Indiana Tribüne, Volume 28, Number 157, Indianapolis, Marion County, 24 February 1905 — Page 5

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uf Schloß Dobritzka saß man an der reich besetzten MlttaAstafel. Von der fast sommerlichen Schwule des klaren Herosttages war nichts zu spüren in der großen, mit Steinfliesen belegten Vorhalle des alten Polennestes. Die drei Herren, die es sich hier wohl sein ließen, hatte das Schicksal erst seit Kurzem zueinander geführt. Hauptmann v. Mahrenholz und Leutnant v. Fink standen im Dienst der Topographie, der sie nöthigte, bald 'hier, bald dort auf den verschiedenen Landgütern ihre oft recht ausgedehnten. Gastrollen zu geben.' Der ältere der beiden Offiziere, dessen gutmüthiges, etwas stark gerathetes Gesicht, wie seine zu? Fülle neigende Gestalt den behaglichen Genußmenschen verrieth, ergriff soeben fein Glas mit dem eisgekühlten köstlichen Rheinwein, um es auf das Wohl des Schloßherrn von Dobritzka, des liebenswürdigsten aller Gastgeber," zu leeren. Was habe ich gesagt, gleich am ersten Abend, den wir unter diesem gastlichen Dache verbrachten?" wandte er sich seinem jüngeren Kameraden zu und fuhr dann fort: Hier gefällt mir's! hab' ich gesagt. Alles feudal und dabei behaglich, besonders für einen eingefleischten Junggesellen wie meine Wenigkeit. Keine Hausfrau, der man feierlich die Hand küssen, und keine Töchter, denen man den Hof machen muß." Bei diesem Punkt seiner Rede zuckte ein Lächeln um den Mund des HausHerrn, das indessen den Redefluß des Hauptmanns nicht zum Stillstand brachte. Ferner eine Köchin, die wirklich kochen kann, und ein Weinchen " ' Entzückt und mit Kennermiene that er einen langen Zug aus seinem Glase. Diese Pause benutzte Fink, um auch einmal zu Worte zu kommen. Eines haben Sie vergessen bei Ihrer Aufzählung der Vorzüge von Dobritzka," mahnte er mit einer Handbewegung nach einem der hohen Bogen hin, durch welche man in das Geäst einer mächtigen Linde blickte. Den wundervollen Park, auf dessen Rasenflächen der Mondschein Abends die Schatten dieser riesenhaften, uralten Bäume zaubert. Der Anblick ist mir lieber als alle sonstiaen Genüsse, die uns die Güte unseres Wirthes hier verschafft." Geschmacksache!" meinte der Hauptmann achselzuckend. Ich habe beispielsweise ein Vorurtheil gegen den Mondschein, seit" er fuhr sich mit einer bezeichnenden Geberde und einer gewissen schonenden Vorsicht über die künstlich vertheilten Haarsträhnen seines Denkerhauptes. Der Hausherr, Baron v. Alten, lachte herzlich. Viel Humor und neben aller Offenheit und Güte auch ein gut Theil der sogenannten Bauernschlauheit spiegelten seine blauen Augen wider, die er dem schwärmerischen Fink jetzt zugewendet hatte. Herr Leutnant, Sie werden doch nicht zu jenen Unglücklichen gehören, die sich einbilden, ihren Beruf verfehlt zu haben? Hätten lieber Maler oder Dichter. werden wollen, wie?" Das wäre für mich eine zu unpraktisch; Thätigkeit gewesen, abgesehen von der mangelnden Begabung," lautete die etwas schwermüthige Antwort des nicht gerade mit Glücksgütern gesegneten jungen Herrn, den die Natur zum Ersatz dafür durch seine hohe Gestalt, sein vornehmes, eiroaS blasses Gesicht mit den dunklen träumerischen Augen zu einer hervorragenden Erscheinung gestempelt hatte. Doch kann ich nicht leugnen, daß ich Ihren Beruf dem meiuen bedeutend vorziehen würde, Herr v. Alten." ' Dieser machte ein höchst erstauntes Gesicht. Den meinigen?" Ja, allerdings," fuhr der Leutnant fort. In keinem anderen Beruf sind Poesie und Prosa in so inniger