Indiana Tribüne, Volume 28, Number 135, Indianapolis, Marion County, 30 January 1905 — Page 1
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rfctjelnt jeden Narizniittag. Jahrgang 28. Jndianavolis, Jnd , Montag, 30. Januar 1905 ' No 135. mmmaammmmmmmmS i ' : i I ' Z .
Alter Veteran gestorben. Nach mehrmonatlicherffrankheit starb gestern Benjamin Corey Wright in feiner Wohnung an der Central Ave. in der Nähe der 40. Straße. Wright uurde im Jahre 1844 in Union Counly geboren. Er dierne während des Bür gerkriegeö als Mitglied der Compagnie AdcS 182. Jnd. Vol.Reg. unter Capt. John S. Tarkington. Der Verftor. bene war einer der Gründer der In dianapolis Light Jnfantery. In der Staatsmiliz diente er als Quartiermei. per, als Major und Lieutenant.Colonel des zweitenRegimentS, welches ihn nach seinem Rücktritte vom aktiven Dienste zum Ehrenmitgliede machte. Während der zwei Termine des MayorS Caven war Wright Stadtclerk für Jndianapolis. Die Leiche wird morgen Nachmit. tag auf dem Crown Hill Friedhofe bei gesetzt werden. Eine Dynamitbombe. St. Petersburg. 30. Jan. Heute früh wurde eine Dynamitbombe nach dem Hause des Gouverneurs von St. Petersburg geworfen. Da3 Haus wurde theilweise demolirt. Der Gou. verneur war zur Zeit nicht anwesend. Niemand wurde verletzt. Russen mit schwerenVer lüften geschlagen. K u r o k i'S H a u p t q u a r t i e r, Mandschurei, 30. Jan. Der Versuch der Russen, unsere linke Flanke zu durchbrechen, war ein vollständiger Fehlschlag. Die Verlustliste der En. gagementS der letzten Woche betrugen 10,000 Russen getödtet und verwundet, und 3000 Getödtete und Verwundete auf unserer Seite. Gen. Kuropatkin'S Hauptmacht zog sich in nordwestlicher Richtung zurück. Order of Nailvah CondnctorS. Die 3. ?kabreS'Versammlung des Order of Railway ConductorS, Jndia napoliS Division No. 103, wurde ge stern durch den Grand Chief'Conduc tor, G. G. Clark von Cedar RapidS, Ja., eröffnet. Ein Quartett, beste hend aus Homer Van Wie, Andrew Smith, William Morrison und Oliver Jsensee, trug volkstümliche Weisen vor, die im Vereine mit mannigfache Orchester.Piecen die Anwesenden in ani mirter Stimmung erhielten. Nach Erledigung dcö GeschästSpro grammS begaben sich die Mitglieder der Vereinigung nach dem Denison Hotel, um an einem großen Bankett theilzu nehmen. Obwohl keine offiziellen Re den bei demselben gehalten wurden. fehlte eS nicht an kurzen launigen An sprachen, die meistens auch beherzigende Empfehlungen zur Hebung des Vereins enthielten. Am Schlüsse des Banketts wurden 25 neue Mitglieder uuter den üblichen Ceremonien in diese Organi sation aufgenommen. Schlechte Aussichten sür Strakenränber. Die in der Stadt verübten Rauban fälle auf Frauen und Mädchen, obgleich jetzt mit Ausnahme deS am Freitag
ausgeführten Anfalles alle aufgeklärt, haben dennoch viele Damen und Müd chen zur Einsicht gebracht, daß die öffentlich zur Schau getragenen Hand tafchen für das DiebeSelement eine allzugroße Anziehungskraft besitzen und aus diesem Grunde haben viele der Damen bei Dunkelheit schon längere Zeit sich ohne dieselben beholfen. Auch sollen viele der Frauen jetzt nach einge tretener Dunkelheit nur noch bewaffnet die entlegenen Straßen . entlang gehen und zu wünschen wäre eS wohl, wenn einmal einem der Straßenräuber von einem Opfer gehörig eins auf den Pelz gebrannt werde, damit vielleicht auf solche Weise den Banditen die Luft zum Handwerk gelegt werde. Die Polizei arbeitet Tag und Nacht mit Feuereifer und sobald ein Ueberfall ge. meldet wird, wimmelt der gefährdete Distrikt sofort von Beamten in Civil' kleidung um weitere Banditenstreiche zu verhüten. ' ; " -
