Indiana Tribüne, Volume 28, Number 151, Indianapolis, Marion County, 17 February 1905 — Page 5
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tlm Strom des Lebens.
Ich steh' am Ufer und winke dir: Ziomm doch herüber herüber zu mir! Tie Drossel schmettert verlangend im Hag Goldglühcnd leuchtet der Sommertag . . . Du wanderst zwvil. Du schaust nicht auf, Folgst müde des Stromes windendem . &mf Kein Kahn im Schilfe. Kein Brückenstcg, Der blinkende Spiegel verlegt dir den Weg. Er wirft dir spottend dein Bild zurück . . . Du wanderst und wanderst und suchst das Glück. Du suchst vergebens mit träumendem Sinn ...Der Strom des Lebens rauscht zwischen uns hin . . . Das Loos. Novellette von Reinhold Ortmann. Am dritten Tage, nachdem ihn das Fieber befallen hatte, entschloß ich Heinz Rolling, das Krankenhaus auszusuchen. Er fühlte, daß es etwas Ernstliches sei, und er konnte der alten Frau Wundtke unmöglich zumuthen, sich für 25 Mark monatlicher Miethe auch noch, die Plackerei mit einem Schwerkranken, oder gar die Umstandlichkeiten eines Todesfalles aufzubürden. Der Candidat Jaspers, sein Freund und Stubennachbar, war nicht wenig erstaunt, den von innerlichem Frost Geschüttelten in den Kleidern zu finden; aber als ihm Heinz Rolling sagte, was er vorhabe, könnte er ihm nur zustimmen. Natürlich ließ er sich's nicht nehmen, ihn in einer Droschke bis zum Krankenhaus zu begleiten. Und unterwegs gab ihm der Kranke noch allerlei kleine Aufträge für diesen oder jenen Fall, mit dem man den Umständen nach rechnen mußte. In der Schreibtischschieblade liegen allerlei Papiere," sagte er, wichtige und unwichtige bunt durcheinander auch ein paar angefangene Manuskripte; du hast wohl die Freundlichseit, den ganzen Krempel an dich zu nehmen und zu verwahren. Etwas, das für andere Werth hätte, ist nicht darunter. Und wenn ich nicht wieder herauskommen sollte, kannst du die Geschichte getrost verbrennen." Red' doch keinen Unsinn, Heinz! Ein bischen Influenza! In acht Tagen spielen wir wieder unsere Partie Schach." Nun ja vielleicht! Was mein sonstiges irdisches Besitzthum anlangt du weißt ja, es ist nicht allzu viel so gehört es für den bewußten Fall natürlich meiner Mutter. Schulden habe ich nicht, und die Kosten der Beerdigung müßte der Journalisten-Verein befreiten. Aber laß dir um des Himmels willen nicht einfallen, an die alte Frau zu schreiben. Sie hat eine so närrische Liebe zu mir und würde sich halb zu Tode ängstigen. Den vorzeitigen Kummer wenigstens möcht' ich ihr gern ersparen." Paul Jaspers drückte ihm die tro6ene, fieberheiße Hand. Je länger die Fahrt währte, desto weniger wollte ihm das Aussehen des Freundes gefallen. Sprich nicht so viel, Heinz!" bat er. Wenn ich dich morgen besuche, können wir ja in aller Ruhe über diese Dinge reden." Morgen das ist eine ungewisse Geschichte! Und der Redaktion des Morgen-Kurier" müßte ich mich eicentlich auch noch entschuldigen. Sie hatten einen Artikel bei mir bestellt, den ich nun wohl nicht mehr werde schreiben können. Und dann " Seine Kräfte waren sittlich im Schwinden. Er athmete mühsam, und die rothen 'Flecken auf seinen Wangen wurden immer dunkler. Was denn sonst noch, mein Alter? Wenn es nichts Wichtigeres ist als der Artikel, für den Morgen-Kurier", sollst du dich deshalb jetzt nicht weiter aufregen." Es könnte sein, daß daß Jemand nach mir fragt ein junges Mädchen, meine ich eine kleine Schauspielerin, dann sollst du sollst du ihr sagen " Aber der Eandidat ersuhr nicht, was er der kleinen Schauspielerin sagen sollte, denn die