Indiana Tribüne, Volume 28, Number 133, Indianapolis, Marion County, 27 January 1905 — Page 3

Jndiank Tribüne, 27. Januar 1905

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ekrctiir Hay

Schlägt vor, die russischen rcnz der Machte

Anklagen gegen Bnndesrichter Lacombe. - In Florida erfrieren Zitronen und Apfelsinen. Schiffsunfälle. Vaderland" nach der Qnarantäne geschickt. Bahnnnfall zn Toylestown, Pa.

Vorschlag Hay'S. Washington, 26. Jan. AuS der Korrespondenz zwischen dem Staats . Departement, der russischen Botschaft und der chinesischen Gesandt, fchast bezüglich der russischen Behaup. tung, daß China die Neutralität derletzt habe, ist der Vorschlag Hay'S, daß die russische Beschwerde einer Konferenz der Mächte vorgelegt werden solle, ein Vorschlag, auf den bis jetzt keine Ant wort erfolgt ist. Sekretär Hay theilte dem russisch? Botschafter mit. er habe China dringend gerathen, strengfle Neutralität zu wah. ren. China behaupte die- gethan zu haben. Graf Cassini erwiderte solch eine Behauptung sei zu erwarten gewesen, aber die Wegnahme des russischen Kriegsschiffes Ryeshitchvi" au5 dem chinesischen Hafen Tschifu durch japa. Nische Kriegsschiffe zeigt der Welt wie Japan die Neutralität China'S beobachte und die Unfähigkeit deS letzteren sie zu wahren. Die Ver. Staaten und Europa hätten es für gut befunden bei diesem flagranten Bruch der Neutralitüt die Augen zu schließen. Ermuthigt durch dieses Vorfahren hätten China und Japan weitere Verletzungen der Neutralität begangen. Man könne von Nußland nicht verlangen, daß es China'S Neutralität beobachte während Japan e nicht thue. In einer Mittheilung vom 23. Jan. 1905 macht dann Harz den Vorschlag die Beschwerden einer Konferenz der Mächte vorzulegen. Sekretär Hay'S Note. Washington. 26. Januar. Der Wortlaut von Sekretär Hay'S Circularnote an die Mächte vom 13. Janüar ist wie folgt: ES ist zu unserer Kenntniß gelangt, daß bei einigen Mächten die Befürch tung bc steht, bei eventuellen FriedensVerhandlungen zwischen Rußland und Japan könnten neutrale Mächte An sprüche auf chinesisches Gebiet machen. Der Präsident theilt diese Ver. muthung nicht, fondern glaubt, daß die Einführung von nichtdetheiligten Jn terefsen die Beilegung deS Streites im fernen Osten ernstlich verwickeln und verzögern würde und so die Etablirung deS so wünschenswerthen Friedens wei ter in die Ferne wirken würde. Für ihren Theil haben die Ver. Staaten wiederholt ihre Stellung ge. nau bekannt gegeben und sind durch die herzliche Aufnahme erfreut worden, die ihren Bemühungen wurde die all gemeine Politik der Aufrechterhaltung der Integrität CH'ma'S und der offenen Thüre kräftig fortzusetzen, wodurch allen Nationen kaufmännische Chancen und Zuiritt gewährt werden. In die ser Ueberzeugung lehnen die Ver. Staaten jeden Gedanken an reservirte Territorialrechte oder an Kontrolle des chinesischen Reiches ab und es wird hier angebracht gehalten dies offen bekannt zu machen um alle Befürchtungen, soweit es die Politik dieser Nation angeht, aus dem Wege zu schaffen, die einen beträchtlichen Antheil an dem Pacrnchandel Cbina'S hat und wichtige Gebiete im westlichen Pacisicmecre fast am Thore China'S besitzt." Gasexplosion. Cincinnati. O., 26. Jan. Von New Bremen, O.. wird gemeldet, daß in dem Drecker-GekSude eine Ex plofion von GaS erfolgte, daS aus einem- fehlerhaften Motor entwichen war. Zwölf Perfonen wurden ver letzt. 2 ClerkS ernstlich. Die Männer wurden niedergeworfen und Gegen stände aus dem Haufe Hunderte von Fuß weit geschleudert. Die Trümmer singen Feuer und die Feuerwehr hatte große Mühe eine Ausbreitung des selben zu verhindern. Frost. J a cks o n ville.Fla., 26. Jan. Man glaubt, daß der Frost letzter Nacht Citronen und Apfelsinen im. Staate, ausgenommen im südlichsten Theile, zerstört hat; der Ausfall wird auf 300,000 Kisten geschätzt.' Man defürch. tet. daß auch die Bäume vielfach Scha

