Indiana Tribüne, Volume 28, Number 131, Indianapolis, Marion County, 25 January 1905 — Page 3
Jndkano. Tribüne, 25. Januar 1905
s
er Aufruhr
Verbreitet sich über verschiedene Städte des russischcn Reiches.
Ein Handelsvertrag zwischen Deutschland und den Ber. Staatcu. Znvcrsicht der Kohlenbarone. Konflikt zwischen Regierung nvd Reichs-tags-Kommifsion.-Premier Gantsch's Programm.
Rubland. Allgemein e Lage. St. Petersburg, 24. Jan., 6:17 Uhr Abends. Der untere Theil des Newsky.Prosektö einschließlich "der Umgebung des WinterpalasteS und des QuaiS, wo die Gesandtschaften gelegen sind, ist in Dunkelheit gehüllt und Bangigkeit hat sich wieder aus die Ge-! müther gelegt. Die Behörden drücken ihre Zuverficht aus, daß der Aufruhr gebrochen ist und alle hervorragende Agitatoren verhaftet sind. Vater Gopon ist verschwunden, angeblich ist er in Moskau und leitet dort den Streik. Augenblicklich sind die Arbeiter ohne Plan; es scheint, sie fangen an zu begreisen, daß sie ohne Waffen Nichts ausrichten können. Man befürchtet, daß nach den Streuern die Terroristen mit ihren Bombcn kommen. Infanterie und Kavallerie patrouil liren heute Abend durch die Straßen. Verschiedene Gruppen betrunkener De monftranten wurden gewaltsam aus einandergetrieben. Muthige Zeitung. M o S k a u, 24. Jan. Die liberale Zeitung Rußky Viedomosti" hat durch ihre Auslassung über das Blutbad in St. Petersburg Sensation erregt. Sie sagt: Der offizielle Bericht kommt nicht vom Kriegsschauplätze. Die Opfer find nicht auf den Schlachtfeldern der Mandschurei oder im Kampfe mit einem ausländischen Feinde, sondern in einem Kampfe zwischen Truppen und russi schen Bürgern gefallen. Waffen mö gen tauglich fein eine friedliche Demonstration zu unterdrücken, aber sie sind nicht machtig genug, um die Wünsche russischer Herzen zu ersticken, die Folgen der Salven vom letzten Sonntag abzu wehren und die Bewegung für Freiheit und eine richtig organistrte Regierung an ihrer vollen Entwicklung zu hin dern." Unruhen in Moskau. St. Petersburg, 24. Jan. Von Moskau kommt die Nachricht, daß dort Unruhen ausgebrochen find. HelsingforS. 24 Januar. Tausende von Arbeitern versammelten sich heute Abend auf den großen Trep. pen der NikolaiKathedrale und durch zogen dann bis Mitternacht die Strafn mit rothen Fahnen. Die Fenster von öffentlichen Gebäuden, Hotels, Brauereien und einigen Zeitungsredak tionen wurden zertrümmert. Die Po lizei intervenirte erst sehr spät und verhaftete 50 der Demonstranten. K owne. 24. Jan. In allen Fa briken uud Werkstätten ist die Arbeit eingestellt. ' 53 i In st,24. Jan. Ein Streit hat hier begonnen; die Stadt ist ruhig. Reform-Bürgermeister, Moskau, 24. Jan. Der Stadt, rath wühlte wieder den Fürsten Ga litzm mit 113 gegen 10 Stimmen zum Bürgermeister. Der Fürst ist ein Führn der lokalen Reformbewegung und legte kürzlich sein Amt nieder, als die Regierung eine Erklärung gegen die Zwecke der Reformer erließ. Gen. Tropoff der Mann. St. Petersburg, 24. Jan. Die Ernennung des früheren Polizei chefS 'in Moskau, Gen. Tropoff, zum General-Gouverneur von Petersburg wurde den einem kaiserlichen Erlaß be gleitet, in welchem dem neuen General Gouverneur umfangreiche Vollmachten für Stadt und Gouvernement Peters bürg ertheilt werden. Frankreich. Börse. Paris, 24. Januar. Russische Werthpapiere hatten heute eine steigende Tendenz. Deutschland. Deutsch . amerikanischer Handelsvertrag. Berlin, 24. Jan. Die Ber liner Politischen Rachrichien" kündigen an, daß demnächst Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten betreffs Ab schluß eines HandelStarif . Vertrages
beginnen werden. Diese Verhandlun gen werden auf Grund der neum ame rikanifchen und deutschen autonomen Zolltarife erfolgen, und man erwartet hier, daß die Conferenzen zu einem beide Seiten befriedigenden Resultate führen werden, so daß in absehbarer Zeit die Kündigung des jetzt zu Kraft bestehenden Handelsabkommens vom 10. Juli 1900 geschehen kann.