Damen-Berein des Südseite Turnvereins
Halt Jahres'Versammlung Wahl ab. und Beamten . Der Damen-Verein deS Südseite Turnvereins hielt gestern seine gut be suchte JahreS'Versammlung ab. Nach Erledigung der Routinegeschüste wurde mit folgendem Resultat zur Beamten Wahl geschritten: Präsidentin Frau H. Freiberg. Vice.Prüsidentin Frau E. Huegele. Prot. Sekr. Frau L. Koehler. Finanz.Sekr. Frau C. Toll. Schatzmeifterin Frau H. I. Roy, Sen. TrufteeS Frau I. Eitel, Frau H. Mitscherich, Frau I. Sohn. Die Vorbereitungen sür den vom Verein zu veranstaltenden Maskenball schreiten rüstig vorwärts, jedoch bewah ren die Damen betreffs der ihren Besu chern harrenden Ueberraschungen das größte .Schweigen. Eines ist aber be reits festgesetzt und daS ist, daß die Damen an diesem Abend ein feine? Turkey Supper" zu ferviren ge denken. ' Beschlossen wurde ferner, drei weitere Anteilscheine der Turnhalle-Baugesell schaft anzukaufen, so daß iekt der Damenverein im Vollbesitze von 71 voll eingezahlten Antheilscheinen ist. Karten'Partien werden von jetzt ab an jedem 2. und 3. Sonntag deS Monats abgehalten, jedoch werden sich am 3. Sonntag nur Mitglieder des Vereins am Spiele betheiligen dürfen. Die Jahresberichte der verschiedenen Beamten zeugen von ernstem Vorwärts schreiten des Vereins. Besonders gün ftig lautete auader Bericht der Schatz Meisterin, laut welchem sich die Jahres einnähme deS Vereins auf rund 1075 belief. Ein Geschenk von $175 wurde im vergangenen Jahre von dem Verein dem Turnverein Überwiesen. Der Damenverein deS Südseite Turnvereins hat allen Grund auf feine Errungenschaften stolz zu sein. Fran Jennerö Rücktritt gewünscht. Frau Minnie L. Jenner. die HülfS matrone in der Jndiana ReforM'An ftalt für Mädchen, die der Grausamkeit gegen die internirte Lillian ForbeS be schuldigt, aber von der, die Anklagen untersuchenden, Behörde insolge tech nischer Gründe freigesprochen werden mußte, wurde von den Direktoren der Strafanstalt ersucht, sofort ihr Ent lassungLgesuch einzureichen. Begrün det wurde diese Maßnahme, daß die Interessen der Anstalt ein Ausscheiden der Frau Jenner verlangen. Während der Sitzung der Uuter suchungSbehörde wurde eine große Anzahl von Zeugen vernommen, ebenfalls wurden unter Eid in Port Huron und Detroit gemachte Angaben als Beweis Material angenommen. i Jacob Sutter. i In der Nacht vom Freitag auf Samstag ist Jacob Sutter, 1323 Lin den Str., ein Polirer und Möbel schreiner einem Rückenmarksleiden er legen. Sutter stand im 43. Lebens jähre und war von Geburt ein Schwei zer. Frau und drei Kinder betrauern den Verlust des Dahingeschiedenen. Die Beerdigung sindet heute Nachmit tag vom Trauerhause auS statt. Sutter erfreute sich unter seinen vielen Be kannten allgemeiner Beliebtheit. Für die Bnndeöfayne.
. Beim kommenden Turnfest wird die ehrwürdige Bundesfahne mit einem prächtigen bronzenen Adler geschmückt, die Herzen der Turner erfreuen. In ihrer letzten Versammlung beschloß die Damen'Sektion des Socialen Turn Vereins aus ihren Mitteln ein prächti geö Schmuckstück, den amerikanischen Adler, in feinster Bronze ausgeführt, darstellend für die Fahnenspitze zu de diciren. .
