Indiana Tribüne, Volume 28, Number 145, Indianapolis, Marion County, 10 February 1905 — Page 7

Jnditma Tribüne,

10. Februar ifiüS

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Hintcr vcrschlosscncn Z r Z4- - r & . Churcn x Z - - - - ViCtnaii von Paul d'Aigronront 5 5 i 155555555555 sFortsetzung.) w33tan Gott. Reine," rief diese erschrecken bei dem Anblick, wie sehen Sie aus? Fühlen Sie sich unwohl?" Es ist nichts," entgegnete Fräulein d. Plessis, matt lächelnd. Die Hitze und die Unruhe um den Kleinen haben mich etwas angegriffen." Jeannie war nicht umsonst die Frau eines Arztes. Reine mußte sich in dem kühlen Schlafzimmer auf ihr Bett legen, dann mischte sie ihr einen beruhigenden Trank und sprach ihr trösiend zu, bis Doktor Bordier, früher als zu erwarten gewesen war, heimkehrte. Auch ihm fiel Reines schlechtes Aussehen auf, aber er erklärte es f durch ihre Aufregung wegen des Kleinen und war sofort bereit, mit ihr nach Schloß Tauzia zu fahren. Dort angekommen, fanden sie die treue Pauline bei dem Lager des kleinen JacquesAndre, der nach ihrem Berichte inzwischen ruhig geschlafen hatte. Der Arzt untersuchte das Kind sorgfältig und erklärte dann, es sei nicht die mindeste Ursache zur Beunruhigung vorhanden. Er gab genaue Verhaltungsmaßregeln für den Fall, daß sich vielleicht gegen Abend oder im Laufe der Nacht nochmals etwas Fieber einstellen sollte, und versprach, am anderen Morgen wieder zu kommen. Hierauf verabschiedete er sich, indem er Reine noch lächelnd ermahnte, sich durch solche, kleine Zwischenfälle, die bei Kindern nun einmal unvermeidlich seien, nicht gleich so unnöthig aufregen zu lassen. . Sie hütete sich natürlich wohl, ihn aufzuklären, usd auch als Violette jetzt dazukam, die soeben von einer mit ihrem Gemahl unternommenen Ausfahrt zurückkehrte, brachte das junge Mädchen es fertig, dieser ihre übertrieben? Besorgniß mit anscheinender Unbefangenheit zu erzählen und selbst darüber zu scherzen. Erst als sie auf ihrem Zimmer allein war, drohte die Seelenqual, die nun von Neuem über sie gekommen, sie fast niederzudrücken. Aber nachdem sie sich ausgeweint hatte, setzte sie sich an ihren Schreibtisch und schrieb mit fester Han an den Buchhändler nach Paris, durck den auch ihr Vater bezog, was er an Büchern und Zeitschriften brauchte. Sie theilte ihm die Ti.el der Werke mit, die sie sich aufgeschrieben hatte, und ersuchte lhn, ihr diese sobald wie möglich zu beschaffen und sie unter ihrer Adresse nach Schloß Tauzia zu senden. Nachdem sie diesen Brief zur Post zu brinaen befohlen batte, kehrte sie mit gefaßte? Miene zu den Ihrigen zu ruck und verbrachte den Tag in gewöhnter Weise, um erst in der Stille der Nacht über das nachzugrübeln, was sie durch den zufälligen Besuch in der Wohnung des Doktors alles erfahren hatte. Es war wie eine Offenbarung für sie gewesen, wie ein grelles Licht, das ihr plötzlich Nachtseiten des menschlichen Geisteslebens erhellte, von denen sie bisher keine Ahnung gehabt hatte. Wenn sich nun wirklich alles so verhielt, wie sie vermuthete, wer war dann aber der wirkliche Urheber des Verbrechens gewesen? Wer hatte die arme Violette so in den Bann seines dämonischen Willens zu zwingen verstanden, daß sie als sein willenloses Werkzeug vollbringen mußte, was er ihr anbefohlen, ohne daß sie sich nachher weder dieses Befehles noch seiner Ausführung zu erinnern vermochte? Die Antwort auf diese Frage war schon zugleich mit der ihr gewordenen Aufklärung über das Wesen der Posthypnotischen Suggestion in ihrem Inneren laut geworden. Und jetzt in der Stille der Nacht befestigte sich in ihr die Annahme immer mehr, daß jene erste Vermuthung die richtige gewesen sei. Graf Gratien, ihr Oheim, der Bruder ihres Vaters, mußte es gewesen sein, der die arme Violette zu dem Instrument seines Willens gemacht hatte! Ihre lehten Unterredungen mit dem Großvater ließen kaum noch einen Zweifel darüber zu. Sie erinnerte sich ferner, daß Gratien ja eine Zeitlang Medizin studirt, also nicht wie ein unerfahrener Laie den hypnotischen Experimenien gegenübergestanden hatte. Diefe waren freilich erst zu einer Zeit in Aufnahme gekommen, als der Graf längst zu einer anderen Thätigkeit übergegangen war, aber es konnte in Paris für einen Mann wie ihn keinerlei Schwierigkeiten bieten, Zutritt zu den Kliniken zu erhalten, in denen die Praris des Hypnotismus geübt und gelehrt wurde. Und dann fiel ihr auch

