Indiana Tribüne, Volume 28, Number 162, Indianapolis, Marion County, 2 March 1905 — Page 6

S

i Jndiana Tribüne. 2. März 1903. 0

1 II

I! k H 7 i r;

e

f.i

OSSSSSSSSASSASASSAAKSZV

vy Z V V I vi V $ V tf v $ S Da Durchdringtn lst der hauptsächtlich Werth 5t. Jakobs Oel I i w V s w A 8 i ttt Vthandlung OK Q 1 Rheumatismus! $ 91 dringt durch biß aus $ d,n (Zift dr Qual, te kein anderes äugerliches Mittel och gethan Hat. Tausende bescheinig . tf S 1 2 F-Ioä 2So und SO es. )r C9 W Ö V JL, bxrC CC43CCCCtg Warum nicht Ihr Helm.. anziehend machen, durch den t Brauch eines .'. .'. , Garland Ofen... ....und... Range... Dieselben übertreffen alle andern in Schön heit. Dauerhaftigkeit, Heizkraft und Spar samleit im Kohlen Verbrauche. Dieselben werden mit Vergnüge Lezeigt. in WILLIG'S ...Mobel'Handlnng... 141 West Washington Straße. Durch königliches Edict von Rex des Aönigs kündigt die ligFoiiräouie Excnrston-Raten -ftrMardi Qras RundfahrtBilletS nach New Orleans, Mobile und Pensacola, Z5la., zu sehr niedrigen Raten an, von allen Punk ten der Big Four", Ein. Nor. und D. & N. R. R. am U biS C. Marz 1903. Liberale Retourfahrt Bedingungen mit Verlängerungs und Ueberliegungs-Privu legium. Für völlige Information und Einzelheit ten hinsichtlich Raten,' Fahrkarten, Bescörän kung etc.. spreche man bei den Big FourAgenten vor, ooer schreibe an Unterzeichnete, WARNEN J. LYNCH, k. aff. 4 Ticket.?gent, S'ciunatt, Ohio. odn H. M. Bronso. A. S. P. fL. JndianpoliZ. 0EIITBAL COLLEGE OF I.1USIG, 560 Nord Meridian Str. ...Schule jetzt eröffnet.... TeK'Ochüln soie auZdärtige Schüler, eich hier im College 'völlige Aufnahm 13, könne zu jeder Zeit eintreten. Ei, KfibemJ gut ausgerüstetes Institut, voll. pn$ig in allen Abtheilungen deS Lernen! der 5dft der Musik und den vervandte? Chtflffl. Katalog frei. t Edward Taylor, Direktor.

