Indiana Tribüne, Volume 28, Number 144, Indianapolis, Marion County, 9 February 1905 — Page 5

Jndiema Tribuns, S Februar 1 5V

Seltsame Selbstmordursache. - Khheite auftrallscher Gassenjunge Sin glücklicher Teutscher. Unter eigenthümlichen Umständen hat sich in einer Vorstadt Sydneys im australischen Staate Neusüdwales ein Teutscher Namens Georg Holl das Leben genommen. Er hinterließ mehrere Briefe, darunter einen an die Polizei gerichteten Zettels auf dem es kurz und bündig hieß: Mein Tod ist das Werk Euerer Gassenbuben!" In einem andern Briefe las man: Jch bin in einer Falle, aus welcher kein Ausweg möglich ist. Mir bleibt nur übrig, mich zu erschicßen: das macht allen Qualen ein Ende. Verkauft dies Grundstück, wenn Ihr könnt, sonst werken Euch die cricketspielenden Gassenbuben daraus vertreiben, denn es ist den Engländern angeboren, anderer Leute Eigenthum zu ihrem eigenen zu machen." In einem dritten Briefe schrieb Holl: Jch bin 1856 nach der Kolonie gekommen und habe kein leichtes Leben gehabt, bin stets ein Opfer der Umstände gewesen. Vor 18 Monaten bin ich zu meiner verheiratheten Tochter hierher gezogen. Ich dachte, mich hier wohl zu fühlen. Die Bäume trugen etwas Obst. Als es reif war, begannen die Buben mit Steinen danach zu werfen und über den Zaun herüber zu schreien, ich solle hnen Obst geben. Zurechtweisungen halfen nichss. Ich habe alle möglichen Insulten ausstehen müssen und' war froh, als die Obstzeit vorüber war, ohne daß mich die über den Zaun geschleuderten Gegenstände verwundet hatten. Nach der Obstzeit hoffte ich, Ruhe zu finden, aber dann kam erst das Schlimmste. Die Gassenbuben kamen mit ihren Cricketbällen und, da das Cricket das Nationalspiel. ist, glaubten sie das Recht zu haben, bis in die Schlafzimmer der Leute einzudringen, um ihren Ball zu suchen, und als sie ihn nicht finden konnten, haben sie Tag und Nacht das eiserne Hausdach mit Steinen bombardirt. Als ich an einem Sonntag Abend nach Hause kam, verstellten mir einige 30 Gassenjungen den Weg und warfen mit einer Katze nach meinem Rücken. Jchlebe unter Engländern, und sterbe, um ihre schlechte Behandlung zu vermeiden, da kein anderes Entrinnen möglich ist. Ich hinterlasse nichts! Was ich hatte, haben mir die Baubanken genommen." Holl,' der im Alter von 76 Jahren stand, war ein ruhiger und nüchterner Mann, der wenig Verkehr hatte und am liebsten allein war. Vorsiellungen, die Holl über die ihm zugefügten Insulte bei den Eltern der Bengel oder bei der Polizei machte, fruchteten nichts. Ueber die Angelegenheit ordnete der Priemierminister Carretsew eine Untersuchung an. DaS Qknliren der Baume. Ueber eine australische Art, Bäume zu okuliren, schreibt ein Obstzüchter in Neusüdwales: Ich habe einen großen alten Pfirsichbaum und versuchte eine neue Art der Veredlung auf altes Holz. Ich spitzte einen Knochen ähnlich wie eine Bleifeder und steckte ihn dann mit der Spitze in einen Griff. Das Werkzeug glich so einer ZimmermannsPfrieme. Der Vortheil bei diesem Instrument ist, daß Knochen dem Saft nicht so schädlich werden, wie Stahl oder Eisen. Nachdem -ich dann ein genügend großes Stück der Borke gelöst hatte, steckte ich das Auge hinein und befestigte ein Stück Leder darüber, und zwar mit kleinen Tapezierpinnen, die emaillirt sind und daher nicht rosten. Auf diese Weise wurden mehrere. Augen eingesetzt, und wenn sie angeschwollen, w'nden die Pinnen gelöst und das Leder konnte leicht entfernt werden. Pfropfreiser wurden in derselben Weise befestigt. " Die Augen wuchsen aber gleichmäßiger und waren kräftiger als die Reiser. Ich setzte mit dieser Methode Augen von elf verschiedenen Pfirsicharten in denselben Baum, und alle tragen jetzt große und vorzügliche Früchte. Empfehlenswerth ist dieses Vorgehen besonders bei alten Bäumen, die neues Holz gebrauchen. Das Wachsen der Augen verhindert den Baum

nämlich nicht am Früchtetragen. Band, Lehm oder Baumwachs kommt nicht

zur Verwendung. Neues chinesisches Münzamt.

