Indiana Tribüne, Volume 28, Number 147, Indianapolis, Marion County, 13 February 1905 — Page 6

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Europäische Nachrichten. Provinz Hstprcußetl. Königsberg. Zwei schwere Unfälle haben sich letztens zugetragen. Der Zinmergeselle Klosch aus Wehlau war au; dem vierten Stockwerk eines Neubau! in Rosenu abgestürzt und hatte dabei sehr schwere innere und äußere Verletzungen erlitten, so daß er mit dem Unfallwagen dem städtischen Krankenhause zugeführt werden mußte. Der Arbeiter Karl Vittner wurde auf dem Dampfer Stockholm" an der neuen Werfthalle von einem Ballen Papier gequetscht und erlitt dabei einen Bruch des rechten Knöchelgelenies. Auch er mußte nach dem städtischen Krankenhause gebracht werden. Vom Baugerüst abgestürzt, ist in der Vahnstraße auf den Hufen der Bauarbeiter Krüger. Er erlitt dabei so schwere Verletzungen an der Hüfte, daß er dem städtischen Krankenhause zugeführt werden mußte. Braunsberg. Der KrankenWärter "Josef Boiler, der am 10. Juli in der Heilstätte St. Andreasberg in Wormditt den Tod eines Epileptike'.'s verschuldete, stand kürzlich vor der hiesigen Strafkammer. Er war mit dem Baden des vollständig hilflosen Galinski beschäftigt und hatte den Wasserhahn aufgedreht, als er in's Nebenzimmer lief, um einem anderen Kranken, der in Krämpfc verfallen war, beizustehen. In der Eile vergaß er, den Krähn zu schließen, sodaß die Wanne voll Wasser lief und Galinski darin ertrank. Das Urtheil lautete auf sechs Wochen Gefängniß, die jedoch durch die Untersuchungshaft für verbüßt erachtet wurden. I o h a n n i s b u r g. Der Philippone Wasstl Agafanow aus Liusenthal wurde von dem Forstaufseher Kroll i Belauf Rudczanny auf frischer Thai beim Wildern ertappt. Als der Wilddieb sich zur Gegenwehr anschickte, machte der Forstbeamte von seiner Sckußwaffe Gebrauch und traf ihn. 2ven verwundeten Wilderer bettete er

zunächst auf die drei Rehe und begab I sich dann zur Försterei, um Fuhrwerk zur Fortschaffung des Mannes in's Krankenhaus zu holen. Als er jedoch zurückkam, fand er wohl den Verwunbeten, die drei Rehe aber waren von Genossen des Wilderers fortgeschasst. Jetzt ist der Mann hier gestorben und hinterläßt seine Wittwe mit vier Kindern. L a b i a u. Sein fünfzigjähriges Meisterjubiläum konnte Schuhmacher meister Samuel Diering hier feiern. Diering ist während dieser 50 Jahre nur am hiesigen Orte thätig gewesen. Ortelsburg. Die leichte Eisdecke, die der Frost über dem großen Haussee gebildet hat, ist einem Knaben verhängnißvoll geworden. Der siebenjährige Sohn des Bahnarbeiters Kopana aus Beutnerdorf betrat im Verein mit dem ebenso alten Knaben Naida das Eis. Sie brachen an einer tiefen Stelle ein und Kopana versank sofort in die Tiefe, während Naida sich am Eis festklammerten Auf Händen und Füßen kroch der erwachsene Vruder des Untergegangenen an die Un glllcks stelle heran, und es gelang ihm trotz eigener großer. Gefahr den Naida zu retten. Den Bruder konnte er mit Hilfe eines Kahnes erst als Leiche ber gen. Frovinz Westpreußen. D a n z i g. Ein schweres Unglück hat sich im Hafenkanal zu NeufahrWasser ereignet. Einige vom LandUrlaub heimkehrende