Indiana Tribüne, Volume 28, Number 155, Indianapolis, Marion County, 22 February 1905 — Page 3
Jndiana Tribüne, 22. Februar lSZ
riedeiisgerüchtc.
Die Fricdcnsbedmgungcn werden m Petersburg offen besprochen. Der Zar von Kaiser Wilhelm für Frieden gestimmt. Starke Auswanderung über deutsche Hasen. - Graf Goluchowsky's Stellung erschüttert. Konferenz für Seerccht in Brüssel. Gen Stösse! in der Krim angekommen. Bennruhigende Gerüchte aus dem Kaukasus.
Nukland. Wünscht Frieden. St. P e t e r S b u r g , 22. Febr. 65 liegen Beweise vor, daß der Zar. trotz des Kummers um seinen Onkel SergiuS. die politischen Entwicklungen aufmerksam verfolgt. Man bezweifelt nicht, daß der Zar wieder das alte Landparlament in'5 Leben rufen wird, wenn auch die Hofpartei die Sache verschieben will und erklärt, eS würde ein großer Fehler sein, Angesichts des Ter rorismuS nachzugeben. Kaiser Nikolaus soll nicht nur Frie den im Innern, sondern auch nach Außen wünschen, und in letzterer BeZiehung durch Kaiser Wilhelm beern flußt worden sein. Man spricht hier schon offen über die FriedenSbedin gungen. Friedensbedingungen. London, 21. Feb. Dem Reu. ter'schen Bureau wird auS St. Peters bürg gemeldet, daß die Frage der Frie densschließung nicht allein formell erörtert wurde, sondern man habe sich auch schon auf die Bedingungen ge einigt unterdmen Rußland Frieden schließen wolle. Diese seien: Korea kommt unter japanische Suze ranität. Port Arthur und die Liao TungHalbinsel werden an Japan abge treten. Wladivostock wird für neutralen Hafen mit offener Thür erklärt. Die große chinesische Bahn wird un ter neutrale internationale Verwaltung gestellt. Die Mandschurei, nördlich bis Har bin wird wieder ein integrirender Theil China'S. Die Schwierigkeit liegt in der Kriegsentschädigung auf der Japan besteht, doch glaubt man, daß dieses Hinderniß nicht unübersteiglich ist. In St. Petersburg ist man angeblich in gut unterichteten Kreisen der Ansicht, daß die Regierung in Anbetracht der inneren Zustände und der riesigen Schwierigkeiten bei Fortsetzung des Krieges bald Frieden schließen wird, wenirdie Frage der Kriegsentschädigung gelöst werden kann, aber eS ist leicht möglich, daß Rußland vorher noch eine Schlacht riskirt. Friedens gerüchte. Washington, 21. Februar. Gerüchte von Frieden zwischen Rußland und Japan finden hier stets offene Oh ren. Was die Ruffen darüber sagen, ist nicht in hiesige' offizielle Kreise ge drungen. - Die Japaner haben, wie ihr Ge sandter Takohira sagt, keine Veranlassung den ersten Schritt zuthun. . Die allgemeine Ansicht hier ist, daß, sollte Japan auf seine Erfolge gestützt, den ersten Schritt zum Frieden machen, eS feine Vorschläge durch Großbritan nien oder Frantreich machen wird. Großfürst Paul. Eydtkuhnen, 21. Februar. Großfürst Paul, welcher wieder in seine militärischen Würdm eingesetzt wurde, kam auf der Reise nach St. Petersburg hierdurch. Für seine Frau, die frü here Madame Piftolkovs, war keine Erlaubniß zum Passiren der russi schen Grenze eingetroffen. Sie reiste von hier ab, wahrscheinlich nach Paris zurück. Muhmedaner und Arme. n i e r. Baku, Kaukasien, 21. Feb. In Folge der gestrigen Angriffe der Muha medaner auf Armenier herrscht große Besorgniß. Die Banken sind geschlos sen und die Geschäfte eingestellt. Kein Z eichen des Friedens St. Petersburg, 21. Feb. Der amerikanische Militärattache Capt. Wm. B. Judson und andere Attaches sind aufgefordert worden Wladiwoftock zu verlassen. ES wird kein Grund an gegeben, doch nimmt man an, daß der Beginn der Feindseligkeiten mit dem Frühjahr erwartet wird. , T r a u e r f e i e r l i ch k c i t e n. M o S k a u, 21. Feb. Der Kut scher, welcher .Großfürst .SergiuS zur
