Indiana Tribüne, Volume 28, Number 130, Indianapolis, Marion County, 24 January 1905 — Page 6
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Jttdiam, Trtbunc, 2'. Januar 1905.
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Die Sßige.
Von Alfred Kodantke. Die Geige winkt Und singt und klingt Und auf die Paare springen; DaS Mädchen sinnt. Der Tanz beginnt. Die Paare kreisunr schwingen. Die Geige klagt, ' Das Mädchen zagt. Verzweifelt an der Liebe. Die Welt so weit Ist voller Leid. Äoll Leid das Weltgetriebe. Die Geiae weint. Und alles scheint Der armen 2)&nd verloren. Vergih es nicht. Er lei,e spricht. Daß Treue ich geschworen. Die Geige lacht. Und traumerwacht Die Mädchenaugen sprühen, Es flieht der Ecbmerz Das zage Herz. Und Licbeswonnen glühen. Das Ende vom Lied. Von Lotte Gubalke. Ich sah heute früh Karl Ewald von Gummern. Wir konnten uns nur flüchtig die Hände drücken, ich mußte meinen Vorortzug noch erreichen. Aber er hat mir versprochen, mich heute Abend zu besuchen. Zwei Jahrzehnte sind vergangen, seit ich Karl Ewald von Gummern zuletzt gesehen habe. Mit einem Schlag stand jener schwüle Sommertag wieder vor meiner Seele. Karl Ewalds Frau war eine Freundin meiner Mutter; wenn sie eine Einladung schickte, so war stets mit besonders herzlichen Worten am Schluß bemerU, daß ich mitkommen solle. Ich sah ihn wieder vor mir, wie damals, den stattlichen Mann mit dem gewichsten, feingedrehtenSchnurrbart und den lebenslustigen Augen, die zuweilen so wehmüthig, fast sehnsüchtig blicken konnten, wenn der Schalk aus den Augenwinkeln auch nie ganz verschwand. In dem kleinen, rothen Salon seiuer Frau saßen wir an jenem Nachmittag. Er stand da ein wenig kleinlaut, ein wenig schüchtern, wie immer, wenn er vor dieser, seiner Herrin stand: den Kopf leicht gesenkt und halb auf die Seite gelegt, die Neitpeitsche in der Hand. Das Reitkostüm paßte ausgezeichnet zu ihm, und er schien das zu wissen. Schlank und biegsam, wie eine Weidengerte, 'war seine Figur. Und seine Frau saß wie immer in die Sofaecke geschmiegt. Sie hatte heute ein besonders nervöses Spiel um den Mund, der von einem feinen, dunklen Flaum beschattet war, und ihre schmalen, fast zu mageren Hände zerpflückten ärgerlich die Blumen, die Karl Ewald ihr gebracht hatte. Daß Frau Malwida von Gummern immer im Sofa saß und von allerlei weichen Seidenkissen umgeben war, daß ihre kleinen Füße immer auf einem Fußkissen standen und ihre Gestalt immer in lose Gewänder gehüllt war, die hinten zu einer Watteaufalte geschürzs waren, hatte feinen Grund. Sie war etwas verwachsen und ihr schönes, etwas hochmüthiges Gesicht. der große, sehr künstlich frisirte Kops paßte wenig zu dem kleinen, gebrechlichen Körper. Die wenigen Male, wo ich sie aufrecht stehend neben Karl Ewald sah, bemerkte- ich, daß sie ihm kaum etwas höher als bis zum Ellenbogen reichte. Damals war ich ein Kind von vielleicht fünfzehn Jahren und die Tragweite der Ereignisse, die sich an diesem Nachmittag abspielten, waren mir nicht klar, wenn ich auch alt genug war, um das Peinliche zu empfinden. Ich nannte bisse Freundin meiner Mutter Tante und meine KinderPhantasie beschäftigte sich viel mit dem ungleichen Paare. Auf Schloß Kornbürg war alles anders als daheim bei meinen Eltern. Unser Haus lag so, daß die Morgensonne in die großen Fenster scheinen konnte, vor denen lichte Gardinen hingen und immer Blumen blühten. Und meine Mutter selbst war eine stattliche Frau, der die Sonne des Glücks gelacht hatte. Auf Kornburg geb es nur Zimmer mit gedämpftem Licht. Es mußte sich seinen Weg durch hellblaue, rothe oder grüne Vorhänge