Indiana Tribüne, Volume 28, Number 155, Indianapolis, Marion County, 22 February 1905 — Page 5
XI
Indiens Tribune, SQ Februar 1003.
Noland von V.rgen.
Humoreske von M.' E. Braddon. Die bemertenswertheste Eigenthumlichkeit im Wesen des Rittmeisters! Roland von Bergen war erne gewisse Gemächlichkeit, eine fast unerschütterliche Gemüthsruhe. Mahnbriefe von Schneidern und Geschäftsleuten, Klageandrohungen, 'Diebstähle, bei welchen er seinen Diener ertappte, VerWeigerung von Geldzuschüssen seitens seiner Verwandten und dergleichen Unannehmlichkeiten mehr, die jeden seiner Freunde in die heftigste Wuth versetzt haben würden, regten ihn in keiner Weise auf. Rittmeister von Bergen war ein stattlicher, schöner Mann von' gewinnenden Manieren und ungewöhnlicher Liebenswürdigkeit. Von frühester Jugend an waren Schulden und Verlegenheiten der normale Zustand Rolands von Bergen, doch verursachte ihm dies nie Kummer. Er hatte die Gewohnheit, die Dinge so lange gehen zu lassen, bis sie kaum mehr zu übersehen waren, dann aber packte er alle eingelaufenen Rechnungen, Klagezustellungen und ähnliche Papiere zusammen und schicktt sie seiner Schwester, der verwittweten Gräsin von Waldberg, es ihr anheimgebend, nach Belieben zu erledigen, was zu erledigen war. Gräfin Laura von Waldberg hatte ihres Bruders Schulden so oft bezahlt, daß es gewissermaßen zur Regel geworden war. Er dankte ihr dafür, wie für etwas ganz Selbstverständliches. Ws sollte sie auch mit ihrem Geld anfangen meinte er, wenn jemand ihre Freigebigkeit rühmte, sie ist so ungeheuer reich." Doch selbst die Langmuth der Gräsin hatte ihre Grenzen, und die immer wiederkehrenden Verlegenheiten ihres Bruders begannen ihr überdrüssig zu werden. . Fs ist immer dieselbe Geschichte", stellte sie ihm vor. Ich will nichts von Deinen Schneider-und Schuhmacherrechnungen sagen, aber Ringe, Brillanten sind doch nicht Dinge, die sich abnützen." Rein, liebste Laura, aber man verliert oder schenkt sie weg." Die Gräfin zuckte ungeduldig die Achseln. Sie ging im Wohnzimmer ihrer Villa in der Berliner Thiergartenstraße auf und ab, während der Rittmeister sich behaglich in einem Sessel zurücklehnte und mit träger Gelassenheit seine Schwester beobachtete. ' Ich habe mit Deiner unsinnigen Verschwendung keine Nachsicht mehr", rief sie. Wenn Du Dir nur die geringste Mühe geben wolltest. Deine Angelegenheiten zu ordnen, würde ich nichts sagen, aber Du bürdest mir eine Wust von Rechnungen auf und erwartest, daß ich sie bezahle. Ich glaube, Du weißt nicht einmal, wieviel Du schuldig bist." Ich muß Dir gestehen, daß ich auch nicht einen annähernden Begriff habe, wie groß die Summe ist. Für Dich ist sie jedenfalls eine Kleinigkeit. Weshalb überträgst Du die Sache nicht Deinem Verwalter?" Das ist nicht meine Art, geschäftliche Dinge so zu erledigen." Unglücklicherweise nicht, Du bist so schrecklich gewissenhaft." Wärest Du es nur ein wenig mehr, so hätte ich noch Hoffnung für Dich. Wenn Du nur daran dächtest, zu spa, ren " Zu sparen bei den Garde - Küras siren! Nicht möglich. So lange ich bei meinem Regiment bleibe, ist es damit nichts." Dann solltest Du nicht zögern, den Abschied zu nehmen." Ist das Dein Ernst, Laura?" murmelte, der Rittmeister nachdenklich. Die Sache verdient unter allen Umständen in Erwägung gezogen zu werden." Was", rief