Indiana Tribüne, Volume 28, Number 133, Indianapolis, Marion County, 27 January 1905 — Page 7

Jndiana Tribüne, 27. Januar IO03

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Hinter Verschlossenen 5 firiinriit ö A. j l H J j Iioman von Paul d'AZgremont i 5 Ö iirtt? ßoitfcfeung.) Als Lemarchand alles vernommen hatte, sprach er zunächst denselben Gedanken aus, den vor ihm bereits Jeantel und Servian geäußert hatten. Jch treiß, lieber Abbe, daß Sie seit langen Jahren nicht nur als geistlicher Verather, sondern auch als Freund in diesem Hause verkehrt haben; schon bei Leözeiten der alten Marquise. Nicht wahr?Gewiß, Herr Lemarchand." Jener Naum dort ist auch das Schlafzimmer der Marquise gewesen. Hat sie zu Ihnen niemals von einem gebeimen Ausoange gesprochen?" ' Niemals versicherte der Abbe. Ich bin auch überzeugt, daß sie nicht in einem Gemach geschlafen haben würde. das einen solchen enthalten hätte." Und Sie. Herr Bissus, haben auch Sie, der vertraute Freund meines Schwiegersohnes, keine Kenntniß davon?" Jfltm, Herr Lemarchand," versicherte der Sekretär. Und ich bin fest überzeugt, daß der Marqis es mir erzählt haben würde, wenn es irgend ein derartiges Geheimniß hier im Schlosse gäbe." - Und doch wird mich Niemand glauben machen, der Mörder habe durch diese dicken Mauern in das Schlafzimmer meine? Tochter dringen können, ohne Spuren zu hinterlassen," rief der alte Herr aus. Ja,'es ist um' den Verstand zu verlieren." meinte Doktor Bordier. Wie verzweifelt erhob Lemarchand feine Arme zum Himmel. "Wofür "habe ich nun mein ganzes Leben geschafft und gearbeitet! Meine Tochter, meine einzige Freude, wird in ihrem Bette ermordet, und alle meine Millionen haben ihr nicht eir.mal einen sicheren Schutz zu schaffen vermocht. O, daß ich neben der armen Todten dort läge wozu soll ich alter Mann mich noch weiter durch's Dasein schleppen?" Tief ergriffen von der schmerzlichen Bitterkeit dieser Worte trat Andre dicht an ihn heran und sagte mit einer Stimme, die so sanft klang wie die seiner Schwester: Lieber Herr Lemarchand, denken Sie auch an die Lebenden, die Ihrer so sehr bedürfen. Was soll aus meinem Vetter Horace werden, der zwischen Leben und Tod schwebt, und aus Ihrer Enkelin Neine-Marie, wenn Sie sich von Ihrer Verzweiflung übermannen lassen? Die beiden haben jetzt nur noch Sie allein!" Ach ja. die arme Reine!" sagte Bissus. Sie leidet schrecklich, hat sich aber bis jetzt bewunderungswürdig gehalten. Seitdem sie ihren Vater in Gefahr weiß, will sie ihn nicht mehr verlassen. Wir haben sie nicht dazu bringen können, zu ruhen und etwas zu sich zu nehmen, und doch thäte es ihr so dringend noth. Sie vermögen so viel über sie. Herr Lemarchand,' wollen Sie es nicht einmal versuchen?" Der alte Herr empfand die zärtlicki?5 Liebe für seine Enkelin, und die Anregung des Sekretärs blieb daher nicht wirkungslos. Er nahm Andres Arm und ließ sich von ihm weiterführen. Und dann ging eine Thür auf; zwei Arme schlangen sich um seinen Hals, und eine süße, aber von Thränen fast .erstickte Stimme sagte: O Großvater, geliebter Großvater, wie unglücklich bin ich!" Er küßte Neine zärtlich und versuchte, ihr tröstend zuzusprechen. Und der Vater ist so krank o rette ihn doch, Großvater! Die Leui sagen ja. Du kannst alles was Du willst." flehte sie. . Habe nur Muth, mein Lieblina " sagte Lemarchand, indem er die Enkelin innig an seine Brust drückte. Der Vater wird ganz gewiß nicht sterben. Erst jetzt aewahrte Reine ihren Ju aendaeiabrten Andre, und für einen Augenblick kehrte eine leichte Röthe aus ,hre blasen Wangen zurück. Zuerst machte üe eine Beweauna. als ob sie auch ihm hatte um den Hals fallen wollen, dann aber sagte ste blos: Wie aut ist es von Dir. Andre, daß Du mitgekommen bist." Hierauf nahm sie ihren