Indiana Tribüne, Volume 28, Number 159, Indianapolis, Marion County, 27 February 1905 — Page 6

Judiana Tribüne. 27 Febrnar 1905

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.Warum nicht Ihr Heim.. anziehend machen, durch dm SeKrauch eines .'. .'.

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Dcr Zahnschmcr) Des Königs Historische Humoreske von feli5 Mlla er geschickteste und berühmteste Zahnarzt in Paris war im Jahre 1740 Martin Bambillot, der sich durch seine langjährige einträgliche Prazis ein ansetznllches Vermögen erworben hatte, welches dann noch vermehrt wurde durch eine reiche Erbschaft, die seiner Frau zufiel. Dieser letzterUmstand bewog ihn zu dem Entschlüsse, sich in Zukunft das 2cbt:i etwas bequemer zu gestalten. Nicht ganz und gar wollte er sich vom Geschäft zurückziehen, aber dasselbe doch fortan m emer weniger anstrengenden und aufreibenden Weise betreiben, als es in der Hauptstadt geschehen konnte. Sein ältester Sohn Anatole, bemahe ebenso geschickt als der Vater, hatte sich kurz zuvor verheirathet und übernahm nun als Nachfolger im Geschäft das Haus und die zahlreiche Kundschaft in Paris. Martin Bambillot aber zog nach Versailles, wo er m der Nahe des prächtigen Konlgsschlosses em schönes Haus kaufte und darin fein Operatwnszlmmer einrichtete. . Außer dem Wunsch nach emem ruhlgeren Schauplatz für seine fernere zahnärztliche Thätigkeit hatte auch em lebhaft in feiner Seele erwachte? Ehrgeiz diese Wahl mit veranlaßt. Herr Morellet, der alte Hofzahnarzt des Königs. lag seit ewiger Zeit schwer krank darnieder, und man glaubte nicht an sein Wiederaufkommen. Dessen Nachfolger im Amte hoffte nun Bambillot in Versailles zu werden. Im Geiste sah er schon das große liliengeschmückte königliche Wappen über seiner Hausthür und hörte sich in seinen angenehmsten Traumen Herr öofzabnarzt" anaeredet. Bei dem hohen Ansehen, das er als Zahnarzt genoß, meinte er, könne ihm diese erhoffte Würde, dieser heißersehnie Titel unmöglich entgehen. So that er denn im Vorgefühl seiner zukünftigen Größe gleich nach der Uebersiedelung etwas vornehm. Die Höflinge, die Gardeoffiziere, die Minister und anderen hoher. Beamten behandelte er selbst; das geringere Bürger- und Handwerkervolk ab r uberneß er semem Assistenten Pcun Rlauet, einem hübschen munteren Jüngling von zweiundzwanzig Jahren, der sich durch die besondere Anmuth auszeichnete, mit der er Zahne auszog oder füllte, wenn letzteres angängig schien. Auf's Chlorosormiren oder die Anwendung von Lachgas und anderen Schmerzbetäubungsmitteln verstand man sich damals noch nicht. Paul pflegte aber das peinvolle Werk so ermuthigend lächelnd zu verrichten, daß man unter feiner raschen und geschickten Hand den Schmerz weniger zu empfinden glaubte, als sonst wohl der Fall gewesen Ware. Viele junge heirathsfähige Mädchen in Versailles schwärmten bald für ihn und wollten schließlich nur noch ihm ihre hübschen Zähnchen zeigen. Bambillot war ein Lebemann: seme reichen Mittel gestatteten ihm, das zu sem. In Versailles machte er bald vertraute Bekanntschaft mit einigen gleichgestimmten Herren, die allwöchentlich einmal, und zwar Freitag Abends, zusammenkamen :n dem femen WirthsHause