die seltsame Wirkung aus, die die Nahe des Grafen in der letzten Zeit vor dem Tode ihrer Mutter jedesmal auf Violeite geübt hatte, das augenfällige Mißbehagen, das diese immer empfand, wenn er sie mit seinen scharsen, stechenden Äugen fizirte, und noch manche Umstände, die erst jetzt in ihren Augen ihre volle Bedeutung gewannen. Gewiß, nur Gratien und kein anderer konnte es gewesen sein. Ich muß Gewißheit haben und ich werde sie erhalten!" dachte sie. Dann Wird der Großvater dafür sorgen, daß jener Schurke seine Strafe erhält. Er wird gleichzeitig meine arme Mutter und Violette rächen!"

Nach Verlauf von acht Tagen erhielt

sie die bestellten Bücher und benutzte nun jeden freien Augenblick, in dem es unbeobachtet geschehen konnte, um sie immer von Neuem Wort für Wort durchzustudiren und sich ihren Inhalt klar zu machen. Bei einzelnen Ausuhrunaen. die ausschließlich für Fachleute berechnet waren, gelang ihr das nicht, andere dagegen wandten sich auch an weitere Kreise, so daß sie zede Zeile darin versieben konnte. Und alles, was sie auf diese Weise erfuhr, befestigte die anfangs gewonnene Ueberzeugung nur immer mehr m ihrem Geiste. Satze, wie etwa die folgenden, sprachen ja auch nur allzu deutlich: Die ernsten Gefahren, die aus der hypnotischen Suggestion der RechtsPflege und der Aufrechterhaltung der staatlichen Ordnung erwachsen können. assen sich aeaenwartrn nicht mehr leug nen. Daß im Versuchssaale fingirte Verbrechen unter dem Einflüsse einer Suggestion begangen werden können. steht längst außer allem Zweifel; davon kann man sich jeden Tag m den Klmiken von Paris, Nancy und so weiter überzeugen. Etwas anderes ist es mit der Fraqe, ob die Möglichkeit vorliegt. daß auch wirkliche Verbrechen unter dem Einfluß hypnotischer Eingebung verübt werden können. Manche Forscher wollen dies leugnen, während dagegen Männer wie Vernheim und Liegeois mit allem Nachdruck und mit voller wissenschaftlicher Ueberzeugung für die unbedingte Bejahung dieser Möglichkeit eintreten. Auch Forel erklart die Möglichkeit krimineller Suggestivnen nicht für ausgeschlossen, desgleichen Professor W. Preyer in Berlin, der die Gefahren einer verbrecherischen Ausnützung der Suggestion im Gegensatze zu manchen, skeptisch darüber urtheilenden Fachgenossen sehr scharf betont hat." Und an einer ankeren Stelle hieß es: Die Kriminalisten sollten aus dem vorstehend Ausgeführten die Lehre ziehen, daß es für sie unbedingt nöthig ist, sich mit dem Hypnotismus naher zu befassen, um allen Versuchen, mit Hilfe der Suggestion die Thätigkeit der Strafrechtspflege zu erschweren oder gar zu vereiteln, gebührend begegnen zu können. Der bekannte Untersuchungsrichkr Guillot hat lange Zeit hindurch mit reger Theilnahme den berühmten Versuchen Eharcots und seiner Schuler m der Salpetnere beigewohnt. Es erscheint auch eigentlich selbstverständlich, nachdem