Indiana Tribüne, Volume 28, Number 153, Indianapolis, Marion County, 20 February 1905 — Page 6

Judiana Tribünc, 2Q Febmar 1903

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Warum nicht Ihr Heim.. anziehend machen, durch den Se

brauch eines -J - rrn. . f w r ,:MM ) L ksmm$ Garland Ofen... ...und.... Range... Dieselben übertreffen alle andern in Schönheit. Daerhaftig?eit, Hchkraft und Spar ssnnkit im Kohlen Verbrauche. Dieselben werden mit Äergnüge gezeigt, in WJLUG'S ...Mbel-Handlnng... 141 West Washington Straße. , I , I 1s Burton & Stahl, ...Rechtsanwatte... W. H. Burton, früher Konsul in Teutschlaud. John Stahl, früher. Schilfs - TtaatSanwalt. i Deutsche Advokaten und Notare Praktiziren in allen Gerichten 5 der Ver. Staaten. 4 607 State Life Gebäude.! Skeue Telephone 3591. , Q C. echtsanlvalt... (Früher Vtaattauwatt.) 323-325 Zndiaua Trust Gebändk Telephon (neu) IM. 1 Prozent jährlich. Zinsen zahlbar vierteljährlich. Dividenden zahlende Aktien in et adligen Manufaktur Geschäften in Indianapolis. Ebenso Bonds, Grundeigenthums-Hypothe-ken und alle Sorten Geldanlagen ersten Ran geS. Bessere Sicherheit als eine Bank. Um p'echselbar in Baar auf 10tägige Kündigung. BUßTON & STAHL ....Deutsche Advokatur. . . . 07 State Life Gebäude. Dr. Carl Q. Winter . if J C2 f M X V'MUWI' VeZsndelt alle akute und chronische Kran! heiten. SeöurtShülfe Spezialität. Osstee: 14 West Ohio Gtt. CU5itt3C: Soynung: iRöO Vadif, d, 10 ll-iSera. eprechftnndn : T 8 benfc 4 Räch. Sonntag : 6 Nach. $92Sta2l k Wohnung Telephone : 9aolXtQ L. Ut. 1045 ; Neu. Xtx9lon. neu U. Dr. J. A. Sutciiffe, Wund-Arzt, Geschlechts, Urin- nnlHcctutr - Arankheiten. Okgce ? 155 OS Mattet Str. Tel H) Offitt-StNZlöe, : 9 b! l? Udr 8m. ; , t!l Uhr. j mh Mm 001 West Washington Str Ler?5vsn deS berünüen Quinine :: Whiok JOai sefte Riitel aegen Qlaiatia unv ErrüNuug. Saison und Restaurant. 7" Neues Telephon 4048. Cflrtt Tut Nckt.

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Europäische Nachrichten.

