Indiana Tribüne, Volume 28, Number 142, Indianapolis, Marion County, 7 February 1905 — Page 7
Indlana Qribüne, 7. Februar ?s3.
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r Hlntcr verschlossenen f Thüren 3 x llomat von " ? Paul d'Aiaremoni J; ckc (Fortsetzung.) Das ' war zu viel des Glückes für das schwergeprüfte Mädchen. Ihre Sinns drohten, sie zu verlassen, ihre Züge nahmen eine bedrohliche Blässe und ihre Augen jenen starren Blick' an, der Reine plötzlich wieder an jene ur heimliche Erscheinung erinnerte, die sie in jener vcrhängnißvollen Nacht gehabt zu haben glaubte. Sie fuhr mit beiden Händen an ihre Stirn, zwang aber gewaltsam diese Erinnerung nieder, die sie wie sie sich selber gelobt hatte um jeden .Preis aus ihrem Gedächtniß bannen wollte, und half ihrem Vater, Violeite zu einem Diwan zu führen. Dort erholte sie sich rasch wieder, um dann zuerst an Reine die Frage zu richten: Reine, mein Liebling, wird mein Glück Dir auch keinen Kummer bereiten?" Diese warf sich ihr jetzt um den Hals, indem sie unter Thränen ausrief: Nein, Tantchen, nein es macht auch mich glücklich, denn ich liebe Dich ja so unsagbar!" Und nun reichte Violette ihr eine Hand dem Marquis, der sie mit zärtlichen Küssen bedeckte, und die andere mit tlv.tm dankbaren Blick dem alten Herrn. Um die tiefe Bewegung, die auch ihn zu bemeisiern drohte, zu verbergen, saale dieser: Kinder, ich bin ein Mann von raschen Entschlüssen, und deshalb sag? ich Euch: in vier Wochen späteJltrJ rr.uk Eure Sockzeit sein." 14. Kapitel. o eilig. Andre? Komm doch einmal her, ich habe Dir etwas zu erzählen," rief Lemarchand m dem großen Fa brikhofe dem jungen Manne zu, der sichtlich erregt an ihm vorüberschoß nach der Richtung zu, wo der stattliche Sonderbau des mit allen Erfordernissen der Neuzeit ausgestatteten Laboraioriums sich erhob. Verzeihen Sie, Herr Lemarchand entgegnete Ssndre, dem Großindustrie!len die Hand schüttelnd, ich hatte Sie gar nicht gesehen. Wenn es angeht, lassen Sie mich aber jetzt meine Arbeit fortsetzen. Bis heute. Abend denke ich fertig zu sein und Ihnen das Ergeb niß vorführen zu können und zwar ein günstiges, wie ich ganz bestimmt hoffe." Was, schon so weit? Das wußte ich nicht. Nun. dann laß Dich nicht abhalten, meine besten Wünsche begleiten Dich." Mit beifälligem Ausdruck fchaute er dem Davoneilenden nach, in dem er, ungeachtet der Verschiedenheiten der Abkunft und der Erziehung, so viel von seinem eigenen Wesen wiederfand. Mit der gleichen Willenskraft und Beharrlichkeit, dem gleichen rastlosen Eifer und Fleiß hatte auch er selbst in jungen Jahren sich bemu. :, etwas Tüchtiges zu leisten und sich vorwärts zu bringen. Er wußte, daß Andre seit Monaten bestrebt war, einen neuen, äußerst wichtigen Farbstoff zu entdecken oder vielleicht auf künstlichem Wege zu erzeugen. Wenn Andre wirklich erreichte, was er sich virgesetzt hatte, so mußte das eine große Umwälzung auf dem Gebiete der Farbenindustri? zur Folge haben. Für die Fabrik, die diese neue, natürlich sofort durch Patentirung in allen Ländern zu sichernde Herstellung in die Hand nahm, bedeutete das einen neuen Aufschwung, dessen finanzielle Erfolge aber, wie Lemarchand beschlossen hatte, in erster Linie dem jungen Erfinder zu gute kommen sollten. Mit wahrer Herzensfreude hatte der alte Herr die unverkennbar aufkeimende Neigung zwischen Andre und Reine beobachtet. Diele zarte Blüthe sich voll entfalten zu sehen, war sein Wunsch und seine Hoffnung, denn