Indiana Tribüne, Volume 28, Number 153, Indianapolis, Marion County, 20 February 1905 — Page 7

Jnvkcma Tribüne, 20. Februar IO03.

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lForisetzung.) Als er in dem Salon verschwand, sank Reine mit einem leisen Aufschrei zu Voden. Wenn das junge Mädchen bisher immer noch Zweifel gehegt hatte, so wandelten sie sich in diesem Augenblick in traurige Gewißheit: ihre angebetete Violette, diese Verkörperung aller Tugend und Reinheit, hatte ihre Mutter qetödtet! Freilich durfte sie für die gräßliche That nicht verantwortlich gemacht werden, denn sie war nur ein willenloses Werkzeug in der Hand jenes Unmenschen gewesen, der zweifellos soeben ein neues, nicht minder gräßliches Verbrechen durch die gleiche Hand vorbereitete. Wie er einst Violette, als sie in der Hypnose sich befand, den Befehl ertheilt hatte, Laure umzubringen, so suchte er eben jetzt sie auf gleiche Weise dahin zu bringen, Andre t'ödtlich zu treffen. Reine hatte sich das alles ja vorher gesagt und genau kombinirt, aber in diesem Augenblicke erst kam ihr die ganze Last der Verantwortlichkeit zum Bewußtsein, die sie auf sich geladen hatte. Nein, nein, sie konnte das Werk nicht vollenden, das sie übernommen hatte es war zu viel für ihre Kraft, es war unmöglich! Sie wollte in das Zimmer eilen und Gratien verhindern, seinen Plan auszuführen, allein die Erregung der letzten Minuten war zu furchtbar gewesen. Sie vermochte nicht einmal mehr zu rufen. Sie zitterte an allen Gliedern es wurde dunkel vor ihren Augen. Als sie wieder zu. sich kam, war es ihr unmoqlick. zu bestimmen, wieviel ' 1 .

Zeit verflossen war, seitdem sie das Be-

wußtsein verloren hatte.

Tas erste, was sie vernahm, waren zwei vertraute Stimmen, die ihres

Großvaters und Andres, welche zusam-

men die Treppe emporstiegen und gleich darauf in die Halle traten. Ihre Rähe gab Reine Kraft und Zuversicht zurück. Sie erhob sich hastig und begrüßte die

Ankömmlinge.

2u siehst blaß aus, Kind," bemerkte

Lemarchand, ihr zärtlich das Haar

streichelnd. Dir fehlt doch nichts?" ) nein, Großpapa."

Gratien ist bereits wieder fortgefah-

ren, wie ich höre?"

Ja. Er fchien schlechter Laune zu sein," berichtete Reine. Während ihr Großvater blos nachdenklich mit dem Kopfe nickte, fragte sie den jungen Herzog: Hast Dir Mutterchen nicht gese-

hen. Andre?"

Rein," versetzte dieser. Ich ging

spazieren, und sah dann Gratien vor

überfahren. Bald hernach traf ich Deinen Großvater und bin mit ihm zurück-

gekehrt."

Hierauf ging Reine-Marie in den

kleinen Salon, in dem der Graf vorhin Violette aufgesucht hatte. Diese saß

m einem Sessel und schien zu schlum mern.

Als sie die Thür gehen hörte, ermunterte sie sich aber und sagte beim Anblick des jungen Mädchens: Das unge-

wohnte Leben in Paris muß mich mehr angegriffen haben, als ich für möglich gehalten hätte. Ich bin hier vorhin

fest eingeschlafen.

Und Gretien," fragte Reine, wo ist

er geblieben?"

Ach ja, Gratien," entgegnete die Marquise. Ich weiß es wahrhaftig

nicht. Run, er wird wohl wieder fort

gegangen sein. Aber Du siehst, wenn ich fern von Deinem Vater und aus

meinem gewohnten Geleise bin, so tauge

ich nichts. Man wird alt! Nun, Hoffentlich können wir jetzt bald wieder nach unserem lieben Tauzia zurückkeh-

ren."