Frovinz Wrandenvurg. Berlin. Eine blutige Familientragödie spielte sich im nahen Rixdors ab. Der 82jährige Tischler Schaumlöffel gab zwei Revolverschüsse aus seine 18jahrige Stieftochter Marie ab. die sich aus dem Elternhause entfernt hatte, um den Nachstellungen seitens ihres Stiefvaters zu entgehen, und rschoß sick darauf selbst. Das Mädchen ist lebensgefährlich verletzt. Im AIY ter von 5)0 Jahren ist nach mehrwöchigern Krankenlager Stadtverordneter Manezold einem Magenleiden erlegen. Er gehörte der Stadtverordneten-Ver-sammmng feit 1900 an. Selbstmord durch Absturz von der vierten Etag; verübte die 25jährige nervenleidende Kellnerin Frida Holzhausen. Brandenburgstr. 20. Mit zertrümmertem Schädel blieb sie bewußtlos liegen. Der Tod trat kurz darauf ein. Die L:ichs wurde dem Schauhause zugeführt. In dem Maschinenkeller der Pianofortefabrik Neufeld brach Großfeuer aus. Das ganze Gebäude ist vollständig ausgebrannt. Ein Oberfeuerwehrmann trug schwere Verletzungen und ein anderer Rauchvergiftung davon. Der bekannte Vaterländische Schriftsteller und Bismarct - Biograph, Bruno Garlepp, feierte am 3. Januar seinen 60. Geburtstag und sein 23jähriges Schriftsiellerjubiläum. Einer Leuchtgasvergiftung erlag der 60 Jahre alte Desinfektionsarbeitec Heinrich Wastllus. Den Wirkungen des Giftes erlegen ist der 34 Jahre alte Kellner Albert Vogel aus der Zimmerstraße 63, der wegen Krankheit Salzsäure trank und in hoffnungslosem Zustande nach einem Krankenhause gebracht wurde. Im Fieberwahn stürzte sich der 73jährige russische Staatsrath Andres Turel aus dem ersten Stock seines in der Kottbuserstraße gelegenen Hauses auf die Straße. Schwer verletzt wurde er in's Krankenhaus gebracht. Ein Opfer des Wettens ist der Handlungsgehilfe Koppel geworden, der schon längere Zeit verschwunden ist. Der junge Mann besuchte jeden Tag Wettbureaux, in denen er selbst setzte und auch Wetten auf Pferde und Radrennen in ganz Europa annahm. Nach seinem Verschwinden fand seine Mutter zwei Abrechnungszettel, nach denen er ungeheure Summen verloren hat. Die Eltern glauben, daß er sich dieser Verluste wegen, die er natürlich nicht auszahlen konnte, das Leben genommen habe. Niedersch'önhausen. Mit einer schweren Messerstecherei endete ein Scherz", den stch einSteinkutscher mit dem 24 Jahre alten hiesigen Arbeiter Kohlkopf aus der Eichenstraße 61 machte. Angetrunken zog er ihm in der Gastwirthschaft von Mossenke in der Kaiser Wilhelmstraße 19 den Stuhl weg, so daß er hinfiel. Darüber gab es Streit, der sich später, nachdem der Wirth die Leute vor die Thür gesetzt hatte, in der Uhlandstraße erneuerte.. Dort erhielt Kohlkopf von seinem Gegner einen Messerstich in den Leib und mußte mit einem Lück'schen Rettungswagen nach dem KrankenHaus in Weißensee gebracht werden, wo er schwer darniederliegt. Der Thäter wurde verhaftet. Sommerfeldi. L. In dem unfern von hier belegenen Dorfe Laubnid feierte das Weber Schmidt'sche Ehepaar das Fest der eisernen Hochzeit. Der Jubelbräutigam ist 96 Jahre, die Jubelbraut 92 Jahre alt. Senftenberg (Niederlaus i tz). Ein entsetzlicher Unfall geschah in einer hiesigen Vrikettfabrik. Der Presser Krüger wollte in der Presse eine Oeffnung mit Putzwolle verstopfen. Plötzlich schob sich der sögenannte Stempel vorwärts und zerquetschte dem Unglücklichen das Genick, sodaß der Tod auf der Stelle eingetreten ist. Frovinz Kslprenßen. Königsberg. Plötzlich verstorben ist der Agent Emil Böttcher, wohnhaft Selkestraße No. 16b. Er war gerade in Geschäften