der ausgezeichnete Rechtsgelehrte Liegeois in seinem, auf dem Kongreß der franzosischen Gesellschaft für den Wissenschaftlichen Fortschritt erstatteten Bericht erklart hat, daß es unzweifelhaft möglich ist, gewissen Personen ein Verbrechen zu suggeriren, das sie erst nach mehreren Stunden oder gar Tagen ausführen sollen, mit der Wirkung, daß si? das auch, gänzlich im Banne des fremden Willens siehend, unweigerlich thun." Im Hinblick auf die Unglückliehe Violette war es für Reine-Marie trostlich, daß derselbe Gelehrte ausdrücklich hinzugesetzt hatte: In einem solchen Falle muß die Person, welche eine solche That wirklich verübt, als unverantwortlich betrachtet werden und straflos ausgehen, während der, welcher ihr jenen Befehl ertheilt hat, als der alleinige Schuldige anzusehen ist und allem bestraft werden muß. Auch andere Fachmänner wiesen be züglich der durch posihypnvtische Suggestion veranlaßten Verbrechen darauf hin, daß fast alle Strafgesetze Personen für straflos erklären, welche durch unwiderstehliche Gewalt zu einer sonst strafbaren That genöthigt wurden. Das sei hierbei der Fall, während der, welcher die kriminelle Suggestion gegeben, als Anstifter und intellektueller Urheber zu betrachten und zu bestrafen sei. Dieser Anstifter konnte nach ReineMaries Ueberzeugung nur ihr Oheim, Graf Gratien, gewesen sein. Wenn sich das aber nicht" beweisen ließ, so war mit dieser Ueberzeugung noch nichts geWonnen, und wenn sie ienen Beweis nicht zu erbringen vermochte, dann blieb das an ihrer Mutter begangene Verbrechen nach wie vor ungesühnt. Es mußte aber doch eine MLalichkeit geben, diesen Beweis zu führen, und sie grübelte immerfort darüber, wie das zu ir . . tri-ft' r oelverijieuigen sein lonnie. 17. Kapitel. bwohl die eigentliche Wintersaison für Paus noch Nicht begönnen hatte, da es erst Oktober war, so hatte die Große Oper doch bereits ihre Pforten wieder geöffnet. Der Zuschauerraum, in dem man viele Fremde bemerkte, war dicht gefüllt. Man gab Tannhauser an diesem Abend. In einer der Seitenlogen bemerkte man eine Dame, deren Blondhaar einen grauen Schimmer zeigte, der jedoch auch von Puder herrühren konnte. Jedenfalls erregte sie durch ihre schöne Erscheinung vielfache Aufmerksamkeit. Ihre ganz in schwarz gehaltene Toilette zeichnete sich durch geschmackvolle Einfachheit aus. Der einzige Schmuck bestand in zwei Diamanten von seltener Große und Reinheit, die sie als Ohrgehänge trug. Von den Orchestersitzen aus wurden häufig Operngläser auf die Dame gerichtet. Auch Andre v. Lacroix-Mar-bourg, der sich dort befand, heftete seine Blicke wiederholt auf die Unbekannte. Es ist wunderbar," mußte er bei sich denken, während er sie durch sein Glas betrachtete, wie seltsam sie meiner Schwester Violette gleicht! Sie hat die

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nämliche Figur, eln ganz ähnliches

