Indiana Tribüne, Volume 28, Number 162, Indianapolis, Marion County, 2 March 1905 — Page 7
Jndkana Mbüne, 2. März 1905.
3 m Rnmpfs mit dem Schksal. Vornan von SilaS tt. Hocking, übersetzt von V. Trtumann'ttoner. ( Fortsetzung.) Jch wünsche, daß Sie Bi mir Wache halten sagte der Geistliche ohne Umschweife. Verdächtige Personen sind in den Anlagen gesehen worden. Wie Sie wissen, habe ich das Geld aus dein Bazar im Hause, und nun fürchte ich. daß ein Einbruch bei Liir beabsichtigt wird." Den Polizisten wäre nichts lieber gewesen. Keiner von ihnen hatte bisb? Gelegenheit gehabt, sich auszuzeichnen, und ein paar Einbrecher das würde noch ein Fang sein, der lohnte! Doch ließen sie von ihrer Ueberraschung nichts merken, und der, welcher keinen Nachtdienst hatte, GendarmVrown, gab sogar Sr. Ehrwürden ZU verstehen, daß er nur aus Besorgniß, Langfinger möchten es auf die Vazarlasse abgesehen haben, bei seinem Kameraden aufgeblieben sei, und daß sie beide so wie so in zehn Minuten auf dem Pfarrhofe gewesen wären. Inzwischen war Hans wiedev bei. seinen Gefährten angelangt. Ei," sagte Bradley, bist ja flink wie ein Reh; hast dich denn nur. gehörig umgesehen, mein Junge?" Das wohl, aber gesehen habe ich sehr wenig," erwiderte Hans; gehört schon gar nichts. Hunde sind nicht da." Schön; auch sonst keine Aufpassei?" Keine Menschenseele draußen. Im Hause unten war ein Fenster hell. Ich schlich hin und bemerkte, daß ihrer zwei in der Stube waren. Einen aber konnte ich mir nur ansehen, einen Mann mit ganz weißen Haaren." Na ja, der Pastor und seine Frau." Seine Frau nicht. Daß es keine Frauensperson war, mit der er sprach, konnt' ich sehen." Hm stand der Pastor oder saß er?" Sie standen Beide." Ach so! Haben sich Guinacht gesagt. Und weiter brannt' kein Licht mehr im Haus?" Unten nicht. Aber's Fenster oben über der Küche war noch erleuchtet." - So. Nun wirst aber müde sein, mein Junge. Ruh' dich 'n bissel aus Hans setzte sich auf einen Stein und lehnte den Kopf an einen Zaun. Noch war die Entscheidung nicht gefällt. Bradley und der Andere sprachen kein Wort ob sie etwa noch von ihrem Vorhaben abstehen würden? So verging wohl eine Stunde, für Hans eine bange, schreckliche Frist, in tiefem Schweigen. Dann sprang Bradley auf und glitt wie eine Katze -im Finsiern längs den Hecken des Weges hin. Hans und Lockett folgten ihm schleunigst, und so waren sie beide bald vor der Kirche, wo er sie erwartete. Du," sprach Bradley, zu Hans gewendet, lauf direct auf das Thor zu, und hernach schleich' dich immer im Schatten dicht an den Gebüschanlagen hin, bis du um das Haus herum bist. An der Hinterthür zur Küche triffst du Lockett und mich. Aber mach' leise Schritte. Hans gehorchte der im Flüsterton gegebenen Weisung ohne Zaudern. Es blieb ihm ja nichts Anderes übrig. Das Herz klopfte ihm heftig, als er beim Vfarrhause, dessen Fenster jetzt sämmtlich dunkel waren, einen Augenblick stehen blieb und gespannt lauschte. Doch kein Ton unterbrach die nächtlich; Stille. Es stieg ihm eine Vesorgniß auf, daß der Geistliche keine genügenden Vorkehrungen getroffen haben möchte. Bradley und Lockett waren äußerst verwegene Gesellen. Ans Kücheneingang fand er die Bei den schon damit beschäftigt, die Fenster zu untersuchen. Sie gingen, scheinbar ohne ihn zu beachten, um das Haus herum, während Hans, fiebernd vor Aufregung, des Weiteren harrte. Endlich kehrten sie zurück und blieben vor dem neben der Küche