bei einemKaufmann in der Viktoriastraße anwesend, als ihn mitten im Gespräch em Schlaganfall traf, der trotz sofortiger Hilfe den Tod zur Folge hatte. Die Leiche wurde dem Schauhause zugeführt. In der Altstädtischen Langgasse ist ein 69jahriges Mütterchen die Wittwe Eharlott? Nimmersatt, so unglücklich gefallen, daß sie einen Bruch des linken Oberschenkels erlitt. Sie wurde in's städtische Krankenhaus geschafft. A l l e n st e i n. Von einem Baum erschlagen wurde der beim Holzfällen beschäftigte Arbeiter Pannel von hier. Der Verstorbene hinterläßt eine Frau mit sieden Kindern. Groß-Thierbach. Die Zimmermann Weinert'schen Eheleute von hier, die kürzlich die Diamanthochzeit feierten, sind schnell hintereinander gestarben. G u m b i n n e n. Die PelzwaarenHandlung F. Fabricius hier feierte kürzlich ihr 100jähriges Bestehen. Der derzeitigen Inhaberin Fräulein Vertha Fabricius wurde im Auftrage des Ministers für Handel und Gewerbe eine Bronzemedaille mit der Inschrift Für gewerbliche Leistungen" durch den Regierungspräsidenten Hegel übergeben. L i s s e n. Selbstmord durch Erhängen verübte der hiesige Vesiker Per-

rey. Er war durch Neubau seines Wohnhauses und UnglückSfälle. die ihm in der Wirthschaft passirt waren, in große Geldverlegenheiten gekommen, denen er nur durch Verkauf seines Grundstückes entging. Als Frau Perrey eines Tages von einem Ausgang nach Hause kam, fand sie ihren Mann, an einem Balken erhängt, als Leiche vor. Liebemüh l. Der Windmühlenbesitze? HUbner wurde, als er aus der Stadt nach Hause ging, in der Nähe des Kirchhofes von nachfolgenden Fuhrwerken zu Boden geschleudert, überfahren und auf der Stelle getödtet. Ostrowitt. Von der Eisenbahn überfahren und getödtet wurde der Hilfsbremser Ezerwonka auf der hiesigen Haltestelle. Er stammte aus Osterode und war mit einem Güterzug hierher gekommen. Valm nicken. Bergmann Jopvin ist im hiesigen Bergwerk tödtlich verunglückt. Tilsit. Die eiserne Hochzeit feierte das Altersrentner Gottlieb Seeck'sehe Ehepaar Hierselbst. Seeck ist 90, seine Frau 88 Jahre alt. W o r l e i n e n. Die diamantene Hochzeit beging kürzlich der hiesige Lehrer cm. Beer mit Frau. Der Jubelbrautigam steht im 87., seine Jubelbraut im 83. Lebensjahr. 'Arovinz Westpreußen. D an zig. Einem schweren Verbrechen ist man hier auf die Spur gekommen. Seit Oktober v. I. war der 17jährige Zimmerlehrling Kurt Weyer spurlos verschwunden. Er stand bei Baugewerksmeister E. Reichenbe'rg,

Stemdamm 2s wohnhaft, m Arbeü. Am Abend des Tages, an dem er verschwand, hatte er sich nach seiner, in der Großen Schwalbengasse gelegenen Wohnung begeben. Alles Suchen nach ihm war vergeblich. Jetzt wurde nun am Steindamm in der Nähe des Bahrendt'schen Holzfeldes seine Leiche in der Mottlau gefunden. Hände und Füße waren durch einen starken Bindfaden fest zusammengeschnürt. Der Befund laßt unbedingt darauf schließen, daß Weyer einem Verbrechen zum Opfsr gefallen ist. Braunswald e. Ein tödtlicher Unfall ereignete sich in der Nähe von hier. Der Arbeiter Majewski war mit einem vierspännigen ' Lastwagen auf der Heimkehr begriffen. Da der Sattel, auf dem er saß, locker wurde, stieg er vom Pferde, um ihn festzuschnallen. In diesem Augenblick scheuten die Pferde und rasten im Galopp davon. Majewski wurde eine ganze Strecke mit fortgeschleift und kam schließlich unter die Räder, die ihm über den Brustkasten gingen. Der Bedauernswerthe war auf der Stelle todt. G r a u d e n z. Aus Nahrungssorgen, hervorgerufen durch