Indiana Tribüne, Volume 28, Number 134, Indianapolis, Marion County, 28 January 1905 — Page 5
Der Brief.
Norelleite von Louise Schulze-Brück. Jula hatte ihren höchsten Staat angethan und versuchte immer wieder, in dem winzigen Spiegel, der in ihrem i Stubchen zwischen den beiden Fenstern hing, eine möglichst genaue Ansicht der ganzen Herrlichkeit zu bekommen. Aber wie sie sich auch wand und drehte, sie sah immer nur ein Stückchen röthlichen Schillertafset mit blauen Tupfen darin, odc? ein Ende Muster des gewirkten Shawls, den sie umgethan hatte, oder die grellrothe Rose auf ihrem Schutenhut. So gab sie's auf und schaute nur bewundernd an sich herunter und strich die Falten des Kleides behutsam glatt. Gott, man mußte schon ein bischen vorsichtig mit all' dem Staat umgehen. Als die selige Frau Thywiffen ihr vor zwanzig Jahren das Kleid schenkte, da war's wohl noch sehr gut, wNn freilich auch nicht mehr ganz neu. Die selige Frau Thywissen hatte es von einer Tante geerbt aber zwanzig Jahre sind doch eine laige Zeit .so eine Seide, die wird zuletzt mürbe von lauter Liegen in der Schublade und der gewirkteShawl, den sie dazumal noch dazu bekommen hatte, der stammte ja wohl noch von der Großmutter von Frau Thywissens Tante! Einerlei. Es war doch ihr höchster Feststaat, der nur an den ganz hoyen Feiertagen angelegt wurde, wenn die Jula zur Kirche ging, und dann heute heute, wo Herr Hubert Thywijjen Namenstag hatte St. Hubertus , und wo die Jula dabei, sein mußte mit ihrer Harfe, und Punkt zehn Uhr sich einstcilen, um den Namenstag anzuspielen, wenn auch nicht mehr anzusingen, wie sie's zuerst vor vierzig Jahren that, und dann oft, in guten und schlechten Zeiten. In Zeiten, da Herr Hubertus Thywissen heirathete und sie am Hochzeitstag mit ihrer Harse vor der üppigen Hochzeitstafel stand und alles flimmerte ihr vor den Augen,- als sie nun singen mußte: Als im Herbste voriges Jahr, Trallerallalla, lalala, Frankfurter Herbstmess' war, Trallerallalla, lalala. Hatte in der Buden Mitte, Amor eine kleine Hütte, Wo der kleine lose'Knab', Herzen zu verkaufen gab." Harfenjula," wie man sie oft.genannt hatte, stand und rechnete. Vierzig Jahre! Du lieber Himmel, das Leben,-das ging und ging, ein Tag und ein Monat und ein Jahr nach dem andern, und man wurde alt alt großer Gott, wie alt wurde man doch. Siebzig war sie ja wohl nun seit dem October, und vierzig Jahre lang ging sie mit der Harfe, seit dem Tag, da ihr Mann' sie verlassen hatte und weggelaufen war mit einer anderen, und hatte nichts hinterlassen zum Leben und Sterben als die Harfe, die einmal ein Musiklehrer vergaß, der auch duVhgebrannt war mit vielen Schulden und mit der schönen, jungen Frau des alten Schneiders Kostewin.d. Von dem hatte die Jula auch ein bischen - Klimpern gelernt auf der Harfe, es machte ihm Spaß, sie ein paar Griffe zu lehren, weil sie eine ganz hübsche Stimme hatte. Freilich, sie, die Jula. war immer so 'ein armseliges, schwächliches .Ding gewesen, das gar nichts anderes gelernt hatte, als das bischen Wirthschaften im Hause, und mehr hatte sie auch nicht nöthig, weil sie von ihrem Vater her ein ganz hübsches Geldchen hatte. Darum hatte ihr Mann sie ja wohl auch genommen, und dann brachte er das Geldchen durch und ließ der Jula nur die Harfe. Und sie war viel zu schwächlich und zu