er war fest überzeugt, keinen besseren Gatten für seine geliebte Enkelin finden zu können. Nun wollte er ihn aber auch finanziell fo stellen, daß Andre, ohne seinem Mannesstolze etw Z zu vergeben, um die Enkelin und dereinstige Erbin eine vielfachen Millionärs werben konnte. Gegen" Abend kam Andre mit gerotheten Wangen und blitzenden Augen in das Kabinett seines väterlichen Freundes. Herr Lemarchand," sagte er mit vor freudiger Erregung bebender Stimme, das Werk ist gelungen! Ich bitte Sie, mir in das Laboratorium zu folgen, um selbst zu sehen und zu prü'ttcht minder aufgeregt begab sich ver Fabrikbesitzer mit ihm in das Laberatorium, wo er bereits den ältesten Ehemiker der Fabrik antraf, den Andre bei der entscheidenden Prüfung ebenfalls zugezogen haben wollte. Er führte den beiden Sachverständigen nun das ganze Verfahren vor; der damit erzielte Farbstoff wurde den verschiedensten Proben unterzogen und den Schluß machte die Prüfung und Vergleichung der Unkostenaufstellung und der von Andre entworfenen Kalkulationen, Das Ergebniß war 2ber alle Erwartung glänzend. Noch heute Abend," sagte Herr Lemaichand zu dem jungen Andre, als sie Zusammen nach Paris heimfuhren, wollen wir die Einleitung zu den Patentanmeldungen für den entdeckten Farbstoff treffen, damit wir nach dieser
Richtung hin gesichert sind. Morgen
früh aber werde ich in der Favrn vekannt macbn, daß Du nun fortan mein Theilhaber bist." Aber Herr Lemarchand, rief Andre in freudigem Erschrecken. Und da eme Gluckesbotschast nach dem alten Sprichwort niemals allem kommt," fuhr der alte Herr unbeirrt fort, so habe ich Dir noch eine zweite gute Neulg'ett mitzutheilen. Handelt es sich um Violette?" Jawohl. Sie hat sich verlobt" Mis Horace?" fiel ihr Bruder freudig erregt ein, und als der alte Herr lächelnd nickte, fügte er sogleich hinzu: Das können nur Sie allein zu Stande gebracht haben, Herr Lemarchand. Daß meine Schwester eine verschwiegene Neigung zu ihrem Vetter hege, habe ich mir zwar mitunter gedacht, allein diesem stillen, so wenig aus sich herausgehenden Gelehrten " Mußten allerdings erst die Augen. über sich selber geöffnet werden," unterbrach der Fabrikbesitzer nun seinerseits den Redenden, und das habe ich freilich gethan." Wie gut und edelherzig Sie sind. Herr Lemarchand !" rief Andre. Der alte Herr lächelte. Ich will. daß spätestens in vier Wochen die Hochzeit auf Tauzm stattfinden soll. Unser beiderseitige? Gesellschaftsvertrag wird das Hochzeisgeschenk sein, das ich Deiner Schwester überreiche, Du darfst also vorher kerne Silbe darüber nach Tauzia schreiben, damit die Ueberraschung vollständig sei. Und außerdem werde ich dafür forgen, daß auch Du an ienem festllmen Taae unserer lieben Violette eme Gabe darbringen kannst, die Deiner neuen Stellung angemessen ist." Am nachten Vormittag wurden die Abtheilungdchefs und leitenden Ingemeure der großen Fabrik zu Samt' Denis in das Konferenzzimmer entboten, wo Lemarchand ihnen eröffnete, daß er Herrn v. Lacrorr zu semem Theilhaber gemacht habe. Während die übrigen Anwesenden den neuen Mitbesitzer des Werkes umringten und ihn bealückwünschten, denn sie hatten ihn alle gern und wußten seine Tüchtigkeit vollauf zu schätzen, trat Granen v. Plessis mit finsterer Miene an Lemarchand hiran. Wurden Sie mir eine kurze Unterredung unter vier Augen bewilligen?" sagte er. Sehr gerne," entgegenete Lemarchand. Wollen Sie sich gefälligst mit mir in mein Kabinett begeben." Dort