Zur großen Weintraube" und da weidlich zechten, wohl auch zuweilen ein Spielchen machten. Von diesen vergnuglichen Klubabenden kam der wurdige Zahnarzt dann gewöhnlich erst spat m der Nacht nach Hause, oft erst gegen zwei oder gar drei Uhr, und zwar etwas angeheitert von dem reichlichen Genusse der feurigen Weine des treff-' lichen Wirthes. Seiner Frau war das freilich nicht lieb und manchmal seufzte sie im Stillen darüber; vernünftigerweise ärgerte und quälte sie ihn jedoch mcht durch lange Gardmenprediaten. Sie tröstete sich mit dem Gedanken, daß es ja zum Gluck nur einmal m der Woche vorkäme. Auch war sie von früher her schon daran gewöhnt; denn in Paris hatte ihr Gemahl es auch so gehalten in und mit einer ahnlichen lebenslustigen Herrengesellschaft. Auch die Hohen und Mächtiqen dieser Erde sind all den großen und kleinen Leiden der Menschennatur unterworfen. ebenso wie arme und aerinae Leute, für welche dies weise Naturgesetz ffc n e ' r J, . em meiner rou jem mag. selbst Kaiser und Könige haben zuweilen Bauchgrimmen, Kopfweh, Zahnschmerzen, Pooagra. Hühneraugen und was es sonst noch für Pein gibt, die den damit Behafteten mehr oder weniger zur Raserei treiben kann. König Ludwig XV. war damals dreißig Jahre alt und noch nicht so ganz hoffnungslos verdorben wie in späterer Zeit. Leutselig, heiter, vergnügungssüchtig, freilich auch faul in allen ernsten Regierungsgeschäften, gefiel sein Wesen dem Volke, das ihn den Vielgeliebten" nannte und ihn noch wirklich ganz aufrichtig verehrte. Wie seine bourbonischen Vorfahren war auch er ein starker Esser, ein großer Schlemmer, ein königliches Leckermaul, und dies hatte zur Folge, daß er sich oft gründlich den Magen verdarb und all'malig auch die Zähne. Zwei Zähne hatte er sich schon ausziehen lassen von seinem alten Hofzahnarzt Morellet, der ibm auck aioci andere hohlgewordene

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Zahne gefüllt hatte. Nun aber stellte !

sich zu Ansang des Septembers wieder Zahnschmerz ein bei Seiner Majestät in einem schon schadhaften Backenzahne. Der Schmerz fing ganz gelinde an, so daß Ludwig zuerst ihn nur wenig beachtete; dann aber steigerte sich allmälig die Pein und wurde zuletzt schier unerträglich. Noch keinen Philosophen nab'S, Der Zahnschinerz konnt ertragen!sagt Shakespeare irgendwo ganz richtig. Noch viel weniger aber als ein Philosoph vermochte der verzärtelte und durchaus unphilosophische König Ludwig XV. sich mit solcher Pein in Geduld abzufinden. In der Nacht vom Freitag auf den Sonnabend brachte dieser Schmerz ihn fast zur Raserei. Im Bette konnte er's nicht länger aushalten. Er saß, in einen seidenen Schlafrock gehüllt, auf einem Sessel in seinem prunkvollen Schlafgemach und stöhnte und ächzte erbärmlich. Bei ihm waren sein Kammerdiener Bachelier und sein Leibarzt Lapeyronnie, der schleunigst geholt worden war. Im Vorzimmer warteten ein Page und zwei Lakaien. Der Leibarzt hatte durch Betupfen des Zahnes mit einigen Tropfen Nelkenöl und Kajeputöl, zwei damals sehr geschätzten Schmerzlinderungsmitteln bei Zahnweh, zu helfen versucht. Doch vergebens! Der Zahnschmerz wurde immer schlimmer. Hören Sie auf damit, Doktor!" ächzte