Indiana Tribüne, Volume 28, Number 159, Indianapolis, Marion County, 27 February 1905 — Page 4
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Indiana Tribüne. ynaulgtgcen v,n Ux teeg 3. Indianapolis, Ind. Ssrry O. Thudium Präsident. GeschSftSlocal: No. 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE 269. itcred at the Pott Office of InditnapolU . tecond dass matter.
Die Antt's. Die Antt'Saloon.Liga macht sich bereit, den durch das MooreAmendement zum Nicholson.Gefetze erzielten Vortheil energisch auszunutzen. Einige ihrer lautesten Schreier de Häupten schon jetzt, daß diese Gesetzver schZrfung die Handhabe sein wird, mit telö derer eS ihnen gelingen wird, in einigen Jahren die Schließung der rnei pen Wirthschaften im Staate zu erzielen. Sie fußen dabei auf die Beftim. mung des Moore-AmendementZ, welcheS eine Remonstranz gegen Etablirung eines WlrthSgeschüfteS überhaupt und nicht nur gegen die Person deS Wirthes auf zwei Jahre gültig macht. Die Anti's find der Meinung, daß, weil Indianapolis ein Theil eines TownshipS ist, eine Majorität der Bewohner dieses Townships daS Recht habe, eine Remonstranz einzureichen. . Die Herren find wohl ein wenig zu sanguinisch veranlagt. ES ist ja leider wahr, daß die Mehr, zahl deS flockamerikanischen Elementes verbohrte Ansichten hat. Die guten Leutchen sind zunächst im Innern des Staates aufgewachsen, und dann als sie durch Naturgas oder Oelquellen plötzlich reich wurden, nach Jndianapolis gezogen. Hier versuchen sie nun eine große VerkehrSstadt mit dem Maße ihres Dörfchens zu messen. Sie sind die Leute, welche hauptsächlich daS natürliche Wachsthum unserer Stadt hemmen. Aber t wird eben nichts so heiß gegeffen, wie eS gekocht wird und wenn auch die 5 DistrictSPräfidenten, die die Anti-Saloon Liga in Jndiana zu Führern ihrer Campagne bestallt, so werden fie doch nur erzielen, daß Alles beim Alten bleibt. Der Gang' des Verhängnisses inZRuZzland. In der folgenden interessanten Weise hat sich ein Herr DemchinSky, Mitar. beiter deS Ruß", über die wahrschein liche Entwickelung der Dinge in Ruß land dem St. Petersburger Vertreter der Ass. Presse gegenüber geüußert: Die Autokratie wird um jeden Zoll kämpfen, aber die bestehende Ordnung der Dinge wird in zwei Jahren durch eine wirkliche Revolution weggefegt werden. DaS Rußland von heute hebt sich von dem) Hintergrund seiner Ge schichte grell hervor. Selbst ein flüch. tiger Blick auf die Vergangenheit des russischen Reiches zeigt Verhältnisse, die den Ansichten westlicher Völker so fremd gegenüberstehen, daß eS leicht verständ lich ist, . daß auch die künstigen Entmicke lungen sich in ungewohnter Weife voll ziehen werden. Rußlands Zukunft wird keinem vorhergegangenen Beispiel fol gen. Der hauptsächlichste Unterschied zwischen dem gegenwärtigen Leben Rußlands und dem der westeuropäischen Länder besteht in dem vollständigen Fehlen von Klassen in dem Sinne von historisch gebildeten Gruppen, die be sondere Privilegien besitzen und für deren Erhaltung unausgesetzt kämpfen, wie dies in allen anderen Ländern Eu ropas der Fall gewesen ist. Die Klassen in Rußland, von denen man im Auslande so viel hört, wur den, trotz ihres Alters und ibrer Unter schiede in Betreff von Rechten und Pri vtlegien, durch die Befreiung der Bauern im Jahre 186 1 und die Errich tung von Land. (Semftky) Jnftitutio. nen beinahe