General Charles Shaler Zum ?nstructeur der Jndiana National, Garde ernannt. Auf Ersuchen des Gouverneurs Hanly wurde General Charles Shaler vom Kriegsdepartement in Washington zum Instrukteur der Jndiana National Garde ernannt. Der General., wird mit seiner Gemahlin an 1317 Nord
Delaware Straße Wohnung nehmen. Teneral Shaler diente ' in der Bun deSarmee 44 Jahre und wurde auf sei nen eigenen Antrag hin am 19. Jan. auS dem aktiven Dienste erlassen. Da er jedoch nicht gänzlich feine militäri schen Verbindungen abzuschneiden wünschte, sprach er den Wunsch aus, daß er zum Instrukteur einer National Garde in irgend einem Staate deS Lan deS ernannt werden möae. Diesem Gesuche ist nun entsprochen worden und General Shaler wude der Jndiana National Garde zugetheilt. Hund als Dieb. Allen Cook, ein Milchhänoler 2519 West Washington Str.. meldet der Polizei, daß ein großer Hund ihm seit längerer Zeit eine Unmenge Unannehm lichkeiten dadurch verursache, daß der selbe die in Flaschen abgelieferte Milch sammt glaschen ' stehle. Der Hund wurde vor mehreren Tagen bemerkt, als er gerade mit einer Flasche der ge ftohlenen Milch feldeinlief. Was er mit seinem Raube später ansängt und auf welche Weise er denselben verwer thet, ist bis jetzt noch ein Räthsel,' wel cheS jedoch in Kürze wohl gelöst werden wird Polizeiliches. Angeklagt, seinen 'Arbeitge bern, der PettiS Dry GoodS Co., $30 unterschlagen zu haben, wurde gestern Horace Hubdard. No. 718 Oft Mor. rlSStraße. ein 24 Jahre alter Mann, der für obige Firma einen Abliefe rungswagen fuhr, verhaftet. Hubdard soll, der Anklage nach, Waaren adge liefert haben, ohne die für dieselben eingelausenen Gelder im Geschäfte ab zugeben. Laut Aussagen der Geheim Polizisten giebt Hubdard an. daß der von ihm unterschlagene Betrag $15 nicht übersteigt. In Verbindung mit dem Falle deS verhafteten Henry McHenry, in dessen Besitze ein werthvoller Diamant Ring gefunden wurde, verhafteten ge stern die Detektivs Simon und Man ning zwei farbige Mädchen, Laura Stout und Befsie Taylor. 410 Toledo Str., welche beide im Linden Hotel, in welchem der Ring verloren ging, ange stellt waren. Bis jetzt wurde jedoch kein bestimmtes Beweismaterial gegen die beiden Mädchen zu Tage gefördert. Viola Alen, 233 Oft New Jork Str., wurde durch Sergeanten Sandman unter der Anklage des Bum melnS verhaftet. Sie traf den Beam ten auf der Straße und erzählte ihm eine jGefchichte von einem Mann, der sie angefallen und beraubt habe. Der Sergeant fragte sie weshalb der Räuber ihr denn nicht die Handtasche abgenom men babe und sie antwortete ihm, daß sie dieselbe feggehalten habe. Da sie außer der Handtasche auch noch eine
Geldbörse mit $1.50 in der Hand hatte, wurde sie durch den Sergeanten auöge fragt uud gestand dann, daß die Ge schichte erlogen sei, worauf sie dann festgenommen wurde. -- ' Uns alle. An der Meridian Str. und Gürtel bahnkreuzung wurde gestern B. C. Mashon, 1383 Charles Str., von einem Zuge getroffen und an Kopf und Hüfte erheblich verletzt. Mashon trat von einem Geleise, auf welchem er einen Zug sich nähern sah, auf das nächste Geleise, um denselben passt ren zu lagen, und wurde von einem aus entgegengesetzter Richtung kommen den Zuge getroffen und zur Seite ge schleudert. Die DispensariumS Am Kulanz unter Dr. Hawley überführte den Verletzten in feine Wohnung, wo derselbe von Dr. Schneider in Behand lung genommen wurde.