Die chinesische Negierung hat die lobliche Absicht, in Tientsin eine neue Münze zu errichten, wo Silbergeld mit

einem einheitlichen Zwangskurse, für das ganze Reich geschlagen werden soll, um den bisherigen fast unglaublichen Wirrwarr auf diesem Gebiete ein Ende

zu machen. Alle Vorbereitungen hierzu waren bereits getroffen, und man er-

wartete nur noch der in Amerika bestell

ten Maschinen für die neue Münze.

Nun wollte es aber das Unglück, daß rs Schiff mit diesen Maschinen auf seinem Wege von den Ver. Staaten

nach Ostasien von den russischen, aus

dem Hafen von Wladiwostok hervorge

brochenen Kriegsschiffen angehalten

wurde. Den Russen kam die Ladung

von Maschinen verdächtig vor: sie be

haupteten, sie könne gar nicht für eine

Münze m China, sondern sie müsse sur

ein Arsenal in Japan bestimmt sein.

Deshalb wurde sie mit Beschlag belegt. Die Eröffnung derMünze in Tientsin

hat dadurch eme unliebsame Verzöge

rung erlitten und ist auf unbestimmte

Zeit verschoben worden.

Bei Grubenunglücken im Hartkohlendistrikt von Pennsylva-

nien sind im abgelaufenen Jahre laut

veröffentlichtem offiziellen Bericht 564

Khlengraber umgekommen.

Die Aufführung der Goldenen Eva" ein künstlerischer Erfolg.

Direktor Welb erhielt eine wohlverdiente Ovatiou,

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Ferdinand Welb, Ritter von Schwetzinger".

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Rudolph Horsky. Gesell Peters".

HanS Loebel. -Graf Zeck. '

Ein Stückchen Leben, innig und W

morvoll, aus moderbedeckten Zeiten

führte gestem das St. Louifer En

semble in Darstellung des dreiaktigen

Lustspiels Tie goldene Eva" so wun-

dersam dem enthusiastischen Publikum

im English Opera House vor Augen, daß ein jeder Zuschauer sich zum Garantiesond verpsltchtet fühlte und mit Freuden sofort in die Tasche gegriffen hätte, um denTheater-Verein gegen den Verlust durch daS Schlappwetter schadlos zu halten. ES herrschte nur eine Meinung im Publikum und die war: Schlappwetter hin, Schlappaoetter her, wir freuen uns, daß wir gekommen sind und 'wenn wir selbst nach Hause waten müffen. Von der Jnscenirung bis zu den Sporen des Ritters Schwetzingen, von der Trägerin der Hauptrolle bis zum Statisten war die Vorstellung wie aus 'einem Guß lückenlos und fehlerlos. Den Inhalt der reizenden Komödie ha ben wir. bereits wiedergegeben, auch eine Kritik aus einer St. Louiser Zei tung über die Vorstellung mit derselben Besetzung. Aber trotz dieser guten Be richte erschien die Vorstellung un? so bedeutend mehr vollwerthig, daß wir eine neue Besprechung wagen wollen. DaS verdient die Eva von Fräulein v. Hohenau in erster Linie. Die Rolle, die 'an sich viel Dankbares bie tet, wurde in der gestrigen Darstellung zu einer eigenartigen Schöpfung. Die

