Indiana Tribüne, Volume 28, Number 161, Indianapolis, Marion County, 1 March 1905 — Page 3

Jndianä Qribüne, I. März 1Q05

Große

Kuroplittin dcnlt angeblich bereits an einen weiteren Rückzug. Japaner in der linken Flanke der Russe. Großfürst Wladimir mit Drohbliesen überhaust. - Bedenkliche Strcillage in Polen. - Die bayerische Regierung gegen Kundgebungen für russische Märtyrer". Oesterreich verweist 3000 russische Flüchtlinge. '

Kampfausderganzen Linie. Mulden, 23. Feb., Mittag. Der Kampf entbrannte heute auf der ganzen Linie; die Japaner griffen auf allen Punkten an. Am Vormittage würben alle Angriffe abgeschlagen und die Russen machten an vielen Stellen Gegenangriffe. Auf der rechten Flanke j besetzten die Russen das Dorf Boatatzft, das dicht bei Cadiapu liegt und fchleu. derten über die zwifchenliegendeSchlucht Handgranaten in die japanischen Schützengräben vor Sandiapu, wodurch große Verwirrung und Verluste angerichtet wurden. Mulden, 28. Feb. Unterstützt durch heftineS Geschützfeuer vom Puti loff und Nowgoron-Hügel nahmen die Ruffen den Kopf der Brücke über den Shakhe.Fluk im Zentrum der japa Nischen Linie. Zehn entschloffene Angriffe gegenüber von Yangtsintung und westlich von Vanupudz wurden mit schweren Ver lüften zurückgeschlagen. Auf der russischen linken Flanke ist seit Montag Abend keine Veränderung eingetreten. Gen. Kuroki'S Hauptqaar. t i e r. 26. Feb., über Fusan 23. Feb. Die Japaner errangen gestern über die Truppen Gen. Renncnkamps'S einen entschiedenen Sieg. Derselbe ist auch von strategischer Tragweite. Der Kampfplatz liegt in einer bergigen Ge gend 30-45 Meilen östlich von Jen tai, das 15 Meilen nordöstlich von Liao Yang liegt. Gen. Kuroki'S Infanterie bewährte sich in dem bergigen Gelände auSge zeichnet gegen die berühmte russische Kavallerie. Die Japaner haben sehr gute Stellungen, deren Linie sich von Südwesten nach Nordosten erstreckt bis östlich vom TaitseFlusse, von wo aus fie die linke russische Flanke bedrohen. Gen. Rennenkampf verfügt über 1 Divisionen Kavallerie, eine Division Infanterie, eine Abtheilung Scharf schützen und entsprechende Artillerie. Der Hauptkampf fand nordöstlich von Chinhochen statt, wo sich die Ruf sen gut verschanzt hatten. Die Ruffen ließen 213 Todte auf dem Schlacht felde zurück und verloren mehrere Ma sännen gewehre. Ihr Gesammtverlust wird auf 2000 geschützt. Japaner nehmen den Da Paß. RussischeSHauptquar. tier, HuanBerg, 23. Feb. . Die Japaner erneuerten gestern bei Tagesanbruch den Angriff auf der gan zen östlichen Front. Der Da Paß wurde nach einem sehr hartnäckigen Kampfe genommen. Gleichzeitig ent - wickelte sich ein Kampf in der Front der sich vom äußersten linken Flügel 20 Meilen östlich bis Kandoleson er streckte. Die Japaner eröffneten ein heftige? Artilleriefeuer gegen den Lao linzan'Diftrikt und schoben große Mas, sen vor, die auf entschlossenen Wider, stand stießen. Die Einnahme deS Da.PasseS eröff nete den Weg nach Fushun östlich von Mulden, aber die Russen konzentriren starke Abtheilungen, um den Angriff auf- ihre VerbindungS-Linien abzu schlagen. Der japanische Angriff wurde durch zahlreiche Geschütze unterstützt, sieben Batterien hielten sie östlich von Konda son in Reserve. Die Japaner haben den Shakhefluß überschritten und am 26. Februar un ter dem Schutze der Dunkelheit das russische Centrum angegriffen und die Vorposten zurückgetrieben.' Nachdem die Ruffen Verstärkungen erhalten hat ten, mußten die Japaner von ihrem Vordringen abstehen. tturopatkin will sichzurückziehen. St. Petersburg, 23. Feb Die Ass. Presse erführt aus guter Quelle, daß Gen. Kuropatkin seine Stellung am ShakheJlusse durch Gen Kuroki'S Erfolg auf seiner linken Flanke ,füt derart gefährdet hält daß