befindlichen Fenster, dem zur Speisekammer, stehen. Da kriech' hinein flüsterte Bradley, als er den Flügel mit Leichtigkeit aufgemacht hatte, und von der Kammer gehst du in die Küche und riegelst die Außenthür auf." Hans that, wie ihm geheißen war. Das schmale Fenster gewährte ihm nur eben Raum, daß er sich durchzwängen konnte. Die Thür zwischen Kammer und Küche stand aber offen, und beim verglimmenden Herdfeuer konnte -r sich rasch zürecht finden. Sofort, nachdem er den Riegel der Eingangsthür bewegt hatte, wurde dieselbe behutsam von außen geöffnet und Bradley sagte leise: Bist 'n braver Junge, wirst es noch mal weit " doch vollenden konnte er den Satz nicht, und waö weiter geschah, davon hatte Hans später nie eine deutliche Erinnerung es war ein wirres Durcheinander von Flüchen, Schlägen, Stößen, Schimpfen, dazwischen ein paarmal Aufschreien aus weiblichen Kehlen, sodann ein Krach und nichts weiter, wenigstens für das Wahrnehmungs vermögen von Hans; sein Kopf war nickt ganz so hart wie der steinerne Estrich Als er aus seiner Betäubung ertoaste, befand er sich in einer kleinen
ammer, rne von einem Talgncyt schwach erhellt war. Er lag auf einer harten, schmalen Matratze, und an seinem Lager saß ein Gendarm, der ihn mit gespanntem Blick betrachtete. Nun, Bursche, wieder wohl?" Ich fühle einen Schmerz am Kopf. Aber wo bin ich?" Im Polizeigewahrsam von St. Denvers, mein Junge. Ist dies dein erster Einbruch gewesen?" .Ja." Na, so hoff' ich, du wirst ein für alle Mal genug davon haben." Das hoff' ich auch," sagte Hans und schloß die Augen, i Ei, das ist recht. Nun aber sag' mir mal, was sind denn das für Kerle, fc mit dabei waren?" Kennt Ihr sie nicht?" O gewiß, kennen thut die Polizei sie schon lange." Warum fragt Ihr mich dann nach ihnen?" Hm, um ganz sicher zu sein, daß es auch die Rechten sind. Da Ihr sie hinter Schloß und Niegel habt, was wollt Ihr noch mehr?" Hab' ich etwa gesagt, daß sie hinter Schloß und Niegel sind?" entgegnete der Gendarm verdrießlich. Ach so! Sie sind Euch entwischt?" Allerdings; noch haben wir sie nicht. Aber wir haben dich, und darum werden wir auch bald die Anderen kriegen!" Meint Ihr?" -Natürlich, nachdem du ausgesagt hast, wie sie heißen und wo sie sind." Ich werde aber nichts aussagen," erwiderte Hans bestimmt. Was. du willst dich widersetzen? Weißt du nicht, daß du mit einem Polizeibeamten sprichst?" Gewiß," sagte Hans, ein wenig lächelnd. Ihr seid ein Mann, der dafür bezahlt wird, so etwas herauszubringen. Seht also selber zu, wie Jhr'Z herauskriegt, und zeigt Eure Klugheit." Zähneknirschend gab der Gendarm es auf, den Knaben weiter zu examiniren, dessen Verschlossenheit ihn um jede Aussicht brachte, die beiden alten Verbrecher, die ihm mit außerordentlicher Gewandtheit entwichen waren, noch wieder einzufangen. In früher Morgenstunde wurde Hans, mit Handschellen gefesselt, auf einem Einspänner in die benachbarte Stadt Vodmin gefahren, um dort am nächsten Tage von den Friedensrichtern vernommen zu werden. Ebe er den Richtern vorgeführt wurde, erschien der Pfarrer Treherne bei ihm in der Zelle. Der gute alte Herr schüttelte ihm herzlich die Hand. Du verdienst es wahrlich besser," sprach er, in dem kahlen kleinen Raum umherblickend. Ich wollte dich bitten, mir mein Wort zurückzugeben, damit ich dafür sorgen kann, daß du noch heute in Freiheit kommst." Im Nu sprang Hans aus den Geistlichen zu, und, Entsetzen in den weit