angekommen, begann der Graf, dessen Züge eine unbändige Wuth ausdrückten, ohne weitere Einleitung: So also halten Sie Ihr Versprechen? Glauben Sie mich nun lange genug genarrt zu haben?" Ich verbiete Ihnen, in diesem Tone fortzufahren," erwiderte Lemarchand, sich straff aufrichtend in sehr entschiedener Haltung. Sie nöthigen mich sonst, Sie hinausfuhren zu lassen. Verzeihen Sie," stammelte Gratien, sich gewaltsam beherrschend, aber es ist doch wohl zu begreifen, daß man bei nner solchen Behandlung den Verstand verlieren muß." Ich sehe absolut keinen Grund daju," versetzte der alte Herr, indem er ven Grafen mit seinen grauen Augen fest und forschend ansah. Setzen Sie mir ruhig, wenn Sie dazu im Stande und, auseinander, worüber Sie sich beschweren zu müssen glauben." Kann ich denn ruhig dabei bleiben, wenn mir dieser junge Mensch eine Stellung wegnimmt, die mir versprochen war?!" Zwischen uns beiden ist immer nur von dem Posten eines Bevollmächtigten die Rede gewesen, und der ist nach wie vor noch unbesetzt." Und den werden Sie mir in der That geben?" fragte Gratien, indem ihm der beruhigende Gedanke kam, einem so unerfahrenen und gutmüthigen Mitbesitzer wie Andre gegenüber würde er, wenn er erst das Ziel seines Strebens erreicht hätte, wohl leichtes Spiel haben. Wenn ich den Posten überhaupt wieder besetze," erwiderte Lemarchand, dann ist er für Sie bestimmt, wie ich Ihnen schon früher sagte. Allein ich trage mich mit dem Gedanken einer neuen Organisation, in die er nicht hineinpaßt." Nun, ich sehe schon es ist immer dieselbe Geschichte. Das, was Sie für memen Vetter gethan haben, an dem Sie nun einmal einen Narren gefressen zu haben schei.ien, werden Sie niemals für mich thun,- der ich mir doch wohl höhere Ansprüche auf Ihr Wohlwollen erworben zu haben glaube." Sehr sanft denn er wollte Gratien wieder beruhigen versetzte Lemarchand: Meine Ansicht über Herrn v. Lacroix, die von sehr vorzüglichen Fachmännern bestätigt wird, geht dahin, daß er nicht nur ein hervorragender Chemiker, sondern auch ein Erfindergenie ist. Er hat ein neues Verfahren entdeckt, von dessen Ausbeutung ich mir die größten Vortheile für mein Unternehmen verspreche. Ich habe mir nun nicht nur diese Ausbeutung, sondern auch alle seine ferneren Leistungen gesichert, indem ich ihn zu meinem Theil, haber machte. Müssen Sie das vom geschäftlichen Standpunkte aus nicht billigen?" Gratien senkte den Kopf. Sie mögen recht haben,- gab er zu, allein damit komme ich selbst nicht weiter, und Sie werden es begreiflich finden, daß es mir in erster Linie darum zu thun ist." Der Großindustrielle schloß die lebhaften, hellen Augen halb, indem er sagte: Ueber Ihre Stellung bei mir
können Sie fifr in finanzieller Bezie
hung doch nicht beklagen, sollte ich mei, nen." Nein, aber Geld allein befriedigt mich nicht. Ich trage denselben Namen wie Ihr Schwiegersohn und Ihre Enkelin. ES ist ein in den Annalen unserer Nation berühmter Name. Ich yave nun über die Art. einen solchen Ruhm zu bewahren, meine eigenen Anschauungen. Ich bin .als moderner Mensch natürlich nicht der Ansicht, daß die Arbeit irgend Jemand herabsetzen könne, und arbeite selbst schon seit Iahren bei Ihnen. Aber ich will nicht die Arbeit des ersten besten verrichten, und das Ehrenvolle der Stellung, die ich einnehme, muß ausgleichen, was das Geld allein nicht vermag. Ein Mann von Ihrer Art müßte mich doch verstehen, sollte ich meinen." Wir sind nicht aus den gleichen sozialen Schichten