vollständig gleich gemacht. Jetzt ist das Interesse aller auf das Semftwo konzentrirt, und die höchste Klasse, der Adel, ist neben der anderen thätig und hat eine ganze Reihe von Verpflichtungen gegenüber den anderen Klassen, sowohl hinsichtlich der Person, wie des Eigenthums auf sich genom men, und diese Verpflichtungen sind ost seinen eigenen speziellen Interessen ent gegengesetzt. Diese außerordentliche Stellung der Klassen in Rußland hat einen höchst bedeutenden Einfluß aus die historische Entlvicklung der Ereignisse, die sich be , reite zuzuspitzen begonnen haben. Jr gend eine Bewegung in der sogenannten .dritten Klasse" war in Europa
immer die Veranlassung zu einer Reak
tion der höheren Klaffen (Adel und Klerus), namentlich in jenen Zeiten, wo ein neues Rechtssystem angenom men wurde. ' In Rußland aber, wo eS den Kampf mit dem alles beherr schenken Absolutismus gilt, schließen sich die höheren Klassen nicht nur den anderen Klassen bei Beendigung Ihrer Unzufriedenheit an, sondern stellen sich selbst an die Spitze der regierungsseind. lichen Bewegung und bezeichnen mit Hülfe der Presse, in Denkschriften usw. die Aenderungen, die in der Verwal' tung deS Staates gefordert werden. Diese Einmüthigkeit aller Klassen ist verständlich, weil alle, in verschiedenem Grade, die Beraubung von Rechten, sowohl hinsichtlich ihres Eigenthums wie. ihrer Person, zu dulden haben. Unter dem gegenwärtigen bureaukratisehen Polizeiregime ist in Rußland buchstäblich Niemand, ausgenommen die höchsten Spitzen der Bureaukratie, gewiß, was ihm der Morgen bringen kann. ES ist thatsächlich ein Kampf von ganz Rußland mit einer kleinen Partei der Höchsten". Die Ereignisse spielen sich ietzt wie ein gut inspirirteS Drama ab. Im ersten Akt kommt das Volk unbewaff net, um seine Rechte zu verlangen. Kugeln und Säbel geben die Antwort. Von Hunger erschöpft, kehren die Strei ker zur Arbeit zurück, aber die Regierung läßt durch einen unfähigen Diktator Vergeltung üben. Eine blutige Rache beginnt. ES sind nicht Thaten der Massen, sondern einzelner Jndivi duen. Vor der furchtbaren Bombe wird die Reaktion schwächer unb damit tritt eine neue Bewegung in die Mas sen, die nicht mehr bitten, sondern fordem. Ist die Regierung . noch stark genug, folgt eine abermalige Reaktion, und wieder kommen Bomben.. Nach den gegenwärtigen Zuständen zu ur theilen, ist nicht genügend Stärke für eine zweite Reaktion vorhanden. Die gewöhnlichen Zugeständnisse werden gemacht und jeder neue Schritt wird entschieden bekämpft werden. DaS ge genwürtige . ChaoS dürste zwei Jahre anhalten und dann wird der Sturm den politischen Horizont klären. - Diese Ehre s.Nobel.Preis"), "die für Herrn Bartholdt vorgeschlagen wird, ist in der That eine große, ja eine dir größten Ehren der Welt und wir alle sollten stolz darauf sein, daß ihre Verleihung an einen unserer Mit bürqer beabsichtigt ist. Herr Bartholdt verdient die Ehre und Missouri sollte seinen Anspruch unterstützen, da er als Förderer des Friedens sehr erfolgreich gewesen ist. . , ... (Mirror.) . Kinen Begriff von der Macht, die im sogenannten Beeftruft verkörpert ist, geben die folgenden Ziffern: Armour & Co.: Besitzwerth $75,000,000; jährlicher Eeschästöumsatz $200,000,. 000. Swlst & Co.: Besitzwerth $60,000,000; jährlicher Umsatz $200,. 