Profil und vor allem die Augen meiner Schwester." Ein Freund des jungen Mannes, der neben ihm saß, fragte in diesem Augenblick: Weint Du, wer zene Fremde dort ist, Lacroix?" Ich kenne sie mcht." erwiderte der junge Mann, und kann mich nicht entsinnen, sie schon jemals gesehen zu haben. Wir brauchen aber nur Louviers zu fragen, der kennt ja ganz Paris nicht wahr, Louviers?" setzte er. sich umwendend, hinzu. Was gibrs?- fragte der Angeredete, der hinter den Beiden saß, indem er sich vorbeugte. Chamas will den Namen jener schönen Dame dort in der Loge zur Linken wissen, und ich behauptete, daß wir ihn von Dir sicherlich erfabren würden." Stimmt. Kennen wir." Nun, wer ist sie denn?" Eine Baronin Ferdenbach." Andre stutzte, als er diesen Namen hörte. Ferdenbach?" wiederholte er. Eine Elsässerin?" Nein, eine Oesterreicherin. Sie ist seit einigen Wochen hier und hat gute Beziehungen in der Fremdenkolonie. Sie verkehrt bei Wellheim, dem Wiener Bankier in der Avenue du Bois-de-Boulogne. bei den Polsons, der bekannten amerikanischen Familie, und noch in verschiedenen angesehenen Häusern. Noch mehr spricht für sie, daß sie sich in der oberen Rue Samt-Dommique ein schönes Haus gekauft hat, das sicherlich nicht billig gewesen ist." In diesem Augenblick begann die Ouverwre. Aber auch.- als der Vorhang schon in die Höhe gegangen war, mußte Andre immer von Neuem wieder nach der Loge blicken, in der sich das le bendige Ebenbild ferner Schwester be fand. Plötzlich gewahrte er, wie die Thür im Hintergrunde dieser Loge aeöffnet wurde, und gleich darauf erschien zu seiner größten Ueberraschung sein Vetter, der Graf Gratien v. Plessis Saint-Luc, hinter der Baronin. Der Graf hatte seinerseits den jungen Mann ebenfalls bereits entdeckt und nickte ihm lächelnd zu. Wahrend Andre den Gruß zurückgab, überlegte er, ob er im Zwischenakt nicht seinen Vetter aufsuchen sollte. Gratien war ihm zwar keineswegs sympathisch, allein die seltsame Aehnlichkeü der Fremden mit Violette machte ihn begierig, sie in der Nahe zu sehen. Und zudem hatte der Name Ferdenbach seine. Aufmerksamkeit erregt. Schwester Gabrielle hatte ihm ja diesen als ihren Familiennamen genannt, den also auch ihre Schwester tragen mußte, um derentwillen die Nonne in so großer Sorge war, und die ausfindig zu machen er ihr versprochen hatte. Diese elegante Fremde sollte nun zwar eine Oesterreicherm und keine Elsässerin fein, indessen konnte dabei ja leicht ein Irrthum obwalten. Jedenfalls mußte er sich Gewißheit zu verschaffen suchen. Als der Vorhang nacy vem mnaie des ersten Aktes fiel, verließ er seinen Platz und begab sich in den Gang, der sich vor den Logeneingängen hinzog. Gratien fchien jhn bereits erwartet zu haben. Da bist Du ja!" sagte er lebhaft, indem er ihm die Rechte entgegenstreckte. Seit einer ganzen Ewigkeit haben wir uns nicht mehr gesehen. Das ist nicht meine Schuld, entgegnete Andre. Du weißt ja, wo ich zu finden bin." Ich hätte Dich wohl bei dem alten, bärbeißigen Lemarchand aufsuchen sollen? Nein, ich danke!" Nun, Du hättest mir ja schreiben und ein Zusammentreffen an einem neutralen Orte vorschlagen können." Daran habe ich auch schon gedacht. Dann kamen mir aber doch allerlei Bedenken " Seit wann bist Du denn so schllchtern?" Seitdem ich ein anderer Mensch geworden bin," entgegnete der Graf, entschlössen auf sein Ziel losgehend. Ich gedenke mich nämlich zu verheirathen." Andre sah ihn erstaunt an. Mit jener Fremden in der Loge?" fragte er. Allerdings, Vetter. Sie ist eine Baronin Ferdenbach-Bückler, die Wittwe eines sehr reichen österreichischen Großgrundbesitzers. Ich machte ihre Bekanntschaft in St. Moritz und fühlte mich bald so von ihr gefesselt, daß ich mir zuschwor, diese entzückende Frau müsse die Meine werden. Sie ist nämlich nicht nur schön, sondern auch geistig hochbegabt und liebenswürdig. Ich war so glücklich, ihre Gegenliebe zu erringen, und da ihre erste Ehe kinderlos geblieben ist, so stehen unserer Vereinigung. auch nicht die geringsten Hindernisse im Wege. Unsere Verlobung wird demnächst veröffentlicht werden, und die Hochzeit soll dann baldmöglichst folgen." - Andre konnte natürlich nicht umhin, seinen Glückwunsch, auszufprechen. Dann fragte er, noch immer einigermaßen zweifelhaft: Und Du bist über die Familienverhältnisse Deiner Braut genau unterrichtet?" Du kannst Dir doch wohl denken, daß ich über diesen Punkt die genauesten Nachforschungen angestellt habe." versicherte Gratien. Ich habe ihr übrigens bereits erzählt, daß wir nahe Verwandte seien, und sie ist sehr begierig, Deine Bekanntschaft zu machen. Komm mit mir, damit ich Dich ihr vorstellen kann. . Du wirst Dich dann am besten überzeugen, ob meine Wahl -unserer Familie Ehre macht oder nicht." Nach diesen Worten ging er auf die Loge zu, und Andre folgte ihm in lebhafter Spannung. Bei dem Eintritt