Reine-Marie sah einer qualvollen

Nacht entgegen. Sie und Violette hat-

ten ihre früheren aneinander stoßenden

Schlafgemacher wieder bezogen. Das junge Mädchen legte sich nur halb entkleidet nieder, um sofort bei der Hand zu sein, wenn das eintrat, worauf sie

letzt gefaßt fern mußte.

Ihres Großvaters Schlafzimmer lag

aus der anderen Seite dc.s Korridors dem ihren aerade aeaenüber. Sie hatte

den alten Herrn darauf vorbereitet, daß

sie ihn entweder m dieser Nacht oder in

einer der nächstfolgenden Nächte wecken werde, um seinen Beistand in Anspruch

zu nehmen. Er werde seme Thur vrn

verschlossen lassen, erklärte Lemarchand

darauf, und binnen einer Minute ge-

rüstet sein, seine? Enkelin helfend zur

Seite zu stehen.

Die Lösung der furchtbaren Aufgabe.

die Reine übernommen hatte, erheischte

es, daß sie wahrend der ganzen Nacht kein Auge schloß. Aber Stunde aus

Stunde verfloß, ohne daß das geringste

sich ereignete, und als endlich der Mor-

gen dämmerte, und das erste Geräusch im Schlosse laut wurde, da durfte Reine

beruhigt die Augen zum Schlummer

schließen, denn nun war vorläufig

nichts mehr zu befürchten. Es war schon Heller Tag. als Vto leite sie weckte.

Wie lange willst Du in den Sonn-

tag hinem schlafen?" fragte sie heiter.

Reine-Marie fühlte sich wie zerschla-

gm. Ach." entgegnete sie, ich. habe sehr lange wach gelegen und bin noch schrecklich müde. Willst Du mich nicht

noch ein paar Stunden ausruhen lassen?" Besorgt beugte sich Violette zu ihr nieder und küßte sie. Du wirst mir doch nicht krank werden?" Nein, nein, ich habe nur noch ein starkes Ruhebedürfniß." Violette zog die Fenstervorhänge dicht zu und forgte dafür, daß Reine ungestört blieb. Diese verließ erst gegen Mittag ihr Zimmer. Als sie ihren Großvater be-

grüßte, gab ihr dreser eine Depesche zu lesen mit den Worten: Von unserem

ersten Ingenieur. Es handelt sich um sehr wichtige Entscheidungen. Man

rechnet bestimmt darauf, daß ich späte-

stens morgen Abend wieder in Paris eintreffe, da ja von vornherein abgemacht war, daß Andre noch acht Tage hier bleiben würde."

Wußte Gratien bei semem Hiersein

schon um diese Angelegenheit?".

Natürlich. Hatte er sich nicht so

überraschend schnell wieder davon ge-

macht, so würde er zweifellos das Nähere noch mündlich mit mir vereinbart haben."

Reine nickte nachdenklich. Du darfst

Andre von dieser Depesche gar nichts sagen, Großpapa," versetzte sie dann.

.Noch viel weniger kann naturlich die

Rehe davon sein, daß Du selbst abreisest. Ich kann Dich jetzt hier nicht ent-behren."

Selbstverständlich bleibe ich, Kind,"

versicherte ihr Lemarchand. Ich will

nur telegraphisch die nöthigen Weisun-

gen ertheilen."

Nem, nein, unter gar keinen Um

ständen." wehrte seine Enkelin eifrig ab.

,W Deute Ingenieure und Oberbeam

ten wird auch Gratien mit alle? Bestimmtheit darauf rechnen, daß Du

morgen wieder von hier abreisest. Es liegt mir daran, ihn in diesem Glauben

zu lassen. Sie mögen m der Fabrik

zusehen, wie sie ohne Dich fertig wer-

den. Hier sieht für uns wichtigeres auf

dem Spiele.

Jetzt zweifelte Neine-Mane nicht.

vaß auch die nächste Nacht wiederum

ohne Zwischenfall verlaufen werde, und

so war es auch.

