Indiana Tribüne, Volume 28, Number 132, Indianapolis, Marion County, 26 January 1905 — Page 6

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Jndiana Tribüncs 2. Januar 1905

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Europäische Nachrichten

Frovinz Hannover. Hannovers General der Infantene v. Götze. Chef des 1. Lothringischen Infanterie - Regiments Nr. 130, . ist Hierselbst verstorben. Wegen Herausforderung des welfischen Reichstags - Abgeordneten Freiherrn von Hodenberg war der nationalliberale Landtagsabgeordnete Dr. Max Jänecke vom Kriegsgericht zu 3 Tagen Festung verurtheilt worden. Die königliche Hofopernsängerin Marie Gey ist im Alter von 79 Jahren gestorben.' Mit ihr ist das letzte Glied der Künstlerfamilie Gey dahingegangen, das der Bühne angehörte. Vom Zuge getödtet wurde bei der Station Leinhausen der Bahnarbeiter Altag aus Stöcken, der damit beschäftigt war, die Schienen zu reinigen. Aurich. Das bekannte Stövchen" war Schuld daran, daß die 45 jährige Schmiederwittwe Lindhorst bei lebendigem Leibe verbrannte. Sie wurde in der Küche todt aufgefunden; die Leiche war öalb verkohlt. Ein Stuhl, ein Tisch und eine Feuerstove brannten. Es wird angenommen, daß die Kleider der Frau durch die Feuerstove in Brand gerathen sind. Celle. Der stellenlose Kaufmann G. Kaeß, aus Wischkowitz in Schlesien stammend, wurde im Klein - Hehlener Walde in der Nähe des Etablissements Peters Burg, erhängt aufgefunden. Kaeß war der Sohn des Hauptmanns a. D. und Gutsbesitzers Kaeß. Man vermuthet, daß Lebensüberdruß und Sorge für sein weiteres Fortkommen den 26jährigen jungen Mann zu dieser That getrieben haben. E i n b e ck. Ein trauriger Unglücksfall ereignete sich auf dem Hofe des Landwirths Koch in Bentierode. Beim Dreschen mit der Maschine gerieth der neunjährige Schulknabe Sevrit so unglücklich mit einem Bein in die Trommel der Maschine, daß ihm das Bein total zerquetscht wurde und der bedauernswerthe Junge sofort in die Klinik nach GLttingen gebracht werden mußte. G ö t t i n g e n. Auf eine fünfzigjährige Thätigkeit als Lehrer und Opfermann Hierselbst konnte der Hauptlehrer Heinrich Töpperwein I. (gebürtig aus Dorste, Kreis Osterode) zurückblicken. Hoya. Beim Schließen einer Hausluke stürzte das 15jährige, beim Landwirth E. Meyer hier bedienstete Kindermädchen Marie Kllker auf den Hof und erlitt einen Schädelbruch. Logaerfeld. In betrunkenem Zustande wurde der Arbeiter Adwege unter dem Schienengeleise der Oldenburger Bahn mit einer schweren KopfVerletzung' aufgefunden; an seinem Aufkommen zweifelt man. Münden. Erhängt hat sich im Dorfe Lippoldshausen, diesseitigen Kreises, der Stellmacher L. Bürmann. Der schon betagte, einst geschickte und vermögende Handwerker war lediglich durch übermäßigen Schnapsgenuß so hunteaekommen, daß er zum Herumtreiber ivurde. Wilhelmshaven. Der WerftSekretär für das Construktionsbureau, Slevogt, feierte kürzlich das Jubiläum seiner 25jährigen Dienstzeit als Beamter der hiesigen Werft. Der Jubilar hat seine ganze Dienstzeit im Schiffbau-Ressort der hiesigen Werft zugebracht. Frovinz Westfaken. Münster. Der vermißte 21j'ährige Student