Schlacht.

ein sofortiger Rückzug auf den Tie Paß nothwendig ist. In hiesigen militärischen Greifen ist man der Ansicht, daß ein solcher Rückzug zu einer Katastrophe führen müsse. Allgemeine Schlacht im Gange. St. Petersburg, 23. Febr. Die Depesche von Mulden ist von gro ßer Wichtigkeit, da sie anzeigt, daß eine llgemeine Schlacht auf der hundert Meilen langen Front beider Armeen begonnen hat. General Kuropatkin scheint einen Erolg gehabt zu haben, indem er auf General Kuroki'S Angriff auf den ruf sischen linken Flügel mit einem Gegen angriffe auf den japanischen linken Flügel antwortete, bei dem eS General KaulbarS gelang, bis an Sandiapu heranzudringen. Gleichzeitig führte General Kuropat. in einen Schlag gegen das japanische Centrum und nahm eine EisenbahnBrücke über den Shakhe-Fluß. Wenn auch die russischen Truppen aus dem Da-Paffe getrieben wurden, so scheint eS ihnen doch gelungen zu sein, einem weiteren Vordringen der Japaner nach Osten Einhalt zu thun und den An griff im Centrum abgeschlagen zu haben. Die in Folge der gestrigen Cntwick lungen berichtete Absicht Kuropatkin'S sich vom ShakheFlnffe zurückzuziehen, ist problematisch. Rückzug Angesichts des Feindes ist unter allen Umständen gefährlich, dop pelt gefährlich während eines allgemeinen Kampfes. Wenn eS aber General Kuroki gelingt, den russischen Flügel weiter aufzurollen, so mag der gefähr licheRückzug nothwendig werden. Mög licherweise sollen die Gegenangriffe deS rechten Flügels und des Centrum die Zurückziehung der Trainkolonnen decken. Ist aber General Kuropatkin ent schlössen, die Linie, die er während deS Winters besetzte, zu halten und gelingt eS ihm Gen. Kuroki energisch Stand zu halten, so hat er eine günstige Stellung für einen weiteren Versuch. Gen. Stösse!. Moskau, 23. Feb. Gen. Stös. sel wohnte heute Morgen mit seiner Frau dem Gottesdienste im Tchudoff Kloster bei. Die Großfürstin SergiuS, welche ebenfalls anwesend war, lud den General und seine Frau zum Frühstück ein. Während deS ganzen TageS belager ten große Menschenmaffen das Hote deS Generals. Der Bürgermeister von Moskau, begleitet vom SUdtrathe, reickte dem General nach altem rufst schem Gebrauche Brot und Salz. Auf die Begrüßungsrede des Bürgermeisters sprach der General mit Bewegung von der Nothwendigkeit Port Arthur zu übergeben. Nur hierdurch hätte großes Blutver gießen vermieden werden können, das bei einer gewaltsamen Einnahme un vermeidlich gewesen wäre. Bis zum letzten Augenblicke hätte er auf Hilfe von Gen. Kuropatkin und Vize-Ad miral Rojestvenky gehofft. Der Mörder. Moskau, 23. Februar. Man glaubt, daß der Mörder deS Großfür gen SergiuS von Paris kam und ein Kunsthandwerker ist. Sein Name ist immer noch unbekannt. Terroristen. St. Peteröb urg, 23. Februar. Die Ohnmacht der Polizei den Terro risten gegenüber geht auch daraus her vor, daß selbst auf den Treppen öffent licher Gebäude Bekanntmachungen de TodeS deS Großfürsten SergiuS gefun den werden. Sie lauten: DaS Todesurtheil' über SergiuS Alexrandrowltch wurde am 17. Februar vollstreckt. Die kümpfende Organisation der sozialdemokratischen Partei." Die Bekanntmachungen sind gut ge druckt. waS unter Plehwe nicht der Fall war, da die Polizei den Terroristen stets auf den Fersen war.