L ' i fewwi1,11 W n -nrS W WWW U'MMGs? XyJS'ffi. ZÄ ppj

X

Wenn Sine eine Krise thut i Humorrskc von R. Hbt l k H , 5 lso in Corbetha ist Wagenwechsei und von da geht s dann ohne Umsteigen bis nach Frankfurt a. M. durch. Am Bahnhof erwartet Dich der Hausdiener vom Hotel National. Tas Zimmer ist für Dich bestellt. Abendessen im Hotel brauchst Du nicht, im Körbchen hier ist reichlich Proviant und zum Trinken Mllch und ein Flaschchen Ungarwem. Dan Du am anderen Morgen mit dem richtigen Zug nach Saarbrücken weiter fahrst, dafür sorgt schon der Hotelportier. Und nimm Dich nur ja in acht, daß Dir unterwegs nichts passirt, und stelg' nur um Gottes willen m Corbetha nicht in den falschen Zug, und nur ja Dir Dumenkoupe vom Schaffner geben lassen, hörst Du, Lieschen?" So hatte am Bahnhof des kleinen Landstädtchens die gute Mama dem Töchterchen zum hundertundletztenmal die Weisung für die lange Fahrt nach Saarbrücken ertheilt, und das Töchterchen hatte thränenfeuchten Auges genickt und getreulich nach der Mama Gebot dem Schaffner ihren Wunsch kundgegeben: Nach Frankfurt zweiter Klasse, Damenkoupe, bitte." Damenkoupe besetzt Nichtraucher ist noch Platz einsteigen, schnell schnell!" und halb geschoben, halb gehoben, fühlte Lieschen sich unter gänzlicher Mißachtung ihres ängstlichen Protestes m ein Abtheil hmembefordert, in dem sich außer ihr noch ein einziger Passagier befand. Und dieser Passagier war em junger, und so viel sich auf emen flüchtigen Blick hin wahrnehmen ließ, ein sehr stattlicher junger Herr, der ihr freundlich entgegenschaute. Aufgeregt fuhr ihre Hand wieder nach der Thür, die der Schaffner zugeschlagen,' rüttelte an dem Drücker, brachte ihn auch glücklich hoch, als sie sich plötzlich sehr energisch rückwärts gerissen fühlte mit dem Rufe: Wollen Sie denn den Hals brechen? Der Zug ist ja in voller Fahrt." Ja, der Zug war im Fahren. Sie hatte das gar nicht bemerkt in ihrer Eile, dem zu entfliehen, wovor die Mama sie als im höchsten Grade unstatthaft gewarnt hatte mit einem ein zelnen Herrn zusammen zu fahren. Und nun fing er unbekannterweise auch ncch eine Unterhaltung an, was die Mama als den Gipfel der Unschicklichkeit dezeichnet hatte ' Aber, mein Fräulein welcher Leichtsinn wenn ich Ihnen jetzt nun nicht das Leben gerettet hätte?" Ja, wenn er ihr nun nicht das Leben gerettet hätte da lern sie jetzt vielleicht mit gebrochenen Gliedmaßen draußen auf dem Perron, oder gar zermalmt, zerquetscht unter den Rädern des über sie hinsausenden Zuges. Sie erschauderte und die gesenkten Lider zu ihrem Lebensretter aufschlagend, lispelte sie: Ich danke Ihnen sehr, aber ich sollte wollte doch gerne Damenkoupe " Klapp, waren die Lider wieder über die Blauaugen herabgefallen, denn in ein Paar braunen hatte ein Spottlachen gewetterleuchtet und unter einem flotten Schnurrbart hervor erklang es voll übertriebener Bescheidenheit: Sie dürfen versichert sein, daß ich mich bemühen werde, Ihnen so wenig als nur irgend möglich lästig zu fallen, mein gnädigstes Fräulein." Und an dem entgegengesetzten Fenster drückte der Fahrtgenosse sich so tief, als seine schlanke Gestalt das nur irgend zuließ, in die Ecke hinein, faltete das Riesenformat einer Zeitung auseinander und verschwand dahinter wie un:er emer spanischen Wand. Auch Lieschen rückte so viel als möglich in ihre Ecke hinein, faß dabei kerzensteif da. hielt den Regenschirm mit beiden Händen umklammert,b!ickle starr zum Fenster hinaus und hatte das Gefühl, als ob hinter der Zeitung hervor zwei spottlachende Augen unablässig zu ihr herüber schauten. Darob stieg ihr brennende Nöthe in Stirn und Wangen hinauf und wie sie das spürte und daran dachte, wie geradezu unglaublich dunkelglühend krebsroth sie zu werden vermochte, und wie solche Puterröthe einem ohnehin frisch gefärbten Gesicht unmöglich kkidsam sein könne, ui:d man ihr nun das Gänschen vom Lande noch viel deutlicher ansehen würde als zuvor, und wie ein schneidiger, eleganter, weltgewandter junger Herr für solch ein Gänschen ja gar nichts anderes haben könne als spottendes Lachen, da flehte sie allgemach geradezu inbrünstig den Himmel an, daß er , sie von diesem schrecklichen Tete-a-tete erlösen möge. Und der Himmel erbarmte sich ihrer. Auf der nächsten Station wurde die Thür aufgerissen und es quoll in den Abtheil herein Schachteln, Taschen, Bündel, danach Brüderchen und Schwesterchen im angenehmen Alter von vier und fünf Jahren und hinterdrein die Mama, ein weiteres Bündel im Arme haltend, das seine Art durch energisches Zappeln und Schreien kundgab. Dann setzte der Zug sich wieder in Bewegung und die dreifach glückliche Mutter sank auf den Sitz hernieder. Ach Gott, ach Gott, ist das schrecklich, so in der Eile das Umsteigen und mit den Kindern setz' Dich hin. Len chen Paulchen, wirst Du wohl artig