Großvater bei der Hand, um ihn in das anstoßende Schlafzimmer ihres suair .zu fübren:- bevor sie inoesten b Schwelle überschritt, drehte sie sich noch einmal um mit den Worten : Tritt ebenfalls näher. Andre. Der Vater hat auch Dick so lieb!" Neben dnn Bette des Marquis, der ' nocö immer das Bewußtsein nicht wie der erlanat katte und mit geschlossenen Auaen. blak wie ein Todter, dalag, san Violette. Üefes Leid in den ausdrucksvollen Zügen. Als sie mit wanienoen Schritten auf. Lemarchand zuging. schloß dieser sie ebenfalls erschüttert in die Arme und drückte einen väterlichen ctuft auf ihr Goldhaar. Als er dann leise nach Soraces Befinden fragte.entgegnete sie kummervoll: Doktor Bordier ist noch immer in schwerer Sorge um ihn. Aber wir sind '. ' . r r v i f ' 's. A. 1 C: . ia icnon io surcyloar uan wuuuw, daß uns hoffentlich dieser neue Schlag erspart bleiben wird." Dann erst wendete sie sich zu ihrem Bruder, der sie ' schweiaend umarme und küßte, da er keine Worte fand, um seinen Empfindungen Ausvrua geven

zu können. " Auf einmal war es' ihm, als zwänae ihn eine unwiderstehliche

zewall, lenmaris zu jcqcn. vscin na , , r i. ! r . f rnflji raf auf Reme-Mane, die ihre großen vom Weinen gerötheten Augen mit einem seltsam forschenden Ausdruck auf Violette und ihn gerichtet hielt. Da saate er zu seiner Schwester: Du mußt Reine jetzt noch mehr lieben als vorher. Violette. Der Vater wird ihr ja hoffentlich unter Deiner sorgsamen Pflege erhalten bleiben; aber trotzdem ist sie bei dieler schrecklichen Katastrophe am meisten ?u beklagen." Dabei hatte er Vic leite losgelassen und war zu dem jungen Madchen getreten, dessen unzerrennllcher Spielgefährte er früher geWesen war. Und jetzt fiel Reine auch ihm um den Hals und schluchzte so bitterlich, daß Lemarchand angstlich zu Andre sagte: Fuhre sie hinaus und suche sie zu oeruhigen. Dir wird es noch am ersten gelingen." Ohne sich lange zu besinnen, nahm Andre die leichte, schlanke Gestalt in seine Arme und trug sie in ihr Zimmer, wo er sie behutsam auf einen Diwan egte. Dort traf sie Jeanrne, auch Le marchand war ihnen gefolgt. Sie wollten nun gehen, aber Reme ließ Andre nicht los. Der -junge Mann setzte sich neben sie und hielt sie mit dem lin sen Arm umfaßt. Als dann Lemarchand sich über sie beugte, ergriff sie gleichzeitig seine und Andres Rechte und rief klagend: Meine Mama hat man getodtet ... Ich habe kein Tanlchen mehr . . . Der Vater ist auf den Tod erkrankt ... O Du mein Gott, das ist zu viel!" Andre stutzte. Was wollte ne oamn sagen, daß sie kein Tantchen mehr habe? Doch er hatte keine Zeit, darüber nach zudenken, denn sie weinte jetzt wieder so heftig, daß ihr ganzer Korper davon erschüttert wurde. Tröstend redete er auf sie ein, streichelte ihr Haar und küßte ihre Hände. Allmälig wurde sie auch in der That ruhiger, ihre Augen schlössen sich, aber von Zelt zu Zeit suhr sie plötzlich wieder auf und blickte entsetzt um sich. Dann beschwichtigte Andre sie von Neuem, bis sie zuletzt, an seme Brust gelehnt, entschlummerte. , Mit Befriedigung sah das ihr Großvater. Leise setzte er sich in einen am Tische stehenden Lehnsessel und schob den Schirm vor die Lampe, so daß ihr Licht gedämpft wurde. Er fühlte sich todmüde, und seine Augenlider sielen schwer herab. Mehrmals kämpfte er teqen den Schlummer an. aber zuletzt gewann dieser doch die Oberhand, und er schlief ein. Als am Morgen das erste Geräusch im Schlosse sich vernehmen ließ, wurde Jacques Lemarchand wach. Sein Blick fiel auf eine rührende Gruppe. Andre hatte sich in semer Stelle nicht zu ruhren qewaat und war endlich gleichfalls eingeschlafen. Sem linker Arm hielt Relne-Marie noch immer umschlungen, die an seiner Brust ruhte. Ihr blasses, blondes Köpfchen und das braunliche Gesicht des jungen Mannes, auf dessen Oberlippe der Bart erst zu keimen begann, bildeten einen anziehenden Gegensatz. Ohne sich zu rühren, betrachtete Le marchand die beiden lange. Mein Gott," murmelte er endlich, laß dies Hoffnung stch erfüllen! Das allein wurde mir Trost verleihen können. 