Indiana Tribüne, Volume 28, Number 155, Indianapolis, Marion County, 22 February 1905 — Page 4

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Judtana Tribune, QQ. Februar 1905 -

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Zndiana Tribüne.

Heraulgteu ton der Ottti?B 'Indianapolis, Ind. varry O. Thudlum Präsident. GeschäftSloealt No. 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE 269. tcred at the Post Office ol Indianapolis as second dass matter. Weg mit der Lobby. Wenn d!e gesetzgebende Körperschaft einen Funken von Respect für die eigene Würde Hat, so muß sie den schwach vollen UnverschümtHziten der Lobby ein Ende bereiten. Die Indianapolis Merchantö Ag'n und der Indianapolis .Commercial Club, .zwei Körperschaften, denen das Interesse unserer Stadt besonders am Herzen liegt, haben beschlossen, den Einflüssen einer corrupten Lobby ihren lokalpatriotischen Einfluß entgegen zustellen. Auch sie geben sich in ihren Beschlüs. sen der Anficht hin, welche die büne" schon bei Beginn der HochgeleiseControverse kund gab, daß die vom Mayor und Anwalt Warrum abge faßte Vorlage, den Bahnen überviel zugestehe, meinen aber, daß die An nähme der Vorlage trotzdem erfolgen solle.' . Lobbyist CoZrum dagegen brüstet sich öffentlich damit, daß die Bahnen die Annahme der Vorlage verhindern werden, und Härte sich bereit, darauf' hin eine Wette von $1000 einzugehen. Die? heißt jedensalls, die Unverschämtheit aus die Spitze treiben; aber eö be weift auch, daß die Bahn-Lobbyiften glauben, durch ihre jedenfalls reichlich aufgewendeten klingenden Argumente genügend Repräsentanten sür sich geWonnen zu haben, um die Vorlage bei der Abstimmung zu vernichten. Wir rathen den Repräsentanten und Senatoren, welche EisenbahnFreipässe in ihren Taschen haben, dieselben zerrissen den Bahnen wieder zuzustellen; denn jede Mitglied der Legislatur dürfte es schon schwierig finden, seine Eonftituenten zu überzeugen, daß eS mit dem Geschenke der Bahnen in seiner Tasche unbefangen und völlig ehrlich bei Vorlagen stimmen würde, die das Interesse der Bahnen berühren. Werft die Lobbyisten aus dem Staatshause hinaus und schmeißt ihnen die FreiPässe nach. Schwarze Blätter aus der russischen Geschichte. Die Revolution, die in Rußland mit unaufhaltsamen Schritten vorwärts eilt, und deren Weg der vom Blute im schuldiger Opfer getränkte Schnee grauenvoll bezeichnet, scheint, wie man nach deu letzten Berichten annehmen darf, auch militärische Kreise ergriffen zu haben. . Soldaten ließen die Ge wehre sinken.... ES wäre nicht das erste Mal, daß die zum Schutze des Thrones eingesetzten Elemente sich ge gen den wendeten, der sich ihrer Hut anvertraute. Die Geschichte Rußlands ist wahrlich nicht arm an Beispielen dieser Art; Das verflossene Jahrhun dert, in dem 15 Staatsoberhäupter einen gewaltsamen Tod fanden, der zeichnet als die erste diefer Gewalttha ten das tragische Ende Paul'S deS Er ften, der in der Nacht deS 23. März 1801 im Michailow'fchen Palast zu Pe terSburg durch Verschwörerhand endete. Zwar sind die Einzelheiten jener furchtbaren Nacht niemals unanfechtbar klar gelegt worden, doch scheint unter den verschiedenen Versionen, die über dje That existiren wohl diese die wahr scheinlichfte zu sein, daß die Verschwö rer nicht den Mord deS Souveräns, sondern dessen Abdankung beabsichtig ten. Erst als er diesem Verlangen energischen Widerstand entgegensetzte, kam eS zu einem Handgemenge, in des sen Verlauf der Kaiser vom General Bennigsen und. dem Grafen von der