Beschwerden einer Konfc-

zu unterbreiten'. . den genommen haben. Ein sicheres Urtheil ist erst im Frühjahre möglich. Auch zarte Gemüse sind erfroren. Schiffsunfälle. Boston. 26. Jan. Nachrichten von verschiedenen Punkten der Neu-England-Staaten melden, daß der gestrige Sturm während der Nacht nachgelassen hat. Gleichzeitig kommt die Nachricht, daß bei Cape Code 4 Schooner an Land getrieben wurden. Der Georgetown" von der Atlantic Dampferlinie lief bei Great Point in den Nantucket Untiefen auf. Die Mannschaft ist gerettet, aber das Schiff ist in schlechter Lage. Von den Schonern waren 2 fünfmastig, ein 3. war viermastig. Ihre Namen find unbekannt. Der 4. war der zweimaftige Fifcherschooner Monitor von Providencetown, der bei Sandwich auflief. Die 4 Mann auf demselben mußten die Nacht im Takelwerk zubringen und litten schwer unter der Kälte. Als bei Tagesanbruch die Ebbe eintrat, gelang es ihnen den Strand zu erreichen. Wünsche der Matrosen. Washington, 26. Jan. Re präsentant Livernash von Californien, der Vertreter der Unionarbeiter im Kongreß, war heute in Begleitung von Andrew Furuseth von der MatrosenUnion beim Präsidenten, um mit ihm über die ungenügende Bemannung der überseeischen Dampfer, sowohl derjeni gen, welche auf dem Stillen, wie auf dem Atlantischen Ozean fahren, zu sprechen. ES ward dem Präsidenten vorgestellt, daß dieS ein schlimmer Uebelftand sei, welchem abgeholfen werden müsse. DaS Dampfer Jnfpek tionöbureau ist gegenwärtig damit befchäftigt, neue Regulationen auSzuarbeiten, um Leben und Eigenthum auf hoher See zu schützen, und Repräsentant Livernash ersuchte den Präsidenten, das Bureau zu irstruiren, daß Vorschriften über die Anstellung genügender Mannschaften eingefügt werden möchten. - Nach der Quarantäne. N e w I o r k , 26. Januar. Den j 700 Zwischendeckspaffagieren an Bord des Vaderland" von 'der Red StarLinie wurde nicht gestattet, zu landen. Während der Fahrt starben 10 Zwischendeckspassagzere, wie der Schiffsarzt behauptet, an Lungenentzündung. Das Schiff wurde nach der QuarantäneStation zurückgeschickt, wo die Zwischen-deckö-Paffagiere auf ihren GesundheitSzustand hin geprüft werden sollen. Bahnunfall. D o v l e s t o w n. Pa., 26. Jan. 4 Mann wurden zu Durham Furnace, Pa., getödtet. Sie befanden sich auf einem Schlackenzuge, der in einer Schneedrift entgleiste und den Damm hinabstürzte. Normale Zustünde. Washington, 26. Jan. Das' Staats. Departement hat von Conful Watts in St. Petersburg folgende Depesche erhalten: Die Aufregung legt sich, das Ge schüft kommt wieder in Gang.Senatorwahl. Jefferson City, Mo., 26. Jan. Bei' der 9. Abstimmung für einen Bundessenator ergab sich folgen des Resultat: Cockrell 79, NiedringhauS 75, KerenS 12, Goodrich 1. TubbS 1. Smoot-Prozeß. Washington. 26. 'Januar. Richter Taylor schloß heute Mittag die Anklagerede gegen Senator Smoot; morgen wird die Äertheidkgung beginnen. Nationalbank ge schlössen. Washington. 26. Jan. Die Erste Nationalbank von Nederland, Tex., ist vom Courant-Kontrolleur geschloffen worden, da Bankexaminator Williams telegraphirte, die Bank fei zahlungsunfähig. Williams wurde zum Receiver ernannt.