die Gräfin, Du wirst doch nicht so wahnsinnig sein, den Dienst aufzugeben?" Weshalb ' nicht?' Hast Du mir nicht eben gerathen, es zu thun? Ich könnte dann bei Dir wohnen und meine Ausgaben würden sich dadurch bedeutend verringern. Du wirst einem so harmlosen Menschen, wie ich bin, ein Obdach nicht verweigern. Ich würde mich Dir auf. Deinen Gütern sehr nützlich machen. Oder, wie wäre es, wenn ich Elvira Garing hei--rathete!" Die "Garing!" wiederholte die Gräfin im Tone tiefster Verachtung. Es paßt Dir wohl nicht, eine Brauerstochter zur Schwägerin zu haben? Auf mein Wort, ich könnte etwas weit Schlimmeres thun. Sie ist ein sehr schönes und gutes Mädchen und bekommt eine Mitgift von einer halben Million oder darüber. Ich glaube bestimmt, sie würde mich nehmen und sehe nicht ein, was Du gegen die junge Dame hast." Wenn Du mich in den Augen von ganz Waldberg herabwürdigen willst, Heirathe sie. aber sobald es geschehen ist, sind wir geschiedene Leute." Das wäre eine unverzeihliche Härte. Soll ich mich Deinem Vorurtheil beugen, dann darfst Du Dich natürlich auch nicht weigern, meine Schulden zu bezahlen." Ich weigere mich wohl, sie je wieder zu bezahlen, doch bin ich bereit. Dir einen jährlichen Zuschuß v;n viertausend Mark zu bewilligen.
Kommst Du auch damit nicht aus, so mußt Du Dich nach anderer Hilfe umsehen." . ' , So wird mir nichts übrig bleiben, als Elvira Garing zu heirathen." . Thue es auf-Deine Gefahr hin." Die Gräfin von Waldberg war in erster Ehe mit einem unermeßlich reichen Schiffsreeder verheirathet gewefen, in zweiter mit dem Grafen Werner von Waldberg. Sie besaß große Güter am Rhein und in Pommern, Kohlenbergwerke in Schlesien'und eine entzückende Villa in Berlin. Laura von Waldberg gelobte sich feierlich, die Schulden ihres leichtfertigen Bruders nie wieder zu bezahlen. Es würde ein Unrecht gegen ihre Tochter sein, die Dinge in der bisherigen Weise fortgehen zu lassen. Er sollte sich mit dem Zuschuß von viertausend Mark begnügen. Seine sämmtlichen Schulden waren für den Augenblick bezahl. Mehr hätte er nicht von ihr zu erwarten. Es war Hochsommer, und Park und Garten des herrlichen Landsitzes der Gräfin Waldberg prangten in üppigem Blüthenschmuck. Im Schloß standen' stets drei Zimmer für den Rittmeister bereit, doch die Pflichten seines Dienstes hatten ihm niemals gestattet, einen längeren Aufenthalt auf dem Lande zu nehmen. Die Gräfin und ihre Tochter durchwanderten die heimischen Gartenaulagen mit wahrem' Entzücken Ich glaube die Blumen und das Obst waren nie so wundervoll wie in diesem Jahre, Mama", rief sie. Aufblickend sah sie zu ihrem namenlosen Erstaunen den -Onkel mit einer Miene auf sie zukommen, als ob er von einem kurzen Spaziergang zurückkehrte. Roland", rief die Gräfin aufs äußerste überrascht, was . bringt Dich hierher?" Der Schnellzug. Wie geht es Dir, Laura? Was für ein reizendes Mädcöen Du geworden bist, Stella!" , - In einen der Korbsessel niedersinkend, die um den Bau standen, streckte er sich mit Behagen aus. Ich möchte Dich bitten, Laura", fuhr er fort, mein Gepäck vom BahnHof abholen zu lassen. Den kurzen Weg von dort habe ich zu Fuß zurückgelegt. Der Diener muß einen Wagen mitnehmen, denn es handelt sich um mehrere große Koffer." ' Du gedenkst also, wie es ' scheint, mich mit einem langen Besuch zu beehren", sagte