000,000. Libby, McReil & Libby: Besitzwerth $5,000,000; jährlicher Ge. schäftöumsatz $10,000,000. Nelson, MorriSCo.: Besitzwerth $15,000,. 000; jährlicher Geschäftsumsatz $100,000.000. Cudahy Packing Co.: Be. sitzwerth $15,000,000; jährlicher Ge. schästSumsatz $45,000,000. Schwarz schild & Sulzberger: Besitzwerth $7,. 500,000; jährlicher GeschäftSumsatz $20,000,000. Die Standard Oil" Aktien sind um 20 Punkte gefallen, seit Prüsitent Roosevelt eine Untersuchung des Oel trusts angeordnet hat. Sie stehen aber immer nochauf 630, höher als alle anderen Industrie . Papiere in Wall Str, Die Aktien des Oel-TrustS sind in verhältnißmäßig wenigen Händen und ein Rückgang von 20 Punkten hat wenig zu bedeuten, da nur wenige die fer Papiere auf den Markt kommen. In irgend einem anderen Industrie. Unternehmen, sei eS eine Eisenbahn oder Stahltrust u. A., würde ein Rück, gang von 20 Punkten große finanzielle Verluste mit sich gebracht haben; der Oeltrust hat aber erst vor einigen Ta gen eine Vierteljahres Dividende von 15 Prozent erklärt. John,D. Rocke, feller. der etwa 40 Prozent der Aktien besitzt, eine Jahres Dividende von 20 bis 24 Millionen aus dem Oeltrust be zieht und nicht mehr weiß, wo er sein Geld schließlich anlegen soll, hat jetzt Gelegenheit, , noch mehr Standard Oil.Aktien zu billigeren Preisen zu kaufen. Nancht die BONANZA.
Aus den Gerichten:
Die Klage des Wirthes Walter Heß gegen den County-Schatzmeister Oliver P. Cnöley. auf $22.50 lautend, wurde seitens Richter SmockS zu Gunsten EnSleyS entschieden. Heß behauptete. daß ihn der Beklagte während der 1900 stattgehabten Campagne beauf tragt hätte, Delegaten aufzustellen und die Gäste mit Bier zu tractiren. Im Gerichtshof wurde aber festgestellt, daß im Jahre 1900 die Ernennungen durch direkte Vorwahl stattfanden und dem zufolge keine Delegaten hierzu nöthig gewesen wären. EnSley verneinte, irgend welche Geschäfte mit Heß zu haben. Schiller-Feier. Das . vom Verbände deutscher Ver eine ernannte Executiv-Comite für die Schiller'Feier versammelt sich heute Abend im Lokale deS Unabhängigen Turnvereins. Matadoren-Tnrnier. Der MatadorSkatclub hielt gestern im Deutschen Hause sein regelmäßiges Turnier ab. Die hübschen Preise wur den von folgenden Hauptmatadoren errungen: 1. Ed. Kappeler, 2. Wm. Kreiß, 3. Chr. Baumbach. 4. Jul. Becherer, 5. H. Moesch, 5. A. Thieman, 7. GuS. FrobeniuS. Besucht Floridas Resorts. Histo rifche Schlachtfelder. Das berühmte Mardi Gras mit Spezial Tour. Solider Pullman Zug, verläßt den Indianapolis Union Bahnhof am 27. Februar, Abendö 7. Uhr, via Penn svloania Linien. Die Unkosten für elftägige Reise, einschließlich PullmanS sind $55. Man schreibe an W. W. Richardson, Assistent General Passagier Agent, Indianapolis, für Nefervirung von Schlafstellen. . And e r s o n. ' Harry Thomas, 60 Jahre alt und seit 14 Jahren, in Diensten der' Encauftic Tile. Works Hierselbst, wurde nicht weit von seiner Wohnung, auf einem Schneehaufen zu Tode verblutend, besinnungslos aufge' funden. Noch ehe ärztliche Hülfe her. beigerufen werden konnte, gab er,, in seinem Hause., wohin man ihn.. pn brachte, den Geist auf. ;c vNach Angabe deS Leichenbeschauers wird angenommen, daß der Verun glückte beim Versuche, die Delaware. Straße zu kreuzen, zwischen zwei hin tereinandersahrende Wagen, die gerade angehalten, gerieth; der Hintere Wagen mag sich dann in Bewegung gesetzt und Thomas erfaßt haben. Ein Eifenbol zen drang ihm ln's rechte Bein, welches hierdurch gräßlich zerfleischt wurde. In Folge deS starken Blutverlustes konnte er sich nicht mehr nach Hause schleppen. 