Indiana Tribüne, Volume 28, Number 153, Indianapolis, Marion County, 20 February 1905 — Page 5
Jndkana Tribuns, 20 Febrilar loöäi-
Vergess'ne Llebe.
Von Emil Lucka. Erinnerung an früh' gelebte Zeiten Umschwebt mich neu in diesen trauten Räumen, Ein wehmUihvolles, halb vergess'nes Träumen Will mir die Seele still erzitternd weiten. Ein holde Wesen wob in diesen Breiten Ten 'Duftkreis, der mich friedevoll um- . fangen. Ein kurzer Traum dann ist sie fortgegangen Zu einem Glück, das nisfit an meiner Seiten. Leben war ihr gut, ich darf nicht klagen; Nicht ziemt es, borbestimmtes Loos zu schelten. Und manches Leid kann Weisheit einsam . tragen. Toch denk' ich sinnend hingeschwund'ner Welten, Da will mich meine Seele bange fragen: Kann alle Weisheit je die Lieb entgelten? Das Berlobungsfeft. Humoreske von Albert Roderich. Die Wohnung des Fabrikanten August Eller war festlich erleuchtet. Die Verlobung seiner einzigen Tochter mit dem Bureauvorstehsr Ernst Ritsche sollte heute Abend " gefeiert werden. Die Brautleute hatten einander vor Kurzem in einem Badeort kennen gelernt. . Also Frau Emma Eller und Fraulein Jda, die hübsche junge Braut, harrten in sehr eleganten neuen Kleidein der Gäste, die in den nächsten Augenblicken kommen, sollten. Das heißt, zunächst warteten sie noch auf den Bräutigam. Er war diesen Mittag von seinem Heimathsorte eingetroffen, hatte einige Stunden im Hause feiner Braut zugebracht und war dann in sein Hotel .gegangen, um fcch zur Verlobungsfeier festlich anzukleiden. '. Aber er war noch nicht wieder zurück. . Die beiden Damen gingen in großer Erregung im blumengeschmückten Salon auf und nieder. ,' Da da traten, augenscheinlich auch in großer Erregung, Herr Eller und der Bräutigam ein. - Was nicht im Frack?!" rief Fräulein Jda entrüstet, sobald sie. ihres Verlobten ansichtig xvaxb. : Es ist unglaublich!" rief Herr Eller. Herr Ritsche will die Verlobung aufheben!" Unmöglich!" rief tödtlich erschrocken Frau Eller, während im Antlitze Jdas ein schnell unterdrückter Freudenschein aufleuchtete. Jawohl," sagte etwas schüchtern Herr Ritsche. . Der Herr Bureauvorsteher war ein etwas zu dicker Mann von Nahezu vierzig Jahren, von pedantischer RegelMäßigkeit in ll' seinen Bestrebungen und in steter Besorgniß um seine etwas unsichere Gesundheit. Aber warum denn?! Was ist denn Lcschehen?!" rief Frau Eller. Kennen Sie einen Herrn Arnold Oldermann?" fragte statt einer Antwort Herr Ritsche.. Die drei von der Familie Eller sahen einander an. Fräulein Jda lächelte ein wenig. Dieser Herr Arnold Oldermann," so fuhr Herr Ritsche fort, ist vor einer Stunde bei mir im Hotel gewesen. Er hat mir gesagt, er würde mich todtschlagen, wenn ich Fräulein Jda heirathe. Ja, er würde, mich todtschlagen!" Dabei schaute Herr Ritsche so ängstlich drein, als wenn der Arnold Oldermann mit einem großen Knüppel hinter ihm stände. Aber warum denn? Was heißt das?" rief wie außer sich Frau Eller. Der Herr Oldermann sagt, er hat ältere Ansprüche an Fräulein Jda, und " Ach waS, der Hungerleider, der Nichtsnutz!" unterbrach ihn wüthend Frau Eller. ' Na ja, aber es wird wohl so sein. Und davon ist mir nichts gesagt. Und ich danke'für so eine Ehe. Da würde bald ein schöner Skandal