hervorgegangen," entgegnete der Großindustrielle sehr kalt. und ich fasse die Ehre anders aus wie Sie, Herr v. Plessis. Aber fahren Sie nur fort." Ich bin zu Ende und kann, was ich iu sagen habe, kurz daym zujammensajsen: es ist mir weniger an Ihrem Geld, aber um so mehr an Ihrem Vertrauen gelegen. Und gerade das vermisse ich." Lemarchand schien eme Weile ernstlick ' nackuNnnen. Wollen Sie mir versprechen, strenges Stillschweigen uoer etwas zu bewahren, das ich Ihnen mittheilen möchte?" fragte er dann unvermittelt. Mein Wort darauf," versetzte Gratien, lebhaft gespannt. Schon seit längerer Zeit empfinde ich es, daß meine Kraft nicht mehr ausreicht, ganz allein dieses ungeheure Etablissement zu leiten. In erster Lime deshalb habe ich mich entschlossen, mir einen Theilhaber beizugesellen. Die Entlastung, die ich durch Ernennung eines Bevollmächtigten ' erführe, wäre Doch keine so beträchtliche, und dann möchte ich nir auch in der That Andres Erfindergeist sichern. Ich werde aber, wie gesagt, allmälig alt und muß den Zeitpunkt in's Auge fassen, da ich mich ganz zurückziehen werde. Wenn dieser Moment bald eintritt, dann muß ich mir nun freilich sagen, daß Andre noch eine zu geringe Geschäftserfahrung und auch eine zu geringe Kenntniß einzelner Zweige besitzt, um seinerseits allein m ' Erfolg einem solchen Riesenunternehmen vorstehen zu können." Begierig lauschte Gratien diesen Worten. Wie schon so oft, befand er sich wiederum ganz unter dem Einfluß dieses überlegenen Geistes, der mit ihm wie die Katze mit der Maus spielte. Dabei glaubte er aber doch, Lemarchand jetzt, da er den Widerstand seiner Tochter nicht mehr zu fürchten brauche, leichter zu seinen Gunsten beeinflussen zu können. Was haben Sie denn für jenen Fall, der jedoch hoffentlich nicht so bald eintreten wird, zu thun beschlossen? fragte er lauernd Es bleibt nichts anderes übrig, als Andre wiederum einen tüchtigen Associe zu geben. Lassen Sie mich dann diesen sein," nef der Graf leidenschaftlich erregt. Sie werden es nicht zu bereuen haben. das schwöre ich Ihnen! Die chemischen und technischen Kenntnisse fehlen mir ja allerdings, aber dafür glaube iä Ihnen bewiesen zu haben, daß ich auf administrativem und rem kaufmanni schem Gebiete meinen Mann zu stellen vermag. Das ist wahr," murmelte Lemar mand, wie ?u sich selber sprechend. Und gerade in dieser Beziehung bedarf mein Vetter wiederum einer Unterstützung, so daß wir uns gegenseitig in glücklichster Weise ergänzen würden." Das hat in der That manches für sich. Sie dürfen überzeugt sein, daß irt diese Kombination in ernste Erwäguna ziehen werde. Zunamst ist es mir da rum zu thun, Andre in seine neue Stellung selbst einzuführen und ihn darin zu dem heranzubilden, was ich aus ihm zu machen wünsche. Ich empfinde, wie gesagt, ein starkes Ruhebedürfniß, allein andererseits kann ich mich nur ganz allmälig von meiner bisherigen Wirksamkeit entwöhnen. Sollte ich diese von heute aufmorgen darangeben, dann wäre ich in einem halben Jahre 'ein todter Mann. Aber Herr Lemarchand. wir sind doch keine Fremden für Sie, Andre und ich. Was mem Vetter Ihnen schon im mer gewesen ist, das werde auch ich zu werden uchen: Sie sollen zwei aebor same Söhne wenn ich so sagen darf an uns haben und selbst stets der Herr und Meister bleiben." Lemarchand schien wirklich gerührt zu sein. Ich danke Ihnen, Herr v. Plessis, und Ihre wohlmeinenden Worte, die ich soeben aebort babe. wer Im wesentlich dazu