Indiana Tribüne, Volume 28, Number 161, Indianapolis, Marion County, 1 March 1905 — Page 5

Jnbkana Tribune, März 1903

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o Aus den Erinnrrungen eines Dfsiziers ( Von S. Sallentien - Men?er ( )KKKMXHHKHCK( ch hatte in dem letzten halben Jahre über meine Kräfte gearteilet, war den ganzen Wintei hindurch kaum vor zwe: Uhr Nachts von den Büchern aufgestanden, und früh um sechs Uhr mußte ich gewohnlich wieder hinaus nach der Reitbahn. Ich hatte auch im Frühjahr dieses übermäßige Arbeiten fortgesetzt, und jetzt zur Manöverzeit blühte mir erst recht keine Ruhe, obgleich ich nicht beim Regiment war, sondern mich zur Theilnahme an einem Telegraphenkursus in Danzig aufhielt. Wenn ein Offizier, der erst seit Kurzem den ersten Stern auf den Achsel stücken hat, derartig arbeitet, dann is! irgend etwas nicht in Ordnung, selbst wenn der betreffende junge Mann Artillerieoffizier ist. Auch bei mir war etwas nicht in Ordnung, und das, was mich so zu übermenschlichen Anstrengungen antrieb, war das liebste beste Mädchen." Ich war immer ein sehr solider Offizier gewesen, denn meine Verhältnisse machten mir das geradezu zur Pflicht. Ich bezog zwar aus einer Familienstiftung eine monatliche Zulage von emhundertzwanzig Mark, allein meine Mutter hatte als Majorswittwe nur eine sehr kleine Pension, von, der sie beim besten Willen nichts für mich erübrigen konnte. Uebrigens ging es im Offizierskorps meines Regiments recht solide zu, es gab viel wissenschaftliches Streben und viel geistige Anregung, ich hätte also vergnügt und glücklich weiterleben können, wenn ich nicht eines Tages auf einem Balle dem liebsten besten Mädchen" begegnet Ware. Wir lernten uns kennen, waren an jenem Abend schon unzertrennlich, und unser Schicksal war besiegelt. Sie war wie ich vaterlose Waise, ihre Mutter lebte als Wittwe eines höheren Steuerbeamten ebenfalls nur von ihrer Pension, an Heirathen war also nicht zu denken, an Verloben natürlich zunächst ebenfalls nicht, aber meine Empfindungen und Gefühle waren so gewaltige, daß ich beschloß, den Himmel zu stürmen. Die Heirathskaution aufzutreiben, dazu war nicht die geringste Ausficht vorhanden, und ich konnte erst heirathen, wenn ich Hauptmann war. Bis dahin aber war der Weg noch sehr weit, und ich konnte ihn nur abkürzen, wenn ich Generalstäbler" wurde, denn dann hatte ich auf beschleunigte Beförderung zu rechnen. Ich ging also mit mir sorgfältig zu Rathe und prüfte alle meine Fähigkeiten. Ich hatte mit Erfolg bereits die Kriegsakademie besucht und setzte mich jetzt hin, um mich für den Generalstab vorzubereiten. Ich wollte mein Ziel erreichen, koste es, was es wolle. Mein Oberst unterstützte mich in meinem Streben, denn er war mir sehr gewogen, und wenige Wochen, bevor ich das Examen für den großen Generalstab machen konnte, wurde ich nach Danzig zur Telegraphenschule kommandnt.' Dieses Kommando war für meine Zwecke sehr förderlich, aber ich mußte jetzt mit verdoppelten Kräften arbeiten. Das Leben und Treiben, die ganze Arbeit auf der Telegraphenschule war mir sehr interessant, und ich beschränkte mich nur auf die nothwendigsten Besuche bei meinen Vorgesetzten und that sonst keine Schritte, um mir geselligen Verkehr zu schaffen. Nur emen eintlatn Vrivatbeiuck batte icü au? Beranlassung meiner Mutter gemacht, die mir schrieb, ich solle 'ja nicht vergessen, daß in Brösen, eine knappe Meile von Danztg,, die 'Tante Aurelie lebe. Diese Tante Aurelie war eine unechte" Tante, das heißt sie genoß nur den Titel, ohne Rechte darauf zu haben. Sie war