herauskommen. Also" O, mein armes, armes Kind!" jammerte Frau Eller. Das ist wohl nicht so schlimm," sagte Herr Ritsche. Ich glaube, Fräulein Jda macht sich nicht besonders viel aus mir und nimmt mich wohl nur, weil Sie ihr ordentlich zugeredet haben. Ich bin ja auch so weit 'ne ganz nette Partie. Ist es nicht so, Fräulein Jda?" Fräulein Jda widersprach nicht. Da gerieth Frau Eller ganz in Verzweiflung.' Aber das ist doch schrecklich, entsetzlich! Jeden Augenblick können die Gäste kommen! Diese unerhörte. Blamage! Das überlebe ich nicht. Mein Herr, wenn Sie einen Funken von Gefühl haben, so lassen Sie uns wenigstens die Verlobung feiern!" Aber, Frau. Eller, ich bitte Sie - Es ist keine Zeit jetzt zum Streiten. terr Ritsche, ich bitte, ich beschwöre ie, thun Sie uns die Schande nicht an. Sie reisen ja morgen früh ohnehin wieder ab. Dann läßt man einige Zeit vergehen und sagt dann, die. Verlobung ist zurückgegangen. Das kommt ja alle Tage vor. Aber nur so nicht so 'nicht. Wir werden ja zum Gespötte der ganzen Stadt!"
Und das prachtvolle Essen und der Champagner!" rief Herr Eller. Wirklich,. da kommen schon Gäste," rief Fräulein Jda.. Ernst Ritsche sann einen Augenblick nach, dann erklärte er sich mit der Feier einverstanden.' Man soll nichts be-
Häupten, was man nicht beweljen xan. Und deshalb will ich nicht behaupten, daß die Aussicht auf das prachtvolle Essen .und den Champagner irgend welchen Einfluß auf die Entschließung unseres Freundes Ritsche ausgeübt hat. Nach wenigen Minuten schon traten die ersten Gäste ein. Es war die Familie Rothe Mann. Frau und Tochter. Alle drei, namentlich die beiden Damen, musterten den ihnen noch unbekannten Bräutigam mit streng forschenden Blicken. Nach der Vorstellung zog Frau Nothe die Dame des Hauses beiseite. Scheint ja ein sehr nette? Mann zu sein, Ihr Herr Schwiegersohn," begann sie. Reizendes Kleid hat Ihre Jda an. Ganz reizend. Aber sagen Sie mal, liebe Frau Eller Ihr Schwiegersohn, der ist doch eigentlich mal 'n bißchen komisch angezogen für 'ne Verlobungsfeier." Einen Augenblick stockte Frau Eller. Das ist sein Reiseanzug," sagte sie dann. Ja, da liegt ordentlich noch 'n bißchen Staub drauf. Hat er denn keinen Frackanzug?" O, gewiß natürlich. Aber ja fein Koffer ist auf der Eisenbahn vertauscht. .Ja. Nun war er ja in der größten Verlegenheit. Was sollte er da machen?" Ach so so. Sein Koffer ist auf der Eisenbahn vertauscht! Das ist ja sehr unangenehm," sagte mit außcror-dentlich-künstlichem Bedauern Frau Rothe. Währenddessen sagte Herr Rothe mit gedämpfter. Stimme zum Herrn des Hauses: Hör' mal, Eller, ich bekomm' doch die Wohnungseinrichtung für das junge Paar zu besorgen?" Die die Wohnungseinrichtung?! Hm, ja die die besorgt mein Schwiegersohn." So, na. Dann werd' ich mit dem reden." ' Und Herr Rothe zog Herrn Ritsche in eine Ecke. Erlauben Sie, Herr Ritsche. Eh' so viel Leute kommen. Da hat man doch keine Ruh' zu reden. Ich bin nämlich Mobilienfabrikant. Reell, billig und gut ist meine Devise. Na, ich bin der intimste Freund von Ihrem Herrn Schwiegerpapa, und Sie werden doch Ihre Mobilien - Einrichtung bei mir kaufen." . Herr Ritsche stutzte einen Augenblick. Hm meine Mobilien die besorgt.mein Schwiegervater." In diesem