Goepfert wurde zwischen dem Petershafen und dem städtischen Hafen als Leiche im Kanal aufgefunden und geborgen. Die Stirn wie auch die Schulter wiesen anscheinend von einem Schlag herrührende Serie tzungen auf. Da auch von der etwa 200 Mark betragenden Baarschaft des Unglücklichen nur mehr 95 Pf. vorHanden sein sollen, so liegt die Bermuthung nahe, daß der junge Mann, der aus Telgte stammt und an der hiesigen Universität Jura studirte, das Opfer eines Verbrechens wurde. B a t e n b r o ck. Bei einem Schnapsgelage wurde der Arbeiter Valentin Przesbor erschlagen. Er yuiie, anjcyelnenv mn emem Beil, ei nen Schlag geaen den Leib erhalten, daß er nach wenigen Minuten starb. Hagen. Von einem sehr betrübenden Unglücksfall wurde die Familie des Fabrikarbeiters G. Schulz, Vreddestraße hier, beimgesucht. Der kleine fast 3jährige Knabe yatte in früher Morgenstunde, während die Mutter noch schlief, das. Bett verlassen, sich einiger Streichbölzer bem'achtigt und die Fenstervorhänge inBrand gesetzt. Dabei hatte die leichte Nachikleidung des Kindes ebenfalls Fei' gefangen, und ehe die Mutter nochReltung bringen konnte, war der Kleine schon mit Brandwunden bedeckt. Es wurde sofort ärztliche Hilfe herbeigeholt, jedoch war jegliches Bemühen erfolglos. Gegen Mittag war das Kind schon eine Leiche. I s e r l o h n. Der verstorbene Kommerzienrath Dr. Theodor Fleitmann hat testamentarisch der Stadt die Summe von 100,000 Mark als Beitrag zur Grundentschädigung für die Eisenbahnstrecke Jserlohn-Schwer-te durch das Elsethal vermacht. Paderborn. Das unweit des Schinkendamms gelegene Wohnhaus des Maurers Bernhard Meier jun. brannte zum großen Theile nieder,

doch konnte das Inventar zumeist ge

rettet werden. Soest. Rangirer Franz Wittebora aerieth beim Rangiren auf hiesiger Station unter die Räder und erlitt I m m . rv i L P I o schwere Zerlegungen, oan er aus dem Transport zum Krankenhause verstarb. Warendorf. Der älteste Oberlehre? der ganzen Monarchie, Professor Dr. Temme hier,- der 75 Jahre zählt und auf mehr als 50 Dienstmbre zurückblicken kann, hat mit Rücksicht auf sein hohes Alter zum 1. April 1905 um einen halbjährigen Urlaub nachgesucht, um dann in den wohlverdienten Ruhestand zu treten. VHeirrprovinz. Köln. Kantor und Lehrer Blumenthal, der bereits 48 Jahre in diesen Eigenschaften ununterbrochen in Deutz wirkte, feierte unter allseitigem Theilnahme, auch der Lehrer und Lehrerinnen der beiden anderen Confessionen, sein 50jähriges Dienstjubiläum. Die Scivenöandfirma Gebrüder Lieömann und Ochme stiftete anläßlich' ihres 50jährigen Bestehens 50,000 M. für den Unterstützung sonds des Personals. Barmen. Mit einem complizirten Schädelbruch wurde kürzlich der Geleaenheitsarbeiter Albrecht Klein, wohnhaft in der Laake, in einem an der oberen Ronsdorferstraße belegenen Teich aufgefunden. Düsseldorf. Am Neubau des Direktionsgebäudes der Gas-, Was-ser-und Elektrizitätswerke, Ecke Scheuren- und Luisenstraße, ereignete stch ein schwerer Unglücksfall. Der Handlager Franz van Zyst, der mit dem Ausladen eines Fahrstuhls beschäftigt war, stürzte aus betracht!!cher Höhe ab und war sofort todt. E