5. K a p i t e l. rühzeitig erschienen Jeantel und Servmn wieder im Schloß, das sie erst gegen Abend verlassen hatten. Sie hatten mzwischen nach Paris telegraphirt, und es war ihnen seitens der dortigen Polizeipräfektur die sofortige Absendung . r n rw i r ? :i l eines ver criaurenstenAgenlen zugeilmeri worden. Außerdem hatten sie sich an den Architekten des Departements m Amiens gewendet und ihn gebeten, sich unverweilt auf Saint-Luc einzusinken. Herr Pracbes war ein äußerst tüchtiger Fachmann, und man durfte darauf rechnen, durch ihn zu erfahren, ob das alterthümliche Gebäude irgend einen geHeimen Zugang barg, der es dem Mörder ermöglicht hätte, unbemerkt in das Gemach der Marquise zu dringen. Lemarchand war damit vollständig emverstanden, und als der Architekt ge gen Mittag eintraf, ging man sofor an's Werk. Bissus holte den genauen Plan des Schlosses hervor, der in der Bibliothek aufbewahrt wurde, und un ter Beihilfe des Sekretärs verglich Praches nun an Ort und Stelle alle Emzel heiten damit und untersuchte das Mauerwerk von innen und außen. Auch der von Paris angekündigte Kriminal beamte traf ein und begann sofort seine Nachforschungen. Der Zustand des Marquis war noch immer derselbe; er schien Niemand zu erkennen und nichts von dem wahrzu nehmen, was um ihn herum vorging Doktor Bordier erklärte, daß äußerste Schonung und Ruhe geboten sei StuMm saßen Rei -Marie und Violette am Laacr des Kranken. Da nahm er plötzlich ihre Hände und legte sie zusammen. Seme bis dahin geschlossenen Augen opneten sich etwas und ganz leise kam es über seine bleichen Lippen: So immer so!" Dann schien ihn die Schwäche wieder zu überwältigen, der Vl'ck wurde ausdruckslos, und der Mund blieb halb geöffnet. Reine-Marie stieß einen leisen Schre aus. Er stirbt!" rief sie Violette zu Und fein letzter Wunsch war. ich sollte Dich nicht verlassen!" Und zu ihrem Vater gewendet, fugte sie. wie' auße sich, hinzu: Du weißt , freilich nich alles, Äaler. aver va u es imui werde ich Dir trotzdem gehorchen!" Violette achtete nicht auf diese Worte

Besorgt hatte sie sich zu dem Kranken niedergebeugt, fühlte seinen' Puls und p e t c . rr tt ! l

ueg ihn eine veleoenoe enz emaiumen. Dabei flüsterte sie zu ihm: Du weißt ja, daß ich Deine Tochter nebe, als wäre sie mein eigenes Kind. Was habe ich nicht ihretwegen bis heute schon alles erlitten!" Noch einmal schlug der Kranke die Augen auf. Sie richteten sich auf Reine und Violette mit dem Ausdruck gleicher Zärtlichkeit und Dankbarkeit. Ruhig lag der Marquis da, seine Züge hatten etwas Friedliches angenommen und sa- . , r v . n . rt . ; - yen Nicyl meyr 10 ieicyenyasl aus mit bisher seit der Katastrophe. Reine kam um ein Lager herum aus Violette zu. Nie sollst Du wieder durch mich leiden. Violette, sagte ste. Ich habe es memem Vater zugeschworen, für den Du Dich jetzt aufopferst, wie Du es so oft für mich gethan. Niemals will ich Dir Schmerz zufügen und müßte ich darüber sterben!" Sie sagte das in einer so unbeschreiblichen Aufregung, daß Violette darüber erschrak. Beruhigend schloß sie ste m ihre Arme, indem sie erwiderte: Du hast mir. niemals wissentlich Schmerz bereitet. Reine, und wirst das auch nie thun, davon bin ich fest überzeugt. Beruhige Dich nur, mein Liebling, und sage Dir, daß wenn das Leben Schmerzen kur uns bringt, das Bewußtsein treu erfüllter Pflicht sie am ersten zu lindern vermag." Diese Worte, wurden mit einer so schlichten Würde und in so gütigem Tone gesprochen, daß Reine-Marie in