Zugsentgleisung.

30 Personen verletzt. Freehold, N. I., 26. Jan. Cm Zug, der ausgeschickt war, das Geleise der Mattervan & Freehold-Bahn frei zu machen, entgleiste in einer Schneewehe. 30 Leute, die sich auf dem Zuge befanden, wurden verletzt, meistens durch Glassplitter. Dem 2o komotivführer wurden beide Beine ab geschnitten. Er wird wahrscheinlich sterben. Ein Paffagierwagen verbrannte mit 20 Poftsücken. Räuöerverhaftet. Philadelphia,. Jan. Drei Männer hielten gestern drei Straßenbahnwagen auf und plünderten die Passagiere aus. Deu Motormann Robert Rence. der Widerstand leistete, vermundeten sie ernstlich durch einen Schuß. Zwei der Männer wurden verhastet. Sie gaben ihre Namen als Hardy Coleman und Chas. 'Ryan an. ES wurde Dynamit, Chloroform und ein Schwamm bei ihnen gefunden. Die Polizei glaubt, daß es Mitglieder einer Bande sind, die feit zwei Jahren in kleineren Städten, an der Pennfvl' vania Bahn Kassenfchränke sprengte. Frage der EinhaltS-Be-fehle. Washington, 26. Januar. Als Resultat der Conferenzen, die der Präsident in den letzten zwei Monaten mit Generalanwalt Moovy, Corpora-tionS-Commissür Garsield, sowie Vertretern von Arbeiter Organisationen und Corporationen hatte, ist im Repräsentanteuhause von dem Republika' ner JenkinS (WiS.). eine Bill eingebracht worden. Dieselbe bestimmt, daß bei Arbeiterschwierigkeiten ein Einhalts befehl nicht erlassen werden soll, ehe die Gegenpartei vor Gericht gehört wurde. Vor etwa zwei Monaten hatte der Präsident die Häupter verschiedener großen Arbeiterorganisationen, sowie Sekretär Morton und Commissär Garfield zu einem Diner eingeladen. DaS Thema von Gesetzen gegen Mißbrauch der Einhaltsbefehle wurde erörtert. Die Vertreter der 'Arbeiterorganifationen erklärten die Nothwendigkeit Gesetze zu erlassen, um den nach ihrer Anficht unbilligen Gebrauch der Gerichte gegen sie zu beschränken. VZeder der Präsident, noch einer seiner Rathgeber, wollte sich zur Beschränkung der EinhaltSbefehle verstehen, weil sie ungerecht sei und die Genehmigung deS Kongresses nicht finden würde. Später hatte Kommissär Garfield und Vertreter der Arbeiterorganisationen eine eingehende Besprechung mit Generalanmalt Moody und es wurde ein Gesetz entworfen, daS den von den Arbeiterorganisationen erhobenen Beschwerde abhilft. Dieses Gesetz ist in der Bill JenkinS' enthalten. BundeS-Richter ange--klagt. N e w York, 26. Jan BundeSkreiSrichter E. Henry Lacombe reiste heute Abend nach Washington ad um vordem HauSkomite für Juftizwefen in der Klagesache zu erscheinen, welche die Advokatenfirma Watt & Dohan von Philadelphia gegen ihn anhängig gemacht hat. Von klügerischer Seite find folgende Punkte gegen Lacombe geltend gemacht worden : Abgabe von Entscheidungen, durch welche er seinen Entscheid verletzte. Massenhafte offenbare und andauernde' ungesetzliche Unterdrückung gesetzlicher Beweismittel. Abgabe von Entscheidungen unter Mißachtung des Gesetzes, der Thatsuchen und vorgelegter Beweise. Abgabe von Entscheidungen im Widerspruch mit Regeln, welche vom BundeSobergerlcht niedergelegt find. Abgabe von Entscheidungen im Widerspruch mit Verordnungen der Statuten der Ver. Staaten. Abgabe von Entscheidungen, von denen :x wußte, daß dieselben nicht ausgeführt werden konnten. Abgabe widersprechender Entscheidüngen, deren Zweck war, das Verfahren zu verwirren. Abgabe von Entscheidungen unter falschen Vorspiegelungen. Einmischung und ungehörige Beeinflussung von Mitgliedern deS BundeskreiögerichtS hinfichtlich der Ausübung ihrer Pflichten und Behinderung der Anhörung von Berufungen, welche gegen seine eignen Entscheidungen eingelegt waren. . Er gestattete seine persönlichen Ansichten in Gerichtsangelegenheiten maß. gebend zu sein.