unbeholfen, als daß sie hätte können in Dienst gehen oder sich ihr Brot verdienen auf ngend eine Alt. Da machte sich's so mit der Harfe erst hatte man sie aus Mitleid singen lassen, wenn irgendwo ein Familienfest war , da gewöhnte sie sich so langsam daran, wenn sie sich auch anfangs halb todt geschämt hatte. Nach und nach war's denn in der klei nen Stadt so Mode geworden, daß die Jula bei allen festlichen Aeranlassun qen dabei sein mußte, und die Gas senjungen, die anfangs hinter ihr drein liefen und sie verhöhnten', die ließen sie langst ruhig gehen, und wenn ein Fremder einmal die kleine magere, alte Frau in den vorsundfluthnchen Kleidern und mit dem gro ßen Schutenhut verwundert ansah, wie sie sich mit der Harfe schleppte, da hatte die Jula schon Humor genug, um ihm einen guten Tag zu wünschen. Jula sah sich um in ihrer Stube. Die war ganz behaglich ausstaffirt mit den Möbeln, die damals mitleidige Seelen ihr erhalten hatten, und mit Vielem, was im Laufe der Jahre hinzugekommen war. Auf dem Tisch am Fenstertritt, vor dem bequemen Lederbackenstuhl, standen blühende Blumen neben dem Strickkorb mit dem Gestrick darin. Harfenjula strickte Strümpfe für das halbe Städtchen, das gab immer für alle Tage einen oder zwei Groschen Verdienst. Und in der untersten Kommodenschublade, tief versteckt zwischen ihren Hemden und Strümpfen, da lag das Sparkassenbuch, das ihr Stolz und ihre Freude war, und in dem nun feit . wohl zwanzig Jahren Groschen an Groschen zusammengeschrieben wurde für die alten Tage, wenn die Hände nicht mehr spielen wollten.
Es ging ja mit dem Singen schor' lange nicht mehr. - Stand sie doch, schon lange in dem Alter, da -den meisten Menschen das' Singen gründlich vergangen ist. Besonders mit den hohen Tönen hatte es oft gehapert.
Und wenn Jula 'in ihren schönen, alten Liedern denn aus den neuen m3jt sie sich nicht viel an solche hohe Stelle gekommen war, dann hatte sie sich mit allerhand Trillern geholfen. Aber jefet sang sie schon viele,! viele Jahre nicht mehr. Und heute, heute, mußte sie Herrn Hubert Thywissen wieder das Lied spielen, das sie früher alle Jahre auch gesungen hatte: Ihren Schafer zu erwarten Schlich sich Phyllis in den Garten.." Denn das war sein Lieblingsiied, das hatte die selige Frau Thywissen auch immer gesungen und sich selbst dazu auf der Guitarre begleitete, obgleich damals eigentlich die Guitarre schon ein bischen altmodisch.lvar und die jungen Damen schon alle Klavier spielten. Ja, damals, am ersten Namenstage Herrn Thywissens nach dem Tode seiner Frau, da hatte Jula nicht recht gewußt, ob sie hingehen solle oder nicht. Aber als sie sich noch darüber besann, kam schon der alte Klaas, das Faktotum, und bestellte sie, und als sie in's Zimmer kam, da stand Herr Thywissen stattlich und ausrecht da und nictte ihr zu und gab ihr die Hand und sagte: Jula, nun mußt du das Lied von Phyllis singen, was sie sonst sang. und auch das von Amor auf der Frankfurter Herbstmesse, was du auf unserer Hochzeit gesungen hast..." Und fis hatte ihre Thränen heruntergeschluckt und gesungen, und Herr Thywissen hatte zugehört . und mit starren Augen immer auf das Brautbild seiner Frau gesehen, das da hing in cinnu schweren Goldrahmen, bis diese Augen doch rmsicher wurden und zwei Thränen langsam seine blaßgewordenen Wangen herabrannen. Da