Großfürst Wladimir wird gegenwär. ig mit Drohbriefen überhäuft, wüh

rend die Großfürstin benachrichtigt wurde, daß sie für sich und ihre Söhne nichts zu befürchten habe. Großfürst Wladimir, dessen Gesundheit nie stark war, hat unter den.Aufregungen der etzten Wochen sehr gelitten. Nach dem Tode von Sergius erklärte er. er wolle eine Feigheit zeigen. Er fährt nicht nur in einer geschlossenen Equipage aus, sondern spazierte auch am Sonnage vor dem Winterpalaste den Quai auf und ab. An seiner Seite war stets die Großfürstin. Der Großfürst ist sehr verstimmt darüber, daß ihm die Schuld für daZ. Blutvergießen am 22. Januar aufge bürdet wird. Gorki nach Riga. S t. P e t e r s b u r g , 23. Febr. Maxim Gorki war bei seiner Frei assung aus der Peter Pauls Festung benachrichtigt worden, fcaß ihm der Aufenthalt in St. Petersburg nicht ge. stattet werden könne. Auf seinen Wunsch wies ihm darauf General'Gou verneur Trepoff als Aufenthaltsort Riga an. Frau Gorki, welche benach. richtigt worden war, nahm auf dem Bahnhofe Abschied von ihrem Gatten. S t a n d r e ch t. Warschau, 23. Feb. Die (frei enden jüdischen HandlungS . Gehilfen durchzogen heute das Judenviertel und zwangen die Geschäfte, welche ihre Forderungen nicht bewilligt hatten, zu schließen. Es wurde ossiziell angekündigt, daß alle Angriffe auf Polizisten standrecht. lich behandelt werden. W a r s ch a u, 23. Feb. Die Streik. läge in Polen ist alles eher wie befriedigend. Handlungsgehilfen und Haus. diener drohen morgen an Ausstand zu gehen, wenn ihre Forderungen nicht er füllt werden. Der Kohlenvorrath in Warschau nimmt ab und die Preise steigen. Auch die Kohlenfuhrleute find heute an Streik gegangen. Die Besitzer der Zyrardoff.Baum Wollfabriken benachrichtigten heute die 15.000 Streiker, wenn sie nicht sofort zur Arbeit zurückkehrten, würden die Fabriken aus 6 Monate geschlossen wer den. Der Streik aus der Weichsel-Bahn dauert fort und erleidet die Gesellschaft dadurch einen täglichen Verlust von $37,500. Das Haupthinderniß für eine Beilegung scheint die Forderung der Streiker zu sein, daß die Zahl der beschäftigten Polen auf einen kleinen Procentsatz beschränkt werde. Die Di rektoren erwarten die Entscheidung der St. Petersburger Oberleitung' über diesen Punkt. Waffenlager entdeckt. Moskau, 28. Febr. Ein ge. Heimes Lager von Bomben, Dynamit und Revolvern ist in der Vorstadt Mar gina Slobotka entdeckt worden. Minsk, 23. Feb. Die Studenten des theologischen Seminars zer trümmerten heute die Wohnungen des Direktors und des Inspektors der Schu len und verbrannten alle ihre Papiere Alle Studenten verließen darauf die Stadt. B a t u m , 23. Feb. Man er wartet, daß die Schulen morgen wieder eröffnet werden. Im Hafen liegen nur wenige Schiffe der Dampferverkehr ist noch immer eingestellt. Jekalerinoslaw, 28. Feb Zweitausend Kohlengräber sind zir Arbeit zurückgekehrt. Die Gruben besitze? haben ihnen 2226 Prozen Lohnerhöhung zugestanden. Gerüchte. S t. P e t e r s b u r g, 28. Feb ES gehen allerlei Gerüchte um über Er rignisse, die am nächsten Samstag, dem Jahrestag der Aufhebung der Leibei genschaft eintreten sollen. Manche behaupten, die Arbeiter pla nen eine große revolutionäre Demon ftration, andere sagen, die Regierung wolle ein Manifest erlassen, das eine Volksvertretung schaffe. Gestern wurde positiv behauptet, daß die Regierung keinerlei Manifest beab sichtige. In liberalen Kreisen weiß man Nichts von einer beabsichtigten Demon ftration. Portorieo. Streik aufPlantagen. SanJuan, 23. Feb. Die Streiker auf verschiedenen Zuckerplan tagen sind zur Arbeit zurückgekehrt nachdem ihnen vielfach eine kleine Lohn erhöhung gewährt wurde.