aufgerissenen Augen, rief er flehend: Nein, nein nur das nicht! Sie dürfen mich nicht verrathen! Bitte, das werden Sie doch nicht thun? Ich will mich ja gern einsperren lassen, aber wenn Sie mich verrathen, so werde ich von den Anderen umgebracht!"' Sobald sie das thäten, würden sie ohne Gnade erhängt werden!" sagte Pfarrer Treherne. Aber davon würde ich nicht wieder 'lebendig." Allerdings nicht. Daß du jedoch als Unschuldiger für die Schuldigen leiden sollst, ist nicht recht, und es widerstrebt mir, das wissentlich zu dulden." Ist es denn immer unrecht gewesen, daß Unschuldige haben leiden müssen?" fragte Hans in dunkler Erinnerung mancher Erzählungen seiner Mutter. Das, mein Sohn, ist eine Frage," sagte der Geistliche, die ich dir nicht so ohne Weiteres beantworten kann. Gewiß ist es zu allen Zeiten vorgekommen, und sogar aus den edelsten Motiven geschehen, daß Unschuldige für Schuldige gelitten haben indessen wäre in deinem Fall die Sache wesentlich .anders. Thust du denen, deren Schuld du auf dich nehmen willst, dadurch etwas Gutes? Nein, du gibst ihnen nur Gelegenheit, sich tiefer in Sünde zu verstricken. Es würde ihnen also in Wahrheit keinen Vortheil bringen." Aber mir würde es Vortheil bringen," erwiderte Hans. Der Pastor schwieg nachdenklich. Dann fragte er: Bist du ein geborener Zigeuner?" Hans sah zu Boden. Dürfte er auch nur so viel sagen? Konnte nicht d?r geringste Anhalt zu weiterer Forschung und so zur Entdeckung von Bradley und Lockett führen? Entschuldigen Sie," sagte er endlich, aber darüber möchte ich noch keine Auskunft geben." Das Gestcht des Geistlichen wurde sehr ernst. Er hatte die ganze Nacht nachgesonnen, wie er einen ehrlichen Menschen vor dem Sträflingsschicksal bewahren könne. Daß dieser Jüngling mit dem offenen, hellen Vlies und dem freien, entschiedenen Austreten trotz Verwahrlosung und schlechter Umgebung noch unverdorben war und das Zeug dazu hatte, ein ehrenhaftes, tüchtiges Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu werden, daran zweifelte er nicht. Ein jahrelanger Aufenthalt im Gefängniß, die Gemeinschaft mit
Galgenvögeln und dte alle tiüiiaq tung vernichtende Strafanstaltsdiseiplin konnten aber, namentlich für einen in so jugendlichem Alter stehenden Menschen, nur vom verderblichsten Einfluß sein, jeden edleren Trieb in ihm ertödten und ihn auf die Bahn des Lasters und Verbrechens stoßen. Dies entsetzliche Schicksal von Hans abzuwenden, hatte der gute alte Pastor gehofft, und bitter war seine Enttäuschung, als seine Hoffnung an dem Widerstand des Knaben scheiterte, der sich entschieden weigerte, über sein Vor-, leben die geringste Auskunft zu geben. Während seiner dreißig Jahre Amtsthätigkeit hatte der Pfarrer Treherne eine kleine Eitelkeit besessen, die darin bestand, daß er sich für einen großen Menschenkenner hielt. Er bildete sich ein, jedem, gleichviel ob Mann, ob Weib, auf den Grund der Seele schauen zu können, und es war unter seinen Pfarrkindern bisher Niemand gewesen, der ihm dieses Harmlose bischen Selbsttäuschung hätte zerstören können. Hier nun stand er zum ersten Male vor einem Räthsel, einem ihm völlig neuen TypuS. Und er konnte sich eines leisen Mißtrauen) nicht erwehren. Daß Gutes in ihm steckte, davon hatte der Junge freilich einen Beweis geliefert; ob aber nicht auch manches Schlechte sich hinter seinem anscheinend so treuherzigen Wesen verbergen mochte? Warum war er so verschlossen, so