Bezüglich deS handelspolitischen Ver hältnisseS Deutschlands und der Ver. Staaten berrschte vielfach die irrige An nähme vor, daß der Union obne Wei tereZ jene Konzessionen zufallen müß ten, welche Deutschland in neuen Han delsverträgen mit europäischen Staaten diesen machen wurde. Dem ist jedoch nicht so, denn eS besteht kein allgemei neS Meistbegünstigung Verhältniß. Nach dem jetzigen deutschamerikanischen Handelsabkommen sichern die Ver. Staaten die Zollvergünstigungen, wel che Frankreich und Italien eingeräumt sind, auch Deutschland zu, während deutscherseits für die Einfuhr aus den Ver. Staaten der Konventionaltarif während der Dauer des Abkommens garantirt ist. Der Abschluß eines regulären Handelsvertrags wäre natür lich dem gegenwärtigen Verhältniß weit vorzuziehen. Daß es dazu kommt, ist bekanntlich auch das Hauptziel der amerikanischen Handelskammer von Berlin. Betriebsein s chränkung. G l a d b a ch, 24. Jan. Drei große Fabriken haben ihren meisten Arbeitern mitgetheilt, daß sie dieselben wegen Kohlenmangel nicht beschäftigen kön nen. Fürst von Bulgarien. Berlin, 24. Jan. Fürst Ferdi. nand von Bulgarien wird am Don nerstag hier eintreffen und bis Sonntag Gast des Kaisers fein. Prof. Siemering . Berlin, 24. Jan. Prof. Ru dolph Siemering, Bildhauer und Mit glied des Senats der Akademie der bil denoen Künste, ist gestern gestorben. Zu seinen Werken gehört auch die Reiterstatue Washington's zu Phila delphia. AufderWacht. B r e S l a u. 24. Jan. Von Beu then, nahe der polnischen Grenze' wird gemeldet, daß die dortige Garnison bei Tag und bei Nacht wiederholt alarmirt wurde um dieselbe für den Fall vorzu bereiten, daß bei Ausdehnung der Un ruhen in Russtsch'Polen, Grenzver letzungen vorkommen sollten. Ansicht derGrubenbesitzer Berlin, 24. Jan. Geheimratb Rixdorf, Präsident deS rheinisch.west fülischen KohlensyndikateS, hat einem Korrespondenten der Frankfurter Z?i tung" erklärt, die Grubenbesitzer hätten nicht nur ihre materiellen Interessen zu vertheidigen, sondern auch ihre Ueber zeugung. Die 14 Forderungen der Streiker seien sämmtlich unannehmbar. Daher sei eine Diskussion derselben mit Delegaten der Streiker zwecklos. Die Arbeiter würden einsehen, daß sie durch den Streik Nichts gewinnen könn ten. Wenn die Regierung und die öffentliche Meinung versuchten die Gru benbesitzer zu .Verhandlungen mit den Streikern zu zwingen, so würde man sinden. daß die Grubenbesitzer lieber einen Verlust erleiden, als einen faulen Frieden schließen würden, dem neue Ausstände folgen müßten. Waffen für Rußland. Berlin, 24. Jan. Die russische Regierung hat bei Ludwig Loewe 500 Maschinengewehre bestellt, die so schnell wie möglich abgeliefert werden sollen. Verschiedene Ansichten. Essen, 24. Januar. Der hiesige Bürgermeister hat das Sammeln von Geld zur Unterstützung der Streiker verboten. Die Behörden von ' Bochum haben ein ähnliches Verbot erlassen. Cardinal Kopp von BreSlau hat den Streikern $750 und den Ausdruck sei ner Sympathie übersandt.