Matrosen benutzten das vom Bahnhof Neufahrwasser nach Westerplatte verkehrende FährLvot an der Stelle, wo an der Ostmole einige Kreuzer der Schlachtflotte und Schiffe der hiesigen Küstenpanzerdivision liegen. Eine vor dem Bug deö Fährbootes vorbeifahrende DampfPinaffe brachte das Fährboot zum Kentern. Drei Matrosen ertranken, und zwar der Maschinistenmaat Kruppholz aus Neustadt i. S. vom Kreuzer Amazone" und die Heizer Böttcher, aus Memel und Kühn aus Tilsit vom Küstenpanzer Frithjof". Graudenz. Im Hause Grabenstraße 38 entstand ein Brand, dem zwei Menschen zum Opfer fielen. Es gelang der Feuerwehr, die bedrängte Familie desGerichtsvollziehers Gancza erst aus den Flammen zu retten, nachdem die Frau und der erwachsene Sohn bereits um's' Leben gekommen waren. Der Vater und die beiden ältesten Töchter sind schwer verletzt, so daß sie in ein Krankenhaus gebracht werden mußten. K a r t h a u s. Die Altsitzer Johann Piepkaschen Eheleute aus Abbau Palensee begingen ihr fünfzigjähriges Ehejubiläum. Die kirchliche Einsegnung vollzog Kaplan Haese in der Kirche zu Seefeldt. Vom Kaiser ist dem Jubelpaar ein Geschenk von 30 Mark überwiesen worden. Kulm. Ein jäher Tod ereilte den Schiffer I. Kubacki aus Bienkowo. Beim Uebersetzen über die Weichsel gerieth er in einen Strudel, der Kahn schlug um ' und Kubacki stürzte in's Wasser. Als tüchtiger Schwimmer hielt er sich längere Zeit über Wasser, konnte aber das Ufer leider nicht mehr erreichen. Er sank unter und ertrank. Marienburg. Verhaftet wurde der frühere Tischler, jetzt Taxameterkutscher Ludwig Vuumgarth von hier, welcher verdächtig ist, seine Frau, geb. Emilie Schultz, aus Hoppenbruch erwürgt zu haben. Die Frau sollte beerdigt werden. Weil der Ehemann

aber den bestellten Sarg nicht bezahlen

konnte, wurde dieser nicht geliefert, und die Beerdigung konnte nicht stattfinden. Die Polizei wurde darauf aufmerksam gemacht, und man fand am Halse der Leiche einen blauen Flecken; darauf wurde - der Ehegatte rhnUt N e u e n v u r g. Arbeiter Kapuste aus Gardenberg wurde, während ein Zug rangirt wurde, überfahren Die Verletzungen waren so unbedeutend, daß er im Krankenhause, wohin er gebracht worden war, bald starb. Putzig. Die Pferde eines auf dem Kielauer Bahnhofe stehenden Gefahrts wurden scheu, gingen durch, und der 6jährige Knabe Xaver Melzer wurde überfahren und sofort getödtet. S t u h m. Auf seinem Rittergute Kontlen ist im 76. Lebensjahre Rittergutsbesttzer Springborn gestorben. Er gehörte vor Jahren zu den größten Pferdezüchtern der Provinz und ist wiederholt mit Erfolg - selbst in den Sattel gestiegen. T'rovinz Knnover. Hannover. Die goldene Hochzeit feierte das in Linden. Behnsenstraße, wohnhafte Ehepaar Renner Schmidt in geistiger und körperlicher Frische. Der Herzog von Eumberland sandte dem Jubelpaare einen lcrzlichsten Glückwunsch und eine Prachtbibel. Ein schwerer Unfall, dem ein Menschenleben zum Opfer siel, ereignete sich an der Ecke des Engelbostelerdamms und der Schulzenstraße, wo ein kleine Kind, die Tochter des Arbeiters Prech, von einem Bäckerwagen überfahren und so schwer verletzt wurde, daß es bei der Emlieferung in's Krankenhaus schon gestorben