Stellenlosigkeit, hat sich der verheirathete hiesige Schuhmacher Johann Dankwarth, Speicherstraße 17, mit Salzsäure vergiftet. Der Unglückliche hatte bereits seit längerer Zeit Selbstmordgedanken seiner Familie gegenüber geäußert. Dankwarth wurde nach dem KrankenHause gebracht und ist dort seinenQualen erlegen. I l l o w o. Der Rottenarbeiter Schulz wurde auf denl hiesigen BahnHofe beim- Reinigen einer Weiche von einem abgestoßenen Wagen überfahren und getödtet. Langfuhr. Oberpräsident a. D. v. Pusch, der bis zum Jahre 1900 beim Oberpräsidium in Danzig thätig war, ist hier im Alter von 70 Jahren gestorben. Er stammte aus Ostpreußen und war in Schugsten, im Kreise Sischhausen, geboren. Putzig. Der Altsitzer Paschke aus Rewe ist im Wiek ertrunken. Rosenberg. In der DeutschEylaue? Vorstadt brannte ein dem Töpfermeister Kraschinski gehöriges Wohnhaus, in dem 4 Familien wohnten, nieder. Rentier Kallin, der an Herzschwäche litt, wurde durch den Feuerlärm und den Anblick des ganz in der Nähe seines Hauses wüthenden Feuers derart erschreckt, daß ein Herzschlag seinem Leben ein Ende machte. Schlüsselmühle. Der Vesitzer Scheitelmann aus Dulienewo ist hier überfahren worden. Der Kopf wurde ihm vom Rumpfe getrennt und beiseite geschleudert. - Frovinz Fommern. Stettin. Justizrath Bourwieg und Gemahlin begingen das Fest der goldenen Hochzeit, das dieselbe noch in vollster körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische begehen- konnten. Durch Kohlenoxydgas, das aus dem defekten Ofen strömte, wurden der Drehorgelspieler Schulz in der Feldstraße und seine Familie vergiftet. Schulz wurde todt aufgefunden, seine Frau und fünf Kinder liegen schwer krank darnieder. A n k l a m. Auf der Veene kenterte ein Boot, in welchem der Zimmergeselle Wilh. Krüger mit seiner Frau über die Peene fuhr. Die Frau ertrank, der Mann konnte gerettet werden. Freienwalde. Der Ehrenbürger unserer.Stadt, der Rentier Dobrin. ist gestorben. Ihm war es vergönnt, über SO Jahre der Stadtverordneten Versammlung anzugehören. Mehrere Schenkungen für unsere Stadt und die Armen melden den Nachkommen den Namen des Dahinge-schiedenen.

Vom Jnlaudr.

Ein New Yorker Heim für Einwanderer aus Oesterreich-Ungarn wird nun durch das Dazuthun der dortigen Regierung und ihres Bevollmächtigten, de5 Sektionsrathes Kaltenbronn errichtet. In dieser Anstalt sollen Einwanderer' vorübergehend Unterkunft und zugleich Arbeitsnachweis finden. Das Heim soll der Oesterreichischen Gesellschaft von New Fork" zur Verwaltung unterstellt werden. Ein hoher Beamter des Ministeriums des Innern zu Wien, der eben genannte Herr Kaltenbrunn, be findet sich hier zu Lande, um mit den Einwanderungs - Behörden zu-eonfe-riren. Er ist Vorstand der Abtheilung für Auswanderungswesen im genannten Ministerium. Die Einwanderung im neuen Jahre ist, dem Winter zum Trotze, sehr stark. Kürzlich kamen an Einem Tage über dreitausend EinWanderer auf Ellis Island an. Die weitaus größte Zahl hajte Ungarn gestellt, die nächstgrößte Russisch-Polen, darunter eine Menge Frauen und kleine Kinder. Auf der Liste war nicht ein einziger Reichsdeutscher verzeichnet, und die Schweiz hatte nur drei Einwanderer gestellt. Ueber zweitausend Einwanderer wurden an Einem Tage nach dem Westen dirigirt, darunter dreihundert nach Ealifornien und mehrere nach Colorado und Dakota. Der Ober - Statistiker Junker auf Ellis Island stellte seinen Bericht für den Monat Januar dieses Jahres fertig, woraus ersichtlich ist, daß im genannten Monate auf Ellis