Weise miteinander verbunden als in der Landwirthschaft. Wenn Sie um vier Uhr früh Ihr Pferd besteigen und in den aufdämnernden Morgen reiten " Erlauben Sie mal, um vier brauche ich durchaus nicht- schon aus den Federn zu kriechen. Wozu wäre denn der Inspektor da?" vertheidigte der SchloßHerr seinen angegriffenen Morgenschlaf. Und wenn ich um sechs meine Jnspektionsreise antrete, dann geschieht's zu Fuß und nicht in den .aufdämmernden Morgen sondern als erstes Ziel in den angenehm duftenden Schweinestall hinein. Der ist nämlich meine starke und Herrn Müllers schwache Seite. Wenn .Sie mich einmal dahin begleiten und auf die poetischen Seiten dieses AufentHalts aufmerksam machen wollten, würde ich Ihnen sehr verbunden sein. Das muß ich Ihnen aber vorher sagen: n das .Mädchen aus der Fremde' oder die .Jungfrau von Orleans' erinnert meine alte Schweinejagd Maruschka nur sehr entfernt."Die Herren lachten, und Fink erklärte, lieber auf das Programm derzichten zu wollen, da er sich seine Jllufiozn nicht gern zerstören lasse. . Run. was die Illusionen anbe

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ut o iicttc von & xi o c xx i c Sir sl!x o 55 langt," bemerkte Herr v. Aln, so wird man kaltblütiger mit den Jahren, und das Spiel mit Seifenblasen verliert mehr und mehr an Neiz. Eines aber leugne ich nicht: das Landleben hat seine sehr guten Seiten. Die Liebe zur eigenen Scholle, der Umgang mit der natürlichsten Natur, die uns hier wie nirgends entgegentritt, erhält Geist und Körper frisch und gesund." Mir aus der Seele gesprochen!" rief Fink mit Begeisterung. Steht doch schon in der Jibel oeschrieben: Da ließ Gott der Herr den oam aus dem Garten Eden, daß er das Feld bauete, davon er genommen ist." Nun, bester Kamerad, dann versäumen Sie ja nicht diese Pflicht!" mahnte der Hauptmann mit gutmüthiger Jronie. Nehmen Sie Ihren Abschied und kaufen Sie sich ein Rittergut. Bei der Anlegung eines soliden Weinkellers stehe ich Ihnen gern mit Rath und That zur Seite." Der Leutnant verneigte sich dankend. Tief gerührt, Herr Hauptmann. Vielleicht stellen Sie mir auch das Kapital zur Ausführung dieses reizenden Planes zur Verfügung?" Gemach, Ihr Herren." mischte sich Baron v. Alten, der mit Vergnügen der Unterhaltung gefolgt war, hier ein. Warten Sie lieber mit Ihren UnterHandlungen, bis Ihnen ein gütiges Geschick "einen Lotteriegewinn aber einen recht großen oder eine reiche Frau aber eine schwerreiche zukommen läßt. Alsdann kann man weiter über 'Ihre Pläne und Wünsche reden." Also billiger machen Sie's nicht, Herr Baron?" seufzte der Leutnant. Dann werde ich wohl dem gesegneten Stande der Agrarier niemals angehören. Denn in der Lotterie spiel ich grundsätzlich nicht, und sogenannte goldene Fesseln lasse ich mir um den schönsten Herrensitz der Welt nicht anlegen." Bravo!" Der Hauptmann schlug dem jüngeren Kameraden kräftig auf die Schulter. Nur sich nicht binden lassen, weder mit goldenen noch den sogenannten Nosenketten der Ehe. Mit der Zeit schneidet jede Fessel in's Fleisch." Der Hauptmann schüttelte sich dabei, als ob er sich überzeugen wollte, daß noch keine Ketten um ihn klirrten. Danach schwiegen die Herren eine Weite, und jeder spann wohl in seiner Weise an dem Jaden des geführten Gesprächs weiter. Ein Lächeln flog um den Mund des Hausherrn, als er endlich den Blick von dem kostbaren Damasttischtuch erhob, in dessen eingewebte Figuren die grübelnden Augen fast ein Loch gebohrt hatten.. Haben Sie schon einmal von vergrabenen Schätzen sprechen hören, meine Herren?" fragte