Augenblick traten neue Gäste ein. Da kam zunächst die Beamtenwittwe Frau Reimers mit ihren nicht mehr ganz jungen Töchtern Emma und Anna. Frau Reimers war eine in ihren Kreisen sehr angesehene, aber auch sehr gefürchtete Dame. Sie war sehr mokant und sprach immer sehr gewählt. Sie war diejenige, um derentwillen Frau Eller den Skandal am meisten gefürchtet hatte. Frau Reimers betrachtete den Bräutigam besonders scharf, und ihre beiden Töchter- machten ihm eine steife Verbeugung. Während neue Gäste eintraten, sagte Frau Reimers zum Hausherrn: Gestatten Sie mir gütigst eine Bemerkung, Herr Eller. In besseren Gesellschafts kreisen hat die Wahrung gewisser Formen nicht nur ihre Berechtigung. sie ist eine Nothwendigkeit. Und deshalb möchte ich mir die Frage erlauben. ob Ihr Herr Schwiegersohn in spe nicht gewußt hat, mit wem er hier heute Abend zusammentreffen wird?" Wieso? Was wollen Sie damit sagen?" Nun, ganz offen gestanden ich finde den Gesellschaftsanzug Ihres Herrn Schwiegersohns ein wenig beleidigend. Ja, Herr Eller, ich finde ihn etwas beleidigend." O, Sie meinen, weil er keinen Frack an hat. O ja ja der Frack ist ihm gestohlen." Gestohlen?! Ah wo denn?" Im Hotel." Im Hotel! Wo wohnt denn Ihr Herr Schwiegersohn?" O, Pardon," sagte Herr Eller und stürzte in sichtlicher Hast und Verlegenheit einigen neu eintretenden Gästen entgegen. Inzwischen ward das Brautpaar von einigen anderen Familienmitgliedern umringt, von Herrn Kuntze, dem Bruder der Brautmutter, dessen Frau und deren Sohn Emil. Der Letztere war ein Jüngling von einigen zwanzig Jahren und im Besitze eines Angesichts mit einem ganz seltsamen Gemisch von Dummheit und Unverschämtheit. Frau Kuntze war eine, ältere Dame, die ganz außerordentlich leicht in Rührung verfiel. Zuerst hatte sie ihre Nichte die junge Braut, in überschwenglichster Weise be glückwünscht. Jetzt wandte sie sich dem Verlobten zu. Sie weinte schon. Sie sind ein lieber, guter Mensch das seh' ich schon." schluchzte sie, ach, Sie bekommen - ja auch so eine süße, liebe Frau ach, sie ist ja so herzig, unsere liebe Jda ach ma
chen Sie sie glücklich Ich beschwöre
Sie, machen Sie sie glücklich! " Dabei fiel Frau Kuntze dem vergeblich zurückweichenden Herrn Ritsche um den Hals und' gab ihm eine Anzahl thränendurchfeuchteter Küsse. O Gott, o Gott," wimmerte Herr Ritsche, der aus Furcht vor Bazillen ein schwerer Feind des Küssens war. Machen Sie sie glücklich!" jammerte Frau Kuiitze von Neuem aber der Bräutigam strebte ihr energisch abwehrend den Arm entgegen. Laß doch," sagte zurechtweisend Herr Kuntze zu seiner Frau. Der Mann ist nicht für Zärtlichkeiten. Oder vielleicht hat er Anast. daß seine Jda eifersüchtig wird. Via, Jda. dann gib du ihm doch einen Kuß! Fräulein Jda ward hochroth und sagte verlegen: Nicht doch vor all', den Leuten!" Herr Ritsche starrte in die Luft, als. ob er nichts gehört hätte. Na, dann bin ich so frei!" sagte der freche Emil,'faßte Jda beim Kopfe und küßte sie. Ist doch 'n verteufelter Kerl, der Junge," sagte schmunzelnd HerrKuntze der Vater.. Na, und was ich sagen wollte, Jda, morgen bist du mit deinem Bräutigam bei uns zu Tische." Herr Kuntze sagte das ungefähr in einem Tone, als ob er dem jungen Paare ein gutes