7 Die beste 5 Cent Cigarre in der Stadt, Mucho's Longfellow". Anläßlich einer Operation, die der berühmte Erfinder Edison unlängst an seinem Ohr hat vornehmen lassen müssen, wird von einem persönlichen Bekannten des großen Erfinders daran erinnert, daß Edison schon vor dreißig Jahren, als er an der 5. Avenue und 39. Straße in New Fork eine Office hatte und mit Hilfe von praktischen Geschäftsleuten gerade ansang, den goldenen Lohn seiner fleißigen und genialen Arbeit einzuheimsen, ganz taub war. Er hatte damals einen Apparat erfunden, der ihm das Hören möglich machte. Es war eine kleine metallene Schachtel, 3' Zoll lang, 2'2 Zoll breit und Vx Zoll hoch. An einem Ende waren Löcher von je V ZollGröße, am anderen eine Röhre, die Edison sich ins Ohr steckte. Wie der Kasten im Innern eingerichtet war, weiß wohl Niemand außer dem Erfinder selber. Innerhalb sechs Stunden einander zum ersten Male sehen, bekannt werden, sich verlieben und verloben, einen Heirathsschein erwirken und gelraut werden das ist der Liebesroman des 73jährigen Adam Heib und der 68jährigen Frau Dorothea Wolf in Fairfax, S. & Die Besiedelung der Rosebud - Reservation brachte diese beiden allein in der Welt dastehenden alten Leute in jenes Grenzstädtchen des wilden Westens". Sie trafen sich am Frühstückstisch im Hotel, wurden bekannt und verliebten sich auf den ersten Blick. Um 9 Uhr kündigten sie ihre Verlobung an, um 10 Uhr überreichte der GerZchtsclerk dem glücklichen Bräutigam seinen Heirathsschein und noch vor 2 Uhr sprach Pastor Thiel in der kleinen deutschen Vaptistenkirche den Segen über das alte Liebespaar. Herr und Frau Adam Helb machten eme Hochir . : on ri-. c . ii eilsrene nacy one ii uno werden icb in Aairfar niederlassen.
Vom Auslande.
Wegen einer Rechnungsdifferenz von kaum zwölf deutschen Pfennigen gerieth in Avellino der Kaufmann Biagio mit seinem Neffen in Streit und schoß ihn in der Wuth durch drei wohlgezielte Revolverschüsse vor den Augen seiner Eltern nieder. Ein tödtlich verlaufener Schlittenunfall ereignete sich in Freiberg in Sachsen. Der dort ansässige 72jährige Oberschulrath Professor Dr. Richard Franke, der 22 Jahre hindurch als Rektor dem Freiberger Gymnasium Albertinum vorgestanden hatte, wurde von einem dahinrasenden Rennschlitten erfaßt und mit dem Kopfe gegen eine Mauer geschleudert, wodurch er eine schwere Gehirnerschütterung erlitt, an deren Folgen er bald darauf verschied. Der Führer des Schlittens hatte sich schleunigst aus dem Staube gemacht, ohne sich im Geringsten um das von ihm angerichtete Unheil zu kümmern. DieMunizipalitätvon Mailand, die für die Polizei jährlich 200.000 Lire beisteuert, verlangt nunmehr, daß dieser der Brotkorb höher gehängt werde, weil sie in einem Zeiträum von kaum fünf Jahren es nachweislich sertig gebracht hat, einige 20 Mordthaten nicht aufzuklären. Die betreffenden Schuldigen laufen noch heute unbehelligt umher. Aehnliche Zustände herrschen auch in Turin, Rom, Neapel, wie überhaupt in allen italienischen Großstädten. Denselben schweren Vorwurf erhebt man in der Schweiz gegen die famose Züricher Polizei, die seit 1900 drei in der Stadt verübte gräßliche Morde und etwa ein halbes Dutzend