der König. Sie machen es nur noch ärger. O, diese Qual! Ich leide wie ein Verdammter!" Soll man Ihre Majestät die Königin benachrichtigen lassen?" fragte l:r Kammerdiener. Ludwig schüttelte den Kopf. Sire, Sie werden die erwünschte Nachtruhe nur erlangen durch Ausziehen des Zahnes," sprach Lapeyronnie bedächtig. ,.Es ist das einfachste und sicherste Mittel, diesem Zustande ein rasches Ende zu machen." Meinetwegen! Ich halt's nicht mehr aus!" wimmerte der König. Leider liegt Herr Morellek schwer krank," fuhr der Leibarzt fort. Er kann's also nicht besorgen. Zum Glück aber wohnt seit etlichen Monaten der berühmte Zahnarzt Bambillot, ein Meister in seinem Fach, in Versailles, und zwar nahe beim Schlosse. Befehlen Eure Majestät, daß er geholt werde?" ..Ja. ia!" stöhnte Ludwiq. ..Aber schnell! So rasch wie möglich soll er kommen!" Bachelier trat 'in's Vorzimmer und sagte zu einem Lakaien einige Worte. Sogleich eilte dieser fort. Eine Viertelstunde verging. Der König wand und krümmte sich vor Schmerzen. Es war jetzt gerade ein Uhr Nachts. Da wurde ein junger, hübscher, artig lächelnder Mann eingeführt. Sie sind doch nicht Herr Bambillot?" sagte der Leibarzt. Nein. Excellenz." versetzte der Ankömmling. Ich bin sein Assistent und heiße Paul Riquet." Warum kommt denn Bambillot nicht selbst?" Er ist nicht zu Hause, sondern in der ,Großen Weintraube' in seinem Klub." Aber dann hätte man ihn ja doch rasch holen lassen können. Verzeihen Sie, Excellenz; das schien mir nicht räthlich." Warum nicht?"-. Um diese Zeit im Freitagsklub ist Herr Bambillot leider nicht ganz im Stande, sich als Meister in semer Kunst zu zeigen." Aha, ich verstehe! Er ist alsdann nicht ganz sicher auf den Beinen." So ist's. Und seine Hand entbehrt der Festigkeit und Sicherheit." Sie aber trauen sich die nöthige Sicherheit zu?" Jawohl. Ich werde den schadhaften Zahn Seiner Majestät im Nu und fast schmerzlos entfernen, wenn man es mir gestattet." Gut! Sie sind ein junger Mann, der des Vertrauens würdig zu sein scheint. Doch zeigen Sie mir zueist Ihr Instrument." " Paul öffnete ein elegantes kleines Lederetui, in welchem ein blankes Stahlinstrument lag, gegen dessen peinlichste Sauberkeit nichts einzuwenden war. An's Werk denn," sagte Lapeyronnie. Majestät, in drei Sekunden wird's gethan fein." Der König öffnete weit den Mund. Der Leibarzt hielt ihm den Kopf. Dies ist. der schmerzende Zahn?" fragte der jung: Mann. cv . a. Er ist hohl, auch schon früher einmal gefüllt." ' Jawohl. Von Herrn Morellet. Gefällt Ihnen die Plombe nicht?" - Nein. Die läßt sehr viel zu wünschen übrig. Ich sehe, Herr Morellet hat noch nach der alten Methode gearbeitet. Diese Füllung verschuldet es hauptsächlich, daß Seine Majestät solche arg? Schmerzen leidet und daß der Zahn nun allerdings nothwendigerweise entfernt werden muß." Bitte, thun Sie das also." Paul entsprach unverzüglich dieser Weisung. Er steckte sein blankes Instrument in den Mund des Königs. Ein rascher leichter Ruck und heraus war der böse Zahn. Bachelier hatte auf Geheiß des Leibarztes ein aromatisches Gurgelwasser gebracht, welches dann zur Anwendung kam. Sire, nun verspüren Sie ewifc

lyon Linderung," sagte Lapeyronnie.

