Indiana Tribüne, Volume 28, Number 130, Indianapolis, Marion County, 24 January 1905 — Page 1
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- . : . ' ' f Erscheint jeden Nachmittag. Jahrgang 28. . Indianapolis, Ind., Dienstag, 24, Januar 1905. No. 130 -
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Ein GsschaftSgenie.
John W. Cox, 409 Jndiana Ave. wurde gestern unter Anklage deS GroßdiebstahleS an die Großgeschworenen überwiesen. Nach Aussagen der Po. lizei hat Cox sich auf den Kohlendieb stahl en groS verlegt. Er verlauste große KohlenordreS für $1.50 bis $2 pro Tonne, engagirte dann einen Fuhrmann, dem er beausträgte von den Eisenbahnwagen, die aus den Geleisen standen. Kohlen aufzuladen und direkt abzuliefern. Seine Methode war nun so frech, daß die Bahnbeamten, im Glauben, es mit einem Angestellten der Kohlenhändler zu thun zu haben, ihn ruhig gewähren ließen. Am Samstag verkaufte er einer Wäscherei 10 Tonnen Kohlen und miethete dann einen Fuhr mann, den er mit der Ablieferung der. selben beauftragte. Während er mit dem nichtZahnenden Fuhrmann bei dem Kohlenwagen herumarbeitete, erschien ein Angestellter einer Kohlenhandlung, der Cox dank? zur Rede stellte. Mit der Absicht, sofort seiner Firma zu telephoniren. da ein Irrthum vorliege, ging Cox davon und wurde nicht ge sehen, bis ihn Polizist Cox am Abend desselben Tages festnahm. Jndianapolifer getödtet. L a f a y e t t e . 24. Jan. in weglichzehender Extra-Big 4 Zug derließ während der Nacht die Geleise und wurde völlig demolirt. Ingenieur Lindsey Buröett von Indianapolis wurde augenblicklich getödtet; Heizer H. A. NiehauS aus Indianapolis erlitt schwere Quetschungen und HilsMaschinist I. W. Kincaid gleichfalls aus Indianapolis wurde schwer am Arme verletzt. Die Entgleisung wurdö durch ein Versagen der Lustbremse her. beigeführt. Alle drei Männer spran gen ab als sie das Unglück sahen. Der Zu5 fuhr mit einer Geschwindigkeit von 50 Meilen pro Stunde. ' BurchettZ Kopf wurde an einer Schiene zerschmettert und der linke Fuß wurde oberhalb deS Knöchels abgefahren. Die Uebrigen wurden nicht lebensgefährlich verletzt. Der Zug verließ Indianapolis ge stern Nachmittag etwas nach 4 Uhr. Burchett hinterläßt Frau und drei kleine Kinder. Kalte Welle gemeldet. Laut Meldungen des Wetter-Bu. aus steht unS für heute eine weitere kalte Welle in Aussicht. Die Tempe. ratur soll während der Nacht bis unter den Nullpunkt fallen. Das voraus sichtliche Wetter wird als klar gemeldet. Neue Klagen. Vor mehreren Tagen reichte LewiS F. Palmer, ein Restaurateur, 237 W. Washington Str. eine Scheidungsklage gegen seine Gattin Jdella ein und ge stern antwortete d'ieselbe mit einer be schworenen Aussage, in der sie angiebt, daß sie ohne Mittel ist und eine wö chentliche Unterstützung von ihrem Gatten während der Schwebezeit der Klage verlangt, sowie auch 8100 in Baar, mit welchem TSelde sie sich zur Vertheidigung zu rüsten gedenkt. Ihrer Ansicht nach ist 'PalmerS Restaurant etwa 6600 werth, er besitzt $500 Stock in einer Eis . Compagnie, hat $1100 in der Bank und $2200 in anderem Eigenthum. George McK ib bon, reicht ge gen die New Castle Bridge Co., eine Klage auf 510,000 Schadenersatz ein. Gelegentlich des Stanzens von Löchern in einen eisernen Bebalter, flog ihm ein ausgesprengtes Stück Eisen in'S Auge, dasselbe zerstörend und er hält die Com. panie für den Vorfall verantwortlich da ihm nicht genügend Lichi geliefert wnrde, in dem dunkelen Raume ordent lich sehen zu .können. Die drei der Beraubung deS Straßenbahn-CondukteurS Smith angeklagten Männer wurdegeftern im Criminalgerichte schuldig befunden. Arthur Wetzel erhielt 13 Jahre Gefängniß. während Ed. Arnold und John Bell mit je 2-4 Jahren bestraft wurden.