war. Dud er st ad t. Im oberen Spiegelthaler Teiche wurde die Leiche des Steinbrucharbeiters Adolf Breitenbach aus Wildemann gefunden. Der von Duderstadt gebürtige Mann war bei seiner in Goslar lebenden Frau gewesen, um sich Geld zu hokm. Er hat dann den Äod im Wasser gesucht. Ein Verbrechen erscheint ausgeschlossen. Breitenbach war 50 Jahre alt und arbeitslos. Forst e. Bäckermeister A. Bergknann und Frau. feierten das Fest der goldenen Hochzeit. Der Kaiser verlieh dem Jubelpaar die goldene Ehejub:läumsmedaille. Der Herzog von Cumberland schenkte eine Prachtbibel. G rohn (Vlumenthal). Das Spinnereigebäude der Bremer Baumwollspinnerei und Weberei hier ist einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen. Die beiden Feinspinnsäle sind vollständig vernichtet. 500 Arbeiter konnten nur mit Mühe gerettet werden, während ein Knabe schwer verletzt wurde. Klein - Lengden. Ein tödtlich verlaufener Unglücksfall ereignete sich in der Fromm'schen Spinnerei. Der Knecht König aus Geismar, weleher hier seit kurzem im Dienste stand und noch nicht genau in den Räumen Lscheid wußte, stürzte aus einer vom Butterboden in's Freie führenden Thür und brach das Genick. Osnabrück. Aus einem von hier kommenden Zuge stürzte ein junges Mädchen Namens Krabbe aus Lotte und wurde getödtet. Es hatte u. a. einen Schädelbruch erlitten. Ob ein Unglücksfall oder ein Verbrechen vorliegt, konnte nicht festgestellt werden. Quakenbrück. Wegen verschmähte? Liebe hat sich der hier wohnende Lokomotivheizer Hübers erschössen. Springe. Polizeisenator Risch wurde unter dem dringenden Verdachte, an einer ganzen Anzahl schulPflichtiger Mädchen Sittlichkeitsver brechen verübt zu haben, verhaftet. Risch ist etwa 55 Jahre alt. Wunstorf. Auf der hiesigen Station wurde der Arbeiter H. Meifeld von einer Lokomotive überfahren und so schwer verletzt, daß er verstarb. 0n interessanter Rechtsfall wegen 'einer Lebensversicherung wurde im Distriktgericht, zu Stillwater, Minn., vor Richter Williston verhandelt. Dr. I. F. Johnson hat zwei Lebensversicherungs-Policen der Equitable Life Insurance Company von $2000 und $6000, die er bei dem Agenten derselben, William Mitchell, ausschreiben ließ, dem er innerhalb der letzten Jahre $2,302.60 für Prämien bezahlte. Dieser Aaent ist nun nach unbekannten Regionen verduftet und die Gesellschaft behauptet, daß die Quittungen in Händen Dr. Johnsons gefälscht und die Versicherungen schon seit ?.wei Jahren verfallen sind. Der Richter hielt sich die Entscheidung vor. Als ein wahrer Thierfreund hat sich der kürzlich in Riverhead, L. I., verstorbene George Edgar Hagermann in seinem Testament gezeigt. Hagermann, der zuletzt in Brooklyn wohnte und auch dort verschied, hinterläßt seinen Erben werthvolles Grundeigenthum in Susfolk County nahe Bellport, und hat unter anderen Bestimmungen im Testament verfügt, daß auf dem erwähnten Grundbesitz, solange er sich im Besitz seiner. Erben befindet, keine Mordthaten" verübt werden dürfen, indem man alle dort hausenden VLgel, Kaninchen und Eichhörnchen unbelastigt lassen" müsse. Alle Jagdgelüste müssen sich also die Erben auf dem genannten Grundbesitz ; verkneifen. . . - ..

Gerettet.