als Jugendfreundin meiner Mutter meine Pathin, war unverheirathet geblieben, galt für recht vermo gend. und ich erinnerte mich aus meiner Klndheü her wohl noch der freundlichen, etwas zimperlichen Dame. Ich machte ihr also in aller Forni in ihrer Villa draußen am Strand einen Besuch, wurde aber 'sehr kühl empfangen; es gab eben zwischen meinen Lebensverhalinissen und denen bei inzwischen recht alt gewordenen Dame cax keine Berührungspunkte mehr. Die soaenannte Tante Aurelie schien eine recht schrullenhafte, wenig angenehme Person worden zu sein. Sie lebte vollständig zurückgezogen in einer kleinen Villa, in welcher als Gärtner und Portier ein ehemaliger Polizeibeamter mit seiner Famme sowie , noch zwei Dienstmädchen hausten. Tante Aurelie war ja nicht gerade unliebenswürdig, aber es lag nichts in ihrem Verhalten, was mich zu einem weiteren Besuche hätte veranlassen können. Sie lud mich auch nicht einmal em. was doch eigentlich ihre Pflicht ge Wesen wäre. Ich berichtete meiner Mutter getreulich über den verfehlten Besuch und fdj::?5 ihr gleichzeitig, würde mich von der alten Dame, wenn ich' von Danziq wieder wegginge. schriftlich verabschieden,, da ich mich mcht veranlaßt fühlte, ste noch emmal persönlich aufzusuchen. Mit meiner Wohnung in Danzig hatte ich großes Glück gehabt. Sie lag außerhalb der Festung zwischen Garten und befand sich in eine? prächtkg eingerichteten Villa mit Stallung-

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Wagevremise, GartenpavillonS, und; war mit allem Luxus und Komfort! ausgestattet. Ich kam nur durch einen Zufall in diese Behausung. Die Villa mit Garten stand nämlich unter Ee"er. Es handelte stch um einen!

I Prozeß zwischen verschiedenen Erben, der schon jahrelang dauerte, und der lsequenerverwailer ienrneigcie in der Zwischenzeit die Villa, um wenigstens etwas Geld herauszuschlagen. Leider war das Grundstück und das Haus etwas verwahrlost, denn es fiel Niemand ein, Geld für Reparaturen hineinzustecken, ich hatte aber die Wohnunq. die verhältnißmäßig billig war, mit Vergnügen gemiethet, weil ich darin Stallung für mein und meines Burschen Pferd vorfand. . Ich bewohnte einen kleinen Anbau von zwei Zimmern, der mit der eigentlichen Villa durch einen überdachten Gang verbunden, war. Morgens und Abends, wenn ich arbeitete, war es wunderbar ruhig um mich herum. Ich horte nur das Rauschen der alttv Bäume und zur Nachtzeit das Schlagen der Kirchthurmuhren von der Stadt herüber. Auch heute hatte ich angestrengt gearbeitet, aber zwei Briefe, die ich vorgefunden hatte, als ich vom Nachmittagsdienst nach Hause kam, lenkten doch immer wieder meine Gedanken ab. Der eine Brief kam vom liebsten besten Mädchen" und war voll Zärtlichkeit und Hoffnungen, der andere Brief kam von meiner Mutter und. äußerte stcr lang und breit über die Absonderlichleiten der sogenannten Tante Aurelie. Meine Mutter bat mich, doch auf jeden Fall mich persönlich von der alten Dame zu verabschieden, da diese eine schriftliche Empfehlung sehr übel nehmen würde. Meine Mutter schrieb mir auch, Tante Aurelie habe schlimme Erfahrungen mit den Menschen, besonders mit Verwandten, gemacht und dadurch sei ste ?ur Einsiedlerin und Men. schenfeindm geworden; ste solle auch gesundheitlich recht herunter sein, und ich dürfe daher ihr schon etwas zu gute halten. Ich arbeitete bis gegen Mitternacht und ging dann in mein Schlafzimmer. Ich war recht müde, aber die Schwiile des Septemberabends zusammen mit der Ueberreizung der Kopfnerven brachte mich in iener: unleidlichen Zustand, in dem der Körper gern ausruhen