Mehl für die russische Flotte. Kiel, 24. Jan. Der Dampfer Kronborg" wlrd morgen mit 20,000 Sack Mehl für das zweite russische Pa
cisicgeschwader von hier abfahren. Es wird seinen Weg durch den SuezKanal nehmen. Ruhe im Streikgebiet. Köln, 24. Jan. Die Polizei behörben im Kohlendiftrikt erklären die Ruhe, welche in Streikkreism herrscht, für höchst bemerkenswerth. Die Po lizei - Äbtheilungen, die au? weiteren Theilen Preußens kommen, sind soweit überflüssig. Börse. Berlin, 24. Jan. An der Börse waren heute alle Wertpapiere fester. Russische Papiere standen f Punkte höher. Konflikt.B e r l i n, 24. Jan. Ein Konflikt zwischen der Regierung und dem Reichstage über die Aufwendungen in Deutsch. Südmestafrika, welcher durch das kürz liche JndemnitätS'Ersuchen deß Reichs kanzlels Grafen v. Bülow beigelegt schien, ist nun dennoch ausgebrochen. In der gestrigen Sitzung der Bud getkommision stritt Dr. Stuebel, Direktor der Kolonial'Abtheilung des Auswärtigen Amts, die Verpflichtung der Regierung ab, einen Etatposten für den Bau der Eisenbahn von Windhoeck nach Rehobot dem Reichstage vorzulegen. Daraufhin lehnten sämmtliche Parteien, außer, den beiden konserva tiven Fraktionen, die' bereits ausgege denen 200,000 Mark ab, obgleich Dr. Stuebel zu revoziren versuchte und seine frühere schroffe Erklärung abzuschwächen sich bemühte. Der Konflikt ist da und wird ohne Zweifel im Pe num des Reichstages zum Auötrag kommen. Giftmord'Prozeß. München, 24. Januar.- Hier beginnt in den nächsten Tagen der fen sationelle Prozeß gegen Dr. Iwan Braunstein, welcher der Vergiftung sei ner Gattin- beschuldigt ist und sich schon längere Zeit in Untersuchungshaft be findet. Dr. Braunstein hatte sich mit einer aus Halle a. S. gebürtigen Dame ver heirathet, die ihm ein Baarvermögen von 80,000 Mark in die Ehe brachte. Die Neuvermählten traten bald darauf eine HochzeilSreise nach Italien an, von welcher die junge Frvu lebend nicht mehr wiederkehren sollte. Es besteht nun der dringende Verdacht, daß Dr. Braunstein seine Frau während dieser Reise in einem Hotel durch Verabrei chung von vergifteten Speisen vorsätz lich um'S Leben gebracht habe, um sich in den alleinigen Besitz ihres Vermö genS zu setzen. Nachdem die Leiche M angeblich Vergifteten in einem Crema torium eingeäschert worden war, wurde Dr. Vrauniiein später unter der Be fchuldigung deS Giftmordes im Aus lande verhaftet und nach München, sei ner Heimath, ausgeliefert. Russischer Aufstand. BreSlau, 24. Jan. Spezial Telegramme von Readom, Rußland, melden, daß die Stadt in einer Art Be IagerungSzuftand isi; Patrouillen durchziehen alle Straßen. Das Milltär hat mehrfach auf Menschenmassen ge feuert, die in gleicher Weise antworte ten. Drei Offiziere wurden getödtet. Auch sollen mehrere Gebäude mit Dy namit in die Luft gesprengt worden sein. MecklenburgischeZu stände. Berlin, 24. Jan. Herr Bü fing, das einzige Mitglied deS Reichs tages, das demselben seit feiner Grün dung angehört, fragte an, ob der Bun deSrath nicht !n Mccklenburg'Schwerin interveniren wolle, um dem Lande eine Konstitution zu geben. ES herrschten daselbst Zustände, wie sie nur in der Türkei und Rußland vorkämen. Sekretär v. Posadowsky.Wehner er widerte, man könne mit der Anficht des Vorredners übereinstimmen, aber die Relchskonstitution gestatte keine Ein Mischung in die inneren Verhältnisse eineS BundeSftaateS. Der mecklcnbur gische Gesandte nach Berlin, v. Oertzen, sagte, der Großherzog behalte sich daS volle Recht vor, die Geschäfte seines Landes zu leiten und es müsse ihm an heimgeftellt sein, zu entscheiden, wann die Frage einer Konstitution zur Erör tcrung reif sei. Kohlen. Industrie. Berlin . 24. Jan. DaSMini. sterium deS Innern hat eine Denkschrift übn die deutsche Kohlenproduktion im Jahre 1904 veröffentlicht, auS der her