ängstlich bedacht, seine Genossen zu schützen? Wer Missethäter schützte, nahm nach des Geist tf chen Meinung gewissermaßen theil an deren Sünde. Er suchte, HanS dies begreiflich zu machen. Aber der schüttelte nur den Kof. Deinen Namen wirst du mir doch wenigstens nennen?" fragt der Pastor schließlich. Hans." Aber wie weiter?" Weiter nichts; bloß Hans." Du mußt doch aber noch außer beinem Vornamen einen Namen führen." Den kann ich Ihnen nicht sagen." Das heißt, du willst nicht; aber warum nicht?" Ach, Herr Pfarrer, Sie sind gut, aber ia kann und darf Ihnen nicht mehr sagen." Eine Stunde später stand Hans vor einem vollzählig versammelten Friedensgericht. Elftes Kapitel. Vor den Schranken. Die erste Verhandlung bestand fast nur aus Formalitäten, die zwischen den Richtern und den Polizeibeamten erledigt wurden und für Hans größtentheils unverständlich waren. Es schien ihm gar nicht der Mühe werth, daß man ihn dazu vorgeführt hatte. Nach halbstündiger Sitzung wurde ihm angekündigt, daß seine Sache auf eine Woche vertagt sei. Was dies bedeutete, davon hatte er keine Ahnung. Da er aber wieder in seine Zelle gebracht wurde, merkte er, daß Freilassung nicht damit gemeint war. Ueber sein Schicksal beunruhigte er -sich nicht sehr. Hätte er bisher in Behaglichkeit und Luxus gelebt, so wäre es anders gewesen. Das harte Leben, an das er gewöhnt war, hatte ihn jedoch gelehrt, Alles von der besten Seite zu nehmen. Und dies war in seiner jetzigen Lage gar nicht einmal besonders schwer für ihn. Erstlich befand er sich in einem warmen, reinlichen und gut ventilirten Zimmer. Zweitens erhielt er seine Mahlzeiten mit großer Regelmäßigkeit, und wenn auch die Kost einem verwöhnten Gaumen nicht sonderlich behagt haben würde, so war sie doch wenigstens gesund zubereitet und reichlich bemessen. Drittens hatte er gar nichts zu thun, und das war ihm durchaus nicht unangenehm. Knaben seines Alters hegen - in der Regel einen gewissen Widerwillen gegen das Arbeiten, und Hans bildete keineswegs eine Ausnahme von dieser Regel. Dafür fand er einen ihm sehr willkommenen Zeitvertreib, der ihm obenein Gelegenheit bot, seine fast vergessene Kenntniß des Lesens wieder aufzufrischen. Ehe er seine Mutter verlor, war er schon ganz vertraut mit dem Alphabet und konnte kurze Wörter recht gut buchstabieren. Seitdem aber hatte er kein Buch mehr in Handen gehabt, und die einzigen schriftstellerischen Erzeugnisse, die er zu Gesicht bekommen, waren Maueranschläge und Plakate, die er, wißbegierig, wie er von Natur war, mit Eifer zu entziffern strebte. Diese Zaunliteratur hatte ihn wenigstens davor bewahrt, die Anfangsgründe seiner Schulwissenschaft zu vergessen. 2 seiner Zelle lag eine Bibel, und seine Freude darüber war groß. Er begann, wie alle gewissenhaften Leser, auf der ersten Seite, und wo er auf Schwierigkeiten stieß, überschlug er sie nicht etwa, sondern plagte sich wacker dabei ab. Er fand daö erste Buch Mosis außerordentlich unterhaltend, und als er sich erinnerte, daß ihm die Geschichte von Adam-und Eva, von Kain und Abel nicht völlig neu war, da wurde ihm die Lectüre noch lieber. Waren doch halb entschwundene Erinnerungen auö seiner Kindheit mit dem Allen verwebt, und oft sank ihm daS Buch aus der Hand und das sanfte Antlitz seiner Mutter tauchte vor ihm auf, wie er eö in so mancher trauten Abendstunde gesehen hatte, wenn er, an ihre Knie gelehnt, ihren Erzahlungen und frommen Lehren lauschte.
