Indiana Tribüne, Volume 28, Number 146, Indianapolis, Marion County, 11 February 1905 — Page 3
Jndiana Tribüne, 11 Februar 1905
Aenzre.
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Rene Erregung Unter den Streikem der russischen Hauptstadt.
Blutvergießen zu Sosuovice. Auszug aus Wladiwostock. Verworrenheit in der deutschen Streillage. Der König von Sachsen reklamirt das jüngste Kind seiner ehemaligen Frau. Bericht über den Untergang des japanischen Kreuzers Snycn".
Nukland. Streikneubelebt. St. Petersburg, 10. Febr. ES scheint, als wolle die Streikbewegung neues Leben gewinnen. Der Ausstand hat sich heute ausgebreitet und nur dem raschen Eingreifen der Polizei ist eS zu danken, daß die Streiker ihre alte Taktik, durch Drohungen andere Arbeiter zum Einstellen der Ar beit zu bewegen, nicht zur Ausführung kam. Auf morgen sind große Versammlungen angesagt. Die Stellung der Streiker ist insofern schwächer ge worden", als sie kein Geld mehr haben. Aber andererseits haben die Fabrik besitze? 3 Wochen hingehen lagen, ohne sich über ein Vorgehen im Reform werke einigen zu können. Einige haben Konzessionen gemacht, andere nicht, in dem sie behaupten, die Erfüllung der Arbeiterforderungen bedeute den Ban kerott der Fabrikanten. Sie überlassen Alles des Weisheit der Regierung. SoLnorice, 10. Feb. Gestern drang eine Streikermasse in den Hof der Katbarinen-Werke und verlangten, daß die Maschinisten sich dem Streike anschlössen. Eine Kompagnie Solda ten intervenirte und ein polnischer Offizier forderte die Menge wiederholt auf auseinander zu gehen. Diese weigerte sich, und ein Streiker soll den Offizier mit einem Messer bedroht haben. Da rauf gab der Ossizier Befehl zum teuern: 23 Personen, darunter 3 Hochschüler, wurden getödtet, 36 schwer verwundet. Letztere wurden nach ei nem Hospitale gebracht, wo noch fünf starben. Eine große Quantität Dynamit wurde aus dem VorrathSraume der Casimir.Gruben gestohlen, wie man annimmt von Streikern. St. P e t e r s b u r g , 10. Febr. Die Putiloff und die französifch'russi schen Werke find geschlossen, da die Ar. beiter sämmtlich streikten, weil ihnen der 8-ftündige Arbeitstag nicht gewährt wurde. 5000 Arbeiter der Putiloff . Werke versuchten nach anderen Fabriken zu marschiren und die Arbeiter zum Nie verlegen der Arbeit zu veranlassen, aber auf dem ZabalanSki'Prospekt versperr. ten ihnen Truppen den Weg. Die Streiker zerstreuten fich darauf.' St. Petersburg, 10. Febr. In dem Distrikte der Putiloff.Werke wurden heute Morgen ein halbes Dutzend Fabriken geschlossen. 30,000 Mann gingen an Streik. Lodz, 10. Feb. Die Fabrikanten einigten fich heute auf ein Ultimatum an die Streiker, nach dem fie am 13. Feb. zur Arbeit zurückkehren sollen, andernfalls die Fabriken geschlossen werden. Lodz, 10. Feb. ES heißt, daß am 14. Fed. die Eisenbahnangeftellten in ganz Polen an Streik gehen werden. Ein offizieller Bericht von Soönovice meldet, daß daselbst gestern 20 Streiker getödtet und 21 verwundet wurden. Bei Geyer's Fabrik kam eö heute zu einem blutigen Konflikte zwischen Truppen und Streikern, die in die Fa brik dringen wollten. Studenten V e r s a m m . lung. St. Petersburg, 10. Feb. Die Studenten des technologischen In stituks hielten gestern eine Bersamm lung ab und sprechen fich für konflitu tionelle Reformen und Beendigung des Krieges aus. Sie erklärten