suchen. Dadurch bekamen die Menschen, die sich in diesen Räumen aufhielten, eine unnatürliche Gesichtsfarbe, etwas Puppenhaftes und Starres. An jenem Tag also saßen wir im rothen Zimmer. Sogar meine Mutter sah bei dem rothen Licht aus wie eine Wachsfigur aus einer Jahrmarktshude. Tante Malwida glich diesen Wachsfiguren noch viel mehr. Sie war stets roth und weiß geschminkt und unter ihren lebhaften Augen lagen dunkle Schatten. Garl Ewald" sagte Tante Malwida sie sprach das K immer so merkwürdig weich aus wo willst du nun schon wieder hin? Der Himmel sieht nach Gewitter aus und du weißt doch, ich werde elend, wenn ein Wetter kommt und 'du bist nicht zu meinem Schutz da! Und dann haben wir doch liebe Gäste!" . Karl Ewald versicherte, es gäbe kein Unwetter. Und gerade, weil Labiel
mit dem Kind hier ist, du also in angenehmer Gesellschaft bist, wollte ich j einen Ritt unternehmen, ich muß mit dem Förster Reckrodt wegen der Jagd Rücksprache nehmen." ' Tante Malwida blieb bei ihrem Wunscb. ' I Garl Ewald setze dich zu uns und unterhalte uns ein wenig mit deinen Talenten." Er ging mit einem Lächeln, das liebenswürdig, ergeben und müde war, bis zur Thüre mit der Begründung, er wolle sein Reithabit wechseln. Tante Malwida aber meinte: Nein, Garl Ewald, gerade in dem Reithabit sehe ich dich so gerne und außerdem könnten wir gegen Abend eine Spazierfahrt machen wir, Labiel und ich und das Kind eben nach der Försterei, du reitest neben her das liebe ich so sehr dann kannst du auch deine Jagd verabreden." Karl Ewalds Talente waren sehr vielseitig. Er mußte sich an den Flügel setzen und auf den Wunsch seiner Frau hintereinander die drei Grenadiere, das Heidegrab und Adelaide singen. Seine Stimme war angenehm, ohne sonderlich: Schulung, was ich damals nicht verstand. Dann mußte er pfeifen ganze Opern konnte er mit Klavierbegleitung zu Gehör bringen, und schließlich kamen die Karten an die Reihe. Malwida von Gummern unternahm nichts, ohne eine Patience zu legen. Die Patience ist dreimal hintereinander aufgegangen, folglich gibt es kein Unwetter und wir können getrost die Fahrt unternehmen!- Darf ich dich bitten, mein Freund, das Anspannen anzuordnen?" Karl Ewald trat ans Fenster, schob die rothe Gardine ein wenig zurück und wagte zu widersprechen: Ich fürchte, liebe Malwida, du hattest vorhin recht mit deiner Prophezeiung es scheint thatsächlich ein Wetter über dem Wald zu stehen m Nein, nein, fürchte nichts, wir fahren, wir verlassen uns auf die Karten." Und wir fuhren. Tante Malwidas Kammerfrau brachte einen großen, weißen Hut, dessen Rosengirlande von einem weißen Schleier halb verdeckt war und einen feinen, seidenen, rothen Shawl, in den hüllte sich die Frau Baronin und dann ging sie am Arm lhres schönen, stattlichen Mannes über die Veranda nach dem Wagen. Er hob sie sorgfältig hinein und nachdem meine Mutter neben ihr und ich gegenüber Platz genommen hatte, bestieg er sein Pferd. Es war ein wundervoller Abend. Hier und da hatten sich wohl Wolken aufgethürmt, aber ein leiser Wind trieb sie immer wieder zurück. Vielleicht lächelte deshalb Tante Malwida so zufrieden. Wie sie da, wieder umgeben von weichen Kissen, neben meiner Mutter saß mit dem Vlumenhut und dem geschminkten Gesicht, erfaßte mich ein mitleidiges Grauen. Ich wußte nicht recht warum, aber Karl Ewald von Gummern that mir leid . . Die Kosten der Unterhaltung trug meine Mutter. Karl Ewald ritt einsilbig neben dem Wagen her. Nur einmal, als der Wagen in den Waldweg einbiegen mußte, der zur Försterei führte, schlug er vor, einen anderen Weg zu wählen. Er schilderte die Schönheit