Zeit des AttentateS fuhr, ist seinen Berletzungen erlegen. Er hatte 76 Wunden. Durch die Thore des Kreml drängte sich heute ein ununterbrochener Strom von Menschen, welche daS ChudoffKloster und die Mordstelle auf dem Senatsvlatze sehen wollten. Auf dieser
St.lle ist ein hohes eisernes Kreuz errichtet worden, vor dem Tag und Nacht eine Ampel brennt. Bei der Ehren wache am Sarge ist auch Großfürst Dimitri, der angenommene Sohn von SergiuS und Kind des seither verbannen Großfürsten Paul. Unter den beständigen Feierlichkeiten war besonders großartig heute ein Requiem, das vom Metropoliten von Moskau unter Assistenz von 4 Bischöfen und 7 Archimandriten. 12 ErzPriestern und 20 anderen Priestern celebrirt wurde. Die AlexiS-Kapelle, in der das Requiem stattfand, war mit Her ren und Damen vom Hofe und Mit gliedern des Adels überfüllt. Der Lei chenzug wird am Donnerstag nur wenige Schritte zu gehen haben, da die Ueberreste in der anstoßenden Kapelle Andreas I. beigesetzt werden sollen. Der Thäter noch immer ein Räthsel. Moskau, 21. Februar. Trotz viertägiger, eifriger Nachforschungen, weiß die Polizei von dem Attentäter noch immer nicht mehr' wie zur Zeit, als sie ihn ergriff. Sieht schlimm aus. S t. P e t e r S ö u r g, 21. Feb., 1:10 Uhr früh. Der ganze Verkehr der MoSkau.Kieff.Bahn ist eingestellt. Sämmtliche Bahnangestellten sind am Streik. - Streiks sind auch in Saratoff und Suchum ausgebrochen. Streik. Warschau, 21. Feb. Hiesige Bahnbeamte geben der Befürchtung iluSdruck, daß der Verkehr bald voll ständig außer Ordnung geräth. Ab fahrende Züge sind voll, ankommende fast leer. In Schulen der Nachbarschaft soll es zu Störungen gekommen sein: Die Polizei hat viele Schüler verhaftet. In der Nacht vom 20. Feb. tödteten Streiker einen jüdischen Lederhändler Namens Zwiebel. Hier und in Lodz wurden mehrere Mordversuche auf Ar beitgeber gemacht. Der Streik zu Dombrowo und Sos novice dauert fort. ES werden Häuser und Läden geplündert. L o d z, 21. Feb. Die Fabriken be ginnen neue Arbeiter an Stelle der Streiker zu beschäftigen. Die Lage ist äußerst unsicher. L i b a u. 21. Feb. Die Zahl der Stretker wächst, doch kommen keine Ruhestörungen vor. - S t. Petersburg, 21. Feb. Depeschen von Baku melden, daß die Ruhestörungen dort bedenkliche Dimen sionen annehme. In mehreren Theilen der Stadt ist eS zu Kämpfen gekommen; es wurden Läden geplündert und Häuser in Brand gesteckt. Die Bewohner sind von Schrecken erfüllt Nach Balakhony, 8 Meilen von hier, wurden Truppen geschickt, da dort auch Ruhestörungen vorkommen. St. Petersburg, 21. Feb. Der Streik der Bahnb'diensteten im Südwesten dehnt sich aus. In Tiflis und im Kaukasus allge mein soll Schrecken herrschen. Tar taren und Armenier sollen um die Wette morden. Nur wenige Telegraphisten, und diese gezwungen, thun noch Dienst. Belgien. S e e r e ch t. Brüssel, 21. Febr. Die in. ternationale Eonferenz für Seerecht be schäftigte sich in ihrer ersten Sitzung mit Collisionen und Rettungsarbeiten. Vertreten sind die Vereinigten Staa ten, Belgien, Frankreich, Spanien, Italien, Japan, Rußland,- Schweden und Norwegen, Holland Rumänien,
Portugal und der Congostaat.
China.