Island 42,329 Einwanderer gelandet wurden, gegen rund 19,000 im Januar des Vorjahres. Ueber eine Sensation in der Gesetzgebung von Nebraska wird aus Lincoln berichtet: Weil der Redakteur der Evening News", H. T. Dobbins, einen Artikel veröffentlicht hatte, daß eine Eisenbahn von einem Mitglied der Legislatur den Freipaß zurückforderte, der die Pläne der Bahn nicht unterstützen wollte, wurde der Zeitungsmann vor die versammelte Legislatur geladen, und er ließ auch nicht auf sich warten. Der Sprecher erklärte ihm, daß das Haus' Aufklärung über die Sache wünsche, und ob er dazu bereit sei. Das ist gerade, warum ich gekommen bin," erwiderte Dobbins schlagfertig. Sind Sie bereit, uns den Namen des betreffenden Mitgliedes zu nennen?" war die nächste Frage des Sprechers. Ich bin es," sagte Dobbins prompt. Allgemeine Verblüffung das hatte keiner erwartet. Nach einer aufgeregten Debatte wurde beschlossen, daß ein Comite die Sache privatim" (also nicht öffentlich) untersuchen soll. E : n Russe, der eine Zeit lang auf Uncle Sam's Kriegsflotte diente, und jetzt auf dem Schulschiffe der Flotten - Reserve von New Jersey angestellt ist, kam neulich in Hoboken, wo das Schulschiff liegt, in stark angehe!tertem Zustande nach dem Duke House, welches seinen Namen nach einem iUlienischen Herzog führt, der vor Iahren der Eigenthümer war. Kominsky, so heißt der Russe, nahm an der BeZeichnung Duke's House" Anstoß und meinte, er wolle keine Herzöge in Amerika haben, es sei genug, wenn es Großherzöge oder Großfürsten in Rußland gebe. Durch Widerspruch wurde er wild und begann Alles, was in seine Hände fiel, kurz und klein zu schlagen, weshalb ein Polizist gerufen wurde, der ihn festnahm. Die Kunde von Kominsky's Verhaftung erreichte das Schulschiff bald, und der japanische Oberkoch des Fahrzeugs, Jenaski, eilte nach der Polizeistation und stellte Bürgschaft für seinen russischen Kämeraden, der später vom Richter mit einemRüffel gänzlich freigelassen wurde. Nachdemsiefast 20.000 M e ilen gereist war, seitdem sie Port Arthur im Februar vorigen Jahres bei Beginn des russisch-japanischen Krieges verlassen, während ihr Gatte in der belagerten Festung zurückblieb, appellirte dieser Tage die 37 Jahre alte Frau Heine Rothmann an das Armen - Departement von New York, ihr die Reise nach Chicago zu ermöglichen, wo sie angeblich Verwandte hat, die ihr beistehen würden, den jetzigen Aufenthalt ihres Gatten zu ermitteln. Sie wurde an die Armenbehörde des Staates verwiesen. Frau Rothman kam. am 26. December in New Jork an. Als der russisch-japanische Krieg anfing, hatte der Gaüe von Frau Rothman in der Stadt Port Arthur ein gutgehendes Schnittwaaren-Ge-schüft. Er befürchtete, daß die Japaner die Festung bald belagern würden, und wollte seine Gattin und die zwei jüngsten Kinder nicht den Schrecken einer Belagerung aussetzen. Deßhalb veranlaßte er sie, mit den Kindern zu ihrer Mutter nach Kiew, Rußland, zu reisen und behielt den 17 Jahre alten Sohn bei sich. Sie reiste ab und hat seither nichts von ihrem Gatten gehört. Sie blieb in Kiew bis zum September, worauf sie sich entschloß, nach Chicago zu Verwandten ihres Gatten zu reisen. Ihren Angaben nach wurde ihr Gatte in Amerika geboren. Die Kinder ließ, sie bei ihrer Mutter in Kiew zurück. Sie sate, daß ihr Gatte in Port Arthur cm Vermögen von 60,000 Rubel erworben habe, und wenn während der Belagerung nicht Alles drauf gegangen ist, so würden sie hier im Falle der Wiedervereinigung schon ihr Fortkommen finden.