sein ach, liebes Fräuleinchen, wenn

Sie mir blos mal das Baby halten möchten, bis ich das Gepäck untergebracht habe bis Frankfurt brauchen wir dann nicht mehr umzusteigen reisen Sie auch nach Frankfurt, Fräulein?" a." hauchte Lieschen, blickte auf das Baby, das ihr ohne weitere Umstände auf den Arm gelegt worden war und das, mit diesem Situationswechsel scheinbar wenig einverstanden, schrie, als ob es am Spieße stecke. Du hältst das Baby falsch." kritisirte Paulchen. Der Kopf h.ngt ja ganz unten hast Du denn kein Baby. daß Du da? nicht mal weißt? Und ist der dort Dein Mann?" Zum Fenster hinaus das Baby wersen und selbst hinterdrein springen, das war es, was Lieschen bei der Frage und weiter bei der Wahrnehmung cmPfand, wie der dort" der es nicht länger für nöthig hielt, sich hintu der Zeitung zu isoliren. Mühe hatte, das Lachen zu verbeißen. Da nahm die Mutter ihr Kind wieder an sich, suchte es mit bsch bsch" und wsch wsch" zur Ruhe zu wiegen und blickte, da solches ihr nicht gelingen wollte, hilfeflehend von einem zum anderen. Hunger hat es und die Milch ist alle und nirgends ist Aufenthalt genug, daß ich frische ach Gott, ach Gott-schlaf Kindchen schlaf bsch wsch bsch" Ich habe eine große Flasche Milch bei mir, wenn Sie die vielleicht" rief Lieschen hilfsbereit, langte ihr Proviantkörbchen herunter und hätte sich dafür am liebsten geohrfeigt, als vom Fenster herüber ein lächelnder Blick sie streifte, den sie sich ohngefähr so deutete: Natürlich, kleinen Mädchen gibt man wie jungen Ziebkälbchen eine Flasche Milch mit auf die Reise." Die Mutter aber jauchzte auf. Ach. liebes Fräulein wenn Sie mir wirklich nur ein kleines Tröpfchen " Bitte, nein, nehmen Sie die ganze Flasche ich trinke keine Milch nie trinke ich Milch niemals," rief Lieschen, die gefüllte Literflasche darbietend. Und die dankbare Mutter nahm sie. Paulchen aber beäugelte voll tiefen Interesses auf Lieschens Knieen den Korb, drin seine Intelligenz allerlei gute Dinge witterte. Du, willst Du das alles allein auffüttern, was da drin ist? Da wirst Du Dich aber schön verfressen." Verfressen auch das noch! Dachte etwa der dort drüben, dessen Lächeln sie wieder zu sehen wähnte, sie hätte nur darum so rothe Backen und wäre so kugelrund, weil sie sich gern verfraß? Ein Griff in den Korb hinein und die Tafel Schokolade, von der die Mama gesagt: Es ist extrafeine" war in Paulchens zupackende Hände gedrückt. Ob solcher Bevorzugung entrüstete sich Lenchen. Ich will auch Schokolade und Milch und ich habe Hunger doll vielen Hunger." Und Lieschen gab, gab mit vollen Händen, nöthigte auch der Mutter ein belegtes Brötchen auf, das diese mit schamhaftem Lächeln annahm. Wir berauben Sie so, liebes Fräulein, aber heute früh bei der Abreise ging alles so gehetzt da haben wir uns schlecht versorgt " . Du, hast Du keinen Hunger?" fragte Paulchen, offenbar in der Annähme, daß Lieschens Korb, das Tisch lein deck' Dich, für alle sei, den in der Ecke drüben. Nein," gab der zurück aber Ihr müßt der Dame nicht alles wegessen, sie möchte gern auch was für sich selber haben." Es war ganz leise gesagt, doch Lieschen hatte es gehört und es genügle, daß sie mit einem empörten Gefühl: Er soll sehen, daß ich nicht verfrejjen bin" noch einmal in ihren Korb langle und das letzte herausnahm, was sie wirklich für sich selbst hatte behalten wollen, eine Tüte herrlicher Makronen. Wie die Wölfe fielen Lenchen und Paulchcn darüber her und als im edlen Wettstreit das letzte Krumeichen vertilgt war, klopfte Paulchen sich mit beiden Händen auf die Magengcgend. Au nun bin ich aber mächtig satt" zog die Beine hoch, rollte sich auf dem Sitz zusammen wie eine gut gefütterte Boa Constriktor und verfiel alsbald in einen sanften Berdauungsjchlummer. Lenchen folgte nach ein paar Armflößen rechts und links seinem Beispiel, auch das Baby i?atte an der Milch sich zu schöner Ruhe getrunken und die Mutter, einen Blick auf ihre friedlich schlummernde Nachkommenschaft wer-, send, lehnte das Haupt gegen das Pol. stec zurück, seufzte: Ach ja. so ein? lange Reise" und schloß gleichfalls die müden Augen zu. Da rückte auch der Herr in seiner Ecke drüben sich ostentativ zum Sch!um mern zurecht und Lieschen, nachdem sie unterschiedliche Male blinzelnd hinübergeschaut, ob er auch wirklich richtig schlafe, oder ob er nur so thue, ließ sich plötzlich, den Kopf in die Ecke hineinkuschelnd, tief hinab sinken m süße All Vergessenheit. Fräuleinchen Fräuleincken" Eine rufende Stimme, eine sanft sie rüttelnde Hand und Lieschen fährt auf. noch völlig schZa. oefanaen. Ist's denn schon Aufstehzeit?" Es ist elf Uhr Nachts wir sind gkeich in Frankfurt." lächelt die Mutter die ihr sorglich wahrend des Schlafens dle Füße auf den Sitz geschoben. vTsrnf tnrt" ItTftinTm. ri (j... i - v

