Indiana Tribüne, Volume 28, Number 152, Indianapolis, Marion County, 18 February 1905 — Page 5

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Ich WM der Elnfamkelt nicht grolle. . Von Albcrt Kocrth.' Ich Kill d?r Einsamkeit nicht grollen; feie war die trcu'ste Freundin mir! Wenn man verkannt mein reinstes Wollen. Fand ich den besten Trost bei ihr. Sie nahm mich lieb in ihre Arme Und süßte meine heiße Stirn; Bei ihr genatz ich von dem Harme, cnn's wirr und wild in meinem Hirn! Sie lehrte mich das Leben tragen; Sie weckt' in mir den stolzen Muth, ern lauten Lebenu entsagen. Ich finjl' mich wohl in ihrer Hut. Mein Leben lehrte sie mich leben. Zu nützen jeden Augenblick: So konnte ich der Welt mehr geben. Als sie mir gab von ihrem Glück.

Krieg den Zvetter-Zakiren! Eikrige Mitbewerber des Prof. Moore, die gute Geschäfte machen. Auch eine Art Gämbelei. Tas Wetter amt sieht sich zu einem Feldzug gegen sie veranlaßt. Wetter - Boraussa gnngen ant längere Zeit ein ZukunftS Problem. Ohne- Zweifel hat sich der Dienst unseres Bnndeswetteramts in den letzten zehn Jahren bedeutend vervollkommt, obwohl er noch sehr weit davon entfernt ist, unfehlbar zu sein. Line große Mehrheit seiner Voraussagungen hat sich als wesentlich richtig erwiesen, und der praktische Werth derselben für Landwirthschaft, Geschäftsleben, Schiffahrt usw. wird immer mehr anerkannt. Sogar die schlechten Witze über die gelegentlich nicht eintreffenden Voraussagungen sind gegenüber dem amtlichen Wetterdienst viel seltener geworden, obgleich sie natürlich nie ganz aufhören werden. Nicht groß mehr ist die Zahl Derer, welche glauben, daß unser OberWetteronkcl und seine dienstbaren Geister nur Müßiggänger zu stellen hätten, und es mit ihren Wissenschaft lichen Nachforschungen und Zusani menstellunaen eitel Humbug sei. Kein Urtheilsfäkiger wird im Ernst noch kestreiten, daß unser vfficieller Metierdienft sich Nespekt und Vertrauen geschaffen hat.V Um so verwunderlicher erscheint es im , ersten Augenblick, daß gerade in neuester Zeit der Weizen der WetterFakire", oder nicht - wissenschaftlicher Wetterpropheten von Profession, bei uns . gehörig blüht, und sich das Bundeswetteramt sogar veranlaßt sieht, gegen dieszlben Krieg zu führen, welcher Krieg, wie hoch und heilig versi chert wird, gar nichts mit Brotneid zu thun hat. Freilich hat es immer Cranks"'gegeben, welche durch sensationelle Wetterprophezeiungen, deren Grundlagen nicht recht klar waren von sich reden machten. Aber mit den Wetter-Faki ren im vorliegenden Fall sind nur Diejenigen dieser Klasse gemeint, welche aus ihren abenteuerlichen Prophezeiungen ein regelrechtes Geschäft machen, besonders auf Kosten von LandWirthen! Wenn es verschrobene Köpfe sein sollten, so liegt in ihrer Verschrobenheit sicherlich Methode. Soweit Professor Willis L. Moore, der Chef des Bundeswetterdienstes, feststellen konnte, Hausen mindestens 15 solche in verschiedenen Theilen der Ver. Staaten, und ihr Fakirthum zahlt sich :echt gut. Prof. Moore will sein Möglichstes thun, diesen Mitterungswilderern" das Handwerk zu legen, und auch bei der Ausarbeitung seines neuesten amtlichen Jahresberichts hat er dieselben nebenbei eingeschlachtet. Ob er mit seinem Vernichiungskrieg gegen dieses Geschäft Erfolg haben wird, das erscheint einstweilen noch fragwürdig und hängt jedenfalls in erster Linie von dem Publikum ab, auf welches das geschäftliche Fakirenthum rechnet, und bei welchem es vorerst noch beträchtlichen Halt zu yaben scheint. Weit entfernt, daß durch die Ver vollkommnung unseres amtlichen Wetterdienstes die Nachfrage nach den Prophezeiungen dieser Fakire sich ver mindert hatte, ist sie vielmehr, aller erhältlichen Auskunft