Indiana Tribüne, Volume 28, Number 151, Indianapolis, Marion County, 17 February 1905 — Page 6

Judiana Tribüne, 17. Februar 1905

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Europäische Nachrichten. Württemberg. Stuttgart. Letztens feierte Herr Berrer int Hause Moser-Roth, Vereinigte Chokolade- und Bonbonsfabriken hier, sein 23jähriges Dienstjubiläum. Der Schuldiener der hiesigen Technischen Hochschule, Anton Sedlmayer, beging die Feier seines 25jährigenDienstjubiläums, aus welchem Anlasse ihm von seinen Collegen ein schönes Geschenk überreicht wurde. Arnach. Gutsbesitzer Gut von RabmhauZ, der sich bei einem fürchterllchen Schneegestöber auf den Heimweg begeben hatte, wurde todt auf der Straße aufgesunden. C a n n st a d t. Küfer Gottlob Nickel stürzte so unglücklich die Kellertreppe hinunter, daß er einen Schädelbruch erlitt und im Vezirkskrankenhaus, wohin er verbracht worden war, starb. Gmünd. Infolge eines Herzschlage? verstarb Friedrich Streich, Vorstand der hiesigen Taubstummenund Blindenanstalt. Der Verstorbene war erst seit 1899 in dieser Stellung; vorher war er Oberlehrer an den Taubstummenanstalten Eßlingen und Vönnigheim. I m n a u. Der in weiten Kreisen Württembergs bekannte Dr. med. Vopelius, der in Degerloch eine umfangreiche Praxis hatte und in den letzten Jahren als Leiter einer hiesigen Heilanstalt wirkte, ist gestorben. M ü n ch i n g e n. Hier brannte das Wohnhaus und die Scheune des Fritz Winter nieder. R e u t l i n g e n. Der 32jährige, verheirathete Schuhmacher ' Grimm stürzte aus seiner im 3. Stock gelegenen Wohnung in der Wilhelmstraße in den gepflasterten Hof hinab, so daß er neben gebrochenen Glieder? sehr schwere Kopfverletzung erlitt. Tübingen. Universitätsfechtmeister a. D. Domino ist nach längerer Krankheit im Alter von 69 Iahren gestorben. Im Ganzen war er 43 Jahre als Fechtmeister im Dienst. Noch bis zum vorigen Sommersemester übte er seine Thätigkeit aus. V a Z h Z n g e n. Infolge geistiger Umnachtung erhängte sich auf der Bühne der verheirathete Schuhmachermeister Reinemer von hier. Er war ein braver, fleißiger und friedfertiger Mann. Waden. Karlsruhe. Von einem fchweren Unfall betroffen wurde der in der Herrenstraße wohnende 63 Jahre alte Lehrer Israel Schwarzstein. An der Ecke Amalien imd Karlstraße wurde derselbe von einem Droschkenkutscher angefahren und derart zu Boden geworfen, daß die Vorderräder über ihn v hingingen. Der Verletzte wurde mit derselben Droschke in's städtische Krankenhaus verbracht, woselbst ein Bruch des rechten Unterschenkels festgestellt wurde. Die Schuld trifft den Kutscher, der zu schnell gefahren ist. AllenSbach. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich in der benachKarten Filialgemeinde Kaltbrunn. Der 57 Jahre alte verheirathete Landwirth Johann Erne, früher Rathschreiber, stürzte, als er Nachts nach Hause kam, beim Betreten seines Hauses d t offene Kellertreppe hinunter und war infolge des unglücklichen Sturzes nach wenigen Minuten todt. V ü h l e r t h a !. Der Mitinhaber des Kurhotels Plättig, Friedrich Weis, ein der Touristenwelt bekannter Mann, ist gestorben. Ettlingen. Kapellmeister Honrath feierte das 25jährige .Jubiläum als Leiter der Musik der Etlinger Unteroffiziersschule. Heidelberg. Auf eine 