mochte, wahrend oer Geist nicht zur Ruhe kommt. Ich warf mich auf mein Lager und versuchte einzuschlafen. horte aber die Thurmuhren nachemander zwölf, dann ein Uhr schlagen, kurz, der Schlaf wollte nicht kommen. Ich schreckte ein paarmal heftig auf, und dann bemerkte ich, daß mich etwas störte, was sonst mein Einschlafen niemals verhindert hatte, das war das Tropfen der Wasserleitung über meinem Waschtisch. Dieser war höchst luxuriös eingerichtet und bestand aus einer großen Marmorplatte mit Becken, über welchem stch zwei Hähne für warmes und kaltes Wasser befanden. Durch Druck auf einen Hebel floß das Wassec aus dem Waschbecken wieder ab, wenn es gebraucht war. Aber die Hähne waren undicht, ste waren, wie so vieles in der Villa, nicht mehr in tadellosem Zustände. Aus den Hähnen tropste es daher in das Marmorbecken, und da hier immer etwas Wasser vorhanden war, hörte man deutlich das Fallen der Tropfen, bald aus dem einen, bald aus dem anderen Hahn. So sehr ich geistig angestrengt war, hatte mich doch dieses Geräusch nie gestört, heute aber wurden mir diese fallenden Tropfen geradezu unerträglich. Sie kamen nicht regelmäßig. Ein gleichmäßiges Tempo im Fall der Tropfen hätte mich vielleicht emgeschlafert. Da ste aber aus zwei Hähnen m daö Becken fielen, folgten sie bald rasch hintereinander, bald langsamer. Ich stand auf und tastete mich nach den Hahnen, um sie fett zuzudrehen Das schien auch einen Augenblick zu helfen. Dann begann aber das Tropfen der Hähne von Neuem, und die Aufeinanderfolge der fallenden Tropfen war noch unregelmäßiger als zuvor. Ich fing an, langsam zu zahlen, um Mich durch dieses berühmte Einschlafe rungsmittel zu betäuben, aber meine Gedanken kehrten immer wieder zu den tropfenden Hahnen zurück. Es war schwül im Zimmer, trotzdem ich die oberen Fensterflügel offen gelassen, hatte. Ich walzte mich un ruhig hin und her, zeitweise hörte ich ein Klingen und Brausen m meinen Ohren, das selbst das Geräusch der fallenden Tropfen übertönte. Dieses Klingen und Brausen kannte ich erst. seit ich so übermäßig arbeitete. Lang lang kurz. Pause. Kurz. Pause. Kurz kurz kurz kurz kurz. Pause. Kurz lang kurz. So fielen die Tropfen. . Plötzlich sah ich vor mir deutlich das geschriebene Wort: Gefahr.Ich fuhr auf, überzeugt, im Halb schlaf gewesen zu sein. Denn wie sollte ich auf dieses Wort kommen? Ich hörte wieder das Geräusch der Tropfen: Lang lang kurz. Pause. Daö Morsezeichen für den Buchstaben G. ,' Plötzlich wußtVich es: die beiden Wasserhähne telegraphirten. Die fallenden Trodfen hatten deutlich, die Buchstaben a-e-s-a-h-r markirt. . Ich setzte mich im Bett auf. War ich .auf dem Wege, verrückt zu werden? Was spiegelten mir meine überreizten Nerven für Trugbilder vor! .Ich stand auf und trat an den Waschapparat. Ich horchte gespannt mit annthalttntm Atbem. Die Tropfen

Itätn weiter, eine Ueberretzung des Ge-

hirnö hatte mich genarrt. Gerade wollte ich mich aus meiner horchenden Stellung aufrichten, als wieder die Buchstaben kamen: g-e-f-a-h-r. Dann kam eine Pause, und dann schienen die Tropfen deutlich das Wort: t-a-n-t-e zu telegraphiren. Ich machte Licht und trank em Glas Wasser. Dann nahm ich das Licht und ging halb anaekleldet m das andere Zimmer. Diese fallenden Tropfen machten mich Nicht nur nervös, ste angstlgten mich geradezu. Jch'gmg beim unsicheren Schein der Kerze auf und ab und dachte über das nach, was ich soeben durcklebt hatte. Es stand jedenfalls schlimm mit mir. Ich hatte wieder einmal den Fehler beaanaen. in den so viele Leute Versallen, welche mit Gewalt erreichen