hatte es auch Jula in der Kehle gewürgt und sie hatte aufhören müsfen mitten in einer Strophe. Und Herr Thywissen hatte das Glas gehoben gegen das Bild, daß es der Jula ordentlich gruselig wurde und ihm zugetrunken und dann hatte er mit der Jula angestoßen und gesagt: , Jula, da hast sie gut gekannt, du weißt, was .sie war und was ich verloren habe. Aber da nutzt nichts, man muß die Zälhne zusammenbeißen und sich sirammmachen und weiter leben, so gut man kann." Das war nun schon fünfzehn Jahre her. Fünfzehn Jahre daß Harfenjula alljährlich das. LieÄ'von .der Phyllis spielte und vom Amor, und dann mi! .' hin Thywissen anstieß und einen blanken Thaler in die Tasche steckte. Und. wenn man sie gefragt hätte, was sie eher missen wollte an diesem heiligen Hubertustag in Thywissens Haus, den Thaler oder das Anstoßen. sie hätte sich keinen Augenblick bedacht. Em Thaler war a ein schönes Stück Geld, aber das Anstoßen, das fühlte Harfenjula als eine Ehre, die sie stolz machte, und die ihr altes Herz stärker klopfen ließ als der feurige Rothwein, der fo süß war und so schön wärmte. Und immer, wenn sie danach heunging, dann reckte sie ihr kleines, kllmmerliches Persönchen ganz stolz in die Höhe und fühlte, daß heute ein ganz besonderer Tag war. Nun humpelte sie über die Straße. Ihr linker Fuß wollte gär nicht mehr mit, schon seit ein paar Jahren nicht, und die Harfe wurde ihr auch immer schwerer. Aber so lange sie eben noch konnte, wollte sie sie noch selber tragen, - wenn's einmal aar nicht mehr ging sie nickte wehmü thig bor sich hin , dann kam sie m's Altersspital. und da hatte man's ja gut, und das Sparkassenbuch, das half ihr ja zu einem ganz behaglichen Leben . . . Jula wollte nicht gern in den Spittel. Da gab es alle Tage Zank und Streitereien zwischen den alten Frauchen, und sie erzählten sich be ständig von ihren eigenen Gebrechen und von anderer Leute Sünden und Uebelthaten, das war nichts für sie. Sie mochte gern ruhig sitzen mit ihrem Gestrick und über allerhand Schnürnges nachdenken und sich nicht über andere Leute argern. Aber das war nun nicht anders. Damit mußte man sich abfinden, sich schon langsam an den Gedanken geIvöhnen. Sie mußte ja noch dankbar fein, daß es ihr so gut ging daß sie gute Menschen gefunden hatte, die ihr halfen und schließlich , jeder hatte ia auf der Welt sein Packchen zu ttagen, der eine ein großes, der andere ?in vielleicht noch größeres. Da lag das Thywissensche Haus vor 'hr breit am Marktplatz, stattlich und behaglich mit seinen vielen blanken Fenstern und den stolzen, hohen Giebeln. Der, da drin wohnte, der trug auch sein Päckchen. Der konnte seine Frau Nicht vergessen und verschmerzen, der trauerte ia mcht mehr wie im er sten Jahr, er ging stolz und aufrecht ourch'S.Leben, aber froh, so ganz froh - -C !X1 ( r tuax er aucy nicqi ineyr geivoroen tu dem Tag, da er sie begraben hatte. Die zwei hatten auch zu gut und getreu zusammengelebt! Und daß sie keine Kinder hatten, das hatte sie auch noch einander immer naher gebracht und sie mehr miteinander verwachsen lassen. Man konnte es aber auch begreifen,