er und sah von einem seiner Gäste zu dem anderen. O gewiß," lautete die etwas erstaunte Antwort Finks. Schon in meiner Kinderzeit und zwar mehr als meiner Mutter damals in Anbetracht ihres Gemüsegartens lieb war. Glaubte ich doch, daß unter den Petersilien. Mohrrüben und anderen nützlichen Gewüchsen auch die berühmte Springwurzel zu finden sein müßte. Mein Irrthum wurde mir allerdings in sehr handgreiflicher Weise klar gemacht, und ich habe seitdem eine begründete Abneigung, mich mit den Geheimnissen der Unterwelt zu befassen." Was Ihnen nach dieser schmerzlichen Erfahrung nicht zu verdenken ist," lachte der Hausherr. Da mich aber Ihre Vorliebe für die nothleidende Landwirthschaft gerührt hat, und ich Sie mit Freuden als Gutsnachbar begrüßen würde es sollen nämlich in der Nähe von Dobritzka ein paar famose Güter zum Verkauf stehen so will ich Ihnen ein Geheimniß verrathen,, wie Sie auch ohne Springwurzel zu verborgenen Schätzen kommen können." Ausrufe des Staunens und der Spannung ließen sich vernehmen. ' Jawohl,' meine Herren, und Sie werden mich vielleicht jetzt fragen, warum ich nicht schon selbst diese Schätze gehoben habe. 2lfV für's erste habe ich, wie Sie wohl sehen, für mich genug zum Leben, sogar noch ein kleiner Nothgroschen liegt da. für die Extraspäße, die sich die Landwirthschast bisweilen leistet. Und im Uebrigen schlafe ich lieber den Schlaf des Gerechten in . meinem Bette, als daß ich meine Nächte auf einem Geldsack kauernd verbringen möchte. Dies würde nämlich mein unabwendbares Loos sein, wenn ich im Vollbesitz der gefundenen Schütze bleiben wollte. Die lieben Polacken hier haben einen erstaunlichen Spürsinn für dergleichen und würden mich bald von allem sündhaften Ueberfluß befreit haben. Meinst Du nicht auch, Januschek?" Der Angeredete lächelte verlegen." Er war gerade im Begriffe gewesen, eine noch halb gfüllte Flasche Wein mit zunehmen und durch eine volle zu ersetzen. Als er sich von seinem Herrn beobachtet sah, hielt er wie prüfend den theuren Gegenstand geaen das Licht, um ihn alsdann mit emem Blick aus die noch nicht geleerten Gläser wieder in den Eiskübel zu versenken. .

Du kannst jetzt gehen." fügte der

Baron nach diesem kleinen Zwischenspiel zwischen Herrn und Diener hinzu. Aber schließe die Thür gut. Du weißt, Horcher an der Wand vertrage ich nicht." Recht mit Nachdruck wurde das gesagt. Denn Herr v. Alten kannte die Kniffe seines sonst vorzüglichen Dieners, was ihrer Freundschaft übrigens keinen Abbruch that. Erst als die Thür hörbar von außen in's Schloß geschnappt war. begann der Freiherr seine Erzählung. Es war im Jahre achtundvierzig, als es auch in dem polnischen Hexenbessel hier zu sieden begann. Unruhen da und dort, heimliche Versammlungen in den Städten und in den Dorfschenken. In Dobritzka saß damals ein ganz Fanatischer von der polnischen Sippe. Der verbürgte sia mit Gut und Blut für die Sache seines VclkeZ. Was er an. baarem Geld hatte, gab er hin für die heimliche Ausrüstung seiner Leute. Aber was da an Kostbarkeiten in Schloß und Keller herumstand: Leuchter, Pokale und so weiter, das konnte er in der Eile nicht alles umsetzen, weil er bald selbst in den Kampf gezogen wurde. Er soll gleich in einem der ersten Scharmützel mit den verhaßten Preußen gefallen sein. Mein Vater hat dann später das herrenlos gewordene Gut vom Staate erworben, und ein altes Weib, das noch unter dem verstorbenen Grafen im Schlosse gedient, hat ihm vor seinem Tode folgende Mordgeschichte anvertraut: Kurz vor seinem Auszuge hätte der.Graf alle