tiefer Beweauna den Störn senkte. An antworten vermochte sie nicht. Aber diest Stunden qualvollsten Leides ließen sie, die vorher noch em halbes Kmd gewesen war, zum Weibe an Denken und Empfinden heranreifen. Andre kam häufig, um nach dem Kranken zu sehen. Er freute sich, daß wenigstens Violette nicht mehr so niedergeschlagen war, sondern, allmälig ihre frühere Umsicht und Energie wieder gewann. In der That hatte sie neuen Muth geschöpft, seitdem der Marquis ihre und Reines Hände zusammengefügt hatte. Von diesem Augenblick an stand es der ihr fest, daß Horace genesen müsse. Lemarchand zeigte sich nur selten. Er wich den Gerichtspersonen und dem Architekten nicht von dr Seite und be theiligte sich auf das eifrigste an der Untersuchung. Besonders lebhaft interessirte ihn die Thätigkeit des Baumeisters. Mit ihm untersuchte, verglich und maß er die Mauern, nicht die aeringste Kleinigkeit unbeachtet und unerforscht lassend. Besonders genau wurde in erster Linie der ostliche Thurm von oben bis unten untersucht, aber am Schluß mußte Praches erklären, jede Möglichkeit sei ausgeschlossen, daß es in ihm einen geheimen Gang gäbe. Die nur bis zum ersten Stock gehende Wendeltreppe nahm ihn vollständig ein; überall waren die Mauern kompakt und solide: hier konnte kem Geheimniß ver borgen sein. ' Ohne Zweifel befindet sich also der Gang in einem anderen Theil deZ Schlosses," sagte Lemarchand. Die Al ten hatten ja die seltsamsten Einsalle in dieser Beziehung. Aber wo?" Wenn das Schloß ihm gehört hätte, so würde er vielleicht den Entschluß gesaßt haben, es gänzlich niederreißen zu lauen, um endlich Klarheit zu gewm nen, so peinigend war ihm dies vergebllche Forschen und Suchen. Und dabei war Praches anerkanntermaßen eine Autorität in seinem Fache. Er. hatte eine ganze Reihe von nordfranz'ösischen Adelsfchlössern restaurirt und umgebaut, so daß man auf fein Urtheil sich wohl verlassen konnte. Der Architekt versprach dem alten Herrn, daß er sämmtliche übrige Theile von Saint-Luc in gleicher Weife der genauesten Prüfung unterziehen werde; er verschrieb auch sofort mehrere tüchtige und gewandte Arbeiter, die an einzelnen Stellen die Wände und Mauern aufbrechen sollten, doch so, daß man, falls kein Resultat erzielt wurde, die Spuren davon wieder beseitigen konnte. Aber nicht minder räthselhaft wie dieAusführung des Verbrechens warHerrn Lemarchand auch immer noch dessen Be? weqgrund, da ja doch em Raubmord nachweislich nicht stattgefunden hatte. Selbst wenn man einen Selbstmord annahm, der bei der Art, wie der tödtliche Stoß geführt worden, gewiß sehr schwer zu bewirken gewesen wäre, aber doch immerhin Nicht als unmöglich bezeichnet werden konnte, selbst dann fehlte nach den bisherigen Feststellungen auch für einen solchen jedes Motiv. Und doch mußte aller Wahrscheinlichkeit nach diese Erklärung in irgend einer Entschließung oder Hcmdlung seiner Tochter zu finden sein. Wenn irgend' Jemand ihm vielleicht in dieser Beziehung einen Fingerzeig geben konnte, so war das Fräulein v. Lacroix, und zugleich war er der festen Ueberzeugung, daß er nur. die reinste Wahrheit von ihren Lippen vernehmen werde. Lemarchand ließ' sie also zu sich bitten und besprach nun mit ihr auf das eingehendste alle Vorgange vom ersten November. Violette hatte ihm Zierlich versprechen müssen, ihm mcht das geringste zu verheimlichen, und so berichtete sie ihm denn auch wahrheitsgetreu ' die harte und unbillige Weise, in der . sie von Laure bei der Helmkehr aus der Kirche empfangen worden war. Es kam mir vor," bemerkte sie, als ob die Marquise die reizbarer und schlechter aufgelegt gewesen wäre, als am Vormittag.Sagen Sie mir ganz offen und rückhaltlos, liebes Kind: ist es dann zu emer heftigen Ausemandersetzung,zwl scöen Euch beiden kommen?"