daß Herr Hubert Thywissen seine Frau so geliebt hatte. Denn Frau Bertina Thywissen war die schönste Frau in der Stadt, wie sie das schönste Mädchen gewesen. Und so schön sie war, so gut war sie auch. Davon wußten alle Bedürftigen ein Wörtchen zu reden, und es hieß von ihr, daß sie gewiß das Hemd vom Leibe schenken würde, wenn ihr Mann sie nicht manchmal daran hinderte. Eigentlich hatte man sich damals ein bischen über die Heirath gewundert. So jung war die Bertina, kaum achtzehn, und Herr Thywissen war doch schon ein Dreißiger, wenn er auch ein stattlicher, bildschöner Mann war. Aber sie war doch noch fo ein a.uecksilberiges Ding, solch' ein Uebermuth und Kindskopf. Und da waren natürlich, die jungen Herren hinter ihr her, wie die Motten nach dem Licht, und sie hätte die Auswahl gchsbt zwischen allen, die in der Stadt eine gute Partie waren. Vor 5ulas Auaen wurde das alles
wieder lebendig. Damals nähte sie im Hause von Bettinas Eltern viel konnte sie ja nicht, aber zum Aushelfen reichte es hin , da ging es schon bergab bei ihnen und sie war froh, wenn sie ein paar Groschen verdienen konnte. Und damals war auch der Musiklehrer, der bei ihnen wohnte. ganz vernarrt rn die Bertina gewesen! Ganz vernarrt! Und einmal hatte er ihr gar einen Brief an sie mitgegeben ach, das war eine schnurrige Geschichte dazumal! Jula stieg die steinernen Stusen der Freitreppe hinan. Immer schüttelte sie ein wahrer Schauer der Ehrfurcht, wenn sie m den-weiten Flur trat, auf dessen Plattenbeleg durch das bunte Glasfenster allerhand farfige Flecken fielen. Die Diene Treppe mit dem altersbraunen Geländer war sie nun schon so oft hinaufgegangen der alte Klaas trug ihr die Harfe immer hinauf. Da kam er auch schon aber er machte ein bekümmertes. Gesicht: Ach Jula, ich weiß Nicht, was das mit unserm Herrn ist! Der sitzt schon den ganzen Morgen, als hatt' einer ihm was Schweres angethan, und so schlecht sieht er aus, ganz verfallen und elend und reden thut er nichts und ist ganz verstört und verzweifelt. Aber du sollst raufkommen, hat er gesagt. . Mit zitternden Knien ging Jula die Treppe hinan. Und als sie in das große, heue Zimmer eintrat, wo Herr Thywissen an dem , alten Klappult saß, da ging ihr der Schreck durch und durch. Vor ein paar Tagen war er ihr noch begegnet auf der Straße da war er ein schöner, stattlicher, alter Herr mit seinem gepflegten weißen Bart, den hellen Augen und, den noch immer glatten Backen. Und jetzt! Da saß'a ein Greis auf dem Ledersessel, der 'aus trüben Augen zu ihr Ansatz und mühsam ein wenig lächelte. Er machte eine Bewegung, wie um ein paar Papiere, die vor ihm lagen, wegzuschieben aber dann ließ er sie doch liegen: ..Ach. die Jula," sagte er.mit.heiserer Stimme. Nur näher, : Jula, wenn ich heut' wohl auch den Amor und die Phyllis nicht hören will." Und Jula kam zu Tode erschrocken naher. ' Wenn er schon von Phyllis und Amor nichts yoren wollte: wie schlimm mußte es dann mit ihm' ste hen. Und mühsam stotterte sie ihre wohgesetzte Gratulation heraus, dann sie wie allemal Herrn Thywissen noch viele Jahre in Gesundheit wünschte.' ' Er schüttelte den Kopf: Ach nein, Jula! Wünsche mir das gar nicht. Alte Leute sollten den iun gen Platz machen! Und wenn man nur um einen Tag zu lange gelebt w " l;ul Zu lang gelebt! Warum denn? In Harfenjulas Kopf verwirrten sich die Gedanken. Etwas ganz Schlimmes ist gewiß da geschehen. Aber was nur?, 'Ihre Augen gingen durch die große Stube, als wollte sie hier er gründen, was passirt sei. Ach Gott, ach Gott da war das Bild der Bertina