Anstrengung war zu groß gewesen für Heinz Rollings Zustand. Ohnmächtig lag er in der Wagenecke und bewußtlos wurde er vor dem Krankenhause von zwei Wärtern aus der Droschke gehoben. Pavillon sieben!" entschied de: Oberarzt nach flüchtiger Untersuchung. Paul Jaspers aber mußte in'sBureau, um die Personalien des Kranken anzugeben und alle sonstigen Formalitäten zu erfüllen, die nach den unantastbaren Gesetzen der heiligen Bureaukratie mit der Einlieferung eines Patienten derbunden sind. Als er sich nach endlich überstandenem Jnquisitorium zum Gehen anschickte, begegnete er draußen auf dem Gange dem , jungen Doktor Rothhoser, mit dem er ein paar Mal gekneipt hatte, und der seit einem halden Jahre hier als Volontärarzt thäiig war. Er steckte im Operations--kittel, aber sein Gesicht strahlte, als sei er im Begriff, sich geradeswegs zu einer Hochzeitstafel zu begeben. Nanu, Candidate! WaZ führt denn Sie hierher in dies' Haus des Jammers?" Ich habe leider einen Freund her
geleiten müssen den Schriftsteller Heinz Rolling Sie müssen ihn ja auch kennen, Doktor!" Oberflächlich! Ein nettes Kerlchen! Was fehlt ihm denn?" Ich weiß nicht ein heftiges Fieder . Er liest im Vavillon sieben." O wch, das ist kein gutes Zeichen. Na, hoffentlich wird er trotzdem durch kommen." Können Sie sich nicht' seiner ein bischen annehmen, lieber Doktor?" Ist nicht meine Station, Verehrtester! Ich bin Chirurg. Will ihn jedoch dem Collegen besonders an's Herz legen. Aber Sie müssen mich jetzt entschuldigen. Schade, daß Sie von der anderen Fakultät sind. Wir haben da drin nämlich einen ganz famosen Fall eine Rarität, die man nur unter die Finger kriegt, wenn man ganz besonders Glück hat. Hoffentlich sieht man Sie bald mal aus der Kneipe!" Er verschwand im Operationssaal, und Paul Jaspers kehrte bedrückten Gemüths nach Hause zurück. In Gegenwart derFrau Wundtke entleerte er die mit Papieren, Briefen und Manuskriptblättern vollgepfropfte Schublade, von der ihm Heinz Rolling gesprechen, und brachte alles sorgfältig in einem besonderen Fach seines eigenen Schreibtisches unter. Dabei flatterte ein kleines, mehrfach zusammengelegtes Papier zu Boden. Als Paul Jaspers es entfaltete, sah er, daß eZ ein Loos zu einer Kirchenbau-Lotterie war, einer von jenen aussichtsreichen Lotterien, bei denen auf zehntausend Nieten ein Gewinn zu kommen pslcgt. Heinz Rolling mußte wohl vergessen haben, daß er es besaß, denn, wie aus dem Aufdruck hervorging, war die Ziehung schon feit mehr als vier Wochen vorüber. Ich will doch gelegentlich nachfragen. ob er was darauf gewonnen bat," dachte Jaspers und steckte das Loos in die Westentasche. Das andere nahm er ohne weitere Untersuchung unter sicheren Verschluß, denn er hoffte trotz der ominösen Pavillonzahl noch immer, daß er es dem Freunde persönlich würde zurückgeben können. Am nächsten Mittag machte er sich auf, ihn zu besuchen. Aber man ließ ihn nicht an Heinz Rollings Krankenbett. 'Er sei fast ohne Bewußtsein, hieß es, und in einem nicht unbedenklichen Zustande. Morgen oder übermorgen sei eine entscheidende Krisis zu erwarten. Als der Candidat wieder nach Haus kam. stieg unmittelbar vor ihm behend und leichtfüßig eine junge Dame, die Treppe empor. Paul Jaspers sah, daß sie eine zierliche, biegsame Figur und allerliebste Füßchen hatte. Ein süßer Veilchenduft, den er mit Vehagen einathmete, folgte ihr nach. Oben im dritten Stock blieb sie wie suchend stehen und begann die an den Thüren befestigten Visitenkarten zu studiren. Dabei hatte der Candidat Gelegenheit, nun auch einen