x k a m p. Die Ehefrau des Fabrikarbeiters Josef Füsgen sollte durch einen tödtlichen Unfall ums Leben gekommen sein. Nachdem die Leiche bereits beerdigt war, ist dieselbe wieder ausgegraben und obduzirt worden, wobei sich ergab, daß eine Schuld eines Dritten an dem Tod der Frau nicht vorliegt. Hülchrath. Der frühereSchneidermeister Joh. Pohl vollendete sein 101. Lebensjahr. Obschon der Greis schon sechs Jahre zu Bett liegt, versteht er es noch, durch seinen Witz die Besucher zu erheitern. M e i d e r i ch. Die kürzlich in der Emscher gelandete weibliche Leiche derselben waren die Kleider über dem Kopf zusammengebunden ist nunmehr recognoszirt worden. - Es ist die Leiche der etwa 18 Jahre alten Tochter des hier wohnenden Schmiedemeisters Brockmann. Ueber den Fall herrscht tiefes Dunkel. Oberhausen. Die Pantoffelfabrik von Wunderlich & Steg ist abgebrannt. Die Ehefrau des hier ansässigen Fabrikarbeiters Füsgen kam in ihrer Wohnung über eineFußmatte zu Fall und brach das Genick. Die erste Frau des bedauernswerthen Mannes wurde vor 3 Jahren, als ste am Herd stand, vom Blitze erschlagen. Wesel. Kürzlich wurde von den Offizieren der Garnison die Hubertusjagd auf der Bislicher-Jnsel geritten. Leutnant Abt vom 56. Jnfante-rie-Regiment kam zu Fall; er erlitt außer drcifachemRippenbruch eine GeHirnerschütterung und mußte bewußtlos dort veröliben. -Froninz Kcsscn-'ZIttfsau. F u l d a. Ein bedauerlicher Unglücksfall trug sich auf dem hlesigen Bahnhofe zu. Lehrer Schutzer von Birstein wurde von einem heranrollenden Wagen der Eilgut -Abfertt-gung überfahren, wodurch der Verunglückte die Kniescheibe brach. Es war alsbald ärztliche Hilfe zur Stelle, und der Verunglückte wurde wieder in seine Heimath zurückbeordert. G r e b e n st e i n. Im Kreise seiner Angestellten feierte M. Rosenbaum ; (Brotfabrik), der in Kassel Brüderstraße 27 sein Hauptgeschäft hat, hier sein 23jähriges Geschäftsjubiläum. H a n a u. Der am hiesigen Nordiahnhof stationirte 60 Jahre alte Bahnmeister Linsenhoff wurde auf der Strecke Hanau - Friedberg unweit des Nordbahmhofs bei Vermessungsarbeiten von der Lokomotive eines Güterzuges erfaßt, zur Seite geschleudert und schwer verletzt. H ö ch st a. M. Chemiker Dr. Dollfus hat sich in den Mainanlagen in einem Anfalle von Geistesstörung durch einen Rcvolverschuß in den Kopf getödtet. Kohlhausen. D'e golden? Hochzeit konnten die Ebeleute Auszügler Heinrich Sreckel uno Anna Katharina geb. Schott in voller geister und körperlicher Rüstigkeit begehen. Rüdes heim. Das bekannte Gasthaus Zum Münchener Hof", sowie das daranstoßende Weinrestaurant von Schleider wurden vollständig durch ein Feuer zerstört. S a n d b e r g. Hier verschied plötzlich infolge eines .fzerzschlags der 41 Jahre alte, als rationeller Viehzüchter in weiten. Kreisen bekannte Landwirth Johann Knüttel. Wal lau. Ein Mann Namens Weil überfiel nach einem geringfügigen Streit im Wirthshause auf der Straße den Einwohner Schneider und riß ihm mit einem Messer den Leib auf. Der Verletzte, ein Vater von fünf Kindern, wurde sofort in die ZNarburger Klinik gebracht, während Weil in's Gefängniß wanderte. . .