23jährige Thätigkeit als ordentlicher Universitätsprofessor konnte mit Beginn dieses Wintersemesters der AnatomieProfessor, Geh. Hofrath. Dr. med. et phil. Max Fürbringer, zurückblicken. Der Gelehrte steht im 68. Lebensjahre. Konstanz. Erschossen hat sich mit einem Dienstgewehr in seinem Zimmer in der Kaserne der ledige Vicefeldwebel Hallwachs. Er stellte das Gewehr unter das Kinn und jagte sich so die Kugel durch den Kops. Das Motiv der That ist unbekannt. Mannheim. DaS Bank- und KommerzhauS Merkur ist wegen Losschwindeleien polizeilich geschlossen worden. Die beiden Inhaber wurden verhaftet und die Bücher beschlagnahmt. Neckar au. Schwer verletzt wurde der verheirathete Tagelöhner Karl Schuhmacher durch einen Wurf mit einem Pflasterstein an den Kopf, wodurch er einen Schädelbruch erlitt und ihm am rechten Ohr das Trommelfell platzte. Als Thäter wurde ein 19jähriger Taglöhner aus Mainz ermittelt und vorläufig festgenommen. Ried ich en. In dem von Ferd. Philipp u. A. Müller bewohnten, mit Stroh gedeckten großen Doppelhaus brach Feuer aus. Das Anwefm brannte völlig nieder. Schlierbach. Infolge Liebeskummers ließ sich die 19jährige Katharina Dreher aus Mutterstadt nahe der hiesigen Station von einem von Neckargemünd kommenden Personenzug überfahren. Schrecklich verstümmelt zog man sie als Leiche unter den Rädern hervor. Der Geliebte der Selbstmörderin ließ sich vor einiger

Zeit in Neckargemünd von einem Zug überfahren. 'Nyeittpfcirz. Geinshe rm. Ein bei DreschMaschinenbesitzer Heinrich beschäftigter fremder Heizer versetzte nach vorausaeaanaenem Wortwechsel dem verheiratheten Taglöhner akob Wuiu von hier mehrere heftige Messerstiche in Kopf und Hals, so daß Mattern blutüberströmt zusammenbrach. Der Thäter, der nach der That die Gendarmerie Haßloch benachrichtigte, ist geflüchtet. L a n.d st u h l. Zu dem Schlossermeister Kiefer hier kam ein Mann aus Krickenbach, um seinen Revolver ausbessern zu lassen. Kiefer wollte nachsehen; der Revolver, in dem noch eine Patrone stak, ging los, die Kugel fuhr an die Wand, wieder zurück und dem Besitzer des Revolvers in die Herzgegend, wobei der Mann schwer verletzt wurde. N u ß d o r f. Hier hat sich in einem Pfuhlloch Emma Müller, Ehefrau des zur Zeit abwesenden Georg Wambsganß, ertränkt. Schon zuvor hatt: die Frau den Versuch gemacht, sich mit ihren Kindern an einer Waschbank zu ertränken, die Kinder hatte sie bereits in das Wasser geworfen; es gelang ihr jedoch nicht, ihr Vorhaben auszuführen. O p p a u. Die in den 50er Iahren stehende Ehefrau des Maurerpoliers Val. Reuther verübte einen Selbstmordversuch, indem sie sich drei Schnitte in den Arm beibrachte. Von ihren Töchtern von weiteren SelbstVerletzungen abgehalten, begab sich die bedau'ernswerthe Frau bald darauf in die Scheuer, wo sie sich aus dem oberenRaume auf die Tenne herabstürzte, so daß sie schwere Verletzungen davontrug. Unglückliche Verhältnisse sollen die Frau zu der That gebracht haben. Ludwigshafen. Das 19jährige Dienstmädchen Marie Moor des hiesigen Bäckers Wohlfarth gerieth beim Wäschekochen dem Feuer zu nahe, so daß seine - Kleider Feuer fingen. Hierbei erlitt das Mädchen solch schwere Brandwunden, daß eZ starb. R ü l z h e i m. Vor der Wohnung des verheiratheten Fabrikarbeiters Franz