Die Mörder der Attach eö. Tfchifu, 21. Febr. Diebeiden Chinesen, die hier unter der Anklage verhaftet wurden, bei dem Verschwin den des deutschen Militür-Attaches v. Gilgenheim und deS französischen de Cuverville die Hand im Spiele ge habt zu haben, haben ein Geständniß adgzlegt. Sie behaupten, nach der Abfahrt von Liaotie sei das Wetter schlecht geworden. Sie hätten nach der Taubenbucht zurückkehren wollen, aber die Attaches und ein russischer Civilist hätten sie mit Gewalt zwingen wollen, die Fahrt fortzusetzen. Während deS folgenden Kampfes seien die Ausländer über Bord geworfen worden. Da sie sich fürchteten, zurückzukehren, feien die fünf Chinesen nach Liaotschanfu wei tergefahren. Die Chinesen wurden von Ankömmlingen aus Port A.thur erkannt, die die Dschunke für die Ossi ziere gemiethet hatten. Starke Stellung der Japaner. Tachinadoozo, Mandschurei, 21. Feb. Eine Tour längs des rechten japanischen Flügels bürgt den Korrespondenten der Affoc. Presse zu der Ueberzeugung, daß die Hauptverthei digungSlinie der Japaner etwas hinter SandapaS liegt, das nur als MaSke dient und durch einige Batterien oer theidigt wird. Die Stellungen der Japaner sind sehr stark. Die befestig ten Dörfer sind durch befestigte Stra ßen verbunden, sodaß eS leicht ist, Truppen nach bedrohten Punkten zu werfen. L i a o. I a n g das Haupt quartier. M u k d e n, 21. Feb. Die Stäbe von Feldmarschall Oyama sowie den Generale Kuroki und Oku besinden sich zu Liao Fang, das stark befestigt ist. Es liegen Nachrichten vor, daß die Japaner Verstärkungen nach Korea schicken. Gen. Mischtschenko. M u k d e n, 21. Feb. General Mischtschenko'S Wunde am Bein ist so weit geheilt, daß er hofft in 2 Wochen nach der Front zurückkehren zu können. m. S t ö s s e l. Kassa, 21. Feb. Gen. Stösse! wurde bei feiner Ankunft hier von einer städtischen Deputation empfangen, die ihm nach altem Brauche Brot und Salz reichte. Viele Verwandte von ehemaligen Vertheidigern Port Arthur'S waren er schienen. Je nach den erhaltenen Nach' richten waren Schmerz oder Freude groß. Stössel sagte selbst den Witt. wen und Waisen Worte des Trostes; viele küßten ihm die Hände. (Kaffa liegt auf der Halbinsel Krim.) Cuba. Streik der Verstaue r. H a v a n a , 21. Febr. In Folge deS Streiks der Verstau ruht die Arbeit im Hafen. Deutschland. Kolossaller Auswanderer Andrang. Berlin, 21. Feb. AuS Hamburg und Bremen kommt gleichzeitig dieMel düng, daß der Andrang von Auswan derern einfach einen kolossalen Umfang annimmt und daß die EmigrationS Ziffern der nächsten Monate Alles über treffen mögen, das im Laufe der letzten Jahre in dieser Hinsicht zu registriren war. Sämmtliche Dampfer der Ham burg.Amerika-Linie" und des Nord deutschen LloydS" find bereits bis Mde März besetzt, so daß Extra-Dampfer für ZwischendeckS.Passagiere eingestellt wer den müssen, um den Zustrom nur eini germaßen bemeiftern zu können. KircheftattTheater. Aachen, 21. Feb. An Stelle des Stadttheaters, das wegen Mangels an Besuchern endgültig geschlossen wurde, planen die Stadtväter nun die Einrich tung einer Kirche. In der Stadt stnd bereits über dreißig Kirchen vorhanden, aber sie besaß nur jenes einzige größere Theater. Philippinen. Der Fälschung schuldig b e s u n d e n. Manila. 21. Feb. Major Car. rington, welche? schuldig befunden wurde, zahlreiche Belege der Zivilregie rung im Betrage von $1500 gefälscht zu haben, wurde zu insgesammt 60 Jahren und '5 Tagen Gefängniß der urtheilt. Die Vertheidigung stützte sich lediglich auf technische Gründe. Der Fall wird vor das Appellgericht und nöthigen Falles vor -das Oberbundes Lericht. gehen.