Der Z)unger-Iour. Humoreske von Eugen Jsolani. Ich habe die kostspieligen gesellschaftlichen Abfütterungen nun satt," sagte meine Frau bei Beginn der Gesellschaftssaison, da sitzt man Stunden lang bei der Tafel, muß den Gästen wer weiß wieviel Gänge vorfetzen und schließlich ist man, wenn man aufsieht, furchtbar müde, sodaß sich die Leutchen noch eine halbe Stunde gegenseitig anöden und angähnen, um dann aufzubrechen. Das thue ich in dieser Saison nicht mehr. Ich richte mir einen Jour fix ein, wie ihn Meyers haben. Da stelle ich in Deinem Zimmer ein kaltes Büffet auf, wo jeder sich nehmen mag, was er will, ohne Stunden lang festsitzen zu müssen, und im Salon und Wohnzimmer können sich unsere Gäste unterhalten." Na, ich adressirte ein paar Tage später gegen hundert Karten, auf denen die gedruckte Mittheilung zu lesen war, daß wir unsere Freunde am ersten und dritten Sonntag eines jeden Monats bei uns "erwarten würden. Ich rechnete aus, daß alle, die wir da zu unserem Jour aufforderten, mit Weib, Kind und Kegel etwa einhundertunddreißig Personen wären und fragte meine Frau sorgenvoll, wo wir so viele Leute lassen könnten. Aber meine Frau machte mit Recht den Einwand, daß ja nicht immer alle Leute an demselben Tage Zeit und Lust hätten, und schließlich höchstens immer nur die Hälfte kämen. So gingen denn die Karten in die Welt, und als der erste Sonntag herannähte, richtete meine Frau ein stattliches Büffet her. Das sah ganz nett aus. Da finden drei hochaufgehäufte Schüsseln verschiedenen Braten, ein prächtiges Rostbeaf, wie gemalt, mehrere Schüsseln mit italienischen: und Herings-Salat, und in der Küche waren noch verschiedene Schüsseln mit Compott und sechs große, prächtige Torten. Aber wird's auch reichen, Mäuschen?" fragte ich meine Frau. Du haft Dich gewiß nur auf sechzig Personen eingerichtet. Wenn nun aber achtzig kommen?!" Du kannst ganz unbesorgt sein. Männel. es reicht auch für achtzig Personen! Wir werden nicht in Verlegenheit sein!" antwortete meine Frau, und sie behielt wirklich recht. Wir blieben in der That nicht in Verlegenheit, unsere Gaste zu sättigen, wohl aber waren wir am Tage darauf sehr in Verlegenheit, wohin wir mit allen den kulinarifchen Schätzen-sollten. Es waren nämlich nicht achtzig, auch nicht einmal sechzig Gäste gekommen, sondern nur zwanzig, und diese zwanzig Personm aßen auch nur Verhältnißmäßig wenig. Als ich meinen Freund, den Dr. Liscow, immer von Neuem aufforderte, zuzulangen, sagte er mir, nachdem er von einigen Sachen genippt hatte: Ja, es thut mir wirklich leid, lieber Freund, daß ich nicht mehr essen kann. Aber, ich will Dir aufrichtig gestehen, ich habe schon ordentlich im Restaurant vorgelegt!" Aber weshalb hast Du das gethan. Liscow?" fragte ich vorwurfsvoll. Nun," meinte er, einem so ersahrenen Gesellschaftsmenschen, wie ich einer bin, darfst Du das schon nicht übelnehmen. Ich weiß, daß es bei den Jours in der Regel miserables Essen gibt. Die fürchterlichsten Salate und zähesten Braten pflegen die Traiteurs für die Jour-Buffets zu liefern. Daß ich hier so ausgezeichnete und delikate Dinge, die augenscheinlich in der Küche Deiner