die Gräfin. So ist es." Hast Du Urlaub erhalten?" , Das war nicht' nöthig, ich habe meinen Abschied genommen." Deinen Abschied genommen?" wiederholte die Gräfin erschrocken. '. Jaliebste Laura, ich befolgte Deinen Rath. ' Wenn Du Dein Regiment zu kostspielig findest, sagtest Du mit jenem praktischen Sinn. der. Dich stets auszeichnete, solltest Du Deinen Abschied nehmen. Ich fand das Regiment in der That zu kostspielig, seit Du geschworen hattest, meine Schulden nie wieder zu bezahlen." Deine Schulden! Warst Du wieder in Schulden?" Ach. das war nur eine Verlockung, mehr auszugeben." Was soll nun werden?" seufzte die Gräfin. Das ist eine Frage, die hinausgeschoben werden kann. Ich habe keine Eile, mich in den Kampf ums Dasein zu stürzen.' Einstweilen kann ich bei Euch leben, vorausgesetzt, daß Du nichts dagegen einzuwenden hast." Natürlich nicht. Du kannst hier wohnen, so lange es Dir beliebt, aber in Deinem Alter muß ein Mann doch etwas thun. Unmöglich kannst Du Dein Leben hier verdämmern." Einstweilen aber ließ Roland von Bergen sich in dem gräflichen Schloß häuslich nieder. Der Rittmeister war ein volles Jahr in Schloß Waldberg gewesen, hatte aber noch keinen Versuch gemacht, ein neues Leben zu beginnen. Wenn seine Schwester sich nach seinen Zukunstsplänen erkundigte erwiderte er, daß er hier und da Umschau halte. Wie wäre es, wenn Du als Gesch'aftsmann Deinen Lebensunterhalt zu gewinnen versuchtest?" ermähnte sie ihn. . Kein schlechter Gedanke. Ich könnte in Kohlen reisen, dazu gehört kein besonderes Genie." Du bist unverbesserlich, Roland!" Wenn Du mich nicht - länger bei Dir behalten willst, erlaube mir die schöne Elvira zu heirathen." - Heirathe sie, aber dann haben wir beide nichts mehr miteinander zu schaffen." In diesem Falle würde Elvira mir sicher einen Korb geben. Ein Mädchen mit einer Million Mitgift hat nicht nöthig, sich von der Familie desBräutigams über die Achsel ansehen-zu lassen." Elvira Garing war in der That ein schönes Mädchen mit offenen Augen und ungekünsteltem einnehmenden Wesen. Sie hatte das Herz des Rittmeistes ahnungslos imSturm erobert. Sehr gut erzogen, stand sie in Haltung und Manieren, der vornehmsten Dame nicht nach. ' Roland von Bergen hatte sie öfters auf Bällen getroffen, mit ihr 'getanzt und. die Bekanntschaft des alten a
ring gemacht und war von ihm einge
laden worden. Die Garings bewohnten eine schoßähnliche Villa außerhalb der Stadt. Rittmeister von Bergen war ein hau figer Gast. Er war dem braven Mann aufrichtig zugethan. Ich wollte, ich wäre reich", sagte er sich manchmal, ich werde geldgierig erscheinen, wenn ich Elvira um ihre Hand bitte." Er zögerte und zögerte damit, doch endlich, er wußte kaum, wie es geschah, brachte er seinen Antrag hervor. Elvira gestand ihm, daß er ihr nicht gleichgültig sei, doch fürchte sie, ihr Vater werde nichts von einer Verlobung hören wollen; außer " Außer?" Außer wenn die Frau Gräfin von Waldberg ihren Einfluß bei ihm geltend machte. Papa hat eine so hohe Meinung von ihr, daß er alles thun würde, was sie von ihm verlangt." Roland von Bergen war verblüfft, aber nur für einen Augenblick. Laura soll meine Fürsprecherin sein," rief er entschlossen, obwohl er seiner Sache keineswegs gewiß war. ..Darf ich es Papa sagen?" stammelte Elvira. Ja, es ist das beste, offen zu