einer Waldwiese, auf der ein kleiner See lag, und sprach von den vielen Stechfliegen, die in dem windstillen Waldweg sich aufhielten. Aber er war nicht im Stande, Malwida von ihrem Plan abzubringen. Als wir dreiviertel des' Weges zurückgelegt hatten, trafen wir auf eine Laube, die, aus einer verschnittenen Hainbuche gebildet, hart am Wege stand. Eine Steinbank stand darin und auf der saß ein junges Mädchen. Sie schien wartend nach jemand auszuschauen, denn sie hatte den Oberkörper etwas vorgeneigt und die Hand schützend vor die Augen gelegt. Der Kutschne? knallte ziemlich ohne Grund mit der Peitsche. Der JagdHund, der uns begleitete, bellte freudig auf und schmiegte sich an die Sitzende. Sie selbst aber erhob sich und grüßte ehrerbietig. Ihr hübsches Gesicht war ganz bleich. Meiner Mutter stieg eine helle Röthe in's Gesicht und Tante Malwida sagte zu Karl Ewald: Ist die Christel schon wieder aus ihrer Stellung entlassen? Ich glaubte ste in Bremen! Nun, so trifft sich das a vorzüglich. Ich werde mit dem alten Förster ein energisches Wort reden. Ich halte es für meine Pflicht, dafür zu sorgen, daß niemand von meinen Leuten verloddert. Man müßte Christine Reckrodt eine Zeitlang zu den grauen Schwestern thun, vielleicht lernt sie da Raison. Wäre sie aus gutem Holz, so würde es ihr am Herzen liegen, die Schuld ihrer leichtsinnigen Mutter durch ein frommes Leben zu sühnen." Karl Ewald von Gummern widersprach ganz .ruhig und mit harter Stimme. Du befindest dich in einem Irrthum, liebe Malwida. Das Mädchen ist nicht fortgeschickt aus seiner Stelle, sondern es hat sie niemals angetreten, denn ihre halbblinde Großmutter kann nicht ohne ihre Hilfe leben, du weißt, sie ist nach dem Tod ihrer Mutter die einzige Stütze der alten Leute." ,
Und warum, erfahre ich erst jetzt, daß meine Anordnungen nicht befolgt sind?" . Ich wollte dir Verdruß ersparen. Am Ende genügt es ja, daß mir davon Kunde wurde. Und dann wirklich, Malwida, lerne doch einsehen, 'daß deine Macht nicht so weit reicht . . Sie unterbrach ihn kurz. Widerstrebt der Förster meinen Wünschen, so wirst du ihm kündigen." Meine Mutter legte begütigend die Hand auf Tante Malwidas Arm, die sich nur mühsam beherrschte. Karl Ewald sagte ganz kurz, mit einem Blick nach dem Himmel: Heinrich, wende um, sonst überrascht uns das Wetter, ehe wir nach Haus kommen, doch noch." Und der Wagen fuhr zurück. Wir kamen wieder an der Laube vorbei, sie war leer. Fast wäre noch ein Unglück geschehen. Wir kamen in einen Schwärm fliegender Ameisen, die Pferde wurden wild. Der Kutscher konnte sie nur mit dem Ausgebot aller Kräfte halten. Als wir glücklich zu Haus ankamen, war Tante Malwida so angegriffen, daß sie sich von ihrer Kammerfrau unter Beistand meiner Mutter zu Bett bringen ließ. Dann hatte meine Mutter noch eine ziemlich lange und erregte Unterredung mit Karl Ewald. Ich hörte von der Veranda aus, auf der ich allein mein Abendbrot einnehmen mußte, wie der Baron aufgeregt in seinem Zimmer auf und ab , ging und leidenschaftlich sprach. Meiner Mutter begütigende Worte schienen wenig zu fruchten. Ich schloß das aus dem Seufzer, mit dem sie sich in die Kissen des Wagens fallen ließ, der uns bald darauf 'nach Haus brachte. Meine erstaunten Fragen wurden ausweichend beantwortet. Tante Malwida war eben eine nervöse und leidende Frau, man müsse Geduld mit ihr haben. Am andern Morgen holte ein reitender Bote meine Mutter nach Schloß Kornburg. Tante Malwida war Nachts im Fieber in einem unbewachten Augenblick über die Brüstung des Balkons gestürzt. Sie war bereits todt, als man sie nach vergeblichem Suchen