weibliche Eitelkeit der reizenden Gold schmiedswittwe, welche in anderer Hand vielleicht abstoßend gewirkt hätte, wurde durch das tresfliche Spiel des Fräuleins v. Hohenau nur noch zu erhöhtem Lieb, reiz für die Persönlichkeit der Eva. Und dann diese vollendet schöne Ko stümirung der Meiffersfrau, welche die frische Natürlichkeit dieser MittelSper. son als Rahmen so tresflich abschloß. Sie war echt wie die Neigung, welche der liebenswürdige Peter, ohne daß sie es wußte, in der Meisterin erregte. Das Indianapolis Publikum, welches Frl. von Hohenau zum ersten male sah, schenkte ihr daher so fort eine volle Gunst und erwies sich nicht nur beim Aktschluß sondern auf offener- Szene durch rauschenden Bei fall dankbar, für den unvergeßlichen Genuß. . , x Man konnte angesichts der liebrei zenden Gestalt sich wohl erklären, daß selbst ein Kaiser sich glücklich schätzte konnte, ihre Stirne küffen zu dürfen. - Rudolph Horöky zeigte sich in der Rolle des Peter von der glücklichsten Seite und Niemandem der den prüch tigen Burschen sah wunderte sich, daß er im ersten Anlauf das Herz der so adelssüchtigen und doch so herzigen Eva gewann. Die übersprudelnde Jugend frische verbunden mit der in LiebeSer folgen so nöthigen Portion 'Unverfrorenheit könnte kaum bessere Darstellun

finden wie durch Herrn Horsky gestern Abend. Nicht wenig zu seinem so glücklichen Spiel trug wohl der Umsiand bei. daß seine Gattin, die als Leona Bergere bekannte, von uns schon früher bewunderte Gattin gerade von schwerer Krankheit genesen ist. Eine Cabinetsleiftung war die Darstellung deß Ritter von Schmetzingen durch Meister Ferdinand Welb. Die Maske allein verrieth die hohes Künftlerschaft, die Herrn Welb zum Liebling des kunftliebenden Publikums in beiden Welten machte. Da hier bekannt wurde, ' daß Herr Welb' gerade fein 20.jährigeS Jubiläumj als deutscher Theaterdirektor und war 16 Jahre in Milwaukee mit Wachsner und 4 Jahre in St. Louis mit Heinemann associirt feierte, xegten Bewunderer seiner Kunst, die Her ren John P. Frenzel, William Köthe, Aug. M. Kühn, Harry O. Thudium, Ed. Bertermann u. A., eine Ovakion durch den Theaterverein an. Die Anregung fand begeisterte Aufnähme und fand durch die Ueberreichung eines prächtigen mit paffender Widmung versehenen Lorbeerkranzes durch Redaktenr Rieb beim Schlüsse des zwes-

ten Aktes passenden Ausdruck. Der

überraschte Jubilar gad unter dem enthusiaftifchen Zuruf deS Publikums,

welches ihn als OrM Lüttchen" in der

letzten Saison so lieb gewonnen hatte.

in markigen Worten seinem Danke Ausdruck. Viermal mußte der Borhang in die Höhe gehen, ehe das, Publikum sich zu frieden gab. ES war eine spontane auS dem Herzen springende Ovation.

Von unbeschreiblicher Comik war daS

Zusammenspiel deS Ritter Schwetzingen (Welb) mit der verliebten Schachtel Barbara (Marie Wilhelmi), die später zu einer Rabarbara für Schwetz-

ingen wurde. Nicht minder köstlich

war die so oft gestörte Liebeserklärung

des Grafen Zeck (Herr Loebel) an

Eva. Auch Frl. Anna Sander als Gräfin Agnes und der Altgesell des Constantin Ackermann paßten trefflich in daS Ensevble und geradezu entzückend gab Frl. Louise Pellmann den neckischen . Kobold Friedl, der mit größter Gewiffenhaftigkeit gerade dann hinein

patschte, wenn man ihn wett weg

hoffte. - '

ES war eine Vorstellung,' die Jedem

gefiel und genügend Stoff zum Nach

denken bot. Selbst der Gedanke an

das unvermeidliche Defizit raubte den

Theatervereinlern nicht die Freude an

der so vollendet schönen Aufführung.'

Ein Künstler der in absenria wirkte.

der geniale Coftümier, unser lieber

Freund Andreas Fueger in St. Louis,

verdient hohes Lob. für die wunderbare

Costümirung der Schaustellung.

Von d e n T o d t e n a u f r st a n d e n ! Vor ungefähr ztoei

Jahren wurde im Walde bei Oybin, Sachsen, die Leiche eines Mannes ge-

funden und als die des ehemaligen

Sägewerksbesitzers Buttig rekognoszirt und beerdigt. Letzthin nun ist der todtgeglaubte Buttig plötzlich wieder auf-

getaucht; er hatte sich inzwischen d:e

Welt angesehen. Wer der damals aufgefundene Todte gewesen ist, weiß nun

Niemand.,

Zwei Brüder ertrunken.