Werke zu gehen. Sprich Du mit Papa, ich werde meiner Schwester meine Bitte vortragen." Er war nicht sehr hoffnungsfreudig, doch tröstete er sich damit, seine Schwester werde nicht so grausam sein, sich zwischen ihn und eine Million zu stellen. Leider fand er die Gräfin unzugänglicher als je. Der Gedanke an die Verbindung war ihr unerträglich. Ich soll meinen Einfluß aufbieten, um eine solche Heirath zu fördern" rief sie, soll zu diesem Bierbrauer gehen, ihn für Dich um die Hand seiner Tochter zu bitten! Du mußt von Sinnen sein, mir so etwas . zuzümuthen. Roland." Nimmermehr!" wies die Gräfin ihren Bruder zurück. ' - Zwei Tage später wurde der Rittmeiste? wieder zu Garings eingeladen. Nach aufgehobener Tafel forderte der Hausherr seinen Gast auf, ihm in sein Privatzimmer zu folgen. Meine Tochter hat mir von einer Unterredung zwischen Ihnen und ihr Mittheilung gemacht", ' begann Garing. Ich möchte zunächst wissen, ob es Ihnen mit Ihrem Antrag ernst ist?" " 7 Mein heiligster Ernst." Und ist es nicht bloß ihr Geld, das Sie erstreben? Lieben Sie meine Elvira um ihrer selbst willen?" Ich liebe sie innic, daß ich sie auf der Stelle heirathen würde, auch wenn sie keinen Pfennig hätte." Das alles ist sehr schön, aber es interessirt mich selbstverständlich, zu erfahren, wie Sie. für meine' Tochter zu sorgen beabsichtigen, wenn sie kein Vermögen besäße. Sie wird genug bekommen, um anständig leben zu können, und es liegt mir nichts .daran. daß sie einen reichen Mann heirathet. Nur ist die Frage,- hat Ihre Frau Schwester Kenntniß von der Sache?" Ja." ".Und billigt sie Ihre Bewerbung?" Sie wird kaum umhin können, ihr zuzustimmen." Diese Zusicherung ist mir, nicht entschieden genug. Ich lasse meine Tochter nicht in eine Familie heirathen, die aus sie herabsieht. Wenn Sie Elvira zu gewinnen wünschen, muß die Frau Gräfin, von Waldberg sich zu mir bemühen und mir kurz und bündig erklären: sie sei mit Jhrem meiner Tochter gemachten Antrag einverstanden und werde ihr eine Schwester sein. Und jetzt sagen Sie mir, wie groß das Einkommen ist, mit dem Sie Ihren Hausstand gründen wollen?" Der Rittmeister mußte bekennen, sein ganzer Reichthum bestehe aus der ihm von seiner Schwester ausgesetzten Rente. Der Brauer konnte ein Lachen nicht unterdrücken. Das ist wenig", sagte er. Bestimmen Sie die Frau Gräfin, Ihnen jährlich das Doppelte zu bewilligen, zu mir zu kommen und die Sache mit mir zu besprechen, und Elvira wird Ihre Frau und bringt Inen eine Mitgift von einer Million zu." In trübe Gedanken versunken, ging der Rittmeister nach Hause, wußte er doch, daß er eine sehr schwierige Aufgäbe vor sich habe. Am nächsten Morgen suchte er seine Schwester auf, um ihr seine Bitte vorzutragen. Alle seine Beredsamkeit war umsonst. Die Gräfin beharrte auf ihrer Weigerung. Wenn er sich zu einer standesgemäßen- Heirath entschließe, habe .sie nichts, dagegen, seine Jahresrente zu verdoppeln, aber, Elvira Garing bei sich zu empfangen, lehnte sie ab. Der Rittmeister hörte sie mit seiner gewohnten Ruhe an. Ist das Dein letztes Wort?" rief er endlich, als . er sie mit,aller erdenklichen Gründen vergebens zu überzeugen versucht, hatte. Ja, mein letztes." Dann' muß ich Dir Lebewohl sagen. Ich werde Nachmittags das Schloß verlassen." Das ist nicht .nöthig, lieber Roland. Es kann - Dich nicht überraschen, daß ich in der Garingschen