zufolge, gestir gen, und manche dieser Wetter-Stief onkel haben sich überhaupt erst in den .letzte n p a a r Jahren aufgeihan. Einer dieser erzielt seiner eigeuen Angabe nach damit ein jährliches Einkommen von $3000, und es wird vermuthet, daß etliche andere noch mehr herausschlagen. Ja Prof. Moore spncht geradezu von Wachs thum eines neuen Berufes" auf diesem Felde. Nicht allem viele Land onkel, sondern auch gar manche Ge schaftsleute in Städten, sogar mit unter Schiffahrer usw. sind gerne bereit, einem solchen Mahdl des Wet terhimmels für die übermittelten Pro phezeiungzn regelmäßig das gewünschte Honorar zu bezahlen, und richten ihre geschäftlichen Operationen nach ihnen ein, wie sie in Briefen an das Vundesweiieramt unverblümt zugeben. Ueberraschend viele . Briefe sol,cher Art sollen im Besitz des Wetteramtes sein. Man Jkbt kaum fehl, wenn man gerade die verbesserten Leistunqen des letzteren als die Hauptursache dieser bemerkensiverthen Erscheinuna betrcchiet. Denn eben durch diese grö ßeren Leistungen sind auch die Anspruche eines großen Theils des Pub likums höher, weitergehend geworden.

Kann man das Wetter aus Ml b!Z

drei Tage mit so annähernder Sicherheit voraussagen, warum dann nicht auf einen Monat oder mehr? So fra gen wenigstens- Viele. Der wissenfchaftlich arbeitende Wettermann antwortet: So weit ist die Wissenschaftliche Z?orschunq' noch lange nicht fort-

geschritten; man kann wohl gewisse zZolaen der Wirkunq, namentlichHochfluthen, auf, einen längeren Zeitraum, ziemlich . bestimmt vorher berechnen, aber bezüglich ' der Witterung selbst müßt Ihr Euch noch etliche Generationen gedulden." Der Fakir dagegen antwortet: Kommt nur zu mir, ich will Euch schon zufriedenstellen!" Was Wunder, daß der Fakir Zulauf genug bekommt. Er versteht es, einem Bedürfniß entgegenzukommen, welches der amtliche Wetterforscher erregt hat; er ist ein bereitwilliger Lückenbüßer. Auf zehn- oder zwanzigmal so lanae Zeit das Wetter vorherzusagen, wie es der amtliche .Wettergott zu können erklärt, das ist für diese Propheten eine Kleinigkeit. Wissen sie doch cuich, daß es Kalendermacher gegeben hat, welche darin noch weiter gegangen sind. Und zuversichtliches Auftreten ist. ihr Hauptcapital.. Ja Manche sind so kühn geworden, daß sie dasVundeswetteramt zu einem professionellen Wettstreit herausgefordert haben, und nichts wurden sie ueber sehen, als wenn das Wetteramt den Krieg gegen sie persönlich führen würde, von wegen der Notorität, die sie auf solche Weise erhielten. Aber Onkel Sam's Wetterbeamte sind nicht so thöricht, sich dazu herzugeben, und lassen sich auch durch Angriffe nicht irremachen. Vor noch nicht langer Zeit boten mehrere Wetter - Fakire dem Prof. Moore eine Wette von $500 für eine monatliche Voraussage an. Sie wurde rundweg abgewiesen, und waren dann keck genug, dem Ackerbausekretär ihre Aufwartung zu machen und ihm vorzustellen, es jfei doch recht sonderbar, daß der Vorsteher eines Amtes, welchem eine halbe Million Dollars und sieben gelehrte und besonders in allen Naturwissenschaften bewanderte Professoren in seinemStab zu Gebote ständen, sich vor einem solchen Wettkämpf fürchte. Der Sekretär wollte, obwohl sein Vertrauen zum Oberwetteronkel unerschuttert war, von diesem selbst eine Antwort haben, und dieselbe lautete: Ein solcher Wettstreit wurde dem Publikum nur Sand in die Augen streuen und wäre, da Niemand über das nöthige Wissen für eine irgendwie solide Wettervoraussage auf einen , Monat verfugt, einfach eine Wettratherei, bei welcher der UNwissendste Mensch ebenso viele Anssicht hätte, zu gewinnen, wie der bedeutendste Gelehrte." Das leuchtete dem Ackerbausekretär vollkommen em. Dagegen hat sich