Indiana Tribüne, Volume 28, Number 158, Indianapolis, Marion County, 25 February 1905 — Page 5

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Sie Fchchmim

tt 45 (Schluß.) "tf 3 Wie ein ertappter Dieb fuhr Fink zusammen. Er war ja ausgegangen. Schätze zu suchen, deren Erbin hier vor ihm stand und ihn mit strengem Blicke musterte, nachdem es ihr gelungen war, die junge Stirn in ernste Falten zu legen. Aber das Ganze war ja Unsinn, ein Märchen aus alter Zeit. Nur daß er sich als einer von denen bekennen sollte, welcher die Herrin von Dobritzka aus ihrem Eigenthum vertrieben hatte, war sehr fatal. Aber nur Muth! Ein offenes Geständnis ist allemal das beste und machte vielleicht auch auf seine schöne Richterin einen guten, versöhnenden Eindruck. Baronesse, wenn Sie die Gnad haben wollen, sich für kurze Zeit auf din grünen Sammtteppich der Natur hier niederzulassen,, dann will ich Ihnen alles bekennen, und Sie werden mir hoffentlich mildernde .Umstände zuge. stehen." Zögernd folgte das Fräulein der Einladung und ließ sich auf den Rasenhügel unter den Buchenzweigen nieder. Und nun kam die förmliche Vorfiellung und die verheißene Beichte des Schatzgräbers, die von der liebreizenden Nichterin besser aufgefaßt-wurde, als er erwartet hatte. Also Sie sind einer der Herren, die ihre Zeit nicht mit ,Spielen vertändeln' wollen und daber lieber auf ri Wiese loyaygraven geyen?" bemerkte t ein wenig boshaft, als er geendet hatte, Na, eigentlich ist die Sache zum Todtlachen, und Väterchen der Reingefallene dabei. Schafft mich fort wegen der Einquartirung, und nun läuft mir diese gerade in den Weg. und wir unterhalten uns in der gemüthlichsten Weise. Böse kann ich Ihnen auch nicht sein, da Sie ja ganz unschuldig an. Ihrem Hiersein sind. So will ich denn die Pflicht der Gastfreundschaft auch in der Verbannung üben und Sie herzlich willkommen heißen in dem Schloß meiner Väter." Mit einem allerliebsten Gemisch von Würde und Befangenheit reichte sie dem jungen Herrn ihre Hand hin, die dieser, in Gedanken verloren, länger als nothwendig in der seinen behielt. ' Sie sind aber ein. netter chatzgräber," lachte die Baroneß plötzlich auf. Nicht einmal ein Grabscheit haben Sie mitgebracht! Oder gedachten Sie Ihren zehn Fingern die Arbeit zuzumuthen?" Richtig, das habe ich vergessen! Nun, so muß der Schatz heute noch ungehoben bleiben. Morgen aber will ich mit doppltem Eifer an die Arbeit gehen und wenn ich Ihnen, Baronesse, erst all das kostbare Geschmeide zu Füßen legen darf, dann verzeihen Sie mir vielleicht vollends meine überflüssige Anwesenheit in Dobritzka." Mir wollen Sie es zu Füßen legen? Was fällt Ihnen ein!" verwahrte sich das Schloßfräulein von Dobritzka sehr entschieden. Sie sollen sich ja dafür ein schönes Schloß, Wälder und Felder kaufen, wenn ich Sie recht verstanden habe." So hatte es Ihr Herr Vater für mich geplant. Aber dann hole ich mir auch eine Schloßherrin aus der Nachbarschaft. Denn ein so armer Marsjünger, wie ich jetzt noch bin, wirdwohl nie eine Lebensgefährtin finden." Das sehe ich nicht ein!" entschlüpfte es der kleinen Baronesse unbedacht. Fink beugte sich herab, um in den blauen Augen zu lesen, die den seinigen auswichen. Nicht? Aber denken Sie nur eine enge Stadtwohnung! Man sagt zwür, die Liebe schaffe Raum auch in der kleinsten Hütte " Aber ein Garten müßte doch auch dabei sein!" Heftig erröthend sprang die junge Dame von ihrem anmuthigen Plätzchen auf. Eine Ahnung war ihr gekommen, daß sie