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1&

24. Kapitel.

s war in der Nacht vom Montag

auf Dienstag. Ein Uhr war schon vorüber, und Reine kostete es viele Mühe, sich des Schlafes

zu erwehren, als ein Geräusch, das aus

Violettes Schlafzimmer zu ihr drang,

sie plötzlich wieder ermunterte. Ihr

Herz begann wie zum Zerspringen zu

klopfen; sie lauschte und spähte mit ge-

spannte? Aufmerksamkeit.

Durch die Spalte der nur angelehn

ten- Thür fiel em Lichtschimmer, das

leise Geräusch dauerte fort. Nachdem

einige Minuten verflossen waren, wurde

die Thür ganz geöffnet. Reme stellte sich schlafend, allein sie hatte die Augen

nicht ganz geschlossen und sah nun so

deutlich wie damals, in jener unvergeß-

uchen Nackt. Violette an ihrem Bette

vorüber aus dem Zimmer gehen. Sie trug eine kleine brennende Lampe in der

Hand, und bei ihrem Schimmer ge-

wahrte Reine ganz deutlich die un-

heimliche Starrheit der Augen und des

leichenhast blassen Gesichtes.

Einen Augenblick war es ihr, als

müsse sie vor Jammer und Herzeleid

zusammenbrechen, doch gleich darauf

war diese Sckwacheanwandluna ver-

schwunden. Jetzt galt es, stark zu sein.

um zu vollbringen, was sie sich selber

auszuführen gelobt hatte. Schnell wie

der Blitz war sie aus dem Bett, warf

einen schon bereit liegenden dunklen

Morgenrock über, schlüpfte in Filzpan-

toffeln, die jeden Schritt dampften und

trat dann in den langen Hausgang. Sie sah noch, wie Violette ihn entlang

schritt, um dann die in's Erdgeschoß

hinabführende Treppe zu betreten. Reine folgte ihr aber nicht, sondern

eilte an die Thur ihres Großvaters.

Sie pochte nicht erst an, sondern öffnete ohne weiteres und rief hinein: GroßPapa stehe auf und mache Dich fertig.

Es ist Zeit! Ich komme sogleich wie-

der!"

Als sie zurückkehrte, stand der alte

Herr, obschon noch keine zwei Minuten

verflossen waren, schon da und blickte ihr mit ernster Spannung entgegen.

Offenbar hatte auch er halb angekleidet auf seinem Lager geruht.

Komm schnell, der Augenblick der

Entscheidung steht bevor," sagte Reine.

die eme von ihr m Bereitschaft gehaltene Blendlaterne in der Hand trug. Dann gmgen beide hastigen Schrittes zu dem ehemaligen Schlafgemach Laures und traten ein. Lemarchands erster Blick fiel auf das Bett .es ivar leer. Reine kam seiner Frage zuvor, indem sie sagte: Andre schläft schon seit gestern Abend unten. Da Gratien nicht mehr hier ist, von der Veränderung also nichts weiß, brauchte er auch nicht mehr in meiner Mutter Schlafzimmer zu bleiben." Und was haben wir jetzt zu thun?" Vorläufig nur abzuwarten, bis uns das Geheimniß enthüllt wird. ' Wir werden nicht lange mehr darauf zu warten haben." Sie horchte einen Au, genblick, und als noch alles still blieb, fuhr sie fort: Ich weiß natürlich ebenso wenig wie Du, wo der geheime Gang ausmündet. Laß uns in ds Nebenzimmer treten, wo sich das Bild befindet. Von dort aus können wir auch wahrnehmen, was in diesem Gemach geschieht." Lemarchand folgte der voranschreitenden Reine dorthin. Sie schloß nunmehr ihre Blendlaterne,. so daß sie sich im Dunkeln befanden, und setzte sie auf

die Fensterbrüstung. Sie traten dann beide in die Fensternische und warteten mit bangem Herzklopfen.

Ein unbestimmtes Geräusch, von dem

man nicht unterscheiden konnte, woher

es kam, ließ sie verstummen. Gleich darauf hörten sie einen scharfen Ton,

ähnlich dem Zurückschnappen einer Feder. Gleichzeitig schien sich die Jungfrau aus dem Morgenland" aus ihrem

Rahmen zu losen und in die Erde zu

versinken.