Blick auf ihr Gesicht zu werfen, und er war sogleich überzeugt, daß er nie etwas Anmuthigeres und Reizenderes gesehen. Dienstbeflissen zog er den Hut. Wenn ich Ihnen vielleicht mit einer Auskunst dienen kann, mein Fräulein ich bin hier zu Haus." Ihre Verlegenheit und ihr Erröthen bei seiner Artade waren geradezu entzückend. Sie sind sehr freundlich, mein Herr! Es ist der Schriftsteller Herr Heinz Rolling, den ich suche." Also die kleine Schauspielerin! Ohne Zweifel, sie war es! Oh. über diesen Rolling, der so häuslich und solide lebte, daß Frau Wundtke nach ihrer Versicherung seit dreißig Jahren keinen besseren Zimmerherrn gehabt und der trotzdem solche beneidenswerthen Eroberungen machte! Eine eifersüchtige Empfindung regte sich heiß in Paul Jaspers Herzen. Jede andere würde er ihm gegönnt haben, aber dies süße, berückende Geschöpfchen hätte wirklich etwas Besseres verdient, als den stillen, wortkargen, in großer Gesellschaft fast unbeholfenen Rolling. Erlauben Sie mir, daß ich mich Ihnen als sein Freund vorstelle," sagte er. Jaspers Candidat der Philologie. Leider finden Sie Herrn Rolling nicht anwesend. Und es ist sehr unerfreulich, was ich Ihnen über ihn mittheilen muß. Er ist seit gestern im Krankenhause." O mein Gott! Darum also ließ er nichts von sich hören!. Und darum ist auch die Notiz im MorgenKurier" nicht erschienen, die er mir so fest versprochen hatte. Ist es denn schlimm?" Paul Jaspers hätte es für eine Grausamkeit gehalten, ihr die ganze Wahrheit zu sagen. Eine Lebensgefahr ist wohl nicht vorhanden. Aber die Krankheit ist immerhin ernst. Und ich glaube nicht, daß man Ihnen gestatten wird, ihn heute zu sehen." Ihn zu sehen? O, nicht um die Welt würde ich in ein so schreckliches Krankenhaus gehen. Aber, es ist furchtbar! Er war ein so edler,' uneigennütziger Mensch gar nicht wie die anderen. Und er hatte so gute Verbindungen in der Presse. Mit ihm habe ich meinen einzigen Freund verloren meinen einzigen Freund!" ' Sie drückte ihr oustiges Taschentüchlein an die Augen, und Paul Jaspers hörte ihr Schluchzen. Ganz wh wurde ihm dabei um's Herz, aber die eifersüchtige Empfindung brannte nut noch heißer.
Sle haben ihn noch nicht verloren, mein Fräulein," tröstete er. Er kann er wird ja wieder gesund werden." Nein, nein! Ich habe immer Unglück. Aber ich will Sie nicht länger aufhalten, mein Herr! Nun habe ich hier ja nichts mehr zu suchen." Sie neigte ein wenig das Köpfchen und wollte an- ihm vorüber. Aber plötzlich schien sie von einer Schwäche befallen zu werden; denn sie seufzte iief auf und lehnte sich gegen die Wand. Rasch war der Candidat an ihrer Seite. Ist Ihnen nicht wohl, mein Fräulein? Wollen Sie nicht auf einen Augenblick bei meiner Wirthin eintreten?" Sie schüttelte den Kopf. Nein, ich muß fort!" hauchte sie. Draußen wird mir wohl wieder bessn werden." Er sah, daß sie sich nicht halten ließ; aber unter keinen Umständen hätte. er sie allem gehen lassen in solchem Zustande. Und sie lehnte seine Begleitung nicht ab, wenn sie sich auch erst bescheiden dagegen wehrte ihm so viel Ungelegenheit zu bereiten. Draußen in der freien Luft schien ihr wirklich besser zu werden. Und nun erfuhr Paul Jaspers auf seine theilnehmenden Fragen auch einiges Nähere über ihre Verhältnisse. Ja, sie war Schauspielerin; aber sie stand noch auf den untersten Sprossen der zu Ruhm und Ehre emporführenden Leiter. Ohne eine thatkräftige Unterstützung durch die Presse würde es ihr gewiß niemals gelingen, sich gegen die Intriguen und Kabalen ihrer neidischen Colleginnen