iprungen steht die Schläferin. starrt um sich, starrt hinein, wieder hinein, in die

lächelnd vom Fenster zu ihr herüberschauenden Augen und zum jähen Bewußtsein kommt-es ihr, daß sie wie ein Murmelthier geschlafen hat, fünf volle Stunden lang. Und zum Bewußtsein kommt's ihr ferner, daß sie ja die Angewohnheit hat. mit offenem Munde zu schlafen die Mama hatte sie schon manchmal damit aufgezogen Liese, wenn Dir nun mal beim Schlafen eine Maus in den Mund läuft" Gräßlich mußte das aussehen, so mit offenem Mund dazulieaen! Warum gewöhnen Eltern ihren Kindern so was nicht ab? Und überhaupt warum ließen sie so ein junges Dma von siebzehn Jahren, das noch nicht aus seinem Gutswinkel herausgekommen war, so mutlc enallein in die weite Welt reisen? ::rrtt sie bei Schwester Srete. die in Saarbrücken an einen Leutnant verheirathet war, auch mal ein bischen was vom Leben kennen lernte ach, sie verlangte nicht danach, wurde sich ja doch nur blamiren, wie sie sich heute schon auf der ganzen Fahrt zum Todtschämen blamirt hatte. Ein Glück nur, daß nach ein paar Minuten der Zug in Frankfurt hielt und sie hinausspringen konnte, fast direkt in die Anr.e des nach ihr ausschauenden Hoteldieners, der die mit steckbrieflicher Genauigkeit signalisirte Reisende in Empfang nahm und in den Schutz seines Hauses überführte. Mit dem Lift wurde sie zu irgend einer Höhe hinauf befördert und eines Zimmers Thür vor ihr geöffnet. Sie zögerte auf der Schwelle. In so einem großen, wildfremden Hotel ganz allein es war doch furchtbar greulich. Da that sich die Thur des Nebenzimmers auf und ein alter, weißhaariger Herr trat heraus und sah sie freundlich an. Das gab ihr Muth. Was für ein liebes, gutes Gesicht er hatte. Mit so einem Nachbar brauchte man sich nicht zu fürchten. Und sie trat in ihr Stüöchen ein. Wünschen gnädiges Fräulein noch etwas?" fragte der Kellner. Sie verneinte ein wenig zögernd und schloß hinter dem Abgehenden fest die Thüre zu. Abendessen brauchst Du im Hotel nicht," hatte die Mama gesagt. Freilich brauchte sie's nicht, wäre sie noch im unverkürzten Besitz ihres Proviants. Aber von allem, was Mutterliebe ihr eingepackt, war nichts übrig geblieben, als das Fläschchen mit dem Ungarwein. Vielleicht, wenn sie den austrank und dann ganz schnell zu Vet'e ging, fühlte sie den Hunger nicht mehr, der sich heftig in ihr zu regen begann und sie hielt's aus bis zum nächsten Morgen, wo ihr um sieben das Frühstück gebracht wurde. Der Wein half