Pahlen, damaligen Ministerprüsiden ten, Oberpolizeimeister und Kriegs gouverneur von Petersburg, zu Boden geworfen und mit einer Schärpe erdrosselt wurde. Gegen die vielfach verfochtene An nähme, daß eS seine eigene Schärpe ge wesen sei, spricht die .Annahme, daß sich der Czar zur Zeit deö Ueberfalles schlafend in seinem Bett befand und seinen Angreifern, als sie einen Pagen und Heiduken, die ihnen den Eintritt in das kaiserliche Schlafgemach der wehren wollten, durch Pistolenschüsse tödteten, im Hemd entgegentrat. Die Schärpe in den kaiserlichen Farben,

mit der die Erdrosselung, ftattgefun

den, entstammte demnach viel wahr scheinlicher der Uniform eines der Ver fchwörer. Das Attentat im Belgrader Konak ist nech in zu frischer Crlnuerung, als daß man nochmals darauf hinzuweisen brauchte, daß die Mörder deö letzten Obrenowitsch ebenfalls nicht den Tod, sondern nur die Abdankung König Alexanders bezweckten. Naö ihrer Versicherung wenigsten, von der uner örtert bleiben soll, ob sie irgendwo auch nur den Schatten eines Glaubens ge funden. Unblutiger, wenn auch nicht ganz ohne Verluste an Menschenleben, vollzog sich die Verschwörung gegen den Fürsten Alexander von Bulgarien, nachmaligen Grafen Hartenau, im Jahre 1886. Eine . Anzahl Offiziere, unter ihnen Gefährten seiner tapferen Waffenthaten von Slivnitza, drangen zu nächtlicher Stunde in den Palast von Sofia, nahmen den Fürsten und seinen Bruder, den Prinzen Franz Josef von Battenburg. gefangen und brachten beide in einem Wagen nach Rachowa, wo sie auf einem Donau-Dampfer nach Reni Übergeführt und dort an Land gesetzt wurden. Der Fürst, der sich sodann mit der Eisenbahn nach Lem berg begeben hatte, kehrte zwar nach mehreren Tagen nach Bulgaren zurück, doch verzichtete er bekanntlich zwei Wochen später, mit Rückficht auf die ihm feindliche Gesinnung Czar Alexan der deS Dritten freiwillig auf den Thron und kehrte in seine deutsche Heimath zurück. In dem Palast zu Czarökoje Sselo, den man mit Rücksicht auf die gegen würtigen Ereignisse nicht gut mit der bis jetzt üblichen Benennung als Luftschloß" bezeichnen kann, mag zur Zeit der Selbstherrscher Rußlands jener Vorkommnisse sinnend gedenken. In dem bevorzugten Gemach deö Kaisers, dem -kleinen Salon, dessen Wände völlig mit Bernstein verkleidet sind, einem der schönsten in der Reihe der Gemächer, deren Mauern Perlmuter, Achat und JaSpiS in geradezu märchenhafter Weise bedecken, erwacht ihm vielleicht die Erinnerung an einen Mürztag 1837, an dem er, damals ein Jüngling von neunzehn Jahren, mit seinen Eltern einer Todtenmesse für seinen Großvater Alexander den Zweiten beigewohnt hatte und sich anschickte, mit ihnen nach dem Warschauer Bahn hos zu fahren', um sich von da nach Gatschina, dem zwischen den beiden Sommerresidenzen Zarskoje Sselo uud Krasnoje Sselo gelegenen Schloß zu begeben. Unmittelbar vor jener Fahrt wurde ein mit äußerster Umficht vorbe reiteteö Dynamit-Attentat entdeckt, dessen Urheber zum Tode verurtheilt wurden, während eine große Anzahl Mitverschworener in jenes Grab wanderten, das man Sibirien nennt. Er gedenkt vielleicht eines Aufrufs des Exekutiv-Comites, datirt vom 26. Januar 1880, in dem unter dem Eindruck der mehrere Monate vorher vollzogenen Ernennung der mit unbe schränkten Vollmachten ausgestatteten Generalgouverneure bin Moskau, St' Petersburg. Kiew, Warschau, Odessa und Charkow, der General LoriS Melikow, Gurko und Graf Totl:ben, die Tausende, zum Theil schuldloser Opfer, in lebenslängliche Verbannung fand ten, Wünsche