durchzusetzen. . Und nun hatte sie den einzigen Freund verloren, der ihr dazu hätte verhelfen können! Es war schrecklich! Ob sie denn wirklich so sehr an dem Schauspielerberuf hinge, fragte der Candidat. Und mit einem tief schwermüthigen Blick schlug sie die seelenvollen, in Thränen schwimmenden Augen zu ihm auf. Nein, gar nicht! Aber ich habe eine kränkliche Mutter und zwei kleine Geschwister. Mein einziger Wunsch ist, so viel zu verdienen, daß wir uns ein Pensionat oder ein kleines Geschäft einrichten können. Nur ein paar tausend Mark damit wäre uns. schon geholfen." ' Nie hatte Paul Jaspers mit dem Schicksal, das ihm alle .. irdischen Glücksgüter versagt hatte, grimmiger gehadert, als in dieser Stunde. Mit einigen tausend Mark die ewige Dankbarkeit dieses herrlichen Geschöpfes zu gewinnen, es vor den Tücken und Fallstricken eines gefährlichen Berufs zu erretten, welche Aussicht! Aber er war arm, just so arm, wie Heinz Rolling. Und von seinen hochfliegenden Zukunftshoffnungen ließ er leider keine einzige auch nur mit armseligen hundert Mark diskontiren! Ein paar Straßen weit durfte er Fräulein Elfe er hatte sich gleich gedacht, daß sie Else heißen müssegeleiten; dann blieb sie stehen, um sich unter freundlichen Dankesworten zu verabschieden. Aber es durfte auch kein Abschied für immer sein ' der Candidat hätte diese Vorstellung einfach nicht ertragen. Darum ersann er ein Mittel, sich das Glück eines Wiedersehens zu sichern. Um ihr über Heinz Rollings Befinden Nachricht geben zu können, erbat er eine Zusammenkunft für den nächsten Mittag. Und mit einer Vereitwilligkeit, die sein Herz in rascheren Schlägen klopsen machte, wurde sie ihm gewährt. Um zwölf Uhr an der Dianastatue im Stadtpark!" lautete die Abrede. Dann noch ein verheißungsvoller H'ändedruck, und leicht wie eine Elfe ent schwebte die junge Künstlerin den Blicken des verzückt nachschauenden Candadaten. An diesem Tage hatte er keinen anderen Gedanken mehr, als die Gedanken an sie. Ihr Bild verfolgte ihn bis in seine Träume, und nach dem Erwachen versank er in tiefes Nachdenken über das leider unlösliche Problem, aus dem Nichts ein paar tausend Mark hervorzuzaubern. An den armen Freund im Krankenhause dachte er nur noch so nebenher und mit einem keineswegs behaglichen Gefühl. Aber am Ende liebte Fräulein Else ihn gar nicht. Sie hatte ja von ihm immer nur als von ihrem uneigennützigen Freunde gesprochen. Und wenn Heinz Rolling nicht etwa die ernstliche Absicht hatte, sie zu heirathen, durfte er doch auch keine Ansprüche auf sie erheben. Sehr zerstreut überflog der Candidat beim Morgenkaffee die Zeitung. Da fiel sein Auge auf eine Notiz, die ihn interessirte. Der zweite Hauptgewinn der Stettiner Kirchenbau - Lotterie in Höhe von dreißigtausend Mark ist noch tntmer nicht aufgefordert worden. Er fiel auf Nummer 22.911, und der glückliche Gewinner wird gut thun, sich bald zu melden, da der Betrag bedingungsaemäß sechs Wochen nach beendeter Ziehung zu Gunsten des Kirchenbaufonds verfällt." Qalb mechanisch suchte Paul Jaspers in seiner Westentasche nach dem unter den Papieren gefundenen Loose. Und brühheiß lief es ihm über den Rücken, als er es entfaltete. Denn da stand in großen, rothen Ziffern, deren Deutlichkeit keinem Zweifel Raum ließ, die Zahl 22,911. Eine aanz reine Freude, die Freude an dem Glück eines lieben Nebenmenschen, war es, die bei dieser glorreichen Entdeckung Ne Seele des Candidaten erfüllte. Wahrhaftig, venn es ein Mittel gab. Hemd Rol-
lings:Genesung zu beschleunigen, so -P VI (m!ii.:r . c?r .. .