Schätze seines Hauses in zwei mächtige Truhen gefüllt. Nächtlicherweile haben die Schloßbcwohner darauf 'in den Kellereien hier unten klopfen und lärmen gehört, und eine der Truhen ist verschwunden gewesen. Bald danach hat man auch die zweite im Schlafzimmer des Grasen nicht mehr gesehen. Das bewußte Weib aber hat nach ihrer Behauptung den Herrn mit seinem vertrauten Diener beobachtet, wie sie, natürlich zu mitternächtlicher Geisterstunde, mit der zweiten Truhe das Schloß verlassen und keuchend und stöhnend den Weg nach der großen Wiese hinter dem Park eingeschlagen haben. Von Neugierde getrieben, ist sie ihtfen nachgeschlichen und hat, hinter Haselgebüschen verborgen, dann auch das Weitere mit angesehen. Zunächst hat der Graf einen schauerlichen Fluch ausgestoßen über die Feinde und Unterdrücke? seines Volkes im Mlgemeinen, dann über den dereinstigcn glücklichen Finder im Besonderen,' der die Truhe sich unrechtmäßig aneignen sollte. Drei Löcher hat er dann in die Erde gebohrt und augenscheinlich Samenkörner hineinverj?nkt. Als aber danach die eigentliche Schatzgräber mit Hacke und Spaten ihren Anfang genommen, dahat ein böser Geist der Zeugin die Augen zugedrückt, wie sie meinem Vater schluchzend 'bekannte. Sie hatte schlafen müssen und erst wieder aufwachen dürfen, als die Truhe, der Graf und sein Diener verschwunden waren. Die vergrabenen Schätze hat noch Niemand zu heben gewagt. Auf der Wiese aber sind seitdem drei mächtige Blutbuchen gewachsen." Unseren besten Dank Herr Baron,' für die schauerlich , interessante' Geschichte und das uns geschenkte Vertrauen," sagte der Hauptmann, als Herr v. Alten geendigt hatte. Abgesehen von der angenehmen Aussicht, durch den polnischen Grafen den Hals umgedreht zu bekommen, wenn man seinen unterirdischen Geheimnissen nachspürt, müßte es ein ganz angenehmer Sport sein, hier ein wenig zu schätzgräbern. Käme, vielleicht noch ein bescheidener Finderlohn heraus dabei wie?" v Nun, meine Herren, ich habe, mir sagen lassen, ein Soldat fürchte nichts auf der Welt als seinen Vorgesetzten, wenn der schlecht geschlafen hat, und so werde ich mit meinem Vorschlage Hoffentlich Glück bei Ihnen haben. Benutzen Sie den heutigen Ruhetag zu eine? gründlichen Suche nach den verborgenen Truhen. Den. Weg zum Glück habe ich Ihnen gewiesen, und ich gebe Ihnen nun noch mein feierliches Versprechen: Alles, was Sie an Schätzen im Keller oder auf der Wiese finden sollten, das gehört Ihnen erb- und eigenthümlich. Nicht einen Putzlappen wlll ich davon haben." Es gilt!" riefen die Herren in fröhlichster Weinlaune und dadurch gesteigerter Unternehmungsgeist. Möge dieser Pakt Sie nie gereuen!" Ich wandere mit Vergnügen nach der bewußten Wiese," bemerkte Herr v.Fink. Und ich ziehe es vor, im Schatten zu fechten," meinte der Hauptmann zufrieden, und trete meine Forschungsreise durch die unterirdischen Gewölbe von Dobritzka an." Glückauf zum fröhlichen' Jagen!" rief der Hausherr. Mein braver und verschwiegener Januschek steht Ihnen mit allem Rüstzeug, dessen Sie zu ahrem Werk bedürfen sollten, gern zur erfügung." So trennten sie sich. Behaglich warf der Hausherr sich in feinen Lehnstuhl, sobald seine Gäste, fort waren, nahm Zeitung und Cigarre zur Hand und murmelte zufrieden vor sich hin: Na, das war eine Angst, bis ich heute zu meinem Lieblingsplätzchen und zu meiner Siesta kommen konnte. Der Mahrenholz hatte sich am liebsten, festgesoen. und den ganzen lanaen , Sonntaq ter gesessen, wenn mir nicht zu meiner ettung oas polnische Märchen emaefallen wäre Nette Leute übrigens. die beiden Marsjünger, besonders der

