Indiana Tribüne, Volume 28, Number 141, Indianapolis, Marion County, 6 February 1905 — Page 3

Jndiemk Tribüne, 6 sebruar RSS.

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In Polen

Nimmt jetzt der Streik einen gctvaltthatigcn Charakter an. Der Zar wünscht die Resormarbeiten beschleunigt. Kampf in Buenos Ayrcs. Kleinere Gefechte in der Mandschurei.-Deutsches Rothes Kreuz in Japan. Kohlengräbcrstreik in Belgien - Englische Hctzlügen.-Die Großhcrzogin von Sachsen Weimar angeblich durch Selbstmord geendet.

Nukland. Feige Attentate. Warschau. 5. Feb. Eine Ad theilung Soldaten, die abgeschickt war. um eine Menschenmasse, die auf einer der Hauptstraßen Krawall machte, zu zerstreuen, wurde von der wüthenden Menschenmenge in ein Hau getrieben. Einige Augenblicke später stand das selbe in Flammen. Einige Soldaten schlugen sich durch die Menge, mehrere wurden totgeschlagen und andere an Laternenpfosten aufgehängt. Erst nach einer Stund h erhielten die Behörden Nachricht von der Greuelthat. Mehrere Offiziere wurden m'deu letzten Tagen von Unbekannten gestochen, die aus dunklen Hausfluren hervorstürzten und die ahnungslos Vorübergehenden überfielen. Es scheint, daß in dem Streik der Janhagel die Oberhand gewinnt. Streik. Lodz. 5. Feb. Die Lage hier ist kritisch. Es wird sich jetzt entscheiden, ob den Konflikt aufhört oder der Streik weiter geht. Dic Arbeitgeber hatten am Samstag eine Versammlung und .beschlossen, alle Fabriken am Montag zu öffnen. Leute, die sich zur Arbeit melden, werden angenommen, die anderen ent lassen werden. Eine große Anzahl Arbeiter ist willens auf ihre Posten zu. rückzukehren, fürchten aber Gewaltthaten seitens der Unzufriedenen. Der neuernannte General'Gouverneur Arcimowitch studirt eingehend die Sachlage. In einer Unterredung mit einem Berichtergatter fate er, morgen werde eine Probe gemacht werden. Wenn die Leute einmal die Arbeit aus nähmen, werde der Streik gebrochen sein. Auf die Frage, ob er den Streik als eine politische Bewegung ansehe, errat derte der Generalgouverneur: Ja und nein. ES ist eine Arbeiterbewegung, aber die speziellen Forderungen der Streiker wurden von politischen Agita ioxtn, die meistens Ausländer sind, angeregt." Der Gouverneur erklärte weiter, er habe die Zuversicht, daß die Ordnung aufrecht erhalten werde, wenn auch die Behörden von der Polizei, die nur 300 Mann stark sei, wenig Hilfe habe Soldaten machten aber schlechte Poli zisten. Die Fabrikanten sind' von dem ra schen und taktvollen Handeln des GeneralgouverneurS sehr befriedigt, daS er bei Aufrechterhaltung der Ordnung zeigte, ganz im Gegensatze zu den War schauern Behörden, deren Zögern unheilvolle Folgen hatte. St Petersburg, 5. Feb. Die Streikbewegung in Polen hat sich auf die Gouvernements Warschau, Pe trikan, Kaliß, Radom. Lublin und Sewalki erstreckt. Kriegsrecht ist in Kalisch, Radom und Siedlec erklärt." S öS n o v ic e, 5. Feb. Etwa 15,. 000 Streiker von Dombrovo marschir ten heute hierher und versuchten den Warschauer Bahnhof zu erreichen, vom den aber ohne Blutvergießen von Kos sacken zurückgetrieben. Stellungen Verstür lt. S t. Petersburg, 5. Feb. Gen. Kuropatkin berichtet an den Za ren Folgendes: Vom 4. wurden keine Kämpfe be richtet. Die gegenwärtige Thätigkeit beschränkt sich auf Operationen unserer Freiwilligen, die den Feind beunruhi gen. Auf beiden Seiten werden die Stellungen in aller Eile verstärkt. Ge schützfeuer von beiden Seiten." ' Am Freitag berichtete Gen. Kuro patkin die Zurückweisung der japani schen Vorhut auf dem rechten Flügel. Die Japaner ließen 50 Todte auf dem Gefechtsfelde zurück. Reformarbeit. St. Petersburg. 5. Feb. Ein kaiserlicher Ukas ernannt Saburoff, Mitglied des Reichsrathes zum Präsi denten der Spezialkonferenz, welche die Vorschläge deS MinifterkomiteS für Re form des Senates und für Entwer fung von Gesetzen zum Gebrauche der lokalen VerwaltungSgerichte berathen