vu vic 2,l!liuenung von oicern unverhofften Gewinn. Und nicht eine Minute wollte er zögern, ihn damit zu erfreuen. Ohne Rücksicht auf seine dringenden Arbeiten machte er sich sogleich aus den Weg. Und so gewissenhaft ging er zu Werke, daß er sich erst im Kontor einer Looshandlung die amtliche Gewinnliste vorlegen ließ, um jeden Zweifel an der UebereinNimmung der Nummern und jede Möglichkeit einer nachträglichen Enttäuschung auszuschließen. Eben hatte er den Laden wieder derlassen, als er sich von einer fröhlichen Stimme bei seinem Namen angerufen hörte: Sieh da, Freund Jaspers! Trinken wir einen Frühschoppen miteinander?" Es war Dr. Rothhoser, der Volontärarzt aus dem Krankenhause. Herzhaft schüttelte er dem Candidaten die Hand. 'Hat ja leider nicht lange gedauert mit dem Kerlchen, dem Rolling! Haben Sie's schon erfahren?" Paul Jaspers stand wie erstarrt. Was wollen Sie damit sagen? Er ist er ist doch nicht " So? Sie Wissen's noch gar nichts Ja, heute Nacht! Ich sagte eZ Ihnen ja gleich! Pavillon sieben Station der Hoffnungslosen! Schade um ihn. Er schrieb so niedliche kleine Geschichtchen. Na, kommen Sie mit? Nicht? Nun, ich will nicht zureden. Hoffentlich sehen Wir uns bald mal auf der Kneipe. Guten Morgen!" Er winkte mit der Hand und enteilte. Halb betäubt von der Wucht des Unerwarteten starrte Paul Jaspers rn's Leere. Todt! Todt! Der arme, redliche Heinz Rollina.! Der gute, getreue Kamerad! Nun brauchte er freilich nicht mehr zu eilen, um ihm die Freudenbotschaft zu bringen; denn der stille Mann bedürfte keiner irdischen schätze mehr. Keiner irdischen Schätze und keiner irdischen Liebe! Nun hatte Fräulein Else ihren uneigennützigen Freund wirklich verloren! Wie in einem schweren Traume ging der Candidat durch die Straßen. Er dachte an den armen Rolling, aber er dachte noch mehr an die kleine SchauSpielerin, die so große Hoffnungen aus den Beistand des Journalisten gesetzt hatte. Und dann siel ihm das Lotterieloos wieder ein, und derGewinn von dreißigtausend Mark, den ihm der Cöllekteur gegen einen kleinen Abzug auf der Stelle hatte auszahlen wollen, sosern ihm etwas daran gelegen sei. Heinz Rolling brauchte das Geld nicht mehr. Aber wie würden wohl Else's schöne Augen leuchten, wenn es ihr gleichsam als ein Himmelsgeschenk in den Schooß fiele! Wie unermeßlich tonxht die Dankbarkeit sein für den, der durch solches Geschenk zu ihrem und ihrer Familie Erretter wurde! Es war eine thörichte, abenteuerliche Vorstellung; aber sie ließ den Candidaten nicht wieder los. Eigentlich war dieses Geld doch nichts anderes als ein herrenloses Gut. Heinz Rolling hatte sicherlich schon zu Lebzeiten den Besitz des Looses vollständig vergessen, und ohne den Zufall, der Paul Jaspers von seinem Vorhandensein unterrichtete, ohne das Ungefähr "jener Zeitungsnotiz würde das Geld unfehlbar verfallen sein. Niemand wußte davon, Ninmand außer ihm. Und vielleicht, ja, wahrscheinlich handelte er sogar ganz im Sinne des Verstorbenen, wenn er das Kapital derjenigen zuwandte, die Heinz Rolling geliebt hatte. 