der beiden Herren erhob sich die Baro-

nin sofort von ihrem Sitze an der Logenbrustung und begab sich in den lltu nen Vorraum, der vor der eZqentlichen Loge lag. Meine theure Baronin," sagte Gratien. ich stelle 5lbnen 5bren künftiaen Vetter vor, den Herzog v. Lacroix-Mar-bourg. Ich habe Ihnen ja schon so viel von Andre erzählt, daß er Ihnen nicht mehr fremd ist." Herr v. Plessis hat aanz reckt." entgegnete sie mit liebenswürdigem Lächeln. Von vornherein bestkt zedes Mitglied seiner Familie Anspruch auf meine aufrichtige Sympathie. Wenn wir erst miteinander bekannt sind, werden wir gute Freunde werden, hoffe ich." Sie schien mitunter nach einem Wort zu suchen und sprach mit einem aanz leichten fremdländischen Accent. AIs Andre nun unmittelbar vor ihr stand, erinnerte sie ihn noch viel mehr an seine Schwester als aus der Ferne. Sie gefiel ihm ungemein, und alle seine Zweifel von vorhin verflogen bei dem Anblick ihrer schönen, saphirblauen Augen. Gratien konnte wirklich em Glückspilz genannt werden, daß es ihm gelungen war, das Herz einer Dame zu gewinnen, die nicht nur über ein bedeutendes Vermögen und einen alten Namen, sondern auch über solchen Liebreiz verfügte. Andre antwortete in entsprechend herzlicher Weise und zwar in deutscher Sprache, die er, wie auch das Englische, vollkommen beherrschte. Die Baronin äußerte ihre Freude darüber, aber Gratien unterbrach sie: Das ist leider Hebräisch für mich. Lassen Sie mich doch auch verstehen, was Sie sagen, liebe Bertha!." . Als der Graf diesen Namen aussprach, zuckte Andre unwillkürlich zusammen. Bertha Ferdenbach hieß ja die Schwester der Nonne, die er suchen sollte. War es eine Komödie, die man ihm hier vorführte? .Dann war sie allerdings bisher ausgezeichnet gespielt worden. Gratien ahnte nichts von diesen Gedanken, die seinem Vetter durch den Kopf schössen. Er war sehr befriedigt durch die verbindliche Art, in der Andre mit der Baronin gesprochen hatte. Wann willst Du mit uns frühstücken?" fragte er Andre. Ich sehe es meiner lieben Braut an, daß sie Dich einladen möchte, und mache mich zu ihrem Dolmetsch, indem ich es thue. Sie wohnt Rue Saint-Dominique Numero 295." Ach ja, Herr Herzog," versetzte Bertha, kommen Sie doch, bitte! Ich würde mich wirklich sehr darüber freuen." Ungeachtet des Argwohns, der in ihm aufgetaucht war, konnte Andre doch nicht umhin, diese Einladung anzunehmen und einige freundliche Worte hinzuzufügen, die der Dame augenscheinlich lebhafte Freude bereiteten. Lassen Sie uns doch gleich den Taa festsetzen, au dem Sie kommen werden," sagte sie lebhaft. Paßt es Ihnen am Dienstag?" Gewiß. Gegen Mittag?" Jawohl. ' Also abgemacht!" Andre verbeugte sich und nahm dann Ubschied, da in diesem Augenblick das Zeichen zum Beginn des zweiten Aktes gegeben wurde. Er kehrte nicht in den Saal zurück, sondern ließ sich m der Garderobe seinen Ueberzieher aeben und ging nachdenklich heim. Gratien konnte man alles zutrauen. Er wurde es auch über sich gewinnen, eine Abenteurerin zu heirathen, wenn sie ihm ein großes Vermögen zubrachte und es ihm dadurch ermöglichte, so weiter zu leben, wie . er wünschte, wozu ihm aber seit seinem Zerwürfniß mit Lemarchand die Mittel fehlten. Bei weitem schwerer fiel es Andre, zu glauben, daß auch diese Frau, das Ebenbild feiner Schwesier, es über sich gewonnen haben sollte, sich zu einem derartiaen Gaukelspiel herzugeben. Es schien ihm undenkbar. daß sie äußerlich Violette so ahnlich sehen könne, ohne auch innerlich seiner Schwester zu gleichen, die nie eine Lüge über die Lippen brachte. War es möglich, daß diese reinen Züge, diese seelenvollen Augen trügen konnten? jedenfalls war es ein höchst merkwürdiaes 5Zusammentreffen.dak sie jene beiden Namen trug, die ihm Schwester Gabrielle angegeben hatte. Als die Baronin Ferdenbach sah, daß Andres Platz im Parkett leer blieb, sagte sie zu Gratien: Der Herzog v. Lacroir-Marboura scheint bereits fortgegangen zu sein. Sollte er Argwohn geschöpft haben?" O bewabre entaeanete der Graf unbedenklich, dazu ist er viel zu naiv und vertrauensvoll. Und wenn auch. was kümmert das uns? Ich bin mein eiaener Serr. wer kann mich also hindern, nach eigenem Ermessen zu hanveln'i" Ich möchte es nur um jeden Preis vermieden seben. dak wir ein Gegenstand des Klatsches würden, oder daß gar em Skandal (Fortsetzung folgk.) Gntskizuldignng. ...Nein, ich gebe Ihnen nichts mehr! Sie sagen ja immer, daß Sie in momentaner Geldverlegenheit sind! Ja aber so momentan war sie nock) me!" Ans oinenr DuodezSürsten tljmtt. .Warum benützt denn. Ihr Landes fürst bei seinen Rundfahrten um das Reich niemals ein Automobil?" Aber ich bitt' Sie da würde er zu schwindlig!" -