ausgesprochen wurden, die sich fast wörtlich mit jenen decken, die heute ganz Rußland beseelen. Man forderte VoltSvertretung, Gewissensfreiheit, allgemeines Wahlrecht, Selbst Verwaltung Menschenrechte! Diesel ben Worte, die ihm nun selber an dem blutigen Sonntag flehend, aus den Herzen von Hunderttausenden entgegenschallten. Wenige Wochen nach dem Ausruf, am 17. Februar, erfolgte jenes entsetzensvolle Attentat auf das Petersburger Winterpalais, bei dem, wenn nicht durch eine Zugverspätung des zur Hoftafel erwarteten Neffen des Zaren, deS Fürsten Alexander von Bulgarien, das Diner sich verzögert hätte, die gesammte kaiserliche Familie ein schreckliches Ende gefunden haben würde. Der mit Dynamit unterm! nirte Speisesaal flog in die Luft, und 60 Soldaten der darunter liegenden Hauptwache, die durch die Kraft der Explosion ebenfalls gesprengt wurde, blieben todt, während fast die gleiche Anzahl Schwerverwundeter noch lebend geborgen wurden. An all dies denkt vielleicht Zar Nikolaus, und in seiner Erinneruug taucht der Märztag des JahreS 1831 auf, an dem sein Großvater Alexander der Zweite bei der Rückkehr von einer Revue, im MkchaelSplatz durch ein Bom ben-Attentat buchstäblich in Stücke ge-

rissen wurde. Mit zerschmetterten Bei

nen, der Körper grauenvoll verletzt, wurde er in das WinterpalaiS gebracht, wo er kurz darauf verschied. In den zehn RegierungSjahren deS Zaren bezeichnen zehn politische Attentäte die Währung, die daS weite Rußland bis in's Innerste durchwühlt. Vor Plehwe, dessen Ende eine fchaudererregende Aehnlichkeit mit jenem Alexander deS Zweiten aufweift, war eS Bobrikow, der General Gouverneur Finnlands, der der verzweifelten Stimmung zum Opfer fiel. Zwei Minister, Sipjagin und Bogoljepow, die Chefs der ministeriellen Ressorts des Innern und deS Unterrichtswesens, fanden durch Ermordung ihr Ende, und Fürst Galitzin. der General'Gouverneur deS Kaukasus, trug anläßlich eines Attentats schwere Verwundungen am Kopf davon. Ein anderer Gouverneur, Bogdanowitsch, büßte daS Leben ein, wahrend die Gouverneure von Charkow und Wilna, Fürst ObolenSki und General von Wahl,' sowie Baron Korff, Gouverneur von Lomscha, verschiedenen Anschlägen bis dahin glücklich entgingen. Auch der Verhaßteste unter ihnen Allen, BobjedonoSzew, der Lehrmeister Alexander'S des Dritten und der verhängnlßvolle Rathgeber seines Sohnes Nikolaus des Zweiten, war dem Tode um ein Haar wörtlich genommen verfallen. An feinem, in der Nähe der Fensters befindlichen Schreibtische fitzend, überraschte ihn eine Kugel, die, die Scheibe durchschlagend, dicht an sei nem Kopfe vorbeisauste, um sich in die gegenüberliegende Wand einzubohren. Furchtbare Erinnerungen, die den Sinn deS Zaren durchkreuzen mögen, während er ruhelos die lange Mar morgallerie durchwandert, aus der der Blick durch große Glasfenster über den herrlichen Park schweift, bin die Laune Katharina'S der Zweiten aus einem Sumpfterrain erstehen ließ. Tiefe Stille umgiebt ihn. Zwanzig Kilometer entfernt liegt die Hauptstadt, durch die da5Wehgeschrei Unglücklicher', grausam hingeschlachteter,, wehrloser Männer, getödteter Frauen, von den Hufen der Kosakenpserde zertretener Kinder hallt. Wird das Todeöröcheln der Gefallenen und der FreiheitSruf der Lebenden die bernfteinbedeckten Mauern des weit. abgeschiedenen, aus's Schärfste über wachten Schlosses durchdringen?... ; ' I. L o r'm ;3 Die Herren Gesetzgeber von statt saö können sich gegen die Zumuthung sträuben so viel sie wollen, daß daS von ihnen angenommene Gesetz zur