In der sich plötzlich erhellenden vier-

eckigen Oeffnung in der Wand, die dadurch entstand, erschien Violette, in der

Lmken die Lampe tragend, m der Rechten ein dolchartiges Messer. Ihre sonst so sanften Augen blickten wie .im Wahnsinn, der Ausdruck des blassen

Gesichts war so furchtbar verändert.

daß Lemarchand nur mit Mühe einen Aufschrei des Entsetzens zu unterdrü-

cken vermochte.

Wer sie? Violette?" stammelte

er leise, doch Reine bedeutete ihm durch

eine rasche Handbewegung, sich ganz

ruhig zu verhalten.

Sie sahen nun, wie Violette vorsich-

tig über die in das Gemach von dem

unteren Rande des Bilderrahmens füh renden Stufen hinabstieg. Mit eigen-

thum':ch schleppenden Schritten durchmaß sie das Toilettezimmer und trat

dann in das anstoßende Schlafzimmer, dessen Thür weit offen geblieben war.

Dort ging sie auf das Bett los, die mit

dem Dolche bewehrte Rechte wie -zu

einem vernichtenden Stoße erhebend.

Doch schon war Reme-Mane mti

einigen raschen Schritten hinter sie ge-

treten und rief jetzt mit lauter Stimme

den Namen Violette!"

Die Marquise fuhr wie vom Blitz

getroffen zusammen. , Mit einem schril-

len Aufschrei wandte sie sich seitwärts

und fank dann auf einen neben dem

Bett stehenden Sessel, während Dolch-

messe? und Lampe ihren Handen ent-

glitten. Die Lampe rollte auf den Tep-

pich und erlosch dort sofort. Oesfne die Blendlaterne. Großva.

in rief Reine, und- komme damit

hierher!

Lemarchand folgte dieser Weisung. Entsetzt blickte er auf Violette, deren Augendeckel jetzt geschlossen waren, aber

bestandig leise bebten.

Nun sage mir, Kind, was hat das

zu bedeuten?" flüsterte er, als ob er sei-

nen Augen nicht zu trauen wage.

Du darfst jetzt laut sprechen, Groß-

Vater," entgegnete Reine-Marie, . sie

liegt im somnambulen Schlafe und Hort und sieht uns nicht.- Es ist dies die ge-

wöhnliche Folge, wenn man Personen,

die in der Ausführung emer posthypno-

tischen Suggestion begriffen sind, plötzlich erschreckt, wie ich das vorhin durch meinen Anruf aetban. Was ab"

dies alles zu bedeuten habe, fragst Du?

Wenn Dir das jetzt noch nicht klar geworden ist, so will ich es Dir sagen. Das bedeutet, daß Gratien v. Plessts

einst die arme Violette hypnotisirt und

ihr .m, diesem Zustande anbefohlen hat, meine Mutter zu ermorden. So hat er damals das Hinderniß zu beseitigen ge-

dacht, das seinem Ehrgeiz sich in den Weg stellte. Jetzt schien ihm Andre allein zwischen mir und ihm zu stehen,

und der Verruchte ließ sich von seiner

Leidenschaft dazu hinreißen, dasselbe

Verfahren in gleicher Weise zu wieder-

holen. Allein ich durchschaute ihn, und

diesmal soll sem Plan blos ihm selber

Verderben bringen!"

Entsetzlich und fast unglaublich, was Du sagst! Und doch... Violette eine Mörderin, die Mörderin Deiner Mutter?" rief der alte Mann, verzwel-

felt die Hände ringend.