Oesterreich'Nngarn. Kossuth erfolgreich. Budapest. 2l.Feb. Das Ab-
geordnetenhauS wählte Julius Jufth von der Kossuth.Partei mit 62 Stimmen.Majorität über den Kandidaten der Liberalen zum Präsidenten. GrafGoluchowski'S eben tuellerRücktritt. Wien, 21. Feb. Wie von best. unterrichteter Seite verlautet, gilt die Stellung de österreichifch.ungarischen Ministers des Aeußern, Grasen v. Goluchowski, für erschüttert, und die Kunde von seiner Demission mag jeden Augenblick zu erwarten sein. Die ungarische Opposition verlangt den Rücktritt des Ministers, weil er, wie allgemein bekannt, die Politik deS hemaligen ungarischen Premiers Grafen Tisza beim Kaiser Franz Joseph in energischer Weise und bis zum letzten Augenblick unterstützte. Die Opposition mit Franz Kossuth an der Spitze, strebt, offen darauf hin. daß ein Magyare gemeinsamer Mini ster des Auswärtigen wird. Man ist hier allgemein gespannt darauf, ob der gewandte und konservative Leiter der auswärtigen Politik der Doppelmonarchie den ungarischen Ra dikalen geopfert werden wird. Italien. White ist genehm. R o m , 21. Fetzr. Das auSwär. tige Amt hat sich mit der Ernennung Hy. Tghite'S zum amerikanischen Bot schafter in Rom einverstanden erklärt. Türkei. Zollerhöhung. K o n st a n t i n o p e l, 21. Feb. Der Erhöhung der türkischen Zölle ha ben die 6 Großmächte unter der Bedingung zugestimmt, daß die Erträgnisse zur Durchführung von Reformen der wandt werden. Man weiß, daß die Pforte, um die Zustimmung zu erlern gen, den russisch'österreichischenPlan sür Reform der mazedonischen Finanzen annahm. Nixon vom Zaren beauftragt. K o n st a n t i n o p e l, 21. Feb. Der bekannte amerikanische Schiffskonflrukteur Nixon ist soeben auf der Durchreise hier eingetroffen, Er führt im Auftrage des Zaren nach Sewaftapol, um an Ort und Stelle einen Plan zur Reorganisation der Schwarze Meer.Flotte und zur Modernifirung der Wersten auszuarbeiten. Nachdem der amerikanische Fachmann seine Ausgabe in Sebastapol erledigt hat, wird er zu gleichem Zweckenach Kronstadt reisen. Nixon'S Rathschläge sollen bei dem nothwendig gewordenen Wiederaufbau der russischen Kriegsflotte die weitestgehende Beachtung finden. Erstaunliche Kur. Unter den Chicagoer Aerzten erregt die Wiederherstellung einer Frau John Leiendecker Aufsehen, welche sich vor Kurzem die Luftröhre durchschnitten hatte. Gleichzeitig ist anscheinend das Magenleiden geschwunden, dessentwegen die Patientm sich das Leben hatte nehmen wollen. In einem londoner Theeversandtgeschäft hat man zur Unterhaltung der dort veschäftigten Mädchen em Riesen-Gra-phophon aufgestellt, das von Zeit zu Zeit lustige Weisen ertönen latzt. Diese Einrichtung erhalt die Arbeiterinnen bei gutem Humor und spornt sie zugleich zu größerem Eifer an. Deutsche Gymnasiastinn e n. Den wissenschaftlichen unter richt der Mittelschulen und damit auch das akademische Studium hat den Frauen von allen deutschen Städten Mannheim am meisten erleichtert. Die dortige Mädchen - Oberrealschule hat jetzt vier Klassen mit insgesammt 122 Schülerinnen. Jedes Schuljahr wird eine neue Klasse angegliedert, so daß die ersten Abiturientinnen im Jahre 1906 auf die Hochschulen entlassen werden können. Außerdem stehen den Mädchen die Knabenmittelschulen offen. Gegenwärhg wird das dortige Gymnasium von 14. die Reformschule von 5 und die Handelsmittelschule von 3 Mädchen besucht. Denselben Tauf- und Z u n' a m e n führen in Voitsdorf, Oesterreich, auf dem großen Bauerngute der Familie Zaschke seit mehr als 7-t n r wv r C t... ziö Zayren aue ausemanoersoigenok Wesiker. Johann MichesZaschke kauf im Jahre 1663 für 290 Schock Groschen das uralte Voitsdorfer Erbgericht, ihm folgte 1730 sein Soyn Hans Michel Zaschke, diesem 1751 der dritte Hans Michel Zaschke, der vierte Hans Michel Zaschke wurde 1786. der fünfte Hans Michel Zaschke 1820 Besitzer des Gehöftes. Der sechste Hans Mlchel Zaschke übernahm 1862 das Gut. Seit dieser 9xi ist der derzeitige Gemeinde Vorsteher von Voitsdorf, Herr Johann Michel Zaschke, der siebecke Eigenthüwer gleichen Namens.