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veSpasia WarnerS TbStigkeit als eldat, walt und eseygeber. Vespasian Warner von Clinton, Jll., der zum Nachfolger des von seinem Posten zurückgetretenen Pensionskommissärs Ware ernannt ward, ist, gleich Ware, ein Veteran des Bürgerw?mmtm& 'WßmwM 'S.t V. k L.CVespasian Warner. krieges. Er ist 62 Jahre alt und seines Zeichens Advokat. Von 1883 bis 1892 fungirte Warner als GeneralAuditeur der Nationalgarde von Jllinois. Seit 1895 gehörte er dem Ver. Staaten-Repräsentantenhause an. Admiral lriu. Ausbildung und dermalige Aufgabe deS japanischen Flottettführers. Vizeadmiral Sotokiehi Uriu, dem nach Meldungen aus Japan die Aufgäbe zugefallen ist, mit einem Geschwader die Roschdjestwensky'sche Flotte aus ihrer Fahrt gen Osten zu beobachten, ist einer der jüngsten Admirale der Marine des Mikado. Er versammelt erst 45 Jahre auf feinem Haupte. Zugleich zählt er zu den wenigen japanischen Flotten- bezw. Heerführern, welche sich zum Christenthum bekennen. Urius Name wurde zuerst in weiteren Kreisen bekannt, als er im Februar 1904 in Tschemulpo die russischen Kreuzer Warjag" und Korejetz" vernichtete. An dem chinesischen Kriege hat er nicht aktiv theilgenommen; er war zu der Zeit Marine-Attache der japanischen Gesandtschaft in Paris. Sotokiehi Uriu stammt aus einer Samurai- (Krieger-) Familie, Vasallen des früheren Daimios von Kaga, Majeda. Er wurde im Alter von zehn Jahren von seinem Patron nach Kanazawa geschickt, um die englische Sprache zu erlernen. Später kam er in die Marineakademie in Tokio. Mit 'dem Direktor dieser Schule, Viscount Kamakura, dem späteren Marineminister, nahm Uriu an dem Formosa-Feldzug Vizeadmiral Sotokiehi Urin, gegen den Führer der Schogunatstruppen, Saigo, theil. Zu feiner weiteren Ausbildung wurde er dann nach Amerika gesandt, wo er zunächst in New Haven, Conn., in der Familie Pitman ein väterliches Heim fand. Hier trat er auch zum Christenthum über, noch bevor er die Marineakademie in Annapolis aufsuchte, an der er 1881 graduirte. Sein Kamerad und Freund in dieser ganzen Zeit der Ausbildung war der schon verstorbene Vizeadmiral Serata. Beide junge Leute fanden sich sehr bald in amerikanisches Leben und Sitten und haben sich in Amerika viele Freunde erworben. Hier lernte Uriu auch seine spätere Frau, eine junge Japanerin, Fräulein Nagai, kennen, eine der ersten Japanerinnen, die gleichfalls zu ihrer Ausbildung nach Amerika gekommen, waren. Im Jahre 1852 kehrte Uriu nach Japan zurück, wo er in der Marine verh'ältnißmaßig rasch avancirte und im Juni 1904 die Staffel eines Vizeadmirals errichte. Vizeadmiral Uriu ist ein echter Vertreter des modernen Japan wie der modernen Zeit. ' Sein Haus war vor Ausbruch des jetzigen Krieges als ein sehr gastfreies unter Japanern und Ausländern wohl bekannt und zeigte eine glückliche Mischung von Alt-Japa-nischem und modern Europäisch-Ame-nkanischem. Als Gastgeber wurde Uriu von seiner Gattin, die am Vassar College, N. ?)., graduirte, in trefflicher Weise unterstützt. Einen riesigen BlumenMarkt wollen 200 oder mehr Floripen in New Fork errichten lassen.