allzu eifrig auf die Ideen des jungen Mannes eingegangen war. Jetzt muß ich mich aber schleunigst auf den Rückmarsch begeben. ' Tante wird aus ihrer Kaffeeschlacht heimgekehrt sein 'Und schon das Haus in Aufrühr gesetzt haben wegen des Flüchtlings." Allein dürfen Sie keinenfalls nach der Stadt gehen," erklärte Fink mit großer Bestimmtheit. Es treiben sich Sonntags viele Betrunkene auf der Chaussee umher. Entweder ich begleite Sie, oder" ein besserer Gedanke war ihm inzwischen gekommen meinen Sie, daß Ihnen Ihr Herr Vater zürnen würde, wenn Sie ihn um ' eine Nachtherberge angingen?" Ich weiß nicht, wir haben doch alle seine Pläne zerstört," erwiderte die Baronesse zögernd, obgleich der Vorschlag ihr sichtlich verlockend war. Sie können freilich nichts dafür, wenn Väterchen Sie auf die Schatzsuche schickt. Und ich wollte blos einmal zu meinem Lieblingsplätzchen unter den Buchen, um den Park und unsere gute alte Bude zu sehen." Das kam so weich, so innig von den frischen Lippen, daß es die Schätze eines jungen Herzens verrieth, die sonst hinter einem Wall von Scherz und Mun-

:: N k vellotto van & xx 0 c ix x c fc i v sklx 55 55 55 55 tt 55 w 55 55 55 terkeit und ein wenig freiherrlichem Hochmuth wohl verborgen ruhten. Kommen Sie," sagte Fink und bot! dem ganz verträumt dastehenden Madchen seinen Arm. Wir gehen durch Ihren herrlichen Park und berathen unterwegs, wie wir den gestrengen fterrn Vater am besten versöhnen." vertrauensvoll folgte die Baronee der Aufforderung, und das junge Paar wendete sich der kleinen Pforte zu, die in den Park führte. Hier in der grünen Wildniß, in der das süß-träumerische Leben und Weben der Nacht seinen Anfang nimmt, wird dem jungen Mädchen ganz beklommen zu Muthe am Arm des stattlichen Mannes. der für sie doch eigentlich ein Fremder ist. Mit kindlich banger Frage sieht sie zu ihm auf, und es ist eine eigene Antwort, die sie in seinen dunklen Augen zu lesen bekommt eine Antwort, die ihr Herz höher schlagen und den plaudernden Mund verstummen macht. Schweigend gehen sie miteinander über den Kiesweg hin. Da kommt mit zittrigem Flug eine Fledermaus geflattert und gerate auf den Kopf der Baronesse zu. als ob sie sich in der blonden Haarfülle bergen wolle. Diese stößt einen Schrei aus. Und Herr v. Fink? Er weiß sich keinen anderen Rath, als daß er mit schneller Bewegung das bedrohte Köpfchen an einem sicheren Platze birgt. Und wie er es dort festhält, und was er weiter sagt und thut, um das erschrockene Kind zu beruhigen, ihm die Angst vor den Nachtschwärmern zu benehmen, das hört und sieht Niemand. Baron .Alten hat das behaglichste Stündchen vom Tage in ungestörter Ruhe genossen. Die Zeitung ist durchstudirt, die Havanna liegt in den letzten Zügen, und der Baron erhebt sich von seinem Sitz. Er reckt und dehnt die kräftigen Glieder und schüttelt damit einen letzten Resttraumseliger Befangenbeit von sich ab. Er wundert sick. dan es so still um ibn bleibt. Ja jo: Aber der Schatzgräber im Keller? Der alte Pnle wird ihm doch nicht den Garaus gemacht haben? Ach nein, aber satt wird er das Hämmern gehabt haben, der dicke Herr Hauptmann, und auf seinem Sofa wahrscheinlich langst von den Strapazen des Schatzgrabens ausruhen. Und der ' andere, ' der auf die Wiese gepilgert ist? Ter Freiherr schmunzelt. Nicht schlecht in den April geschickt hat er. seine beiden Gäste! Jetzt will er selbst einen Spaziergang antreten durch seine Felder. Diese Wanderungen an Sonntagen haben einen eigenen