Ganz 'und garnicht, Herr Lemar-

chand. Reine-Marie war ja zugegen Die Marquise gab mir kurz und unfreundlich den Befehl, nach der Tafel zu sehen, da einige Gaste erwartet würden, und .dann ging ich, wobei mich Reine begleitete." Was für Gäste waren das?" Doktor Bordier, der Abbe und der Graf v. Plessis." Gratien?" fragte Lemarchand, im höchsten Grade erstaunt und betroffen. Gratien war hier?" Allerdings. Er kam um fünf Uhr und reiste mit dem Abendschnellzua wieder fort." Davon wußte ich bisher kein Sterbenswort. Nun, und wie war er mit Laure?" Violette wurde verlegen. Wie gewohnlich," versetzte sie ausweichend. Nein, nein," erwiderte der alte Herr beinahe heftig, ich will die ganze und reme Wahrheit wissen. Was hat es zwischen ihnen gegeben?"' Ich weiß es nicht, Herr Lemarchand, und kann es Ihnen beim besten Willen nicht sagen. Ich habe Gratien erst bei Tische zu scen bekommen. Da saß er neben Ihrer Tochter, aber mein.Plaiz war zu weit entfernt, als daß ich von ihrem Gespräch irgend etwas hätte verstehen können." In der weiteren Erzählung Violettes fiel Lemarchand besonders die unfreundliche Abweisung auf. die Laure ihrem Gemahl hatte zu Theil werden lassen, als er ihr gute Nacht sagen wollte. Hatten sie tagsüber Streit miteinander gehabt?" forschte er. Ganz bestimmt nicht, es herrschte im Gegentheil noch bei Tische das allerbeste Einvernehmen zwischen ihnen. Horace war sehr glücklich darüber, daß die Marquise ihm versprach, noch vor der Uebersiedel'- -g nach Paris einen Ausflug nach l:r Gascogne mit ihm zu machen." Der Millionär dachte nach. Alles. was Violette ihm berichtet hatte, trua den unverkennbaren Stempel der Wahrheit. Aber tenn Laure, deren eifersuchtige Gemüthsart ihr Vater genau kannte, keinen Zank mit Violette, keinen Streit mit ihrem Manne gehabt hatte. dann mußte die Idee deS Selbstmordes unbedingt fallen gelassen werden. Es blieb also nur übrig, anzunehmen, daß ein Verbrechen geschehen sei. Immer wieder richteten sich seine Gedanken auf Gratien. der hier gewesen war. ohne ihm ein Wort davon zu sagen. Weshalb war er hierhergekommen, da er schon nach wenigen Stunden wieder zurückfuhr? Offenbar hatte er Laures Einwilligung zu erhalten gewünscht, um endlich die von ihm so heiß ersehnte Stellung als Lemarchands Vevollmächtigter und Stellvertreter zugestanden zu bekommen. Der alte-Herr glaubte sich darin nicht zu täuschen. Gratien war schlau, berechnend, ehrgeizig und in seiner Sucht nach Luxus und Wohlleben zu allem fäig. Lemarchand empfand das Bedürfniß, allein zu se'n. um über das Aernommene nachzudenken und die neuen Ideen zu ordnen, die sein Hirn durchkreuzte?'. Er bedankte sich herzlich bei Violette, indem er hinzufügte, daß sie und .Andre unbedingt auf ihn zählen dürften. Und nun gehen Sie. mein liebes Kind, und sorgen Sie weiter für Reine und ihren Vater. Sie sind ja beider Schutzengel." Dann überlegte er. Bemerkenswerth war vor all?m jenes Zögern Violettes gewesen, als die Rede auf Gratien kam. Sie mochte ihn nicht leiden, das war augenscheinlich, und wie hätte auch zwischen zwei s? grundverschiedenen Wesen Sympathie bestehen können? Aber Gratien war der Bruder des Marquis das konnte für Violettes zartes Empfinden genügen, um ihr in Bezug auf Horaces jüngeren Bruder eine gewisse