wirklich. Sie fühlte, als sie ihn getrunken, den Hunger nicht mehr, mit einem ganz molligen Empfinden schlüpfte sie in's Bett hinein und hörte noch so im Eindruseln nebenan im Zimmer, an dessen Verbindungsthür ihr Bett stand, den Kellner fragen: Wünschen der Herr noch etwas?" , Und der Herr wünschte. Eine Flasche Mosel und etwas kalte Küche bringen Sie mir noch herauf." Kalte Küche der freundliche alte Herr, der noch Hunger hatte auch Hunger Mit einem sehnsüchtig verdämmernden Seufzer schlief Lieschen ein. Wie lange sie geschlafen, sie wußte es nicht, als sie jäh erwachte von einem furchtbaren Gefühl, dessen Ursprung sie nicht sogleich begriff, das in ihr riß und wühlte und krampfte, als wolle gleich auf der Stelle der Tod an sie herantreten. Kaum daß sie mit zitternden H'änden vermochte, das Licht anzuzünden. Was war ihr denn nur? Ihre Augen irrten im Zimmer umher und beim Erblicken des leeren Prov'antkorbes. der auf dem Mische stand, wußte sie es plötzlich, was ihr war Hunger hatte sie, wilden, wüthenden Heißhunger der starke Wein auf den leeren V!agen hatte ihn vollends aufgepeitscht. Und in dem Korb kein Krümelchen mehr und hier die Uhr, die auf Eins zeigte da konnte sie nicht mehr klingeln, daß man ihr was raufbrachte, das getraute sie sich nicht und warten bis zum Morgen, das hielt sie ja nicht aus, denn was in ihr wühlte, das war ja nicht Hunger mehr, das war entsetzlichste Hungersnoth. Und dazu gesellte sich eine Art Wuth gegen sich selber. Warum hatte sie alles fortgegeben, warum war sie so eine dumme, alberne eitle Pute gewesen, die sich ihrer rotben Backen und ihres gesunden Appetits fch'ämie! Was ging es sie an. ob da aus seiner Ecke heraus so ein wildfremder Mensch sie lächelnd beobachtete. Nun hatte sie ibre gerechte Strafe dafür, wenn sie hier elendiglich rcrbvnaern mußte. Und im Gefühl ihres tiefen Elends beaann sie sich auf ibrem Lager zu krümmen und 311 winden, begann zu stöbnen und schließlich jämmerlich zu schluchzen. Da reate es sich im Nebenzimmer. Jemand schien aufzustehen und sich lauschend der Bcrbindungsthür zu nähern. Das gab Lieschen eine Art von Trost. Der nette alte Serr horchte. was ihr wobl sei. Und plötzlich zuckte wie ein Blitzstrahl in ihr die Hoffnung auf Kalte Küche hatte der alte Herr sich bringen lassen vielleicht hatte er nicht alles aufgegessen, hatte vielleicht ein Brötchen, nur ein Stückchen von einem Brötchen übrig gelassen. Ein neues, noch qualvolleres Aufstöhnen