vorgeht, daß in der Streikgegend 67,. 499,557 Tonnen Kohlen von den ge lammten 120.694.093 Tonnen geför dert und 10,776.629 Tonnen Cookö fabrizirt wurden d. i. 5 Sechstel deS GefammtbetrageS. Deutschland führte im Jahre 1904 7,299.042 Tonnen Kohlen ein und 17.996,000 aus. Mexico. Neue Morde. El Paso,,Tex., 24- Jan. An tonio Astizarian, Mitglied einer-'be. kannten Familie Mexico's, wurde in der Gegend Mexico'S, wo Donnerstag die 4 Amerikaner gemordet murden, mit 2 Dienern von Z)aquiJndianern ge tödtet. Die Familie deS Viehzüchters M. Doane wurde ausgeplündert, doch wurde ihr gestattet, zu fliehen. Japan. GriScom beim Mikado. Tokio, 24. Jan. Gesandter GriScom und GefandtschaftSstab wur den heute in spezieller Audienz vom Mikado empfangen, der ste später zum Gabelfrühstück einlud. Interesse für Petersbürg. Tokio, 24. Jan. Die Japaner verfolgen die Vorgänge in Petersburg mit großem Interesse. Die Zeitungen geben Extrablätter mit Berichten über den Aufstand heraus. Oesterreich'Ungarn. Riefige Spielverluste. Wien. 24. Jan. In aristokratischchen Kreisen bilden das Tagesge fprüch die enormen Spielverlufte des ehemaligen Attaches der russischen Bot schaft, BuronS v. Schilling. Er ver lor im Wiener JockeyClu.b fast zwei Millionen Kronen. Gautsch's Programm. Wien, 24, Jan. Im Landtage hielt heute ber neue Premierminister Gautfch feine Antrittsrede. Er sagte.
daS schwierigste Problem sei, ein Ein Verständniß zwischen den Deutschen und Czechen zu erreichen. Die Negierung werde, sich bemühen die Unterstützung der Repräsentanten beider Nationalitäten zu erlangen; sie werde ferner AlleS auf bieten, um den Handel mit dem Auslande zu fördern und Industrie und Ackerbau zu entwickeln. Zum Schlüsse ersuchte Gautsch die Abgeordneten die Session zn Ordnung und friedlicher Thätigkeit zu beginnen. Versammlung aufgelöst. Wien, 24. Jan. Gestern Abend hielten Arbeiter eine Versammlung, um die Streittage in St. Petersburg zu besprechen. Sobald der erste Spie eher das Wort St. Petersburg fallen ließ, erklärte der anwesende Polizei beamte die Versammlung für aufgelöst. Der Befehl, den Saal zu räumen, rief zwar Proteste, aber keinen Widerstand hervor. A n t i ru s s i s ch e D e m o n . stration. Trieft, 24. Jan. Verschiedene hundert Arbeiter zogen gestern Abend vor das hiesige, russische Konsulat und riefen: Nieder mit dem Zaren! Nieder mit der Tyrannei und dem AbsolutiS MUS!" Die Polizei zerstreute die Menge ohne Schwierigkeit ; einige Verhaftungen wurden vorgenommen. Italien. Zuvielverlangt. Rom, 24. Jan. In der Deputir tenkommer kündigten die Sozialisten eine Interpellation an, ob die Regie rung die Entrüstung und den Schrecken Italiens über das Abschlachten von Streikern in St. Petersburg der rufst schen Regierung mitgetheilt habe". Harmlos. Venedig, 24. Jan. Auf Vor stellungen Japans hat die italienische Regierung Nachforschungen über das russische Kauffahrtei Schiff Gagarine angestellt, das in ein Kriegsschiff um gewandelt wird. ES bat sich ergeben, daß die Arbeit nicht sür Rußland ge tban wird, da der Gagarine von der Republik Halte gekauft wurde. Türkei. Christliche Brüder. S a l o n i ch i, 24. Jan. c?!nc griechische Rande tödtete und verwun dete bei CheSgeli 30 Bulgaren. Die bulgarischenBauern fliehen in dieBerge. Samoa. NeuerGouverneür. Tntuila, 24. Jan., 1. Jan.. über San Francisco, 24. Jan. Capt. vkoore von der amerikanischen Flotte ist hier angekommen, um Capt. Under wood als Kommandant und Civilgou verneur der Inseln abzulösen. . In einer Versammlung des östlichen Distriktes von Tutuila sprachen die Eingeborenen Capt. Underwood ihren Dank aus für sein Bestreben ein freund licheS Verhältniß unter der Bevölkerung herzustellen und ihre Lebensverhältnisse zu verbessern.