Gfl !vayrie geraume Zelt, er sicy durch die ersten Kapitel durchgearbeitet hatte, denn viele Ausdrücke waren ihm unbekannt, und die Sprache schien ihm mitunter nicht ganz klar. Er hatte es indessen nicht eilig, und das Bemühen, die dunklen Stellen zu enträthseln, war an und für sich eine interessante Beschäftigung. Gegen Ende der Woche besuchte ihn der Pastor Treherne abermals. Ich möchte dir so gerne helfen sagte der Seelsorger in seiner gütig ernsten Weise. Sieh', ich bin ein alter Mann und habe ein erfahrungsreiches Leben hinter mir. Glaube mir, du thust nicht wohl daran, mich an mein Versprechen gebunden zu halten Was?" rief Hans bestürzt. Sie wollen, daß ich gemordet werde?" Aber, Hans, fo sei doch vernünftig und höre, was . ich dir mitzutheilen habe. In der- folgenden Nacht nach jener, in der du bei mir warst, ist im Schloß Widdlesom Hall ein frecher Einbruch verübt worden, und die Räuber sind noch auf freiem Fuß. Dies würde natürlich deine Lage sehr verschlimmern, falls du nicht dein hartnackiges Schweigen aufgibst." Ich bin ja doch nicht im Schloß Widdlesom gewesen!" Nein. Du kennst aber die Einbrecher." Und wenn das so wäre?" Siehst du denn nicht ein, daß eS deine Pflicht ist, durch deine Aussage zu ihrer Ergreifung beizutragen?" . Hans stutzte. Meine Pflicht gegen wen?" Gegen die menschliche Gesellschaft." Hans, schüttelte den Kopf. Dies ging über seine Begriffe. Sie sind ein gelehrter Herr," sagte er nach einer Pause, und wissen Bieles, was ich nicht verstehe. Es will mir aber nicht in 'den Kopf, daß ich sie durchaus angeben soll, damit sie mich morden." Wie könnten sie das, wenn sie eingesteckt und auf lange Jahre unschädlich gemacht werden?" Hans sah den Pastor mit einem kläglichen Blick an. O, Sie wissen nicht, wie viele ihrer noch außerdem sind, und wie viele Mittel und Wege sie haben, einen Verräther kalt zu macken. Und ich wäre nirgends vor ihnen sicher, sie würden mir auflauern und nicht ruhen noch rasten, bis sie mir den Garaus gemacht hätten." Der Prediger sah ihn bekümmert an. . Du bringst mich wahrlich in eine höchst peinliche Lage. Ich muß dazu schweigen, daß du unschuldig verurtheilt wirst; du weigerst dich, die hilfreiche Hand zu ergreifen, welche ich dir entgegenstrecke, um dich einem besseren Dasein zuzuführen. Bedenke doch, Hans, welch' eine Aussicht ich dir biete, wie sie sich dir in deinem ganzen Leben vielleicht nicht wieder eröffnen wird." Ach, Herr Pastor," erwiderte der Knabe mit zitternder Stimme, Sie sind ja so gut, aber ich kann Ihre Güte nicht annehmen. Auch fürchte ich mich aar nicht so sehr vor dem Gefänanin. Und es wird sich keiner viel um mich grämen, außer Lala und- " Lala wer ist das?" fragte der Geistliche lebhaft. Ach so eine Art Pflegemutter von mir," antwortete Hans in einiger Verwirrung. Aber ste wird sich bald trösten und denken, daß ich da wenigsiens nicht in Gefahr bin." , Nicht in Gefahr?" sprach Pfarrer Treherne seufzend. Ich halte den Einfluß grade für höchst gefährlich." Hans wußte hierauf nichts zu sagen. Er war dem Geistlichen innig dankbar für die Theilnahme, die aus dessen Worten hervorging, doch ließ er sich nicht dadurch in seinem Beschluß wankend machen, die Namen seiner Ge-