brach von ihren Lippen und that seine Schuldigkeit leis wurde, gegen die Wand gepocht und eine männliche Stimme fragte: . Ist Jemand krank geworden kann ich vielleicht helfen?. Ich bin Arzt" Arzt ein Arzt war er auch noch! Der letzte Rest von Scheu schwand und sich gegen die Thür beugend gab sie kläglich zurück: Krank bin ich nicht, aber mir ist's so sehr schlecht ich habe solchen furchtbaren Hunger." Hunger?" lachte es drüben dafür hab' ich gottlob die rechte Medizin gleich bei der Hand nur einen Augenblick noch gedulden Sie sich, dann werde ich mir erlauben, die entsprechende Dosis vor Ihrer Zimmerthür niederzusetzen und wünsche guten Appetit." Es wollte Lieschen vorkommen, als ob die Stimme des lieben alten Herrn ihr irgend wie bekannt klinge, aber sie achtete nicht darauf, ein wonniges Gerausch klappernder Teller und Messer nahm ihre Sinne ganz gefangen. Dann wurde drüben die Thür geöffnet, etwas behutsam vor der ihren niedergesetzt, leise dagegen gepocht und nachdem drüben die Thür wieder geschlossen war. öffnete Lieschen die ihre und Ihm das davorstehende Tablett herein. Ein paar dick mit Braten und Schinken belegte Brötchen und ein Hühnerflüael ihr war's, als müsse sie anbetend davor auf die Kniee sinken. Und dann aß sie, wie sie in ihrem Leben noch

