gen. Kuroki in den Ber gen, 40 Meilen östlich von Mulden Iei tei, scheint erfolgreich zu sein und gleich- i zeitig drängt Feldmarschall Oyama den russischen linken Flügel zurück, während er daS Zentrum mit schweren Geschützen beschießt. Die russischen Linien wurden 2 Meilen zurückgedrängt. Kuro patkin hat gegen Kuroki frische Truppen geschickt. Gen. Rennenkampf zieht sich lang sam zurück und macht in der bergigen Gegend dem Feinde jeden Zoll Boden streitig. Mit Fortschaffung der Vorräthe von Mukden nach Norden ist angeblich schon begonnen worden. Der linke Flügel bedroht. Hauptquartier General Rennenkampf'S, nahe Ha dyadani, 23. Februar (Mukden, 2. März). Alle japanischen Angriffe auf die neuen russischen Stellungen, einige Meilen nördlich von Ubenepusa, wurden erfolgreich zurückgeschlagen; aber die Abtheilungen, welche die linke rus fische Flanke deckten, konnten den Vormarsch der Japaner nicht aufhalten. Das Dorf Hudyazi, nördlich vom Ha manda-Passe, wurde von den Japanern genommen. Der Rückzug der Division auf Madyadane ist ernstlich bedroht. Kampf auf dem linken russischen Flügel. S e k e t u n. 2. März. Ein hartnäckiger Kampf tobt auf dem linken Flügel. Energische Angriffe der Ja. paner auf das Dorf Kudaza wurden abgeschlagen und die Russen konnten ihre Stellungen halten, da ihnen eine Kolonne zu Hilfe kam, welche die Japaner von Westen angriff. Die. Kolonne besetzte 2 Pässe und drang bis in die Gegend von Ubenupufa vor, obgleich sie während der Nacht dreimal von Japanern angegriffen wurde. Das russische Zentrum gefährdet. St. Petersburg, 2. März. Das ganze Zentrum Gen. Kuropatkin'S scheint dem Zusammenbruche nahe zu sein. Nach einem Kampfe, der die ganze Nacht währte, würde die Brücke, die über den Shakhe - Fluß führt, den Russen wieder entrissen. Die Verluste auf beiden Seiten waren riesig. Die Japaner beschossen den Putiloff. Hügel, der den Schlüssel von General Kuropatkin'S Centrum bildet, mit gro ßen Mörsern, wie sie bei der Belagerung von Port Arthur verwandt wurden. Die Befestigungen auf demselben und auf dem Nowgorod-Hügel werden durch die elfzölligen Granaten in Staub verwandelt und Kuroki bedroht die rufsifchen Verbindungslinien. Trotzdem will man im KriegSministerium nicht zugeben, daß Kuropatkin zum Rückzüge gezwungen werden mag; freilich find viele Offiziere entgegenge letzter nsicht. Von Japanern überfallen. Nutschwang, 2. März. Simnintin wurde von Japanern befetzt. Daselbst hatte seither ein lebhafter Handel mit Kriegskontrebande geherrscht. Schleunigst wurden alle Vorräthe vor dem Erscheinen der Japaner auö Sicbt geschafft. Unter den griechischen und deutschen Händlern herrscht großer Schrccken. Die Japaner kümmerten sich aber nicht um sie und rückten nach Paucheatum. Man erwartet ein Gefecht, da Kossacken nicht weit sind. Russen im Nachtheile. St. Petersburg, 1. März. General Kuropatkin meldet: Die Japaner machten einen neuen Angriff auf die Stellung beim GautoPasse am 1. März um 3 Uhr Morgens. Nachdem verschiedene Angrisse abgeschlagen waren, mußten unsere Truppen zwei Verschanzungen aufgeben, die durch