Fink! Wahrhastig, da geht er den Weg nach der Wiese. In Civil hat er

sich geworfen, aber den Spaten hat er natürlich . vergessen. Der Träumer wird nie zu Schätzen kommen, fürchte ich." Er folgte mit den Blicken noch eine Weile btm jungen Offizier, der langsam im Schatten der Bäume hinschritt, die Augen in das Blättergewirr über ihm erhoben. Ein gefährlich hübscher Junge." setzte der Baron sein Selbstgespräch fort, na, ich bin blos froh" Bei diesen Worten sah er sich scheu um und blies den Rest des Satzes in einer Rauchwolke von sich. Auf einmal lachte er laut auf, als dumpfe Schläge das Schloß durchtönten. Also der gute Mahrenholz ist auch schon bei der Arbeit! Hätte, es dem vbleamatischen Herrn aar nicht zuaetraut, daß er die Sache so schneidig in Angriff nehmen würde. Na, ich gönnte es Beiden von Herzen, wenn ihre Mühe belohnt würde." Mit ' diesem menschenfreundlichen Wunsche kam endlich auch die geliebte Zeitung und die feine Havanna zu ihrem Recht. Sie bildeten wie gewöhnlich den Uebergang zu einem sanften' Nachmittagsdusel. Durch den Park on Dobritzka zu wandern, ist für den Naturfreund ein Genuß. Zwar, wer zierlich gestutzte Sträucher, geschmackvolle Blumenbeete liebt, wird nur in der nächsten Umgebung des Schlosses Befriedigung für sein verwöhntes Auge finden. Weiterhin erinnern nur die vom Unkraut gesäuberten Kieswege noch an pflegende, fleißige Menschenhände. Was rechts und links von diesen Gängen wachsen und gedeihen will, hat volle Freiheit, und zu wahrhaft königlicher Schönheit haben sich die alten Baumriesen der Eichen, Tannen und Eschen hier entwickelt. Epheu schlingt sich um ihre Stämme, und zu ihren Füßen auf üppigem Moosgrund wuchern Farnkraut, Pilze und alle die anderen Kinder des Waldes in üppiger Fülle. Was aber dem Park von Dobritzka besonders den Charakter des Waldes verleiht, das sind die gefiederten Sänger, die ungestört in ihm ihre Heimstätte gefunden haben. Da hört man die Amsel, den Pirol,, sogar den Ruf des menschenscheuen Kuckucks. Der. junge Offizier bleibt oftmals stehen, sieht in die grüne Dämmerung ihm zur Seite und lauscht auf das Vogelkonzert. Man merkt es ihm an. er genießt mit allen Sinnen den Zauber der, -.Natur und hat es gar nicht eilig, den ihm angepriesenen Schatz zu heben. Endlich ist er aber doch an das Gitter gelangt, das den Park vor unberufenen Besuchern schützen soll. Da ist auch eine kleine Thür,, die wohl im Herbst manches arme Weiblein durchschlüpfen läßt, wenn es seinen Bedarf an dürrem Holz und Laubstreu vom Gutsherrn ohiie viel Dank sich entlehnen will. Fink schreitet durch die Pforte und sieht alsbald auf der großen Wiese vor sich die geheimnißvollen drei Buchen sieben, deren dunkles. Laub sich reizvoll abyebt von dem schon herbstlichen Gelb des Buschwerks in ihrer Umgebung. i.Aber noch etwas sieht er, und seine dunklen Augen starren nach der Baumgruppe, als ob dort schon alle Schätze des polnischen, Grafen für ihn ausgebreitet lägen. Wie das Gold in der Sonne funkelt! ' Aber dies Gold, scheint eher vom Himmel als aus der Erde zu kommen und dürfte von unverkäuflichem Werthe sein. Der jugendlich schlanken Gestalt gehört es, die sich an eine der Buchen dort lehnt, und, deren blonder Haarknoten in der Sonne leuchtet. Lange steht der junge Mann wie gebannt. Endlich wendet das lebende Bild den Kopf, und er sieht in ein blühendes, vornehm geschnittenes Gesicht, mit einem etwas hochmüthigen Zug um den kleinen, rothen Mund. Blaue Augen blicken ihn mehr trotzig fragend, als