In Hirschstetten, Oesterreich, fiel der

zehnjährige Ferdinand Grohmann beim

Schlittschuhlaufen rn emen Teich. Auf die Hilferufe des Knaben eilte sein

elfjähriger Bruder Leopold herbei. Die-

ser bemühte sich, den Bruder aus dem Wasser zu ziehen, doch wurde er von ihm so heftig umklammert, daß er sich nicht bewegen konnte. Kurz nachher

versanken Beide in der Tiefe. Sie

konnten nur als Leichen geborgen wer-den.

Opferwillige Söhne.

Der Oekonom Attenberger von Oberwiesöach, Pfalz, hatte seit einiger Zeit mit einem schweren Fußleiden zu käm-

psen. Da die Heilung gar nicht vorwärts gehen wollte, schlug der behan-

delnde Arzt vor, gesunde Hautstücke auf die kranke Stelle zu setzen. Die beiden

Sohne Lorenz und Andreas erklärten

sich sofort bereit, dem Vater zuliebe die Operation an sich vornehmen zu lassen.

Den Beiden wurden t 12 und 14 Stücke Haut in der Größe von Brief-

marken abgenommen. Der Versuch war von Erfolg gekrönt.

Wein vom Meere. Der

Dampfer Ulloa" war auf einer Fahrt

von Spanien nach Liverpool m der

Nähe der Mündung des Mersey, Eng-

land, gescheitert und auseinandergebro-

chen. Viele Kisten Apfelsinen, sowie

eine große Menge Weinfässer, die die

Ladung des Schiffes bildeten, trieben an den Strand, wo sie sich auf eine Strecke von mehreren Meilen vertheil-

ten. Die Nachricht hiervon wurde bald

bekannt, und, da die Küstenwache mcht im Stande war, die ganze Strecke zu

bewachen, entspannen sich am Strande regelrechte Zechgelage.

'Eigenartiger Unfall

beim Feuerlöschen. Als der Feuerwehrmann Braganz in Berlin bei einem Ladenbrande mit dem metallenen

Strahlrohr in der Hand Wasser zum Löschen der Flammen gegen die Decke spritzte, erhielt er einen elektrischen

Schlag und stürzte zu Boden. Braganz wurde nach der Wache gebracht.

Wie sich später ergab, war der Wasser-

strahl, den er gegen die Decke gerichtet

hatte, mit der elektrischen Leitung m

Berührung gekommen. Da das Strahl-

rohr von Metall war, so wurde der

Nohrführer getroffen. Braganz .war zum Glück nur betäubt und erholte sich

bald wieder.. Wegen angeblicher Spionage verhaftet. Ein gewisser Delbourgo aus Kobe, Japan, der später in Shanghai, China, thätig war, kam Geschäfte halber nach Japan zurück. Da er vor dem Ausbruche des Krieges ebenfalls in Geschäften die Mandschurei besucht hatte, war es natürlich, daß er von feinen Mitpassagieren um einige Auskünfte über die.geo-' graphische Lage der Mandschurei und die Position der Truppen daselbst gefragt 'wurde. Japanische Bedienstete hatten zugehört und die Unterhalmnz falsch verstanden. Auf ihre Denunziation hin wurde Delbourgo in -Nagasaki als Spion festgenommen und erst nach langwierigen Verhandlungen entlassen. Todtschlag nach einer Bierreise." Dex 43jährige Bademeister Kimm und der KantinenWirth Wilde in Berlin besuchten auf einer Bierreise" zuletzt ein Nachtlokal. Hier brachte sie die Politik in Zwist. Als sie um 21 Uhr Nachts das Lokal verließen, stritten sie sich auf der Straße weiter. Als Kimm dem Wilde einen Stoß unter das Kinn versetzen wollte, nahm dieser seinen Spazierstock und gab seinem Gegner einen wuchtigen Hieb über den Kopf. Ter Geschlagene brach zusammen. Ein Schutzmann brachte den Schwerverletzten nach der Charite. Bei der Ankunft im Krankcnhause war Kimm bereits todt. Vto Beamte schützten mit Mühe Milde vor der Wuth der Menge, die sich angesarimelt, und überlieferten ihn der PolizeiInrtsfii.

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