der Oberwetteronkel Karten von den Prophezeiungen eines dieser Wetter - Fäkire für vier verschiedene Monate, nebst dem entsprechenden, wirklich eingetrosfenen Wetter angefertigt und sie durch Druck vervielfältigen lassen, damit das geehrte Publikum seine eigenen Schlüsse daraus ziehen kann. Das- prophezeite Wetter ist auf diesen Karten in punktirten Linien, und das wirklich eingetretene in fortlaufenden Linien dargestellt, und der Unterschied zwischen beiden ergiebt eine 'große Blamage, wenigstens für diesen Propheten. Früher hatte Professor Moore und sein Stab geglaubt, es sei überhaupt nicht nöthig, sich mit diesen DistanzWetterpropheten ernsthaft zu beschäftigen; das Publikum werde schon von selber dahinter kommen, wie wenig die Prophezeiungen der Fakire von den Thatsachen bestätigt würden; doch es zeigte sich, daß die Herren darin sehr auf dem Holzwege waren! Jene Propheten verstehen auch die Reklame vortrefflich und wissen, daß das Durchschnittspublikum ein kurzes Gedächtniß hat. Daher machen sie von jeder Prophezeiung,, welche gelegentlich eintrifft uni beim Prophezeien auf's Geratewohl muß es natürlich ab und zu solche geben großes Wesen, während über die nicht eingetroffenen womöglich gar nichts gesagt wird. So bleiben also nur die erfüllten Prophezeiungen vor den Augen des gewöhnlichen Publikums, wenn sich Niemand die Mühe macht, die Kehrseite der Medaille hervorzuhe ben. So wurde vor etlichen Jahren ein bekannter Wetter - Fakir drüben in Canada weithin dadurch berühmt, daß er einen Orkan richtig vorhersagte. Er hatte die nämliche Voraussage schon etwa zwanzigmal vorher gemacht, ohne daß sie eingetroffen war, aber varüber schwieg' des Sängers Höflichkeit, denn der Prophet war ja dazumal noch nicht berühmt! Als aber endlich einmal ein Sturm ihm den Gefal len that, zu kommen, da sprach man in der ganzen civilisirten Welt mehr oder weniger von diesem Wetterzauberer", obwohl er weder vorher, noch jemals wieder nachher irgend welche gute Prophezeiungen gemacht hat!" Das ist nur ein Beispiel von vielen,, und der Erfolg zeigt, daß es nicht bloß Ungebildete sind, die man auf solche Weise eine gute Weile irreführen kann. Stellt man in der obenerwähnten Weise die Aoraussagungen der Wet-ter-Fakire auf Karten linienmähig zusammen, so ergiebi sich, daß die Prophezeiungslimen beinahe immer im Zickzack auf und ab gehen, wenigstens was die Temperatur anbelangt. Dieser Zickzack - Prophezeiungskrs ist für den Propheten entschieden der

sicherste; denn er kommt dem Zufall am vielfachsten entgegen, und mit Nothwendigkeit müssen einige der Prophezeiungen eintreffen, selbst wenn alle nur in's Blaue hinein gemacht worden sein sollten. Dennoch ist es. erstaunlich, wie wenig erfüllte Prophezeiungen die vier, von Prof. Moore zusammengestellten Karten der Mo-, nats - Voraussagungen eines der Fakire aufweisen. Der höchste Prozentsaß der vorgekommenen Erfüllungen für einen Monat ist 23, und für einen der Monate erfüllte sich überhauptkeine einzige der Voraussagungen. Onkel Sam's Witterungsprophezeiungen, die sich freilich nur auf zwei bis drei Tage im Voraus erstrecken, sönnen sich dagegen auf 80 bis 90 Prozent Erfüllungen berufen. Neben den erfüllten und nicht-er-füllten giebt es bekanntlich noch eine dritte Klasse Prophezeiungen für das Wetter und auch für andere Dinge und das sind die unbestimmten oder mehrdeutig gehaltenen, deren Auslegung hinterher der Wirklichkeit unschwer angepaßt werden kann. Dahin gehören auf dem Witterungsgebiet z. B. die Störungen", unter denen man sich vielerlei, wie Stürme, Regen, Schnee usw. vorstellen kann, und die in der einen oder anderen Form zu allen Arten Temperaturen gehören. Auch wird oft