die feindlichen Geschoffe demolirt worden waren." Der Bericht sagt weiter, die Angriffe auf den Putiloff und den NowgorodHügel am 1. März hätten nur unbe deutende Verluste gebracht. Bombardement. M ukd e n, 2. März. Der Donner der Geschütze dröhnt von allen Stellungen. Da Bombardement wurde wieder aufgenommen, nachdem ein japani fcherJnfanterieAngriff abgewiesen war. Ein heftiges Bombardement ist auch in der Gegend der Brücke über den Shake Fluß im Gange, welches offenbar einen Angriff vorbereiten soll. Das Wetter ist fortdauernd schön und warm. Die Chinesen schicken sich zur Aussaat an. Rußland. Gen. Stösfel. St. Petersburg, 2. März. Gen. Stössel wurde heute vom Zaren hi Audienz empfangen um zum Frühstück eingeladen. Man erfährt, daß der General vom Zaren mit einer Wärme empfangen wurde, die ihn vollauf für die kühle Haltung verschiedener Zeitungen und Militärkoterien entschädigen konnte. Natürlich feiert auch die Gesellschaft den General. Ein großes Diner fand ihm zu Ehren gestern Abend nach seiner Rückkehr von ZarSkoje-Sselo statt. Es sind noch keine Schritte zur Untersuchung der Uebergabe von Port Arthur gethan worden, aber die ganze Angelegenheit wird bald einer UntersuchungZ'Commisston übergeben werden, um die streitigen Punkte aufzuklären. Erkrankt. St. Petersburg, 1. März. Fürst Swiatopolk-Mirsky, der frühere Minister des Innern, ist zu Charkow ernstlich erkrankt. Verdächtigerverhaftet. St. Petersburg, 2. März. Die Polizei zu Tsarskoje Selo. welche seit Ermordung des Großfürsten SergiuS die gewohnten Vorsichtsmaßregeln zum Schutze der kaiserlichen Familie verdoppelt hat, verhaftete einen Verdächtigen. der behauptete ein Neffe des Gen. Fock zu fein, deffen Papiere aber nicht in Ordnung waren. ES wurde ein großer geladener Revolver bei ihm gefunden. Untersuchung wurde eingeleitet. Bombe geworfen.' Warschau, 2. März. Um 3 Uhr heute Nachmittag wurde ' aus einem Fenster das nach dem Hofe der Polizeistattn des Muranoff-DistrikteS geht, eine Bombe mitten in eine Soldatengrupe geworfen ohne zu explodiren. Zwei verdächtige Juden wurden ver hastet. Die Behörden wollen nicht mit Einzelheiten heraus. Religiöse Freiheit. St. Petersburg, 2. März. Das Minister'Comite hat beschlossen, alle Bestimmungen, die gegen Nichtangehörige der orthodoxen Kirche gerichtet sind, innerhalb drei Monaten aufzuheben. Streik. St. Petersburg, 2. März. Die Streiklage hat sich in Rußland in Folge der kühnen Forderungen der hiesigen Arbeiter verschlimmert. Die Behörden sind jetzt überzeugt, daß dl Führer der Arbeiter nach einem wohlüberlegten Plane von einer geheimen Centrale geleitet werden, welche eine Beilegung der Schwierigkeiten zu verhindern sucht. Die Behörden sind mit ihren Kenntnissen zu Ende. Gleichzeitig tauchen Gerüchte- von einer großen Demonstration am Samstag auf. Auch zu Moskau soll angeblich am Jahres tage der Aufhebung der Leibeigenschaft eine große Demonstration in'S Werk gesetzt werden. Man argwöhnt, daß diese Demonstrationen mit Bomben ge gen die Truppen unterstützt werden -sollen, wie sie zu Wirballen, Polen, konsisjirt wurden. S t. Petersburg, 2. März. Die Schriftsetzer aller Zeitungen stellten heute ohne vorherige Benachrichtigung

neue Forderungen auf und drohen morgen an Streik zu gehen. Moskau. 2. Mürz. ES sind jetzt 60.000 Mann am Streik. St. Petersburg. 2. März. In den großen Fabriken des WiborgViertels gingen heute weitere 10,000 Mann an Streik. B j e l o st o k, 2. März. Die Ar. beiter in allen hiesigen Fabriken in der Zahl von 10,000 sind ausgestanden. St. Petersburg, 3. März. Die Clektoren, welche die ganze Arbei' terbevölkerung von St. Petersburg vertreten und 50 Delegaten zu der Commission für Untersuchung der Ar beiterlage wählen sollen, versammelten sich gestern wieder und bekräftigten die schon früher angenommenen Resolutio nen. Im Falle ihre Forderungen nicht gewährt werden, wollen ste keine Delegaten wählen und einen. allgemeinen Streik veranlassen. Sie verlangen Entlassung verhafteter Arbeiter, Redefreiheit, Oeffentlichkeit der Sitzungen der Commission und Abschaffung der Censur. Sie