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Edelsteinwahnsinn. Eine wahr Geschichte von Alfred Fried'mann. Vor einigen Tagen las ich mit großer Bewegung in den Zeitungen, daß unser alter Jugend-, Schul- und Universitätsfreund Ernst Hellmer in das Irrenhaus gebracht, ' dort in einem Tobsuchtsanfall von seinen Leiden erlöst, gestorben sei. Am Abend nach dieser traurigen Lektüre traf ich in einem der neuen Restaurants Berlins, nach dem Theater, einen bekannten Arzt, der mit Hellmer und mir in Heidelberg studirt hatte. Wir setzten uns natürlich zusammen, der goldene Wein funkelte alsbald aus der grünen langhalsigen Flasche in die bauchigen Römer, und wie stießen an auf Was wir lieben!" Die Zukunft!" Das Glück!" Ja, ja," sagte ich, nachdenklich den guten Wein schlürfend, freuen wir uns des Lebens, so lange wir es noch können und dürfen, so lange noch der Saft der Traube, unschädlich für uns, wie ein ewiges Lämpchen im Glase glüht. Wer weiß, welches Schicksal uns binnen Kurzem bevorsteht! Denkst du noch der Zeiten, da wir mit Hellmer in der Hirschgasse fochten, auf den Königsstuhl kletterten in Eis und Schnee ..." Ja, damals waren wir jung und gesund, corraggiost e forti", wie Ermete Novell! sagt! Später muß Hellmer einmal ein Unglück, ein Schicksalsschlag heftig getroffen haben. Ich behandelte ihn lange. Er war mehr seelisch als körperlich krank. Jüngst noch ließ er mich nach einer Vorstellung der Gespenster" rufen. Er war irrsinnig. Dann sah er noch Ueber unsere Kraft" und ward davon eigenthümlich berührt. Auf einen im Buche von Björnson selbst gegebenen Wink las er zuletzt die Untersuchungen von Charcot über das Nervensystem und die klinischen Studien über die Hysterie von Dr. Richter. Ich glaube, dies und die Abbildungen über Epileptische gaben ihm den Rest. Er hätte lieber lustige Autoren, Armand Silvestre, lesen und lachen sollen " Was war denn eigentlich seine . . . Marotte?" fragte ich. Zuletzt, denn er hatte jedes Jahr eine neue, war es der Glaube des Einflusses der Edelsteine auf ihn." Wie, das?" Ja,, er ging besonders gerne an Winterabenden durch die fluthende Menge und stellte sich, ausruhend, vor die glitzernden, gleißenden Schaufenster der Juweliere. Er fixirte jeden Abend beispielsweise nur Saphire und hatte dann blaue Erlebnisse. So nannte er sie. Denn er erzählte mir oft stundenlang seine eingebildeten Abenteuer. Sehen Sie, Doktor," erzählte Hellmer mir einmal, gestern ging ich im Schneetreiben durch die Hauptzeilen. Die Milchstraße fiel herunter in Tropfen und Flocken. Unter meinen Füßen knarrten hunderttausend zertretene Brillanten. Und da halte ich vor dem Juwelierladen Werner still und sehe nur das Weiße ; gefrorene Himmelstropfen Brillanten! Ich starre auf einen großen alten Jnder-Dia-manten, der wohl acht bis zehn Karat wiegt und hypnotisire mich daran. Ich weiß es. Ihn umgeben acht kleinere Steine, alles weiß, immer zwei auf einander gelegte Pyramidch'en, eine abgeflachte Spitze nach oben, eine unten. Und in jeder der 56 Facetten jeden weißen Steines bricht sich das elektrische Licht, zerlegt sich in seine sieben Grundfarben wie im Prisma eines Glaslüsters und singt mir den heidnischen Gesang der Iris, wenn sie den einen Fuß auf den Olympos und den anderen auf die