Deutschland. MitMann undMaus ge funken. H a m b u r g, 23. Feb. Ueber das

Schicksal des vermißten Hamburger Dampfers Jeannette Woermann" herrscht nicht länger ein Zweifel. , Das chlff ist in der Nähe der französischen Küste mit Mann und MauS zu Grunde gegangen. In der Nähe von Brest wurden während deS Sturmes, der während der letzten Tage tobte, die Leichen von dreizehn Seeleute angechwemmt und mit ihnen Schissstrüm. mer und Rettungsgürtel, welche den Namen des Fahrzeuges tragen. Der untergegangene Dampfer ging am 22. November nach Südweftafrika ab, und rat am 18. Januar von Loanda aus die Heimreise an. Seitdem wurde nichts mehr von i$m gehört. Dieb stahl im ö st e r r ii ch is ch e n Konsulat. Berlin, 23. Feb. Eine Dieb stahlsAffaire im hiesigen österreichi. chen Generalkonsulat, welche an änglich en bagatelle behandelt wurde. nimmt allgemach größere Dimensionen an. Es stellt sich heraus, daß nickt nur baareS Geld, wie eS zuerst hieß. andern auch wichtige amtliche Schrift stücke entwendet wurden. In verdäch. igem Zusammenhang mit der Ge chichte soll der Vicekonsul Dr. Deitl stehen. Aber hochstehende Einflüsse find angeblich bemüht, ihn. aus der Affaire auszuschalten. Aus dem ganzen Vorgange mag sich noch eine Sensation ersten Ranges ent. wickeln. Daß mehr dahinter steckt, als eö die leitenden Geister im österreichi fchen Generalconsulate zugestehen, er. hellt schon auS der Thatsache, daß die Wiener Presse, sowie Correspondenten auswärtiger Blätter ersucht wurden. nichts über die Angelegenheit zu ver öffentlichen. Kundgebungen für ruffische Märtyrer" v e r. boten. München, 23. Feb. Die Polizei hat soeben dem an der Ihieflgen Uni verfität bestehenden russischen Studen tenverein die von ihm geplante Abhal tung eines Konzerts zum Besten der Opser deS St. Petersburger Blut sonntags (22. Januar) verboten. Einem anderen Studentenverein, der sich aus nichtrussischen Musensöhnen zusammensetzt und seiner Sympathie für die freiheitliche Bewegung im Za renreiche besonders lebhaften Ausdruck gab, wurde das von ihm beliebte Sin gen russischer Lieder, die allesammt einen revolutionäres Anklang hatten, streng untersagt. Ueberhaupt ist jeg liche Veranstaltung zu Gunsten der Opfer der russischen Agitation mit dem Interdikt belegt worden. Die Behörden in München haben seit Anfang dieses Monats heilige Man scherten vor erweichen Demonstrationen, die mit der Gührung in Rußland im Zusammenhang stehen. Sie haben noch genug von der Proteftversamm lung gegen den russischen Absolute muö, welche damals von hervor ragenden Vertretern der Wissenschaft, Kunst und Literatur einberufen war und schließlich in eine wüste Hetz, und SchmShaktion ausartete, weil sich skrupellose sozialistische Agitatoren in den Vordergrund schoben. Revolte unter A u s w a n - - d e r e r n. Hamburg, 23. Febr. In den Auswanderer Hallen entstand, wie man von dort berichtet, eine Revolte, bei welcher vier Angestellte durch Messer stlche schwer verwundet wurden. Die Emigranten, welche bei dem gegenwür tigen kolossalen Andränge zu Tausen den in den Hallen untergebracht werden müssen, bis sich eine TranSport.Gele genheit für sie bietet, klagen über an gebliche schlechte Verpflegung, die trotz mehrfacher Beschwerden keine Aende rung zum Besseren erfuhr. Die Herr schende Unzufriedenheit wurde von eini gen ' Unfugftiftern benutzt, um einen Tumult anzuzetteln, und als sicy die Angestellten einmischten, um die Ruhe wiederherzustellen, wurde ihnen in der besagten Weise Übel mitgespielt. Die Rädelsführer wurden in Haft ge nommen. ' Havaii. P o st b e t r u g. Honolulu, Hawaii. 23. Feb. Jof. S. Ferdy, ein Advokat von Hilo ist unter der Anklage verhaftet worden an der Unterschlagung von S27,000 im Poftamte von Koloa, Insel Kauai