Zurückhaltung aufzuerlegen. Plötzlich fiel ihm ein, daß er nicht gefragt habe, wer bei Tische auf der anderen Seite neben Laure gesessen. Schon wollte er Fräulein v. Lacroix noch einmal zurückrufen lassen, als er sich nach einigem Nachdenken sagte, daß es offenbar der Abbe Perrin gewesen sein werde. Er schellte und geöot dem eintretenden Diener, den Pfarrer zu ihm zu bitten, wenn er etwa im Schlosse sein sollte, andernfalls aber einen Wagen nach Ailly zu schicken, um ihn zu holen. Außerdem soll Pauline gleich einmal zu mir kommen; ich habe mit ihr zu reden." Als die Kammerfrau der Marquise erschien, fragte er sie. einem plötzlichen Gedanken nachgebend: -Wann pflegte meine Tochter die für sie angekommenen Postsachen durchzusehen?" Das that sie regelmäßig, während ich sie des Morgens frisirte." War das auch am Morgen des 1. November der Fall?" Jawohl, das ist mir in der Erinnerung geblieben, weil die gnädige Frau einen Brief von ihrer Modistin erhielt, der ihr besondere Freude machte. Es betraf einen bestellten neuen Hut, über den sie mit mir sprach." - Sonst äußerte sie nichts über die an jenem Morgen Angetroffenen Briefe?" Ein paar davon schienen Einladungen zu' enthalten und wurden gleichgiltig beiseite gelegt. Ein Schreiben aber hatte sie offenbar geärgert; sie ballte es in der Hand zusammen, als sie es gelesen hatte." (Fortsetzung folgt.) Ans der HcgcwnNn. S e p p (zum ' Hans, der nichts trifft): Scham Di. stellst Di ja heunt so dumm, wie a g'studirter Herr!"' -

Nusstfch-jüdische Dcscrtcurt. Ursache der Fahnenflucht von gestellungs Pflichtige Jsraellten. Aus zionistischen Kreisen schreibt man: Es ist in der letzten Zeit des Oefteren auf die unverhältnißmäßig große Zahl von russischen Juden hingewiesen worden, die sich bei der Mobilmachung im Reiche des Zaren nicht zum Dienst stellen. Obwohl diese Thatsache durch die entsetzliche Behand. lung der Juden in Rußland und durch die Ereignisse von Kischinew und Gomel hinreichend .erklärt wäre, erscheint sie doch bei gründlicher Prüfung in einem ganz andern Licht. Seit 25 Jahren vollzieht sich unter dem Druck der sogenannten Maigesetze, die das Wahlrecht und die Erwerbsfreiheit der Inden in geradezu vernichtender Weise einschränken, eine stetig wachsende AusWanderung von jüdisch:n Handwerkern und Proletariern aus Rußland, die in den letzten fünf Jahren zwischen 50.00J und 60.C00 Personen jährlich betrug. Unter diesen Auswanderern befinden sich naturgemäß außerordentlich viele Personen im besten Mannesaltcr. Es ist also mit Sicherheit anzunehmen, daß ein sehr großer Theil der jüdischen .Gestellungspflichtigen schon lange- vor Ausbruch des Krieges im Laufe der letzten Jahrzehnte ausgewandert ist. Hierzu kommt, daß die Mobilmachung zum größten Theil gerade die Militärbezirke betroffen hat, welche die stärkste jüdische Bevölkerung haben, nämlich Grodno, Wilna, Kischinew. Kiew und andere, wo die jüdische Bevölkerung auf dem Lande bis 20 Prozent und in den Städten bis 80 Prozent der Gesammtbevölkerung ausmacht. Der verhältnißmäßig große Ausfall der jüdischen Gestellungspflichtigen erklärt sich so auf die natürlichste Weise. Hinzu kommt allerdings die Abneigung gegen den Kriegsdienst aus religiösen Gründen, da die in der großen Mehrzahl streng an den Speisegesetzen hangenden Juden Rußlands trotz ihrer großen Zahl in einzelnen Regimentern keine ihrer religiösen Vorschriften entsprechende Kost erhalten. In letzter Linie gehört auch viel Opferfähigkeit dazu, sich für ein Land todtschießen zu lassen, wo man nicht einmal wohnen darf; denn noch kurz vor Ausbruch des Krieges war es