Mayer wurde kürzlich gelärmt. Mayer begab sich aus dem Bett auf die Straße, um Ruhe zu stiften. Im Laufe des sich entspinnenden Streites wurde er durch einen Messerstich in den Unterleib lebensgefährlich verletzt. Als Thäter kommt der ledige ButterHändler Franz Nuber in Betracht, der flüchtig gegangen ist. (Srsaß'Lcthringen. Straßburg. Der erste Lothringer, welcher im deutschen Hur Unteroffizier wurde, feierte sein 25jähriges Dienstjubiläum. Es ist dies Polizeiwachtmelster Viliare. der, 1853 geboren, zuerst im 27. Jnfanterieregiment zu Halberstadt, später hier bei den 8. Bayern gedient hat und seit 1. December 1879 bei der hiesigen PostVerwaltung angestellt ist. Obwohl Viliare erst beim Militär deutsch schreiben lernte, verrichtet er seit vielen Jahren Sekretärdienste. F o r b a ch. Dem 80jährigen Großindustriellen, Fabrikbesitzer I. B. Adt, ist vom Kaiser aus Anlaß der Jubiläumsfeier der Firma der Charakter als Geh. Commerzienrath verliehen worden. Adt, welcher bei dieser Gelegenheit die Summe von 50.000 Mark für die Arbeiterpensionskasse der Firma Gebrüder Adt gestiftet hat. ist zur Zeit der erste und alleinige Inhaber dieses Titels im Reichslande. M e tz. Der hier im Alter von 73 Jahren verstorbene, seit 13 Jahren erblindete frühere städtische Oberbibliothekar Joh. Viktor Jacob hat seiner Vaterstadt seine bedeutende und werthvolle Privatbibliothek vermacht. Jacob war von 1863 bis 1870 in der Stadtbibliothek beschäftigt und hat neben einer Reihe geschichtlicher AbHandlungen Katalog i der städtischen Münzen und Medaillen, Manuskripte und Inkunabeln herausgegeben. Meckrenvurg. Schwerin. Der Knabe Fried?. Wendt, Sohn 'des Arbeiters Wendt Hierselbst, hatte im Februar v. Jzwei auf dem Eise des Ostofer Sees eingebrochene Knaben aus Lebensgefahr errettet. Der Großherzog ließ ihm für sein bei der Ausführung der That be wiesenes muthiges und entschlossenes Verhalten eine Anerkennung durch Verleihung einer silbernen Uhr mit entsprechender Gravirung zu Theil werden. Die Uhr wurde dem 14jährigen Schüler vor versammelter Klasse übergeben. G r a n z i n. In der Scheune des Äastwirths Höfert brach Feuer aus, wodurch das umfangreicheGebäude bis auf den Grund eingeäschert wurde. Grabow. Hier entstand in dem Stallgebäude des Tischlermeisters Grünwaldt in der Wachtstraße Feuer, das an den Heu- und Strohvorräthen reichNche Nahrung fand. Doch gelang eS den Spritzen, des Feuers schnell Herr zu werden. Das Vieh wurde gerettet. Hagenow. Der Maurer Wittkamp hatte sich beim Kiesholen auf seinen Wagen gestellt, als plötzlich die Pferde anzogen. Wittkamp stürzte hinterrücks vom Wagen und fiel so unglücklich, daß er das Genick brach und sofort todt war. Hkdenburg. Oldenburg. Rektor a Q 9.ud-

wig Johanns ist, noch nicht 67 Jahre alt, einem schweren Magenleiden erlegen. Seit 1859 war er an verschiedenen hiesigen Schulen segensreich thatig. Am 1. October 1895 erhielt er das Rektorat der Stadtmädchenschule, das er bis zum 1. April v.. I., dem Tage seiner Pensionirung, inne hatte. Bant. Eine Verhandlung, die vor dem hiesigen Schöffengericht stattfand, ergab, daß die Bezeichnung Rabeneltern" mit Nachdruc? auch auf das Ehepaar Arbeiter Günther hierselbst anzuwenden ist, gegen welches das Gericht eine empfindliche Strafe