in der nächsten Umgebung nicht zu sühnen vermochte. Der Bahnwärter I ohann Schludek und seine Frau in Sterndorf bei Hof danken es ihrem Kanarienvogel, daß sie dieser Tage in ihrer Wächterwohnung dem sicheren Tode entgangen sind. Die Frau hatte den Ofen mit Kohlen stark geheizt. Infolge Erschütterung durch die vielen vorbeifahrenden Eisenbahnzüge hatte sich das Ofenrohr während der Nacht auseinandergeschoben und der Kohlenrauch war in den Schlafraum gedrungen. Durch das fortwährende Schwirren und Zwitschern eines Kanarienvogels in seinem Käfige wurden die Ebeleute aus dem Schlafe geweckt. Der -Mann hatte noch so viel Kraft, aus
dem Bette zu springen und das Fenster aufzureißen; daraufhin konnte auch seine Frau sich noch erholen, während der Lebensretter, der arme Kanarienvogel, umkam. Ein sel.tsames Unglück ereignete sich in Buttstädt bei Erfurt. Dort waren Angestellte -einer Erfurter Elektrizitäts - Gesellschaft eben damit beschäftigt, eine Anlage für elektrische. Beleuchtung, einzurichten. Ein Schmiedelehrling, der sich bei dieser Arbeit mit zu schaffen machte, drehte trotz wiederholter Verwarnung einen Con.takt des Schaltbrettes. Plötzlich sprühte aus diesem, eine Funkengarbe h:rvor, wodurch der junge Mann so erschreckt wurde, daß er augenblicklich todt umfiel. Ein Gehirnschlag -hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Ein an der Spitze, eines Mastes beschäftigter Monteur wurde durch den Anblick dieses entsetzlichen Vorganges so erschüttert, daß er den Halt verlor und aus der beträchtlichen Höhe herabstürzte. Er blieb schwer verletzt und .mit zerschmetterten Gliedmaßen liegen. 'Ueber die Hinrichtung der Engelmacherin Wiese in Hamburg auf dem Hofplatz des Untersuchungsgefängnisses am Alsterthor durch den Scharfrichter Engelhardt aus Magdeburg wird berichtet: Frau Wiese hat mit stumpfsinniger Ruhe den letzten Gang angetreten und ist aus dem Leben geschieden, ohne ein Geständniß abgelegt zu . haben. Die mannigfachen Bemühungen, die bis unmittelbar vor der Exekution gemacht worden sind, sie zu bewegen, ihr Gewissen zu erleichtern, blieben fruchtlos. Sie wiederholte immer nur: Ich habe keinen Mord begangen!" Die Frage, wo denn die Kinder geblieben seien, beantwortete sie mit: Das . weiß ich nicht." Am Mittag wurde ihr in der sogenannten Festung durch Staatsanwalt Dr. Schön mitgetheilt, daß der Senat von seinem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht .habe, und daß das Urtheil am nächsten Morgen vollstreckt werden würde. Ohne bemerkbare Erregung nahm sie diese Aeußerung hin, theilnahmslos blieb ihr Benehmen bis zum letzten Augenblick. Ihr Käplan und eine katholische Schwester blieben die ganze Nx'lcht bei ihr. Einen letzten Wunsch äußerte sie nicht. Zurückgelehnt auf ihrem Sitz verbrachte sie die letzten Stunden. Morgens kurz vor 8 Uhr betrat der Oberinspektor Michaelis die Zelle, um die Delinquentin zum letzten Gange abzuholen. Mit gelassenen Schritten ging sie, Gebete murmelnd, zur Richtstätte. Nachdem der Staatsanwalt das Urtheil mit dem Bescheide des Senats verkündet und dem Scharfrichte? die Delinquentin mit den übliWorten überaeben hatte, bestieg Frau Wiese, von zwei Gehilfen geführt, die Stufen des Schafotts, ohne zu wanken,"ohne eine Miene zu verziehen ode? einen Laut von sich zu geben." In einein Augenblick . war dann die Enthauptung vollzogen.