fährten zu verschweigen. Es mochte unrecht sein, wie der Pastor sagte. Er selbst war. sich nicht klar darüber. Sein Rechtsgefühl war nicht ausgebildet worden. Zwar wußte er, daß manche Handlungen unrecht sind, schreiendes Unrecht, aber für die feineren ethischen Fragen fehlte es ihm an Verständniß. Es thut mir sehr leid, daß du dich nicht von mir retten lassen willst," sagte schließlich der Pastor. Ich hatte mir einen anderen Erfolg von unserer Unterredung versprochen." Retten Sie mich dadurch, daß Sie schweigen und mich nicht verrathen," entgegnete Hans rasch und bestimmt. In tiefer Niedergeschlagenheit über das Mißlingen seines zweiten Versuches, den Starrsinn des Jungen zu besiegen, verließ der Pfarrer die Zelle. Die zweite friedensrichterliche Vernehmung gestaltete sich bedeutend aufregender als die erste. Vieles, wc's Hans da zu hören bekam, war ihm völlig neu. Zuerst wurde eingehend über das inzwischen von feinen frühe, ren Gefährten ausgeübte Verbrechen verhandelt, und dann von seiner eigenen Person ein Bild entworfen, das ihn geradezu entsetzte Der Gendarm Vrown kramte eine Menge über ihn eingesammelte sogenannte Jnformation aus, und Hans traute seinen Ohren nicht, als der Mann dieö Alles im Brustton der Ueberzeugung vorbrachte und die Schlußfolgerung daran knüpfte, daß man es mit einem hoch gradig gefährlichen Individuum zu thun habe. Die Richter hörten aufmerksam zu und glaubten, was sie hörten. Und von HanS war nichts heraus zu bekommen, wodurch das schwerwiegende
Zeugniß des Gendarmen hatte entkräftet werden können. Nach vielem Kopfschütteln und Brillenrücken kamen sie schließlich dahin überein, daß der Fall vor das Schwurgericht gehöre und der Angeklagte bis zur nächsten Sitzung der Geschworenen in Untersuchungshaft verbleiben folle. So kam denn Hans nach längerer Haft wieder zum Verhör, aber wie ganz anders zing es diesmal dabei zu. Erschreckend und überwältigend zugleich war schon der Eindruck, den ihm der große Sitzungssaal machte. Die an den Eingängen postirtenThürhüter, die Gerichtsdiener, das Publikum und die Herren in schwarzen Talaren, und dann, auf erhöhtem Platz, der Präsident mit ernster-Miene und in gravitätischer Haltung die ganze Scene wirkte förmlich sinnverwirrend auf Hans. der. verstört und eingeschüchtert, gar nicht aufzublicken wagte. Seltsamerweise berührte ihn das Alles nicht wie etwas Wirkliches, es war wie ein Traum. Wie von einer anderen Welt fühlte er sich umgeben, von einer Welt, die ihm völlig fremd war, ebenso wunderbar, wie fernliegend für sein Verständniß. Er vergaß, daß er den Mittelpunkt des Interesses bildete, und selbst, als die Verhandlungen schon im Gange waren, verhallten die Worte, ohne daß er deren Sinn begriff. Da wurden Zeugen aufgerufen, vernommen und entlassen er hatte keine Ahnung, weshalb. a Sobald aber an ihn die Reihe kam, gab er seine Antworten mit der größten Vorsicht. In diesem Punkte ließ er sich durch nichts beirren. Weder über seine Mitschuldigen, noch seine Beziehungen zu ihnen war die geringste Auskunft don ihm zu erlangen. Wer er war, woher er kam, sogar sein Name blieb in Geheimniß gehüllt. Ein kühner Versuch der Polizei, ihn mit Jemand zu identificiren, auf den lange schon gefahndet worden, scheiterte jämmerlich im Kreuzverhör. Des Einbruchs war er geständig, gab jedoch zu seiner Vertheidigung an, daß er sich über die Art des Unternehmens anfänglich an Unwissenheit befunden habe und es ihm nachher nicht mehr möglich gewesen sei, sich zurück zu ziehen. Auf alle Fragen nach seinen beiden entwichenen Complicen hatte er immer dieselbe Erwiderung, daß er um keinen Preis an ihnen Verrath üben würde, und sollte er auch deswegen noch höher bestraft werden. (Fortsetzung folgt.)