die Wetterprophezeiung für einen so weiten Gebietsraum gemacht mitunter für einen ganzen Continent daß ihr Eintreffen für diesen oder jenen Theil desselben nach der Jahreszeit und sonstigen Verhältnissen sicher zu erwarten ist; und dann muß eben der Theil für das Ganze herhalten. Gegen dergleichen wird Prof.Moore natürlich auch mit seinen besagten K'artlein nicht aufkommen können. Einen gewissen Werth aber darf man diesen immerhin zugestehen; doch einen im Nu überwältigenden Eindruck scheint auch der Wetteronkel selber von ihnen nicht zu erwarten, und er giebt sich keinen Illusionen darüber hin, daß sein Kampf gegen das geschäftliche Wetter - Fakirthum ein langwieriger sein wird, und es noch mehr Schanzen dabei zu stürmen giebt, als zu Port

Arthur! Billigerweise muß auch emgernumt werden, daß die amtlichen Wetterprophezeiungen sich auch nicht immer durch große Bestimmtheit und klipp-klare Unzweideutigkeit . ausgezeichnet haben; doch haben sie langsam an Gediegenheit zugenommen. Die meisten Volks - Wetterpropheten haben ebenfalls Anhaltspunkte für ihre Prophezeiungen, und manche han deln wohl in gutem Glauben, wenn ste die Einflüsse des Mondes und der Gestirne, Bewegungen der Thiere, Kreislauf - Gesetze usw. in den Kreis ihrer Berechnungen .zuhen. Auch solche Wetter - Fakire, welche ganz auf's Gerathewohl ihre Prophezeiungen machen und zu denen ohne Zweifel derjenige gehört, dessen Voraussagungen Prof. Moore zum Gegenstand seiner abschreckenden Karten gemacht hat geben wenigstens vor, sich 'auf Anhaltspunkte der genannten Art zu stützen. - Der Volksglaube und dann und wann sogar ein Gelehrter räumt ja solchen Einflüssen ein gewisses Feld ein, und so lange die reguläre WetterWissenschaft noch ein so großes unerforschtes Gebiet vor sich hat, werden Voraussagungen, die auf jenen Einflüssen beruhen oder beruhen sollen, immer noch von weiten Volkskreisen ernsthaft behandelt werden. . ' Anerkannte Meteorologen haben auch wiederholt erschöpfende Untersuchungen und Vergleiche vvrgenommen, um einer Verbindung des Wetters mit den Mondphasen und den Vett?egungen der Gestirne auf die Spur zu kommen und solcherart vielleicht eine halbwegs greifbare Möglichkeit für Wetter - Voraussagungen auf längere Zeit zu gewinnen. Doch sind ihre diesbezüglichen Bemühungen bis jetzt nicht von Erfolg gekröni gewesen. Sie haben wohl gefunden, daß der Mond einen gewissen Einfluß auf die ErdAtmosphäre übt, und ein Einfluß der Planeten erscheint wenigstens -nicht ausgeschlossen; doch erscheinen' diese Einwirkungen wenigstens . beim jetzigen Stand der Wetterforschung viel zu unbedeutend und unbestimmt, als daß sie . mit als Berechnungsfaktoren in Betracht gezogen werden könnten. Selbst der Einfluß der Sonne ist noch zum großen Theil eine offene Frage. Ebenso sind viele Erhebungen über das Gebühren von Thieren auf der Erde und in der Lu.ft, sowie auch von Pflanzen in Verbindung mit der Mitterung angestellt worden. Alles aber, was dabei bis jetzt mit Sicherheit festgestellt werden konnte, ist: daß solches Gebühren den Charakter des bergangenen und des gegenwärtigen Wetters und auch der Witterung in den nachsten paar Stunden andeutet. Was darüber ist, muß bis auf Weiteres dem Volksglauben überlassen bleiben und Denjenigen, welche denselben ausnutzen. Kreislauf - Gesetze aber können nur in sehr allgemeinem Sinne anerkannt werden; denn innerhalb der ZeUkreise giebt es zahllose Unregelmäßigkeiten, so dah eö ein aussichtsloses Untersangen ist, die Witterung für irgend einen bestimmten Zeitpunkt und Ort aus solchen allgemeinen Gesetzen erkennen zu wollen. Selbst die Sechsund Siebentage - Wetterperioden sind sehr unsichere Faktoren für eine Be-rechnung.