betheiligt zu sein.

Großbritannien. i

Könia besicktiat Kreu. z e r G e s ch w a d e r. PortSmouth. 23. Feb. Kö nig Edward sagte heute dem zweiten Kreuzergeschwader Lebewohl, daS unter dem Kommando deS Prinzen Louis von Battenberg morgen'knach dem mit elläi:dischen Meere abfahren und im Herbste die amerikanischen Gewässer be uchen wird. Der König schlief letzte Nacht an Bord deS Flaggschiffes Drake und besichtigte heute MorgenIdie stattichen sechs Kreuzer. Italien. Frl. McCready. Neapel. 23. Feb. Frl. Cathe. sne McCready, die ia ihrer Villa in Caserta ermordet gefundea worden ist. stand im Alter von 60 Jahren und war eine Tochter deS verstorbenen Dennis McCready in New Jork. Beim Tode hreS Vaters wurden Frl. McCready und ihr Bruder feine Erden und die CoudactS wurden als Testamentsvollstreck bestellt. Frl. McCready hatte eit etwa acht Jahren allein in Caserta gewohnt. Der Geldschrank in ihrer Bllla war leer, obwohl er nicht aufae brachen war. Oefterreich'Ungarn. Russische Flüchtlinge ausgewiesen. Wien. 23 gebr. Die öfterrei. chischen Behörden in der an Rußland grenzenden Bukowma haben angeord net. daß alle russischen Flüchtlinge und Deserteure, im Ganzen etwa 3000 Per. sonen, innerhalb sechs Wochen abzurei sen haben. AIS Grund wird angege. den, daß bic Russen geringen Lohn verlangen, zu einer Zelt, da schon viele Oesterreicher außer Arbeit sind. Auch sollen die meisten Russen augenleldend sein. .,. SchiffsnachriSten. New York: Rotterdam" von Rotter. dam. Liverpool: Saxonia" nach Boston. Algier: Canopic" von Boston. Ein mulhigcs Rebhuhn. v Ein oberbayerischer Gutsbesitzer ging m der Absicht, ferne Saat auf lhre Schnittreife zu untersuchen, in's Feld hmaus. Es war ein warmer Heller Sommertag.' Hoch befriedigt über den Stand seiner hoffnungsreichen Ernte hatte er den Heimweg angetreten. Um den Weg zu kürzen, suchte er einen Feldweg zu gewinnen, und zu diesem Zwecke schritt er in einer Furche, die zwei Noggenäcker trennte, dahin, so daß d:e hochgewachsenen Halme ihn ganz verdeckten. , Beinahe zu dem Feldwege hingekommen, -hemmten die Lockrufe emer Rebhenne seme Schritte, auch dernahm er ganz deutlich das eifrige Piepen der Küchlein. Er stand einen Augenblick still, horchte und orientirte sich genau, wo die Tone herkamen, dann schlich er vorsichtig dem Orte zu, um diese scheue Hühnerfamilie in ihrem freien Thun zu beobachten. Das Glück begusstigte ihn. Fünfzehn kleine, un gemein bewegliche und allerliebste Küch lein umschwärmten und umtummelten die alte Henne, die gerade eifrig be schäftigt war, einen kleinen Ameisen Haufen, wie man sie häufig in Roggen selbem trifft, auseinander zu scharren, wobei ihre .Kleinen die bloßgelegten Eier oder Puppen der Ameisen freudig piepend auflasen und verschlangen. Plötzlich stutzte die Alte, einen Moment reckte sie den Hals und äugte nach oben, dann rief sie mit dem kurzen, aber energisch ausgestoßenen Warnungsrufe ihre Kinder zusammen. Der stille Beobachter duckte sich blitzschnell nieder. denn er dachte, die alte Henne habe seine Nahe gewittert; allem dem war nicht so, denn in -.demselben Augenblicke stürzte ein Sperber aus der Luft und fuhr wie der Blitz unter die so glückliche Huhnerfamüie, die sich zu emem Havf chen zusammengedrängt hatte. Die Wirkung dieses Ueberfalls war entsetzlich. Schreien und Piepen, Flat tern und Flügelklatschen, alles wild und wirr durcheinander; die Küchlein wie Spreu im Wind auseinandergestoben, und über dem Ameisenhäufchen die alte Henne, die sich gegen den Räuber wuthend zur Wehre setzte. Mit emem Muth, den man ihr nicht zugetraut hätte, flog die Henne so wuchtig gegen den Rauber an, daß beide m emem Augenblicke einen sich mehrmals über schlagenden Knäuel bildeten. Jetzt springt der Beobachter hinzu, der Habicht' ergreift die Flucht, verfolgt von der Henne, die ihm mit Schnabelhieben und Flugelschlagen scharf zu setzt; der Räuber will sich wehren, da fällt etwas zur Erde, der Beobachter hebt es auf, es ist ein Küchlein, das in den Klauen des Räubers verendet war. Bei näherer Besichtigung der Kampfstelle findet der Gutsbesitzer noch zwei Kuchlem auf dem Rucken liegen; er denkt, sie seien von Flugelschlagen be täubt und will sie mit nach Hause nehmen. dock als er sie noch einmal unter sucht, findet er. daß auch sie todt sind. 5cn der Ferne bort er die lauten Lockrufe der besorgten Mutter, womit sie die zerstreute Familie zusammenruft, aber drei ihrer Kinder kehren nicht wieder zu ihr zurück.