forderten bis heute eine Antwort. Es ist wenig Aussicht, daß die Regierung die Forderungen gewähren wird. Es sind hier 50.000 Mann am Aus. stände. Darunter sind seit gestern die Maschinisten der Warschauer Bahn in den hiesigen Werkstätten. Die Zug. bediensteten sind noch nicht ausgestanden, doch mögen die .Führer sie dazu veranlassen, um eine der wichtigsten Bahnen Rußlands brach zu legen. Warschau, 2. März. Während des Tages verhaftete die Polizei 340 streikende jüdische Handlungsgehilfe. Der Birektor der GaSgefellschaft benachrichtigte heute den Generalgouverneur, daß er nur noch bis Samstag GaS liefern könne, wenn der Streik in den Werken nfcht zuvor beendet fei. Die Werke wurden seit 4 Wochen von Soldaten unter Aufsicht alter Vorleute betrieben. Da die Soldaten keine Erfahrung besaßen, ist die Maschinerie vielfach in Unordnung gerathen. Ein Vormann wurde durch einen Stich vermundet und ist heute gestorben. Der Hauptpunkt der Differenzen ist die Forderung der Streiker, daß 40 deutsche Maschinisten entlassen werden. Die Gesellschaft ist eine deutsche und hat deßhalb die Forderung abgewiesen. Sollten am Samstag oder Sonntag die befürchteten Unruhen eintreten, so würde der GaSmangel die Schwierigleiten sehr erhöhen. Türkei. Tochter des Sultans hei rathet. Konstantinopel, 2. März. Prinzessin Naileh Sultana, Tochter des Sultans, wurde heute mit Staatsrath Hickmet Bey, Sohn des JuftizministerS, im Yildiz Kiosk verheirathet. Deutschland. Kolonialbeschwerden. Berlin, 2. Mürz. Wie man von bestunterrichteter Seite erfährt, ist die militärische Lage in Deutfch-Süd-westafrika, trotz der neuerlichen Erfolge des Generalleutnants v. Trotha, des Höchstkommandirenden im fernen Schutzgebiet, eine durchaus ungünstige. Die mit Waffen versehene Herero sind zwar kaum noch 2000 Mann stark, aber trotzdem find die Schutztruppen unfähig, ihre Vernichtung durch offene Gefechte herbeizuführen. ES gelingt den Herero jedes Mal sich durch Flucht zu retten, wenn die deutschen Truppen nach wochenlangen anstrengenden Bewegungen und forcirten Märschen sie gestellt zu haben glauben. Die Truppen sind deshalb völlig ermüdet und abgehetzt und manchmal recht muthloS. Dazu kommt, daß das Klima und die fortwährenden Strapazen die Truppen in gesundheitlicher Hinsicht ungünstig beeinflussen. Sonach hat es mit der völligen Pazifizirung deZ Herero-LandeS noch immer gute Wege und das große Gebiet Deutfch-Südwestafrika befindet ftch nach wie vor in offenem Kriegszustand. Jmmerhiu erscheint die dort anwesende Truppenmacht der Situation vollständig gewachsen, so daß größere Verftärkungen nicht mehr abgesandt zu werden brauchen, vorauögesetzi, daß nicht Krankheiten wieder größere Lücken reißen. Handelsminister Möller amtsmüde? B e r l i n , 2. März Die Bergwerksbesttzer im rheinisch-westfälifchen Kohlengebiet sprengen jetzt daS Gerücht aus, HandelSmlniller Möller fei plötzlich amtsmüde geworden, weil er bei den Ordensverleihungen anläßlich des Ab

schlusseS dier Handelsverträge Übergangen sei. Auch lassen sie verlauten, Möller sei unzufrieden, weil die Ver träge allzu agrarisch ausgefallen feien und die Industrie ungünstig abgeschnit ten habe. Bekanntlich haben es die Kohlenmag naten dem HandelSminster arg verübelt, daß er bei dem Streik im Ruhr. revier rückhaltlos für die berechtigten Forderungen der Arbeiter eintrat und auch bei der Novelle zum Berggesetz die Initiative ergriff. Ihnen würde deshalb die Amtsmüdigkeit des Herrn Möller sehr gelegen kommen. Entscheidende Phase im Montignoso-Fall. Dresden, 2. März. Die stark verfahrene Affaire der Gräfin