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Te!evkoeö: Neu Das Jeu im UntcroffizierSkasino. Eine interessante Verhandlung fand vor dem KrieZsgericht der 32. Divisi n in Dresden statt. Der Haushofm ister des Offizierskasinos des 103. Infanterieregiments zu Vautzen. der 26 Jahre alte' Sergeant Fe ixÄernhard Rochow ' hatte sich wegen Ünterslagung und Urkundenfälschung zu verantworten. Der Kasinodirektor batte seinem Sergeanten unbegrenztes Vertrauen geschenkt und Kassen- und Vü cherrevisicnen nur flüchtig vollzogen, fodäß es dem Sergeanten im Laufe des letzten Jahres möglich wurde, etwa 2000 Mark zu unterschlagen. Als aber schließlich doch eine ordnungsmäßige Revision bevorstand, flüchtete Rochow nach Zürich, wo er erkannt und verhaftet wurde. Zu feiner Entschuldigung machte der Angeklagte dem Gerichtshof die Aufsehen erregende Mittheilung, daß er durch das Spiel zu den Unterschlagengen verleitet worden sei, denn man habe namentlich an den Löhnungstagen im Unt:rofsizierskasino oft bis 4 Uhr Morgens gejeut" und Lotterie" oder Siebzehn und vier" gespielt. Als dann das Unteroffizierskasino geschlossen wurde, sei. sobald die Marnischifr tcn zu Bette gegangen seien, in den Mpnnschaftsstuben weiter hazardirt worden. Er, der Angeklagte, rabe fast regelmäßig verloren. . Die Einsätze hätten sich auf 30 Pfennig bis 1 Mark belaufen. Dr Spielverlust habe seh: häusig 20 bis 25 Mark betragen. Um die Spielschulden zu decken, und um neues Geld zur Fröhnng der Spielleidenschaft zu erlangen, habe er sich dann die mangelnde Kontrolle zu nutze g:macht und der Offizierskasinokasse das nöthige Geld entnommen. Mehrer: Zeugen, Unteroffiziere des genannten Regiments, bestritten indessen die Behauptungen des Angeklagten, der neben dem Spiel auch noch einen flotten Lebenswand:l führte. Das Gericht verurtheilte ihn zu ein einem Jahr, zwei Monaten und zwei Wochen Gefängniß, zur Degradation und Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes. Russisches Eensttrstütklein. ' Was-der Censor in dernach Rußland gehenden Buchliteratur alles zu streichen beliebt, das begreift weder der Verstand der Verständigen, noch ahnt es ein kindlich Gemüth". In e'n'.m Buche, das ausschließlich die Herstellung von Getränken behandelt, erregte die besondere Aufmerksamkeit les streichwüthigen Beamten das Kapitel von den qeistiqen Getränken. Wahrscheinlich erweck.'e das Wort geist g". das er mit geistlich" verwechselt?, tösen Argwohn, der sich zu einem furchtbaren Verdacht zusammenzog, als er unter den diversen Bowlen, Likören. Grogs und Punschen auch auf eincn Kardinal" und einen Bischof" stiez. Ueber die Behandlung des Kardinals" las er mit Schaudern, daß man ihn mit einer halben Apfelsine auf t.n halbes Kilo Aucker abreibt, ihn darauf in , Wasser auflöst und zum Schlüsse mit einigen Pomeranzen in einer Terrine alles gut durcheinande:m!scht. Den Bischos" dagegen sollte man erst in Zucker auflösen und dann in Wasser eine halbe-Stunde ausziehen lassen. Vor dieser schmählichen Behandlung bewahrte er die Geistlichen, indem er die Rezepte gründlich schwärzte. Arch eines Admirals" nahm er sich in fe'ner mildthätigen Gesinnung an, als Hüter von Ordnung und Sitte mußte er diese Ausforderung zu G:wzltthitcn gegen eine höbe Persönlichkeit der Marine streichen. Der Admiral" sll!e nämlich entsetzlich! über fchwachem Feuer, mit einer Flasche Weißwein und einer halb:n Stange Vanille zugedeckt, ausgezogen, in zweihundert Gramm Zucker aufgelöst und ?um Schlüsse schaumig geschlafn werd:." Ewige Siebe. ...Wirst Du mich, Arthur, auch ewig lieben?" Gewiß, Siebes Frauchen!" So, dann schwöre mir, daß Du, wenn wir uns jemals scheiden lassen sollten, keine andere als mick wieder heirathcn wirst!" '