wollen, was ihnen versagt ist. Ich hatte mich durch Ueberarbeitung in einen derartigen Zustand der Aufregung versetzt. daß vielleicht mein Examen gefährdet war, und daß ich Gott danken konnte. wenn ich Nicht noch em Nervensleoer oder eine schlimmere Krankheit bekam. Ich sah zum Fenster hinaus und hörte bald die Uhren halb zwei Uhr schlagen. Dann setzte ich mich an meinen Schreibtisch und begann em Buch zu lesen. Das beruhigte mich etwas. Die Sache ist eigentlich ganz naturlich!" suchte ich mich selbst zu überreden. Du bist durch den Telegraphenunterricht nervös geworden Die Morsezeichen hört man überall heraus, wenn man stch erst mit dem Telegraphiren ernstlich beschäftigt. Man hört ste aus dem taktmatzigen Klappern heraus. wenn man im Eisenbahnzuge fährt, man hört ste aus dem Klappern der Pferdehufe, aus den Hammerschlägen des Schmiedes, kurz aus allen fortgesetzten Geräuschen heraus. An die Tante Aurelie bin ich heute Abend durch den Brief meiner Mutter erinnert worden, kein Wunder, wenn ste meine Gedanken beschäftigt. Dazu kommt die Nervosität der Ueberarbeitung. Morgen früh ist der ganze Spuk wieder verschwunden!" Diese Beweisführung leuchtete mn ein. Ich kehrte in mein Schlafzimmer zurück, warf die Kleidungsstücke .ab, blies das Licht aus und legte mich zum Schlafe nieder. V Fünf Minuten mochte ich gelegen haben, und ich fühlte, wie das Einschlafen näher und näher kam, als die schrecklichen Wasserhähne wieder zu telegraphiren anfingen. .' Jetzt hatten ste es noch wichtiger als vorhin, jetzt telegraphirten ste zweimal: Gefahr Gefahr! Es kam auch eine gewisse Unregelmäßigkeit, wie mir schien, in das Telegraphiren, so als ob ein ungeübter Anfänger an einem Morseapparat säße. Aber für mich klangen die Worte deutlich hindurch, und meine Nervosttat stieg wieder. Dann kam mir auf einmal ein rettender Gedanke. Ich drehte beide Wasserhähne auf und ließ ste eine Zeitlang laufen, dann schloß ich sie wieder. Das kalte Wasser benützte ich, um ein zusammengelegtes Handtuch anzufeuchten und es mir als Kompresse auf den Kopf zu legen. Dann saß ich wieder auf meinem Bett und fragte mich fortwährend, ob das wirklich der Anfang des Wahnsinns sei und was aus dem liebsten besten Mädchen"' und aus mir werden sollte, wenn durch das Zuviel geistiger Anstrengung mein Gehirn versagte. Nach dem Oeffnen der Wasserhähne und dem energischen Schließen hörte das Tropfen aus. Die Kompresse hatte mein Gehirn abgekühlt, und ich hoffte, jetzt endlich einzuschlafen.. Ich legte mich also mit dem Umschlag auf dem Kopf zurecht und wartete auf den Schlaf. Klipp klipp klapp. Klipp klapp klipp. Die Wasserhähne begannen wieder zu sickern, und mit wechselndem Ton fielen die Tropfen in das Marmorbecken. Das dauerte fünf Minuten, und dann war wieder das Telegraphiren da: Gefahr Gefahr Gefahr! Mir kam es vor, als schrieen die Hähne mir jetzt diese Nachricht zu. Ich könnte es nicht mehr aushalten, sprang mit einem Satz aus dem Bett, zog mich nothdürftig an und eilte nach dem Zimmer über dem Stall, wo mein Bursche schlief. Steh auf, Franz!" sagte ich ihm, sattle die Pferde." Der Bursche warf einen Blick auf seine Uhr und fragte schüchtern: Jetzt schon?" ..' Es war nach zwei Uhr. ,Frage nicht, zieh Dich an und sattle beide Pferde so schnell wie möglich. Ich werde Dir später Aufklärung geben." Dann eilte ich nach meinem Zimmer zurück um mich vollständig anzukleiden. Wenn ich mich jetzt aufsetzte und hinausritt nach der Villa, wo wir in ungefähr dreiviertel stunden ankommen konnten, was würde die Tante sagen, wenn dort alles in Ordnung war, und