beitragen, meinen Entschluß zuReife zu bringen." Nach V v r r m . einer nemenPauie suyr er fort: Wann habe ich hnen noch eme wichtige Pri vatmittheiluna zu machen, mit der 36 Bruder mich beauftragt hat. Er wird K. C. . y.u) m ver veroeiralyen. Das war eme Kunde, auf die der Graf sicherlich am allerwenigsten gefaßt gewesen war. Er führ, wie von einer Viper gebissen, zusammen und sagte mit zuckenden Lippen: Horace sollte sich wieder verheiratben? Und er beauftragte Sie, mir das mitzutheilen t Ort I AM v&ie oen naier Ich selbst habe die Braut, Fräulein Violette v. Lacroix, in seine Arme geführt," erklärte der Fabrikbesitzer, indem er seine Augen durchdringend auf itZn richtete. Sie ist für Reine stets eme wahre Mutter, eine unerseklicke 1 Freundin aewesen. An dieser Enkelin
aber hängt jetzt' mehr ganzes Herz, und
deshalb war es mir em großer Trost, ihr Violette zur wirklichen Mutter bestimmen zu können, nachdem ich ihre und meines Schwiegersohnes gegenseitige Neigung erkannt hatte. In einem Monat soll bereits die Hochzeit sein." Ich werde leider nicht dabei sein können," erwiderte Gratien gezwungen freundlich. Sie und Andre müssen natürlich in erster Linie der Vermählung anwohnen, und alle drei zusammen dürfen wir hier bei der gegenwärtigen Ueberhäufung mit Geschäften nicht fehlen." Das ist ein großes Opfer, das Sie mir damit bringen. Wie soll ich Ihnen dafür danken?" Indem Sie sich dessen erinnern, was Sie mir vorhin versprochen haben." Deswegen dürfen Sie ganz ruhig sein. Ich vergesse Sie nicht, Herr v. Plessis," entgegnete Lemarchand mit einem Doppelsinn, der freilich selbst dem feinen Ohre des Grafen entging. Der große Tag der Vermählungsfeier auf Schloß Tauzia stand unmittelbar bevor. Zwei Tage vorher trafen Lemarchand und Andre ein. Nach der ersten Begrüßung sagte der Fabrikbesitzer zu der glückstrahlenden Braut: Wir bringen Ihnen jeder ein Hochzeitsgeschenk mit. Reine hat mir bereits geschrieben, daß Sie . die Diamanten aus bem Nachlaß ihrer Mutter, die sie Ihnen übergeben sollte, abgelehnt, haben. Nun wollen wir einmal sehen, ob Sie es mit unseren Gaben auch so machen werden." "Damit überreichte er ihr ein Schriftstück, den notariellen Akt. der Andre zu seinem Theilhaber machte. Violette durchflog es und stieß einen Freudenschrei aus. Mein Bruder Ihr Theilhaber ist das möglich?" Das ist sogar eine unumstößliche Thatsache," erwiderte der alte Herr, indem er mit Wohlbehagen die Rothe gewahrte, die bei dieser überraschenden Kunde die Wangen seiner Enkelin bedeckte. Es ist allerdings eine seltene Auszeichnung für einen so jungen Mann, aber er hat sie ganz allein seinen eigenen Leistungen zu danken." Unier Thränen warf sich Violette an seine Brust. Sie haben wie ein Vater an uns gehandelt darf ich Sie von jetzt ab auch Vater nennen?" Thue das, meine liebe Violette," versetzte Lemarchand. sie gerührt küssend, ich werde stolz sein auf eine solche Tochter, wie ich es auf Andre schon längst bin." Dann wendete er sich an Andre. So, mein Junge, nun überreiche Du ebenfalls Dein Geschenk," sagte er, worauf Andre seiner Schwester gleichfalls eine Urkunde einhändigte. Nach der vorhin vernommenen Kunde hätte Violette kaum geglaubt, daß noch irgend etwas auf der Welt sie überraschen könnte, und dennoch war diesmal ihr freudiges Erstaunen nicht minder groß. Was sehe ich?" rief sie aus. Du schenkst mir Schloß Mitarra zurück, diesen alten Stammsitz unserer Familie, dessen Verlust unsere Mutter nie verschmerzen