Reiz für den LandWirth. In aller Ruhe blickt er über das Arbeitsfeld, nimmt sich neben dieser Musterung auch einmal die Zeit, sich an., dem jubelnden Aufstieg der Lerche zu erfreuen, ein Häslein zu beobachten, das wie eine Schildwache in der wogenden Saat sitzt, ja, fein Auge erbaut sich in dieser Feiertagsstimmung sogar an der leuchtenden Schönheit der Kornund Mohnblumen,, die er Wochentags grausam als übles Unkraut verfolgt. Der Freiherr hatte einen tüchtigen Marsch zu machen, wenn er allen Feldern seines stattlichen Besitztums einen Besuch abstatten will. Endlich ist er wieder am Schlosse angelangt. Am Fuß der Tret, pe erwartet ihn der Inspektor, und die umständliche Berathung über alles, was in den nächsten acht Tagen geschafft werden muß, bildet schon den sachten Uebergang zum Getriebe des Alltags. Ich begreife wirklich nicht, wo die Herren Offiziere bleiben," murmelt der Baron nach Beendigung dieses Gefchäfts und sieht ungeduldig auf die Ubr. Er liebt pünktliche Mahlzeiten und ärgert sich, daß die Gäste auf seine Gewohnheiten keine Rücksicht nebmen. Der brave Januschek hat natürlich langst tadellos gedeckt, die Tafel steht einladend da wie am Mittag. Der Freiherr klingelt und befiehlt dem eintretenden Diener, dessen Gesicht merkwürdig roth und verklärt aussieht, sich nach den Herren Umzusehen. In diesem Augenblick kommt jemand die Steinstufen vor dem Haus herauf, man hört gedämpfte Stimmen. Er.wartungsvoll sieht der Freiherr nach der Thür. Täuscht er sich! Es ist. als fände vor derselben ein kleiner Kampf statt, eine Hand will sie öffnen, und eine andere schließt . sie wieder. Nein, es ist keine Täuschung auch das nicht, wac' Herr v. Alten dann zu sehen bekommt, ein Anblick, schön für das Auge eines Malers, aber verblllfsend, nein geradezu versteinernd in seiner Wirkunq auf den Schloßherrn. Wie ein Bild, im Rahmen der hohen Eichenthür, steht das Paar von der Schatzwiese: Leutnant v. Fink und an seinem Arm die Tochter des Hauses. Der Baron sieht sein Kind an, als sähe er es beute zum ersten Male. Er fährt sich mit der-Hand über die Augen, aber die Vision bleibt. Da ermannt er sich endlich zu der Frage: Jetzt sage mir,Jlse,wie kommst denn Du hierher? Tante Klementine hat Dich doch nicht fortgeschickt, wiL ich hoffen?"

Rasch bat die Anaeredete sich ihm ge

nähert und legt beide Arme um den Hals des streng blickenden Vaters. Nein, Väterchen, nein, es hat keinen Krach gegeben mit Tante Klementine. Ich war gehorsam wie ein Lamm. Nur die Sehnsucht packte mich heute allzusehr nach der lieben Heimath und nach Dir, der mich so grausam fortgeschickt hat." - i.Auf fünf bis fechs Wochen allerdings," lautete die Antwort, aber schon mit bedeutend milderem Ausdruck als vorher. ia bis das ??eld wieder frei sein würde von der gefährlichen ternquar tirung," ließ sich nun auch Fink verneh-. men. Aber kein Mensch kann seinem Schicksal entgehen, denn es steht in den Sternen geschrieben. Herr Baron, Sie schenkten mir beute aroßmüthia jrnen Schatz" er stockte in Bewegung. Na, wo haben Sie ihn denn, erehrtest?' Der Einleitung nach muß er ja recht werthvoll sein." Soll ich Ihnen den Schatz zeigen, den ich auf der Wiese unter den Buchen gefunden habe, und ist er wirklich mein?" . Na, glauben Sie denn, daß ich mein Wort nicht halten werde? Erb- und eigenthümlich gehört Ihnen alles, und möge es nicht zu wenig sein, was Sie gefunden haben." Zu wenig? Nein, zu viel ist es, unbescheiden viel, was ich mit Ihrer gütigen Erlaubniß