wenn ich die Bewohner der Villa vergeblich alarmirte. Zum- Mindesten würde die alte Dame annehmen, ich sei betrunken, und wenn sie milder gesinnt war, vielleicht ich sei übergeschnappt, und zu letzterer Annahme hatte sie ja dann einiges Recht. Sie schrieb natürlich an meine Mutter, und die gute alte Frau würde zu Tode erschreckt werden. Und wenn meine Vorgesetzten von solchen verrückten. Streichen hörten, dann ade Generalstab, ade Zukunft und ade liebstes bestes Mädchen!" Aber in mir arbeitete etwas so mächtig, so zwingend, daß alle diese Erwagungen und Befürchtungen .über den

Haufen geworfen wurden,' und das war der Gedanke: wenn nun doch die alte Frau in Gefahr ist, wenn dieses verrückte Telegraphiren der Wasserhähne doch etwas zu bedeuten hat, wenn Du morgen 'früh erfährst, daß irgend ein Unglück da draußen geschehen ist welche Vorwürfe würdest Du Dir zeitlebens machen! Es steht Deiner Absicht, Menschenpflicht zu erfüllen, entgegen der. Egoismus, der sich vor einer Handlungsweise fürchtet, die falsch beurtheilt werden könnte! Nieder mit dem Egoismus und hoch die MenschenPflicht! Was auch geschehen möge, ich habe wenigstens als ehrlicher, hilfsbereiter Mensch gedacht, das andere überlasse ich dem Schicksal! Mein Bursche hatte mit geradezu staunenswerther Schnelligkeit gesattelt, die Hufe der Pferde klapperten schon auf dem Pflaster des Hofes. Ich steckte einen Revolver zu mir, aber ich schämte mich vor meinem Burschen, als ich den geladenen Revolver in die Satteltasche packte. Wir reiten nach Brösen!" sagte ich zu Franz, der das Hofthor aufschloß, und wenige Minuten später ritten wir, so rasch es die Dunkelheit gestattete, in der Richtung nach Brösen fort. Als wir uns dem Standorte näherten, war ich einigermaßen enttäuscht, ch hatte zum Mindesten ' erwartet, emen Feuerschein zu sehen. Aber wir kamen vor der Villa der Tante Aurelie an und fanden absolut nichts Verdächtiges. Ringsumher herrschte" tiefe Stilles Sollte ich nicht doch lieber umkehren und mich vor einer Blamage bewahren? Oder sollte ich handeln, nachdem ich doch einmal bis an die Villa gekommen war? Die beiden großen Hunde im Hofe der Villa erhoben ein gewaltiges Gebell; als ich aber an das Gitterthor trat und ste anrief, wurden ste ruhiger. Ich begann energisch zu läuten. Nach ungefähr fünf Minuten erschien am Fenster der Portierwohnung das Gesicht eines Mannes, und eine Stimme rief, was wir wollten. Oeffnen Sie uns!" rief ich. Ist alles in der Villa in Ordnung?" Halb bekleidet erschien der Portier, der verwundert die beiden Soldaten vor dem Gitterthor sah. Ich bin der Neffe des gnädigen Fräuleins," erklärte ich. Lassen Sie uns einmal in aller Ruhe nachsehen, damit wir das Fräulein nicht stören. Ich habe meine bestimmten Gründe." Der alte Mann sah mich halb fragend, halb entsetzt an. Aber Nervosität steckt an, und so eilte er, die Hausthür zu offnen. Wir betraten vorsichtig den Unterflur der Villa und fanden nichts Verdächtiges. Dann gingen wir die Treppe zum ersten Stock empor, in dem stch das Schlafzimmer der alten Dame befand. Als wir mitten auf der Treppe warerr,'Ilieb der Portier stehen und sagte: Es riecht brandig!" Ich bemerkte das auch, und Franz. der uns gefolgt war, nachdem er die Pferde am Gartengitter festgebunden hatte, war derselben Ansicht. Wir eilten zur Flurthür und öffneten sie. Als wir die nächste Zimmerthür aufrissen, quoll-uns eine dicke Rauchwolke mit solcher Heftigkeit entgegen, daß wir fast erstickten. . Reiß die Fenster auf!" schrie ich Franz zu, und dieser rig das nächste Fenster auf. Jetzt alarmirte der gellende Ruf des Portiers die Mädchen, die in dem unteren Stockwerk schliefen. Mit Mühe nur gelang es uns, durch Rauch und Qualm bis in das Zimmer zu dringen, in welchem Tante Aurelie schlief. Sie lag bewußtlos und halb angekleidet am Boden. Wir trugen sie die Treppe hinunter und machten uns