Verarbeitung der Baumwolle.
Tle verschiedenen Stadien der Aadrikatio dieses (SespinststoffeS. Die Verarbeitung der Rohbaumwolle ist eine höchst komplizirte und nimmt viel Zeit in Anspruch. In der Spinnerei, wohin sie direkt von den Baumwollfeldern gelangt, wird sie zunächst einem gründlichen Reinigungsprozeß unterworfen, wozu sie eine große Anzahl sehr sinnreich ersonner Maschinen und zwar die meßten mehrmals Passiren muß. Im Ballenbrecher werden zuerst die harten Klumpen, die die Baumwolle nach der Verpackung bildet, zertheilt. Sie geht hierbei durch mit Zacken dersehene Walzen, worauf sie durch ein endloses Transportgüter nach der ersten Etage der Spmnerel hinaufbefordert wird. Jetzt wandert sie in eine zweite Maschine, den Qeffner. wo die Baumwollfasern' aufgeschlossen und von den gröbsten Verunreinigungen, anhaftenden Kornertheüchen, Laub, Stengelstückchen und Sand, befreit werden.' Dann wandert sie 'in die Kratz- oder Krempelmaschine, deren Aufgabe darin besteht, die Baumwollfasern einzeln von einander zu trennen und den Wickel in ein zusammenhängendes Band zu derwandeln. Die Bänder nehmen alsdann ihren Weg zu der Spinnmaschine, wo sie auf die Spindeln aufgewickelt werden, um gleich danach dem Prozeß des Scherens unterzogen zu werden,- das heißt, die Fäden von den Spulen zu sammeln und parallel nebenein'anderliegend auf eine Walze zu bringen. Gewebt wird jetzt ausschließlich mit Kraftstuhlen. Hat das Gewebe den Kraftstuhl verlassen, so wird es gereinigt, damit es von den noch anhaftenden Fettstoffen befreit wird. Bunte Stoffe werden entweder gefärbt oder mittelst der Walzendruckmaschine bedruckt. Ist das Muster mehrfarbig, so muß der Stoff unter so vielen Druckwalzen hintereinander hindurchgehen, als das Muster Farben hat. Aber auch jetzt ist die Fabrikation noch nicht völlig abgeschlossen. Der Stoff muß erst.noch getrocknet und, wenn er Glanz erhalten foll, in der Kalandcrmaschine appretirt wer-, den. Jetzt endlich kann er nach der Prüfung auf seine tadellose Beschaffenheit gemessen und gerollt und in den Handel gebracht werden. Opfer dcö ZcitungSberufS. Eine Gedächtnißtafel zum Andenken an 13 während des südafrikanischen Krieges Wunden und Krankheiten erlegene englische Zeitungsleute wurde dieser Tage in der St. Pauls Käthedrale in London, wo zahlreiche englische Helden der Land- und Seemacht ihre letzte Ruhestätte oder wenigstens ihre Denkmäler gefunden haben, feierlich enthüllt. Es ist eine rechteckige große Tafel von vergoldeter Bronze, auf der nach einigen Worten der Erinnerung die Namen der 13 Todten, hinter jedem der Titel der Zeitung, die er vertreten, unter einander in erhabener Schrift hervortreten. Eine trauernde, sitzende allegorische Frauengestalt in Flachrelief mit Kränzen m der Linken blickt von der rechten Schmalseite der Tafel zu den Namen hinüber. Die monumentale Tafel ist in einem breiten Rahmen von rothem Marmor zwischen andern Denkmälern in die Wand der Krhvta eingelassen worden. Feldmarschall Earl Roberts, de? die Enthüllung der Gedenktasel vornahm, sprach bei dieser Gelegenheit zu einer'ganzen Anzahl anwesendet' bekannter Persönlichkeiten und namhafter Lerufsgenossen der Verstorbenen einige herzliche Worte des Nachrufs. Die Anregung zur Errichtung des Denkmals war ursprunglich vom Brtish Institute