Ein genußreiches Concert
Des Indianapolis Liederkranz. Die tüchtigen, gesanglichen Leistn .gen verschafften den Besuchern angenehme Stunden. Der in unserer Stadt so wohlbe kannte Indianapolis Liederkranz gab am gestrigen Abend sein zweites großes Concert in der diesjährigen Saison, das vom gesanglichen Standpunkte aus betrachtet, sich zu einer glänzenden Affaire gestaltete. Mit der Suppe'schen Ouvertüre Banditenftreiche", die durch ihren le benöfrischen Vortrag großen Beifall erntete, wurde das Concert eröffnet. ; Darauf betrat der Liederkranz die Bühne und trug die alte bekannte AottSweise CS steht eine Lind'" von Forschn vor. Dieses schöne, schlichte Lied wurde vom gemischten Chöre in geradezu tadelloser Weise zu Gehör ge bracht und wirkte so gewaltig, daß sich die Beifallsstürme nicht legen zu wollen schienen. Die anderen Nummern des gemisch ten ChoreS waren die a capello.CHSre Abschied vom Walde", Die Lore vom Rhein", Zecherlied und Im grünen Hain". Abschied vom Walde", diese beliebte Composition von Lange, dem Feftdirigenten deS letzten SängerfesteS in St. Louis, wurde mit innigem Ge fühle wiedergegeben und erzielte einen tiefen Eindruck. Die anderen vom Lie derkranz vorgetragenen Gesänge reihten sich ebenbürtig ihren Vorgängern an und hoben durch ihren sinnigen Melo dienelndruck und süßen Klang den lau schenken Zuhörer in die idealen Höhen, in denen der Mensch der Erde Sorgen und Mühen vergißt. Großen Beifall erzielte das Solo .Walzer Guirlande", das Herrn I. Fre'mönt Frey Gelegenheit bot, feine künstlerischen Fertigkeiten auf der Zither zu entfalten. Die Arie auS dem Seekönig" wurde von den Herren Frey und Riegner auf der Zither und Violine vorgetragen und wurde vom Publikum stürmisch applaudirt. Die Krone des aufgestellten Pro grammS war ohne'Zmeifel Der zau berifche Spielmann", ein musikalisches Tongemälde von Kern, das sür ge mischten Chor, Sopran Solo und Orchester gesetzt ist. Dieses Lied ist Kunstgesang" in des Wortes verwegenster Bedeutung und der Componist scheint sich ein wahres Vergnügen daraus gemacht zu haben, Schwierigkeit auf Schwierigkeit zu häufen. Aber auch dieser schweren Aufgabe wurden die Sänger unter Herrn Karl Riegner'S trefflicher Lei tung gerecht. Frl. Irma Förster, die Sopranistin, hatte das Solo übernom men. Sie verbindet mit einer hellen. überaus sympathischen und vorzüglich geschulten Stimme einen seelenvollen Vortrag. Geradezu hinreißend wirkten die Worte: Warum weckst du daS Verlangen, Das ich kaum zur Ruh' gebracht? Siehst Du hoch die Litten prangen? Böser Sänger, gute Nacht! Sieb die Blumen steh'n voll Thränen, ' Einsam die Viole wacht. Als wollt sie sich schmachtend dehnen. In die wanne Sommernacht. Wohl von rothem, süßem Munde. , , -Kommt so holden Sangesmacht. Bleibst du ewig dort im Grunde , Unerkannt in dunkler Nacht. Einmal eh' der ag erwacht Möcht ich deinen Mund nur küssen. Sterbend so in dunkler Nacht." , Fräulein Förster verstand den Dich ter und verstand den Componisten, und wußte DaS, was sie sagen wollten, dem Hörer, in überzeugender und eindrucks voller Weise zu vermitteln. Ihr Lied für Sopran", daS keineSweg ein solches ist, was man sü gewöhnlich dankbar nennt, brachte ihr stürmischen und wohlverdienten Beifall ein. ..
Boberlink.Polka", das Flöten-Solo deS Herrn Kaiser, verdient besondere Erwähnung. Als der letzte Sang verklungen war, ging es zum Tanz. ' Die . frohe Stim mung hatte ihren Höhepunkt erreicht, und als es nun galt, daS Tanzbein zu schwingen wurde die willkommene Abwechselung im Vergnügungsprogramm
mit Freuden' begrübt. Die Betheili.