dann an die Ablöschungsarbeiten. Mit ewigen Eimern Wasser war bald die dringendste Gefahr beseitigt. Franz lief dann nach dem Arzt. Die Wiederbelebungsversuche bei Tante Aurelie waren erfolgreich, aber die alte Dame blieb beweaunqslos und konnte nicht sprechen. Sie hatte einen Schlaganfall erlitten, ob infolge des Feuers oder vorher, war nicht festzustellen. Ich blieb bis gegen fünf Uhr Morgens in der Villa und mußte dann mit Franz nach Danzig zurück, um pünktlich zum Dienst einzutreffen. Mehrere Tage lang war das Leben der Tante schwer aefährdet. Die NachWirkungen der Erstickungsgefahr waren fast schlimmer als die des Schlaganfalls, der stch bei sorgfältiger ärztlicher Behandlung als weniger schwer erwies, als man zuerst glaubte. Das volle Bewußtsein kehrte schon am zweiten Tage zurück, am fünften Tage die Fähigkeit, ein wenig, wenn auch mit Schwierigkeiten, zu sprechen. Die Lähmung in der linken Seite blieb vierzehn Tage lang, dann begann auch sie zu weichen, und mit dem Sprachvermögen der Tante wurde es besser. Ich durfte während der Krankheitszeit nur flüchtiae Besuche machen, um mich nach dem Befinden der alten Dame zu erkundigen. Der Arzt gestattete keme . längere Unterhaltung, aber ich war gerührt' von der Dankbarkeit der alten Frau. Nach und nach erfuhr ich folqendes. Tante Aurelie hatte sich Abends zu gewöhnter Zeit in ihr Zimmer und zur Ruhe begeben. Sie war em wenig Luftfeind'in, und schlief bei sorgfältig verschlossenen Doppelfenstern. Sie war halb mit dem Entkleiden fertig, als sie von einem plötzlichen Unwohlsein besallen wurde. Sie ging mit dem Licht in der Hand nach dem Nebenzimmer, um sich dort aus ihrer Hausapotheke ein Medikament zu holen. Dann kehrte sie

nach .dem ; Schlafzimmer zurück unö muß in diesem Augenblick von einem Schlaganfall getroffen worden sein. Als sie wieder zu sich kam,' lag sie mitten im Schlafzimmer, auf dem Fußboden, unfähig sich zu bewegen, auch ihre Zunge war gelähmt, sie konnte keinen Laut von sich geben. Der Leuchter mit der brennenden Kerze war auf den Teppich gefallen, das Licht war nicht sofort erloschen, sondern hatte noch eine Zeitlang gebrannt. Es brachte den Teppich zum Glimmen, und da wahrscheinlich . vorher das Stearin der Kerze geschmolzen war und sich dem Teppich mitgetheilt hatte, fraß sich das Glimmen einen Weg durch den Teppich nach dem Sofa zu, dos an der Wand stand. Die hilflose Frau sah zeitweise eine Flamme aufflackern und dann wieder erlöschen. Sie konnte nichts thun, um sich bemerkbar zu machen. Sie wurde wieder ohnmächtig, und als ste erwachte, war das Zimmer mit Rauch gefüllt. Die durch den Teppich sich fressende Gluth hatte das Sofa erreicht, hatte die Iransen, die am Vordertheil des Sofas heruntcrhingen, ergriffen und die Seegraspolsterung zum Schwelen gebracht. Das seit Jahrzehnten ausgetrocknete Seegras glimmte wie Zunder. Zum Glück hatte die alte' Frau die Thür zum Nebenzimmer offen gelassen. Von diesem Zimmer ging es direkt nach dem Hausflur, es war also etwas Luftzug vorhanden, und diesem folgte der Rauch. Aber als das Nebenzimmer und der Korridor gefüllt war und die Rauchwolken keinen weiteren Abzug fanden, .füllte sich auch das Zimmer, auf dessen Boden Tante Aurelie lag, mehr und mehr mit Qualm. Entsetzensvolle Stunden hatte die