konnte, diese heimathliche Wiege, in der wir beide geboren sind?! O, wie glücklich und froh mich das macht! Wie soll ich Dir dafür danken?" Doch Andre war viel tu ehrlich und wahrheitsliebend, um ein Lob in Er- -pfang zu nehmen, das ihm nicht gebührte. Nicht ich bin es, der Dir unser altes Nest zurückgibt, sondern ebenfalls unser Wohlthäter hier," erklärte er, auf Lemarchand deutend. Von ihm stammt der Gedanke, und er hat ihn auch allein ausgeführt." Doch der alte Herr blieb dabei: Du bist es dennoch. Andre, der Mitarra der neuen Marquise v. Plessis Saint-Lrc als Hochzeit'sgeschenkt darbringt. Die Kosienrechn -ng dafür wirst Du seiner Zeit schon auf Deinem Konto vorfinden." Dann reichte er Violette den Arm, um sie zu Tische zu führen. Am folgenden Nachmittag begab sich Andre nach Condv, um den Doktor Bordier zu begrüßen, der natürlich auch zur Hochzeit geladen war, wie Herr v. Merizolles mit seinen Kindern. Im übrigen sollte die Feier im allerengsten Kreise vor sich gehen. Auf dem Rückwege kam Herr v. Lacroix an dem' Kloster der barmherzigen Schwestern vorüber. In einem Anbau wurde gerade eine Thür geöffnet, aus der eine Schaar ärmlich, aber sauber gekleideter Kinder in's Freie eilte, während eine Nonne auf die Schwelle trat, um ihren Pfleglingen nachzuschauen. Durch Reine wußte Andre, daß ihre Freundin, Schwester Gabrielle, dort jeden Nachmittag die Kinder der Armuth unter ihrer Obhut hatte. Er ging auf sie zu, begrüßte sie und stellte sich ihr vor. (Fortsetzung folgt) Nach, der , A m t s st a t i st i k wanderten tl Jahre 1904 über 58 re inen. 133,681 Personen aus gegen 175,320 im Jahre iwö. In Preußen sind die selbständigen Landwirthe im Hauptberufe zusammen mit etwas über einem Viertel des Wertes rhreö Gesammtvermögens verschuldet. Die St. L o u i s e r Welta u s si e l l u n g hat dargethan, daß die Erfindungen und Entdeckungen, welche gegenwärtig am meisten zur Um, gestaltung der Verhältnisse beitragen, verkörpert sind in Radium, Unterseeboot, Funkentelegraphie, Luftschifffahrt und Automobil.
' Der Schneemann. Humoreske von. Kurt Michel. Ich blatte einmal einen Freund, der trank me lieber etwas Gutes, als wenn der Mond schien. Freilich trank er auch zu anderen Zeiten, denn er sagte, er wäre ein freier Mensch und wolle nicht in ein Abhängigkeitsverhältniß zum Mond treten. Aber er könne, wenn er aus der Kneipe komme, nur am Mond sehen, ob er stark, wenig oder gar nicht berauscht sei, und diese Wissenschaft habe er nöthig, um danach sein Benehmen seiner Gattin gegenüber zu regeln. Der Grad seines Rausches, behauptete er,' richte sich danach, ob der Mond ein mehr oder weniger schief Gesicht" mache. Nun, in der Nacht, in der diese Geschichte spielt, war der Mond einigermaßen in Verlegenheit. Er schien auf die Straße einer kleinen Universitätsstadt herab, und zwar auf ein rundes, volles Gesicht, welches mit dem seinen einige Ähnlichkeit hatte. Eine kleine Wolke, hinter der er sich einige Sekunden verbergen konnte, gab ihm Zeit, darüber nachzudenken, welch ein Antlih er dem Herrn Universitätsrichter Justizrath Bullermann zeigen müsse, und als die Wolke vorüber war, zeigte die eine Gesichtshälfte des Mondes einen offenbar respektvollen Ausdruck, während die andere Hälfte den Mund schief zog und ein Auge zukniff. Das war auch wirklich die einzig richtige Art und Weise, auszudrücken, mit welcher Hochachtung es ihn einerseits erfülle, daß Herr Justizrath Bullermann soeben vom akademifch - juristischen Vereine zum Ehrenmitglied ernannt worden sei, und wie er sich andererseits darüber freue, daß der Herr Justizrath der Bowle, die er dem Verein spendete, wacker zugesprochen habe. Der Universitätsrichter befand sich bereits in seiner Wohnung und schaute durch das Fenster nach dem Mond, als er plötzlich zwei. Gestalten aus dem Schatten des Hauses auftauchen sah. Eine trübe brennende Laterne ließ ihn erkennen, daß diese Gestalten schwarze, rothgeränderte ' Mützen auf den Köpfen hatten, woraus er sehr richtig schloß, daß es Mitglieder des Corps Gepidia seien. Die beiden Studenten begannen in aller Eile große Schneeballen zu rollen, und allmählich wuchs vor dem Fenster des Universitätsrichters ein Schneemann heran. Nachdem die Gestalt menschliche Umrisse gewonnen hatte, brachte einer der Studenten ein ziemlich umfangreiches Packet zum Vorschein, dem er folgende Gegenstände entnahm: ein paar schwarze Knöpfe, um die Augen, und eine saure Gurke, um die Nase des Schneemanns herzustellen, einen alten Cylinderhut, einen zerrissenen blauen Regenschirm und eine gelben Lappen (der ein seidenes Taschentuch vorstellen sollte), sämmtlich Zerrbilder der Gebrauchsgegenstände, welche man täglich in den Händen des Justizraths bemerken konnte. Diese Schneefigur sollte sein Ebenbild sein! ), diese Spitzbuben!" sagte der also Verspottete vor sich hin. O, diese Bande! Wenn mich nicht alles täuscht, so ist der eine, welcher jetzt gerade mit Wohlgefallen sein ruchloses Werk betrachtet, der Mediziner Kohlrab, dem ich wegen des letzten nächtlichen Skandals drei Tage Karzer diktirte. Aber wart', ich werd' Dir die Rache Versalzen." Leise schlich er hinaus, jedoch als er vor die Thür trat, war von den Studenten nichts mehr zu sehen. Einen Augenblick blieb er verblüfft stehen, dann aber kam ihm ein Gedanke. Er nahm, dem Schneemann Hut, Regenschirm und Tuch von Kopf und Seiten, trug die Sachen ins Haus und kehrte bald zurück, eine schwarze, rothgeränderte Studentenmütze auf dem Kopf, und ein rothschwarzes Band um die Schultern geschlungen. Diese Sachen sie waren einem Mitgliede des Corps Gcpidia, das augenblicklich im Karzer faß, confiscirt worden wollte er dem Schneemann anhängen und ihn dergestalt in einen Gepiden verwandeln. Aber ehe er seine Absicht ausführen konnte, packte ihn eine rauhe Hand, und die Stimme des NachtWächters rief: Da hab' ich ihn."
Die beiden Gepiden, die Schöpfer des Schneemanns, waren nach vollbrachtem Werk weitergezogen, und Kohlrab, der eine der beiden, den anderen umfassend, begann mit melancholischer Stimme zu brüllen: Ich weiß nicht, was soll es bedeuten." Unglücklicherweise hatte in jener Nacht gerade ein neuer Nachtwächter sein Amt angetreten, und 'mit der Schneidigkeit des neuernannten Beamten forderte er den nächtlichen Ruhestorer auf, zu schweigen. Ein Wort gab das andere, bis der Nachtwächter schließlich die Studenten aufforderte, ihre Karten zu zeigen, widrigenfalls er sie verhaften müsse. Daraufhin uahmen die Studenten wie auf Verabredung Reißaus, der Nachtwächter setzt ihnen eifrig nach. Als er aber um eine Ecke bog, waren die Studenten vrrschwunden. Trotzdem beruhigte sich der pflichtgetreue Beamte- nicht, er lief weiter und kam endlich vor das Haus des Justizrathes, welcher gerade im studentischen Schmuck der Gepiden aus der Thür trat und zum Schneemann eilte. Da hab' ich ihn!" rief 'der NachtWächter und packte den Justizrath. . Waö soll vaö bedeuten?" rief die-ser.