Frau selbst hergerichtet sind, vorfinden würde, konnte ich ja nicht ahnen!" Nun, obwohl wir anderen Tages an Verwandte und sehr intime Freunde Verschiedenes von den Schätzen los wurden, mußten wir doch die ganze Woche über Salate und kalten Braten speisen, die Reste der Torten wurden geradezu herumgeworfen in der Küche, und das erste Mal, als es in unserem Hause wieder ein Mittagessen gab, das nicht aus den Resten des Jour zurechtgebaut war. stieß ich ein wahres Indianergeheul aus. Als nun der zweite Jour fix nahte, sagte ich zu meiner Frau: Mäusel, Du hast wohl das vorige Mal zu viel des Guten gethan!" Nun, diesmal kommen sicherlich mehr Personen," meinte sie, das erste Mal scheut sich mancher wohl, gleich anzutreten. Da kommen nur die intimeren Freunde des Hauses." Und sie kamen; sie kamen sogar in Schaaren. Was nur Beine hatte, schien an diesem Tage kommen zu wollen. Um neun Uhr waren beide Empfangszimmer dicht gefüllt, und meine Frau kam angstvoll zu mir, um mir zuzuflüstern: Du, ich bin in tödtlicher Verlegenheit, das Essen kann kaum für die Hälfte der Personen reichen!" So schicke schnell herum nach einem der Restaurants, lasse noch holen, waö sie fertig haben, einen Schinken meinetwegen oder belegte Brötchen." Ach. Männel, geh' Du doch selber. Du weißt ja, daß man die Mädchen zu solchen Aufträgen nicht verwenden kann." Und fo machte ich mich denn schleunigst hinten herum auf den. Weg. Meine Frau rief mir noch nach: Laß auch noch ein paar Torten vom Conditor heraufschicken!" Als ich in das erste Restaurant kam Und fragte, was man dort habe, legte

man mir die Speisekarte vor. Nein, ich wünsche das mit nac Hause zu nehmen! Ein Rostbeaf, oder einen Kalbsbraten, oder eine Zunge, oder alles drei, was Sie haben!" Bedauere sehr!" sagte der Restaurateur achselzuckend, über die Straße darf ich Sonntags nichts verkaufen!Ich redete in ihn hinein, bat, flehte, bot wer weiß was dafür, er wollte sich nicht rühren lassen. Schließlich ließ ich mir zwölf Brötchen geben, unter dem Vorgeben, sie alle dort aufessen zu wollen, setzte mich in eine Ecke, wo mich Niemand beobachten konnte, und wickelte die Brötchen in ein paar Papierservietten, die ich dem Kellner theuer bezahlte, und ging dann, fleißig kauend, aber mit ganz leerem Munde, an dem Wirthe vorbei zu einem anderen Gastwirth, wo es mir ähnlich erging. Auch Torten waren nicht aufzutreiben. So kehrte ich nach einer halben Stunde mit ein paar Dutzend belegter Brötchen heim.. Als meine Frau den Mißerfolg meiner diplomatischen Sendung sah, wollte sie beinahe weinen und verzweifeln. Ich aber sagte: Weinen hilft hier nichts, mein Kind! Hier gilt's, zu handeln! Rufe Deine Schwester Klara heraus und die Frau Käser, die wohnen hier in der Nähe. Bitte sie, daß sie alle ihre Speisekammervorräthe herholen lassen. Ich werde inzwischen hier im Hause herumgehen und unsere Hausnachbarn anbetteln." Meine Frau machte die Einwendung, sie müßte vor Scham vergehen, ihre eigenen Gäste in diese Verlegenheit einweihen zu müssen. Die ganze Stadt werde über ihre Ungeschicklichkeit lachen." Natürlich hatte ich wieder nur an dem ganzen Mißgeschick Schuld. Aber