fand. Das Unglück war geschehen, während die alte Kammerfrau nach Karl Ewalds Zimmer ging, um ihn zu rufen. Mein Vater wurde bald darauf versetzt. Meine Eltern sprachen in meiner Gegenwart überhaupt nicht von der trostlosen Angelegenheit. Erst nach Jahren erfuhr ich von meiner Mutter, daß Tante Malwida, aus Eifersucht wie es schien, ihrem Dasein selbst ein Ziel gesetzt hatte. Karl Ewald von Gummern hielt sein Versprechen und ' kam noch an demselben Abend zu mir. Er war immer noch ein schöner Mann. Seine Kleidung war sorgfältig und von gewähltem Geschmack, seine Figur hatte auch im Alter die jugendliche Schlankheit behalten. Nachdem er mir seine Freude über ein Wiederfehen und sein Staunen darüber ausgesprochen hatte, mich als wohlbestallte Kinderärztin wiederzufinden, und auch meinen Mann, der leitender Arzt eines großen KrankenHauses war, kennen gelernt hatte, zogen wir uns auf mein Zimmer zurück, ich zündete die Kaffeemaschine an und während ich den braunen Trank bereitete, erzählte er mir, daß er schon seit mehr als zehn Jahttn in Berlin lebe. Und warum blieben Sie nicht in der Heimath? Ich kann nicht begreifen, wie jemand seine Scholle verlassen kann, um in der Stadt zu leben in Berlin, wo der einzelne so wenig Raum hat!" Er antwortete nicht gleich, und ich sah ein, daß ich ihm mit meiner Frage weh gethan hatte. Lulu" sagte er, er hatte das freundschaftliche du" auf meine Bitten beibehalten du bist mir wie ein Gruß aus glücklichen Jugendjahren in mein altes, einsames Leben hineingeweht. Ich hatte so lange keinen Menschen, mit dem ich über das reden konnte, was war." Dann erzählte er mir seine Lebensgeschichte. Er sprach mehr für sich selbst, als wolle er sich Ursache und Folge und die Zusammenhänge aller Geschehnisse klar machen: Weißt du, so eine verarmte Familie das ist ein elend Ding. Ich war der Jüngste meine Brüder waren in die Armee eingetreten. Zwei davon fielen im Krieg und der dritte mußte schuldenhalber den Abschied nehmen. . Er war kein böser Mensch nein, Gott bewahre leichtherzig, sorglos, meinte er, die Vorsehung sei's ihm schuldig, um seinetwillen ein Wunder zu thun. Der alte Kornburg war ein Vetter meiner Mutter. Malwida, nun ja, Malwida, sie war eigentlich meine Tante. Sechzehn volle Jahre älter, als ich. Ich vierundzwanzig, sie vierzig Jahre alt. Du wirst sie dir noch vorstellen können. Glaube mir, Kind, es hat mir einige schlaflose Nächte gelostet, bis ich auf diesen Handel einging. Aber da war die alte Frau, die, so lange ich denken konnte, in ihrem Wittwenstübchen gesess en hatte, zwis chen einigem alten Gerümpel und Familienbildern, die sie nun voller Stolz in passende
Räume" hängen konnte. Meine Mutter durfte nämlich nach Kornburg ziehen. Sie wohnte bis zu ihrem Ende in.dem kleinen Wittwenhaus am Ende des Parks und sonnte sich in dem großartigen Bewußtsein, daß ein Gummern wieder über Land und Leute gebieten könne An den Preis, den. er dafür gezahlt hatte, dachte sie nie und als ich einmal davon sprach, da verstieg sie sich zu einem so häßlichen Trost für die Zukunft wenn auch nur andeutungsweise, daß ich meine Lage im grellsten Licht sah und mich ehrlich schämte. Ich habe Malwida alle schuldige Rücksicht angedeihen lassen. Sie liebte mich mit aller Kraft ihrer Seele. Leider wohnte in ihrem Körper keine schöne Seele.' Die innere und äußere Verkrüppelung ging Hand in Hand. Sie war maßlos eifersüchtig und quälte mich und ihre Umgebung mit raffinirter Grausamkeit. Ich sagte dir, daß ich mich damals ernstlich schämte, als meine Mutter tröstend zu mir sagte: du bist ja so jung deine Glücksjahre werden