Angelegenheit unbeugsam bleibe, im übrigens hat sich meine schwesterliche Zuneigung zu Dir, in nichts geändert." .Du .hast mich oft wegen meines Mangels an Energie getadelt. Ich sänge an zu begreifen, daß Deine Vorwürfe berechtigt waren, und habe mich entschlossen, etwas zu unternehmen, womit ich mir mein Brot verdienen kann." t Und für welchen Beruf hast Du Dich entschieden?" Du sollst alles erfahren, wenn der Erfolg mich erst einigermaßen begünstigt hat." . Es wäre mir lieber, wenn Du mir gleich Vertrauen schenktest, doch alles ist besser, als wenn Du Fräulein Garing heirathest." Ich dedaure, daß Du ein solches Vorurtheil gegen sie hast. Du erlaubst doch, daß ich mein Gepäck hier zurücklasse, Laura?" Natürlich. Deine Zimmer stehen Dir nach wie vor zur Verfügung." Der Rittmeister nahm nur einen kleinen Koff und eine Reisetasche mit '.sich. Der Abschied von feiner Schwester und seiner Nichte war ein sehr herzliche, Stella vergoß heiße Thränen. Vinzehn Tage hörte die Gräfin nichts von ihrem Bruder. In der Tiefe ihres Herzens war ste froh, daß er abgereist war. Während diefer ganzen Zeit hatte sie eines UnWohlseins wegens das Zimmer hüten müssen. Endlich erlaubte ihr der Arzt eine Spazierfahrt. Sie befahl dem Kutscher nach der Stadt zu fahren. Auf dem Marktplatz angekommen, entdeckte Stella etwas Befremdliches. Sieh, Mama", rief sie überrascht, .dort ist ein neuer Schlächterladen!" Aus einem Schild über dem mit allerlei Fleischwaaren angefüllten Schaufenster prangte ein blaues Schild, auf dem in großen Buchstaben der Name: Roland von Bergen" zu lesen war. Ja, es war keine Täuschung. Roland von Bergen, Schweineschlächter", hob ! sich m weißer Schrift von dem dunklen Grunde ab. Die Gräfin sprang entsetzt aus dem Wagen und schritt geraden Weges in den , Laden, wo sie.-ihren Bruder erblickte, eine saubere weiße Schürze vorgebunden,' hinter dem Ladentisch seine Kunden bedienend, ein Bild der Zufriedtnheit und Behaglichkeit. . Darf, ich fragen, was dieser Unsinn zu bedeuten hat?" rief die Gräsin von. Waldberg mit zornbebender Stimme. ' . Gewiß, liebste Laura, ich bitte, überzeuge Dich, daß ich. Deinem Rathe' folgend, einen Beruf ergriff, der mir! auskömmlichen Unterhalt sichert. Dieser Laden war zu vermiethen, und die Leute' hie? herum klagten, daß es an einem ordentlichen Fleischergeschäfi fehle. Vorige Woche eröffnete ich es. und es geht ausgezeichnet. Sieh her. diese .kleinen Würste werde ich reißend loS." .' .Soll das ein Scherz sein. Roland? So 'laß' mich Dir sagen, daß es ein höchst unpassender ist."' .. Wo denkst Du hin. Laura? Ich war einfach von der Nothwendigkeit durchdrungen, '.mir eine Existenz zu gründen. Elvira Garing zu heirathen. wolltest Du nicht zugeben, so wendete ich mich dem sehr einträglichen Fleischergewerbe zu." Ich will Dir Zährlich achttausend Mark aussetzen, wenn Du dieses erniedrigende Treiben aufgibst." Dein Anerbieten ist sehr großmüthig, aber ich ziehe es vor, mich auf eigene Thätigkeit zu stützen." Die Gräfin von Waldberg suchte ihn mit guten und mit scharfen Worten zur Nachgiebigkeit zu bewegen, alles umsonst, der Rittmeister blieb unerschütterlich. und unverrichteter Dinge kehrte sie ins Schloß zurück. Eine Woche lang unternahm sie nichts, aber Tag und Nacht wurde sie von dem Bilde ihres