Stück der ewigen Seligkeit zuwenden wollte. Um so pikirter war er auch, als Herr Ritsche die Einladung energisch ablehnte. Unmöglich er könne nicht kommen er müsse morgen ganz früh wieder abreisen. Gott und ich hab' so viel Um-, stände gemacht," wimmerte Frau, Kuntze. Haben Sie denn so viel zu thun?" fragte Herr Kuntze. Jawohl, sehr viel." Sie sind Bureauvorsteher, 'nicht? Jn'n großen Kaufmannshaus, nicht?" , .Ja." Dann haben Sie wohl zu wenig Leute wenn Sie zu viel zu thun haben?" Jawoll, jawoll," sagte Herr Ritsche, um die Sache zu Ende zu bringen. Da kam er aber schön an. So, Vadder, nu leg' man los," sagte der freche Emil und .blinzelte dummschlau mit den kleinen Augen. Ja, mein lieber Herr Neffe," begann nun Kuntze, wenn Sie zu wenig Leute haben, dann können Sie ja meinen Emil engagiren. Der hat grad' keine Stelle. Das trifft sich ja ganz prachtvoll!" Versteht denn Ihr Sohn etwas von Kontorarbeiten?" Und ob er was davon versteht!" Kann er stenographiren?" Wird er schon lernen." Kann er englisch und französisch correspondiren?" Wird er schon lernen." Hat er denn schon Stellung gehabt?" Oha! Sechs." Nee. sieben," verbesserte Emil seinen Vater. . ..Ja," fuhr der Vater fort, die letzten Male hat mein Emil Pech gehabt. Er ist mal Sonnabends nicht in's Kontor gekommen, weil er gemeint hat, es wär' Sonntag. Da ist . der Chef gleich so unangenehm geworden und da hat Emil so leise vor sich hin gesagt, der Chef könnt' ihn 'n . Buckel runterrutschen. Der Chefhat's aber doch gehört, und da hat mein Emil gleich gekündigt." Herr Ritsche fing an, sich zu ärgern, und er ärgerte sich immer noch extra, wenn er sich ärgerte, well der Aerger seiner Gesundheit besonders schädlich war. Und wo er zuletzt war." fuhr Kuntze fort, da mußte er jeden Ab:nd bis 8 Uhr arbeiten." Bei uns wird bis um 9 Uhr gearbenet, fiel Herr Ritsche em. Na, na, der Neffe des Bureauchefs wird wohl früher Feierabend machen können. Ja, also mein Emil hat da immer für Geschäftsrechnung zu Abend gegessen, weil es immer so spät gewor den ist, das hat sich ja natürlich aufge summt und da ist 'ne Rechnung gekommen von 500 Mark. Sechshundertundfünfzig Mark," verbesserte Emil seinen Vater. Die wollte ja nun der Knauser von Chef nicht bezahlen, hat s aber doch müssen." Jetzt-ward es dem Bureauvorfteher zu viel. Also, ich bedaure," sagte er kurz, es ist keine Stellung bei uns frei für den jungen Herrn. Kaffer!" sagte laut und deutlich Emil. Herr Kuntze sagte mit so einer Art von verachilichem Bedauern: Familiensinn haben Sie nicht, Herr Ritsche." Und Frau Kuntze wimmerte, indem sie sich die Augen wischte: O, meine Jdq, wenn du man glück lich wirst!" Jetzt trat ein ziemlich großer und dicker Herr, mit einem etwas sorcirten freundlichen Lächeln auf dem glattrasirten Gesicht, auf das Brautpaar zu und gratulirte in ostentativ geräuschvoller Weise. Das war der Geleaenheitsdichter und Festredner Ottomar Roselli. DaS war aber nur ein Pfeudonym, eigentlich von Rechts wegen hß er Otto Pott. In den wohlhaben den Kreisen der Stadt wurde Ottomar Roselli fast zu allen bedeutenderen Fe 'sten geladen, um die Hauptrede zu hal
ten. Er hatte einen ziemlich feststehenden Tarif für seine verschiedenen Sa$