kommen, wenn . . ." Ja, siehst du, mein Kind, ich wurde so schlecht nach und nach, daß ich oft genug die Fäuste drohend hob, wenn Malwida nach Stunden der Qual, in denen ich sie mit meinen sogenannten Talenten in dem rothen oder blauen Zimmer hatte unterhalten müssen, mich entließ. Damals, an dem Nachmittag du entsinnst dich vielleicht auf die Geschichte mit der Christine und aus Malwidas trostloses Ende da hatte sie vielleicht zum erstenmal Grund zur Eifersucht . . . Diese Christine diese Christine . . . Jede Frau, die meinen Lebensweg kreuzte, beeinflußte mich unheilvoll selbst meine Mute." Nun waren Sie doch aber frei, lieber Herr von Gummern, und nun hätten Sie doch aufathmen können nach all' den Jahren der Buße und Qual!" warf ich ein. Ja. ja, aufathmen! Was denkst du dir, mein Kind. Ich wollte es auch, aber ich konnte nicht. Zwei Jahre betrauerte ich meine Frau kurz, ehe die Trauerzeit zu Ende war, starb meine Mutter. Dann heiräthete ich die Christine. Nun wähnte ich mich am Ziel aller meiner Wünsche. . So schön war sie. Schlank und rank und voll Lust und Leben, und doch... Siehst du, Lulu, das war jetzt genau die umgekehrte Geschichte, als wie zwischen Malwida und mir. Ich war volle zwanzig Jahre älter als Christine. Manchmal dachte ich, wenn mich die Eifersucht packte, das wäre der Fluch, den mir Malwida hinterlassen. Ich hatte, als Christine in's Haus einzog, die dunklen Vorhänge von den Fenstern nehmen lassen. Luft und Sonne strömten ungehindert hinein. Aber diesen eindringlichen Moschusgeruch, denMalwida geliebt hatte, der aus allen Möbeln und Kissen strömte, die jemals mit ihr in Berührung gekommen waren, den konnte ich nicht entfernen. Wenn die Dämmerung herniedersank, dann war es, als ob dieser Duft die Macht hätte, die Todte leibhaftig vor meine Augen zu zaubern. Ich sah sie durch's Zimmer huschen, sah ihre großen Augen böse aufleuchten und meine Ruhe war hin. , Und dann war da noch eine sehr wunderliche Sache. Ich vermißte die stramme Zügelführung. Immer hatte mich eine Frau beherrscht. Erst meine Mutter, dann Malwida. Und diese kleine Christine war , ein - weiches, leichtherziges Kind, die einen starken Eigenwillen hatte und sehr begehrlich war. Und ich ich war ein haltloser, alter Mann und eines Tages war es genau, wie damals an jenem Sommertag ich hatte Grund zur Eifersucht. Ich weiß nicht, ob es eine so haarscharfe Vergeltung im Leben gibt oder ob es Zufall war. Ich überraschte sie in jener Hainbuchenlaube mit dem Nachfolger ihres Großvaters. Da habe ich nicht, wie Malwida, meinem Leben ein Ziel gesetzt nein, ich habe sie freigegeben, ich habe mich scheiden lassen. Das Schoß und alles, was damit zusammenhing, war mir verleidet. Ich habe es bei Lebzeiten meinem Neffen abaetreten und bin nach Berlin gegangen... O es ist grauenvoll. Nachts träume ich davon, was aus mir hätte werden können, wenn ich den Muth zur Arbeit gehabt hätte. .Dann sehe ich mich mit Spaten und Rodehacke bewaffnet, Aecker von Dornen und Disteln befreien oder ich mache fern der Heimath wüste Landstrecken urbar für deutsche Colonisten. Und wenn ich erwache, dann fällt mein Blick auf Kirchen und Villen, wie sie die Großstadtleute bauen, und mich packt ein Heimweh ein Heimweh nach meiner Jugend nach Glück, das ich nie kannte, weil ich es nicht im Schweiß meines Angesichts errang . . ." Armer Karl Ewald von Gummern.
Die Arbeit. Wenn Sie nichts mehr haben, Herr Graf, dann versuchen Sie es doch einmal mit der Arbeit." Graf (verkrachter Lebemann): Arbeit? Hm! Ja, davon liest man jetzt so viel!"
H00HH0Kr-0h 0H3 c -Allerlei. ;! v I 0-rC00CO-rlJtQ .