unglückliche, hilflose alte Frau durchlebt. Sie sah sich rettungslos einem schrecklichen Tode preisgegeben. Sie wußte auch, daß Niemand ihr helfen konnte. In der Villa bemerkte man das Feuer wahrscheinlich erst, nachdem sie längst erstickt war. Die letzte halbe Stunde war. die schrecklichste gewesen. Die' Hüstenanfälle, durch welche stch der Körper gegen den in den Hals eindringenden Qualm wehrte, wurden immer entsetzlicher, der Athem immer knapper.' Wie ein Todesschleier umhüllte mehr und mehr der Qualm der schwelenden Polsterung die unglückliche Frau, dann hatten sie erneut die Sinne verlassen, und sie wäre erstickt, wenn wir nur fünf Minuten später in das Schlafzimmer eingedrungen wären. Ich machte meiner Mutter von dem Vorfall ausführliche Mittheilung, schrieb ihr aber auch, daß ich an übernatürliche Dinge nicht glaube, auch nach diesem merkwürdigen Fall nicht. Ich theile den Schluß meines Briefes wörtlich mit: Du wirst es begreiflich finden, liebe Mutter, daß ich am nächsten Tage sorgfältige Untersuchungen angestellt habe. Da habe ich denn herausgefunden, daß die Wässerhähne stets in einem gewissen Rhythmus tropften, wenn sie erst eine Zeitlang zum Sickern gekommen waren. Die Morsezeichen für die Buchstaben g und f waren in unregelmäßigen Zwischenräumen, aber doch deutlich herauszuhören. Ich habe auch mit einem Ingenieur der städtischen Wasserleitung über die Sache gesprochen, und er meinte, in den eisernen Röhren von großen Wasserleitungsnetzen fanden fortwährend rhythmische Schwankungen statte Diese hingen zusammen mit den. regelmäßigen Vewegungen, welche die Pumpen des WasserWerkes in den Reservoirs erzeugten. Diese Bewegungen, gewissermaßen kleine Wellenschläge, theilten sich in den Röhren auf weite Entfernungen mit, und es wäre wohl möglich, daß infolgedessen Tropfen aus den WasserHähnen, besonders aber aus zwei dicht nebeneinanderstehenden Hähnen, eine Zeitlang in einem gewissen Rhythmus fallen könnten. Der Herr war in meiner Wohnung und hat sich davon überzeugt,, daß die Hähne in der That die Morsezeichen für g und f geben, er will sogar noch ein.Doppel-T in gewissen Zwischenräumen herausgehört- haben. Dann hätten also die Hähne wirklich die Buchstaben gf ebenso t t telegräphirt und meine überreizte Phantaste hatte die anderen Buchstaben, die zur Ergänzung der Worte .Gefahr' und .Tante' dienten, hinzugedacht. Uebrigens haben- mir einige ältere Kameraden, die als Lehrer hier an der Telegraphenschule thätig sind, mitgetheilt, daß auch sie in den ersten Wochen, als ste das Telegraphiren am. Morseapparat lernten, Tag und Nacht von Wortbildern gequält wurden, die ihnen aus allen möglichen und unmöglichen Geräuschen entstanden. Sie glaubten, kurze und lange Schlage, Punkteund Striche selbst aus ganz gleichmäßigen Geräuschen herauszuhören, in denen andere Leute gar nichts fanden. Nun aber noch etwas Wichtiges, und die Entscheidung liegt natürlich bei Dir. Als ich heute bei Tante Aurelie war, um mich nach ihrem Befinden zu erkundigen, sagte ste mir während der wenigen Augenblicke, die ich an ihrem Bett saß: ,Es geht mir bedeutend besser, bitte Deine Mutter, daß sie hierher kommt!' Die alte Dame hat, seitdem

ich zum Werkzeug des Schicksals geworden und sie gerettet habe, mich anscheinend sehr in ihr Herz geschlossen. Sie nannte mich zuerst sehr förmlich ,StY und war sehr kühl, als ich sie zum ersten Mole besuchte jetzt duzt sie mich wie in meinen Kinderjahren. Sie scheint irgend etwas auf dem Herzen zu haben. und ich stelle es Dir anheim, ob