gung an dem Tanzvergnügen war eine Äußerst rege und' die vielen anmuthigen Vertreterinnen deS schönen Geschlechts onnten aus der angenehmen Bewegung gar nicht herauskommen. Auch Herr Victor Jose hatte sein Menschenmöglichstes geleistet, um diesen chönen Abend sür die Besucher der Festlichkeit zu einem in jeder Beziehung genußreichen zu machen. Seine Küche und Keller hatte das Beste geliefert, um die tüchtigen Sän gekehlen nach des TageS Arbeit zn laben und den inneren Menfchen zu stür ken. Erst früh am heutigen Morgen lösten - sich die vergnügten Schaaren in dem Bewußtsein, einen schönen Abend verlebt zu haben, auf. Veamtenvahl der Arbeiter Kran, ken- und Sterbekasse. In der gestern in der Columbia Halle abgehaltenen jährlichen Generalver sammlung der Arbeiter Kranken und Sterbekasse wurde ein neues Mitglied aufgenommen und dann nach Erledi gung der Rvutine-Gefchäste zur Beam tenwahl geschritten. Der neue Beam tenstab für das laufende Jahr wurde wie folgt erwählt: 1. Vorsitzender Henry Hedderich. 2. R. Stark. Protocollirender Secretär Theodor Heberlein. Schatzmeister Peter Hammerle. Finanz Secretär R. Hinze. Kaffen.Arzt Jacob Bühler. Revisoren - Theodor Haffe, John Heddertch, William Kappmeyer Jr. Für die im Mai ftattsindende Con vention in New Dork wurde John Burkhardt als Delegat nominirt. P e t e r S b u r g. Die hiesigen Schulen mußten in Folge der inten siven Kälte geschlosten werden, da die Heizvorrichtungen nicht genügend Wärme produziren konnten. Antcr Tolstoi empfängt bekanntlich sehr oft Besuch und opfert der Unterhaltung mit allen möglichen Leuten, die zu ihm kommen, einen großen Theil seiner kostbaren Zeit. Als vor einer Reihe von Jahren ein Lustspiel Die Früchte der Aufklärung" seine erste Aufführung er lebt hatte, kam ein reicher Moskauer Kaufmann zum Grafen. Dieser Mann spielte gern den Mäcen, seine Mittel erlaubten ihm das. Auch hielt er sich für einen Schriftsteller, obwohl seine literarische - Thätigkeit nur darin bestand, daß er kurze Zeit für ein Moskauer Boulevardblatt Kunst- und Ballkritiken schrieb. Tolstoi empfing seinen Gast mit gewohnter Liebenswürdigkeit. Der Besucher sprach eingehend und lange über das Stück. Er fühlte sich als berufenen Kritiker, gestikulirte eifrig und sprach wohl eine Stunde lang. Der Graf hörte das lobende Urtheil seines Gastes schweigend an. Endlich machte jener eine Pause in seinem Redeschwall, die Tolstoi sofort benutzte, um ihn sehr höflich zu fragen: Entschuldigen Sie, bitte, lber vielleicht nehme ich Ihnen die Zeit weg? Sie sagten ja selbst, Sie seien Schriftsteller. Folglich gehört Ihre Zeit nicht Ihnen allein, sondern auch Ihren Lesern." Ach nein, Lew. Nikolajewitsch, ich bin ganz frei, ich schreibe nur dann, wenn ich will. Ich bin in dieser Beziehung gar- nicht gebunden, denn ich arbeite nicht um des Geldes .willen." Ja gewiß," erwiderte Tolstoi, aber ich beneide Sie doch." Warum können Sie es nicht ebenso- machen wie ich?" fragte der Kaufmann. Jetzt eben kann ich es nicht. Sehen Sie, wenn Sie z. B. meine Unterhaltung langweilen sollte, so würden Sie Ihre Mütze nehmen und nach Haus? gehen. -Aber ich kann nirgendshin weggehen." Warum denn nicht?" fragte erstaunt der Kritiker und Mäcen. Einfach deshalb, weil ich zu Hause bin. Ich kann doch nicht gut mein Haus verlassen." Nun erst verstand der redselige Gast den zarten Wink des Grafen und beeilte sich, sich zu verabschieden.
Furcht vordem Eheland. In Braunschweig machte ein unger Mann Namens Knittel durch kinathmen von Kohlenoxydgas semem Leben ein Ende. Knittel sollte wenige Tage später heirathen. In einem hinterlassenen Brief gab er als Motiv die Furcht vor dem Standesamt und den Abschied vom Junggesellenleben an.
Nachrichten aus Jndiana.