Deutsch-amkri!:anischc Post. T,u:',land nU sHncUftcr Oermittlcr deS Postvcrkehr c:i erster Stelle. Die Auslandpost gibt einen Maßstab für die utU ehr minder engen
Beziehungen zwischen den verschiedenen , Volkern. Ganz besondere Beachtung verdienen die Postberichte der Ver. Staaten, weil dieses Land theils wegen seiner großen Einwohnerzahl, theils wegen seiner geschäftlichen Regsamkeit über einen ganz gewaltigen Pojtverkehr verfügt, und zugleich Deutschland als Absender, Empfänger und Vermittler dieser Post eine bedeutende Rolle spielt. Von 2,500,000 Pfund Briefen und Karten, sowie 10,600,000 Pfund anderer Postsendungen, also insgesammt von 12,100,000 Pfund Postsachen, die von den Ver. Staaten über See nach fremden Ländern während des Geschäftsjahres 1. Juli 1303 bis 30. Juni 1904 abgegangen sind, empfing Deutschland 1,600,000 Pfund. Nur Großbritannien hat mit 2,970,000 Pfund einen größern Antheil an den amerikanischen Postsendungen. In Prozentzahlen ausgedrückt nimmt besonders von den transatlantischen Postsendungen Großbritannien 33.22. Teutschland 17.12, Italien 9.47, Frankreich 8.35, Oesterreich 7.33, Schweden 4.99 Prozent der amerikanischen Post in Empfang. Steht Deutschland als Empfänger der amerikanischen Post an zweiter Stelle unter allen Landern, so steht es an erster Stelle als schnellster Vermittler dieses Postverkehrs. Die Postsachen für Großbritannien und das europäische Festland werden jeweils dem schnellsten Dampfer übergeben, der in New Fork zur Abfahrt bereit ist; fahren zwei Schnelldampfe? am selben Tage oder an bald aufeinander folgenden Tagen, so gilt die Regel, daß die Post dem Dampfer überliefert wird, dessen bisherige Gcschwindigkeit zu der Annahme berechtigt, daß er die Post an der andern Seite des Ozeans am ehesten abliefern werde. Nicht weniger als vier deutsche Dampfer haben die' schnellsten Einzelreisen. und die schnellste Durchschnittsgeschwindigkeit gehabt. An der Spitze steht der Schnelldampfer Deutschland" der Hamburg-Amerika-Linie. Die amerikanische Post machte in diesem Dampfer ihren Weg in durchschnittlich sechs Tagen und wenigen Stunden. Aehnlich ausgezeichnet war die Postbeförderung nach Paris: die schnellste Reise der Deutschland" ermöglichte die Ablieferung der Post in der französischen Hauptstadt nach 152.5 Stunden, die Durchschnittsreisen nach 162.8 Stunden. Unmittelbar auf die Deutschland" folgen die Postbeförderungsleistungen der drei Dampfer Kaiser Wilhelm II.," Kaiser WilHelm der Große" und Kronprinz WilHelm" vom Norddeutschen Lloyd. Kuroki und der Stammtisch. Die Mitglieder eines Dortmunder (Westfalen) Stammtisches sandten am 24. September vorigen Jahres nachfolgendes Schreiben an den Oberbefelshaber der ersten japanischen Arme;, General Kuroki in Japan, zur Zeit Kriegsschauplatz" und zwar als Postkarte mit Rückantwort: Mit großem Interesse und wahrer Begeisterung haben wir Ew.' Excellenz Kriegsführung bewundert und wünschen' dem bisher unbesiegten Feldherrn der ersten Armee weitere glückliche Erfolge. Zur steten Erinnerung an die großartigen Siege bitten wir, auf angehefteter Karte um Ew. Excellenz Unterschrift. Dem gro ßen Feldherrn Heil! Die Mitglieder des Stammtischs Stuckmann." Am 24. Dezember, genau nach drei Monaten, lief folgendes Antwortschreiben ein: Auf