Errichrichtung einer staatlichen Oel-Rasfinerie Staats'SocialiSmuZ ist, und doch ist eS so, und schließlich werden sie einsehen, daß daS einzige wirksame Mittel zur Bekämpfung der Monopole der Staat?, Socialismus bleibt. ... Die beste 5 Cent Cigarre in der Stadt, Mucho's Longfellow". Bei der Aus losung der Geschworenen für einen Mordprozeß in Rom fiel das Loos auf den Anarchisten Farini, der so auf der Geschworenenbank Platz nehmen mußte. Als der Gerichtshof aber gebildet war und Farini schwören sollte, erklärte er:' .Herr Präsident, als Anarchist mäße ich mir nicht das Recht an, über meine Mitmenschen zu Gericht zu sitzen!" Präsident: Sie werden abstimmen und nach Ihrem Gewissen richten". Farini: Grade mein Gewissen besiehlt mir, mich der Uriheilsberathung zu enthalten und keine Stimme abzugeben!" Darauf ordnete,' auch auf Verlangen der Vertheidigung, der Präsident die Entlassung des anarchistischen Geschworenen und das Eintreten des Ersatzmannes an. In Juristenkreisen fürchtet man, daß das Beispiel Farinis Nachahmung finden könnte und sich viele auf diese Weise des nicht immer angenehmen Geschwoenenamtes entledigen werden. ,onfervirungderFarben inderWäsche. Essig, sogleich zur Waschbrühe gegebn, erhält blaßroth und grüne, zum letzten Wasser ffegeben, stellt es veränderte hochrothe Farben wieder her. Soda erhält purpurroth und bleigrau; reine Pottasche erhält und bessert schwarz auf reiner Wolle. Ist die Farbe durck Saucen verändert, so stellt Salmkakgeist, mit zwölf Theilen Wasser verdünnt, sie wieder her; ist sie durch Alkalien verändert, so stellt Essig sie wieder her. Erkannt. Vagabund: Ich bin früher auch in meinem eigenen Wagen gefahren!- Ja, aber .dann hat ihn Deine Mutter geschoben l" Im Restaurant. Gast smit dem harten Braten' kämpfend): Leopold, Sie haben geirrt, statt Kapaunenbraten brachten Sie mir einen gebratenen Wetterhahn."

' . Glückliche Jugend. 2fe Kkndernzieliuna in Japan Vi bedeu tungvoUcr Die japanische Mutter stillt ihr Kind selbst. Diese Regel gilt für alle Stände und erleidet keine Ausnahme. Eine Amme ist in Japan unbekannt. Auch die Wiege und der Kinderwagen sind Einrichtungen, die im Lande der Morgenröthe unbekannt sind. Das Kind wird von der Mutter, zuweilen auch von der ältesten Schwester, einfach auf dem Rücken getragen. Dadurch kommt die Japanerin der niederen Stände sehr bald in die Lage, ihren gewöhnlichen Beschäftigungen wieder nachzugehen. und das Kind, das sehr bald gelernt hat, sich allen Bewegungen anzuschmiegen, ist dabei sehr gut aufgehoben, da es stets unter der Aufsicht der Mutter ist, und der häufige Aufenthalt im Freien seiner körperlichen Entwicklung zu statten kommt. Auch die Intelligenz des Kindes wird durch die Betrachtungen, die es durch die fortwährende Berührunz mit der Außenwelt macht, sehr zeitlich entwickelt und gefördert. Nur in den vornehmsten Familien wird das Kind einer Wärterin anvertraut, die es Tag und Nacht in den Armen halten muß. An: siebenten Tace- nach seiner Geburt erhält das Kind den Namen. Ter Name hat stets irgend eine Bedeutung, wie Fliederduft oder Mondesglänz bei Mädchen und Donner oder Eichenschnee bei Knaben. Der Name sowie der Wohnort der Eltern wird auf ein Metallplättchen gravirt, das dem Kind auf's Kleid geheftet wird. Bedeutungsvoll ist der 23. Tag nach der Namensgebung. also der 30. nach der Geburt, an welchem das Kind in den Tempel und in den Schutz einer Gottheit gestellt wird. Damit ist die religiöse Seite der Erziehung fast erschöpft. Dagegen wird auf die