Bruders verfolgt, wie er hinter dem Ladentisch stehend, seine Waaren verkaufte, in Hemdärmeln und weißer Schürze Fleisch ausschnitt und dankbar lächelnd das dafür empfangene Geld einstrich. Nachdem sie das eine Woche lang erduldet hatte, schien es ihr unerträglich. : Der Sache mußte ein Ende gemacht werden. Sie fuhr nach der Stadt und betrat zum zweiten Male den Schlächterladen. - Wieder stand ihr Bruder in Hemdärmeln und fleckenloser Schürze hinter dem Verkaufstisch. Mit flammender Beredsamkeit stellte sie ihm vor, was er ihrem und sei-, nem Namen schuldig sei. Sie machte sich anheischig, ihm zehn-, zwölf- sogar fünfzehntausend Mark jährlich auszusetzen, wenn er dieses plebejische Gewerbe aufgebe. Roland von Bergen zuckte die Achseln. . Komm' in Begleitung Evira Garings hierher und bestimme sie, mich zu bitten, daß ich mein blühendes Geschäft aufgebe. Niemand kann mich dazu bringen, meinem neuen Beruf zu entsagen." . Welche Zumuthung! Nach all' dem, was Du mir schon angethan hast?" rief die Gräfin außer sich. Entweder Du erscheinst mit Elvira als Deiner Verbündeten bei mir,'oder ich .harre bei meinem Gewerbe aus. Ich sehe wirklich nicht ein, weshalb ich Dir Schande machen sollte. In
Jahr und Tag werde ich dabei zu Vermögen kommen." , Die Gräfin war besiegt. Es war eine bittere Demüthigung, als Bittende bei den Brauersleuten vorzusprechen, aber immer noch besser als dieses öffentliche Aergerniß. Eine halbe Stunde später saß sie in dem prunkvoll eingerichteten Besuchszimmer des Garingschen Landhauses dem alten Ehepaar gegenüber. . Sie konnte sehr liebenswürdig sein, wenn sie wollte, und der Brauer und seine Frau waren schon nach wenigen Minuten von ihrem Zauber umgarnt. Mit berückender Aufrichtigkeit sprach sie von ihrem Vorurtheil gegen den Handwerker- und Kaufmannsstand und von den verwerflichen Mitteln,die ihr Bruder angewendet hatte, es zu bekämpfen. Wir müssen dahin wirken, daß er diese Thorheit aufgibt, Herr Garing", sagte sie. Ich weiß jetzt, daß niemand so großen Einfluß auf ihn hat, wie Ihre reizende Torbter. Ihr wird es eicht gelingen, ihn zum Verzicht auflas Fleischergeschäft zu überreden, und wenn sie heirathen, will ich ihnen gern jährlich zehntausend Mark aussetzen." ...... Und Sie werden meine Elvira als ein Mitglied Ihrer Familie empfangen. Frau Gräfin?" Wenn mein Bruder Ihre Tochter mit meiner Zustimmung heirathet, werde ich sie auch lls Schwägerin behandeln." Dann sind wir einig, Frau Gräsin. Elviras Herz gehört dem Herrn Rittmeister, und sie soll die Seinige werden. Sie hat über sein Unternehmen wie von einer ruhmvollen Heldenthat gesprochen." " .4 Elvira wurde gerufen, und die Gräfin war von ihrer Schönheit und ihrem Wesen entzückt. Sie mußte zu ihr in den Wagen steigen, und beide fuhren nach dem Fleischerladen zurück, wo sich zwischen ihnen und Roland von Bergen eine kurze, aber sehr lebhafte Scene abspielte. " '' Der Laden wurde geschlossen, und das Schild mit dem Namen des RittMeisters verschwand. Sechs Wochen später feierten Elvira und Roland ihre Hochzeit. Das junge Paar nahm seinen Wohnsitz in Berlin und lebte dort glücklich und vergnügt. In Waldberg war man allgemein der Ansicht, Rittmeister von Bergen habe seine Rolle als Inhaber eines. Fleischerwaarengeschäfts infolge einer von ihm glänzend gewonnenen Wette über-nommen.