Nein, Großpapa! Was sie that, hat sie gegen ihren Willen und ohne Bewußtsein gethan. Violette ist ein Opfer jenes Scheusals in Menschengestalt geworden, so gut wie meine Mutter. Kein

Schatten emer Schuld fallt auf sie:

wir dürfen sie nur bedauern und müssen sie um so mehr lieben! Doch noch fehlt

der Beweis für das, was ich gesagt: Du sollst ihn von Violettcns eigenen

Lippen vernehmen. Aber ich kann mich

in diesem Augenblick nicht mit ihr in

Rapport se?en, wie man das nennt:

das vermöchte nur Gratien selbst, so lange dieser Schlaf währt. Wir müss en sie auf ihr Bett tragen. Dort werde ich sie aufwecken und dann von Neuem in somnambulen Schlaf versenken. In

diesem Zustande wird sie Mir Rede stehen, und Du sollst alsdann die Bestä-

tigung dessen hören, was ich gesagt

habe."

Reine, deren Umsicht und Energie mit jcber Minute zu wachsen schien, ging hinaus, zündete eine, Lampe an.

die im Hausgange hing und machte auch in den beiden Schlafzimmern Licht. Hierauf kehrte sie zu ihrem Großvater zurück, und beide trugen nun Violette

auf deren Lager, wo sie die Schlafende

behutsam niederlegten.

Reine-Marie ging mit dem alten Herrn, der sich von dem Eindrucke der eben erlebten Szene noch immer nicht zu erholen vermochte, zunächst in ihr

eigenes Schlafzimmer zurück und holte

eine Flasche mit spanischem Wem herbei, aus der sie ein Glas füllte. Sie

hatte aus alles Bedacht qenommen.

Komm, Großvater " saate sie. Du

hast noch vieles und wichtiges zu thun.

und Beme Nerven dürfen dabei nicht schlaff werden. Deswegen mußt Du ctsIjc n '.!- u rrs ;i . r

äuiu) iiiuuii. amii reillzie iz lyin

das Glas.

Nun will ich Violette auskleiden, damit sie beim Erwachen sich wie ae-

wöhnlich in ihrem Bett befindet. Von dem, was sie vorher gethan, wird als-

dann mcht die leiseste Spur m ihrer T! . " r u

isunnciung guruageoiieoen tm.

Nach zehn Minuten kehrte das tunae !

Mädchen aus dem anstoßenden Gemach

wieder zurück. So. das Ware aesche-

hen," berichtete sie. Ich alaube. es ist

am besten, sie für's erste noch eine Weile

ruhen zu lassen. Inzwischen können

wir beide wohl den geheimen Gana.

dessen Räthsel uns nun gelöst ist, untersuchen und auf beiden Seiten wieder

verschließen, damit nicht etwa ein Un-

berufener Kenntniß davon erhält. Was wir sahen, muß unser Geheimniß blei-

den!"

Du wolltest Andre" Andre darf nie etwas davon erfah-

ren," unterbrach ihn seine Enkelin.

.Schon um meines Vaters willen dür-

fen wir niemals ein Wort darübe? über unsere Lippen bringen."

Aber wie willst Du denn das Ver-

brechen, das thatsächlich verübte wie

das blos geplante, an dem eigentlichen Verbrecher rächen? Er darf doch nicht unbestraft bleiben!"

Nem, gewiß nicht," entgegnete Reine. .Doch davon später. Laß uns jetzt

nicht länger zögern, den Gang in Au-

genschein zu ' nehmen, wenn Du Dich

stark genug dazu fühlst."

Sie nahm abermals die Blendlaterne

zur Hand, und beide verfügten sich wieder in das Thurmzimmer, wo Jacques

Lemarchand, dessen geistige und körper-

uche Kraft jetzt zurückgekehrt war, zunächst den Mechanismus des Bildes eingehend untersuchte. Da er in seiner

Jugend auch eine Zeitlang praktischer

Mechaniker gewesen war, so fiel es ihm

leicht, die äußerst sinnreiche Art und

Weise festzustellen, in der das alte byzantinische Madonnerbild sich von dem Thurmgemoch aus wie von der anderen

Seite her versenken und dann wieder an seine Stelle in der Wand brinaen

ließ.

Von innen setzte ein Druck auf eine

der Rosettm des Rahmens den Mechanismus in Bewegung, von der anderen

Seite her em Zug an emem m das

Mauerwerk eingelassenen Eisenring.