Novellett aus den Tiroler Bergen von Kaethe Helmar. Das Diner im Meraner Kurhaus war beendet, und die Gäste erhoben sich, um draußen, auf der Terrasse, wieder die köstliche Gebirgsluft zu athmen. Nur ein paar Neugierige blieben in dem kleinen Nebensaal, wohin Hertha von Döring sich mit dem Assessor Holzer zurückgezogen hatte, um mit ihm über die Gebirgswanderung zu sprechen, die sie am nächsten Morgen gemeinsam unternehmen wollten. Der Assessor erzählte der hübschen jungen Wittwe von den Hochtouren, die er bereits gemacht und noch machen wollte. Aber die herrlichste von allen wird unsere Partie morgen sein. Ohne Führer, gnädige Frau, ist's noch mal so schön." Hertha blickte etwas unsicher durch das Fenster. Die fernen Gebirge waren dunkelblau gesärbt, und ein leichter Nebel stieg vom Thale auf. Das Wetter wird uns doch keinen Streich spielen?" meinte sie. Fritz Holzer zuckte die Achseln. Wenn's zu trübe wird, bleiben wir in der Hütte, die auf halbem Wege liegt. Ich bin ja blos froh," fetzte er leiser hinzu, daß wir endlich mal der langweiligen Engländerin aus dem Wege gehen." So?" lachte Hertha. Aber Mrs. Sexton wird uns ja morgen als Anstandsdame begleiten. Sie freut sich schon darauf." Sie freut sich! Soo!" Der Assessor verbarg seinen Aerger nicht. Die blonde, übcrschlanke Engländerin, die bisher mit Joachim Lindtke, Herthas Gutsnachbarn und Verwandten, in der Nische am Fenster geplaudert hatte, trat heran. Joachim folgte ihr. Sie kennen den Weg, Herr Assessor?" fragte Joachim. Er war ebenso groß und ebenso blond wie Mrs. Sexton, deren Bekanntschaft er und Hertha auf der Fahrt von München her gemacht hatten. Ist nicht zu verfehlen," erwiderte Holzer, unangenehm berührt von der Einmischung des anderen. Aber Joachim zog 'gelassen eine Karte aus der Tasche und, sich an Hertha wendend, zeigte er den rothgetupften Pfad, der hier verzeichnet stand. Er durfte selbst die Partie nicht mitmachen, da ihm als Reconvaleszenten von einer schweren Influenza jede größere körperliche Anstrengung verboten war. Diesen Fußpfad," erklärte er, würde ich Dir nicht empfehlen. Er ist steinig und gefährlich; hier, der andere Weg dauert zwar länger, ist aber viel leichter zu ersteigen. Außerdem liegt auf ihm, gerade in der Mitte, das Schutzhaus, wo man im Falle eines Unwetters Unterkunft findet." Hertha verfolgte die rothen Striche, die Joachim ihr wies. Dabei fiel ihr der Kontrast zwischen den weißen kleinen Fingern des .Assessors und Joachims braunen' muskulösen Händen auf. Der große Unterschied zwischen beiden zeigte sich schon im Aeußeren: Assessor Holzer war selbst in dem Lodenanzug noch der elegante Großstädter; der gebrannte Schnurrbart, die Frisur des ' dunkeln, blauschwarzen Haares,- alles sah tadellos aus. Joachim mit dem verbrannten, von einem blonden Vollbart umrahmten Gesicht konnte den Landwirth nicht verleugnen. Holzer fing Herthas prüfenden Blick auf, und sie erröthete. Laß nur, Jochen, wir werden uns schon zurechtfinden." Du versprichst mir, den gefahrlosen Weg zu nehmen?" bat er nochmals. Oder wenn das Wetter unsicher aussieht, bleib in der Hütte. Heut haben wir Westwind. Das ist kein' gutes Vorzeichen." Wer werden so thun, wie Sie uns gesagt haben," versicherte die Engländerin. Sie brauchen sich wirklich keine Sorge zu machen, Herr Liedtke, wenn die gnädige Frau unter meinemSchutze steht." Der Assessor sagte das etwas von oben herab. Im Uebrigen wird Mrs. Sexton schon alles in Ihrem Sinne arrangiren helfen." Seine Worte klangen boshaft. 7 Hertha war die Wendung des Gesprächs unangenehm. Sie stand auf und verabschiedete sich, die morgige Tour vorschützend, vor der sie ordentlich ruhen wollte ... Als Hertha am nächsten Morgen zwischen dem Assessor und Mrs. Sexten durch den Hochwald schritt, war sie trotz der schwülen Hitze in der besten Laune. Der Assessor gefiel ihr, daraus machte sie sich kein Hehl. Sk hatte nun, vier Jahre auf ihrem Gut in Ostpreußen gelebt und drei davon mit der Pflege ihreö 'kranklichen Gatten verbracht. Jetzt, drei Jahr nach seinem Tode, kam sie zum ersten Male wieder unter Menschen, die einen weiteren Gesichtskreis besaßen als die Leute in ihrer Heimath. Mit Holzer war sie erst vor acht Tagen im Hotel bekannt geworden. ' Drei Stunden waren - sie bereits marschirt. Nun hatten sie die erste kleine Bergkuppe erreicht. Das wundervolle Alpenpanorama, daS sich unter ihnen ausbreitete, entlockte Hertha einen Ausruf des Entzückens.