heruntergenommen und in die Ecke gelehnt, daß man nur die Leinewand und die Leisten sah. Ein brauner Fleck war da, wo es gehangen hatte. Hilflos, verwirrt sah sie Herrn Thywissen an, der unruhig seine Hände bewegte; sie bastelten an dem alten Schreibwerke herum, vielen engbeschriebenen Bogen, und hoben ein Bild auf, das dazwischen lag. Harfenjulas Augen weiteten sich plötzlich. Wie kam das merber: Äas war " za... Der Musiklehrer sagte sie ganz laut vor lauter Ueoerraschunz. Herr Thywissen fuhr zusammen. Was wer?" . Harfenjula zeigte verlegen auf das Bild. Der da." Mit. einer heftigen Bewegung nahm Herr Thywissen das Bild auf: . . Weißt du, wer das ist?" .Sein Athem ging schwer, seine trüben Augen glühten. Es wurde der Jula ganz unheimlich. Sie nickte. Und unsicher sagte sie: Freilich doch weiß ich's! Ich hab ja dasselbe Bild. Das ist doch der Musiklehrer, der damals mit Schneider Kostewinds Frau durchging. Der Windhund und Schurzen knecht! Der in meiner guten 'Stube wohnte und mir dreißig .preußische Thaler schuldig blieb. Ob ich den
kenne! Noä) eben hab' ich dran gedacht, h' ich in's Haus kam, was das für ein verdrehter Kauz war." . Herr Hubert Thywissen schüttelte den Kopf. , Der! Ja, ich weiß, ich erinnere mich! Und um den um den?" Er murmelte es ganz leise, er sah aus wie einer, der nicht aus noch ein weiß. . . Aber Harfenjula war froh, daß sie einen Gesprächsstoff gefunden hatte. Freilich, der! Wenn ich auch nicht dasselbe Bild hätte Gott, er war so hofsährlich wie ein verzogenes Mädchen, er meinte, vor dem Bilde da müßte, jedes Herz schmelzen , das wußt' ich doch viel zu gut ich hab' doch damals dem Fräulein Bertina selber das Bild gebracht , g'rad am Tag war das, ehe Herr Thywissen um sie anhielt g'rad den Tag vorher, ich weiß es noch wie heute , und in der Erwartung davon, da ging sie herum wie in einer Glorie und wie auf Wolken und sang und spielte auf der Guitarre und war so selig wie ein Engel im Himmel." Der alte Mann sah ungläubig, unsicher, gequält auf das alte Weibchen: Du hast ihr's gebracht, Jula
du! Aber wie kam das wie , fo rede doch, Jula." Wie das kam? Weil ich so eine dumme Trutsche war, die sich nichts dabei dachte." sagte Jula. Sie hatte ihr rothes Taschentuch herausgenommen und wischte sich eme Thräne ao, die ihr vorher in's Auge gestiegen war. Immer schon hatte der Kerl mich ausgefragt wegen dem Fräulein Bertina und ich sollte ihm alles von ihr erzählen, was ich wußte. Und immer rannte er durch die Vachgasse an ihrem Hause vorbei und band alle Tage ein anderes Halstuch um und seine Stiefel waren ihm Nie blank genug gewichst und er begoß sich immer mit 'was zum Gutriechen. Aber Fraulem Bertma, die lachte nur. über, ihn, und oft hat sie zu mir gesagt, wenn-er da unten vorbeivigilirte und sie saß oben in der Nähstube bei-mir: Jula," hat sie gesagt, ..so ein Narr und Faselhans, das will nun auch em Mann sem, und so einer meint auch noch, man guckte nach ihm. wenn man an ihm vorbeiguckt"." Der, Mann . im Lehnstuhl athmete schwer und tief auf. Seine Brust hob sich und seine 2lugen hingen, an der Harfenjula eingefallenem Mund, als ob ihm pon daher Seligkeit oder Berdammniß kommen, sollte. Er warf einen Blick auf das umgekehrte Bild an der Wand, in dem sich Hoffen und Fürchten gleich wunderlich mischten. und als Harfenjula einen