soll. Der Kaiser drückt den Wunsch nach baldiger Erledigung der Arbeiten der Eonferenz aus. Zur Versöhnung. St. Petersburg, 5. Febr. Der Minister des Auswärtigen, Lamsdorff, hat in einer ofsiciellen Note an den britischen Botschafter daS Vorgehen

des Hilfs.PolizeimeisterS Rudneff von Moskau desavouirt, der in einem Pla ate behauptet hatte, die Streiker wür den durch Geld aus englischen und ja panischen Quellen unterstützt, um die Arbeit der Arsenale und anderer Regie rungswerke zu hindern. AugenblicklicheRuhe. St. Petersburg, 5. Feb. Nach Gen. Kuropatkin's letzten Berichten sind die Feindseligkeiten am Shathe-Flusse augenblicklich eingestellt. Die Russen schlugen den Angriff der Japaner ab. Die Kälte ist sehr streng. ES sind Anzeichen vorhanden, daß die Japaner beabsichtigen, zur Offen live überzugehen sobald die Kälte nachläßt. Argentinien. Revolution. BuenoSAyreS, 5. Feb. Meuterische Truppen von San Lorenzo haben ohne Erfolg Rosario angegrif fen. Sie mußten sich zurückziehen. Man erwartet, daß Gen. BonavideS mit 3000 Mann Regierungstruppen heute Abend San Rosario erreicht. Regierungstruppen von Tuanman und San Juan rücken gegen Mendoza, um dort die Ordnung wiederherzustellen. Der Gouverneur der Provinz Mendoza ist angeblich ein Gefangen der Insurgenten. DaS Komite, welches die Revolution leitet, soll seinen Sitz zu Cordobar ha den. Die Mitglieder desselben sind die Radikalen Pedro Molma, Dr. Crotto, Del For, Del Balle und Oberst Mar. tin Jrigeyn. Der Nachtdienst der Bahnen ist vorläusig eingestellt. Buenes Ayres, 5. Feb. Bei Angrissen auf Polizeiftationen wurdm heute Morgen mehrere Aufrührer getödtet, etwa 30 verwundet und 250 verhaftet. Die Ordnung ist wieder vollständig hergestellt. Ex-Präsident Roca hat dem Präsi denten Quintan seine Hilfe bei Wieder Herstellung der Ordnung angeboten Der Mobilmachungsbefehl für die Re ferven ist zurückgezogen worden. Belgien. Generalstreik. Charlersi, 5. Feb. Der Kon greß der Bergleute beschloß mit großer Majorität am Montag einen General streik zu erklären. Frankreich. Erdrutsch drohend. G r e n o b l e, 4. Feb. Saint Jean ein Dorf mit 300 Einwohnern hier in der Nähe, steht in Gefahr, mit dem Hügel, auf dem eS liegt, in daS Thal binabzurutfchen. Ein Regie rungSkommissar erklärt, wenn keine Vorkehrungen getroffen würden, werde der Erdrutsch mir Sicherheit im Früh jähr erfolgen. Mexico. Französischer Besuch. Mexico, 5. Feb. Admiral La Peyere und eine Anzahl Offiziere vom französischen Kreuzer Duplex" wurden heute vom Präsidenten Diaz und seiner Gattin empfangen. Japan. Unentschiedene Gefechte. Tokio, 5. Feb. Eine Anzahl ernster Scharmützel fand Freitag Abend und Samstag längs des Hun- und des Shake Flusses statt. Die Russen beschössen am Freitag Abend die japani sche Front mit Geschützen und kleinere Abtheilungen griffen den Waitso und den Titi'Berg .in jener Nachbarschaft an. Nachrichten aus dem japanischen Hauptquartier melden, daß alle An griffe abgeschlagen wurden. Am Freitag Nachmittag beschossen russische Batterien von dem Liuchien und. den Wanpao-Berge, nördlich vom Shakee.Fluge, aus die japanischen Stellungen.