moralische und wissenschaftliche um so größere Sorgfält verwendet. Das Kind kommt schon sehr zeitig in die vonKnaben und Mädchen gemeinsam besuchte Schule unter der Aufsicht von Lehrern, die sehr sorgsam ausgewählt werden. Körperliche Züchtigung -ist sowohl im Hause als .auch in der Schule fast ganz ausgeschlössen, um so häusiger wird Belohnung für tadelloses Verhalten als Erziehungsmittel angewendet. Die anerkannte Thätsache, daß es nirgends glücklichere, geistig und körperlich gesündere Kinder gibt, als in Japan, mag wohl zum Theile auf diese einfache und natürliche Art der Erziehung zurückzuführen sein. . . ?aS Laufen als Heilmittel. , Ein Arzt in Paris.. Dr. Felix Regnolt hat gefunden, daß ein vorzügliches Mittel gegen Neurastheniedas Laufen sei. Während seines Aufenthalts in Japan fiel ihm der außergewöhnlich gute! physische Zustand der dortigen Jinriksha-Läufer auf, die bekanntlich die dem Personenverkehr dienenden zweirädrigen Wagen stundenlang wie ein Pferd im Trab zu ziehen vermögen. Diese Leute sind ein Wunder von Ausdauer, dabei sind ihre Nerven vollständig gesund. Der Arzt hat genau das Training dieser Läufer ftudirt. Die Leute lernen laufen, indem sie einen Stock' zwischen die Ellenbogen stecken, damit' die Brust weit hervorgeschoben wird. Dabei biegen sie die Kniee stark nach vorne, während sie die Füße nur wenig vom Boden erheben, wodurch ein Minimum an Kraft verbraucht wird. Der Haupttrick besteht darin, richtig Athem zu holen. Dr. Regnolt führt seine Patienten auf die Landstraße und lehrt sie nach dieser Art lausen. Er läßt nur mit kurzen Schritten und mit einer kurzen Zeitintervalle anfangen. Dann steigert er die Länge der Schritte, die Zeit und die Distanz. Der Patient wird die Sache bald los haben, ohne zu sehr-schnaufen zu müssen oder Seitenstechen zu bekommen. Das tiefe Athmen hebt das ganze System und außerdem vermindert die lebhafte Bewegung die Depression. Geistesgegenwart eines Kindes. Während dieser Tage der Farmer Howard Mitchell. in der Nähe voN'Hockessin, Del., ansässig, in seiner Scheune Mais in der Maschine schälte, gerieth der Mechanismus außer Ordrni und Mitchell klomm auf die Maschine. Dort wurde er vom Treibriemen erfaßt und dieser schleuderte ihn mit- fürchterlicher ' Geschwindigkeit herum, so daß ihm drei Rippen und ein Fußgelenk gebrochen und er innerlich verletzt wurde. Sein . fünfjähriges Söhnchen Paul brachte die Maschine zum Stillstand und rettete so momentan dem Vater das Leben, wenn dieser auch schwerlich von seinen Verletzungen genesen dürfte. Der Kleine benachrichtigte dann einen Nachbar und es nahm diesem 20 Minuten, Mitchell aus der Maschine zu ziehen. JapanischeWittwen. Wenn eine Japanerin Wittwe wird, ist es Sitte, ihr einen Theil des Haares abzuschneiden und diese in ihres Mannes Sarg mit zu begraben. Aber obwohl ein Theil des Haares genügt, ist mancher dieses Opfer nicht groß genug, um ihre hübsche Frisur zu verderben. Wenn sie entschlossen ist. immer Wittwe zu bleiben, schneidet sie das Haar ganz ab und läßt es nie wieder wachsen. Es gibt besonders im Inneren .Japans viele Frauen mit knabenhaft verscnittenem Haar, dem Kennzeichen ibrer Wittwenschaft. Es sind das Frauen, die viel an den Tempelthüren beten und ihre Tage in geduldiger Hingabe au Familie und Heim verbringen. :"