Augenblick innehielt, da drängte er heftig: Weiter, weiter!" Jula besann sich, und plötzlich fiel ihr etwas auf: Ji, aber wie kommt denn das Bild hierher?" Aber Herr Hubertus Tywissen antwortete nicht, darauf. - Weiter. Jula. erzähle weiter." Ja, und an dem Tage, als ich Morgens zum Nähen gehen wollte, da kam der Musiknarr aus seiner Stube und cjatte einen dicken Brief in der Hand-und machte .' solche Augen, daß man sich ordentlich fürchten konnte, und stellte sich - vor mich hin und sagte: .Gehen Sie heute zu der Schönsten der Schönen?" ' Ja, das saate er. er war immer solch' ein Unsinniger. ltö tch mußte lachen und sagte ja. Da drückte er mir den Brief in die Hand und einen Thaler dazu, denn für solche Flausen hatte er immer Geld, und sagte mir. den Brief' müsse ich ihr geben, wenn niemand anders dabei wäre, und ich dürfe nicht'sagen, von wem er komme, und solle aeheimnißvoll thun, damit sie ihn auch annehme und aufmache. Ich habe Mir Nichts Böses dabei gedacht, wahrhaftig nicht, und wenn ich ihn nicht überbracht hatte, dann hatt s doch ein anderer gethan und sich den Thaler verdient. Und darum nahm ich ihn mit und qab ihn Fräulein Bertina, als sie allein bei mir oben war. Und ich brauchte gar nichts zu lügen, denn an dem Tage war sie so voller Gedanken an das, was morgen Passiren sollte, daß "sie ihn nahm und ohne Weiteres aufmachte, und las. Das Bild da fiel heraus auf den Boden, und Fräulein Bertina las und las, und auf einmal warf sie den Brief auch auf den Boden und lachte und lachte, und hob ihn aus und das Bild auch, und sah es an und tippte sich Mit dem Finger aus die Stirn und lachte immer weiter. Aber dann auf einmal wurde sie ernsthaft und machte spitze Finger, als wollte sie es nicht recht anfassen, und warf es auf den Tisch und fragte mich ganz oose: . . . . . , Jula. was hast du mir da mitgebracht? Wie kommst du dazu und wie kommt der Herr Weiprecht dazu, mir so närrisches Zeug zu schreiben? Ich kenn' ihn ja kaum, und willHn nicht kennen, und noch dazu ietzt, wo ich. . . Sie war still, aber ich wußte doch, was sie meinte, und da fiel mir schwer aus 3 Herz, daß ich eigentlich übles gethan hatte und die Thränen kamen mir, und.ich hab' sie himmelhoch gebe ten, mir das nicht übel zu nehmen und ich wollt ihm . den Bnef wieder mit nehmen und das Bild. Sie hat dann . wieder gelacht und gesagt, das. wär' das Beste. Aber damit kamen draußen Schritte, und weil l wohl Fraulem Bertina " das Zeua
niemand wollte sehen lassen, da...- ' : Harfenjula rieb sich die Stirn. Sie starrte auf das große, alte Pult, daran Herr Hubertus Thywissen saß und machte einen unsicheren Schritt darauf zu. Mit der mageren Hand tippte sie auf eine der Schubladen und sagte zaghaft: Da. da!" ' Herr Thywissen war ganz blaß geworden. Er zog die Schublade auf, und Harfenjulas magere Hand fuhr hin und her und tastete und drückte. Und da ging mit einem Ruck ein Fach auf und man sah in einen kleinen Raum, in ein Geheimfach, wie es all' die alten Möbel haben. Ganz unsicher sah die Harfenjula Herrn Thywissen an. Das Klappult, das stand ja da oben in dem Nähzimmer, Herr Thywissen! Das war ja ausrangirt und wir verwahrten in den Schubfächern allerhand Flick- und Nähkram. Und da in das Fach, da warf ja Fräulein Bertina den Brief und das Bild herein, und sie muß es wohl zu eilig gemacht haben, denn dadrin that es einen Knacks und Krach, als