dem Schlachtfelde in der Mandschurei, den 5. November 1904. Wie freue ich mich, von so großer Ferne zu unseren Siegen beglückwünscht zu werden! Wie Sie wissen, sind wir ja Schüler der deutschen Taktik. Und so ist meine Freude umsomehr verdoppelt, von den deutschen Herren hierzu gratulirt zu werden. Mit besonderer Hochachtung Ihr gehorsamer T. Kuroki, General und Oberbefehlshaber der ersten Armee." Hundc-Frenndschakt. Der Bäcker Hofmann in Piding, Bayern, hat zwei Hunde, die den Transport feiner Waaren nach Reichenhall bewerkstelligen. Neulich wurden die Hunde eines Nachmittags frei fortgelassen und man sah sie in der Richtung nach dem Wald am JohannesHügel laufen. Abends wurden sie erwartet, man ließ eigens das Haus offen, aber die Hunde kamen nicht und auch am nächsten Tage stellten sie sich nicht wieder ein. Man mußte sich dazu bequemen, den Brotwagen selbst zu ziehen. Mittags endlich machte man sich auf die Suche gegen den JohannesHügel zu; am Waldessaum angelangt, vernahm man von weither Hundegebell und kurze Zeit darauf sprang einer der Hunde laut bellend und wedelnd den Suchenden entgegen und dann wieder zurück, um die Leute zum andern Hund zu geleiten. Wo war dieser? Er hatte sich in einer Rehschlinge gefangen. Sein Genosse hatte bei ihm 24 Stunden ohne Fressen 'und ohne Wasser ausgehalten und gab durch heftiges Bellen von dem hilfsbedürftigen Zustände seines Ka meraden Kunde. Märchenvorlesungen für Kinder veranstaltet zur Zeit m München Frau Larsen-Mensiek, die Wittwe des verstorbenen Künstlers Paul Larsen.
Illustrationen sür Kinder. Sie Beschaffenheit elneS gute, seinen Zweik erfüllenden BilderdnchS. ' Das Streben jener, die in neuerer Zeit dem Bilderbuche ihre Theilnahme zugewendet haben, geht dahin, auch dieses literarische Produkt zu einem einheitlichen Kunstwerke zu entwickeln? nicht nur sein Inhalt in Bild und Text. auch sein Aeußeres, Umschlag, VorsatzPapier und Druck, soll in künstlerischem Sinne gestaltet werden. Es gibt aber kaum etwas Schwierigeres, als ein gutes Bilderbuch zu machen. Vor allem gehört dazu die unmittelbare durch keinerlei Reflexion beeinträchtigte Em? pfindung dafür, wie das Kind empfindet. Das Kind ist ein scharfer Richter; für das wirklich. Gute, Ursprüngliche hat es ein untrügliches Gefühl und es weist mit souveräner Verachtung alles zurück, was vor diesem Gefühl nicht bestehen kann. Nur dsr, dem selbst etwas von einer Kinderseele innewohnt, ist zu naiver Darstellung fähig und der Wirkung auf das Kind gewiß. Für den Text gilt dasselbe wie sür das Bild, vielleicht sind die Schriftsteller, die gute Texte dichten können, noch seltener als die, die gute Bilder zu machen im Stande sind. Die besten Texte sind solche, die allzu viel Moralisten vermeiden, mit wenigen leicht verständlichen Worten mannigfache Vorstellungen wachrufen, leicht in's Gehör gehen und sich deshalb auch leicht einprägen. Auch für die Bilder ist Klarheit und Einfachheit des Ausdruckes crne Hauptsachez zu sehr ausgeführte Zeichnung verwirrt und langweilt das Kind und Langweiligkeit ist der Kardinalfehler eines Bilderbuches. Die farbigen Bilder sind immer besonders interessant und ebenso jene, in denen außer dem Hauptgegenstande recht viele Nebendinge sich entdecken lassen, die den Gedanken Anknüpfungspunkte