'Als er mit seinen Gedanken bis zu diesem Punkte gelangt war, stand er eben vor dem Krankenhause. Aber er ging nicht hinein. Er meinte nicht, einen Diebftahl zu begehen mit dem, was er da vorhatte; doch hätte er dem todten Freunde gerade jetzt nicht in's Gesicht blicken mögen. Es würde mich zu sehr angreifen," dachte er. Besser, ich verschiebe es auf heute Nachmittag oder auf morgen." So machte er Kehrt und ging nach Hause. Frau Wundtke war außer sich, als sie aus seinem Munde die Trauerkünde vernahm. So ein braver, ehrlicher Mensch!" klagte sie. Daß es auch gerade immer die besten treffen muß! Ich weiß, daß er manchmal gehungert hat, nur um Niemandem was schuldig zu sein. So gewissenhaft und rechtschaffen wie ihn, hab' ich noch keinen gesehen." Der Candidat fühlte einen fatalen Stich in der Gegend des Herzens. Er murmelte etwas Zustimmendes und ging in sein Zimmer. Seine Mutier wird natürlich durch die Verwaltung des Krankenhauses sogleich benachrichtigt worden sein," dachte er, und sie wird vielleicht noch heute kommen; ich muß also zusehen, etwas Ordnung in den Nachlaß des armen Rolling zu bringen." Er schloß das Schreibtischfach auf und begann die Papiere durchzusehen. Eines der ersten Blätter, das ihm in die Hand fiel, war ein angefangener Brief des armen Journalisten, datirt von dem Tage seiner Erkrankung. Paul Jaspers konnte sich nicht enthalten, das Schreiben zu überfliegen. Es mußte für irgend einen sehr vertrauten Freund bestimmt gewesen sein, denn einem anderen würde der junge Schriftsteller wohl kaum ein Geständniß gemacht haben, wie dies: Nun hat auch an mein Herz die Liebe angeklopft, die große, gewaltige,
von der die tWlchken Dichker stngen. Und es fehlte wahrlich nur wenia. daß
ich ihr Einlaß gewährt hätte; denn nie zuvor hatte ein weibliches. Wesen meine Sinne so ganz dezaubert, wie diese kleine Schauspielerin, die ein Zufall in meinen Lebensweg geführt.- Ich glaube wohl, daß sie mit dem bescheidenen Loose zufrieden gewesen wäre, wie ich es meinem Weibe zu bieten dermöchte; deutlich genug gab sie es mir zu verstehen. Und ich war nahe daran, der Versuchung zu, unterliegen. Aber ich besann mich glücklicherweise noch zur rechten Zeit auf meine heiligen Pflichten gegen die arme, einsame, alte Frau, der ich das Leben verdanke. Was liegt an dem bischen Liebesglück, wenn ich es gegen das köstliche Vewußtsein eintauschen kann, den Lebensabend meiner theuren Mutter vor dem Gespenst der Noth und der Sorge geschützt zu haben! Möge mir der Himmel Gesundheit und Arbcitskrast erhalten, damit " Hier brach der Brief ab, der nun niemals vollendet werden sollte. Der Candidat Paul jaspers aber war dunkelroth im Gesicht. Und plötzlich sprang er auf, um vor den Spiegel hinzutreten. Schuft!" rief er seinem Ebenbilde zu. Und noch einmal recht aus Herzensgrunde: Schuft!" Dann nahm er das Lotterieloos aus seiner Brieftasche'und verschloß es mit Heinz Rollings übrigem Nachlaß. In seinem schwarzen Gesellschaftsanzuge, wie zu einem feierlichen Besuch, verließ er das Haus. Es war dreiviertel auf zwölf, und er hätte eilen müssen, wenn er das Stelldichein an der Diana-Sta-tue nicht versäumen