Erde-von Hellas setzt; die Philister sagen: Regenbogen! Haha! Ich höre die Farben singen. Und dann sehe ich alle Demanten an, und es wird wieder ganz weiß um mich, und -alle die weißen Steine erzählen mir Märchen. Der große Demant ist Salomo, die acht Steine und die anderen Demanten, die ihn umschlingen, umkreisen, umtanzen, sind seine acht Frauen, seine 10,000 Weiber Salomo hatte erst 10.000 Weiber, und dann sagte er: Alles ist eitel! Jetzt schillert er bläulich, der Mittelsiein es ist Blaubart, und um ihn tanzen die Frauen, die er köpfen wird. Nein, alles ist wieder ganz weiß, eine tönende, klirrende, glänzend-vewirrt - verwirrende Symphonie in Weiß. Nun dreht sich alles im Kreise; hören Sie nicht den Sphärenklang? Es ist das Rad der Milchstraße, das sich im Weltall ums Weltall dreht. Edelsteine schweigen aber ich ich kann sie schweigen hören, und ich weiß, was sie sagen. Sie sagen: wenn wir schmelzen, so sind wir es, die den Schaum des Champagners machen. Und nun schmelzen wir. Du hast zu lange auf unser Geflimmer gestarrt. Wir zerfließen. Aber du kannst uns einholen. Gehe in die X-Straße und bestelle dir eine Flasche theuersten Sektes. Was obenauf fließt und braust und rauscht, das sind wir: Demanten.

.Brillanten aus Brasilien, vom Kap, aus Lahore. Tniu' aus, du hast uns wieder." An diesem Abend wurde Hellmer bewußtlos, schwerbetrunken nach Hause gebracht. Wieder ein andermal stand er Unter den Linden vor dem großen Schaufenper von Markus. Er sah nicht die hüb-

schen Kleinigkeiten, die goldenen Verschlingungen, nach Zeichnungen der Jugend" und Sezession", die winzigen Amulette und Talismane aus

Bergkristall mit unterleaten Glücksbildchen: Pilzen, Vierklee, Schweinchen und Schornsteinfegern; nicht die Armbänder von Schlangen, die Diademe von Blumen aller Art; er starrte . sich alle Saphire mit ihrem tiefen Blau ! zusammen, er bildete sich ein, er fahre : auf einem gewaltigen, ultramarinefar- . benen Meere. Im Anfange", so er- ! zählte er mir, war das Wiegen und Wogen ganz angenehm; ich däuchte mich ein Columbus, der ausfährt, eine geahnte neue Welt zu entdecken. Im elektrischen Licht sah ich scchssternige Strahlenscheine auftauchen: Asterien, wie sie manchmal der Saphir aufweist.. Nach und nach däuchten sie mich ungeheure Seesterne, Quallen, die dem Laufe meines guten Schisfes entgegen strebten. Ich begann nervös zu zittern. Nach, vor, über und unter den . zu einem Riesen zusammengeschauten Saphiren lag eine große orientalische Perle. Diese störte mein Zusammen- ! fassen des Blaus sie verschmolz mit den vielen anderen edlen Thränen des Meeres, mit den schwarzen, grauen, barocken Perlen zu einer Niesenkugel, die nun langsam, wie ein neuer Continent, aus dem oßen, blauen Sa- ! phirozean aufstieg, emporschwamm, herauftauchte und mein Schiff gefahrdrohend mit sich hochhob. Langsam schwebte nun die Kugel, auf der mein Fahrzeug, wie auf einem Riff, festsaß, mondwärts, zerriß einen Wolkenflor, den Luna wie eine Mantille um ihren bleichen Körper gelegt und stieß mit dem Gestirn zusammen. Ein ungeheures Getöse machte mich erschaudern, ich fühlte, daß ich wahnsinnig wurde, und brach ohnmächtig auf dem StraßenPflaster nieder." An diesem Abend wurde Hellmer in der That bewußtlos nach Hause gebracht. Wieder