mir angeeignet habe." Und er zog das erröthende Mädchen an seine Seite. Alle Donner, was soll das heißen? Was hat mein Mädel mit der Sache zu thun? Sie scheinen ja schon recht vertraut mit ihr! Ilse, was fällt Dir ein?" Aber die Angeredete rührte sich nicht und machte keinen Versuch, sich von der Hand zu befreien, die mit so innigem Druck die ihrige umfangen hielt. Vor Ueberraschung völlig überwältigt, starrte der Baron auf das Paar. Aber ehe er sich noch über seine Empfindungen klar werden konnte, ergriff Fink das Wort: Herr Baron, ich weiß wohl, daß Sie diesen Ihren größten Schatz nicht gemeint hatten, als Sie mich auf die Wiese schickten. Ein unedler Glücksritter würde ich sein, wenn ich Sie beim Worte nehmen wollte, das Sie mir halb im Scherz und -unbedacht gegeben haben. Aber erlauben Sie mir. daß ich treu und ehrlich werbe um diese?Glück, bis Sie mich dereinst würdig finden werden, es zu besitzen." " Nun, lieber junger Freund" bewegt reichte Alten dem Bewerber beide Hände hin ich kann - zwar immer noch nicht recht fassen und begreifen, wie Sie so in aller Eile meine wilde Hummel haben fangen können, aber Sie haben sich mit Ihren Worten mein Vertrauen errungen. Nicht heut und morgen, aber in einer nicht zu lang bemessenen Prüfungszeit will ich mein Wort einlösen und wenn auch mit schwerem Herzen Ihnen geben, was Ihnen eigentlich schon gehört: den einzigen wahren Schatz, den ich besessen habe. Das beißt, ich irre mich doch nicht, daß Du einverstanden bist, Ilse? So ganz als polnische Gold- und Silberwaar dürfen wir Dich doch eigentlich nicht verhandeln!" Statt aller Antwort schmiegte Ilse sich lieblich erröthend an den glücklichen Bräutigam, und dabei mochte ihr eine Erinnerung kommen, denn.' sie, sagte leise: Väterchen, ich weiß nicht, wie es so schnell gekommen ist. Aber ich glaube' schuld daran ist eine Fledermaus." So eifrig waren die drei miteinander beschäftigt gewesen, daß sie eines vierten ganz vergessen hatten und höchst erstaunt aussahen, als dieser sich plötzlich meldete. Mit gerathetem Gesicht, in jeder Hand . eine mit Schimmel überzogene Flasche, vor Vergnügen laut auflachend, stand Hauptmann v. Mahrenholz vor ihnen. Sehr unternehmend war er eingetreten, um dann ebenso versteinert stehen zu bleiben, wie Alten vor einer halben Stunde. Doch kam dieser ihm schnell zu Hilfe. Da sind Sie ja, mein bester Herr Hauptmann. Ich fürchtete schon, Sie steckten noch in den unterirdischen Cewölben vdn Dobritzka und der gekränkte Pole ließe Sie nicht wieder herauf. Doch gestatten Sie zunächst, 'daß ich Sie meiner Tochter vorstelle." Der Hauptmann war nicht im Stande, eine vorschriftsmäßige Verbeugung zu machen. Wa as saaen Sie, Herr Baron? Ihr Fräulein Tochter? Sie scherzen wohl!" Erlauben Sie mal, das wäre ein merkwürdiger Scherz., Oder trauen Sie mir diese Tochter nicht zu? Was werden Sie dann erst zu meinem zukünftigen Schwiegersohn sagen? Doch ich bin Ihnen eine Erklärung schuldig, denn ich allein habe alle Verwirrung hier angerichtet." Voll Erstaunen hörte Hauptmann v. Mahrenholz der Erzählung seines Wirthes zu und hatte sich erst am Schluß derselben so weit gefaßt, daß er dem Brautpaar in schwungvoller Rede seine Glückwünsche darbringen konnte. Danach wendete er sich dem BrautVater zu. Herr Baron, da Sie mich leider nicht nach der Wiese geschickt haben, so ist das Resultat meines Schatzsuchens leider kein so großartiges geworden wie bei Freund Fink, diesem Glückspilz." Dies Bedauern kann ich nach Ihren Gefühlsäußerungen von heute morgen Ilse muß das verzeihen glücklicherweise nicht recht ernst nehmen. Doch scheint mir" Ver Sprecher warf einen Blick auf die Weinflaschen, die der Hauptmann noch immer krampfhaft im Arm hielt ..als. ob Sie auch etwas