G a r r e t t. Auf dem Bahnhofe , der B. ck O. Bahn wurde Samstag Morgen der Maschinist Paul Shannon getödtet. Er collidirte mit seiner Lo. comotive mit einem Frachtwaggon und wurde so schwer verletzt, daß er kurz darauf starb. L a p o r t e. Nach einer einzigar tigcn Vertheidigung wurde I. Douglas aus Gettysburg. Pa., wegen Tödtung zu 21 Jahren Zuchthaus verurtheilt. Der Angeklagte hatte in einer Wirth schaft zu South .Bend einen 'gewissen Wilson tödtlich verletzt und behauptete trotz der Aussagen des Schankkellnerö, der ihn zielen sah, der erste Schuß sei zufällig loSgegangan und der zweite auS Aufregung über den ersten. Als Gründe der That machte die StaatSanvaltfchaft Eifersucht und Raub.Absicht geltend. D e c a t u r. In Henry Bremer kamp's Mahlmühle fand eine Natur gas'Explosion statt. Es brach in Folge dessen Feuer aus, welches das ganze Gebäude zerstörte. Raymond Bremer kamp, H. Gilting und Wm.Brudge wurden schwer verletzt. Der Verlust beläuft sich auf $40,000, die Versiche rung auf $10,000. ES verbrannten 10,000 Bushel Weizen. R o m e. Die aus Frau und zwei Kindern begehende Familie deS wohl habenden Farmers Philip Fuchs, saß . nach dem Abendbrot gemüthlich um den Tisch, crtS die dreijährige Besste bei dem Bestreben, irgend einen Gegenstand zu erreichen, die Lampe umstieß. DaS brennende Oel ergoß sich über die Klei der der Kleinen und der Mutter, welche sofort in Brand geriethen. Befsie er litt solch' schwere Brandwunden, daß sie wenige Stunden später denselben er' lag, ihre Mutter starb zwei Tage später, während Herr Fuchs bei dem Versuche die Flammen zu löschen gleichfalls schwere Brandwunden erlitt. B e d f o r d. Mit dem Verhör der Zeugen in dem Schäfer Mordfalle wurde fortgefahren. Julia Macy, welche als Dude" Cook bekannt ist, wurde auf'S Neue auf den Zeugenftayd gerufen. Sie ist die geschiedene Frau deö Mitangeklagten E. Browning.- Die Scheidung fand erst nach der Schäfer Tragödie statt. Nichts deftoweniger . stattete er ihr nach derselben noch häusig Besuche ab. Sie sagte, daß Browning ihr erzählte, daß Evans an dem Abend, an welchem Fräulein Schäfer ermordet wurde, auf dem Seitenwege auf sie gewartet hätte, während er (Brow ning) sich in der Alley befand. Als sie erschien, attackirte EvanS sie mit Stei nen, welche er in der Hand hielt. In dem Augenblick, als sie zu Bo den fallen wollte, sing EvanS sie in sei nen Armen auf und er' schleppte sie sodann nach dem Wagenschuppen. Er sagte dem Browning, daß er von ihr die Herausgabe eines Briefes verlangen würde und sollte sie ihm denselben nicht geben, dann würde sich etwas ereignen. EvanS befand sich in dem Schuppen etwa 10 Minuten, als er wieder hin austrat. ' Die beiden Männer gingen sodann die Straße hinunter und verbargen die blutigen Handschuhe unter einem Stein. - Am nächsten Morgen brachte EvanS seine blutbefleckten KleidungS stücke nach Browning'S Wohnung. Die beiden .Männer begaben sich sodann auf die Suche nach einer Vorstecknadel, welche Frl. Schüfer aus der Cravatte deS Browning, als derselbe sie angriff, gezogen hatte. Browning befahl der Crook, die Kleidungsstücke zu verdren nen, allein dieselbe kam dieser Auffor derung nicht nach, sondern verbarg die selben und die Handschuhe in dem Koh lenschuppen. - Die Zeugin sagte ferner auS, daß Ben EvanS, ein Bruder des angeklag ten Frank EvanS,. ihr $250 geboten hätte, wenn sie den Staat verlaffen würde. Sie sagte ferner, daß Brow ning ihr mitgetheilt -hätte, daß EvanS ihm so viel Gel) gegeben hätte, daß er damit eine Farm kaufen könnte.
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