sich bereit, ihre Studien wieder aufzunehmen, wenn sie nicht durch Polizeimaßregeln gestört würden. H o h e n t h a l. H e l f i n g f o r S , 10. Februar. Hohenthal, welcher den Generalproku rator Sonlnien erschoß, befindet sich auf der Besserung. Fragen bezüglich seiner That beantwortet er nicht. Er wird bald aus dem Hospitale nach dem Gefängnisse überführt werden. . ProtestderAerzte. Moskau, 10. Feb. Der Ver. band der Aerzte des Gouvernements Moskau, beschloß an daS .Zernvsto einen energischen Protest gegen die Re-
gierungöpolitik, die Versuche des Vol kes, politische Freiheit zu erlangen, mit Gewalt zu unterdrücken." Die Resolution spricht auch die An. sich! auS. daß der Krieg so rasch wie möglich beendet werden sollte. Zu diesem Zwecke sollte daS Zernwsto sich weigern, weiter Geld zum ärztlichen Dienste im fernen Osten beizutragen. Japan. KeineSchlacht inAuSficht. Gen. Okll.'S Hauptquar t i e r, 10. Febr. Eine starke russische Macht steht auf dem rechten Ufer deS Hun-FlusseS, doch zeigt sie sich nicht geneigt anzugreifen. ES fanden nur Scharmützel zwischen Patrouillen statt. Die russischen Batterien beschießen
täglich die japanische Linie, doch ohne Erfolg. ES ist keine Aussicht auf einen allgemeinen Kampf. DaS Wetter ist anhaltend kalt. Untergang des .Sahen". Tokio, 10. Febr. Commander Okuda. der Zweitälteste Offizier des japanischen Kreuzers Sahen", der von einer russischen Mine zum Sinken ge bracht wurde, erzählt über das Ereig niß : Am 30. Nov. kooperirte der Sa Yen" mit der Landarmee gegen den 203Meter.Hügel vor Port Arthur. Um 2:24 Uhr Nachm. erfolgte eine Explosion und sofort neigte fich das Schiff nach Steuerbord. Alle wußten, daß es unmöglich sei. daS Schiff zu retten. Die Mine war unter dem vorderen Ma fchinenraume explodirt und hatte 5 Mann in diesem und 3 im hinteren Raume getödtet. Kapitän Tajima blieb auf der Brücke, obgleich ich ihn aufforderte in ein Boot zu gehen. Er hatte mir den Befehl gegeben Schritte zur Rettung der Mannschaft zu thun. Der Feind auf dem Liaotie.Berge, der unsere Lage erkannte, eröffnete ein heftiges Feuer auf uns und die uns zu Hilfe eilenden Schiffe. Der Sahen" führte gewöhnlich 5 Boote und eine Barkasse. Aber da er klar zum Ge. fechte gemacht hatte, wurden nur 3 Boote erreichbar und 2 konnten nur herabgelassen werden. In diese kamen 70 Mann. Ich befand mich auf der Steuerbordseite und muß vor dem Kapitän in'S Wager gekommen sein. Ich sank sehr tief, kam aber wieder hoch und hielt mich an einer Hängematte bis ich aufgefischt wurde. So lange ich im Wasser war, hatte ich die heftize Kälte nicht gespürt, später aber um so mehr. Von den Geretteten starben später noch 5. Dank der Bemühungen der anderen Schiffe wurden 13 Osfiziere und 140 Mann gerettrt. Wir suchten nach Leichen bis zum 2. Dezember, aber die unseres theueren Kapitäns haben wir nicht gefunden." Allgemeiner Auszug. Wladiwostock, 10. Feb. Der Auszug von Nichtkombattanten, Frauen und Kindern hat die Stadt fast leer gemacht. Die Kälte ist nicht streng und die Bai ist zur Hälfte eisfrei. ES ist für die kleinen Eisbrecher leicht, den Hafen eingang frei zu halten. Es kommen immer noch Tranöportdampfer mit Vorräthcn an. Ein Marineoffizier von Port Arthur erklärt, daß die Hoffnung, die russischen Kriegsschiffe heben zu können, aufge geben worden ist. Gen. Gripenberg krank. St. Petersburg, 10. Feb Gen. Gripenberg, der frühere Befehls haber der 3. mandschurischen Armee, befindet fich nahe Jrkutök in ärztlicher Behandlung Der Kaiser hat einen Adjutantendorthin geschickt, um von dem General wichtige Dokumente in Empfang zu nehmen. Afrika. Gen. Stösse!. Aden. Aradken, 10. Feb. Der sranzöfische. Dampfer Auftralian kam mit Gen. Stössel an Bord heute von Colombo hier an. '