Harrh W. Bennett
Vom Präsidenten zum Postmeister von In, dianapoliS ernannt. - An Stelle des ausscheidenden Generals George F. McGinniS wurde Henry W. Bennett vom Präsidenten zum Postmeister von Indianapolis er. nannt. Herr Bennett ist wohlbekannt in hiesigen EesellschastS. und Geschäfts, kreisen. Mit seinem Vater. Wm. H. Bennett, zusammen, war er seit vielen Jahren der Leiter der Indianapolis Stove Company. Herr Bennett wohnt mit seiner Gemahlin und seinen 2 Kinder in No. 1013 Nord Delaware Straße. Ans dem Stadtrathe. Am gestrigen Abende versammelte sich der Stadtrath wiederum auf Ersuchen deS Bürgermeisters Holtzman in Extra.Sitzung, um die Massachusetts Avenue Track Elevation Ordinance" endlich zur Erledigung zu bringen. 19 Stadtväter leisteten dem Rufe Folge. Gleich nach Eröffnung der Sitzung durch den Präsidenten BillingSley nahm dieselbe einen zeitweise äußerst stürm! schen Verlauf. Die Gegner der Ordi nanz machten in der Hauptfache darauf aufmerksam, daß die eventuelle An nähme' derselben die Stadt zu einer gänzlich unnöthigen uud hohen Geld ausgäbe zwingen würde. In der Legislatur lägen nämlich zur Zeit geeignete Gesetzesvorlagen vor, deren Annahme von unseren Repräsen tanten als zweifellos erklärt worden fei und die der Stadt das Recht zu. sprächen, die betreffenden Eisendahn Gesellschaften zur Errichtung von Hoch bahngeleisen, Viaducten etc. auf ihre Unkosten an gefährlichen und nothwen big erscheinenden Bahnübergängen zu zwingen. Die Verfechter der Ordinanz wiesen zunächst auf den Bericht deS Stadt Ingenieurs hin, der die Gesammtkosten der Durchführung der Massachusetts Ave. Hochbahn-Ordinanz aus $23,500 veranschlagt hade. Fernerhin wurde mitgetheilt, daß im Falle der Annahme derselben die Stra ßenbahn . Gesellschaft sich verpflichtet habe, $8000 von den entstehenden Un kosten zu tragen, die New Castle Trac tion Co. hätte versprochen zur Verwirk lichung des Projektes $5000 beizu steuern. Demzufolge würden von der Stadt nur 910,800 zu zahlen fein. Einen sichtbaren Eindruck machten die vielen Hinweise auf die entsetzlichen Opfer an Menschenleben, die gerade an diesem Bahnübergange erfolgt seien. Dieses schreckliche Morden könne ver hindert werden und verlange gebiete risch, daß früher oder später etwas zum besseren Schutze des menschlichen Lebens geschähe. Nach den beinahe 2 Stunden währen den, stellenweise hitzigen Debatten wurde die Massachusetts Ave. Track Elevation Ordinanz mit 15 gegen Stimmen angenommen. &d) an tut neu des Sozialen Turnvereins arn ffreitag,den 3. Februar. Eintritt 25c. Neservirte Sitze, 25c extra, zu' haben im Deutschen Hause. Deutschland. . Reichstag.Berlin, 23. Jan. Im Reichs, tage ging die Debatte über den Kohlen streik heute zu Ende, Spähn (Centr.) beantragte eine UntersuchungScommis sion, bestehend auS Mitgliedern des Bundes und Reichstages, zu einen nen, welche bezügliche - GefetzeSvor schlüge machen solle. Freiherr Heyl zu HerrnSheim, sonst lein Gegner der So zialisten, drückte seine volle Sympathie mit den Streikern aus. HandelSmini fter Möller sprach sich gegm Eriaß von Gesetzen aus, während der Streik noch im Gange sei.