Unsere amtlichen Wetterberechner

sind' weit entfernt, ' für die wissenschaftliche Forschung auf diesem Gebiete irgend welche Grenzen zu setzen. Sie glauben sogar stark, daß das zwanzigste Jahrhundert'große Fortschritte in de? Wetterforschung bringen wird, und das Problem einer wirklich verläßlichen Witterungs-Vor-aussage auch auf längere Zeit sehen sie ebenso ernthaft an, wie etwa das Problem der lenkbare Luftschifffahrt, und wollen keinen ausrichtig gemeinten Bemühungen, roeitere AnHaltspunkte in dieser Beziehung zu gewinnen, etwas in den Weg legen. Sie wollen auch den Volks - Witterungsglauben in. Ruhe lassen und kümmern sick selbst nickt um das Wettermacken in Kalendern, sei es auf ein Jahr oder auf hundert Jahre, was für die Leser solcher Kalender jederzeit eine unterhaltende Lektüre bildet und in unserer Zeit höchst selten für eine wichtige Unternehmung ausschlaggebend gemacht wird. Sie führen nur gegen jene Wetter - Fakire Krieg, welche geschäftsmäßig ihr, oft ganz in's Blaue hinein gemachten Prophezeiungen jahraus, jahrein an Farmer und Geschaftsleute für ein schönes Stück Geld verkaufen und den Landwirth-schafts-, Industrie- und VerkehrsInteressen, die unter ihrem Einfluß stehen, schweren Schaden zufügen können, auch die ganze Wetterforschung in Verruf zu bringen geeignet sind! Ganz verschwinden aber werden diese wohl nicht, wenn die Wetterwissenfchaft das angedeutete Ziel erreicht hat. , Phlloxene und Philominte. Vor Jahren kam ich so schreibt ein'deutscher Sprachforscher, auf einer Fußwanderung durch Frankreich in ein armseliges Dorf der Pikardie. Vor einer. Hütte stand ein schmutziges Bauernweib in Holzschuhen, das zwei schwarze Kühe an einer Kette hielt, und' als ich näher kam, rief sie eben nach der Hütte zu: Kommst du bald, Philoxene worc7s die Antwort hörbar . wurde: Sofort, Phuommte, wart nur noch einen Augenblick. Ich blieb verblüfft stehen und betrachtete die Frau mit einer Aufmerksamkeit, als wäre sie ein Wunderwerk der Natur.". Das war sie aber durchaus nicht der Gegenstand meiner Neugier war nur der Name Philomrnte. Und nun kam - auch noch Philoxene zum Vorschein. Sie sah ebenso armselig, roh undchäßlich aus iric Philominte. Wie kamen diese beiden Weiber, die wahrscheinlich kaum lesen konnten, zu solchen Namen? Ich trat an ste heran, begrüßte sie, begann ein Gespräch, fragte endlich, woher sie ihre Namen hätten. Nun aber' betrachteten sie mich, als ob es mit mir nicht ganz richtig wäre. Woher sollten ' sie ihre Namen haben? Bei der 'Taufe wurden sie ihnen gegeben! Uebnqens aab es noch andere Mad chen? und Frauen im Dorf, die auch Phllommte und Phlloxene hießen Und, auch sonst in der Nachbarschaft. Was war da Seltsames dabei? Sie lachten wohl noch lange über mich in ihreriäppischen' Art mich aber ließen sie nicht ruhen. Und die Sache wurde um so seltsamer, als offenbar die gant Gegend voll solch heroisch benamster Landleute war, Nachdem ich cm mal den Entschluß gefaßt hatte, aufs Forschen auszugehen, entdeckte ich bald eine Seltsamkeit nach der anderen. Der."erste Junge, der mir in den Weg lies, gestand, daß er Telamir Jacauart hieß. Jacauart war alltäglich. nichts weniger' als auffällig. ' Aber wie kam der Junge zu dem Vornamen Telamir? Auch er