Deutschland. Frankreichs Eifersucht. Berlin. 10. Febr. Die Nach, richt, daß der Abbruch der diplomati schen Beziehungen zwischen Frankreich und der Türkei droht, weil die deutsche Finanzgruppe bei der Bewerbung um den Contract sür die Neuausrüstung der türkischen Artillerie siegreich geblie. ben ist, hat in. hiesigen ossiziellen Krei sen nicht überrascht. Daß eS darüber zu Reibereien kommen würde, war zu erwarten, aber ernste Verwicklungen werden nicht befürchtet. Die Pariser Presse zetert bereits seit Monaten in ohnmächtiger Wuth über daS Wachsen deS deutschen Einflusses in der Türkei und secundirt den Hetzereien der Lon doner TimeS" und ihrer Satalliten nach Kräften. Welche Schritte die französische Re gierung in der Sache unternehmen wird, muß natürlich abgewartet werden. Vorläufig beschränkt fich ihre Rache auf die Ankündigung, daß dem Sultan von französischer Seite aus kein weiterer Franc geborgt werden solle. Beim rechten Lichte betrachtet, ist die Entrüstung der Franzosen gegen die Türkei zwar begreiflich, aber nicht gerechtfertigt. Sie haben durch ihre Happigkeit den deutschen Kapitalisten selbst in die Hände gearbeitet. Genickstarre. Epidemie. Berlin, 10. Febr. Die Genick starre im oberschlefischen Jnduftriebezirk forderte in der letzten Zeit zahlreiche Opfer. Während fich dikse Krankheit zuerst auf Königshütte beschränkte, find jetzt auch in Lipine, Beuten, Chorzow und anderen Orten Erkrankungsfälle vorgekommen. Nahezu die Hälfte derselben ist tödlich verlaufen. Die Bchör den haben fich bemüht, umfassendeMaß nahmen gegen eine weitere Ausdehnung der Epidemie zu treffen. . Streik der Kohlengräber. D e r t m o n d, 10. Febr. Von insgesammt 245,486 Bergleuten gingen
heute Morgen 75.663 an die Arbeit, wie das Regierungsbureau für Berg. werke berichtet. Das Siedener-Komite der Streiker hatte Mittag für den An fang der Arbeit festgesetzt. Wie viel Leute fich um diese Zeit meldeten, weiß man noch nicht. Essen, 10. Feb. Die Lage im Kohlenrevier ist sehr verworren. In den Krupp'Gruben arbeiten zwei Drit sei der Bergleute. Im Allgemeinen glaubt man, daß der Ausstand in eini gen Tagen zu Ende sein wird. Von HOrde wird gemeldet, daß die Streiker zwar unzufrieden seien mit ihrem Ko mite, aber die Arbeit ausnehmen wür den. Zu Oberhausen find nur wenige Ausständige zurückgekehrt. Die Leute in der Nachbarschaft von Styrum wol len weiter streiken. Zu Bottrop warfen die Streiker mit Steinen nach Leuten, die zur Arbeit gingen und nach intervenirenden GenS darmen. Letztere feuerten. Ein Strei wurde verwundet und soll später gestor ben sein. Zu Neumühle und Apler deck wurden umfassende Sicherheit maßregeln getroffen. Reichstag. Berlin. 