wollte. Aber Paul Jaspers schlug ohne Besinnen die entgegengesetzte Richtung ein. die Richtung nach dem Krankenhause. Jetzt konnte er seinem todten Freunde wieder in's Gesicht sehen. Gott fei dank, daß er es konnte! Mit erstickter Stimme äußerte er im Bureau den Wunsch, zu der irdischen Hülle des Entschlafenen geführt zu werden. Aber der Schreiber, der die Register führte, sah ihn verwundert an. Ich weiß nichts davon, daß der Schriftsteller Rolling auf Station sieben gestorben wäre. Warten Sie einen Augenblick, ich werde sogleich binübertelephoniren." Er ging in's Nebenzimmer und nach fünf Minuten kam er zurück. Es muß eine Personen - Verwechslung vorliegen, mein Herr! Der Patient, nach dem Sie fragen, hatte heute Nacht eine schwere Krisis zu überstehen, befindet sich aber jetzt auf dem Wege entschiedener Besserung. Wenn Sie ihn sprechen wollen, so steht dem nichts entgegen." Als Paul Jaspers eine Stunde später das Krankenhaus verließ, ging er erhobenen Hauptes feinen Weg und mit strahlendem Antlitz. In seinem Ohre aber klangen noch immer die ersten Worte nach, die Heinz Rolling auf die Kunde von' seinem Lotteriegewinn ausgerufen, die jubelnden Worte: ' Dem Himmel sei dank! Nun ist die Zukunft meines Mütterchens gesickert, auch wenn ich sterbe." Und nie war die Seele des Candidaten so voll guter Vorsätze gewesen, als an diesem Tage. Zwei Wochen später Heinz Rolling war längst außer aller Gefahr begegnete Jaspers dem Fräulein Else auf der Promenade. Sie war mit auffallender Eleganz' gekleidet und hing am Arme eines blasirt dreinschauenden jungen Herrn, dem man auf hundert Schritte den Lebemann ansah. Als sie an dem Candidaten vorüberging, streifte sie ihn mit einem Blick voll unsäglicher Geringschätzung, und er meinte hinter seinem Rücken ein spottisches Auflachen zu vernehmen. Aber es focht ihn nicht weiter an. Nicht um tausend glühende Küsse von Fräulein Else's Lippen wäre . ihm heute die Berechtigung feil gewesen, jedem ehrlichen Manne frei und offen in's Auge blicken zu dürfen. Uevertrumpft Ein Brite und ein Amerikaner sprachen über die Regierungsformen ihrer Vaterländer. Der Brite, der den Amerikaner matt zu setzen gedachte, sagte: Hand auf's Herz! Ihr werdet von einer Bande von politischen Veutejägern regiert, mit denen gesellschaftlich zu verkehren Euch nicht einfallen würde." Sie haben Recht," antwortete der schlagfertige Iankee, aber Ihr werdet von einer Klique von Leuten regiert, denen es gar nicht einfällt, mit Euch gesellschaftlichen Verkehr zu pflegcn!" Der schlaue MecklenburgerFritz Ohnesorge, 'ern erst vor Kurzem eingewanderter Mecklenburger, geht mit seinem Bruder Jochen die Eisenbahnge leise entlang. Hinter ihnen her kommt ein Zug, und Jochen springt auf die Böschung. Fritz aber läuft, was er kann, in den Geleisen weiter. Gleich darauf packt ihn der Kuhfänger und schleudert ihn 40 Fuß weit in's Feld. Jochen eilt herbei: .HkttDi'tveel schabt.' Frid?" Ick bün mihr as dodt!" Worum biist Du denn nich up de Böschung klattert?Jck tünn mit dat Diert nich tau eben Jrd um de Wett lopen, füll ick dor ok wch an to Nattern fangen?"