verhängte. Die Ehefrau Günther wurde zu 8 Monaten und der Ehemann zu 5 Monaten Gefängniß verurtheilt wegen Mißhandlung ihrer 12jährigen Tochter Wrtha, -deren Stiefmutter die Angeklagte ist. . M e tz e n d o r f. Der Landmann Stolle, .welcher vom Wagen stürzte und mit dem Kopf auf das StraßenPflaster schlug, ist feinen Verletzungen erlegen. Der Verunglückte war 73 Jahre alt. Strückhausen. Ein großes Vrandunglück entstand in demVauernanwesen des Landwirths Onken und verbreitete sich mit rasender Schnelligkeit über die Stallräume, in denen das Vieh aufgestellt war. Ueber 30 Stück Hornvieh und mehrere Pferde konnten nicht gerettet werden und wurden ein Opfer der Flammen. F-reie 2tatoe. Hamburg. Von einem Zuge überfahren wurde am Hannoverschen Bahnhof der Eisenbahnakkordarbeiter Friedrich Schöfer. Er wurde sehr schwer verletzt, so daß er von der Sanitätskolonne in das Krankenhaus St. Georg gefahren werden mußte. Bremen. Die Feier des 50jährigen Berufsjubiläums, die Joh. Dan. Pröhl beging, mußte in Rücksicht auf seinen leidenden Zustand einen stillen Verlauf nehmen. Pröhl erlitt bereits vor längerer" Zeit einen leichten Schlaganfall, der sich wiederholte, ,so daß er an das Zimmer gefesselt ist. Auf dem Grundstücke des Landmanns Freese, Gröpelingerchaussee, brach Feuer aus, das rasch um sich griff. Der Besitzer und seine Frau waren, als der Brand ausbrach, nicht zu Hause. Die Kinder des Elternpaares konnten gerettet werden. Malermeister Georg Roß und Frau, Bischofstraße 8, feierten das Fest der goldenen Hochzeit. Beide sind noch rüstig' und haben somit Aussicht, sich ihres Lebensabends noch lange in Gesundheit zu erfreuen. Lübeck. Die Bürgerschaft trat kürzlich zur Vornahme der Wahl von Wahlbürgern für die Wahl eines neuen Senators an Stelle des verstordenen Senators Dr. Pleßing zusammen. Woriführer Stiller widmete dem Verstorbenen einen warm empfundenen Nachruf, in dem er dessen Verdienste um das Wohl des Lübecker Staates hervorhob. Aus der darauf vorgenommenen Neuwahl ging Dr. Vermehren hervor. Der Genannte ist seit 1879 hierftlbst als Rechtsanwalt thätig und gehört seit 1887 der Bürgerschaft und auch dem Bürgerausschusse an. Sct),veiz. Bern. Hier starb im Alter von etwa siebzig Jahren Louis E. Gauchat, seit vielen Jahren Civilsiandsbeamter von Bern, früher Lehrer der französischensprache an der Mädchensekundarschule. Alt St. Johann. Beim Holzfällen wurde der 27jährige Dachdecker Suter von einer fallenden Buche erschlagen. Frauenfeld. Hier ist nahezu 80 Jahre alt Herr Doktor med. Reiffer gestorben, ein ebenso tüchtiger als angesehener Arzt. Genf. Robert Henneberger, Hotelsekretär, dessen Familie in Lausanne wohnt, tödtete seine Geliebte, Namens Marie Cellier, geborene Carreau, deren Familie in Ouchy wohnt, und dann sich selbst. Lau.sanne. Das Militärgericht der 1. Division hat den Wachtmeister Bräm von Fort Dailley, der beschuldigt war, aus der Offiziers-Ordmäri-lasse den Betrag von 101 Fr. 50 veruntreut zu haben, freigesprochen. Ölten. Im hiesigen GüterbahnHofe gerieth Bahnmeister Stampfli unter einen einfahrenden Zuz. Er wurde sofort getödtet. Stampfli war ca. 40 Jahre alt. T h u r g a u. In der -Irrenanstalt Münsterling ist der Gertchtsprästdent Baumann von l?nack aestorben Der kleine Verbrecher.