10. Februar. Im Reichstage wurde heute die Debatte über die Handelsverträge fortgesetzt. Camv lfrelconservattv) erklärte. eS dürften anderen Nationen keine Con cessionen ohne ein Aequivalent gemacht werden. Besonders gelte dies für die Vereinigten Staaten in Bezug auf Weizen. Graf Posadowsky-Wehner trat als Vertreter deS Reichskanzlers für die Vertrüge ein. Er erklärte, eS fei noth wendig, daß auch andere Länder Für sorge für die Arbeiter (AlterSversiche rung :c.) träfen, damit die Bedingun gen der Concurrenz mit Deutschland gleiche würden. Wenn dieS nicht ge schehe, werde die Zeit kommen, da Deutschland mit größeren Kosten producire wie andere Länder. Der Radikale Gothein erklärte, die Socialdemokraten hätten Ursache, dem Kanzler für die Verträge oankbar zu fein: denn ne schlüaen Kapital aus denselben. Die Währung in Russisch Pole n. Berlin, 10. Febr. Die revolu tionäre Währung in Rusfisch.Polen wird hier in weiten Kreisen mit der ge spanntesten Aufmerksamkeit verfolgt Privatmeldungen, welche heute hierher gelangt find, weichen von den Zei tungS.Berichten insofern ab, als sie die Situation weit schlimmer erscheinen lagen, denn , von St. Petersburg aus eingeräumt wird. .Besonders bedrohlich kanten die Mit
Heilungen aus Sosnvwice in dem 1
russisch.polnischen Gouvernement Lud in. Der gesammten zahlreichen Ar beiterschaft in der Stadt und deren nächster Umgebung bat fich die größte Erregung bemächtigt, weil die kürzliche Erklärung deS Belagerungszustandes dort einfach unerträgliche Zustände ge chaffen hat. - Die Arbeiter zeigen fich trotz der staren Truppenubtheilungen, welche an Ort nnd Stelle gesandt find keineswegs eingeschüchtert und find zur schärfsten Gegenwehr entschlossen. Festigkeit d e S w i r t hschaft. I i & e n L e 6 e n 5. Berlin. 10. Feb. Ueber den Arbeitsmarkt des letzten JahreS schreibt daS ReichS.ArdeitSblatt": Charakteristisch war die starke Kon entrationS'Bewegung in der deutschen Jndustri?. Sie äußerte fich hauptsäch ich in der Neugründung von Syndi aten. Für die Festigkeit des deutschen wirthschaftlichen Lebens ist es bezeichnend, daß der ostasiatische Krieg für die deutsche VoikSwirthschast wirkungslos geblieben ist." Preßdebatten über des Kaifers K u n st-A e ußerungen. B e r'l i n. 10. 5ebr. Des Kaisers jüngste Aeußerungen über die Kunst, haben lebhafte Debatten in der Preffe hervorgerufen. Bekanntlich sagte der Kaiser zu dem Ueberbringer des Pathen geschenkS der Hauptstadt Bayerns für den Kreuzer München", er freue fich, daß die Gabe, was die Auffassung an betreffe, von der ncueren Kunstrichtung unbeeinflußt geblieben sei, und er wünsche, daß daS Münchener Kunstge werbe fich nicht von der neuen Richtung in den Bann schlagen lassen werde. Daran knüpfte der Kaiser die Anficht, daß daS deutsche Kunftgewerke fich auch irr Amerika ein Absatzgebiet schaffen werde. Die Münchener Neuesten Nachrichten" bemerken dazu: Die Amerikaner kaufen uns Modelle ad. Jhre Künft ler plündern unsere Zeitschriften, um nachher selber zu fabriziren. Die deut, sche Kunst wird in Amerika vorbildlich. wie es bisher die französische war. Die Folge ist ein starker Zustrom der Amerikaner auf deutschen Ausstellungen. Mit der Zeit wird die deutsche Kunst, auschauung den französischen Einfluß in Amerika immer mehr verdrängen, waS in einer starken Nachfrage nach deutschen Bildhauer- und Malerwerken seinen Ausdruck finden wiro." Italien. Herausgabe eines Kindes verlangt. Rom, 10. Feb. Die Tribuna" läßt fich aus Florenz melden, daß eS fich bei dem Besuche deS Dresdener Ad. vokaten Kleiner bei der Gräfin Montignoso um Herausgabe ihres jüngsten ÄindeS