Den Freudender Hochzeit dürften kaum jemals die Enttäuschungen schneller gefolgt sein als bei jenem englischen jungen Ehepaare, das dieser Tage über den Kanal kam, um in der Seinestadt fröhliche FlitterWochen, zu verleben. Er war ein Rechtsanwalt aus Schottland, sie ine reiche Wittwe, die gewohnt war, aus Händen getragen zu werden. Das Schiff, das sie an die franz'ösischeKüste bringen sollte, war kaum in See gegangen, als die neu vermählte junge Frau ihren sich in schönen Zukunftsträumen ergehenden Gatten zur Rede stellte, warum er für sie keine Kabine babe reservircn lassen. Er erwiderte zwar, daß es sich ja nur um .eine Fahrt von drei Stunden handle; aber sie fand es dennoch unverzeihlich und versicherte, daß ihr erster Gatte galanter gewesen sei und es sicher gethan haben würde. Als der erstaunte Ehemann hierauf zu bemerken wagte, daß der erste Tag der Hochzeitsreise ihm für derartige' Vergleiche nicht der beste Zeitpunkt zu sein scheine, war es mit der Freundschaft zu Ende; die beleidigte Dame sprach von nun ab kein Wort mehr. Etwas niedergedrückt kam man in Paris an. Der Gatte ließ im Hotel seiner Frau zunächst einige Zeit, um sich von der Reise auszuruhen; dann versuchte er gütlich auf sie einzuwirken. Der Erfolg aber war, daß sie seine Effekten und Reisetaschen an sich nahm und durch's Fen. ster auf die Straße warf, um sich schließlich auf Nimmer - Wiederfehen in ihr Zimmer einzuschließen. Der Gatte verlor keine Minute seine Seelenruhe; er telegraphirte an die Ver-wandten-der Frau, man möge sie nach Hause zurückholen. Dies geschah auch am nächsten Tage, und der junge Ehemann beschloß, seinen Honigmond allein in Paris zu genießen. Uebereinentragischen Vorfall wird aus Belgrad gemeldet: Aus dem serbischen Dorfe Alexandrovac gingen zwei Frauen ' mit ihren Kindern, einem zeynjiihrigen Knaben und einem fünfzehnjährigen Mädchen, in ein benachbartes Dorf, um dort einen Besuch zu machen. Infolge schlechten Wetters kamen sie aber nur langsam vorwärts, und so überraschte sie die Dunkelheit. Als Stürme und Schneegestöber losbrachen, verirrten sich die Frauen und waren nun den Unbilden des Wetters ausgesetzt. In dieser Noth gaben nun die Mütter ih ren Kindern die großen warmen Tücher, die sie selbst trugen, um sie vor der Kälte zu schützen. Und so mußten sie die Nacht im Freien verbringen. In der furchtbaren Kälte erfroren die beiden Mütter, ihre Kinder blieben am Leben, und als morgens Leute sie ausfanden, standen die Kinder an der Seite ihrer todten Mütter und schrieen vor Angst, daß. sie von Wölfen zerrissen werden könnten. '
KMm
000 000 preise geliefert von 1. B. MEYER & C0. Pennsylvania Rnthracite 57.59 pocahontas Lump .... 5.50 Smokeleß Lump 5. 50 Ohio Cannel Lump 5.5g Ohio Cannel Egg 5. 50 Kanawha Lump.. 4.50 Pittsburg Lump ' 4.50 Brazil Block...... 4.25 tzocking Valley 4.25 Straight Creek Lump 4.50 Straight Cree! Egg 4.25 Greene County, No, 4, Vein Lump .... 3.50 Greene County, No. 4, Vein Egg 3.50 Jackson Ohio Lump .,. ..... .'. 