Aber die nüchterne Stimme Mrs.-

Sextons nß sie aus lhrer Begezsterung. Am westlichen Horizont stieg

eine dunkle Wolke aus. Haben Sie denn noch Meinung für das Steigen der Spitze?" rief sie dem Assessor zu. Ja. sebr.Ich denke, wir thun nicht. Das Wetter wird unsicher." Aber wir wollen doch nicht unverrichtete? Dinge zurückkehren." erwiderte Holzer ärgerlich. Dann geben wir lieber den steilen Weg und sparen ein paar Stunden." Wir sparen nicht," stritt Mrs. Sexton. Der Assessor sah nach der Uhr. Jetzt ist es elf Uhr. Die gnädige Frau und ich werden eher auf der Spitze fein als Sie, wenn Sie den langweiligen Weg gehen." Er blickte die junge Frau fragend an. Hertha zögerte. Der Marsch war doch ziemlich anstrengend gewesen. Aber der Gedanke, rasch auf den Gipfel zu gelangen, schien ihr sehr verlockend; so entschied sie sich für den steilen Weg und schritt neben dem Assessor weiter. Mrs. Sexton blieb mit verblüfftem Gelacht allein stehen. Aber kurz entschlössen machte sie kehrt und wandte sich nach dem breiten Weg, der zum Schutzhause führte. Hertha und ihr Begleiter gingen rasch vorwärts, ohne sich umzusehen. Das haben wir gut gemacht," lachte der Assessor. Einfach shocking wird sie unser Benehmen finden," lachte Hertha übermüthig. Uebrigens Ihr Vetter auch. Der war gestern Abend schon ganz ungemüthlich." Pah, der Jochen, der hat immer an mir was auszusetzen." Wo er nur den Muth her hat!" sagt der Assessor und blickte seine Begleiterin entzückt an, wie sie in dem fußfreien Rock mit der kleidsamen hellen Bluse anmuthig neben ihm herging, die Rechte auf den Bergstock gestützt. Es fing an, in großen Tropfen zu regnen, und die glatten Steine hinderten am Ausschreiten. Der Assessor blieb stehen und reichte Hertha die Hand, um ihr zu helfen. Das bischen Regen schadet uns nichts," meinte er, dann machte er sein Seil los und befestigte es um sich -und seine Begleiterin. Damit Sie mir nicht ausreißen, schöne Frau!" Hertha fing einen heißen Blick von ihm auf. Geht es da herum?" fragte sie und wies ängstlich auf die Felsen, die grau und starr vor ihnen standen. Ja, jetzt beginnt das eigentliche Vergnügen!" versicherte der Assessor. Folgen Sie mir genau und setzen Sie den Fuß dahin, wo Sie mich gehen sehen. Nur keine Angst! Das Seil zieht Sie nach." Hertha biß die Zähne aufeinander. Sie. schämte sich, ihre Beklommenheit einzugestehen. Die Füße waren ihr schwer und ihre Knie zitterten. Dabei wurde der Regen immer stärker, der Himmel immer düsterer. Blos noch ' bis hierher," rief der Assessor, aber sehr vorsichtig. Der Stein bröckelt an dieser Stelle. Dann sind wir gleich oben, und der Weg wird besser." Er band sich das Seil ab und hielt es nur noch mit derHand. 