Präsident: Angeklagter, Sie werden also um einen Kopf kurzer gemacht. Der Verurtheilte: Aber ich bitt' schön. Her? Präsident, da bleibt ja von mir gar nichts übrig. ' Ueberflüssig. Herr Leutnant, haben Sie schon die GemäldeGallerie gesehen?" Nee ich male selber." ,

Der nothwendige Rehbock. Humoreske n Teo von Torn. Die Jagd war zu Ende. Die Treiber hatten in seltsam vergnügterStimmuna die Strecke zusammengetragen.

Die Offiziere des Füsilierbataillons : trafen allmählich auf dem Rendezvousplatze zusammen, wo Förster Ringelberg brummend und kopsschüttelnd die Bescheerung betrachtete. Der alte Ringelberg war der Hüter des angrenzenden Stadtwaldes. Freundlicherweise hatte er auch die Beaufsichtigung des Reviers der Garnison übernommen, und seit vielen Jahren fungirte er nach Gewohnheitsrecht als Manager der Offiziersjagden. Kundige Leute - behaupteten allerdings, daß das nicht rmr Freundlichkeit, sondern auch Berechnung war. Förster Ringelberg wachte mit Argusäugen über seiner städtischen Jagd und das konnte er am besten, wenn er auch die benachbarten Reviere beaufsichtigte. Am Stammtische hatte er einmal mit listigem Augenzwinkern erklärt: In der Liebe und beim Weidwerk ist keinem Menschen zu trauen. Auch nicht den Herren Offiziers." Andererseits empfand e: es doch wieder als eine ihm persönlich angethane Unbill, wenn das Resultat einer der Jagden welche die Offiziere des Bataillons mehr aus Langeweile als aus Fremde am edlen Gejaid veranstalteten hinter seinen berechtigten Erwartungen zurückblieb. Die Hände in seinem alten Fuchsmuff vergraben, die kurze Pfeife im linken Mundwinkel, stieß er dichte Wolken durch den über die Lippen h'ängenden, weiß-gelb-braun gefleckten Schnauzbart und beschaute mit grimmigem Humor, was die Treiber zusamm5ngetragen. Erst als die zehn Jagdtheilnehmer, mit dem Major von Kozlowski an der Spitze, sich sämmtlich angefunden hatten, nahm 'er die Pfeife aus dem Munde und erstattete dem Bataillonscommandeur den Streckenrapport wie immer in einer Form, die das Entzücken der jüngeren Leutenants bildete. Förster Ringelberg strich mit dem Mundstück seiner Pfeife den bunten Schnurrbart zurecht, räusperte sich, spie energisch aus und sprach also: Herr Major, meine Herren es war diesmal wieder unter allem Luder. Es sind von zehn Mann, den Herrn Major mit einbegriffen, zur Strecke gebracht worden: neun Hasen, wovon fünf blos Karnickel sind. Des writeren ein lahmer Fuchs, der nämliche, welchen Sie bereits auf der vongen Jagd erlegt haben, der aber nur scheintodt und von der Strecke weg wieder ausgekniffen war. Ich habe mich überzeugt, daß der Rothe diesmal wirklich geblieben ist aber wohl weniger von Ihren Schroten als aus Lebensüberdruß. Des weiteren zwei Eichkatzen, zwei Krähen und i du Donnerschock hier fehlt doch noch etwas! Wo ist der Schorsch Lindewald, den der Herr Major mit 6 Schroten am Spiegel getroffen hat?" Schorsch is bei'n Fisikus!" lautete die Antwort aus dem Kreise der' Treiber. Ach so na, denn konnte er hier nicht zugelegt werden, meine Herren. Sie müssen sich also den Schorsch Lindewald mit den 6 Schroten im Spiegel neben den beiden Krähen denken. Aber alles was recht ist, meine