Sehr," sprach der Konig. Ich werde jetzt sicherlich auch Nachtruhe haben. Dieser treffliche junge Mann ist außerordentlich geschickt. Er machte das viel rascher und besser als Morellet früher. In Zukunft soll er immer meine Zähne - unter seiner ' Obhut haben." Ich danke Euer Majestät für die Gnade und werde mich ihrer würdig zu machen suchen." sagte Paul hocherfreut, verneigte sich ehrerbietig und entfernte sich. Bachelier gab ihm das Geleite. Im Vorzimmer sprach er noch ein paar Worte mit ihm über die Zähne des Königs. Warum läßt Seine Majestät sich nicht einige' künstliche Zähne einsetzen?" fragte der junge Mann. Er hat jetzt eine unschöne Zahnlücke. Fiü&ei fehlten nur zwei, jetzt fehlen aber gar drei Zahne nebeneinander." Ei," versetzte der Kamm.erdimer, Herr Morellet hat ihm allerdings einmal zwei künstliche Zähne eingesetzt; der König war aber damit nicht zufrieden; sie belästigten ihn, waren ihm unbequem im Munde, und mußten dcshalb wieder herausgenommen werden." So, so," sprach Paul nachdenklich. Herr Morellet arbeitet freilich auch in solcher Hinsicht noch nach einer veralteten Methode. Jetzt versteht man die Sache ganz anders und viel besser." Er verließ das Schloß und ging nach Hause, das Herz erfüllt von angenehmen Hoffnungen. Bambillot war sehr spät in der Nacht angeheitert- nach Hause gekommen und hatte sich sogleich zu Bette gelegt. Am andern Vormittag erfuhr er zu feinem größten Erstaunen das in der Nacht Geschehene. Man hätte mich holen sollen!" rief er aufgeregt. Das ging doch nicht an," sagte seine Frau. Bedenke, es war um ein Uhr Nachts. Hättest Du um die Zeit mit unsicheren Beinen und noch unsicherer Hand vor dem Könige erscheinen dürfen? Nein! Ganz unmöglich! Herr Riquet mußte das also besorgen." Martin Bambillot sank ganz zerknirscht auf einen Stuhl. Ach, seine Frau hatte leider recht. Er hatte wirklich um ein Uhr Nachts schon des Guten zu viel gethan. Verwünscht!" murmelte er. Warum mußte dies sich auch gerade in der Freitagsnacht ereignen!" Das ist die Folge Deiner nachtlichen Kneiperei!" sagte vorwurfsvoll seine Frau. Ja, das kommt davon. Bessere Dich! Du hast es nöthig." Nachher sprach der Zahnarzt mit seinem Assistenten über die Angelegenheit. Wie war der Konig mit Ihnen zufrieden?" O, lehr." lund der Leibarzt?" Nicht minder." Nun wohl, wenn ich auch selbst nicht das außerordentliche Glück hatte, .dem Könige einen Zahn ausziehen zu dürfen, so haben doch Sie, mein Gehilfe, das gut und zufriedenstellend besorgt. Mir scheint's, ich werde den gewünschten Titel jetzt zweifellos bekommen. Was denken Sie davon?" Hm!" . Was soll das heißen? Sie hatten doch sicherlich in der Nacht gute Gelegenheit, dem Könige etwas zu meinem Lobe und zu meiner Empfehlung zu sagen?" .0 ja." Und haben Sie es gethan?" Nein." "Warum nicht?" Weil ich dazu gar keine Ursache hatte." Sie sind ein Intrigant! Ich brfürchte, Sie haben sich bemüht, mir zu schaden, meine Hoffnung zu Schanden zu machen." Ob Sie etwas bei Hofe zu hoffen haben, weiß ich nicht. Ich aber habe allerdings sehr schöne Aussichten." Wie das?" Der König war so sehr mit mir zufrieden, daß er sagte, nur ich solle in Zukunft seine Zähne unter meiner ObHut haben und sie in Erkrankungsfallen behandeln. Ich würde Weiteres darüber baldigst erfahren." Ist das wirklich wahr?" Es ist die reinste Wahrheit." Das schmettert meine Hoffnung nie der. O, Du