ten von Reden. Dieser Tarif war in den betreffenden Kreisen wohlbekannt. und man beurtheilte die Splendidität eines Gastgebers gerade so gut nach der Länge der Roselli'schen Rede, wie nach der Güte und Menge der Speisen und der Getränke. Also Herr Roselli zoa den Gastaeber beiseite, nachdem er alle bereits anwesenden Kunden höchst freundschaftlich begrüßt hatte. Was ich sagen wollte, verehrter Herr Eller," begann er; ja. es scheint za em ganz reizender Mensch zu sein, Ihr lieber Herr Schwiegersohn also, .3 I j. ' . , V um ivj fugen roouie a, gcven tote mir, bitte, einige Anhaltspunkte für meine Festrede. Es soll doch ein bißchen was Nettes sein, nicbt?" Herr Eller aber überlegte sich, daß unter den obwaltenden Umständen eine längere Rede zum Allermindesten überflüssig wäre und sagte also : Hm, jä, aber mein Schwiegersohn ist kein Freund von langen Reden." So. Hat Ihr Herr Schwiegersohn mich denn schon mal reden hören? Na, also! Mein hochverehrter, Herr Eller, ein Mann in Ihrer Position kann doch ganz unmöglich be: der Verlobungsfeier semer einzigen Tochter den Gasten eine Fünfmarkrede vorsetzen!" . Hm, na ja, was was kostet denn eine bessere Rede?" Sie wollen doch fn bißchen was Herzliches haben?" Ja, ja. Und doch 'n bißchen was Witziges auch dabei, nicht wahr?" Na, ja." Dann kostet, die Rede 30 Mark." Das zahl' ich nicht." Herr Eller, Sie haben mich enaagirt. Ich habe heute zwei Festlichkeiten Ihretwegen ausgeschlagen, Herr Eller " Papa!" rief in diesem Augenblick Jda laut herüber. Herr Eller ergriff schnell und gern die Gelegenheit, sich von dem berühmten Redner loszumachen, indem er ihm noch mit gedämpfter Stimme zurief: Also reden Sie für 20 Mark!" Währenddessen hatte sich Fräulein Jda eine kleine Weile mit ihrer besten Freundin, mit Anno Reimers, unterhalten. . : ?Jst eure Hochzeit schon festgesetzt?" fragte diese. Nein, der Tag ist noch nicht bestimmt." Du mußt doch auch wohl jedenfalls solange warten, bis dein Verlobter sich einen Frackanzug, hat machen laen." Fraulem Jda zuckte nicht mit den Wimpern "O, mein Bräutigam hat sich für heute einen ganz neuen Frackanzug machen lassen. Aber denke dir, das Pech! Ejn großes Loch hat er sich hineingebrannt : mit der Cigarre, ein Handbreitgroßes Loch, im Aermel." Das ist allerdings Pech!" 'Aber das schadet nichts. Mein Verlobter macht sich nichts draus, und wenn er sich in zehn Frackanzüge Löcher brumt." . Dabei lachte Fräulein Jda sehr vergnügt. .Sie hatte sich nämlich vorgenommen, sie wolle sich heute Abend trotz alledem und alledem ganz ordentlich amüsiren. Sie wollte das Ganze für einen guten Spaß nehmen, und Fräulcin Jda hatte viel Sinn für Späße, '.Dem ganz entgegengesetzt aber verfiel Herr Ritsche immer mehr in so eine Art von brummigem Aerger. Er fühlte sich in der Gesellschaft außerordentlich unbehaglich..,. . Man ging jetzt zu Tische. Fräulein Jda legte ihre Hand in den Arm ihres vermeintlichen Verlobten, den er ihr zu bieten vergessen hatte, und führte ihn an ihren durch einen großen Blumenstrauß bezeichneten Platz am oberen Ende der festlich gedeckten Tafel. Es ging zunächst sehr still her bei Tische. Die Gäste hatten alle guten Appetit, und es ging sozusagen der Engel der guten Verköstigung durch's Zimmer. Jda war