Durch Bewegungen m der entgegenge-

setzten Vttchmng wurve vas Bild wieder in seine alte Stellung zurückgebracht.

Alles funktionlrt tadellos," sagte

Lemarchand nach wiederholter Prüfung

zu dem ihm dabei voll Spannung zuschauenden jungen Mädchen. Ein Beweis, daß Dein Vater den Gang früher

öfters besucht und die einzelnen Theile

des Mechanismus frisch geölt hat. Gra-

tien wird es mcht allzu schwer geworden

sem, ihm dabei gelegentlich nachzu-

spuren und auf diese Weise das Ge-

heimniß zu ergründen. Nun laß uns

aber weiter sehen!"

Es führte nun nicht etwa eine ver-

borgene Treppe in dem Ostthurme des

Schlosses abwärts, wie man hätte vermuthen sollen, sondern der Gang zog

sich vielmehr m wagerechter Richtung

lanas der auptsront des Gebäudes

hin ohne Zweifel bis zu dem die entgegengesetzte Ecke bildenden Westthurm, in dem damals die Hebamme aus Ailly

das gehelmnißvolle Licht bemerkt hatte.

Der Ganq war schmal und so medng.

dak man sick tief bücken mukte. um ibn

Passiren zu können. Als sie dort ange-

langt waren, wo nun eme noch ichma-

lere Wendeltreppe abwärts führte, muß-

ten sie einen Augenblick stehen bleiben.

um erst wieder Athem zu schöpfen.

Jetzt ist mir's klar," meinte Lemar-

chand, weshalb selbst ein so tüchtiger

Architekt wie Herr Praches seiner Zeit

vergeblich nach diesem Gange gesucht hat. Wir sind soeben zwischen der Decke des Erdgeschosses und dem Balkenwerk, auf dem der Fußboden des Obergeschosses ruht, hindurchgegangen. Die prachtvollen, in Holz .geschnitzten Decken im Erdgeschoß, die jeder Besucher von Saint-Luc bewundert, bilden zugleich das Versteck für diese allerdings ziemlich unbequeme Passage." Und wo sind wir jetzt?" fragte Reine. In dem Winkel zwischen dem Westthurm und .der Hauptfassade des Schlosses. Dieser Thitrm ist bei den damaligen Nachforschungen kaum ernstlich in Betracht gezogen worden weil er so weit von dem Gemach Deiner Mutter entfernt liegt. Diese Wendeltreppe hier, von deren Vorhandensein niemand von uns eine Ahnung gehabt hat, muß hinter den Wänden der unbewohnten Thurmzimmer nach unten führen. Wir wollen sie jetzt hinabsteigen." Ab und zu gewahrten sie. beim Abwärtssteigen eine kleine Lücke in dem Mauerwerk. Es waren noch aus alter Zeit herrührende Schießscharten, und durch diese Lücken hatte offenbar in der Mordnacht die alte Frau aus Ailly den Lichtschimmer im Thurm emporsteigen sehen. Unten im Erdgeschoß angekommen, gewahrten sie links eine Oeffnung, die in-das mit altem Gerümpel gefüllte unterste Gelaß des westlichen Thurmes führte. Die Wendeltreppe hörte hier auf; breitere, aber feuchte und schlüpfrige Stufen führten weiter hinab in die Tiefe, aus der ein kalter, modriger Dunst empordrang. Diesen Weg brauchen wir nicht weiter zu verfolgen," meinte Lemarchand nach kurzem Ueberlegen. Vom Keller aus geht der Gang ohne Zweifel unterirdisch weiter, um irgendwo an einer versteckten Stelle des Parks auszumünden.' Von dorther ist aber Violette nicht gekommen. Sie muß durch die Oeffnung linker Hand in den Thurm getreten sein, und ist dann auf dem Wege, den wir soeben zurücklegten, emporgestiegen. Jene Fortsetzung des Ganges können wir ein andermal un-tersuchen."

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(Fortsetzung folgt.)

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