Montig. noso, geschiedenen Gattin des Königs Friedrich August von Sachsen, ist in eine vermuthlich entscheidende Phase eingetreten. Der italienische Rechtsanwalt Mattaroli, der im Austrage der Gräfin von Florenz hierher gereist war, wurde heute vom Könige empfangen, welcher, wie verlautet, die Vorschlüge Mattarolis annahm. Auch der bekannte schweizerische An walt der Gräfin, Lachenal wird hier erwartet. Hinrichtung eines Dopp e l m ö r d e r s. München, 2. Mürz. Der Doppelmörder Allramseder ift nunmehr hin gerichtet worden. Am 16. Februar wurde gemeldet, daß die Exekution plötzlich verschoben worden sei, weil Allramseder im letzten Augenblick daS Gestündniß" ablegte, der Hauptthäter des an der Wittwe GlaS und deren En kel verübten Raubmordes sei ein gewisser Huder. Aber diese Angaben er wiesen flch später als unwahr, und somit wurde die Hinrichtung vollzogen. Oesterreich'Ungarn. Neuer Versuch des Kaisers. Wien, 2. März. Kaiser Franz Joseph hat beschlossen, 16 ungarische politische Führer zu empfangen, um mit ihnen die Lage zu besprechen und eine Lösung der Krisis zu suchen. Diese 16 Führer werden alle Faktionen der Opposition vertreten. Die Berathungen werden Samstag beginnen. Jeder Vertreter wird privatim empfangen werden. Auch Graf Apponyi, der sich der Opposition angeschlossen hat, wird unter diesen Vertretern sein. Demonstration. Lemberg, Galizien, 2. März. Während eines BalleS, dem eine Anzahl bekannter Persönlichkeiten und hiesiger Beamten beiwohnten, sammel ten sich etwa 300 Studenten und Arbeiter vor dem Gebäude. Zwölf Studenten trugen', indem sie in spöttischer Weise ein bekanntes österreichisches Na tionallied sangen, einen schwarzen Sarg in das Gebäude. Die Polizei trieb die Sargträger hinaus und zerstreute ohne Schwierigkeit die Menge. Fünf Studenten wurden verhaftet. Eine Eme Untersuchung ist eingeleitet.

Universität abgebrannt. Das Hauptgebäude der WesleyauUniversität" in Buckhannon, W. Va., wurde durch einen Brand total zerstört. Unter den 400 Studenten brach eine Panik aus und mehrere junge Mannn retteten ihr Leben nur dadurch, daß sie aus den Fenstern der oberen Stockwerke in die unten bereit gehaltenen Rettungsnetze sprangen, wobei stch zwei der Studenten nicht unbeträchtliche Verletzungen zuzogen. Golderzlager entdeckt. Ungefähr sieben Meilen südlich von Port Angeles, Wash., wurden vor längerer Zeit Entdeckungen von werthvollem Golderz gemacht, die die Grbrüder Horstman veranlaßten die Funde untersuchen zu lassen. Es ergab stch, daß das Erz von $3 bis $23 Gold per Tonne enthielt, weshalb ste eine Strecke von 200 Ackern Mineralland absteckten, das ste zu bearbeiten gedenken. Seitdem dies bekannt geworden, haben andere stch auf die Suche begeben, und man erwartet, daß im Frühjahr weitere Funde gemacht werden. Richter als Expertmelk e r. 2)as Gericht wird die Kuh von einem Experten ausmelken lassen und daraufhin entscheiden, ob sie frischmelkend ist oder nicht." So erklärte Richter John Oliver in Sioux City, Ja., zwei Farmern, die wegen einer Kuh Prozesstrten, welche jeder als sein Eigenthum beanspruchte. Der eine hatte angegeben, daß die Kuh erst seit drei Monaten frischmelkend sei und der andere, der Kläger, behauptete daß es beinahe ein Jahr her sei. Das Gericht vertagte sich in den nahen Stall und der Expertmelker ging an sein Geschäft es war Richter Oliver selbst. Dann ging.es wieder im Gänsemarsch in das Gericht, der Richter räusperte stch und gab das salomonische Urtheil ab: Das Verdikt des Gerichts ist.-die Kuh' war mehr als vier Monate frischmelkend, sie gehört infolgedessen dem Kläger."