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Biere be? 1030 Bit 1050. Wir sprechen in irae einem Stadttheil Wäsche vor. 224 W. Öiarylesk Beife Vionel tOfr V0A Jnlandt. Zwei New Forker Aerzte haben einen Patienten, der an Nierenerkrankung litt, mit einer Radmmkur bös hereingelegt. Radium hatten diese Aeskulaps überhaupt nicht, konnten also nicht damit kuriren; aber $10,000 das ganze Vermöden des Patienten haben sie. Jetzt wollen die New Forker Gerichte den gewissenlosen Aerzten den Raub wieder abnehmen. . . Ueber Qelfelder in Kansas wird aus Chanute im dortigen County Neosho berichtet: Durch die Röhrenleitungen in hiesiger Vegend sind während der letzten vierzehn Tage des Monats 'Dezember 322,291 Faß Oel befördert worden. -Mit der Erdöl-Produktion in Texas und jetzt auch in Louisiana kann sich übrigens die in Kansas, wo Oelquellen bereits im Jahre 1886 entdeckt wurden,, nicht messen. - : - - Ein nicht ganz gewöhnlicher Liebesroman ' nahm in Chippewa County, Wis., einen glücklichen Ausaang. Der 76 Jahre alte GrandpaCurkey von Sigel und' Frau Francis H. Courtney von Cadott, 74 Jahre alt, trafen sich vor Kurzem, sahen sich, verliebten sich und sind nun ein glückliches Paar -geworden. Die Hochzeit fand im Heim von Frau S. Roberts in Cadott, der Tochter der jungen Frau", statt. Zwei Goldsucher in den V l a ck H i l l s, William Andres und William Jones, haben im südwestlichen Nevada eine Höhle entdeckt, in welcher sie, nachdem - sie. bis zu einer Tiefe von 300 Fuß eingedrungen waren, die Spuren prähistorischer Bewohner fanden. Zwischen den Myriaden von-Stalaktiten, welche' an den Wänden herunter hängen, fanden sie Hieroglyphen und an anderen Stellen steinerne Sitze, die augenscheinlich in Gebrauch waren. Es sollen wei'ere Untersuchungen vorgenommen werden, und man verspricht sich, sehr interessante Resultate. Mehr als 400 Farmer aus den Counties Caß, Adair und Adams in Iowa waren kürzlich in Cumberland versammelt, um landwirthschaftliche Fragen zu besprechen, und da kamen auch die Eisenbahnraten, sowie die Hepburn-Bill, welche unter den E armern großes Aergerniß erregt, zur Sprache. Nach einer hitzigen. Debatte wurde fast einstimmig der Beschluß angenommen, daß Hepburn mit seiner Bill und die Eisenbahnen unter einer Decke spielen. Nach der Versammlung wurde eineFigur, dieHepburn vorstellen sollte, an einen Pfahl aufgehängt und von Kugeln durchlöchert. Unter den Farmern befanden sich viele persönliche Freunde des genannten Congreßabgeordneten. EineigenihumlicheS Menschenkind ist Chas. Schuppel, der kürzlich in Louisville auf der Suche nach Beschäftigung eingetroffen ist. Schuppet, der sechsunddreiig Jahre alt und auS Leinen bei Heidelbera in Baden gebürtig ist, trägt nämlich das Herz auf der rechten, die Leber auf der linken Seite, während das sonst beiMenschen umgekehrt zu sein pflegt. Sein Zustand wurde entdeckt, als Schuppel mit achtzehn Jahren in einer Cementfabrik arbeitete und'ärztlich untersucht wurde. Seit dreizehn Jahren lebte er in Cleveland, O., wo er fünf Jahre lang als Wärter im Lakeside-Hospital angestellt war. Seit November außer Arbeit, begab er sich auf die Reise, um solche zu finden, und ist so in Louisville angelangt. loloniken Tickets nach den Wegen und Südwesten, via Pennsyl vania Linien. Februar 21. und März 21. werden spezielle inen Weg. zweite Klasse Coloniften Tickets verkauft nach allen Punkten im Westen und Züdwesten, via Pennsylvania Linien. Für 'öllige Einzelnheiten hinsichtlich Raten und Fahrzeit etc. spreche man bei dem nächsten Ticket Agenten dieser Linien vor.
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