Herren die Strecke wäre doch vielleicht etwas weniger dürftig ausgefallen. wenn die Kälber und Ziegen um diese Zeit nicht auf Stallfütterung angewiesen wären. Damit wollen wir uns trösten, und in diesem Sinne Weidmannsheil!" Es war gut,-daß Förster Ringelberg hier Schluß machte. ' Die jüngeren Herren konnten ihr Vergnügen kaum noch bändigen. Der kleine Gras Verchow hielt eine Buche umklammert und vergoß Thränen der Wonne. Der sonst recht joviale Major von Kozlowski bemerkte das unliebsam. Vorgesetzte sehen es nie gern, wenn sie in Gegenwart ihrer Nachgeordnetn angeulkt werden und diese darüber Freude äußern. Der Herr Major war überhaupt nicht recht in Stimmung heute. Und das aus zwei Gründen. Einmal lag ihm der angeschossene Schorsch" Lindewald auf der Seele. Er sah ihn noch umherhllpfen, mit beiden Händen am Spiegel" und unter einem Schmerzgeheul, als wenn seine Erziehungssläche nun für immerdar ihren Funktionen entzogen wäre. Die Sache war, wie alsbald festgestellt wurde, nicht schlimm; aber Schorsch Lindewald war dafür bekannt, daß er solche Glücks fälle' gehörig auszunutzen wußte unter 30 Mark pro Schrotkorn that er's nicht. Nun, darüber war schließlich noch hinwegzukommen wenn nur ein einziges Stück Rehwild geschossen worden wäre! Der Major hatte seinem in der Residenz wohnhaften Schwager und hohen Vorgesetzten, dem General Siemroth, einen Rehbock versprochen. Ganz fest. So fest, daß der Herr General geschrieben hatte, er verlasse sich absolut darauf. Binnen sechs Tagen finde eine größere Gesellschaft bei ihm statt, an der auch ein Divisionär und der commandirende General theilnähmen. Es würde ihm bei dieser Gelegenheit eine Freude sein, darauf hinweisen zu können, daß der Bock von dem Ossiiurcorvs des 5?üülierbataillons - Re-

gimentS Karl Ävalöert geschossen worden sei. Das hatte der General geschrieben. Und was er nicht geschrieben, das hatte der Major ziemlich zutreffend sich wie folgt ergänzt: Schickst Du mir aber den Rehbock nicbt. so wird mich meine verwandtschaftliche Liebe nicht abhalten. Dir sehr grob zu kommen. Es hat dann entweder am guten Willen oder an Deiner und Deiner Offiziere Schießfertigkcit gefehlt. Grund ge--nug, daß ich alsbald herüberkomme und Euch die Karbonade scheuere." Aus dieser Combination und -der damit zusammenhängenden Stimmung heraus winkte der Major sich den kleinen Verchow heran, der bei Besichtigung .der Strecke den Förster zu einer Fortsetzung seiner Kritik anzustacheln versucht hatte. Lieber Graf, Ihre Freude an den herben Betrachtungen unseres alten Freundes ist eine so große und ungetrübte, daß ich nur annehmen kann, Sie persönlich fühlten sich dadurch -nicht im geringsten betroffen. Das ist aber eine arge Selbsttäuschung. Sie schießen sehr schlecht, lieber Graf. Und nicht nur hier, sondern überhaupt " Herr Major, wenn ich gehorsamst bemerken darf " Schon gut, ich weiß, was Sie bemerken wollen. Sie wollen mir einwenden, daß Sie neulich auf dem Schießstande als der beste abgeschnitten haben. Vielleicht auch ich glaube das vorhin gehört zu haben daß Sie die vier Hasen allein erlegt haben. Das alles als richtig vorausgesetzt, möchte ich Sie doch auf die merkwürdigen