Am Samstag Morgen griffen 600

Mann Kavallerie. 2 Kompagnien In anterie und eine Batterie Ehitaitfe auf dem rechten Ufer des HunIlusseS an. Die japanische Garnison vertheidigte den Platz als die Depesche abging. Zweihundert Mann russischer Ka vallerie mit 2 Geschützen besetzten am 24. Jan. Songchin an Plaksin.Bai, m nordöstlichen Korea, gaben aber den Ort wieder auf und zogen sich nach Norden zurück. China. Japaner drängen vor w ä r t s. ShanHaiKwan, 6. Feb. Von Matfchang und Summintum sind hier Berichte eingelaufen, daß am Hunund Sha.Flusse heftige Kämpfe im Gange find. Die Japaner drängen stetig vorwärts, stoßen aber auf hart läckigen Widerstand. Die Verluste sollen auf beiden Seiten groß sein. Soviel man weiß, war die Jnfan erie an den Kämpfen im japanischen Zentrum und auf dem rechten Flügel nicht start dejheiligt, dagegen war das Artillerieseuer sehr heftig, richtete aber auf beiden Seiten wenig Schaden an. Die chinesischen Truppen waren in letzter Zeit sehr beschäftigt. Tschinschufen Banden zu vertreiben, die Transportzüge der Russen wie Japaner Übersielen und ausplünderten uns von Dörfern innerhalb und außerhalb der Kriegszone Tribut erhoben. Auch die Japaner sind schon hinter diesen Banditen her gewesen. Viele Leute, die gut situirt sind. kommen von der Westseite des Liao Flusses hierher, da sie befürchten, daß jenes Gebiet der nächste Kampfplatz fein wird. Italien. Versöhnung. R o m, 5 Feb. Viel Gerüchte von einer Versöhnung zwischen Vatican und Quirinal, die noch vor Ostern eintreten soll, sind im Umlauf. Bestärkt werden diese Gerüchte durch die Nach' richt, daß die Königin.Wittwe, Margherita in den nächsten Tagen den Papst besuchen wird. Sie soll ermächtigt sein, die Verhandlung über einen Mo dus vivendi zwischen Papst und König thum einzuleiten. Garibaldi'S Ueberreste. R o m, 5. Febr. Ricciotti Gari. baldi, der letzte überlebende Sohn des todten Freiheitskümpen bat an das Parlament eine Petition gerichtet, die Frage der endgiltigen Beisetzung der Ueberefte seines Vaters zu regeln. ES war der letzte Wunsch des sterbenden Garibaldi, daß seine Leiche verbrannt und die Asche verstreut werde, aber die Behörden ve, boten dies. Ricciotti Garibaldi sagt, erfühle. daß sein: Tage zu Ende gehen und deShalb bittet er, daß das Parlament die Frage ein und für allemal regele und verlangt, daß feines Vaters Wünsche geehrt werden. Deutschland. Für Japaner. Berlin, 5. Feb. DaS Rothe Kreuz hat ein Hospitalschiff angerüstet, daS den Japanern zu Verfügung ge stellt werden 'soll. Chefarzt desselben wird Prof. Henle von Breslau sein, der bereits letzte Woche von Neapel nach Japan abgereift ist. Er wird von zwei andern deutschen Aerzten begleitet. Bei seiner Ankunft wird ihm die japanische Regierung eine Anzahl japanischer Aerzte, die in Deutschland studirt haben, zur Verfügung stellen. Zu Tokio hat der deutsche Gesandte bereits zwei große Häuser gemiethet, die in Lazarethe umgewandelt werden sollen, sowie einen Landsitz in der Nähe der Stadt, wo sich RekonvaleSzenten erholen können. ' Das deutsche Rothe Kreuz wird alle Unkosten bezahlen. Das Rothe Kreuz inOft Asin. B e r U n, 5. Febr. AuS Harbin, auf dem ostasiatischen Kriegsschauplatz, ist von dem Chefarzt deS deutschen La zarettS vom Rothen Kreuz, Dr. Aren tano, ein Telegramm an das Central komite nach Berlin gelangt, durch das eine erhebliche Vermehrung der Mate rialsendung beantragt wird. ES ist bemerkenswerth, daß viett der hier ein lausenden Spenden die Verfügung mit bringen, daß die Geber das Geld für japanische Hilfeleistungen nicht aber für russische angewandt wissen lwollen. Nicht natürlichen Todes gestorben? Berlin, 5. Feb. Die römische Zeitung .Giornale d'Jtalia" registrirt das sensationelle Gerücht, daß die am 17. Januar dahingeschiedene junge