entdeckt' hätten, das des Suchens werth

war?" Ja, der alte Schwede, wollte sagen Pole, hat ein menschliches Rühren mit mir gefühlt," lautete die befriedigte Antwort. Famoser Tropfen, den er für uns aufgehoben hat Wie, Janufchek?" Der Angeredete, der hinter dem Hauptmann das Zimmer betreten hatte, strahlte ihn bedeutungsvoll an. Donnerwetter, das ist ja mein ,Chateau Caronne!' Ja. das ist freilich ein Schatz, und der Schlingel hat ihn natürlich ausgespürt." Herr v. Alten, Sie wollen uns doch nicht den Hals umdrehen an Stelle des Polen wegen der entdeckten Schätze?" Höchstens mir selber," brummte der Hausherr, bemüht, seinen Gleichmuth wiederzufinden. Nichts für ungut, Herr Hauptmann. Den edlen Tropfen da babe. ich unter einem Schutthaufen aufgespart für eine besonders festliche Gelegenheit von Jahr zu Jahr. Na, nun ist er ja auch in gurten Händen. Denn natürlich: habe ich Fink mein Wort gehalten, so ist dies Ihnen gegenüber auch recht und billig und sogar bedeutend leichter in dem Fall. Die erste' von der Sorte tranken wir : Jlsens Taufe," fügte er gedankenvoll hmzu; und seine Augen schweiften zu dem schönen, mit einem Kranz geschmückten Bildniß an der Wand empor. Die verstorbene Mutter," dachte Fink, der dem Blick gefolgt war, und zärtlich vergleichend sah er auf das holde Ebenbild an seiner Seite. Mahrenholz aber rief fröhlich dazwischen: Und die zweite und dritte Flasche trinken wir zur Verlobungsfeier des gnädigen Fräuleins! Januschek. Du bester Helftr für alle Schatzgräber, mach auf!" Nicht ungern gehorchte Januschek dem Befehl. Heute fiel sicher auch für ihn.noch mancher gute Tropfen mit ab. Rubinroth funkelte der alte Wein in den Gläsern, die jetzt zum Wohle des Brautpaares aneinander klangen. Hauptmann v. Mahrenholz, der einzige Gast an dieser Verlobungsfeier, brachte einen Toast nach dem anderen aus und ließ zuletzt mit besonderer Begeisterung den alten Polen leben, der so kostbare Schätze in Dobritzka verborgen hatte. Das Gekcimnitz dcr Redaktion. Aus Wien wird Folgendes berichtet: In den Kreisen der Hauptstadt herrscht zur Zeit große Erregung über eine Entscheidung des Obersten GerichtsHofes. In , einer EhrenbeleidigungsKckge in Olmütz beschuldigte der eine Thil den anderen, daß er auch einen verletzenden Artikel in einer dortigen Zeitung inspirirt habe. Der vorgeladeiie Redal'eur verweigerte die Aussage mit Berufung auf das Geheimniß der Redaktion, das in solchen Fällen Diskretion vorschreibe und von den Gerichtey,in.Oesterreich stets respektirt wurde. Sormell' stützt sich das Vorgehen auf Paragraph 153 der Strafprozeßordnung, der einem Zeugen anheimstellt, die Aussage zu verweigern, wenn ihm diese Schande" brächte. Zweifellos würde das Vorgehen eines Redakteurs, der das Geheimniß der Redaktion verräth, in allen Kreisen, nich' bloß in denen seiner Verufsgenossen, als nicht ehrenvoll angesehen werden. Das Olmützer Gericht respektirte auch diese Gründe. Aber der Oberste Getichtshof negierte ste bei der Berufung und stellte wider allen bisherigen Brauch in Abrede, daß das Gesetz eine Anstandspflicht der Redakteure, das Geheimniß .der Redaktion zu wahren, anerkenne. Aber die journalistischen Vereinigungen, soweit sie nicht reaktivn'ären Tendenzen huldigen, haben bereits an der Hand des Gesetzes gegen diese Auffassunq Verwahrung eingelegt, auch soll sie, wk verlautet, zum Gegenstand einer Parlaments-Debatte gemacht werden. Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes ist besonders im Hinblick auf den Umstand bemerkenswerth, daß sich der reaktionäre Geist, während der Regierungsperiode Dr. v. Körbers zurückgedrängt, seit seinem Rücktritt auf manchen Gebieten wieder einen Vorstoß gestattet.- ' Ter Ursprung des Gen. Trepow. Wie von einem nahen Freund: des alten Generals Trepow erzählt wurde, war der Vater des eben zum Diktator von Petersburg ernannten Genera s Trepow, also , der durch das Attentat dtt Wera Sassulitsch berühmt gewordene Stadthauptmann von Petersburg ein Findling. In Petersburg trat eines schönen Tages ein deutscherHandwerker auf den Hof des Hauses und fand auf der Treppe ein neugeborenes Kind, an dem ein Zettel befestig: ro:r des Inhalts, daß es orthodox g'tauft sei. Er erbarmte sich des -armen Wurms, nahm es auf und nannte es nach dem Fundort Trepphof". Daraus wurde im Russischen Trepcw". Der Sohn dieses Findlings, der sein: Existenz dem milden Sinne des dem schen Handwerkers verdankte, ist der jetzige Diktator rnrnhnutifl. Schmierendirektor zum jugendlichen Liebhaber): Sie sind auch ein leichtsinniger Mensch! Gestern Abend haben Sie fünfzig Pfennige bekommen arnd nun haben Sie sie schon wieder, wie ich hörte, in, Bier und Wurst verjubelt!" Riesenforelle. Ein gewisser Pivora aus Bozen, Südtirol, zog aus der Etsch eine Forelle im Gewichte von 127 Pfund.

Ein glSckbelngcnöcr jsqjma

Der berühmte englische Landschaftsmaler William Turner (17751851) war der Sohn eines Barbiers und mußte nach dessen Willen sich zunächst dem väterlichen Berufe widmen, obgleich er dagegen den größten Widerwillen empfand, weil er sich zur Kunst unwiderstehlich hingezogen fühlte. Ein ungeschlachter, fast tölpischer junger Mensch mit so auffallend häßlichem Gesicht war er, daß kein anderer Londoner Barbier ihn als Lehrling annehmen wollte. Also blieb er beim Vater und feiste in dessen Barbierstube die Kunden ein, um sie dann, leider nur zu häufig, mit recht viel Ungeschick zu rasiren. So geschah es denn eines schönen Tages, daß er einem jungen, höchst modisch aussehenden Gentleman einen bösen Schnitt in die Wange versetzte, was diesen so in Wuth brachte, daß er den jungen Menschen mit einer Klage bedrohte. Nur mit Mühe begütigte der alte Turner den Zornigen und stillte die starke Blutung. Nachher sagte er zu seinem Sohne: Nach dieser letzten Leistung ist es mir leider klar, daß Du zum Barbier ganz und gar mcht geeignet bist. Du ruinirst mein Geschäft, machst mir nur Schande. Der SeifenPinsel paßt nicht für Dich, das sehe ich ein, versuch's also meinetwegen mit anderen Pinseln." Begreiflicherweise war William hiermit fehr wohl zufrieden. , Nun durfte er sich seiner Lieblingsneigung endlich wjdmen, was er mit vielem Eifer that, freilich längere Zeit ohne genügende Anerkennung zubinden und mit Hunger und Sorge kämpfend, wie das ja auch vielen anderen Genies in der Jugend so erging. Aber schließlich gelang es ihm doch, sich emporzuarbeiten, zu hoher Geltung in der Kunstwelt sich durchzuringen und viel Geld zu verdienen durch seine meisterhaften Landschaften und Marinebilder. Eines Tages kam zu ihm ein Gentleman in's Atelier, der eine kleine Landschaft zu kaufen wünschte, um sieals Geburtstagsgeschenk zu verwenden für feine Frau, wie er