Indiana Tribüne, Volume 28, Number 129, Indianapolis, Marion County, 23 January 1905 — Page 3
Jndiane. Tribüne, 2S. Januar WOS.
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Ein großer Aufruhr vuthet in St. Petersburg.
Fortsetzuug von der 1. Seite. St. Petersburg 22. Jan. Gegen 8 Uhr Abends begannen die schöpften Maffen sich zu zerstreuen und überließen das Feld den Truppen. Auf der NikolauS.BrüSe wurde ein General von der Volksmenge getödtet. Die Revolutionäre erwarten Nach richten von Moskau und anderen großen Städten, wo die Truppen nicht so so loyal find, wie die hiesigen GardeRegimenter. St. Petersburg, 22. Jan. Man befürchtete, daß nach Einbruch der Nacht Verbrecher die Gelegenheit zum Plündern benutzen würden, doch wur den nur einige Obstläden heimgesucht. Die meisten Theater waren geschlossen. Am Volkspalast versuchten zwei Agita toren die Menge aufzuhetzen, sie wur den prompt verhaftet und die Menga verlief sich. 'Um Mitternacht hat das Feuern aufgehört und von 'der Wassili OftrowInsel herüber kam noch der Knall von Schüssen. Die Streikführer beschlossen den Kampf fortzusetzen, doch wurde die Zeit nicht festgesetzt. Bei der Herrschenden Aufregung wird eS wahrscheinlich schon morgen zu neuem Blutvergießen kommen. St. Petersburg, 22. Jan. Eine Deputation von Journalisten, die den Minister Swiatopolk-Mirsky sprechen wollte, um mit ihm Maßregeln zur Verhütung von Blutvergießen zu besprechen, wurde von demselben nicht empfangen. Minister v. Witte wußte dem Komite keinen besseren Rath zu geben, als, es soll die Streiker. veranlagen, den Besuch beim Zaren aufzugeben. St. Petersburg, 22. Januar, 5.25 Uhr Nachm, An zwei Punkten Wassiliostroff find Barrikaden errichtet worden. Die Menge weigert sich auseinanderzugehen u. die Truppen haben gefeuert. Die Nachlicht, daß Vater Gopon verhaftet würd:, erweiK sich als unrichtig. Obgleich er am Arme und an der Schulter verwundet ist, bleibt er an der Spitze seiner Leute. St. Peterö du rg, 22. Januar. Um 3.30 Uhr heute Nachmittag hatten die Verhältnisse den Umfang einer Revolution angenommen. Die Ruhe der vorausgegangenen Tage war der heftigsten Aufregung gewichen. Blut ist geflossen und Niemand kann sagen, was der Ausgang fein wird. Konflikte zwischen Truppen und Streikern kommm allenthalben vor. Petersburg, 22. Jan. Am NarwaThore feuerten die Truppen in eine Menschenmenge, die von Vater Eopon uud Vater SergiuS geführt wurde. Die Priester trugen ein Kreuz, ein Heiligenschrein und ein Bild deS Zaren. Vater Sergius wurde ge tödtet und das Bild des Zaren vernichte!. Bei den Putiloff-Werken warfen sich die Arbeiter, die den Truppen gegenüberstanden zu Boden, atS das Kommando zum Feuern gegeben wurde. Dle Soldaten feuerten auf die Liegenden. St. Petersburg, 22. Jan. In verschiedenen Theilen der Stadt kam eS zu Zusammenstoßen zwischen den Streikern und Truppen. -Bei einem derselben feuerten Ulanen in die Menge und tödteten oder verwundeten 80 Personen. Vater Eopon, der Streikführer, wurde verhastet. .Einer der schlimmsten Zusammen flöße war der an der NikolauS'Brücke. Als die Streiker fich derselben näher ten, wurde ihnen von Infanterie, Ufa nen und Kossacken der Weg verlegt. Die Streiksübrer appellirten an die Soldaten, nicht auf ihre Brüder zu schießen und die Infanterie legte ihre Waffen nieder, aber die Ulanen und Kossacken trieben, dem Befehle gehör chend, die Menge zurück und verwun deten Viele. ' Während deö Konfliktes spielte eine Militärkapelle. Der Kaiser verblieb zu TsaeSkojeSelo. Um 2.22 Uhr Nachmittags waren die Soldaten und die Streiker in offenem Gefechte um den Palast herum. Um 2.55 Uhr wurde der Andrang der der Massen unwiderstehlich. Die Truppen waren nicht im Stande die dichten Volksmassen zurückzutreiben. ES wurden zwei Salven in die Menge ge. feuert.