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Äelevvontö: Neu Die Sterne lügen nicht. Skizze von Ossit (Baronin DeSlandes), PariS Der Abend sank mählich herein. In einen tiefen, alten Lehnsessel halb vergraben, saß sie in ihrem Boudoir und träumte. . Alles war weiß, in diesem Gemach, licht und zart und hell, wie ihre ganze Erscheinung selbst. Wie sie so faß, den Kopf in die Hand gestützt, glich sie einer blassen, seltenen Rose, einer fremdländischen Blüthe von eigenartig mattem Weiß, und ihre großen grünen Augen allein schienen Farbe zu haben. Ein paar Bücher , lagen neben ihr und die Zeitung vom selben Tage, Freitag, den 13. August. Sie nahm sie zur Hand und entfaltete sie, weil sie tagsüber vor Besuchen und Besorgungen noch nicht zum Lesen gekommen war. Flüchtig überflog ihr Blick die Spalten: Aus der Gesellschaft" ... Ausland" ... Deputirtenkammer" ... Vermischtes" ... Die. AugustSternschnuppen..." ... . Und im Augenblick, da sie das Wort las, das plötzlich Erinnerungen in ihr weckte, war ihr Interesse gefesselt. . . Sternschnuppen! ....Sie sah sich wieder als ganz kleines Mädchen,' im Piqu6kleidchen und- Halbstiefelchen, mit ihrer Bonne, der guten alten Christine. Und sie entsann sich noch deutlich der phantastischen Geschichte, die diese ihr und ihrer inzwischen, verstorbenen .Schwester Veronika damals erzählt hatte. So fest hatten sie an die geheime Macht der Sternschnuppen geglaubt oh, so fest, sie mußte lächeln, als sie jetzt daran dachte. Etwas wünschen durfte man, sich. Zum Beispiel: viel Erdbeeren essen im nächsten Sommer, oder ein langersehntes Spielzeug bekommen oder irgend sonst etwas von ähnlicher Bedeutung. Nur das wichtige war, daß man den Wunsch genau im selben Augenblick dachte, wenn der Stern niederfiel. Eines Nachts sie erinnerte sich noch sehr lebhast daran war sie ganz leise und verstohlen, wie eine Rothhaut auf dem Kriegspfad, war sie mit den winzig- kleinen nackten Füßen, die unter dem langen weißen NachtHemde verschwanden, aus dem Zimmer und hinaus auf die Terrasse entschlüpft. Dort hatte sie sich auf Posten gestellt, weil ein Mittagsgast ihren Eltern erzählt hatte, daß in dieser Augustnacht ein großer Sternschnuppenfall bevorstehe, und ha'k gewartet wohl zwanzig Minuten lang und dabei immerfort, als beke sie einen Rosenkranz, ihren Wunsch vor sich hingemurmelt; denn wenn man sich auchnur eine Sekunde verspätete, war ja alles umsonst und der Wunsch ging nicht in Erfüllung . . . O, sie hatte sich keine . kindischen Dinge gewünscht, wie ihre Schwester und ihre Freundin Clarisse thaten nein, ihr Ehrgeiz stand -schon nach Höherem . . . Ich möchte schön sein!" Diesen Satz hatte sie wohl fünfhundertmal wiederholt ... Ein schmerzliches Lächeln umflog ihre Lippen, als sie daran zurückdachte. Wie war sie ausgescholten worden am anderen Morgen, als eine starke Erkältung zum Ausbruch kam und sie schließlich ihren nächtlichen Ausflug eingestanden hatte! Aber wie gleichgiltig ließ sie alles in ihrer stoischen. Ruhe, alles, von Christinens langer Strafpredigt bis zur Beschlagnahme ihrer Lieblingsbllcher! Ganz im Herzen war sie doch zufrieden und fest überzeugt, daß ihrWunsch sich erfüllen mußte, denn schließlich hatte sie wirklich einen Stern - fallen sehen einen wundervollen, großen leuchtenden Stern, der in' prachtvollen Bogen vom Himmel herunterschoß und genau im gleichen Moment hatte sie die Worte ausgesprochen: Ich möchte schön sein!" Also war es sicher und ihr kleines Herz schwoll auf vor Freude sie würde schön werden, so schön, wie ihre große Cousine, die berühmte Laura, die von aller Welt bewundert, ward . Und später würde alle Welt sie ebenso bewundern lind auf allen Bällen