of Journalists ausgegangen, das dann eine Sammlung eröffnete, bei der sich die Blätter, die einen ihrer Vertreter eingebüßt hatten. aber auch manche der hervorragendsten Männer des Landes betheiligt haben. Ein Toilettenkampf. Die Londoner Telephonistinnen, die Hallo-Madel, wie' sie genannt werden, haben nach langem Ringen einen Sieg über die Direktoren der Telephongesellschaft davongetragen. Bisher war es ihnen streng verboten, anders als in dunklem Anzug zu erscheinen und irgend welche Schmuckgegenstande, namentlich auch Armbander und Halsket ten, zu tragen. Jedi Uebertretung wurde im Disziplinarwege mit einer Geldstrafe irnd im Wiederholungsfälle mit Gehaltsverminderung, eventuell Dienstentlassung, helmgesucht. Mit einer Perlenschnur um den Hals oder einer anders als schwarzfarbigen Vluse zu erscheinen, kostete gleich 50 Cents und im Wiederholungsfalle das Doppelte. Seit Monaten schon herrschte daroo zwischen den Dienstgebern und den Bediensteten eine arge pehde. die bereits zweimal zu thcilweisen Strikes führte. Die -Direktoren blieben aber unerbittlich. Jetzt endlich ist ihr harter Smn erweicht worden und sie haben für sechs Monate versuchsweise ihre Klelderordnung aufgehoben, drohen aber mit der Wiedereinführung, wenn die jungen Damen Mißbrauch mit der eingeräumten Tollettenfreiheit üben sollten. : . . A l s Billet-Sortirer begann James Jrwett Turner, der erste Vue-Prasident der Pennsylvania-Eisenbahn-inien westlich von Pittsbürg, Pa., seine Karriere im Eisenbahndiensie Kupfergeld wird in Frankreich allmälig durch Aluminium-Bronze-Pfennige von hellgelber Farbe fetzn . - -
Pcstkuenlng des Müßiggangs.
Sonderbares Heilmittel zur Deckung deS Te fiittS dcS französischeu CtaatshaushalteS. Wie anderswo, so leidet auch in Frankreich der Staatshaushalt an einem Fehlbetrag, und das Heilmittel, das der Finanzminister in einer Einkommensteuer erblickt, ist selbstverständlich bei allen unbeliebt, die nicht gern zur Ader gelassen werden wollen. Einer von den vielen klugen Köpfen nun, die m loblicher Menschenfreundlichkeit auf ein anderes gründliches Mittel gegen die Schwindsucht des Staatssäckels sinnen, Dr. Hucyard, Mitglied der Akademie für Medizin in Paris, hat einen großartigen Einfall gehabt. Dieser gelehrte Professor geht davon aus, daß das Gewerbe steuerpflichtig ist, und meint, es sei nicht einzusehen, warum Jemand, der aus dem Nichtsthun ein Gewerbe macht, dieses Gewerbe steucrfrei ausüben soll, zumal doch bei einem, der leben kann, ohne zu arbeiten. immerhin em gewisser Wohlstand vorauszusetzen sei. Er betont die Ungerechtigkeit, die darin liegt, daß Leute, die arbeiten, davon noch Steuer zahlen , müssen, wahrend die Reichen, die nicht arbeiten, dafür nichts zu zahlen brauchen. Es sei an der Zeit, dieser Ungerechtigkeit ein Ende zu machen. Die Schwierigkeit, vom steuerlichen Gesichtspunkt aus mit emiger Bestimmtheit den Begriff des Müßiggangs festzulegen, löst Huchard spielend mit der kühnen Behauptung: der Müßiggang fängt da an, wo die Arbeit aufhört. Mit Recht weist eine Zeitung darauf hin, daß an diesem schwachen Punkt der ganze Vorschlag scheitern muß. Denn von dem wirklichen Rentner, den er treffen will, laßt sich schwer der Besitzlose unterscheiden, der harmlos oder betrügerisch den Rentner spielt, und anderseits hindert