Großherzogin Caroline von Sachsen Weimar.Eisenach. Prinzessin Reuß ä. L., keines natürlichen Todes gestorben sei. Sie habe Selbstmord begangen um sich von der unglücklichen Ehe mit dem Großherzog und dem kalten Hof leben in Weimar zu befreien. Ziemlich allgemein glaubt man, daß das römisch? Blatt eine Ente hat auf flattern lasten. (Die in der Blüthe des Lebens abberufene Fürstin erlag, nach der ursprünglichen Meldung der Lun genentzündung ) ErsteLefungd erHandels vertrüge. Berlin, 5. Febr. Die erste Lesung der neuen Handelsverträge, welche der Reichskanzler Graf v. Bülom am 1. Februar dem Reichstage vorlegte, beginnt am nächsten Donnerstag. Die Debatte wird so viel wie möglich be schleunigt werden, zumal über die An nähme der Verträge schon heute kein Zweifel mehr besteht. Der 60. Geburtstag. Berlin, 5. Febr. Ernst von Wildenbruch beging die Feier feines 60 Geburtstages, wozu dem namhaften Dramatiker besonders aus literari schen und künstlerischen Kreisen die

wärmsten Glückwünsche zugingen. Ernst von Wildenbruch war kurze Zeit aktiver Offizier, studirte dann die Rechte und gehörte mehrere Jahre dem Auswärtigen Amte des Deutschen Rei ches, zuletzt als Gebeimer LegationSrath, an. Schon als Student ver suchte er sich mit Erfolg auf dem Ge biete der Literatur uud im Laufe der Jahre hat er sich zu einem der kräftig sten und fruchtbarsten Dramatiker der Neuzeit entwickelt. Seine großen Erfolge verdankt Wildenbruch feinem Scharfblicke für das auf der Bübne dramatisch Wirksame und seiner glän zenden Sprache. Als blanke Erfindungen gebrandmarkt. Berlin, 5. Februvr. Die neu lichen Behauptungen deS Pekinger Cor refpondenten der Londoner Times", daß der deutsche Gesandte in China, Freiherr Dr. Mumm v. Schwarzen stein, seinerzeit gegen den englisch-tibe tanischen Vertrag intriguirt habe und daß Deutschland sich beständig in innere chinesische Angelegenheiten einmische, wurden amtlich als blanke Erfindungen gebrandmarkt. Schon vor einiger Zeit wurden gleiche Meldungen von anderer Seite mit Entschiedenheit dementirt. Seelsorger verduftet. K i e l, 5. Feb. Ungeheures Auf sehen im ganzen ostfriesischen Lande verursachte die kürzlich erfolgte heimliche Flucht deS Superintendenten der 6. reformirten Inspektion, deS Predi gerS JteS zu Hatzum, dem in allernächster Zeit eine gerichtliche Verfol gung wegen zahlreicher Unzuchtvergehen bevorstand. Das Letzte, was man von JteS erfuhr, ist ein Schreiben, worin er selbst mittheilt, er werde nicht wieder auf seinen Seelsorgerposten, den er so schlecht verwaltete, zurückkehren. Die allgemeine Entrüstung über dieses Vor kommniß ist um so größer, weil im letzten halben Jahre auch schon ein an derer Pastor in Ostfriesland. Pfarrer Block zu Hage, aus demselben. Grunde das Weite gesucht hat. JteS wandte sich angeblich nach Amerika. Pückler's Allerneuestes. Berlin. 5. Febr. Der Dresch gras" Pueckler hat eine funkelnagelneue Methode erfunden, um die wenigen sei ner Brandreden, die im Laufe des kürzlich gegen ihn angestrengten Pro zeffeS nicht verboten wurden, vor ein weiteres Publikum zu bringen. 'Mehrere große Möbelwagen ziehen nun durch die Straßen Berlins, an allen Seiten die Inschrift zeigend : .Letzte ?jückler.Reden! ES lebe der Berliner SozialtSmuS!Ueber dem Sitze des Kutfchers.flat tat eine blutrothe Fahne mit der weißen Aufschrift : Deutschland, Deutschland über AlleS." ;. Neben dem Kutscher auf dem Bock fitzt ein Junge, der die Reden, schön gedruckt und hübsch in Leinwand ge bunden, vertheilt. ' , K a n a l v o rla ge. B e r l i n, 5. Feb. : Im preußischen Abgeordnetenhaüse wurde die' zmtite Lesung' der Kanalvorlage 'durch eine längere Rede d'eS.CentrumSabgeordne ten' Dr. am Zehnhoff eingeleitet der sich energisch zu Gunsten deS staatlichen BetriebS-MonopolS sowie für die ge planten Schifffahrtsabgaben auSsprachi Seine- Auzsührungen . warm, ebenso temperamentvoll' wie klar' und fand im Centrum wie auf der Rechten' star