Fastnacht im Rheinland.

Karncvalstollhcit in Städten und Törsent in üppiger Blüthe. vorbcreitungc der HauSfrau Vesnch gan, jer T?askcuschwänne- Rheinische .Mutzen. Tag der Umjüge Brdenheeschen." Aschermittwoch. Von jeher war das Rheinland die bevorzugte Stätte aller Faschingslust, die in den drei Faschingstagen ihren Höhepunkt erreicht und am Fastnachtdienstag zu Ende geht, um der Fastenzeit" Platz zu machen, die gewöhnlich im Rheinland mit dem Abschluß der geselligen Winterfreuden gleichbedeutend ist. Die rheinische Hausfrau hat für Fastnacht mannigfaltige Vorbereitungen zu treffen, denn in den drei Tagen ist allenthalben offenes Haus. Man besucht sich untereinander selbstverständlich vor allen jene, die das Glück haben, an einer belebten Straße zu wohnen, wo der Zug" vorbeikommt oder das Maskentreiben recht toll ist und vor allem hat jede anstandige Maske das Recht, ohne Weiteres in jedes Haus zu gehen, wovon natürlich da, wo hübsche Madchen an den Fensiern zu sehen sind, der ausgiebigste Gebrauch gemach! wird. Ganze Maskenfchwarme kommen und gehen, allen wird Wein angeboten und Fastnachtsgebäck, die berühmten rheinischen Mutzen." Mautzen" oder Nauntzen," ganz dünnes, Schmalzgebratenes, das in unglaublichen Massen zubereitet und verzehrt wird. Entdeckt man unter den Masken Bekannte, so bleiben diese natürlich länger, oft schließen sich die Besuchten den Besuchern an, werfen schnell den Domino über, binden die Maske vor, und weiter zieht der tolle 'Schwärm, immer anwachsend, bis er zuletzt m früher Morgenstunde ausemanderflattert bis zum nächsten Tag. Die Straßen bieten in den drei Tagen ein buntes Bild. Der Sonntag gehört mehr den Kindern und ganz jungen Leuten. Ter Montag ist der Tag der Umzüge, wozu auch die Schaulustigen auf den Straßen und an den Fenstern allerhand närrische Kopsbedeckungen aufgesetzt haben. An jedem Fenster drängen sich hübsche Mädchenköpfe in phantastischen Niesenhüten und koketten Häubchen. Der männliche Theil dit Fastelabendsjecken" trägt verwegene Strohhüte mit kühnen Federn, Sammtbaretts kurz irgendwelche närrische Kopfzierde. Nach den Umzügen beginnt dann wieder das Maskenireiben, das natürlich auch in allen Lokalen hoch fluthet. Ueberall Musik und Gesang, überall tollster Uebermuth. Am dritten Tag, am Dienstag, wogt die Lust am höchsten. Der Rheinländer kennt in diesen Tagen keine Ermüdung. Er scheint keinen Schlaf zu brauchen, denn früh am Vormittag beginnen schon wieder die opulenten Frühstücke, am Mittag sind alle Gasthäuser zum Brechen voll, am Nachmittag fluthet und wogt die Masse von Haus zu Haus. , Auf den Straßen ist kaum durchzukommen. In ununterbrochener Wagenreihe fahren Masken, die mit den Passanten und Zuschauern an den Fen stern lustige Papierschlangen- und Schneeballkämpfe veranstalten. Und das singt und