den thatsächlichen Rentner nichts, sich mehr oder weniger künstlich eine scheinbare Thätigkeit zu schaffen. Das Ende vom Liede waren umständliche, weitgreifende Untersuchungen, und schließlich wäre doch alles verlorene Liebesmühe. Gtttfestigkcit dcö Igels. ' Es ist allgemein bekannt, daß der Igel der schlimmste Feind der Kreuzotter ist. Während nämlich die Bisse dieser Giftschlange auf andere Warmblüter sehr gefährlich, ja meist tödtlich wirken, schadet dem Igel das Viperngift nichts. Nach einer Mittheilung in der Zeitschrift Natur und Schule" haben in jüngster Zeit zwei französische Naturforscher, Phisalix und Bcrtrand, über die Giftfestigkeit des Igels eingehende Versuche angestellt und folgendes gefunden: 1. In dem Blute des Igels befindet sich eine Substanz, die die Wirkung des tödtlichen Schlangengiftes auf dieses Thier paralysirt. 2. n's rnf..i. v. ' -jcr rr . m Juan zdiui jjcc Übungen, aiu z. . auch der Viper und der Ringelnatter, enthält gleichfalls diese gegengiftige" Substanz. Daher ist die Ringelnatter gegen den Vipernbiß ebenso unempfindlich, wie die Viper gegen den Biß einer anderen Viper. 3. Das Organ, das diese Substanz erzeugt, sind die Oberlippendrüsen. die unmittelbar neben den Giftdrüsen liegen. 4. Impft man anderen Thieren das gegengiftige Sekret ein, so werden sie gleichfalls unempfindlich. So zeigten Meerschweinchen bei den Versuchen von Phisalix diese Eigenschaft noch drei Wochennach erfolgter Impfung. 6. Impft man Thieren das Viperngift in allmälig wachsenden Dosen ein, so tritt gleichfalls Immunität ein. . 6. Das Serum dieser Thiere ist ein sicheres Heilmittel gegen den Vipernbiß. 7. Dieselbe Wirkung haben auch gewisse andere Substanzen, z. B. das Cholesterin und das Tyrosin. Da letztgenannter Stoff aus den Knollen der Georgine ve'rhältnißmäßig leicht gewonnen werden kann, so dürften die Arbeiten von Phisalix und Betrand bald auch eine praktxqt Wichtigkeit erhalten. Seine Größe sein Verh ä n g n i ß. Ein Abkömmling eines Geschlechts von Riesen, der selbst vielleicht der größte und schwerste Mann in Philadelphia, Pa., war, Adam Whartenly, ist im Alter von 32 Jahren gestorben. Er wog 320 Pfund und war ein Riese von Gestalt. Aber gerade daß er über das gewöhnliche Menschenmaß hinausragte, wurde sein Verhängniß. Ein Nabelbruch und innere Blütungen, verursacht durch das große Körpergewicht, setzten feinem Leben em Ziel. Er war der letzte der großen Whartenlys. Die Familie war vor 90 Jahren von Wales, England, eingewandert und hatte sich in Frankford niedergelassen.' Der Großvater des Verstorbenen war ein Metzger, wie auch sein Sohn und Enkel Adam. Er wog 410 Pfund, einer seiner Söhne, John Whartenly. hatte das stattliche Gewicht von 400 Pfund. Adam hatte schon als 16jähriger Knabe 192 Pfund gewogen. Zu den schuldenfreien Staaten gehört auch das Herzogthum Sachsen-Altenburg, welches nicht nur keine Schulden, sondern außer seinem Grundbesitz sogar noch ein Saarvermögen Don rund 7.000,000 Mark aufweisen ' kann. Die sogenannte Staatsschuld in Höhe von 882.654 Mark, welche aus der Schuld des Staates an die Wittwensocietät der Staatsdien5? und das sMZs.Znstitut sowie aus Stiftungskapitalien für Kirch- und Schulzwecke besteht, kann bei obengedachtem Vermögensstocke als eigentliche Staatsschuld nichtin Frage kommen.