Dpscrnn'.thZgcr Ilucrnichrinann. echreckensfahrt einer New Yorker Spritze kompagnic bei einem brande. Seltenen Opfermuth bekundete kürzlich der Maschinist Corley vor einer New Aorker Spritzenkompagnie. Die Kompagnie war nächtlicher Weile zur Bekämpfung eines ausgebrochenen Feuers alarmirt worden und fuhr über eine Brücke, deren einer Aufgang ziemlich steil abwärts führt. Thomas Scanlon, der die Maschine fuhr, lenkte seine drei Pferde zur Seite, um einer eben zum Halten gekommenen Straßencar auszuweichen, konnte aber in der Dunkelheit einen großen Fleischerwagen neben der Car nicht sehen, und eine unvermeidliche Kollision erfolgte, bei welcher Kapitän O'Connor und der Maschinist Corley, die hinten auf der Maschine standen, in das Feuer geschleudert wurden und sich Hände und Füße verbrannten. Scanlon aber, der sich auf dem Bock nicht festgeschnallt hatte, schoß vornüber zwischen die Pferde auf die Deichsel, an der er sich, mit dem Rücken nach unten, krampfhaft festhielt, ' bei jedem Auf und Ab der Deichsel einmal auf das Pflaster aufschlagend. Hatte er aber losgelassen, so wäre er sicher von den Hufen der scheugewordenen und rasend galoppirenden Pferde und der schweren Mafchine zermalmt worden. Während Scanlon sich mühte, sich festzuhalten, waren der Kapitän und der Maschinist hinten auf der Maschine wieder auf die Füße gekommen. Sie sahen den Kutschbock frei, und Corley begann über und um die Maschine hinüberzuklettern. Dazu mußte er mi! seinen bereits verbrannten Fingern und Händen, um sich auf der mit unheimlicher Geschwindigkeit dahingezogenen Maschine festhalten zu können, anpacken, was i fassen konnte, und das waren Maschinentheile, die fast glühend heiß waren. So gelangte er endlich mit bis zum Handgelenk bös verbrannten' Händen auf den Bock. Um die herabhängenden Zügel aufzunehmen, mußte er dann noch in voller Fahrt auf die Deichsel springen. Trotzdem er Scanlon in seiner gefährlichen Lage sah und selber fast hilflos war, verlor er nicht eine Sekunde feine Geistesgegenwart, sondern brachte es mit fast übermenschlicher Anstrengung schließlich fertig, die rasenden Thiere zum Stehen zu bringen. Mehr todt als lebendig wurde Scanlon unter der Deichsel hervorgeholt; er brach dann vollständig zusammen. Die Maschine war durch den Zusammenstoß unbrauchbar geworden. Scanlon und Corley wurden in's Quartier zurückgefahren. Die Nauchhöhlc. Der bekannte Höhlenforscher Perko in Trieft, Jllyrien, entdeckte nächst Markovsina bei Trieft eine weitausgedehnte Höhle, die mit den vielen Hallen voll der schönste, Tropfsteinbildungen alle bis jetzt bekannten Grotten am Korst bei Weitem an Pracht und Herrlichkeit übertrifft. Ein unterirdischer Wasserlauf durchströmt die ganze Haupthöhle. Zwei senkrechte Schlünde, der eine 106, der andere 72 Fuß tief, führen in das Innere dieses großartigen Naturwunders. Man fand auch viele blinde Höhlenthiere, darunter mehrere neue Arten, und unterhalb eines dritten Einganges, der infolge eines gewaltigen Einsturzes derzeit gänzlich verstopft ist. liegt ein reiches paläontologisches Lager mit den Resten diluvialer Thiere. Während der lange anhaltenden Erforschung wurden viele parallel laufende hohe Hallen und zahlreiche Seitengänge, die schöne große Gruppen von Sinterbildungen in allen möglichen Farben enthalten, aufgefunden. Die Höhle heißt bei den Ortsbewohnern Dimrn," das heißt die Rauchhöhle, und ihre ganze Länge bctragt mehrere englische Meilen. Man will die Höhle durch Anlage eines Stollens und durch Herstellung von gefahrlosen Wegen und Brücken dem Publikum zugänglich machen.