58. 6ongreb.

Senat. Washington, 26. Januar. Der Senat nahm heute die ArmeeBe willigungSbill an, nachdem er die Beftimmung bezüglich der Offiziere, die zur Miliz kommandirt find, modifizirt hatte. Durch diese Modifikation wird Gen. MileS seiner Verpflichtungen gegenüber der Miliz enthoben. Gallinger u. A.kritifirten daS Amendement. welches den Verkauf von Trup penschiffen regelt. Hale sprach gegen den Generalstab in der Armee und erklärte, er werde jedem Versuche, ein solches System für die Flott zu schaffen, opponiren. Haus.' Die Verwilligungsbill für Ackerbau stand heute zur Berathung, doch drehte sich die Debatte hauptsächlich um die Beschränkung der Eisenbahn - Frachtraten. Williams (Miss.) erklärte, feine Partei hege dieselben Ansichten wie sie der Präsident in seiner Botschaft ausgedrückt habe. Gelbes Fieber In der Kanalzone. Washington, 26. Januar. DaS Staatsdepartement hat von Generalkonsul Gudger zu Panama 2 Depeschen über Ausbruch des gelben Fiebers an Bord des Bundesdampfers Boston erhalten. In der ersten heißt eS: Der BundeSdampfer Boston" kam heute von benachbarten Häfen hier an. Japanische Aufwärter starben am gelden Fieber. Zahlmeister F. B. Sackett, Leut. W. D. Leahy und Dr. B. Kohlhase haben das Fieber in leichter Form." Die zweite Depesche sagt: Zwei andere Japaner und der Gemeine Lafferty sind vom gelben Fieber befallen. Sie find nach Ancon (wo daö Hospital ist) gebracht word. Es ist nicht rathsam die 3 anderen Kranken, die heute Morgen gemeldet wurden, fortzuschaffen." Perry und Pierce (vermuthlich Aerzte) find an Bord. Die Ansteckung geht weiter. ES find nun 7 Fälle. Commander NileS von der Boston" hat ebenfalls dem Flottendepartement berichtet, daß das gelbe Fieber an Bord feines Schiffes ausgebrochen, ist. DaS Department hat angeordnet, daß ein Arzt vom Isthmus an Bord geschickt werde, um den Platz von Dr. Kohlhase einzunehmen und Hilfsarzt Frank E. McCullough ist angewiesen worden, fich an Bord der Boston" zu begeben, sobald sie die beimische Küste erreicht und fie als Assistent deS Schiffsarztes nach Puget Sound zu begleiten. Die Nachricht, vom Ausbruch des gelben Fiebers an Bord der Boston" kam überraschend, da die größte Vorsicht bei Benutzung von Trinkwasser geübt wird; eS ist nur anzunhmen, daß die Seuche durch Moskitos an Bord gebracht wurde. Die Beute des Löwen. , Es wird allgemein angenommen, daß der Löwe mit seiner Nahrung außerordentlich wählerisch ist und nur das verzehrt, was er in Gestalt von größeren Säugethieren selbst getödtet hat. Findet er eine Thierleiche, so mache er fich höchstens darüber her, wenn fie sicb noch in ganz srischem Zustand befinde. Ein englischer Zoologe, der. langjährige Reisen in Afrika aus geführt hat, wendet sich' gegen diese Ansicht. Zunächst behauptet er, daß der Löwe durchaus nicht ausschließlich größere Säugethiere als Beute beanspruche, denn er hat ihn gelegentlich mit Stachelschweinen vorlieb nehmen sehen. Von einem anderen Zoologen stammt die verbürgte Erzählung, daß ein Löwe die Haut einer Säbelantilope auffraß, die mit einer arsenikhaltigen Seise behandelt worden war, um als Schaustück in einer Sammlung zu dienen. Etwas so Sonderbares hat der andere Forscher nicht bemerkt, aber er hat Löwen oft Thiere fressen sehen, die der Reisende aetödtet hatte, namentlich bei verschiedenen Gelegenheiten Theile erlegter Elephanten. Einmal tödtete der Forscher einen Löwen, an dem er vielleicht Gelegenheit gehabt hätte, die Rolle eines modernen Andronikus zu versehen. Der Löwe hatte nämlich in seiner linken Vordertatze drei Stacheln von einem Stachelschwein, auch ein Beweis, daß der Löwe mitunter auf eine Art von Niederjagd ausgeht. Da die betreffende Gegend an verschiedenstem Wild, an Antilopen, Zebras, Straußen, Nashörnern u. s. w. überreich war, so lag kein Grund zu der Annahme vor, daß der Löwe das Stachelschwein nur aus Hunger getödtet hatte. Die Eingeborenen erzählten dem Reisenden, daß sie Löwen sogar Feldratten hätten tödten und verzehren sehen. Immerhin bilden die größten Säugethiere wohl die Hauptbeute des Löwen.