erzählte, eine schwärmensche Kunstfreundin, die ein Bild des berühmt gewordenen Meisters zu besitzen sehr glücklich machen würde. Der Künstler zeigte ihm mehrere kleine Gemälde. Dieses da würde gut für meinen 'Zweck passen," sagte der Besucher, auf ein Bild hindeutend. Welches ist wohl der genaueste Preis?" Zweihundert Pfund versetzte Turner. So viel kann ich leider nicht daran wenden; nicht mehr als hundert Pfund." Sie kommen mir so bekannt vor," sprach der Maler lächelnd. Sie mir auch, Sir; nur weiß ich mich nicht recht darauf zu besinnen, wo ich Sie früher etwa schon einmal gesehen haben muß." " . Ich will Ihrem Gedächtniß zu Hilse kommen. In der Barbierstube meines Vaters in der Regentsstraße haben Sie meine Bekanntschaft gemacht, auf für Sie allerdings recht unliebsame Art." .Richtig, jetzt -weiß ich's! Ja, Sie waren damals der junge Mensch, der "mich so bös in die Wange schnitt." Jawohl, Sir, ich war so ungeschickt, und zwar zu meinem Glück." Wieso?" Weil mein Vater dadurch zu der vernünftigen Ueberzeugung gelangte, daß ich nie ein ordentlicher Barbier werden würde, was zur Folge hatte, daß ich von der mir verhaßten Beschäftigung los kam und mich der Malerei widmen durfte. Ich bin Ihnen also Dank und gewissermaßen auch ein Schmerzensgeld schuldig. Bitte, nehmen Sie das. Bild für die hundert Pfund, die Sie daran wenden zu können erklären." Sehr erfreut sprach der Besucher seinen herzlichen Dank aus und ging mit seinem Bilde davon. Das schöne Gemälde, welches er so billig erstand, wurde reichlich fünfzig Jahre später von seinen Erben, als diese Geld brauchten, für mehrere tausend Pfund Sterling verkauft. Turners Bilder sind nämlich sehr selten geworden im Kunsthandel, da er schließlich überhaupt keine Gemälde mehr verlauste, fondern seine meisten Schöpfungen aus der späteren Zeit über hundert Oelgemälde und mehrere hundert Handzeichnungen und Skizzen der englischen Nationalgallerie in London letztwillig vermachte. Das Ende cincs Sonderlings. Lord Westborne ließ sich jedes Jahr zu seinem Geburtstage, an welchem er stets seine Freunde bei sich zu bewirthen pflegte, einen neuen Sarg machen, den er jedesmal versuchte, aber der ihm niemals recht war. Brachte ihm der Tischler den bestellten Sarg, so mäkelte der Lord daran wie ein Stutzer an einem neuen Rock. Er legte sich selbst in den neuen Sarg hinein, doch dieser paßte niemals, war bald zu lang, bald zu weit, drückte ihn bald an den Achselnkurz, etwas war immer daran auszusetzen. Zwölf Tischler hatten schon sin den wunderlichen Mann gearbeitet, und keinem war es gelungen, ihn zufrieden zu stellen. Endlich nach einundzwanzigjährigen Versuchen schien er mit dem gelieferten Sarge einverstanden zu sein. In Gegenwart seiner Gäste legte er sich in den Sarg, dehnte sich behaglich und sagte: Jetzt paßt er, und ich habe keine Lust, wieder aufzustehen." Damit schoß er sich eine Kugel durch den Kopf-

Aus Deutschlands llrzcit. Viehzucht, Jagd uud Fischfang die Haupt beschästigung der Germane. Die alten Deutschen besaßen, nach Julius Cäsar, sehr viel Vieh, das jedoch nur' eine unansehnliche Größe hatte. Während der in den Urwäldern lebende Auerochs sich durch gewaltige Größe auszeichnete, war der zahme Stier klein und entweder ganz ohne Hörnerschmuck oder doch nur mit kleinen verkrüppelten Hörnern ausgestattet. Die Kühe waren in. den Alpengegenden als milchreich bekannt und gefeiert; obschon klein von Gestalt, warcn sie doch als Zugvieh ausdauernd. Nicht groß, sogar