Des Rosses Rache. Ein Pferd des Besitzers Pußkeppeln unfern Tilsit, Ostpreußen, hatte den Zorn eines Knechtes dadurch erregt, daß es sich in seinem nur wenig bestreuten Stand öfter niederlegte und sich beschmutzte, so daß der Knecht es alsdann reinigen mußte. Er schlug es dafür fortgesetzt mit Forken- und Peitschenhieben nicht nur auf Rücken und Leib, sondern auch unbarmherzig über den Kopf. Kürzlich hatte der Knecht das Pferd wieder mißhandelt, und als er ihm bald darauf Häcksel vorlegte, faßte das Thier mit den Zähnen nach dem rechten Oberarm des Knechtes und riß ihm die ganzen Muskeln bis auf den Knochen herunter. Es mußte der Arzt geholt werden, der dem Verletzten die Fleischtheile wieder annähte. Di Zunahme der SalzProduktion in Wayne und St. Clair Counties, Mich., bezifferte sich im Jahre 1904 auf 1,002.330 Fässer, wovon auf Wayne 472.580 und auf St. Clair 393.810 entfielen. Der Kohlenpreis und sonstige günstige VerHaltnisse waren die Ursachen dieser Zunähme. Im Ganzen wurden im Staat 5,390.812 Fässer Salz produzirt. Das Vaumwolle-Pflan-z e n in Spanien ermuthigt die dortige Regierung oadurch, daß ste die diesem Zwecke dienenden Grundstücke von Steuern befreit und für die erfolgreichpen Versuche Preise aussetzt. .

Der CooffcnMcnfl. Crm gefährlicher Beruf und welche ElFruschazteu er erheischt.

Ableitung der Bezeichnung Lootse -Interna tionaleö Lootsensignal Sine Auslese von Teeleuten A Bord des Schiffs LebenS, retter. So viele und mannigfache Gefahren sich für den Schiffer auch auf hoher See ergeben, so ist die Hochseeschiffsahrt doch weit weniger gefährlich als die Fahrt im Küstengewässer. Je mehr sich der Schiffer dem Lande nähert, um so umständlicher wird aber auch aus diesem Grunde sein Dienst. Auf hoher See braucht er im Allgemeinen nur den Angaben der karten und Weisungen der Kompaßnadel zu folgen, um sein schiff in dem rechten Kurs zu erhalten. Nähert sich die Fahrt einem Hasen, so nimmt das Mcnövriren mit den Segeln oder der Maschine, das Hantnen mit Ketten und Anter, mit den Meßinstrumenten für Seetiefe und Fahrgeschwindigkeit kein Ende, falls nicht ein Lootse sich auf dem Schiff einstellt, der des Fahrwassers der betreffenden Einfahrt vollkommen kundig ist und dem Kapitän die Führung des Schiffes bis zur Landungsstelle abnimmt. &ie Bezeichnung Lootse ist abaeleitet vom niederdeutschen Wort Lot," welches Blei" und im Schiffsdienst daS Senkblei" bedeutet, das zum Messen der Meerestiefe benützt wird. Der Lootse ist ein Schiffer, dem die genaue Kenntniß eines bestimmten Fahrbezirks den Gebrauch desLoths innerhalb desselben erspart. Die deutschen Lootsen betreiben ihr Geschäft entweder als Gewerbe, oder sie sind Angestellte der Gemeinden oder des Staates, der die Lootsen stationcn unterhält. Im Interesse der öffentlichen Sicherheit und des öffentlichen Verkehrs ist vielfach der sogenannte Lootsenzwang eingeführt, die Verpflichtung zur Annahme eines Lootsen seitens der ein gewisses Fahrwasser passtrenden Schiffe. Für den größten Theil der deutschen Küste