nicht gegessen, und als das letzte Brocklern verschwunden war und sie emen tiefen Seufzer unendlichen Wohlbehagens ausstieß, erklang von drüben, wo einer die ganze Zeit über gelauscht zu haben schien, die lustige Frage: Hat's geschmeckt?" Worauf sie voll Begeisterung zurückgab: Himmlisch! Sie haben mir das Leben gerettet!" Bitte, bitte," kam es zurück das ist so mein Beruf. Und nun wünsch' ich gesegnete Ruhe." Ob sie gut ruhte! Die Welt erschien ihr wie ein blühender Rosengarten, als sie am anderen Morgen zur Weiterreise gerüstet aus ihum Zimmer hinaus auf den Korridor trat. Zärtlich blickte sie auf ihres Nachbars verschlossene Thür. Der liebe, gute alte Herr aus war er schon wie gern hätte sie ihm von Angesicht zu Angesicht gedankt! Und als hege auch er den gleichen Wunsch, so that die Thür sich auf und ebenfalls reisefertig, lächelnd tief den Hut ziehend stand vor Lieschen ihr Reisegefährte aus dem Eisenbahnkoupe! Er er er! war heute Nacht der nette, alte Herr gewesen! Ein paar Sekunden stand sie wie erstarrt ihm gegenüber und dann Wie sie an ihm vorbei, die Treppe hinab, aus dem Hotel hinaus, auf den Bahnhof und hinein in das Damenkoupe diesmal wirklich Damenkoupe gekommen war, sie wußte es nicht, wußte auch kaum, wie der Rest der Reise verlief und kam erst richtig wieder zu sich, als in Saarbrücken die Schwester. die mit dem Gatten sie vom BahnHof abholte, fragte:' Na Liese, alles gut gegangen unterwegs, kein Malheur gehabt?" Da schüttelte Lieschen sich vor Grausen. Furchtbar war die Reise! Nein umkommen müßt ich, hab' ich gedacht und weiß noch jetzt nicht, wie ich's überleben soll." Das Umkommen?" lachte der Schwager und grüßte vertraulich zu einem, ebenfalls dem Zuge entstiegenen Herrn hinüber na, da hätten wir ja unseren Regimentsäskulap gleich zur Hand, um Dir über das Umkommen hinweg zu helfen." Lieschen blickte herum, stieß einen unterdrückten Schrei aus und preßte ihr Gesicht an der Schwester Schulter. Nein, Erete. das das überleb' ich nicht!" Was sie nicht überleben würde das erfuhr indeß Grete trotz allen Hin- und Herfragens nicht, erfuhr auch nicht, weshalb das Schwesterchen sich erst so hartnäckig sträubte, mit auf den Kasinoball zu gehen und dann wiederum vor ungeduldiger Erwartung Lind eifrigem Bemühen, sich möglichst schön und damenhaft zu machen, nicht mehr aus und ein wußte. Du, Fritz," flüsterte am Ballabend Frau Greie dem Gatten zu der Doktor Steiner macht aber unserer Liese mächtig die Kour." Laß ihn doch," lautete die Antwort. Die Kleine ist ja niedlich genug und er kann ja eine Frau ernähren." Jawohl, das konnte er. Mit neckischen. Lächeln erinnerte der Regimentsarzt Erich Steiner etwa zwei Monate später Lieschen Wehlau daran und blickte sie sodann ' erwartungsvoll an, was sie wohl auf dieses letzte Argument seiner längeren und höchst eindringlichen Rede antworten werde. Sie hatte zunächst einen Anfall hochgradigen Erröthens zu überwinden, dann aber hob sie zu dem jungen Doktor voll entschlossenen Freimuths die Augen empor und sagte kurz und bündig: Ja. Wenn man sich vor Jemand so namenlos blamirt hat, wie ich mich vor Ihnen, da bleibt einem gar nichts anderes übrig, als den zu heirathen. Bor seinem Manne braucht man sich wenigstens nicht mehr zu schämen." NerpVoZflungstlxat. Was, Sie haben hier eine Wohnung bekommen bei dem großen Fremdenandrang?" Blieb mir nichts übrig, habe schnell IN k!N Hotel elngehelrathet

Europäische Nachrichten.