Alls der Legislatur. Die Bill des Senators Singer, die
das Schleudern von Vitriol zu einem schweren Verbrechen stempelt, wurde gestern im Senate angenommen. Sie bedroht den Thäter mit einer Geldstrafe von $1000 und einer Ge füngnißstrafe von nicht weniger als einem und nicht mehr als 15 Jahren. Das CodisicationZ-Comite der LegiS latur hat die Nothwendigkeit festgestellt, daß die Gesetze deS Staates gründlich revidirt und neu bearbeitet, oder besser zusammengestellt werden müssen. Die Gesetzgebungen haben im Lause der Jahre an verschiedenen Gesetzen so viel geändert und geflickt, daß mit der Zeit ein Wust und Wirrwarr entstan. den ist, in den man sich nur schwer zu recht finden kann. Namentlich ist das der Fall mit den Gesetzen, 'welche auf die Verwaltung der verschiedenen Städte des Staates Beziehung haben. Meh rere Städte bekamen zum Beispiel vor etlichen Jahren ganz neue Char. terö, die in Manchem verschieden sind von den Freibriefen anderer größerer Städte. Thatsächlich hat beinahe jede der größeren Städte ihre eigenen Gesetze und da ist eö schon mit der Zeit sehr schwierig geworden, Fragen zu regu lieren, die sich auf die Verwaltung der sämmtlichen Gemeinwesen beziehen. Man. betrachte z. B. da? Straßenver besserungS'System. Da gibt es Akkor danken, welche sich mit Straßenarbeiten in verschiedenen Städten befassen, aber eö gibt für sie kein einheitliches System, nach welchem sie sich richten können, und dadurch wird ihnen ihre Thätig, sehr erschwert, ja eö entstehen Ver Wickelungen, die von den Gerichten ge schlichtet werden müssen, und das wird bekanntlich beinahe immer eine um stündliche und kostspielige Sache für die Leute. Um nunmehr Ordnung zu schaffen, ernannte die Legislatur vor zwei Iah. ren das CodificationS-Comite, welches aus zwei Mitgliedern besteht und dem ein Secretär zur Erledigung der schriftlichen Arbeiten beigegeben ist. Nach etwa zweijähriger Arbeit ist die seS Comite nun so weit, um der Legis latnr einen Bericht unterbreiten zu können, und eö wird die Erledigung dieser Sache durch die Gesetzgebung auch wieder viel Zeit und Arbeit erfor dern, doch verspricht man sich sehr gün ftige Resultate davon. Von dem Bericht ist unter anderem so viel bekannt, daß die Verwaltung der Städte oder doch der größeren mancherlei und zum Theil sehr wichtigen Aenderungen unterzogen wird. ES ist noch beizusügen, daß manche der Städte ein gänzlich veraltetes Ver waltungS'System besitzen, welches schon aus dem Grunde einer Aenderung bedurfte, weil diese Städte sich gerade im letzten Jahrzehnt vergrößert haben. Man kann sich daher wohl denken, daß für sie ein System nicht mehr ge eignet ist, daß vor einem Vierteljahr hundert, oder noch früher, eingeführt wurde. In Zukunft sollen die Städte in mehrere Klassen eingetheilt werden, wahrscheinlich in fünf, und eö wird dann jede dieser Klassen ihr bestimmtes VerfassungS.System erhalten. Viele veraltete Gesetze werden abgeschafft, andere geändert und verbessert und überhaupt wird in manchem Punkte Ordnung gemacht werden, wo eö jetzt schwer ist, stch zu orlentiren. Der Umstand, daß ein Comite zwei Jahre lang mit dieser Zusammenstel lung zu thun hatte, zeigt, wie noth wendig solche Arbeit war. Namentlich das Gerichtswesen und die Verwaltung der Städte wird dadurch sehr verein facht, und es dürfte sich diese Neuerung nicht allein für Advokaten und öffent liche Beamte,. sondern auch für biege lammte Bevölkerung als sehr Vortheil' erweisen. Grober Preis Maskenball gegeben vom Indianapolis Schweizerbund in der Germania Halle am Donnerstag Abend, 26 Januar 1905. Eintritt 25e a Oerson.