glotzte mich verwundert an, als ich danach fragte. Sein Taufpathe Boiton hieß auch Te lamir. Warum soll man nicht Tela mir heißen?. In de? ??olae kam dann zu Philoxene und Philominte noch Arstnoe, Jsmerie, Eelamire, Oriane, Ealoander u. a. Ich glaubte, in einer verzauberten Welt zu sein und sagte endlich zu mir selber: Fasse Muth! Geh' in das nächste Pfarrhaus. Wenn es Aufklärung giebt,, muß du sie dort erhalten." Gesagt, gethan, und der freundliche Pnester, dem mein Besuch nicht wenig Spaß machte, war auch in der Lage, mir Beruhigung zu verschaffen. Die Aufklärung, die er mir geben konnte. ist aber nach mehr als einer Richtung hin interessant. Sie zeigt den Einfluß der Mode, und andererseits, wie jäh sich eine Mode behaupten kann, wenn sie irgendwo, gewissermaßen in einer emsamen Sackgasse der Welt, Boden gewinnt. Alle diese Namen stammen IWl L L II tt aus cooeromanen, oie zeZi iangu vergessen sind, aus den Romanen des Fräuleins von Scuderi. Auch literansch Gebildete kennen diese Romane nicht, wenn sie auch den Namen Scuderi aus der Mernernovelle unse res Theodor Amadeus Hoffmann kennen. Den - spateren Generationen ist das greuliche Geschwäk der einstigen Modeschriftstellerin . unerträglich geworden, sie gerieth in Vergessenheit. Die Namen ihrer Romanfiguren aber leben unter den Wirten. Fuhrleuten und Kuhmägden der Pikardie noch immer, weil die Gutsherrschaft, zu der diese Dörfer einst gehörten, eine Bewunderln der Salden war. und wie einst unter dem Einfluß dieser BeHerrscherin der Pariser . Salons die weltfernen Bauernkinder genannt wurden, so nennt man sie dort noch immer: Telamir und Ealoander, Oriane und Eelamire, Philoxene und Philominte!

Allerlei sttr'S HanS. TuchoderLederufTisch-

platten zu befestigen. Zu diesem Zweck mischt man 1 Pfund Weizenmehl, zwei Eßlöffel voll feinpulverisirtes Kolophonium und 1 Eßosfel voll recht feines Alaunpulver, rührt das Gemisch in einer flachen Schale zu einem .gleichförmigen, dunnen Brei an, bringt diesen in einen Kessel oder Topf über Feuer und rührt o lange, bis die Masse keine Klumpchen mehr enthält, sondern ganz gleichmäßig und so steif geworden ist, daß der Rührlöffel darin stecken bleibt. Jetzt bringt man die Masse m eme andere Schale und deckt sie gut zu, damit sich keine Haut bildet. Mit diesem sehr festen Klebestoff wird die betreffende Tisch- oder Pultplatte ganz dünn gleichmäßig belegt und glatt gestrichen. Nun wird das Tuch darüber ausgebreitet und aufgepreßt und dann mit einer Rolle, geglättet: die Enden werden erst nach dem Trocknen abgeschnitten. Hat man Leder aufzuzie-' hen, so muß dasselbe vorher feucht gemacht werden; dann wird die Masse aufgetragen und das Leder mit einem Tuch glatt angerieben. Rosen st ecklinge in Wass er. Es scheint wenig bekannt zu sem, daß man Rosen :n derselben Weise durch Stecklinge wie den Olean der in Wasser vermehren kann. Zu diesem Behufe werden kleine Glasslaschen (Arzneigläser) mit Regen- oder Flußwasser gefüllt und der Steckling so eingesetzt, daß zwei Augen unter Wasser stehen, die übrigen aber frei bleiben. In emer anfangs haldjchattigen, später sonnigen Stellung bewurzein im solche leannge m rurzer Zeit. Geqenstände ausechtem Jett, die blind geworden sind, iverden zuerst mit