den Juden verboten, worden, sich in der Mandschurei niederzulassen. Selbst die verwundeten Soldaten werden, falls Rußland aus dem Kriege als Sieger hervorgehen und die Mandschurei behalten sollte, dorten kein Wohnrecht erlangen. Nach zuverlässigen Schätzungen betrug die Zahl der Juden, welche bis vor Kurzem der russischen Armee in Ostasien eingereiht waren, über 40,000 oder etwa 10 Prozent der Gesammtstärke des Heeres. Die Zahl der zum Kriegsdienste eingezogenen jüdischen Aerzte überschritt sogar 50 Prozent der Gesammtzahl der Aeskulapjünger. Die Blutsteuer, welche die Juden für Rußland entrichten, dürfte demnach für die Wohlthaten, die sie in ihrem Vaterland" durch die Gesetzgebung genießen, vollkommen genügen. Die gestellungsPflichtigen Polen sind übrigens anscheinend derselben Auffassung, vielleicht mit geringerm Recht, aber sie desertiren gleichfalls, wenn sie über die Grenze kommen können. Wer will den ersten Stein auf sie werfen? ' Verhciratbeter" Beruf. Ein medizinisches englisches Fachblatt weist darauf hin, daß der ärztliche Beruf in Großbritannien, wenn er auf sicherer wirthschaftlicher Grundlage ruhen soll, sozusagen ein verheiratheter" Beruf sein müsse. Der junge Arzt, so führt das Blatt aus. merkt sehr bald, nachdem er in's rauhe Leben hinausgetreten, daß es nicht gut ist, wenn der Mensch allein ist. Diese Empfindung verstärkt sich in besonderem Maße, wenn der Anfänger sich der Haus- und Familien-Prazis zu widmen gedenkt. Dann muß er aus geschäftlichen Rücksichten heirathen, um sich des Vertrauens der Mütter und Töchter, sowie der Hausherren selbst würdig zu zeigen. Der verheirathete Stand eines Arztes sei heutzutage etwas so Selbstverständliches, daß es fast unmöglich ist, sich vorzustellen, es habe einst eine Zeit gegeben, in der der ärztliche Beruf ein zwangsweise unberheiratheter" war. Das British Medical Journal" erwähnt, daß r Frankreich, lange nachdem die ärztliche und chirurgische Thätigkeit der ursprünglich diese. Berufe ausübenden Klostermönche aufgehört hatte, das Gelöbniß des Zölibats allen Medizinern abverlangt wurde. Während zweier Jahrhunderte protestirten die Aerzte vergeblich gegen diese unsinnige Einführung; da alle Petitionen' und Vorsiellungen bei den akaiemlschen Behörden und bei den Königen nichts fruchteten, so wendeten sich die heirathslnstigen Mediziner schließlich an den Papst, der endlich das seltsame, Zölibat aufhob. Baumwolle verbrannt. Die Farmer und Kaufleute von Elay County, Ga., versammelten sich kürzlich in Fort Games und beschlossen, ihren Ueberschuß von 2.000.Y00 Ballen Baumwolle zu verbrennen. Auf den Straßen des Städtchens wurde aus vielen Ballen Baumwolle ein großes Feuer angezündet. Eine große Gesellschaft durchzog die Straßen. Zweck der sonderbaren Handlungsweise war, daß die Farmer zeigen wollten daß sie bereit sind, im Interesse der Massen etliche Ballen Baumwolle zu opfern.

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