erschrocken .an, und dieser Blick führt ihn vollends in die Wirklichkeit zurück. Mit raschen Schritten nähert er sich der lieblichen Erscheinung und spricht mit tiefer Verbeugung: Wenn zwei Menschenkinder auf einsamem WtV'.fr plan sich begegnen, ist eine Ansprach? wohl erlaubt. Ich mag zwar einera Räuberhauptmann nicht unähnlich sehen" etwas befangen sieht er an dem Civilanzug herunter, den er nach der Trennung von seinem Gastgeber- noch schleunigst zu seiner Schatzgräbern angelegt hatte doch fürchten Sie nichts, ich gebe Ihnen mein Wort darauf, daß meine Gesinnung eine durchaus friedfertige ist." Mit Spannung erwartete Fink den Erfolg feiner Rede. Keck und frisch sprangen der jungen Dame die Worte von den Lippen: Nun, wie ein Räuberhauptmann sehen Sie gerade nicht au. Ich fürchte mich überhaupt niemals, auch wenn ich nicht Tantes Kammerkätzchen, die dumme Pute, hinter mir habe." Spöttisch und geärgert zugleich klang die letzte ' Bemerkung und so drollig offenherzig dabei einem. Fremden gegenüber, daß dieser sich ermuthigt fühlte, die Unterhaltung fortzuspinnen. Ich würde aber doch diesen einsamen Wegen und dem polnischen Arbeitervolk ' nicht allzuviel Vertrauen schenken," sagte er mahnend, man kann nicht wissen" O, meist nehme ich Lord und Cäsar auf meinen Streifzügen mit. da wagt sich kein Mensch in meine Nähe," fiel sie lebhaft ein.

,Auch dtesen' gewiß respektabel bis

sigen Wächtern würde ich nicht unbedingt vertrauen. Mich, zum Beispiel, dürfte ihre Gegenwart wenig stören, ich hielte sie im Bann durch" er stockte bedeutungsvoll Nun?" fragte die Dame gespannt. Du?ch meinen Blick." ' Kühn und tief versenkte Herr v. Fink zur Bekräftigung seiner Worte die dunklen Augen in die blauen des Mädchens, das ihnen wacker standhielt, nur daß die frische Nöthe der Gesundheit auf den Wangen sich ein wenig vertiefte in dieser Prüfung. Plötzlich aber, wie um gewaltsam den Bann von sich zu schütteln und mit beiden Füßen in die Wirklichkeit zurückzuspringen, fuhr sie -fast heftig heraus: Nicht wahr, hier ist's schön? Ich hasse die Stadt. Wie ein Vogel im Käfig komme ich mir vor in den kleinen niedrigen Zimmern. Und erst die Kafes dort, in denen man fchlechtenBäcker, kuchen ißt und über -Menschen det, die mich weniger interessiren wie bei kleinste Hütejunge unseres Dorfes!" Warum bleiben Sie denn in der Stadt, wenn. Ihnen das Leben dort so zuwider ist?" erkundiate sich Fink. Weil ich muß," klang die Antwort. Wegen ein paar dummer Jungen von Leutnants, die uns, mir nichts Dir nichts, auf den Hals geschickt worden sind." Erlauben Sie mal das ist ja eine merkwürdige Geschichte!" schob, Fink, höchst verblüfft von dieser Wendung, dazwischen. , Ja, eigentlich ist Väterchen an allem schuld," fuhr das erzürnte Fräulein fort. Er dachte nämlich, die Herren könnten mir sozusagen den Hof machen, und daö und ich " Mit einem scheuen Blick auf den jungen Mann verwirrte sie sich plötzlich und stockte. Dieser hatte sich inzwischen gefaßt, ein schalkhaftes Lächeln 'Umspielte seine Lippen. Und Sie?" Nun, ich hätte mit den Herren Tennis gespielt, und im , Uebrigen wären sie mir ganz schnuppe gewesen," vollendete sie tapfer. Das heißt, die Mohren konnten gehen, nachdem sie ihre Schuldigkeit gethan hatten," bemerkte Fink. Und weil ihn die Worte der jungen Dame verdrossen hatten, schleuderte er ihr nun kühn den Fehdehandschuh vor die kleinen Füße: Ich muß gestehen, daß ich mit der weisen Maßregel Ihres Herrn Vaters ganz einverstanden bin. Die bewußten Leutnants sind jedenfalls dienstlich genugsam