Der Popocatepell.

Tie Schwefellagcr des Vulkans und ihre geplante Ausbeutung. Höhe deS Berges Forschungsresnttate. Merkwürdiges munifizenteS Geschenk Ei Klettergang in's Jnuere-Eisenbahn-La, atorie nd Hotels. - Der Popocatepetl in Mexiko, der vor etwas mehr als einem Jahre von seinem damaligen Bescher, dem General Ochoa, um die Summe von ungefähr 5300,000 an amerikanische Spekulanten verkauft wurde, stellt einen ziemlich ausgewachsenen Gebirgsstock dar, der mit seinen 17.841 Fuß Höhe auf den Aetna auf Sizilien verächtlich herunterblicken könnte. Er ist schon lange kein feuerspeiender Verg mehr, sondern nur manchmal noch ein wenig übellaunisch und brummig. Nach den Schätzungen von Ingenieuren birgt er mindestens 60,000.000 Tonnen Schwefel zum Werthe von 51,200.000,000. Der Popocatepetl gehört zu den meisterforschten Bergriesen. Alexander v. Humboldt erkletterte ihn im Jahre 1804, kroch bis zum Krater, maß den Geduldigen vom Scheitel bis zur Zehe mit einem damals als Meßinstrument noch ziemlich neuen Apparat, dem Barometer, und war der Erste, der den ungeheueren Schwefelreichthum des alten Gesellen richtig einschätzte und beschrieb. In der Besteigung hatte Humboldt .einen nicht minder kühnen Vorgänger, Diego Ordaz, Hauptmann in der Freibeuterschaar des verwegenen Cortcz. Das war im Jahre 1519. Einige Jahre später soll ein anderer Spanier unter Ueberwindung unsäglicher Schwierigkeiten feine Kollegen mit Schwefel zur Schießpulverbereitung versorgt haben, indem er mindestens bis in die Gipfelnähe emporklomm. Die wissenschaftlichen Angaben Humboldts wurden später von Andres del Rio und Antonio del Castillo, sowie von einer seitens der mexikanischen Regierung eingesetzten Kommis-i sion für richtig befunden. Merkwürdi-' ger Weise verschenkte die Regierung die Ausbeutungskonzession und den ganzen Berg an den General Ochoa, der mit nur ganz primitivem Betriebe in kurzer 'Zeit ein bedeutendes Vermögen durch den Verkauf von Schwefel erwarb. Zum Großbetriebe und zum vollkommenen Aufschlüsse des Berges durch Bahnen und Minen fehlten ihm die Mittel. Leicht wird übrigens den Amerikanern die Ausbeutung der Schweffellager nicht werden. Der Krater hat eine obere Fläche von 5.7 englischen Quadratmeilen, aber seine Wände fallen schroff, zuweilen sogar überhängend in eine nachtdunkle, grausige Tiefe. Diese Abhänge aus harten vulkanischen Gesteinen, hier und da dicht mit den gelben glänzenden Kristallen des begehrten Minerals überzogen, weisen zahllose Ritzen auf, die heiße Gase aushauchen, und wer da hinabkletternd mit der stützesuchenden Hand hintastet,.er bekommt eine nachhaltige Wirkung des Athems der Hölle zu spüren. Auck liebevoll nachgebende oder zärtlich hinterherstürzende Felsbrocken begleiten den Wanderer hinab zur ebenen Kraterdecke. In ihr liegt ein kleiner See eingebettet, dessen Wasser viel schwefelige Säure enthält. Und ringsherum gähnen, die Schlünde von 20 Solfataren, welche in strebsamer Unermüdlichkeit und begleitet von dem höllischen Konzert eines mächtigen unterirdischen Getöses heiße Schwefeldämpfe emporschleudern. Sie sind die eigentlichen Urheber der Schwefellager, denn die erkalteten Dämpfe kondensiren sich an Wänden und Abhängen als amorpher und kristallinischer reiner Schwefel. Noch zu Cortez' Zeiten waren die Dämpfe von den Thälern Puebla und Mexiko sichtbar, was eben ihrem UrHeber den Namen Popocatepetl, rauchender Berg, eingetragen hat. Zur Ausbeutung der Schwefellager wird eine normalspurige Eisenbahn von der Stadt Mexiko bis zum Popocatepetl hinauf erbaut. Erst in ungefährer Höhe der inneren Kraterebene wird ein Tunnel angelegt, der bis in's Herz des Giganten greift. Anscheinend rechnen die spekulativen Unternehmer auch mit einer rentablen Ausnutzung der Bahn für einen gesteigerten Touristenverkehr: serner .sollen, natürlich außerhalb des Bereiches der nichts weniger als lieblich duftenden Schwefeldämpse, Sanatorien und Hotels für Sommerfrischler errichtet werden. Die Idee hat-viel Ausführbares für sich, denn das Klima aus jener Bergeshöhe ist ein ganz Herrliches. ' Hohes Alter. Im Alter von 103 Jahren starb in Wirballen im rusfischen Gouvernement Suwalki der frühere praktische Arzt Dr. Zipnewski aus Warschau, der vor drei Jahren nach Wirballen kam, um den Rest seiner Tage im Hause seines dort ansässigen Schwagers, des Apothekers Berlowski, zu verbringen. Der Verstorbene, der seit längerer Zeit gelähmt war. hatte bis zum 30. Lebensjahre Medizin studirt, war dann als pMitischer Verbrecher" auf 15 Jahre Zwangsarbeit nach Sibirien verurtheilt worden, wo es ihm gestattet wurde, die ärztliche Praxis weiter auszuüben. ' Varietäten der tub e n f l i e g e gibt es nach der Feststellung von Naturkundigen nicht wenig als 48... .J .