Prinzessin Anna Monica Pia sandte, daS der König von Sachsen be ansprucht. Die Mutter will das Kind nicht hergeben. Canada. Leiden von Schiffbrüchigen. St. Johns. N. F.. 10.' Feb. Die Bemannung der britischen Brigg Vidonia, die im Eise zerdrückt wurde, erreichte über das EiS das Land. Da sie die Oertlichkeit nicht kannten, muß ten sie heute eine ganze Nacht in Kä'te u. Sturm aushalten. Sie verloren ihren Weg und wanderten durch die Wälder. Eine Gesellschaft, die sich von Petty Harbor auf die Suche gemacht hatte. fand die Unglücklichen so schwach, daß sie nicht mehr gehen konnten. Sie wurden auf Hundeschlitten nach jener Anstedlung gebracht. ' Die Brigg Energy hi?lt heute noch im Else aus. G Der neueste Rivale de? Änsichts - Postkarte in Europa ist ein Penny Automat, und zwar nicht für Ansichts- oder Porträtkarten, sondern fi!r ein phonographisches Dokument in des Absenders eigener Sprache. Die Erfindung kommt auö Wien. Die ve treffende Person erhält durch den Au tomaten ihre Rede auf einer dünnen Grammophonplatte, die auf einer Postkarte fixirt wird und dann wie eine gewöhnliche Postkarte ' versandt werden kann. Die Pfott soll auS einem neu erfundenen Material bestehen, das so hart ist, daß eine Beschädigung bei dem PostVersand nicht . eintritt. Natürlich besteht nun für den Empsan ger eine Schwierigkeit in der Repro duktion der Rede des Absenders, aber hier soll durch ernen neuen Phonographen abgeholfen werden, der für einen Preis von höchstens 10 Kronen (8 M. 50 P.) auf den Markt gebracht wird. Sollte diese Erfindung Erfolg haben, so ist kein Zweifel, daß diese Phonogravhenpostkarte der illustrirten Postkarte eine ernste Concurrenz bereiten wird. " : ' -
Die Leiden italienischer Oersaglitri
im Sch'neestürm schlldert'eZn Bericht der Äüg. -)tg. folgendermaßen: Eine italieuizcye Äerfaglieri - Ztompagnie machie am 9. Januar einen Ucbungsmarich durch lie Vorberge des Mont Cents. Auf dem Rüctwege wurde die Truppe von einem h-eftlgen Schneestürm überrascht, so daß man kaum fünf Schritte weit sehen , konnte. Die Offiziere ermähnten ihre Leute, beisammen zu bleiben und sofort zu rufen, wenn fie das Gros verlieren sollten. Aber der Sturm wurce immer stärker, er wirbelte den zwei Fuß hohen Schnee auf und veranlaßte zahlreiche Lawinenstürze. Mit Mühe und Noth erreichte die Kompagnie das Fort Cajsa, wo fie sofort antrat. Da zeigte cs sich, daß zwei Mann fehlten. Der Hauptmann Nafi, die Leutnants D'Erroco und Ragzio und 20 Alpen-, jäger von der Besatzung des Forts bra.chen unverzüglich auf, um nach den 'Vermißten zu suchen. Allein fie ver-. mochten nur schrittweise vorzudringen, und ihre Rufe, Trompetensignale und Schüsse verhallten ungehort in dem rasenden Heulen desSturmes und in d:m Donner der Lawinen. Bis 9 Uhr Abends setzte die brave Truppenabtheilung ihre Rettungsversuche fort, dann . kehrte sie gänzlich erschöpft wieder in das Fort zurück. Hier befürchtete man nun allgemein, daß die zwei Vermißten draußen erfrieren würden. Dem war aber erfreulicher Weise nicht so: eine kleine Lawine hatte die beiden mitten aus der Marschkolonne heraus in eine Schlucht hinabgelchleudert, ohne daft die Kameraden es bemerken konnten, weil der Sturm alle förmlich blendete. Aus der Schlucht waren dann die Bei1. imS.Sna. Mtiir.. s ii f kT k WCH JVlCÜCi IUUIUIU und hatten versucht, ihre Truppe zu