Du an ihr Krankenbett kommen willr oder nicht. Daß ich mich sehr freuen würde. Dich hier zu sehen, ist selbstverständlich. Ich werde mich Dir allerdings nicht viel widmen können, denn, die Prüfungen am Ende des Telegra--phenkursus finden in den allernächsten. Tagen statt, und dann muß ich ba& Examen für den Generalstab machen. Merkwürdigerweise hat mich der Vorfall mit Tante Aurelie in wohlthuender Weise von meiner nervösen Ueberreizung abgelenkt. Ich konnte ein paar Tage infolge der Aufregung gar nicht arbeiten, und das hat mir wohlgethan. Ich bin jetzt wieder frisch und wohlauf. Du brauchst nicht zu fürchten einen Menschen mit überreizten Nerven zu finden, der Gespenster steht." Meine Mutter kam drei Tage nach Absendung des Briefes und nahm ihre Wohnung in der Villa der Tante Aurelie, um ihre Jugendfreundin zu pslegen. Sie wußte natürlich von meinen: Wünschen und Hoffnungen, denn ich hatte vor meiner Mutter nie Geheimnisse gehabt. An dem Tage, an dem ich mein. Examen in der Telegraphenschule bestanden hatte, ritt ich hinaus nach Brösen und fand Tante Aurelie bedeutendbesser. Sie faß schon im Lehnstuhl. Ich weiß," empfing sie mich, daß. Du von mir keine Unterstützung annehmen, wirst, aber ebenso weiß ich, welche Freude es Dir machen wird, wenn ich Deiner Braut das Geld zu Eurer Heirathskaution zum Geschenk mache. Deine Mutter meinte, ich sollte Dir das erst mittbeilen. nachdem Du das Generalstabsexamen hinter Dir hättest, aber nach meinen Lebenserfahrungen glaube ich, daß Dir die Nachricht nichts schaden wird, sondern im Gegentheil, die Freude wird Dir neue-. Kraft und Spannkraft verleihen." Mehr als dreißig Jahre sind es herr daß sich diese Vorgänge abspielten. Ich wurde ein halbes Jahr später zum Generalstab nach Berlin einberufen und hatte die Freude, die erste Zeit meiner Ehe in der Reichshauptsta1)t zu verbringen, die damals am Beginn des großen Aufschwungs stand. Tante Aurelie hat nur noch zwei Jahre gelebt, die Schlaganfälle wiederholten stch, wie das immer so zu geschehen Pflegt, bis der letzte und heftigste die alte Dame mit stch nahm. Sie hat in ihrem Testament sowohl meine Mutter wie mich auf das reichste bedacht. Bei einem Erweck ungsG o t t e s d i e n st in Aberaeron, England, überantworteten die Mitglieder des dortigen Fußball-Klubs einen' Ball in feierlicher Weise dem Feuer, um anzudeuten, daß hinfort Vergnügungen frn? rSnsYshTVTn st mrfif mfir hrm

V V (j Q VUW Y VW4i IV V IltVV V V l. gottgefälligeren Beschäftigungen abhalten sollen. Die Ver. Staaten besitzen 75,000 Postoffices und 500,000 Meilen Postrouten. In Ziffern ausgedrückt repräsentirt der Verkehr über diese Routen einen Werth von $150,000,000 per Jahr. Die Einnahmen, welche gegenwärtig den Ausgaben fast gichkommen, haben stch in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Die Skelette von vier Mannern, welche in Quartrite, Ariz., tor 20 Jahren innerhalb zweier age in geheimnißvolle? Weise verschwanden, wurden in einer' alten Cisterne in der Nähe des genannten Ortes gefunden. Die Männer beenden sich auf dem Wege nach Kalifornien und sind unzweifelhaft die Opfer von Raubmör--m AVn rtV wvvww Ys yt . sm 000 o o o geliefert von A. B. MEYER & C0 Telephone ckuf : Mt -Neu 2440" KttHd WJLXJ. 10 HauMclbmdUMll Wir sind zu jeder Zeit zu haben ttohlenhof nahe bei Ihnen. Sanpt Office: 19 Nord Pennsylvania Straße. 11 " SET Die besten. . .. Jndiana SitnninonS Kohlen $3.00 per Tonne yeacoö Kohlen, per Tonne Beste Kohlen für Kochöfen. Me anderen Sorten für Fumace oder Heizöfen. 3te cehören nicht zn dem Trust. Wnm PhpI Cn

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