sehr zutraulich und zuvorkommend gegen ihren angeblichen Verlobten, so daß er den Verdacht schöpfte, sie wolle den Rückgang der Verlobung wieder rückgängig machen. Darauf würde er aber unter keinen Umständen eingehen. Das nahm er sich fest vor. Fräulein Jda brachte mit einer etwas unvermittelten' Wendung plötzlics: das Gespräch auf Herrn Arnold Ql dermann. Ob Herr Ritsche sich sehr vor ihm fürchte. . Der Mann hat mir den Eindruck gemacht, als ob er mich wirklich todtschlagen würde, wenn " Er wäre auch wirklich dazu im Stande," sagte, ganz ernsthaft der Schelm. Arnold ist sonst ein prächtiger Mensch, und ich habe ihn gern, aber er ist so furchtbar eifersüchtig. Im Vertrauen gesagt, er hat schon mal einen Monat im Gefängniß gesessen wegen Körperverletzung." Was?! Warum denn?" Herr Ritsche war ganz blaß geworden. Ein schrecklicher Gedanke stieg in ihm auf. ' Wenn wenn der Mensch nun hört, daß wir uns doch verlobt ha ben" :Ab die Verlobung gilt ja nicht." . Das wird er ja aber erst später gewahr." rSie reisen doch morgen früh fort." 'Ja, aber' heute Abend heute Nacht, so ein Mensch ist zu Allem fähig."
Nun denn, Herr Ritsche, ich wäre beinahe Ihre Frau geworden, das berechtigt mich, nein, das verpflichtet mich nicht gleichgültig zu sein wegen Ihrer Sicherheit, also ich muß Jhnen sagen: ich habe vorhin duich's Fen.ster gesehen, daß Arnold Oldermann auf der Straße vor unserem Haufe auf und ab geht." Herr Ritsche erschrak heftig. Er legte plötzlich Gabel und Messer nieder. So gut es. ihm fchmeckte nein er wollte nicht weiter essen. . Er würde ganz sicher schwer krank werden, wenn er in dieser gräßlichen Aufregung weiter äße. . Fräulein Jda amüsirte sich Prachtvoll. Sie legte dem Trostlosen ein Stück Huhn auf den Teller und sagte jetzt wieder laut: Aber, lieber Ernst mein Schatz so iß doch!" In diesem Augenblick erhob sich höchst würdevoll Herr Ottomar Roselli,
der berühmte Redner. Eine feierliche Stille trat ein, und nachdem er sich durch scharf forschende Blicke überzeugt hatte, daß alle Anwesenden auf ihn sahen, begann Roselli seine Rede. Meine lieben Freunde und Festgenossen!" Kurze Pause, als mußte der Redner feine Riesengedanken erst beutiltigen. Dann noch einmal, fast zärtlich: Meine lieben, lieben Freunde und Festgenossen! Ein alter Weiser hat einmal gesagt: es ist Alles schon dagewefen, würde er das auch gesagt haben, wenn er die Freude gehabt hätte, das junge Brautpaar, das wir hier heute Abend feiern, zu sehen? Ich sage nein, er würde es nicht gesagt haben. Denn so viel Liebe und Gluck, also so viel Liebesglück, ist wohl noch nicht dagewesen. Sehn Sie die freudestrahlenden Blicke der lieblichen Braut sehn Sie das vom Glück verklärte Angesicht des Bräutigams " Wo denn? fragte halbleise, aber verständlich, der freche Emil. Herr Roselli lleZ sich nicht irre machen. Ach, und wie vertrauensvoll darf dies junge Weib ihr liebliches Haupt an die Brust dieses Mannes legen! Er ist ein -gediegener Mann, ein ernster Mann, ein einfacher Mann, der keinen Werth legt auf Äußerlichkeiten. Sehn Sie doch, meine lieben Freunde, wie er dasitzt an seinem Ehrenplatz im einfachen Gewände " Hähähä, sein Frack ist auf der Eistnbahn vertauscht!" rief Herr Rothe, der abgeschlagene