" Der Bergsturz am Lnenvand. ' Wer Norwegens Westlüste besucht hat, kennt auch den Nordfjord, dessen innere Verzweigungen durch das enge Nebeneinander stiller Wasserflächen, gewaltig sich aufreckender dunkler Felöberge und weißer Gletscher und Firnselber von außerordentlicher Schönhcit sind. Hier liegt auch der Loenoand, ein durch einen flachen Felsenriegel vom Meere getrennter Süßwas. sersee, der aber, schon durch den Cha lalter seiner Umgebung, ganz als Fortsctzung des Fjordes erscheint. Er ist 12 Km. lang und von schroffen, bis zu 1500 M. hohen Felswänden eingeschlösse, über denen die Spitzen des bis 2000 M. aufsteigenden Fjelds sichtbar werden; Gletscher hängen von allen Seiten herab. Die Ufer sind so steil, daß weder eine Straße noch ein Fuß steig am See hinführen. Nur an einer Stelle, da wo der See sich sundartig verengert, hat der Kvandalselv einen schmalen Streifen Schwemmland gebildet, auf dem die Höfe von Naesdal liegen. Ueber diesen Hosen ragen der senkrecht abfallende Nonsniba und daneben das Ravenfjeld auf. Hart gegenüber erhebt sich das BödalsfZeld so li. n v r . i V '
vay oie Hvsc in einem oer groarilgsten 5?elsenkessel dem soaenannten s - Circus von Naesdal liegen, die Norwegen aufzuweisen hat. Von einem dieser Berge muß sich nun eine gewaltige Felspartie losgelöst haben; sie ist in den hier aanz schmalen See gestürzt und hat die 20 Fuß hohe Welle erzeugt, die die Höfe von Naesdal und ihre Bewohner mit wegriß. Daß den Verunglückten keine Hülfe gebracht werden konnte, erklärt sich daraus, daß eine Verbindung mit Naesdal nur auf dem Wässerwege, durch Boote, möglich ist, die Boote aber wegen großen Sturmes sich nicht auf den See hinaus wage konnten. Nicht weit von der Unglücksstelle am Ostufer des Loenvand ist übrigens 1884 durch einen Bergsturz auch der Hof NLKi verschüttet worden. Nach einer Meldung von Bergens Tidende hat die durch die niedergestürzten Felsmassen erzeugte Welle auch oberhalb des erwähnten Schwemmlandes noch Verheerungen angerichtet und weitere drei Höfe mit sich fortgerissen, wobei eine ganze Anzahl Menschen verletzt wurden und viel Vieh ertrank. Man wird genauere Nachrichten'abwarten müssen, ehe man sich ein Bild von dem Umfang des Unglücks machen kann, das diesen Herrlichen Erdenwinkel heimgesucht hat. Eine spätere Meldung aus Ehristiania lautet: Jetzt ist festgestellt, daß in Naesdal fünf Höfe mit 34 Mann fortgeschwemmt worden und daß in Boedal 25 Menschen umgekommen sind. Acht Menschen wurden verhetzt unter den Trünimern hervorgezogen, einer ist sofort gestorben. Der Betrag der Kohlenf e l d e r Großbritanniens wird zur Zeit auf 100,000.000,000 Tonnen geschätzt, welche bei der jetzigen wachfenden Produktionsrate etwa 450 Jahre vorhalten werden. Wäbrend die Kohlenproduktion Englands sich seit 1870 wenig mehr als verdoppelt hat, ist die Produktion Deutschlands vierfach gewachsen und diejenige der Ver. Staaten zehnfach. Einen offiziellen Bericht über die Schädigungen an der Augu stusbrücke hat das Tiefbauamt der Stadt Dresden erstattet. Es wird darin ausführlich betont, daß der alte Bau den Anforderungen, die an ein so wichtiges Verkehrsglied gestellt werden müssen, nicht mehr voll zu genügen vermag; weiterhin wird die baldige Durchführung der .Erneuerung der alten Augustusbrück' für dringend ge boten erachtet. Kindermund. Karlchens Vater ist Seeoffizier und auf der Heimreise begriffen. Ein Brustbild von ihm sieht auf Mutters Schreibtisch. Täglich wird dem vierjährigen Jungen das Bild gezcigt und er ist voller Erwartung, den bald Heimkehrenden zu sehen. Endlich ist der große Tag da. Freudestrahlend stürzt die junge Frau mit ihrem Kinde dem Mann entgegen. 2)a hast Du nun Vater," ruft sie ihrem Jungen zu. Karlchen sieht den fremden Mann mißbilligend an und sagt sehr bestimmt: Das ist nicht Vater, mein Vater hat keine Beine.ooonyKyw'vuv'yy vvo o preise geliefert von A. B. HIEYER & CO. Pennsylvanik Anthracits $7.50 Pocahontas Lump 5.50 Smokeleß Lump 6.50 Öhio Cannel Lump 5.50 Ohio SannN Egg 5.50 kanawha Lump 4i0 Pittsburg Lump 4.50 Brazil Block 4.25 hocking Valley 4.25 Straight Creek Lump 4.50 Straight Creek Egg 4.25 Greene County, No. 4, Vein Lump .... 3.50 Greene County, No. 4. Vein Egg . . 3.50 Jackson Ohio Lump 5.00 Oven Coke Egg 5.50 GaS tzouse Lump Coke 50 Sa House Crushed Coke 6.00 crtta'vnechnuuz wo solche gettazen erden äffe
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