Brotkrume tüchtig abgerieben, nachher werden, sie mit Flanell wieder glänzend frottirt. Nickel eschirr ist nach dem Waschen und Reinigen gut abzutrocknen, sonst entstehen ebenso wie bei Geschirr aus Stahl und Eisen. Rostflecke. Sollten durch unzweckmäßige Behandlung Rostflecke auf dem Metall enthalten sein, so bestreiche man diese dick mit reinem Fett und lasse dies einige Tage einwirken. Nach Verlauf dieser Zeit tauche man einen Wolllappen in starken Salmiakgeist und reibe mit ihm das Fett ab, leichte Rostflecke werden danach verschwinden. Sind die Flecke noch nicht dadurch beseitigt, -so ist das angegebene Verfahren zu wiederholen. StockfleckeinGlacehandschuhen verlieren sich meist schon, wenn die Handschuhe mit Benzin gereinigt und nach dem Reinigen noch einmal in Benzin aetaucht und ausgedrückt werden. Sollten die .Stockflecke, nachdem die Handschuhe trocken geworden sind, noch nicht ganz ver schwunden sein, so werden sie durch die Einwirkung von Dämpfen kohlensauren Ammoniaks beseitigt. Hierfür verwendet man am besten ein Kästchen oder eine Dose aus Blech, legt einige Stückchen kohlensaures Ammoniak (Vacksalz) auf den Boden des Behäl ters. überdeckt diese Schicht mit einem Stück Papier und legt die betreffenden Handschuhe darüber. Da sich das Ammoniaksalz bei Stubenwärme verflüchtigt. wirkt es in dem geschlossenen . ... t-, p e c Kauen io narr aus rne Hieae ein, oav diese nach einiger Zeit aus dem Leder verschwinden. Ronhaare reinigt man, indem man sie mit einer hinreichenden Menge Wasser, dem Pottasche zugesetzt ist, tüchtig kocht, wobei sie mit emem Stäbe fleinia umaerührt werden. Dann spült man sie in einem Siebe oder ausgebreiteten Tuche mittels reinen Wassers gut nach und breitet sie ZUM Trocknen aus. Eventuell rann auch ein nackträalichesSchwefeln statt finden, welches gelb gewordene Roßbaare aanz weiß macht. Um verregneten Sammt wieder aufzufrischen, kann man folaendermaßen verfahren: Mit' einer etwa vierfingerbreiten Speckschwarte, von welcher man das Fett ziemlich ent fernt, überstreicht man die betreffende Stelle vorsichtig dem Strich nach. Der Sammt wird so lange ganz leicht bestrichen, bis die gedrückte Stelle verschwunden ist. Dann legt man ein stark angefeuchtetes Tuch auf die heiße Ofenplatte und hält, sobald der Dunst heftig emporsteigt, den Sammt so lange darüber, vls er sich vollständig aufgerichtet hat. Steinmasse zumAusbes fern von Treppenstufen. Man mischt Cementkalk mit Kaliwas serglas und setzt etwas feinaesiebten Strandsand hinzu. Daö MilchungsVerhältniß von Cementkalk und Strandsand wird am besten wie 2:1 aenommen. Nachdem-die schadhaften Stellen mit Wasserglas befeuchtet wurden, wird die frisch angemachte Masse aufgetragen und ihr die nothige Form gegeben. Sie ist in 6 Stunden stemhart. Eine von Ohnmacht befallene Person lege man auf den Rucken, den Kops Niedrig, wenn das Gesicht blaß ist: ist aber das Ge stcht geröthet, so muß der Kops höher gelegt werden. Man sorge für frische, reine Lust, entferne beengende Kleider, bespritze das Gesicht mit kaltem Wasser und halte Essig oder sonst scharf Rie chendes unter die Nase, tritt Erbrechen ein, so muß man den Kopf auf die Seite drehen, damit das Erbrochene nicht in die Lungen eingezogen wird.