zu weiterem Ausspinnen geben. Was das Kind ferner besonders schätzt, ist die Darstellung des Ungewöhnlichen. Im Phantastischen ist es recht eigentlich zu Hause, Unlogisches stört es in keiner Weise, weil bei feinem beschränkten Gesichtskreise auch das Unwahrscheinliche ihm glaubhaft erscheint. Ebenso wenig ist das Groteske ihm unangenehm und vor allem liebt es lustige Bilder. Es lachr gern und ein als Mensch verkleidetes Thier, einen fortgewehten Hut findet es urkomisch. Dagegen 'liegt jedem Kinde die Satire völlig fern; wer' diese zu schätzen weiß, für den ist die Zeit des Bilderbuches längst vorüber. Theure Tprec." Ueber einen eigenthümlichen Fall hatte dieser Tage der Judge Advocate der Ver. Staaten-Armee zu entscheiden. Ein Soldat Namens Mitchell hatte sich eine Summe Geldes von seiner Löhnung erspart, um sich, sobald er genug beisammen hätte, damit loszukaufen. Ehe dieser Betrag vollständig war, begab der junge Krieger sich auf eine (Spree," betrank sich und blieb über die Zeit vom Dienst fort. - Als er wieder nüchtern geworden, stellte er sich. Eigentlich hätte er in's Loch müssen, aber in Ansehung feiner sonstigen guten Führung gestattete man ihm, sich der Desertion" schuldig zu bekennen, und ließ ihn dann unter suspendirtem Urtheil wieder in Dienst treten. Nun besteht aber die gesetzliche Vorschrift, daß einem. Deserteur alles, was ihm an Löhnung zukommt, konfiszirt wird, und so verlor Mitchell durch sein Schuldgeständniß die ersparte Summe, welche beim Zahlmeister deponirt war. Er wandte sich an die vorgesetzten BeHorden, um diese Summe zurück zu erhalten, aber der Judge Advocate entschied, es gehe zwar aus den Ausführungen des Kompagniekapitäns hervor, daß Mitchell nur , betrunken gewesen fei, und nicht die Absicht gehabt habe, zu desertiren; es sei bedauerlich, daß man ihm gestattet habe, schuldig, zu - Plaidiren, denn damit sei formell die Desertion festgestellt, und das Geld müsse konfiszirt bleiben. Verirrte scharfe Patronen. Durch eine Untersuchung ist festgestellt worden, daß sich unter den 1,750,000 Platzpatronen, welche während des letzten Sommers an die regulären Truppen und Milizmannschaften ausgetheilt worden, die an den Manövern bei Manassas, Va., und in Kalifornien theilgenommen haben, zwei scharfe Patronen befunden haben. Die eine fand sich in Virginien. die andere in Kalifornien. Die Person, welche die in Kaliformen entdeäte scharfe Patrone vcrpackt hat, ist durch die Initialen festgestellt worden, mit welchen jedes Packet versehen sein muß, und der Schuldige ist sofort entlassen worden. In dem Fall in Virginien ist es jedoch nicht gelungen, die Schuldfrage aufzuklären.. Als weitere Vorsichtsmaßregel sind alle Packete mit Platzpatronen genau revidirt und gewogen worden, und dabei fand sich noch eine scharfe Patrone. Der Verpacker wurde auch in diesem Falle entlassen. Fortan wird jedes Packet Patronen gewogen werden, wobei sich die Anwesenheit einer scharfen Patrone unfehlbar ergeben muß. Werthvolle Musikbib1 i o t h e k. Die von dem kürzlich in Chicago verstorbenen Orchesterdirigenten Theodor Thomas hinterlassene musikalische Bibliothek,, eine Sammlung seltener Manuskripte und Partituren, die ihm zum Theil von den Autoren selbst geschenkt wurden, soll einen Werth von $300,000 haben.