5.00 Oven Coke Egg 560 Gaö House Lump Coke 5.60 GaS House Crusheo Coke 6.00 krtra.Verechnuug wo solche getragen werden mkffea. IE ERIE & VESTERII g. R. ....Fahrzeit der Züge... bfahrtLnkuns lolebo, Chicago und Mchigan kxrreß.t 7.15 tlU koledo. Detroit und hicago Lim lJLt0 f S.t wichlgan ftttp, Muncie n.Lasayetteepls 7.20 fio.,5 täglich t aitl genommen Lonntaa. DaS Geheimniß des langen Lebens. .Zehn wohlbekannte Männer in England, deren Leben zusammen 750 Jahre währte, haben der jungen Welt Aufschluß über das Geheimniß ihrer langen Lebensdauer gegeben. Ein Greis von 70 Jahren sagt: Ich glaube, die Kunst, gesund zu sein, besteht darin: wenig zu essen, wenig zu trinken, sich sehr .viel in frischer Luft aufzuhalten und Gemüthsbewegungen zu vermeiden. Von einem 72jährigen hören wir, daß er seine lange Lebensdauer einer sehr geregelten Lebensweise zu verdanten hat. Vor allen Dingen muß ein schweres Mittagsmahl und Rauchen auf leerem Magen vermieden werden. Bis zum Mittagsesscn darf 'nan keine alkoholischen Getränke zu sich nehmen. Viel Bewegung im Freien und vor allen Dingen eine regelmäßige Thätigkeit. Ein 75jahr!ger Gelehrter schreibt: Stehe.vom Tisch stets mit dem Gefühl auf, noch mehr essen zu können, gehe täglich zwei Stunden spazieren, schlafe in der Nacht sieben Stunden; vermeide Alkohol und Tabak. Vor allen Dingen aber sei zufrieden mit dem, was du besitzest. Von Dr. Haig-Brown, einem 81jährigen Greise, hören wir: Ein friedvolles Heim, ein liebendes Weib und gerathene Kinder, keine finanziellen Sorgen, Ausübung von Wohlthätigkeit, Erfüllung aller isernommenen Pflichten, mäßiges Vergnügen und stets beachtete Diät haben mich jung, frisch und glücklich erhalten. Sir Edward Fry, 77 Jahre alt, saßt sich kurz: Alles mit Maß ausr.ben. . Folgenden Rath giebt uns ein 74jähriger: Iß so wenig als möglich, arbeite viel; amüsire dich nicht zu viel. Im Uebrigen laß dem Schicksal seinen Lauf. Dr. F. I. Campbell, 72 Jahre alt, schreibt sein langes Leben der außerordentlich großen Bewegung in freier Luft, theils zu Fuß, theils zu Rad, zu. Aus meiner Erfahrung theile ich mit, so schreibt ein Greis von 74 Iahren: Stets Arbeit in reichlicher Weise, viel Bewegung in freier Luft und so wenig wie möglich an das Fortschreiten der Jahre denken. Die ttörpergröße der Europäer. Nach einer von dem anthropometrischen Comite der British Association, sie in London ihren Sitz hat, aufgenommenen Statistik ist von allen europäischen Völkern der Engländer zusammen mit dem Norweger der größte an Statur. Das Durchschnittsmaß beider Völker beträgt 1.70 Meter. Es folgen der Däne, der Holländer und der Ungar mit 1.67 Meter, der Schweizer, der Russe und der Belgier jrnt 1.66y2 Meter, der Franzose und der Deutsche, deren Durchschnittsgröße merkwürdigerweise dieselbe ist, . mit 1.66 und endlich der Italiener und der Spanier mit 1.65. Meter. Jnteressant und kurios zugleich ist auch eine Zusammenstellung, die dieser Statistik beigegeben ist. Danach ist der englische Arbeiter im Durchschnitt 1.74 groß und überragt an Wuchs ganz bedeutend den englischen Adligen, den Bürger und Landmann. In - umgekehrtem Verhältniß sind in Deutschland und Frankreich die reichen und besitzenden Klassen um mehr als 2 Centimeter größer als diearmen und be sitzlosen Stände. Eine gu.te Seele. Richter: .Warum bezahlen Sie den Grabstein für Ihren verstorbenen Mann nicht V .Aus Pietät, Herr Richter, er ist nämlich auch im Leben alles schuldig geblieben." W i e gewünscht. Gefängnißdirektor: ..Am Ersten eines jeden Monajs dürfen Sie Besuch empfangen!" Weibliche Strafgefangene (erfreut): .Ach,. wie hübsch, an diesem Tage hatte ich auch sonst immer meinen Jour!"