Strafe felger Japaner. Einen merkwürdigen ZwischcnfaU

aus der Zeit der Belagerung von Port Arthur berichtet der englische Kriegs korrespondent B. W. iorregaard in einem Briefe an die Daily Mail". Während eines Angriffs auf eine ruf stsche Stellung in Port Arthur sollten zwei Regimenter zum Angriff vor rucken; ein Regiment stand auf dem rechten Flügel, das andere war ein Reserreregime.it. Das erste Regime .t stand in der vorderstenNeihe. und wurde beim ersten Ansturm trotz seines raschen Ansturms und seiner Tapferkeit mit furchtbaren Verlusten zurückg:worsen. Da gejchah etwas Unerk.arllches, das in der Geschichte des japanisch: He.res ohnegleichen dasteht. A s daZ Reserveregiment den nächsten Angriff machen sollte, weigerten sich alle einmuthig. den Offizieren zu gehorchen und vorzurücken, da man die völlige Vernichtung für unvermeidlich hielt. Der kommandirende Major des Widerspenstigen Regiments ging allein vorwarts, schwang sein Scmvert und rief seinen Leutin zu. si: sollten ihm folgen; aber mcht em Mann rührte sich. Der Major fiel kurz darauf. Nach einiger Zeit rückten aber die Soldaten. die wohlReue über ihreHandlungsweise empfanden, doch zum Angriff vor; dieser mißlang völlig. Die Haltung des Regiments war allen Ueberlieferungen des japanischen Geistes so entgegengesetzt, daß die anderen Rezimmter den Muth verloren und nicht wußten, wie sie die Sache aufnehmen sollten.. Dak Regiment durfte aber eine Woche nicht an den Gefechten theilnehmen, und mußte wahrend der Zeit forcirte Marsche und im Geschwindschritt Angriffe steile Vergabhänge hinan in derMittagsbitzemachcn. Darauf mußten die Truppen, am Altar den Gedeächtnißfeiern zuEhren ihres gesallenenMajcrs beiwohnen; höhere Offiziere hielten ihnen Ansprachen über ihre schmähliche Haltung. Dann erst durfte das Regi, ment wieder zur front zurückkehren, und wurde schließlich mit Verstärkunaen für Marschall Oyzma nach Liao jang geschickt. Ehrung für den Vater eines Mör dcrpaareö. Aller Erwartung entgegen ist Pro feffor Murri, der Vater des berüchtig. ten Mörderpaares Tullio und Lindc Murri, auf seinen Lehrstuhl zurückgekehrt und wurde mit einem wahren Jubelsturm empfangen. Seine politischen Anhänger und sonstigen Freun de hatten natürlich Alles auf's Beste vorbereitet, und als der Professor dessen Charakter sich in so wenic sympathischem Lichte gezeigt erschien, da wollte der Beifall, wollten die Umarmungen u. s. w., kurz oie ganze arrangirte Rührung und Begeisteruno kein Ende nehmen. Von Murris Spe. zialkollegen in der medizinischen Fakultät waren übrigens sehr bezeichnender Weise nur drei erschienen, auch der w, ' rrs. rn::ji meiern war ausgevlieoen. ic yiuu kehr Professor Murris in seine Lehrth'ätigkeit und damit ins öffentliche Leben berührt um so peinlicher, als de, Mordprozeß gegen seine Kinder in kürzcster Frist eröffnet wird, und stch im Laufe der Vorverhandlungen Manches ergeben hat. was nicht für den Charakter des Vaters spricht. Professor Mur. ri hätte besser daran gethan, seine nm allzu oft erörterte Person vorerst im Hintergrunde zu lassen und seine Mußt etwa zu pädagogischen Studien, insbcfnnhtr tthtr iebuna von . Kindern zu ordentlichen Menschen zu benützen. K u n st w e r k e, Gemälde und Skulpturen, die von Eisenbahnangestellien angefertigt wurden, sind zur e!i in NnriS ni,L?N?M Die Knochen der F.lugVögel sind inwendig hohl und mit Luft gefüllt. Sie verbinden so die größte Stärke mit geringstem Gewicht. Das Neger-Votum ist im Staate Indiana ein verhältnißmäßig derart starkes, daß es bei Wahlen , die Entscheidung zu geben in der Lage stch befindet. Ein Junggesellen-Ho-t e l beabsichtigt die Pabst-Vrauerei in Milwaukee zu errichten.- In dem Gasthause sollen lediglich unverheirathete Männer Aufnahme finden. Mspw OOOKKysVU 9 0 preise geliefert von A. B. MEYER &C0. Pennsylvania Anthracit $7.50 Pocahontas Lump....... . .... 6.60 Smokeleß Lump 6. 60 Ohio Cannel Lump 5. 60 Ohio Cannel Egg 6.60 Kanawha Lump...' . 4.60 Pittsburg Lump 4.60 Brazil Block 4.25 tzocking Valley 4.25 Straight Creek Lump 4.50 Straiaht Creek Egg 4.25 Greene County, No. 4, Bein Lump .... 3.50 Sreene County. No. 4. Vein Egg. ..... 3.50 Jackson Ohio Lump 6.00 Oven Coke Egg... 5.60 GaS House Lump Coke 5.60 GaS House Crushed Co!e 6.00 rztra.Berechnung wo solche getragen werde mkffen.

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