schließlich es war ja höchste Zeit! mußte sie meinen Rath befolgen, und während sie ihren Gästen ihre Verlegenheit beichtete, ging ich zu unseren Hausnachbarn Trepp auf, Trepp ab, und ließ mir geben, was sie jm Hause hatten, von diesem ein paar Eier, von jenem ein Stück Käse, Fleischreste und dergleichen mehr. Ich lieferte in der Küche meine Schätze ab und eilte wieder zu meinen Gästen, deren Zahl sich unterdessen noch um einigs vermehrt zu haben schien, und die alle sehr erstaunt waren, daß der Hausherr sich ihnen entzogen habe. Als ich mich beim Begrüßen meiner Gaste und plaudernd mit ihnen auch einer Gruppe näherte, in de? Frau Käser lebhaft sprach, verstummte diese plötzlich. Augenscheinlich war sie bereits lebhaft bemüht, allen Gästen zu erzählen, daß es bei uns heute nichts gäbe. Nach zehn Minuten kam meine Frau zu mir, sie flüsterte mir zu, daß alles fertig sei, ich könne nun zum Essen bitten. Sie geniere sich ordentlich, fügte sie hinzu, dazu auch noch die Gäste zu bitten. Jeder kriege nur einen Happen, und miserables Zeug darunter. Na, es half nun nichts. Ich bat mit lauter Stimme die Gäste, dem kleinen Imbiß zuzusprechen, und geleitete sie an's Büffet in's andere' Zimmer. In zehn Minuten war die Tafel vollständig lr. Ich selbst hatte keinen Happen gegessen. Da man plauderte bereits wieder lebhaft und ich hatte die Empfindung, daß alle nur über das wenige und schl-chte Essen sprachen hörte ich es klingeln. ..Um Gotteswillen!" dachte ich, wenn da nun noch ein Gast käme!" Und es kam wirklich einer nein, es kamen sogar zwei! Dr. Liscow trat mit einem Herrn herein, den er mir mit folgenden Worten vorstellte: Du, ich habe mir erlaubt, meinen Freund- Altenberg mitzubringen. Wir waren zusammen im Theater. Ich wollte aber Deinen Jour nicht versäumen. Ihr habt voriges Mal so prächtige Delikatessen gehabt, die wollte ich mir diesmal nicht entgehen lassen. Wir haben beide furchtbaren Hunger!" Ich setzte beiden unbelegtes Butterbrot vor;'nach zehn Minuten waren sie verschwunden, während ich mich anderen Gästen widmete, die an diesem Abend überhaupt alle merkwürdig früh gingen. An unseren nächsten Jours prangten wieder auf unseren Tafeln un glaubliche Mengen von Speisen. Aber die Gäste blieben aus; nur eine kleine Anzahl Intimer blieb uns treu, und die schienen immer schon vorher gespeist zu haben, denn, wie meine Schwägerin' Klara uns hinterbrachte, unser Jour wurde in den Bekanntenkreisen immer nur der Hunger Jour genannt. DaS seltene Ereigniß, daß mehr als 100 Wohnhäuser unter dem Hammer eines Auktionators verkauft werden, hat kürzlich in Siour City, Ja., stattgefunden. Diese WohnHäuser mußten innerhalb 30 Tagen von dem Platz entfernt werden, den die Great Northernbahn für ihre Terminalstation erworben hat. Trotz eines heftigenSchneesturmes hatten sich mehrere hundert Leute zu dem Verkauf eingefunden und die meisten Hauser wurden unter lebhaften Angeboten verkauft. No ch s ch le ch t e r. Mutter (zu ihrem Sohne): Hiasl, schon wieder mußt D' im Wirthshaus, sitzen, wär'Z denn net g'scheidter. Du thatst 'wa5 arbeiten?" Sohn: Aber, Mutter, dann krieg' ich ja noch mehr Durstl"