wenn da was kaput gegangen wäre. Und gewiß Fräulein Bertina, die agte noch na, der ist gut verwahrt" da kam auch schon ihre Mutter herein und rief sie, und sie, war weg. Harfenjula schüttelte den Kops und sah auf einen Fleck. Und dann sah sie Herrn Thywissen an und schüttelte wieder den Kopf. Nee, nee, wie kann das denn gekommen fein? Wo war das denn?" Herr Thywissen zeigte auf das leere Fach. 4 Dadrin, sagte er, -und seme Stimme war ganz leise. Harfemula schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Dadrin? Bis jetzt! Bis' heut? Und 'sie haben's gefunden? Heut? Und da sagte Herr Hubertus Thywissen, wie wen einer aus einem schweren Traum aufwacht, mit emem tiefen Aufseufzer: Jula, ist das so gewesen? Wirklich und wahrhaftig?" Freilich, freilich, betheuerte Harfenjula. Ach, ich weiß es noch wie heute! Und sicherlich hat Fraulem Bertina in all' ihrem Verlobungsglück den Brief und das Bild ganz vergessen und da hat es denn drm gelegen und " err uoen yywien male uno sagte halb für sich: Ich hab' in den alten Erinnerungen gekramt, und da hatte sich ein Brief da in der Schublade hinien festgeklemmt. Ich holte ihn heraus, er gab nicht nach, ich zog stark, da that's einen Krach und das ach war offen." Harfenjula, schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Ach, lieber Gott, es passiren seltsame Sachen. Da liegt nun der Brief, und wenn ich nicht gewunt hatt', wie er daher kommt, da hätten Sie zu Wunders noch denken können, wie Fräulein Verthina dazu gekommen ist. 'mal gut, daß ich Ihnen hab' Bescheid geben können." Herr Hubertus Thywissen zuckte zusammen. Und dann ging er hin und holte das Bild, das da an der Wand gelehnt stand. Er hing's an seinen Nagel und stand lange davor. So lange, daß Harfenjula verlegen auf ihrem Stuhl rutschte. Und er murmelte leise abgerissene Worte, er bat um Verzeihung und sagte dem Bilde von der Qual, die er gelitten, als er habe glauben müssen, daß sie einen anderen vor ihm geliebt, einen, den er nicht gekannt,' von dem er nichts gewußt vierzig Jahre . lang, oer nun plötzlich sein Geheimniß offenbarte aus seinem Versteck, darin es einMenschenalter aufbewahrt gewesen. Harfenjula räusperte sich. Da merkte Herr Hubertus Thywissen, daß er nicht allein war. Und als er sich zu Harfenjula umdrehte, da sah sie ihn erstaunt an. Das war ja fast wieder der gesunde Mann, dessen Au gen wieder klar sahen und der auch em wemg lächelte. Jula," sagte er, nun mußt du doch spielen Ihren Schäser zu erwarten"." Und Harfenjula spielte. In ihrer Kinderseele fühlte sie nur dumpf, daß etwas, was schlimm gewesen war, wieder gut geworden war. Und da rum zitterte ihre Stimme ein bißchen als sie die Worte mitsprach. Herr Hubertus Thywissen hatte die Hand über .die Augen gelegt und faß ganz still da. So itme, daß Harfen jula nicht wagte,' nun. auch, noch das Lied von Amor-zu spielen. Und er verlangte es. auch gar nicht. Aber er schenkte ihr Glas bis zum Rand voll. und stieß mit ihr an. Und Harfenjula knizte selig und sah noch Frau Bertina Thywissen's Bild, und dankte ihr im 'Grund ihres Herzens. Nun hätte sie fortgehen können. Aber Herr Thywissen hielt sie zurück: Das geht, wohl jetzt .schlecht mit dem kranken Fuß, Jula. Sie nickte betrübt. Freilich jün ger wird man nicht. 'Und das Spielen wird auch nicht plasirucher, t al ter der Mensch wird. Aber was will man machen. Em bißchen gespart habe ich mir ja auch . was. das reicht nachher für die Nothdurst tm Spittel. Ach, wenn ich doch nur nicht in den WPMel mußte. . vHerr Tbvwissen nickte. :