ken Beifall. Bekanntlich ' ist Zehnhoff

der Urheber de Bestimmung, den Ka nal'Schleppbetricd zu verstaatlichen. und van dem Augenblick an, daß sich die Regierung mit vem fraglichen An trag einverstanden erklärte .war die Annahme der Vorlage gesichert. Der Redner verbreitete sich eingehend über den in der Vorlage festgesetzten Kanal RheiN'Hannover, sowie über die Oder Weichsel, und Warthe-Regulirung. C h a r l o t t e n b u r g'S 200. G e b u r t s t a g. . B e r l i n, 5. Febr. Für die 200. Jahresfeier der Stadt Charlottenburg ist zwar ein genauer Termin noch nicht festgesetzt, doch soll sie sich unmittelbar an das HochzeitSfeft des Kroprinzen Paares anschließen. . Danach werden die' Festlichkeiten in Charlottenburg, die mit der Enthüllung des Kaiser Friedrich'Denkmals eingeleitet und mit der Einweihung des neuen RalhhauseS geschlossen, werden, in. die letzten Tage deS Monats Mai fallen. . Ein Imnhlcs" Geheimniß. Doktor Fritz Bertold war eines TageZ plötzlich naöz einer kleinen Stadt als Cerichtschemiker beordert worden, und so schwer es ihm auch angekommen war, von der ihm an's Herz gewachsenen Grokstadt zu scheiden. 10 gab es doch keinen Widerspruch. Denn er war ohne Vermögen und mußte die erhaltene Position sogar' noch als eine Bevorzung seiner Person einschätzen. ' So packte er denn im Verein mit seiner jungen Frau Anna Marie resignirt seine Sachen und siedelte nach seinem neuen Domizil über. Was ihm die neuen Verhältnisse von vornherein am meisten verleidete, das war die zu erwartende breite' Spießbürgerlichkeit seiner neuen Umgebung, die Kleinlichkeit und starre Riictständigkeit der Anschauungen, der politisirende Stammtisch und für feine Frau das.unvermeidliche Kaffeekränzchen. Doch, man würde ja sehen! Vorläufig mußte man sich fügen, bis sich einmal Gelegenheit finden würde, sich von dem oder jenem frei zu machen. Es waren aber noch keine sechs Wochen in's Land gegangen, da wurde die Frau Doktor, diese falsche und hinterlistige" Person, zu keinem der Lästertribunale vulgo Kaffeekränzchen mehr eingeladen, noch würde man einer Einladung ihrerseits mehr Folge geleistet, haben. Und warum? Das wußte kein Mensch im Städtchen, denn es wurde unverbrüchliches Schweigen darüber bewahrt. Wenigstens eine Zeitlang. Dann aber begann das Geheimniß derart schwer auf der Seele einer mumisizirten ehrbaren Jungfrau zu lasten, daß sie es nicht länger mehr ertragen konnte, sondern es