Eingnnaurrte Frauen. , Merkwürdige Sicherheitsmaßnahmen vo Llziuefe iil der Mandschurei. Während seines Aufenthaltes auf dem . ostasiatischen Kriegsschauplatze hatte der russische Berichterstatter Ne-mirowitsch-Dantschenko wiederholt die Wahrnehmung gemacht, daß in den chinesischen Dörfern die Frauen und Mädchen spurlos verschwunden waren. Auf die Frage, ob es denn in der Mandschurei t:nt erwachsenen weiblichen Wesen gebe, erwiderten gewöhn lich die Chinesen, daß jene. in den Städten Zuflucht gesucht hätten. In der Folge erfuhr jedoch NemirowitschDantschenko, daß man ihn getäuscht hatte, denn die Frauen und erwachsenen Töchter waren nicht geflohen, sondern von ihren Männern und Vätern eingemauert worden. NemirowitschDantschenko erzählt: Als ich eines Morgens in einer chinesischen Fansa halb erstarrt vor Kälte erwachte, vernahm ich ein eigenthümliches Klopfn, das aus der Wand zu kommen schien. Ich horchte und glaubte, weibliche stimmen zu vernehmen. " Als ich meinen Wirth kommen ließ und ihn um eine Erklärung der sonderbaren Töne ersuchte, wurde er verlegen und wollte anfangs mit der Sprache nicht heraus. Schließlich gestand er, daß er seine Frau und Töchter eingemauert hatte. Wir verlangten natürlich sofort, daß die Unglücklichen befreit würden. Als man unserem Verlangen nachkam, sahen wir, daß neben der Hauptwand in einem Abstände von ungefähr drei Fuß eine zweite Wand errichtet war. In diesem engen und dunklen Zwischenräum fanden wir nicht weniger als vier Frauen. Unser Wirth gestand uns, daß auf diese Weise die meisten seiner Landsleute ihre Frauen beim Herannahen der Russen oder Japaner versteckten." In der Kunst, sich zu verstecken, haben es die Chinesen überhaupt zu einer großen Meisterschaft gebracht. Im Rayon der Kriegsoperationen sind auf allen Gehöften gewaltige Gruben ausgegraben, die im Innern mit Kaoljan ausgelegt, mit Balken, Rohr und Kaoljan überdacht und dann mit einer dicken Erdschicht beworfen werden. Rechtzeitig schaffen die Chinesen in diese unterirdischen Wohnräume große Vorräthe von Nahrungsmitteln und ziehen sich, wenn der Kampf beginnt odcr die Russen nahen, in die finsteren und dumpfen Räume zurück Es gehört die Anspruchslosigkeit eines Chinesen dazu, es oft tagelang, ja wochenlang in diesen Räumen auszuhalten. Man kann fest überzeugt sein, daß Niemand, so lange der Kampf dauert, die unterirdischen Wohnungen verlassen wird. In der That gewähren sie auch gegen Schrapnells einen unbedingt sicheren Schutz, versagen aber häufig be? den mit Schimose gefüllten Granaten. In Siaoho z. B. hatte eine aus 17 Personen bestehende Familie Schutz in einem solchen Keller gesucht. Als eine Brisantgranate niederging, schlug sie das Dach durch, drang m das Innere und tödtete dort alle 17 Personen. Da der. Chinese, ohne mit der Wimper zu zucken, zu sterben versteht, so ist es nicht Todesfurcht, die ihn veranlaßt, in den unterirdischen Räumen Zuflucht zu suchen. Nur die durch das Krachen der Geschütze und Sausen der Granaten erregten Nerven vermögen nicht standzuhalten. Ein guter Mensch, sagen die Chinesen, muß an dem Höllenlärm sterben, den nur die Chunchusen und anderes Gesindel vertragen können.