ein drittes Mal," fuhr der Doktor fort, hatte es ihm vor einem anderen Juwelier der Rubin angethan. Sein Auge suchte sich aus allen Ringen, Broschen mit sensationellen Fassungen, Halsbändern und BusennaMn die hellen Ballasrubine, die Spinelle und blutrothen Rubine zusammen, und dann glaubte er, eine Riesenrose zu sehen, deren Wunderdnft er einathmete, dann in einen Weltbrand zu schauen, welcher ihn mit verzehren wollte, in eine feurige Esse, an der Cyklopen hämmerten, deren Schläge Funken, die schmerzten, in seinem Gehirn weckten. Er glaubte vor dem neuerwachten Vesuv zu stehen, und sah rothglübnde Lavaströme gegen ihn rinnen, so daß er entsetzt dMn lief. Die Leute schauten ihm nach, er sah noch eine ganze Weile roth. Er gestand mir, daß ihn nach Blut gesehnt habe, -und wenn ihm eine Waffe zur Verfügung scstanden, würde er den ersten besten Menschen umgebracht haben, denn alles in ihm schrie nach Mehr Roth". Daß er damals unbeschädigt und unbeschädigend nach Hause gelangte, erklärte er selbst für ein Wunder!" Ein alter Philosoph," unterbrach ich nachdenklich, hat gesagt: Alles fließt. Ich meine: Alles verkettet sich. Hätte er, mit seiner Anlage, nicht aufregende Stücke gesehen, Bücher über Krankheiten gelesen, es wäre vielleicht nicht so weit gekommen!" Wohl möglich!" sprach der Doktor. Hellmers letzte Erzählung war die seltsamste.' Er war nie verheirathet, Junggeselle. Schon über fünfzig, mied er das andere Geschlecht und warf sogar einen gewissen Haß auf die Frauen; vielleicht weil er viel durch sie erfahren. Jetzt aber hatte sich einge- -bildet, ein schönes, junges Wesen, ein Engel von Körper und Seele nach seiner Beschreibung, liebe ihn. Er schilderte sie mir so genau, auch ihre ideale Wohnung in einem Park von uralten Bäumen, Seen und Schwänen, daß ich gewiß war, sie existire gar nicht. Nun wollte er ihr ein Geschenk machen: Thoren behaupten, Opale bedeuten Thränen. Opale bedeuten Treue. Wenn ein Mann seiner Liebsten Opale schenkt, muß sie ihm reu bleiben. So stellte ich mich eines Abends vor das Fenster von Friedländer und suchte mir die schönsten Opale aus, alle anderen Edelsteine mißachtend. Da lagen viele ovale und runde, mit gelblichen, röthlichen Lichtern. Hyazynthrote, Feueropalc, Mexikaner, apfelgrün und karminroth, glänzend wie Glas, durchsichtig und doch verbergend. Es floß wie Wein und Schwefel durcheinander, es rieselte wie Waldbäche, auf denen Blattgrün und Sonnenflecke sich mischen, schimmerte gelblich, grünlich, röthlich, wie Wachs, wie Ocker, Schwefcl und Türkis funkeln, flössen in Eins. Ich aber machte aus all' den Opalen eine große flache Fensterscheibe und . setzte sie in das Schlafgemachfenster meiner Geliebten. Nun muß sie treu bleiben! Aber was sah ich? Ich erblickte die Linde, Feine, Leise, 'hinter dem großen, irisschimmernden Opalfensier in den Armen eines jungen Mannes; sie küßten sich und lachten heimlich über mich. Denn auch sie sahen mich wohl. Dann stürzten mir Thränen aus den Augen, ich schlich, ein gebrochener Greis, heim, legte mich ins Bett und löschte, alles Licht, alle Welt aus. Was sie am nächsten Morgen mit mir thaten, weiß ich nicht." . So schloß Hellmer. Wir brachten ihn in ein Asyl und bald zur ewigen Ruhe!" So der Dok-tor.

N i v i j . i l J 'r t t t