Das wäre wohl nicht dein Gusto, Jula." Und da schüttete sie ihr bedrängtes Herz aus. Ach, wenn sie auch nur nicht mal in den Spittel müßte. Nur für sich allein ein Stübchen haben könnte, solange sie noch halbwegs gesund ist. Herr Thywissen hörte zu und nickte manchmal. Und als die Jula plötzlich ganz ver' legen schwieg, da klopfte er ihr tröstend auf die Schulter. Na, tröste dich, Jula. Wie war's . denn, wenn du in mein Gartenhaus zögest in die Oberstube! Die ist gerade wie gemacht für dich. Und der alte' Hammer und seine Frau, mit denen wirst du dich schon vertragen. Und' das bißchen Essen, das kochst du dir' selber, oder holst dir's in meinem Hau se.. Daß du genug zu leben hast, da mach' ich schriftlich. Morgenden Tages!" Harfenjula stand eine Weile lang ganz starr, wie verzaubert. Es war ihr. als habe sich auf einmal der Himmel vor ihr aufgethan mit allen Engeln und Heiligen. Und als sie wieder zu sich kam, da schaute sie durch .die
Thränen, die unaufhörlich herunterne fen, auf das Bild der Frau Bertina Thywissen, das da von der Wand auf sie heruntersah. . . , Und da kam es ihr wohl plouncu daß sie doch wohl der Frau Zrtina dies große, dies allerhöchste Glück verdankte. Und sie faßte ihr Glas, daö noch zur Hälfte gefüllt war, und hob es gegen das Bild auf und hielt es hoch.. Sagen konnte sie nichts, sie konnte dem, was ihr Herz fühlte, keine Worte geben. Aber Herr Thywissen wußte, was sie wollte. Und auch er hob sein . Glas. ,. Ist's so recht. Bertina?" murmelte er. Hab' ich damit etwas gut gemacht?" Dann war Harfemula aus der Straße. Sie ging wie auf Wolken. Aber als sie zu Hause in ihrem Stübchen war, da kramte sie lange m ihrer Kommode unter ihren Raritäten. Und sie fand, was sie suchte. Das Bild des Musikmachers, der ihr die dreißig Thaler schuldig geblieben war. Sie Nickte ihm zu: Ich glaub', du hättest heut' beinah noch arges Unheil angestiftet. . . Aber es hat sich zum Guten gedreht. Und darum sollen auch die dreißig Thaler ausgestrichen sem, und ich will beten für deine ewige Seelenruh'." o 0 o sy yw vu vvx wo o o preise geliefert von . A. B. MEYER & C0. Pennsylvania Anthracits $7.60 Pocahontas Lump : . . . . 5.50 Smokeleß Lump 5.50 Ohio Cannel Lump 5.50 Ohio Cannel Egg 5.50 Kanatoha Lump 4.50 Pittsburg Lump . . .. 4.50 Brazil Block 4.25 tzocking Valley 4.23 Straight Creek Lump 4.50 Straight Creek Egg. .. 4.25 Sreene County, No. 4, Nein Lump .... 3.50 Greene County, No..4, Vein Egg 3.50 Jackson Ohio Lump .". 6.00 Oven Coke Egg 5.50 Gas House Lump Coke 5.50 GaS House Crushed Coke 6.00 kxtra.Verechnuvg too solche getragen werde nöffen. . Freral to 5!o. 1 W. Washiugton Otr (Merchant8 National Bank) Ein europäisches Depattnent. echsel, Creditbriefe und Postanweisungen auf alle Städte Europas. Schisssscheine An- und verkauf auslündischen Geldes. s K,?-!,' : v I 43 Stund tonka CcsirO 5 sfiu au orn uns urganra fennfi rrmYaf?lti ftafacnab ulrnt Undeauemlickknten. ßrtll ITfl f 1.00, bei alle Drnggifltt d v. O. Ifrl 8061. Kro York. -
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