Schiffbruch. Schreckliche Stunden erlebte die Besatzung der Schoonerbrigg Karolinen in der Ostsee. Das von einem schweren Unwetter überraschte Schiff.sprang leck, so daß alle Mann, vom Kapitän bis zum Schiffsjungen, abwechselnd an die Pumpen mußten. Sie arbeiteten vier Stunden ohne Unterbrechung. Vergebens! Immer höher stieg das Wasser im Raum, - immer- tiefer sank das Schiff. Plötzlich brach eine furchtbare See über Deck. Im Nu kenterte die mit Holz beladene Brigg und warf die Besatzung in's Meer. Das Schiff trieb kieloben auf seiner Ladung und es glückte den Leuten, sich an den Kiel festzuklammern. Sie glaubten sich vorläufig geborgen. Da schlug eine zweite Sturzsee über das Schiff und schleuderte die Unglücklichen in die wilden Fluthen zurück. Das Wrack trieb fort. Die mit den Wogen Kämpfenden erfaßten schwimmende Holztheile der weggespülten Deckslast.' Hoffnungslos schien ihr Bemühen, sich zu retten. Da tauchte das treibende Schiffsboot auf. Alle schwammen darauf zu, und es gelang, hineinzukommen. Mit Schrecken sahen die Leute, daß das Boot schwer beschädigt war und in der Wasserlinie ein Leck hatte. Zwei Mann schöpften ununterbrocken das einströmende Wasser aus; die übrigen ruderten mit dem, Holztheil, das ihnen als Rettungsmittel gedient hatte. Endlich erreichten sie, auf den Tod ermattet, das Land und fanden gastliche Aufnahme. Ein königliches Wort. Der König von Württemberg vollzog die vor Kurzem stattgehabte Eröffnung des neuen württembergischen Landtages entblößten Hauptes, obwohl es ein Gewohnheitsrecht des Fürsten ist, bei solchen Gelegenheiten das Haupt mit dem Helm zu bedecken. -Der König soll jedoch geäußert haben: Wenn meine Stände unbedeckten Hauptes sind, kann ich doch meinen Helm nicht aufsetzen!"