Fangen Sie schon wieder an: Ich weiß nicht, was soll das bedeuten? Das werd' ich ihnen vertreiben. Augenblicklich folgen Sie mir auf die Wache." Mann, ich bin der Universitätsrichter." Kommen Sie mir nicht mit solchen Studentenwitzen" Die Verwechslung des Nachtwäch ters war insofern entschuldbar, als der Gepide Kohlrab von der Natur mit einem ähnlichen Vollmondgesicht bedacht war wie der Justizrath. Haben Sie Ihre Legitimation bei sich?" Ich o ja. gewiß, hier." Und der Justizrath zog das Diplom lrvor, welches ihn zum Ehrenmlied des akademisch - juristischen Vereins ernannte. Leider war dasselbe in lateinischer Sprache abgefaßt. Der Nachtwächter trat mit dem Diplom unter eine Laterne, während er mit einer Hand den Justizrath festhielt. Das ist wieder so eine Uzerei," sagte der brave Beamte, den Wisch stecken Sie nur wieder ein. Und jetzt marsch zur Wache!" Auf der Polizeiwache trafen sie nicht nur den Wachtmeister, der den Justizrath persönlich kannte, sondern auch den Studenten Kohlrab, der das Skandaliren nicht lassen konnte und von dem Nachtwächter eines anderen Reviers hergebracht worden war. Servus, altes Haus." schrie Kohl-
rab, als er die Farben seiner Verbindung erblickte, bist auch dem Schergen in die Hände " Aber das Wort blieb ihm in der Kehle stecken, als der Justizrath Mütze und Band fortschleuderte und ihm sein wohlbekanntes Gesicht zukehrte. Ich wollte mich nur überzeugen, ob die Nachtwächter sich den Studenten gegenüber richtig benehmen," erklärte der Universttätsrichter dem erstaunten Wachtmeister, daher legte ich die Studentenabzeichen an und ging aus Lie Straße." Ein zweiter Harun al Raschid," murmelte Kohlrab. Der Justizrath lieh vom Wachtmeister einen Civilhut und bewirkte, daß Kohlrab ohne weiteres entlassen wurde. Als sie auf die Straße hinaustraten, sagte er zu dem zerknirschten Studenten: .Ich will Ihnen Ihre losen Streiche hingehen lassen, sowohl den Straßenskandal als das mit dem Schneemann." O Herr Justizrath, Sie wissen ich bedaure ausrichtig " Gut, gut, aber Sie werden auch darüber schweigen, daß Sie mich auf der Polizeiwache getroffen haben." Der Student gab das Versprechen zwar, aber wie kann einer ein solches Versprechen halten, der allabendlich bis in die Nacht hinein beim Bier sitzt? In dem neu eröffneten Koliseum in London ereignete sich kürzlich ein schwerer Unglücksfall. Aus einer sich drehenden Platform wurde dort auf richtigen Rennpserden von richtigen Jockeys das Derby-Wettren-nen vorgeführt. Einer toi Jockeys versuchte, mit seinem Pferde einen anderen Jockey in eine weniger günstige Stellung zu drängen. Das Pferd des letzteren wich dabei etwas zurück, trat mit einem Hinterhuf auf den feststehenden Theil der Bühne, überschlug sich infolgedessen und stürzte mit dem Reiter in das Orchester. Die Musiker konnten zum Glück aus jbem Wege springen. Der Jockey war todt, wäkrend das Pferd vollständig unverletzt war. EinealpineVibliothek zur Erinnerung an König Humbert hat Königin Margharita auf dem Gipfel des Pic d'Ollen (10,000 Fuß hoch, in der Monte Rosagruppe) einrichten lassen. Diese Bibliothek wird die höchste der Welt sein. Sie wird von der Königin selbst eröffnet, sobald die Witterungsverhältnisse einen Aufstieg ermöglichen. Die bekanntesten Gelehrten und Alpinisten Europas und Amerikas haben Werke, über aU pine Literatur, Photographien und Vergreliefs geschenkt, so daß die Vibliothek die vollkommenste ihrer Art sein wird. Ein breiter Psad zum Gipfel des Pic d'Ollen wird angelegt werden, um den Benutzern der Vibliothek den Aufstieg zu erleichtern. Die italienische Regierung hat die Königin bei der Ausführung ihres Planes unterstützt. Ueber ernenrelchenFischfang wird'aus dem nördlichen Wisconsin berichtet: Hakon Lund, der HülfsWildhüter in Bayfield County, der sich seit einigen Tagen in Ashland aufhielt, um Statistiken für' seinen Jahresbericht zu sammeln, hat ermittelt, daß in der nun beendeten Saison in den dortigen Gewässern 1867 Tonnen und 784 Pfund Fische gefangen wurden. Die Netze, die gebraucht wurden, würden, aneinandergelegt. 424' Meilen lang sein. Sie repräsentiren einen Werth von $43,359. Der Riesendampfer Minnesota" von der Great Northern-Linie ist dieser Tage auf seiner ersten Fahrt nach Ostasien abgegangen, mit der gewältigen Frachtladung von 6000 Tonnen. Der größte Theil der Ladung besteht auö Baumwolle, außerdem sind es Kaufmannsgüter, Baueisen und Stahl, eine Menge Maschinen und 75 flache Eisenbahnwagen, für eine Eisenbahn in Asien bestimmt. Die Passagierliste enthält 141 Namen.