'Da wurde es plötzlich finster um sie herum. Mit rasender Schnelligkeit waren die schwarzen Wolken herangekommen, und nun brach das Unwetter mit voller Gewalt los; ein greller Blitz leuchtete am Himmel auf, und fast gleichzeitig ertönte ein krachender, lang anhaltender Donner, der in den Bergen furchtbar widerhallte. Hertha schrie auf und griff in's Leere. Der Gebirgsstock stürzte in den Abgrund. Vorsicht! Nicht loslassen!" warnte der Assessor. Aber zu spät. Die junge Frau wollte sich festhalten. Doch vor den Augen tanzten ihr grüne und schwarze Punkte. Ihr Fuß glitt aus, und im nächsten Augenblick verschwand sie in der Tiefe. . . Vergebens mühte sich Hölzer, sie am Seile festzuhalten. Eine Weile strengte er alle seine Kräfte an; dann versagte seine Energie, und er mußte das Seil loslassen, um nicht selbst in den Abgründ gerissen zu werden. Gelähmt vor Schreck sank er zu Boden. . . Im Kurhaus war das Diner gerade vorüber. Joachim Liebte saß im Lesezimmer und sah besorgt hinaus in das Unwetter, als plötzlich athemlos MrL. Sexton eintrat. Ah, schon zurück? Sie können von Glück sagen, daß das Unwetter erst vor einer Stunde losbrach. Jetzt wären dieGebirgspfade wohl kaum noch gangbar." Die Enaländerin schnappte nach Luft und schüttelte den Kopf. 0 uo," rief sie und wies nach den Bergen, da sind sie noch auf dem anderen Weg, your darnned Mr. Olser with your cousin." Joachim stand erregt auf. Was?" schrie er. Hertha ist nicht mitgekommen?" Während . die anderen Hotelgäste ihr Riechflaschchen, Cognac und Erfrischungen anboten und sich von ihr ihr Abenteuer erzählen ließen, raste Joa chim hinaus. Eine dunkle Ahnung sagte ihm. daß ein? Unglück passirr war. . , Er bedurktt aller 1JV

künste, um einen Führer zu bekommen, der ihn bei dem Unwetter begleiten sollte. Endlich waren sie marschbereit. Bei strömendem Regen und furchtbarem Sturm eilten sie wortlos durch den Wald. Joachim machte sich bittere Vorwürfe, daß er trotz dem ärztlichen Verbot Hertha nicht begleitet hatte. Was galt ihm Gesundheit und Leben ohne sie! Die beiden Männer gingen im Sturmschritt immer weiter an dem Wegweiser vorüber, den schmalen Pfad bergaufwärts. Die Nebelwolken waren hier auf der Höhe so dicht, daß zeitweise nichts zu erkennen und jeder Schritt gefährlich war. Zerriß der Sturm den Nebel, so konnten sie wieder kräftig ausschreiten. Halt," rief plötzlich der Führer und bückte sich. Das ist der Tyrolerhut vom Assessor." Joachim erkannte ihn gleich. Beide Hände vor den Mund haltend, pfiff er ein Signal, das Hertha von ihrer Kinderzeit her kennen mußte. Keine Äntwort. Joachim rief ihren Namen. Aber nur das Echo erwiderte den Ruf ... Da sahen sie aus .dem Nebel eine Gestalt vor sich austauchen und erkannten Fritz Holzer. Durchnäßt und erstarrt vor Kälte kroch er mehr als daß er aing. .Wo lst Hertha?" rief Joachim mit heiserer Stimme. Der Assessor wies nach unten. Schweigend holte der Führer ein langes Seil aus seinem Rucksack und schickte sich an, es umzulegen. Aber Joachim riß es ihm aus den Händen. Das ist meine Sache! Ich muß sie finden," sagte er bestimmt, und ohne auf die Vorstellungen der anderen zu achten, gurtete er sich das Seil um die Hüften und verschwand im Abgründ, mit der Gewandtheit und Kühnheit