In Ungarn gibt es nach den leten Promotionen 13 weibliche Aerzte. " iU Frau Johanna Simon, geb. Salinger, die kürzlich in Berlin gesto:b:n ist. hat testamentarisch eine Mill.on Mark zur Errichtung eines WaisenHauses für alle Konfessionen bestimmt. Die jungen Chinesinnen beginnen jetzt europäische Wissenschaften an japanischen Schulen zu lernen. Eine 'Anzahl Studentinnen sind neuerdings eingetroffen und viele sollen bereits an den -Töchterschulen Japans angenommen sein. jfc sjt i$ Im Städtchen Hugo in Colorado wurde Frau JohannaWood, eine!utter von zwölf Kindern, einstimmig zum Schutzmann erwählt. Die Einwohner der Stadt schlössen, daß. wer ein Dutzend amerikanische Jungen und Mädels in Zucht und Ordnung halicn lann, auch die zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung geeignete Persönlichkeit sei. H Frau Fanny Workmann. eine tüchtige amerikanische Hochtouristin, hat neuerdings den höchsten bisher erreichten Berggipfel im Himalayagebirge. den 7200 Meter hohen PyramidenPeak erstiegen. Frau Workmann weilt gegenwärtig in Paris und spricht unter vielem Beifall in Konferenzen der Geographischen Gesellschaft daselbst über ihre mühevollen und gesährlichen Reiseersahrungen. Ein Reichstagsbild . der Malerin Greie Waldnu wird als Schluck deZ Reichstags - Präsidial - Gebäudes verwandt werden. Das 2 Meter breite G'mälde vereinigt die Hauptfront des Reichstagshauses mit dem BismarckDenkmal zu einer geschlossenen Wirkung. Die Naturstudie, die als Grundläge für das Bild gedient hat, ist rom Grafen Ballestrem angekauft worden; sie ist für Schloß Plawniowitz bebestimmt. An der Universität Straßburg sind unter 1395 eingeschriebene Studenten 224 Frauen als Gasthörerinn: zugelassen worden, von denen 203 in der phisosophischen, 17 in der medizinischen, je 1 in der evngelisch-theolo-gischen und in der mathematisch-na-turwissenschaftlichen Fakultät hören. Die Universität München hat unter -5054 Studenten 47 Studentinnen mit dem Reifezeugniß, 17 Bayerinnen, 30 deutsche Ausländerinnen" (!). Davon studiren 2 Staatswirthschaft, 27 Medizin und 9 Philosophie. '' Prinzessin Victoria Margarethe von Preußen interessirt sich für ein talentvolles Kind, Daphne Hilmers, das mit seinen Eltern an der.Cottage Grove Avenue in Chicago wohnt. Trotzdem an der Kgl. Hochschule für Musik in Berlin keine Schülerinnen unter 16 Jahren aufgenommen werden, setzte es die hohe Gönnerin durch, daß durch die Bermlttlung Joachims der Vorsteher der Schule das 7-jähri-ge Kind als Schülerin für das Clavierspiel nnahm. Hoffentlich verwttlllchen sich die Wunsche des Fmoes, der Eltern und der Lehrer. 5 5 Ein kleines 13-jähriges Mädchen iikd in London fast in jeder Wcche als Dolmetscher zu Gerichtssitzungen herangezogen. Sie ist die Einzige in London. die in solchen Fällen helfen kann, wo Litauer zu vernehmen sind, hat aber auch jetzt mehrfach vor anderen Dolmetschern den Vorzug erhalten, wenn es sich um die Ve. 'ehmung von Polen handelt. Ihr Litauisch lernte sie von ihren litauischen Eltern, und Polnisch war so zu sage.l ihre Landesspräche, aber es ist im höchsten Grade auffällig, daß die Kleine, die erst wenige Jahre in England ist. das Erglische so vollkommen rein und accentlos spricht, daß jeder sie für eine Englanderin hält. , Ihr Vater, der dem einfpchen Berufe eines Pantcffelmachers nachgeht, ist klug genug, einzusehen, welche Vortheile der Kleinen aus ihrem Sprachtalent erwachsen können, und hat sie zur weiteren Ausbildung dieses Talentes in eine deutsche Schule OstLondons geschickt. . Wie die russischen Blätter melden, ist gegenwärtig eine besondere KomMission mit der Ausarbeitung eines Programms für . die Thätigkeit des einzuberufenden allrussisch n Fra"e"kongresses beschäftigt. Der Kong'.eß bezweckt in erster Reihe die Vereinzeltlichunz der Arbeit der Frauen auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit und die Förderung der Frauensache im Allgemeinen. Unter Anderem wird der Kongreß über folgende Fragen zu berathen haben: Die öfsent.iche und pxu vate Wohlthätigkeit der Frauen. Kinderfürsorge, Betheiligung der Frauen an dem Kampfe gegen die Prostitution. Maßnahmen. gegen die Kindersterblichkeit, die Rolle der Frau iwder Kindererziehung, die Finu auf dem Gebiete der Pädagogik, die Frau und die Landwirthschaft, die Fachschulen für Frauen, die Thätigkeit der Frau in den Korrektionshäusern und Gefängnissen, die Frau auf den: Gebiete der Wissenschaff, Literatur und Kunst, die Frau als Aerztin u. s. w.