Mobilienhändler. - Wie einen Fangball griff Herr Roselli diese Zwischenrede auf. Sein Frack ist auf der Eisenbahn vertauscht! .O, über die Zerstreutheit der Liebe! Er hat an sein suße'L leb gedacht und darüber seimn Koffer vergessen. O, daß sie ewig grünen bliebe, die schöne Zeit der jungen Liebe!" So redete Herr ,Roselli noch eine kurze Zeit weiter und schloß dann mit einem Hoch auf das junge Brautpaar, in das die Gesellschaft einstimmte. Als wieder Ruhe eingetreten, war, rief Fräulein Anna Reimers über den Tisch herüber: Herr Ritsche. ich meine, Sie hätten sich ein Loch in den Frack gebrannt." Blöde stierte der Angeredete das Mädchen an. Was?!" rief höchst verwundert die Mutter der jungen Dame. Mir ist gesagt.' Ihr Frack wäre Ihnen im Hotel gestohlen. , Wo wohnen Sie denn?" Im im Hotel zum Kronprinzen." Ei, sieh das gehört ja meinem Veiter Gollermann! Der wird sich doch sein Hotel nicht verschimpfiren lassen! Das wird sich noch finden!" Herr Ritsche war förmlich in sich zusammengesunken. Da stieß ihn Fräulein Jda an. Mein lieber Schatz du mußt dich für den schönen Toast bedanken." Ich ich kann nicht reden," stammelte der Schatz. .Aber Jda hatte s'hon an sein Glas geklappt und schob ihn in die Höhe. ' Der Unglückliche begann zagend und stotternd: Meine meine lieben Freunde!" Da konnte er schon nicht weiter. Aber Jda begann zu fouffliren, und Herr Ritsche betete Alles getreulich nach, soweit er es verstehen konnte. Ich danke dem dem geehrten Vorredner Und meine heißgeliebte Braut ich werde sie sie glücklich machen soweit sie es nicht schon ist und meine lieben Schwiegereltern und die ganze Gesellschaft ja. ich werde sie glücklich machen hoch, hoch, hoch!" Man kicherte und lachte etwas unae nirt über die Rede des Herrn Ritsche. Ueberhaupt war dieStimmung für den Bräutigam recht ungünstig im Publi kum. Unmittelbar nach Aufhebung der Tasel war er auch aus dem Saale ver schwunden. Frau Reimers, die gefürchtete Kri tikerin, hatte Frau Eller unter den Ctt c f r - -atm geiaßi uno zog ne aus ein lieines Sofa in der Ecke. Meine liebe Frau Eller," begann sie, wollen Sie einer guten, ehrlichen Freundin ein offenes Wort gestatten? Ich muß Ihnen sagen, daß der Verlobte Ihrer lieben Jda, die auch mir so an's Herz gewachsen ist, nicht den. Eindruck erweckt, daß er das theure Kind glücklich machen kann." Frau Eller kam auf einen Gedanken. Hier war die beste Gelegenheit, die bevorstehende Aufhebung der Verlobung gleich ahnen zu lassen und die gewichtigste Persönlichkeit des Bekanntenkreises darauf vorzubereiten. Ach, meine liebe Frau Reimers,
jagte t, wenn &xt wußten, wie lange schon mich der Gedanke quält. Aber der Mann ist ja so verliebt und hat keine Ruhe gegeben, und meine Jda ist so jung und unerfahren. Aber es ist noch nicht aller Tage Abend, und ich meine, eine kleine Unannehmlichkeit ist : besser als ein großes Unglück. Der Mann würde mir' ja schrecklich leid thun, aber schließlich nun es -wird sich finden." Der Mann ist erschrecklich ungebildet," sagte Frau Reimers. Ach ja!" Er weiß sich absolut nicht zu benehmen." , Wem sagen Sie das!" Und die Lügengeschichte mit dem Frack wenn er nur nicht auch noch ein Schwindler ist!" Sie ängstigen mich wirklich, Frau Reimers."