Gapons Anathcmatislrung.

Seltsam russische Tlaftnamt zur Stütze des Teldstyerrscherthums. Die kürzlich durch den Metropolit Antonius von St. Petersburg erfolgte Verfluchung des nach der Schweiz geluchteten priesterllchen Arbeiterführers Gapon ist eine Maßnahme, die in Rußand eme ganz besondere Bedeutung besitzt. Wie gehört zur schweren Arilleru" des Selbstherrscherthums, und die mit ihm verbündete Kirche greift zu dieser Maßnahme nur in außerordentichen Fallen und m kritischen Zeiten. Durch die Verfluchung oder Anathematisirung soll nämlich dem abergüiubichen Volke auf's Eindringlichste zu Gemüthe geführt werden, daß politische und religiöse Ketzerei nicht nur auf Erden bestraft wird, sondern auch im Jenseits und in aller Ewigkeit. Erzielt wird diese Wirkung dadurch, daß der Name des Anathematisirten alljährlich am sogenannten Tage der Verfluchung der Ketzer genannt und von Neuem derflucht wird. Man fangt mit den polltischen Unholden" an, als da sind Pugatschew, der Rauber Stenka Rasin, Mazeppa, und schließt mit den religiösen Ketzern, deren Zahl Legion ist, da bis auf die Zeiten des Nicäischen Konzils 325 n. Chr. zurückgegriffen wird. Ein Pope man wählt dazu gewöhnlich einen solchen mit gewaltigem Baß ruft mit Donnerstimme den Namen des betreffenden Ketzers aus und gleich dar. auf das Wort Anafema (Anathema). Rasch fällt der Sängerchor mit seinen Gospodi pomilui" (Herr, erbarme Dich unser") ein, während Weihrauchfässer fleißig am Altar geschwungen werden. Mittlerweile treten rerschiedene Priester in Goldörokatgewändern bald aus dieser Thür heraus, bald verschwinden sie geheimnißvoll hinter jener. Endlose Litaneien werden mit fabelhafter Geschwindigkeit aus gewaltigen. metallbeschlagenen Folianten möglichst unverständlich vorgelesen. Zahllose Kreuze werden dazu' geschlagen, und auch an Kniefällen fehlt es nicht. Dazwischen erdröhnt rn unaufhörlicher Reihenfolge, wie eine Stimme aus der Unterwelt, der Ruf Anafema, Anafema!" Andächtig lauscht der einfältige Muschik (Bauer) dem sinnverwirrenden, unverständlichen Treiben. Erstaunen und Angst malt sich auf fernen Zügen. Emes jedoch ist ihm völlig klar: dem Ketzer, der es gewagt hat. sich gegen den Zaren oder. die rechtgläubige Religion aufzulehnen, dem ergeht es auch im besseren Jenseits ganz entschieden schlecht. Seltsame Gesetze. Seltsame Gesetze herrschen auf den Cook-Jnseln im Stillen Ozean, die einen Theil des Britischen Reiches bilden. Die