eines erprobten Alpinisten sich von Felsen zu Felsen schwingend. Einige bange Minuten waren vergangen, da hörten die Wartenden, die aufmerksam das Seil hielten, einen fröhlichen Juchzer. Bald darauf sahen sie durch den Nebelschleier Joachims Hünengestalt wieder auftauchen. In seinem Arm trug er Hertha Er bettete sie auf die mitgebrachten Tücher, flößte ihr Wein ein und sah zu feiner größten Freude, wie sie die Augen ausschlug. Sie empfand keine Schmerzen, nur schwach und erstarrt fühlte sie sich. Eine blutende Wunde am Kopf erwies sich als leichter Ritz. Nach einiger Zeit hatte sie sich soweit erholt, daß sie, von Joachim uirterstützt, den Rückzug antreten konnte. Der Führer übernahm die Leitung des Assessors dem alle Glieder schlötterten. Holzer war sehr kleinmüthig. Er verwünschte die ganze Partie. Vor dem Hotel warteten die Gäste und bestürmten die Ankommenden mit Fragen. Joachim drängte sich hindurch, überließ dem Führer alle Erklarungen und brachte Hertha in ihr Zimmer. Als er sie auf das Sofa gelegt hatte, strich er ihr über die Stirn und sagte: Ich schick' Dir das Hausmädchen zur Hilfe und w'll gleich einen Arzt beste! len. Abends komm' ich wieder." Jochen, bist Du mir böse?" fragte sie schüchtern. Schilt mich nur aus; ich widerspreche nicht." Versprichst Du nicht zu viel?" Seine Stimme zitterte. Siehst Du, Hertha, als wir zusammen herreisten, da nahm ich mir fest vor, zu sprechen. Zu Hause fand ich nicht den Muth, Dich zu fragen " Sie sah ihn groß an. Du, Jo, Du willst Du hast mich lieb Hertha richtete sich auf, schlang die Arme um seinen Hals und küßte ihn auf den Mund. So, da hast Du meine Antwort, Jo," rief sie übermüthig. Du Lieber, heut sind mir die Augen aufgegangen. Und nie sollst Du bereuen, daß Du mich Dir gerettet hast!" Neueö von Serenissimuö.

Serenissimus unternimmt eineNeise an die Grenze seines Landes. Nach einer halben Stunde wird ihm die Sache langweilig und er bemerkt ungnädig: Verflucht langweilige Fahrerei, lieber Kindermann, äh. dauert ja ewig!" Wir müssen im Augenblick zur Stelle sein, Durchlaucht." beeilt sich Kindermann zu erwidern und weist c.uf das Cigarrenende des hohenHerrn, die Fahrt währt genau so lange, wie. eine Cigarre reicht." Jetzt wird aber Serenissimus ungehalten: Aeh, hatten Sie auch gleich sagen kennen, Kindermann, äh hätte ich eben schneller geraucht!" ln )pt,rntst. Warum sind Sie denn s, vergnügt?" Ich habe mir soeben ein Lotterieloos gekauft! Wenn das gewinnt, brenne ich meiner ??rau durch." JnUngarn ist kürzlich eine ganze Familie erfroren. Der Oekonom Peter Mocionyi in Szatmar wollte, sich mit seiner Gattin und drei Kindern in eine entfernt gelegene Gemeinde begeben. Unterwegs wurde die Familie von einem heftigen Schneestürm überrascht, gegen den sie sich nicht zu schützen vermochte. Am nachsten Morgen fand eine' GendarmeriePatrouille die ganze Familie von fünf Personen erfroren auf der Straße liegen.

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