lärmt und'futet und bläst und macht seinem Uebermuth Luft so toll wie möglich. Und des Abends wieder Tanz und Schmaus. Auf dem Land geht's anders zu. In vielen Dörfern des Rheinlands veranstalten die jungen Burschen Aufzüge, bei denen meist die Ereignisse des Jahres in oft sehr witziger Satyre vorgeführt werden. Auch Fastnachtsspiele auf dem Markt finden statt, wobei in Reimversen" eine Art Haberfeldtreiben vorgenommen wird. Die Kinder des Dorfs ziehen von Thür zu Thür zum Broodenheeschen" (Braten hieschen). Sie singen dabei uralte Lieder, die leider immer mehr in Vergessenheit gerathen und durch moderne" ersetzt werden. Die Kinder der Armen erhalten dann Speck oder Flaaden," die der Wohlhabenden Gebäck und gedörrtes Obst. Bei dem überall gehaltenen Fastnachtstanz erscheinen gewöhnlich oie jungen Burschen maskrrt und verüben allerHand Tollheiten. Und nach all der Ausgelassenheit kommt dann der graue Aschermittwoch. In den Straßen werden die bunten Schnitzel zusammengefegt, die fußhoch liegen im Morgengrau schleichen die bunten Gestalten müde dem heimischen Dorf zu. Die Faschingslust ist vorüber, dumpf läuten die Glocken den Aschermittwoch ein, mit dem die 40tägice Fastenzeit ihren Ansang nimmt, die für die strenggläubigen Katholiken nicht nur eine Zeit knappen Fleischgenuffes und mancher Entsagung ist, sondern auch eine wirkliche Bußzeit bedeutet. Prinzessinnen und Schreibmaschine. Unter den Prinzessinnen am englischen Hose ist laut einer Mittheilung des Londoner Ladys Home Magazine" eine förmliche Manie ausgebrochen, alle Briefe auf der Schreibmaschine zu schreiben. Die Prinzessin Karl von Dänemark, geborene Prinzeß Maud von Wales, hat den Anfang gemacht, und alle Damen des Hofes sind ihr mit Eifer gefolgt. Von dem Ge sammtg r u n d b e s i tz im europäischen Rußland gehört ungefähr der vierte Theil, dem Zaren.

Seuer - Signale.

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M Hauptquartier. 97 Grand Hote SS Tapttal Ave und Dhi U Ro. , Spritzenheius 16. und Ash. 21 Alabama und 16. li Central Av und IL. i26 Alndes und 15. 27 Brookstd und Jichtt 128 Central AM und 17. 129 Deülware und 19. 31 LKbama und 11. 32 Bellesontatn und. 4 College Lv und 2. Z5 Delaware und 13. 55 Alabama und Nerth 37 Newmana und 1. S Collkg Ad und 14. i39 Cornell Ave und 15. .41 Dandes unv 19. ' 42 Highland Ave und 1, 43 Decumseh und 10. 45 ZKw Jersey und 22. 4 Xlvord und 17. 47 No. 2 Spritzenhaus HiKfide Av und 16. 4S College Ave und 2. 49 College Ave und 57. i Park Ave und 22. 3 5 u, 38 Bahn n. 22. :54 Ramsey Ave und 15. ,55 Stoughton u Newma 57 Atlas und Pike. bS Blohd und Pswya. No. 21 Spritzenhaus LrightivooG Ai A-den und Depot '.53 Brightwood und 25. 54 Rural und Vlohd 55 Lt. Clair u. eyfion .57 Arsenal Av und 2Z. 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