unglückseliger, verhäng nißvolle? Freitagstlub!" . Es wurde angeklopft. Ein Bote erschien mit zwei Briefen, beide für Paul Riquet. Der junge Mann öffnete und las zuerst den größeren. "5s wa? seine Bestallung zum Hofzahnarzt mit ansehnlichem Gehalt. Der zweite, kleinere Brief war vom Leibarzt Lapeyronnie. der ihm schrieb, er möge unverzüglich m s Schloß kommen. Es hätte sich wieder Schmerz eingestellt in einem anderen, auch von Morellet plombirten Zahne des Königs. Vielleicht könne eine neue, zweckmaßigere Füllung dem Uebel rasch abhelfen; er möge das Nöthige mitbringen. Morellet sei penstonirt worden. Bitte, lesen Sie dies!" sagte Paul Sie dürfen gratuliren. wenn's Ihnen Vergnügen macht. Ich orn letzt wohl bestallter königlicher Hofzahnarzt." Ein Intrigant sind Sie!" schrie Bambillot ergrimmt. Diesen Titel haben Sie mir hinterrücks weggeschnappt." Ich begreife Ihren Kummer. sprach der junge Mann. . Und ich verzeihe Ihren Zorn.. Ja, ich will

sogar sehen, ob ich nicht etwas Er

fprießliches für Sie thun kann." Was denn, Herr Herr Hofzahnurzt? Hahaha! Es scheint, Sie sind in gnädiger Laune." Jcy will, m Anbetracht unjeres bisherigen guten Einvernehmens, und weil Sie mein verehrter Lehrmeister sind, mich dankbar beweisen und versuchen. Ihnen denselben Titel zu verschaffen, freilich vielleicht ohne Gehalt." Jl, wenn Sie das könnten! Aber wie wollen Sie das machen?" Herr Bambillot, Sie haben eine neue, verbesserte Methode in Bezug auf das Einsetzen kunstlicher Zahne erfunden." Jawohl. Das ist mein Ruhm." Ich kann's aber ebensogut wie Sie." Weil Sie es von mir gelernt haben." Der König hat eine häßliche Iahnlücke, die ihn entstellt. Drei Zähne nebeneinander fehlen ihm. Ich werde ihm die Einsetzung künstlicher Zahne nacü Jbrer neuen, vortrefflichen Methode anrathcn und zugleich Sie selbst als den großen Meister, der dies am besten zu machen versteht. Geht er darauf em, was ich kaum bezweifle. dann wird sicherlich der ersehnte Titel auch für Sie der Lohn sein." Bambmot umarmte voller Entzücken den jungen Mann. Vortrefflich ausgedacht!" rief er. Ja, so wird sich's machen lassen. Und wenn Sie wollten, so vereinigen wir als königliche Hofzahnärzte unsere Geschäfte hier unter einem und demselben prächtigen Wappenschilde." Es ist mir recht." Paul Riquet begab sich alsdann eilig nach dem Schlosse. Alles ging guz, auch der Vorschlag, sich von Bambillot drei Zähne einsetzen zu lassen, wurde von Seiner Majestät huldvoll angenommen. Schon am folgenden Tage mußte Paul seinen bisherigen Herrn und Lehrmeister mitbringen. Dem Könige wurden drei künstliche Zähne eingesetzt, so praktisch und bequem, daß Seine Majestät darüber geradezu in Entzücken gerieth. Der Titel Königlicher Hofzahnarzt" war des geschickten Meisters Lohn. Die beiden Hofzahnärzte betrieben fortan gemeinschaftlich ihre Geschäfte in demselben Hause, das ein prachtvo!les Wappen schmückte. Paul wurde später Bambillots Schwiegersohn und mcht nur Erbe seiner ausgedehnten Praxis, sondern auch seines Vermögens. Und das hatten die Zahnschmerzen des Königs und die Freitagskneipereien des Herrn Bambillot zuwege gebracht. lUantrn einer nicht Minister wurdc. Wie alle Bourbonen, war auch König Ludwig XVIII. von Frankreich ein gewaltiger Esser, aber als Mann von Geist auch em Feinschmecker. Eines Tages lud er einen Abgeordneten zur Tafel, welcher m der Kammer eme R'.de von