Typhus Kranker spurlos verschvunden. Nachdem er erst eben vom 3 Monate langen Typhus Krankenlager aufgestanden, verließ Elwood F. KrauSe am Mittwoch feine Wohnung 703 Holmes Ave. und wurde bisher nicht mehr ge sehen.- Seine Frau, sowie auch die Familie deS Vermißten sind begreifliger Weise in größter Ausregung und be fürchten..-daß Krause vielleicht einen Rückfall erlitt und daß er in geifteS abwesendem Zustande in der Kälte umher iirte. KrauSe ist ein Mann von etwa 43 Jahren, 5 Fuß 9 Zoll groß, dün nes, leicht mit grau vermischtes Haar und trägt, da er sich mähend seiner Krankheit nicht rasirt-, Vollbart und
Schnurbart, fcr ist durch seine Krank heit sehr abgemagert. Polizeiliches. j A a x o n L a d d , ein Angestellter der 'Stockyards Co. wurde gestern durch einen Mitarbeiter angegriffen und schwerverletzt. Ladd wurde nach dem Diöpensarium gebracht, wo seine Ver letzungen als ein Schädelbruch und ein gebrochener Kieser festgestellt wurden. Ladd wurde nach dem Hospital über führt. ?Frau Kistner, Ecke Delaware und Duncan tr., engagirte einen farbigen Fuhrmann um sich von dem selben einige Möbeln fortfahren zu lassen. Möbel und Fuhrmann find soweit noch nicht am Bestimmungsorte angelangt. Frau Christian, 842 Nord Capital Av:., wurde gestern Abend durch einen großen starken Neger ange fallen und um ihre $5 enthaltende Geldbörse beraubt. Der Ueberfall er eignete sich an der Ecke der Pratt und MuSkmgam Str. Der Neger entfloh. Frau Jda Clark, 41. Lexing ton Ave., wurde gleichfalls durch einen Neger angefallen,, sie hielt ihre Börse jedoch fest und wurde von dem schwar zen Banditen niedergeschlagen. Der Halunke entkam leidenden ihn verfol genden Passanten, machte aber keine Beute, der Ueberfall wurde an der West 11. Straße in der Nähe der Illinois Str. ausgeführt. Frau Nannie Wickersham, 925 Nord Illinois Str., war das dritte Opfer der Straßenräuber gestern Abend. Sie wurde in der Nähe der St. Clair Str. angegriffen, kurzer Hand zu Boden geschlagen und um ihr 84.75 enthaltendes Portemonnaie beraubt. Der Bursche führte den Raubanfall so schnell und so geschickt aus, daß sie fast keine Gelegenheit erhielt, ihren Angreifer zu sehen. I i m G o r d o n, ein farbiger Fuhr mann für die Kohlenhändler Thomp son & Bros., meldete sich gestern früh krank und brachte einen Farbigen, Ar thur Scott, 1209 Ost 17. Str. wohn haft, mir sich, damit ihn dieser ver trete. Kurz vor GeschüftSschluß wurde Scott mit 535 nach einem anderen Kohlenhofe gesandt, ließ sich aber dort nicht blicken. Die Polizei wurde benachrichtigt und Scott wurde an d:r 16. u. JllinoiSStr. aufgegriffen und verhaftet. In seinen Taschen wurden noch S17.25 vorgefun den, daS übrige Geld hatte er angeblich an Jlm Gordon abgegeben. Gordon wurde unter Anklage der Hehlerei ge stellt. Scott hat im Criminalgericht noch eine 214 Jahre Gefüngnißstrafe hängen. H a r r y K. W e st, ein Wirth, 1411 Cornell Ave., wurde der Unter schlagung angeklagt, gestern verhastet. C a l Prasser, 433 Toledo Str., wurde unter der Anklage des Kleindiebstahls verhaftet. Frl.KatieSchüfer, auSFort ville. Ind., verlor an der Washington Str. eine schwarze Handtasche, in welcher sich ihre Geldbörse mit S9 in Baargeld befand. Frl. "Schäfer ist hier 319 River Ave. bei Bekannten zum Besuche. 'Sie meldete der Polizei ihren Verlust.