Spiele des Zufalls verweisen, an denen das Leben so reich ist. Zeigen Sie mir mal in einem besonderen Falle, was Sie leisten können. Der kleine Verchow wüthete innerlich. Das ihm, dem notorisch besten Schützen des Bataillons nicht nur, sondern des ganzen Regiments! ES war, um aus der Jacke zu gehen. Aber er bezwäng sich natürlich. Wenn der Major ihm die Durchlöcherung des Schorsch Lindewaldschen Hosenbodens in die Schuhe geschoben hätte, er hätte sich auch bezwingen, müssen. Also erwiderte er, etwas gepreßt zwar, aber in correkter Haltung: Ich bin jederzeit bereit, Herr Major!" Schön. Dann will ich Ihnen sofo?j einen Vorschlag machen. Schießen Sie hier auf unserer Jagd binnen vierundzwanzig Stunden einen starken Bock." Das ist unmöglich. Herr Major. Binnen vierundzwanzig Stunden wenigstens. Das Wild ist vergrämt durch die heutige Jagd. Außerdem hält Herr Ringelberg den Wechsel von der Stadtforst her sehr scharf im Auge. Wenn mir der Herr Major jedoch drei Tage Urlaub geben wollen, so würde ich mich verpflichten, in dieser Zeit einen Bock zu erlegen." Major von Kozlowski rechnete. In sechs Tagen war die Gesellschaft be! dem Schwager - General. Blieben immer noch drei Tage. Das war dann allerdings der letzte Termin. Sie verpflichten sich dazu?" Zu Befehl, Herr Major!" Bon. Der Urlaub ist Ihnen bewilligt. Geben Sie mir eventuell sofort Nachricht. Ich danke Ihnen." Wenn Graf Verchow vorhin innerlich gewüthet, sg rieb der Major sich jetzt innerlich die Hände. Er hattet gar nichts anderes gewollt, als den Ehrgeiz seines besten Schützen anzustacheln. Wenn der Kleine den Bock nicht schoß, so blieb er überhaupt ungeschossen, und das umsomehr, als von Seiten Ringelbergs keine Hilfe zu erwarten war. Der Förster hielt seine Stadtforst um jedes Stück Edelwild geschädigt, das auf dem Pachtgelände der Garnison angetroffen wurde. Und nun gar den Finger danach krumm machen! Das war ganz ausgeschlossen. Der Major sah sich in seinen ErWartungen nicht getäuscht. Der dritte Tag war noch nicht zu Ende, als Graf Verchow ihm den frischen, schädelechten Hauptschmuck eines prächtigen Sechserbockes übersandte. Gleich darauf trat der Leutnant selbst an und wurde von seinem Bataillonscommandeur auf das freundlichste nein, das ist nicht genug gesagt auf das strahlendste empfangen. Alle Achtung, mein lieber Graf! Ich gratulire Ihnen und uns zu dieser Leistung denn ich weiß sehr wohl, daß es seine Schwierigkeiten gehabt hat, auf unserem Revier einen solchen Burschen anzusprechen. Ich bin vollkommen bekehrt und werde nicht verfehlen, geeigneten Ortes auf Ihre Tüchtigkeit als Schütze hinzuweisen. Haben Sie nur die LiebensWürdigkeit, das Wild sofort hierher schaffen und bei mir abliefern zu lassen." Der geschmeichelte Ausdruck in dem Antlitze des kleinen Leutnants wich und verwandelte sich in einen verdutzten. Herr Major," erwiderte er zögernd, das ist leider nicht mehr möglich. Wenn der Herr Major mir nur mit einer Silbe angedeutet hätten, daß Sie selbst auf den Bock reflektirten, dann " Dann " hauchte der Bataillonskommandeur entgeistert. Dann hätte ich ihn nicht -,u Gunsten unserer Jagdkafse erstanden und beute Mittag nach Hause schickt...-