schlecht gewachsen und von unschöner Form, konnten die einheimischen Pferde nicht einmal als Scbnellläufer gelten; die tägliche Anstrengung hatte sie jedoch äußerst dauerhaft gemacht. Im Nothfalle ga ben sie sich sogar mit Baumrinde zu-' frieden und wurden deshalb fremden Rassen vorgezogen. Wilde Pferde schweiften am Fuße der Alpen und im Norden umher. Da Berichte über Schafzucht in Deutschland nicht' vorhanden- sind, scheint man sich mit diesem Zweige der Viehzucht nicht abgegeben zu haben. Schweine bezog man im Ueberfluß aus Belgien. In der alten Kaiserstadt Rom waren die deutschen Gänse, obwohl sie kleiner als ankere Arten waren, die beliebtesten, weshalb die Römer die damals schon gebräuchliche plattdeutsche Benennung Gant (gania) als Bezeichnung für diese vorzügliche Art adoptirten. Die Gänse der Alpen waren wegen ihres außerordentlichen Gewichts berühmt. Fast reichlicher als die Viehzucht lieferte den alten Germanen die Jagdbeute den Lebensunterhalt. Von uralter Zeit her war die Jagd V5 XsfVlT,Zt$Vl&A 4Vi HaVTIa 03 a s

vic tuufn uauuc uüu ucuic )iUjU I l P1 rv-v-k . ngung oes freien u)cannes, mit Beschwerden, häufig mit Gefahren verbunden, die Vorübung der Jugend zu ernstlichen Thaten. Den wilden Ur überlistete man durch Fang in Gruben; als Siegestrophäe brachte dann der verwegene Jäger die riesigen Hörner in die Versammlung der Gemeinde. Darauf ging er wieder den Spuren des Elen nach, forschte den Stand des gewaltigem Hirsches aus, untergrub öder sägte den Baumstamm an, an welchem da5 Thier zu stehen pflegte, damit der Koloß mit dem Baume umstürzte und von diesem .erschlagen' wurde. Auch umstellten die altdeutschen Jäger ganze Gegenden, bei welchem Kesseltreiben" mit anderem Wild zuweilen der Elen zur Strecke gebracht wurde. .In den Alpen nistete das durch große, rothe, feuerfarbene Augenwimvern" ausae?.eicknete .fohfcufin i'Auerr j u -a j v und Birkhuhn), das Schneehuhn, das Berghuhn, der Wasser"rabe, der Alpenrabe und ein dem Ibis ähnlicher Vogels vielleicht eine Art , des BrachVogels. Bei der Jagd auf diese Vögel bediente man sich gewöhnlich langer Pfeile, die nicht von einem Bogen geschleudert, sondern mit der Hand geworfen wurden. Von den Galliern erzählt die Geschichte, daß sie die Spitzen ihrer Jagdpfeile mit dem Safte der schwarzen Nieswurz bestrichen, um dem Fleische der erlegten Thiere einen zarteren Geschmack -zu verleihen; wegen der schädlichen Wirkung des Saftes wurde aber die verwundete Stelle vor der Zubereitung des Wildprets ausgeschnitten. Die Seen und Flüsse gaben der Fischerei reiche Ausbeute. Als'besonders fischreich wurde die Mosel gerühmt. Drei Arten des Salmengeschlechts waren bekannt, der große Salm (Donaulachs). der kleinere gepunktete Salar (Lachs) und die Forelle, ferner Vxrfch, Hecht und Alse, der Maifisch" des Rheines. Zu jener Zeit kannte man bereits die Kunst des Angelns. als auch mt ljcyweio zur Winterszeit, indem man Löcher in das Eis brach, um die herbeischwimmenden Fische zu erschlag gen. Den großen Fischen in der Donau wurden Haken mit Ködern gelegt und oft war em Gespann Ochsen nöthig, um die Flußriesen aus dem Wasser zu ziehen. Die letzte Hinrichtung durch zu Tode kochen ereignete sich 1890 in Persien. 000 00 0 geliefert von A B. METER & C0. Telephone Ruf : M - . 2440" Ren - - 516" 10 Haupt-Verbindungen Wir sind zu jeder Zeit zu haben. ttohlenhof nahe bei Ihnen. Haupt Ossice : J9 Nord Pennsylvania Straße.

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