errenben. was rynen aber mcht gelang. Nun irrten fie kreuz und quer durch den' Schneesturm und geriethen in eine ihnen gänzlich unbekannte Berggegeno. Geaen Abend war der eine so erschöpft, daß er zusammenbrach. Allein seinem i V," nameraven gelang es, eine ageryune zu Entdecken; in diese schleppte er den schon Halberstarrten, und die Zwei Soldaten verbrachten daselbst die Nacht. Am nächsten Morgen sandte der Kommandant des Forts Casja fünf Expeditionen aus. und eine derselben traf die Vermißten in ihrem Zufluchtsorte an. Sie zitterten vor Kälte und waren sehr hungrig, sonst aber fehlte ihnen nichts. Ihr Eintreffen im Fort wurde mit lautem Jubelbegrüßt. Schiller's Wappen und Adel. Im Dorfe Obermühlau bei Jnnsbrück trägt ein Schloßflügel, das Sekretäroder Verwalterhauschen, Schiller's Wappen. Das al fresco" gemalte Wappen hat die Ueberschrift: Leo Schmer von Herberen", die Jay reszabl 159 . . (die letzte Ziffer ist unleserlich) und die Devise: Vive ut vivas!" Dieser Leo Schiller war zu Ende des 16. Jahrhunderts Bewohner desHauses; laut des tirolischen Adlers immergrünenden Ehrenkränzel" war er im Jahre 1601 der tirolischen Landesmatrikel einverleibt. Das Ehrenkränzel" zeigte auch das Schiller'sche Wappen auf schräg getheiltem Sch'loe: Oben ein nach rechts aufspringendes weißes Einhorn, auf gelbem Grund und darunter zwei gelbe Querbalken auf rothem Grund. Xt andere Halste, das Wappen der Hausfrau 2:o Schiller's, zeigt einen schwarzen Speer auf weißem Grund. Der über dieses Doppelwappen gesetzte lorbeerbekränzte Turnierhelm mit roth-gelber Helmdecke ist mit einer Krone geschmückt, aus der sich abermals ein weißes Einhorn erhebt. Dieses alte Wappen der Tiroler Schiller muß dem Dichter und den Wiener Wappenmeistern wohl' bekannt gewesen sein; das beweist der Umstand, daß das alte Wappen zu dem von Kaiser Franz dem Dichter mit dem Adelsdiplom verliehenen Wappen als Vorbild gedient hat. Die Devise: Vive ut vivas!" fehlt auf dem Friedrich v. Schiller'schen Wappen, die Devise, welche für das Leben des großen Dichters so bedeutungsvoll gewesen wäre... Wie Schiller - das Adelsdiplom auf.' nahm, ist ja bekannt. An Humbold! schrieb er im Marz I0O0: ic wcr-en gelacht haben, da Sie von un'e.ec Standeserhöhung hörten. Es war ein Einfall von unserem Herzoge, und da es geschehen ist. kann ich es um der Lolo und Ler Kinder willen mir auch gefallen lassen." Und die Gattin des Dichters schrieb an Fritz V. Stein: Aus dem Diplom kann Jeder sehen, daß Schiller ganz unschuldig daran ist." Es wäre möglich, daß L.o v. Herderen aus dem Dorfe Heueren bei Mastricht, aus demPfarrdorfe H:rde?en im Kanton Thurgau oder, aus einem Dorfe bei Fniburg in Baden stammte. Mastricht ist wohl auszuschließen. Im Freiherrnkalender" vom Jahre 1855 ist zwar die Abstammung des Dichters von einer Tiroler Familie verzeichnet, es ist aber beigefügt, daß während des dreißigjährigen Krieges die Papiere und Kirchenbücher verbrannt seien, welche die Möglichkeit hätten geben können, den Schiller'schen Stamm bäum genau zu verfolgen. Fünfhundert Millionen Rubel find, wie der Petersburger Korrefpondent der Schlefischen Zeitung meldet, auf Befehl des Kaisers Nikolaus fürie Schöpfung ner neuen russischen Kriegsflotte vorläufig freiaemackt. und es find bereits große Bestellungen in Deutschland, Italien uns Frankreich vollzogen worden.