Nachrichten aus Jndiana. EvanS ville. Gestern Abend
zwischen 9 und 10 Uhr wurden von einem Nigger nicht weniger als drei Raubanfälle auf junge. Mädchen aus geführt. An der. 4. und Walnut Straße er öffnete er den Reizen der Ueberfälle. Das junge Mädchen, welches er zu fei nem Opfer auserkoren hatte, hielt ihr Portemonnaie fcst, so daß eZ dem Bur schen nicht gelang, ihr dasselbe zu ent reißen. Als sie schließlich auch noch um Hülfe schrie, schlug er sich seitwärts in die Büsche. Bald darauf tauchte er an der Main Straße, zwischen der 3. und 4. Straße, auf. An der Ecke der Alley in der Nähe der Evanöville Trunk Co., führte er, trotzdem der Seitenweg von Passan ten wimmelte, abermals einen Ueberfall auf eine Dame aus und wiederum hatte er es auf deren Portemonnaie ab gesehen. ' Aber auch in diesem Falle kam er an die Unrechte. Die Ueberfallene wehrte sich und der farbige Bandit lief schleu nigst davon. Schon im nächsten Square an der Maine Straße, zwischen der 4. und 5. Straße, hatte er mit seinem Ueberfall Erfolg. In demselben Augenblick, als Frl. Clara Hill von 212 Barker Adenue, Howell, den Boston Store verließ, kam der Strolch wie ein geölter Blitz auf sie losgefahren, entriß ihr das Portemon nale, welches sie in den Händen hielt und rannte sodann wie besessen davon. Die Börse enthielt $9.70. Trotzdem der Polizei eine gute Beschreibung von dem Räuber gegeben wurde, gelang eS doch nicht, seiner habhast zu werden. .I.' O. K. ' P. . Grober Jahreöball deS I. O. K. P. Ordens im Deutschen Haus Dienstag, den 14. Februar. Eintritt 50e Leidend aufgefunden. Frau Mattie Dawson auS Nobles ville, Jnd,. wurde gestern in besin nungSlosem Zustande im Union Bahn hose aufgefunden und mittels Am bulanz nach dem St. Vincent'S HoS pitale überführt. Die Frau- erzählte verschiedene unzusammenhängende Ge schichten, welche auf mehrere durchge machte Operationen zurückzuführen sein werden, durch die sie in einem hysteri schen Zustand versetzt wurde. Bis jetzt hat sich noch kein Eigenthümer für die in der Polizeista tion gehaltenen ärztlichen Instrumente, die ein vor mehreren Tagen Verhafteter gefunden zu haben behauptet, ge meldet. Eine drollig-: Diebsgeschichte hat sich in einem unweit Belfort gelegenen französischen Dorfe ereignet. Dort wurde bei einem großen Schneetreiben einem Fuhrmann in der Abenddämmerung auf unerklärliche Weise ein kleiner Sack mit Kaffee vom Wagen entwendet. Als er den. Fall anzeigte, glaubte die Polizei zuerst, er habe den Sack nur verloren, fand aber bei der Absuchung der betreffenden Wegstelle eine quer über das Feld nach einem einsamen Hause führende Fußspur darin überall vereinzelte Kaffee bohnen. Bei btt dort vorgenommenen Haussuchung fand man den Sack noch vor, dari jedoch ein kleines Loch, das den frechen Dieb zum Glück verrathen hatte. Von einem ungtwöhnlichen Unfall ist eine zrößere Anzahl von Einwohnern dr Stadt Prag be-! troffen worden. In der Gasse Untere Schloßstiege auf der Kleinseite wurden kürzlich die Arbeiten der neuen Canalisation beendet. Infolge der bedeutenden Erdbewegung, die mit den Ar-, beiten verbunden war, dürfte das an-, grenzende Erdreich gesunken fein, wodurch die Gasrohrleitung beschädigt wurde und das ausströmende Gas im Lause der Nacht und des nächsten Vormittags in eine Reihe Häuser dieser. Gasse drang und das Leben der dort! wohnenden Leute in hohem Maße gefährdete. Es sind 32 Vergiftungs-. fälle, darunter zwei schwere Fälle, fest-, gestellt worden.