wicklich staatsmännischer Bedeutung gehalten hatte und dcr ganz das Zeug zu einem guten Minister zu haben schien. Bei Tafel verhielt sich dieser Gast des Königs sehr zurückhaltend und schien ganz in Gedanken an ernste Staatsgeschäfte vertieft. Plötzlich man hatte gerade ein Leibgericht des Königs aufgetragen wandte sie dieser an seinen Gast mit der Frage: Was sagen Sie zu dieser Schüssel. mem Herr? Der Teputirte. der nur an das ihm winkende Portefeuille dachte und sich als Manl zergen wollte, für den ma!erielle Genüsse keinen Reiz haben, beging die Dummheit, dem gekrönten Gourmand zu antworten: Sire, ich bekümmere mich niemals darum, was ich esse!" Da haben Sie unrecht, mein Herr, erwiderte der König, man muß immer auf zwei Dinge acht geben: auf das, was man ißt, und auf das, was man sagt. In den Tuilerien aber speiste der un bedachtsame Kostverächter, der natürlich nichZ. Minister wurde, nach jenem Tage nicht wieder. ArclcnlvttNcrung. Bei einer heiteren Mittagsgesell schaft. bei welcher auch der bekannte Geheimrath Doktor Heim anwesend war. wandte sich die Unterhaltung auf die Seelenwanderuna. Ein hochgestellter Staatsbeamter meinte, wenn seine Seele dereinst in den Leib eines Thieres fahren sollte, so möchte er eine Alpenkuh wählen, wobei er den herrlichen Sommeraufenthalt, die blumigen, würzigen Weiden in der reinen Bergluft, das friedliche, sorglose Dasein jener Thiere umständlich und mit lebhaften Farben schilderte. Heim behauptete dagegen, wenn es auf thierisches Behagen ankomme, so gche nichts über 'die Natur eines Schweines. Dieses bleibe bis zum Momente des allen sterblichen Wesen unvermeidlichen Todes von den Quälereien der Menschen am meisten verschont, werde sorgsam gepflegt und gebe bei allen seinen Genüssen die vollste und dauerndste Befriedigung zu erkennen.' Beim Auscinandergehen nahm jener Staatsmann das Gespräch wieder auf und äußerte gegen Heim: Es bleibt also dabei, lieber Heim; wenn unsere Seelen wandern, so fahren Sie in em Schwein." Das konnte meinetwegen geschehen antwortete Heim. Ich freue mich schon darauf. Eurer Excellenz als Rindvieh zu begegnen."

Europäische Nachrichten.

Frovinz Brandenburg. Berlin. Eine herbe Enttäuschung hat die 24 Jahre alte Tochter Johanna des Darmhändlers Joachimsthal aus der Michaelkirchstraße 20 in den Tod getrieben. Das junge Madchen, das m sehr guten Verhältnissen lebte, besuchte seit längerer Zeit klinische Anstalten, um sich in der Krankenpflege auszubilden. Ihre Beschäftigung veranlaßte sie, Artikel über Krankenpflege etc. zu schreiben. Ihre Arbeiten fanden über nirgends Anklang. Letztens schoß sie sich in ihrem Schlafzimmer, das sie allein benutzte, eine Kugel in die rechte Schläfe. Die vier Jahre alte Tochter der Arbeiter Rogan'schen Eheleute, Franseckistraße 41, stürzte aus dem Fenster des vierten Stockwerkes. Die Mut-. ter, die sich einen Augenblick zur Nachbarin begeben hatte, traf ihr Kind nicht mehr lebend an. Wegen eines vor 2y2 Jahren begangenen Kindesmordes verhaftet wurde die unverehelichte, aus Stolp in Pommern gebirrtig 25jährige Dienstmagd Minna Bottke, die zuletzt in der Grolmanst'r. 40 zu Charlottenburg in Stellung war. Nach einem Streit rmi seiner Frau erhängte stch der 36 Jahre alte Straßenbahnfahrer Rudolf Baum aus der Demminerstraße 8. Baum ist Vater von vier Kindern. Der 30 Jahre alte Arbeiter Rudolf Schmidt fiel in dem Hause