besteht Lootsenzwang: beseitigt ist er aber zum Beispiel für die Weser. Die Bezahlung des Lootsen hat. wenn keine andere Verabredung getroffen ist, der Verfrachter zu tragen. Auch beim ärgsten Unwetter haben die Lootfen sich zum Dienst bereit zu halten. Das deutsche Lootsensignal ist die am Vormast gehißte, .mit einem weißen Streifen umgebene Reichsflagge. Das internationale Signalbuch schreibt als Lootsensignal die Buchstaben 1'. T. vor. Bei Nacht dient Vlaufeuer oder ein in kurzen Zwischenräumen gezeigtes weißes Licht zur Verständigung. - Die Lootsen sind eine Auslese der besten Seeleute. Nur ein ungewöhlich starker, gewandter und beherzter Schiffer wird sich , diesem Berufe widmen, der den zähen Kampf mit der brandenden See zwischen Riffen und Sandbänken zur sich stets erneuenden Aufgabe hat. Schlicht wie sein wasserdichter Kittel und der vorn aufgekrempte Südwester ist sein Auftreten, wenn er auf dem Dampfer erscheint, und doch ist er nun für die nächsten Stunden der Herr des Schiffes. Sein erster Gang ist an's Steuer, wo er nach einem Blick auf den Kompaß dem Steuermann die' ersten Weisungen gibt. Dann nimmt er ohne weitere Formalitäten auf der Kommandobrücke seinen Posten neben dem Kapitän ein, der ihm nach kurzer. Vegrüßung den Befehl überläßt. Unter seiner Führung findet der Dampfer sichere Bahn durch das Hin und Her von anderen gehenden und kommenden Schiffen bis hinaus in die wogende See. - Auf jedem Lootsenfahrzeug befindet sich eine Anzahl von Lootsen, meist sechs bis acht, die in bestimmter Reihenfolge zum Dienst nach den einlaufenden Schiffen entsandt werden. Der Mann am Steuer hält beständig Auslug, wo hie und da ein Segel oder die dunkle Rauchfahne eines Dampfers am Honzonte auftaucht. Der Ruf Schiff in Sicht!" genügt, um die Lootsenmannschaft auf Deck zu bringen. In einer kleinen Jolle wird der Lootse an den Dampfer herangefahrcn und gelangt mit Hilfe von Tauen oder Strickleitern an Bord. Die Lootsenfahrzeuge haben aber auch noch die Verpflichtung, Schiffen, die sie in Noth antreffen. Hilfe zu leisten. Da um jedes bei Sturm auf eine Untiefe gerathene Schiff eine furchtbare Brandung entsiebt, ist das Hernnfahren mit der Jolle ungemein gefährlich. Aber die tapferen Lootsen lassen nicht ab, sich drn Weg durch die tobende See zu erkämpfen, und viele Hunderte von Menschenleben sind schon auf ähnliche Weise gerettet worden.

Der schlaue Dragoner: Der Dragoner Reinicke in Metz, Deuisch-Lothringen, legte jede Nacht sein Portemonnaie unter sein Kopfkissen. Trotzdem wurde ihm das Geld daraus genommen, so, fest schlief er. Um den Dieb endlich zu erwischen, that er neun einzelne Pfennige in seinen Brustbeutel, nähte diesen mit Pcchdraht zu. verschmierte die Kl-appe mit Pech und verband den Pechdrahl durch eine über das linke, Ohr laufende Schnur mit der linken Hand. So gelang es ihm. den Dieb, einen Stubenkameraden, zu fesseln u.d seiner gerechten Vestrafung, vier Wochen strengen Arrests und Versetzung in die 2. Klasse des Soldaienstandes. entgegenzuführen.