?cr I'chlüuc htcrs. - Im Jahre 1873 ließ ThierS dem . ausgezeichneten Pariser Porträtmaler Vonnat durch die -Herzogin Colonna sagen, daß er von ihm gemalt sein möchte. Herr Thiers ist sehr liebenswürdig," fügte die Herzogin hinzu, aber Madame Thiers hat über die Malerei persönliche Ansichten; sie wird Ihnen gute Rathschläge geben wollen, ohne daß Sie es wünschen." Vonnat merkte sich das. Die ersten Sitzungen fanden im Atelier des Künstlers statt. Thiers aber hatte seine Sonderöarleiten, so mußte z. V. in den Zimmern, in denen er sich aufhielt, eine unveränderliche Temperatur von 18 Grad -Herr-schen; bei mehr als 18 Grad lochte" er und. wurde roth wie ein Krebs, bei weniger als 18 Grad bekam er Schüt-, telfrost. Da Vonnat die Temperatur, nicht immer auf derselben Höhe halten konnte, sagte er schließlich zu Thiers:! Es ist doch vielleicht besser, wenn ich bei Ihnen weiter male; ich brauche nur ein helles Zimmer." Thiers war einverstanden. Da nielen Vonnat noch' zur rechtenZeit die persönlichen Kunst-, anschauungen" der Frau Thiers ein,' und er fügte rasch hinzu: Ich stelle jedoch eine Bedingung, ohne meine aus-, d'rückliche Erlaubeuiß darf Niemand 1 in's .Zimmer kommen!" Thiers hatte
auch dagegen mchts einzuwenden, und der Pakt war geschlossen. Einige Tage später spielte sich in dem zu einem AteHer umgewandelten Salon des Herrn Thiers folgendes Drama ab: Vonnat; sieht vor der Staffelei, und Thiers sitzt"; er ist sehr glücklich, denn dir Temperatur ist auf 18 Grad abgestimmt." Plötzlich öffnet sich leise eine. Tapetenthür, und in der Thürspalte erscheint der weißhaarige . Kopf der, Frau Thiers. Vonnat zittert wie Espenlaub, der Pinsel fällt ihm aus! , der Hand. Thiers hat sich rasch' umgedreht und sagt, jedes Wort scharf betonend: Madame Thiers, geh hinaus!", Ach, lieber Freund, ich wollte nur sehen, ob Du etwas brauchst und ob Wenn ich etwas brauche, klingle ich ich bin alt genug dazu!" Aber Madame Thiers, ich bitte Dich ein für allemal, uns in Ruhe ,zu lassen!"' Krach! ' Die "Thur fällt zu, und der . Maler und sein Modell sitzen wieder fröhlich beisammen. Eine Stunde etwa vergeht, da hört Vonnat wieder ein leises Knistern und Knacken im Holzgetäsel; von unsichtbarer Hand wird eine . andere Thür geöffnet, und wieder erscheint das gefürchtete Haupt der Ma-. dme Thiers zwischen Thür und' Angel ' Thiers' dreht sich entrüstet um, wie von der Schlange gebissen; wie zwei glühende Kohlen funkeln, seine Augen hinter den großen Brillengläsern. Ma-! dame Thiers," schreit er, ich sage .Dir zum letztenmale, gehe - hinaus, frnst' haue ich!" Krach! Die Thür fällt zu und Thiers lacht, daß ihm die Thränen in die .Augen treten. Was hätten Sie wohl gesagt, wenn ich sie geschlagen hätte? Welch ein Fressen, für den ,Figaro der mich jeden Morgen einen .widrigen Greis' nennt. Erzählen Sie . es wenigstens nicht weiter." Als das Porträt fertig war, ließ Thiers, mit Bonnats Zustimmung, den Direktor der Schönen Künste holen. Der fand das Werk unvergleichlich schön," sagte, daß es reif fei für ein Museum" und was der Phrasen mehr sind. Darauf hatte Thiers nur gewartet; er klingelte und sagte zu dem eintretenden Diener: Sagen Sie Madame Thiers, sie möchte sofort herunterkommen." Frau Thiers kam, warf Vonnat einen. bitter- , bösen Blick zu und wollte zu sprechen beginnen. Thiers ließ sie aber nicht zu Wort kommen; er ergriff ihre Hand, führte sie zu der Staffelei und sagte mit großer Zungenfertigkeit: Das hier ist der Direktor der Schönen Künste auf dem Gebiete der Malerei eine der größten Autoritäten, die .wir haben! Weißt Du, was er gesagt hat? Daß . Bonnats Porträt unvergleichlich schön und für ein Museum reif ist . . . Das hat er gesagt! Und jetzt bedanke Dich bei Herrn Vonnat!" Madame Thiers mußte gute Miene zum bösen Spiel machen; sie konnte doch daö Urtheil des Direktors der Schönen Künste nicht umstoßen und - sagte Vonnat ' einige Worte der Anerkennung. Vonnat aber bewunderte schweigend die Schlauheit des kleinen großen Thiers. , Das Meer bedeckt drei Viertel der Erdoberfläche, und das Volumen feiner gesammten Wassermasse übersteigt 3,000,000 deutsche Kubikmeilen. Ein Kohlenminen-Mo-d e l l, das erste seiner Art in England, ist jüngst dem wissenschaftlichen Inventar der Birmingham-Universit'ät hinzugefügt worden. DerKaffeeverbrauch der Welt betrug im Jahre 1903 auf 1904 annähernd 17,000,000 Sack, wovon'auf Europa und die Ver. Staaten. zusammen 16,786,000 Sack ent-fielen.
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