Inseln werden von den Maori bevölkert, und jede Insel macht ihre eigenen Gesetze. Der Rath der Insel Manahiki, die auch zu der Inselgruppe gehört, hat nun kürzlich ein Gesetz erlassen, um das Dorfleben zu regeln." Danach wird das alte Gesetz Manahikis gegen die Hunde" wieder in Kraft gesetzt und jeder Hund auf der Insel zum Tode verurtheilt. Schweine dürfen nicht in voller Freiheit umherlaufen. Wenn ein Mensch nach 9 Uhr Abends umherwandert so wird er verhaftet und in das Gerichtsgebäude gebracht, wo er Gründe für seinen Aufenthalt im Freien angeben muß. Schulden, die ein Eingeborner gemacht hat, sind von keinem Gericht einzutreiben. Wer einem Eingebornen berauschende Getränke verkauft oder gibt, hat eine Geldstrafe von $50 zu zahlen. Trunkenheit wird mit einer Strafe von $5 geahndet. Schlagen auf der Straße oder den Sabbath brechen kostet $2j. Die Wucht von Wassertropfen. Ein Athlet, dessen Kunststücke weit und breit das größte Aufsehen erregten, ward einst gefragt, ob er genug Kraft besitze, ein Quart Wasser bei einem Fall von 1 Fard Höhe tropfenweise mit der Hand aufzufangen. Verächtlich wies er das ihm lächerlich erscheinende Anerbieten ab, und erst nach wiederholtem Bitten verstand er sich zu einem Versuche. Wie aber staunten er und noch viele mit ihm, als sich nach kurzer Zeit die Hand röthete und an der Aufvrallstelle der Tropfen hoch anschwoll. Nach einigen Minuten konnte der Kraftmensch den Schmerz nicht mehr verbeißen und zog die Hand, deren Haut gesprungen war, zurück. Als man die abgeflossene Wassermenge prüfte, ergab sich, daß das Gefäß noch nicht zur Hälfte geleert war. , Merkwürdige politische Vorsicht. Vielleicht nicht allgemein bekannt, doch eine Thatsache ist es, daß der Präsident und der Vizepräsident der Ver. Staaten niemals zusammen auf der Eisenbahn fahren. Es ist das eine der Vorsichtsmaßregeln zum Schutze des Lebens der beiden hervorstehendsten Männer der Nationalregierung, veranlaßt durch die Erwägung, daß wenigstens einer der Männer dem Lande erhalten bleiben würde, wenn der andere etwa. durch ein Eisenbahnunglück das Leben verlöre. Furchtbares Verbrechen. In der Nähe von Cetiua, Spanien, wurde eine aus fünf Personen bestehende Köhlerfamilie ermordet und dann verbrannt. Man fand die verkohlten Leichen in den Ruinen der Hütte und daneben einen Zettel mit den Worten: Ihr sollt Euch der Strafe erinnern." Es handelte sich äugenscheintich um einen Akt wilder Rache.