Siegmundshof No. 15 von der Treppe und verletzte sich dabei so schwer am Kopfe, daß er bald darauf im Krankenhause Moabit starb. Während des Examens vom Tode ereilt wurde ein 27 Jahre alter Candidat der Theologie Namens Stellmacher, im Prüfungssaale deS Consistoriums. Bevor die erste Frage an ihn gestellt wurde, brach er plötzlich zusammen, saiU bewußtlos auf seinen Stuhl zurück und war nach kurzer Zeit unter den Händen der sich um ihn bemühenden Examinatoren gestorben. Angermünde. Hier wurde der 63jährige Mühlenbesttzer Metzle 'aus Stützkow, nachdem man ihn längere Zeit vermißt hatte, als Leiche mit dem Kopf im Wasser liegend aufgefunden. Brandenburg. Aehnlich wie der Landgerichtsrath Hoffmann in Berlin ist der Controllbeamte der hiesigen Landesversicherungs - Anstalt, Oberleutnant a. D. Heese, um's Leben gekommen. Er hatte eine Dienstreise nach Nauen gemacht, von der er erst in der Nacht heimkehrte und bei dem stürmischen Wetter feiner in der Kanalsnaße belegenen Wohnung zueilte. In der Dunkelheit stolperte er in der Grabenstraße über das dort den Mühlengraben abschließende Geländer hinweg, stürzte in's Wasser und ertrank. Charlottenburg. Auf-dem hiesigen Rangirbahnhof wurde der 60 Jahre alte Streckenarbeiter Ferdinand Brucksch von einer Rangirmaschine erfaßt. Ihm wurden beide Beine abgefahren. Der hiesige Stadtverordnete H. Stückler ist nach kurzem Krankenlager im 50. Lebensjahre verstorben. Dietendorf. An einem Lattenzaun längs der Dorfstraße wurde der 68 Jahre alte Böttchermeister Hermann Beer von hier todt aufgefunden. Herzfelde. Von einem Eisenbahnzug überfahren und. getödtet wurde der 57 Jahre alte hiesige Arbeiter Friedrich Birkholz. I ü t e r b o r g. Hier verschied plötzlich am Herzschlage der Oekonom des auf dem Artillerieschießplatz liegenden Soldatenheims, Karl Fink, im Alter von 40 Jahren. Bald darauf folgte ihm im Johanniter - KrankenHaufe seine Gattin Auguste im Tode nach, nachdem sie zuvor noch von ei- ' nem todten Kinde entbunden worden war. Spandau. Durch den Einsturz eines Erdschachtes bei Canalisationsarbeiten wurden drei Arbeiter verschüttet. Der 54jährige verheirathete Arbeiter August Paustian konnte nur als Leiche unter den Erdmassen hervorgeholt werden. Zwei andere Arbeiter erlitten bei dem Unfall Verletzungen. Provinz Sstpreußen. Königsberg. Drei Matrosen des. auf dem Pregel liegenden Dampsers Nelusko", mit Namen George Schlafhorst, George Gelschus und Friedrich Urbscheit, hatten vor .dem Schlafengehen ihre Kajüten geheizt. Als man sie später wecken wollte, fand man sie im Bett durch Kohlenoxydgas erstickt vor. G e r t l a u k e n. Der Viehfütterer Dehn war plötzlich verschwunden. Später fand man den Mann m emer Scheune erhängt vor. K a h l a u. Der 24j'ährige Besitzersöhn Dahlke von hier hat seinem Le ben durch Erhängen ein Ende- gemacht. Kurz vor dieser unseligen That war er bei einer Geburtstagsfeier mit seinen Freunden fröhlich zusammen. Was den jungen Mann zum Selbstmorde bewogen hat, läßt sich nicht mit Bestimmtheit angeben. Doch ist's nicht ausgeschlossen, daß er die unselige That in geistiger Umnachtung ausgeführt hat. M e h l s a ck. Der Hirt Hipler aus 5einrikau wollte sick bierkr mm Arzte begeben, um ein Zeugniß zur Erlangung einer Invalidenrente zu . erwirken. Auf dem Bahnhof verließ er den Zug, ehe dieser hielt, gerieth unter die. Räder, wurde überfahren und getödtet.