KesseN'Aarrnlkadt. D a r m st a d t. Als er an einem Neubau der Nieder - Ramstädterstraße eine brennende Laterne aufhängen wollte, stürzte der Taglöhner, Johannes Hofmann vom Gerüst des ersten Stockes herunter und zog sich einige Verletzungen am Kopfe und den Beincn zu. Hofmann mußte in das städtische Krankenhaus aufgenommen werden. In der I. C. Herbert'schen Hofbuchdruckerei feierte der Maschinist Emil Friedrich sein Löjähriges Arbeitsjubiläum. Mainz. Schwer verletzt wurde im Rangierbahnhof der etwa 20 Jahre alte Rangirer Bertsch. Er gerieth zwischen die Puffer, wobei ihm der eine Arm vollständig zerquetscht wurde. Ein furchtbarer Tod ereilte den Fahrburschen Gottlieb Küte auf der Jngelheimer Aue. Auf einem Schuttabladeplatz stürzte sein Fuhrwerk um und ein Faß mit Exkrementen begrub den Unglücklichen unter sich, sodaß er erstickte. Der Schreinermeister Josef Birme, aus Kreseld und rn Dusseldorf wohnhaft, schoß sich hier auf der Rheinpromenade eine Kugel in den Kopf. Er wurde schwerverletzt in's Rochushospital verbracht. Neustadt i. O. Ein gräßlicher Unglllcksfall. dem voraussichtlich ein blühendes Menschenleben zum Opfer fallen wird, ereignete sich in unserer Nachbargemeinde Hainstadt. Dort gerieth der bei der Wald - Amorbacher Dreschgesellschaft beschäftigte 13 Jahre alte A. Old aus Hainstadt aus Unvorsichtigkeit mit dem einen Fuße in die Dreschmaschinentrommel, die den jungen Menschen schauerlich verstümmelte. Das ganze Bein wurde in das Maschinengetriebe gezogen, vollständig zermalmt und in Fetzen aus dem Rumpfe gerissen. Wayern. München. Der bayer. Kammerherr, erbliche Reichsrath der Krone Bayern, Kapitular - Großkomtur des Hausritterordens vom heiligen Georg u. s. w., Graf Arco - Valley, ist im Alter von 68 Jahren verschieben. Der Friseur Kollmann von hier sprang während einer Fahrt von Lindau nach Bregenz in den Bodensee und ertrank. Aschaffenbu.rg. Beim Fällen eines Baumes schnellte dieser plötzlich zurück und traf den städtischen Gärtner Kraus so unglücklich am Kopfe, daß Kraus bewußtlos zu Boden stürzte und, nach Hause verbracht, alsbald verschied. Beilngries. Hier fand man die 42jähr!ge Schwester des hiesigen Steinmühlenbesitzers Joseph Kopfmüller, Lina Kopfmüller, und das achtjährige Töchterchen desselben todt im Schlafzimmer vor. Eine genaue Todesursache konnte nicht festgestellt werden, doch nimmt man Kohlengas-. Vergiftung an. Dörfl. Bei dem letztens aufgetretenen Sturm gerieth der 62 Jahre alte Austragsbauer Andreas Petter von hier auf dem Heimwege vom Wirthshaus in eine Mulde und wur de spater erfroren aufgefunden. Graham. Hier hat sich der 49 Jahre alte Gütlcr Xaver Ardt von Solla im Stalle erhängt. Der freiwilng aus vem Leben Geschiedene lzatte vor zehn Jahren das Unglück, durch einen Steinschuß beide Augen zu verlieren, so daß et seitdem vollständig erblindet war. Hof. Dieser Tage blickte der verantwortliche Redakteur des liberalen Hofer Anzeigers." Franz Büchl auf eine 25jährige rege und mit viel Er-, folg gekrönte Thätigkeit zurück. Auch zwei Schriftsetzer aus der MintzelHörmannschen Offizin, Fickenscher und Koppel, konnten ihr 25jährigeö Dienstjubiläum begehen. Lohr. Der Bremser Eugen Kempf von Aschaffenburg, der im hiesigen Bahnhof verunglückte, ist, nachdem ihm beide Beine amputirt worden waren, im hiesigen Krankenhause gestorkien. P a s s a u. Ein 16jähriger Raub Mörder stand in der Person desDiensthuben Joh. Schildmann von Wittibreut vor der hiesigen Strafkammer. Der Bube suchte den Bauern Hautz von Weiding, dem er aufgelauert hatte, durch sechs Schüsse zu tödten, verletzte ihn aber nur schwer. Bei der VerHandlung gestand er offen, es darauf abgesehen zu haben, den Bauern zu ermorden und seiner namhaften Baarschaft zu berauben. Das Urtheil lautete auf 5 Jahre Gefängniß. Regensburg. Raubmorder Hirschvogel wurde in hiesiger Stadt verhaftet. Hirschvogel hatte sich seit seiner Entfernung aus dem Gefängniß auf dem Heuboden der Rauh'schen Weißbierbrauerei versteckt gehalten, wo er kürzlich ausfindig gemacht wurde. Er trug noch Gefangenenkleidung und war ohne Kopfbedeckung. Hirschvogel hatte also niemals unsere Stadt ver lassen. Tegernsee. Anläßlich seines 25jährigen Jubiläums als Pfarrer wurde Prälat Dannerbeck am herzoglichen Hofe in Bad Kreuth besonders geehrt. Der Jubilar wurde zum Diner geladen, vor dem ihr ein werthvol les silbernes Kaffeeservice von dem Herzogpaar und den Kindern, die er fast alle getauft und deren Religionsunterricht er zum großen Theil geleitet hat, überreicht wurde.

-i i , i l