In diesem Augenblicke näherte sich Fräulein Emma Reimers ihrer Mutter und sagte ihr etwas in's Ohr. Ein starres Staunen zeigte, sich im Antlitz der älterenDame, und sie verlieh schnell mit ihrer Tochter das Zimmer. Kurze Zelt darauf kehrte Frau Reimers zurück und zog sogleich die Dame des Hauses wieder in ein Gespräch unier vier ugen. Liebe Frau Eller," begann sie, wenn ich Sie vorhin recht begriffen habe, so planen Sie die Aufhebung der. Verlobuna Ihrer Tockter." Es ist nicht unmöglich der Mann ist erschrecklich ungebildet, wie Sie richtig bemerkten. Hm, nun, um das zu behaupten, kannte .ich ihn doch eigentlich noch, zu wenig. Und er weiß sich doch absolut nicht zu benehmen." Aber er macht doch den Eindruck tu nes sehr klugen Mannes, dem man ge sellschaftlichen Schliff sehr leicht beibringen konnte. Und die Schwindelaeschichte mit dem Frack?" Liebe Frau Eller. aestatten -Sie eine Bemerkung. Nachdem Sie in solchen Ausdrucken von dem Manne re den. kann er unmöglich Ihr Schwiegersohn werden." Meinen Sie wirklich?" Ja, liebe Frau Eller, und auch noch aus einem anderen Grunde nicht. Herr Ritsche hat sich nämlich'eben mit meiner Tochter Anna verlobt, aber heimlich einstweilen." Vor einer Paris er Civiltammer wurde ein interessanter Prozeß verhandelt, den die Gattin eines verunglückten Eisenbahnschasfners gegen die Gesellschaft der Ringbahn angestrengt hatte. Der Schaffner Tremblay wurde eines Tages 'im Tunnel von Belleville todt aufgefunden. Sein Körper war durch Eisenbahnzüge gänzlich zerstückelt wordey. Die BeWeisaufnahme stellte fest, daß Tremblay selber Schuld an feinem Unglück war. In einem Coupe erster Klasse seines Zuges faß ein Liebespärchen: Als sie nun durch den Tunnel fuhren, packte den Schaffner eine unwiderstehliche Lust, das zärtliche Paar zu belauschen. Er lief, also auf dem äußeren Tritibr?tt bis zu dem fraglichen Wagcnabtheil, als plötzlich ein Zug von der entgegengesetzten Richtung kam und Tnmblay zermalmte. Die WittweTrenlölay's forderte nun eine Pension für sich und ihre Kinder. Der Gerichtshof nahm aber an, daß Tremblay nicht im Dienst verunglückt, fondern ein Opfer seiner Ncugicrde geworden sei, und unter dieftn Umständen auch die Gesellschaft zur Zahlung einer Pension nicht gezwungen werden könne. ooo ooo preise geliefert von A. B. METER & CO. Pennsylvania Anthracits. $7.50 Pocahontas Lump ....5.50 Smokeleß Lump 5.50 Ohio Cannel Lump. .5.50 Ohio Cannel Egg.. 5.50 Kanawha Lump 4.50 Pittsburg Lump 4.50 Brazil Block.. 4.25 tzocking Valley 4.25 Straight Creek Lump 4.50 Straight Cree! Egg 4.25 Greene County, No. 4, Vein Lump .... 3.50 Greene County, No. 4, Vein Egg 3.50 Jackson Ohio Lump 6.00 Oven Coke Egg 5.50 GaS tzouse Lump Coke 6.50 GaS House Crushed Coke 6.00 LrtraBerechnung wo solche getragen werden üffea. ktadlirt 1633, nimmt jederzeit Sngagr, tttt entgegen. Irgendwelche Orchester Nsfik und irgend eine Anzahl von justiern ?ird geliefert. Neue NuSstaUung und neue Uaiforme. - 8. N. Niller, Direktor. Henry vprengp seil, Geschäftsführer, l Kentuck? Lvenue.
mhkw
'
lifl"
M
Tel;
$ t $ $
5?t 4ZZ3,