einer zu Besuch weilenden Freundin offenbarte. Siehst Du, meine Liebste," begann sie, die Sache war so. Im Anfang war die junge Doktorin die netteste Person von der Welt, sie hatte einen vorzüglichen Kaffee und tvußte eine Menge Neuigkeiten- aus der Residenz. Mit . ihr wären wir auch vortrefflich ausgekommen, aber mit ihrem Manne, dem Unchristen, dem gemüthsrohen Heimtücker, dem aberich will Dir alles der Reihe nach erzählen. Es war also das zweite Kaffeekränzchen, das wir bei der Doktorin hatten, als plötzlich die Frau Rechnungssekretärin auf die läppische Idee käm, der Mann der Doktorin, der Chemiker ist, solle uns doch einmal ein paar chemische Scherzfiückchen vormachen, die seien immer so amüsant und belehrend zugleich. Ahnungslos und vertrauend, wie wir waren, stimmten wir in die Bitte der .Rechnungssekretärin ein, und der EheMlker erklärte sich mit heuchlerischer L:ebenswürdigkcit bereit, uns einige seiner Schwärzkünsieleien' zu zeigen. Anfangs war es ganz unterhaltend, zum Schluß erklärte er, er werde uns jetzt alle in Mohren verwandeln. Nur scheinbar natürlich, durch irgend eine magische Lichtwirkung; ich kannte ja dergleichen. Er nahm also einen Teller. schüttete ein Pulver darauf und -zündete es an. Alsbald entwickelte sich ein gräßlicher Dampf, doch als er sich verzogen hatte, fingen wir. alle an zu lachen. Denn wir waren wirklich alle schwarz geworden. Aber das Lachen verging uns plötzlich.' Warum waren denn der. Doktor und seme lauerte Ge mahlin nicht.schwarz im Gesichte? War das etwa mehr als eme optische. Tauschung? Wir stürzten ' vor den Spiegel, nein, es war keine Täuschung, wir waren wirklich' Mohren'' geworden. Und jetzt wurde' uns auch die ganze Büberei sonnenklar! , Wenn es' mich allein betroffen hätte, so wollte ich nichts gesagt haben, denn daß ich mich schminke daraus mache' ich kein Geheimniß, aber daß auch doch ich darf keine Namen nennen. Seit der Zeit -aber haben wir' das' ruchlose ' Ehepaar m Acht und Bann gethan. - ? , , ! ' : l Kintierntund. , H ä n s ch e n (zum Onkel, welcher eine außerordentlich große Glatze hat): ' Onkel, jetzt, weiß ich, .. warum Du gar keine Saaremebr basl" O nk e l : ;Na: na Dü- kleiner' Schelm, 'da5 weiß jr r rr . "i tä f. "( jr - -icy ja aueini map. a n s cy e n : '.Papa sagte aber gestern, 'Dü' ließest Dir von der Tantevul zu viu-auf-dn Kopfe herumtanzen."

Äerzte.

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