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1030 z Nlt 1050. war sie dann ebenso gefeiert wieLaura, vielleicht noch mehr, denn ihr war ja ihre Schönheit von den Sternen, den unfehlbaren, geweissagt worden! Das war allezeit der kühnste ihrer Träumeund Wünsche gewesen ... Sie lächelte noch immer mela'ncholisch und jetzt auch ein wenig ironisch vor sich hin. Es war ja wirklich eingetroffen! Ihr Wunsch hatte sich buchstäblich erfüllt. Sie war eine Schönheit geworden und eine Königin der Bälle und Soireen, der man huldigte. ... Ihr Blick fiel wieder auf den Zeitiinöii?tifps Wie seltsam," dachte sie derselbe Tag, wie damals vor fünfzehn. Jahren ... der 13. August. ..." . . Und wieder versank sie in Träumen.Diesmal aber sann sie nicht der Ver gangenheit nach, sondern der Gegen--wart. Sie erhob, sich und trat an's Fensier: vom Himmel war nicht viel zu. sehen, die hohen Häuser sperrten die Aussicht. Sie öffnete ein Fenster und lehnte sich hinaus. Es flog ihr durch den Sinn: Wenn ich heute noch an solche Dinge glaubte was ich mir wohl heute Abend wünschte?" Sie seufzte. Ihr Leben seither zog an ihrem geistigen Auge vorüber: ihre kurze Chefin die sie der Wunsch ihrer Eltern geführt hatte, ihr ganzes eintöniges, liebeleeres, sonnenarmes Dasein. - Würde sie den niemals einen Men schen lieben wahrhaft lieben? Jbr Herz begann' stärker zu schlagen. Sie dachte an ihn und an em Paar lächelnde blaue Augen ... Aber zugleich überkam sie ein unbe stimmtes Angstgefühl wie jedesmal, wenn er sie ansah. Hatten sie nicht, etwas Hartes, Kaltes, Gramsames, diese schönen stahlblauen Augen? Sie sah wieder zum Himmel. Was soll ich mir wünschen?" dachte sie. Denn sie glaubt wieder daran der fromme Kindercjlaube ist wieder leben--dig in ihr und übt seinen alten Reiz aus sie aus. Aber die Sterne bleiben heute alle unbeweglich; nur leicht zu zittern scheinen sie. Was wünsche ich mir? . . . Daß er mich immer liebt? ... Nein, daß tx mich wahrhaft liebt! ... Warum er nur gestern nicht gekommen fein mag? Sie mag sich noch so weit über die Fensterbrüstung lehnen, sie sieht keinen fallenden Stern. Tann denkt sie weiter: O, er liebt mich, dessen bin ich sicher.... Aber seine Augen find so hart!" Und plötzlich ist ihre Seele wie über fluthet von Traurigkeit. , Ich bin recht unglücklich,", denkt sie. Und wie eine Offenbarung zuckt es ihr durch den Kopf: Ich möchte glücklich sein! ... DaS möchte ich mir wünschen!" Und sie spricht vor sich hin und wie derholt es unaufhörlich: Ich möchte glücklich sein!" Eine große, selige Hoffnung füllt ihr Herz, denn sie weiß: die Sterne lügen nicht! Da strahlen am Himmel zahllose Gestirne auf: in rascher Folge be schreiben sie Kurven durch die Nacht, lange, goldene, schöngezogene Kurven. Und außer sich vor Freude breitet sie beide Arme aus und beugt sich vor. Ich möchte glücklich sein!" flüstert sie, ein stillesLeuchten in denAugen und ein verklärtes Lächeln auf den Lippen. Und sie neigt sich vor, neigt sich weiter und weiter, immer . dieselben Worte wie eine Zauberformel wieder holend. Da verliert sie das Gleichgewicht und sinkt in's Leere, wie ein großer, weißer Vogel... Ohne einen Schrei, fast lautlos fällt ihr Kopf auf den spitzen Stein, der rothe Tropfen cub ihrer Schläfe fließen läßt. Und nun waren diese das einzige an ihr, was Farbe hatte, denn die großen, grünen. Augen waren geschlossen. 'Nichts an ihr war 'entstellt, kein Zug verrieth, daß sieSchmerz gelitten hatte. Sie war schön wie zuvor, und daS ver klärte Lächeln. lag noch immer auf ihren Lippen. .". . ' Die Sterne lügen nicht! -