in Anspruch genommen und thun wohl daran, ihre Zeit nicht mit Spielen zu vertändeln." Das Gesicht des Fräuleins verfinsterte sich bei seinen Worten, und die Wangen färbten sich dunkelroth vor Erregung. Nun, dann ist's ja gut, daß ich die Herren nicht in Versuchung geführt habe ich kann sie jedenfalls entbehren. Aber daß ich ihretwegen solange, aus meinem sieben, schönen Dobritzka heraus muß und zu der alten Tante verbannt bin, werde ich ihnen niemals verzeihen." In Dobritzka sind Sie zu Haus?" fragte der junge Mann, seinen Aerg-r vergessend. Ja, gibt es denn noch einen Herrensitz hier, wenn ich fragen darf?" Weshalb? Es genügt doch wohl der eine!" bekam er die etwas hochmüthige Antwort. Aber hier lebt doch nur ein Herr v. Alten?" Und ich bin, wenn Sie gestatten, seine Tochter." Stolz und frei stand das schöne Mädchen vor ihrem ganz zu Stein erstarrten. Partner, der .durchaus nicht wußte, wie er das Gehörte sich zurechtlegen sollte. Warum hatte Herr v. Alten dieser Tochter nie erwähnt? Zufällig oder absichtlich? Er hatte sie ja doch in Sicherheit gebracht vor den ungebetenen Gästen, eine weise Maßregel wahrlich, denn ungefährlich wäre das Zusammensein mit diesem süßen, trotzigen Kinde in der That nicht gewesen. - Sehr energisch wurde dieser Ged'ankengang plötzlich abgebrochen durch die Frage: Jetzt möchte 'ich aber auch wissen, wer Sie sind, und was Sie auf meines Vaters Wiese geführt hat." (Schluß folgt) Vor. S0 Jabren. Daß das Telegraphiren vor 50 Iahren in Deutschland sehr theuer und umständlich war, lehrt ein Aufsatz de$ Geheimen Rechnungsrathes Nobels im Archiv für Post und Telegraphie. Danach kostete in den 50er Jahren ein Telegramm von 20 Worten von Berlin nach Aachen 5 Thaler und 6 Silbergroschen und ein solches von Berlin nach Hamburg 2 Thaler 3 Silbergroschen. Heute zahlt man für derartige Depeschen nur 1 Mark. Damals machte das Publikum daher von dieser Einrichtung auch nur in besonders dringenden Fällen Gebrauch. Das Wesen der Telegraphie war noch zu neu, und der Vortheil, den ihre Benutzung dem Ges chäftsmann wie dem Privaten gewährte, wurde erst nach und nach allgemeiner erkannt. Für das erste Bedürfniß genügten damals denn auch vier Linien, die von Berlin aus den ganzen preußischen Staat in vier, die ' wichtigsten Städte berührenden Rjchtungen durchschnitten: Berlin-Aacben, Berlin-Ham-bürg, Berlin-Stettin und BerlinFrankfurt a. M. Das weibliche Geschlecht überwiegt hinsichtlich , der Zahl seiner Angehörigen in Holland das männliche nur um ein Prozent.

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Aaserncnltokblntlxen. Leutnant (als in einer Exer zierpause ein Soldat seinem Nachbar etwas leise in's Ohr flüstert): Müller, ich verbitte mir hier in Reih' und Glied jegliche Geheimöündelei!" Sie Unglücksmensch, was sind S'e in Civil?" Thiermaler." So! Da könnten S'e 'mal ein Bild malen: .Feldwebel im Kampf mit Rhinozeios.'" Lehmann, Sie passen zum Soldaten, wie ein Kaffeekränzchen zum Sinnbild der Schweigsamkeit!" , O - . . ' Wählerisch. Frau: Ich habe da noch einen alten Rock von meine n Seligen; wenn Sie den hab.n wo--len..." Bettler: Hm, ist Ihr Mann denn immer 'n bischen modern gegangen?" Gedankensplitter. (58 kann über manche Tinge deshalb kein Gras wachsen, weil zu lange darauf herumgetreten wird. Cr werden mehr Opfer auS Furcht, als auZ Liebe gebracht. Mit der k?he wird sft such die Liebe geschlössen. - Man redet sich selbst viele? ein, waS man keinem anderen glauben ürde. Sage mir, mit wem umgebft, und ich sage Dir, was Tu sein möchtest.