Waden. Karlsruhe. Von einem Herzschlage getroffen wurde der 77 atyt alte Geheimrath und Ministeriald! rektor a. D. Moritz Frey, als derselbe im Moninger" seinen Abendschoppcn zu sich nahm. Alsbald angestellte Wiederbelebungsversuche hatten keinen Erfolg, da der Tod bereits eingetreten war. A ch e r n. Im Zinken Hubertsloch fiel die 59jährige Wittwe H. Vllrk,als sie zu einer Beerdigung einlud, die 4y2 Meter hohe Treppe im Wohnhaus des Landwirths I. Gaiser herab und verletzte sich derart, daß sie bald darauf starb. B e u r e n. Landwirth Uhl, ein 43jähriger Mann, der sich beim Holzfällen im Wald die Hand leicht verletzte, ließ die Wunde unbeachtet; es trat Blutvergiftung ein und unter furchtbaren Schmerzen starb er. Frei stet t. Der 28 Jahre alte ledige David Schäfer,, welcher schon längere Zeit kränklich war, hat sich erhängt. I l l e n a u. Oberwärter August Fraaß beging sein vierzigjähriges Dienstjubiläum, wobei ihm vomGroßherzog in Anerkennung seiner langjährigen treuen Pflichterfüllung die große goldene Verdienstmedaille verliehen wurde. y Lahr. Bewußtlos.und in trunkenem Zustande fanden hier Schutzleute den 67jährigen Taglöhner Joh. Wachter halberstarrt auf. Ins Bezirkskrankenhaus verbracht, starb er, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Mannheim. Infolge Gas vergiftung fand man bei Hofconditor Schmidt die 72jährige Kinderfrau Lisette Henke im Zimmer, wo sie mit dem 17 Monate alten Söhnchen Hans schlief, bewußtlos am Boden liegend vor. Das Kind lag entseelt in seinem Bettchen. Die Kinderfrau starb nach kurzer Zeit infolge der Einathmung der giftigen Gase im Krankenhaus. Obertöroth. Hier wurde der in der Holzstoff- und Pappenfabrik beschäftigte löjährige ct. Iren in den Auffahrtsaum eingeklemmt und erlitt so schwere Verletzungen am Kopf (Schädelbruch), daß er alsbald starb. P f u l l e n d u f. Der hier verstorbene Privatier Anton Lehr von hier hat seiner Vaterstadt letztwillig 8000 Mark zu Armenzwecken vermacht. Singen. Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich beim Einfahren eines Zuges in den hiesigen Bahnhof. Drei Eisenbahnarbeiter, Julius Gnädig, Adolf Benzinger und Sebastian Keller, wurden, während sie an einer Weiche arbeiteten, vom Zuge überfahren und getödtet. Wegen des herrschenden Sudwestwindes hatten sie daö Herannahen des Zuges nicht be merkt. Die beiden letzteren waren nncht sofort todt. Gnädig starb erst nach tu Niger Zeit.
Leuer - Signale.
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Im Ladengeschäfte des Uhrmachers Zellmer in Grünoerg, Preu-ßisch-Schlesien, leuchtete man die GasRohrleitung ab, weil sich im Laden ein empfindlicher Gasgeruch bemerkbar machte.- Plötzlich erfolgte eine Explosion, wobei die Dielung des Raumes aufgerissen und große Uhren, RälsMaschinen, Grammophone, Tische und an den Wänden' hängende Waaren in Stücke gerissen, ebenso die Schaufenster eingedrückt und Waaren aus denselben hinausgeworfen wurden. Eine Person erlitt schwere Verletzungen. Am nächflen Tage stellten Arbeiter beim Aufgraben de? LZohrleitung einen Rohrbruch unter der Straße fest. Das ausgeströmte Gas hatte den Weg durch die Erde , und Grundmauer des Hauses nach dem Raum unter der Dielung ge-funden.