St. Petersburg, 22. Januar. Die' Volksmenge versucht auf dem
NewZki'Prospekt Barrikaden zu c:fä en. Züge verlassen noch regelmäßig, die Stationen Warschau und Nikolaus, doch stellen sich Schwierigkeiten ein. St. Petersburg, 22.Januar Etwas planmäßig gingen die Aufrührer auf der Wasili Ostrow-Jnfel vor. wo 30 ihrer Leute getödtet wurden. Nachdem sie vom Flußuser vertrieben waren. Sie spannten Tölegraph- und elektrische Drähte von Lamppfosten zu Lamppfosten, um KavallerieMacken unmöglich zu machen. Bei Häufern und Gehöften wurde Holz, alte Schlitten herbeigeschafft und m Nu war eine Barrikade errichtet. Als Waffen hatten die Vertheidiger allerdings nur Messer und Backsteine und so konnten sie dem Angriffe der Infanterie nicht widerstehen. Für den Zaren. Washington. 22. Jan. In vielen Kirchen wurde heute für den russischen Kaiser und sein Volk gebetet. Der russische Botschafter. Graf Cas. sini kam heute von New tyoxl an und fuhr mit dem Militärattache, Oberst RaSpopoff sofort nach der Botschaft. Er hat noch keine offiziellen Nachrichen von St. Petersburg. NetterGroßfürst. Berlin. 22. Jan. Großfürst SergiuS hat es mit dem Großindustriellen Morozoff verdorben. Letzterer behauptet, daß viele tausend Jardö Tuch, die er zum Fond des Großfürsten für die Truppen beigesteuert hatte, in Petersburg offen verkauft wurde. Fer ner soll der Großfürst bei Morozoff ErpressungSversue gemacht haben. Lefc terer sah keinen anderen Ausweg als fich an den Zaren zu wenden. Letzterer soll sehr aufgebracht sein und man ist gespannt, waS mit dem Großfürsten geschieht. Deutschland. Kolonisten für Afrika. Berlin, 23. Jan. Die Kolonialabtheilung des auswärtigen Amtes hat weitreichende Pläne für dAuswanderung nach SüdwestAfrika in Arbeit. Dieselben sollen zur Ausführung ge langen, sobald die gegenwärtigen Kriege mit den Hereros und WitborS beendet find. Dann wird die Regierung im Befitze großer Herden fein, die den Rebellen abgenommen wurden. Sie wird dieselben den neuen Kolonisten zur Verfügung stellen, ebenso Baumaterial und Betriebskapital bis dieselben im Stande find-fich selbst zu helfen. Bergleute versammelt. Bochum, 22. Jan. Hier fand eine Versammlung statt, welcher 7000 Ruhr-Bergleute beiwohnten. Der so-zial-demokratifche ReichstazS-Abgeord-nete Sachse, welcher Vorfitzender des Verbands deutscher Bergardeiter ist, theilte in der Versammlung mit, daß die Verhandlungen in Dortmund ergebnißloS verlaufen seien. Der GewerkvereinS'Vorfitzende Kühne forderte die Streiker auf, gemdnet und ruhig vorzugehen, weil der Streik dann schon halb gewonnen sei. Die Versammlung nahm eine Resolution an, in welcher die Erwartung ausgesprochen wird, die Regierung werde den Nothschrei der Bergarbeiter hören und durch Einführung gesetzlicher Reformen ausreichende Hülfe gewäh ren. Die Arbeiter, heißt es in der Ne folution weiter, feien entschlossen, im Lohnkampfe auszuharren und ihn in Ruhe und Ordnung durchzuführen. Sie erbitten zugleich den Beistand des BürgerthumS. Handel mit Rußland. Berlin, 22. Jan.. Die deutiche kaufmännische Welt ist erstaunt, daß Rußland trotz der furchtbaren Lehren deS Krieges dem geschäftlichen Verkehr keine Erleichtungen verschafft und die harten, gegen die ausländischen Firmen gerichteten Bestimmungen nicht mildert. Es beweist darin, nach allgemeinem Urtheil, eine verhängnißvolle Kurz fichtigkeit und fügt fich selbst unberechen baren Schaden zu. Die deutschen Kaufleute erwarten aber, daß Rußland nach dem Ende des Krieges weit größere Quantitäten Waa ren vom Auslande beziehen wird als bisher, .weil eS gerade mit nationalen Produkten dle bittersten Erfahrungen gemacht hat und im Kriege dadurch auf das Schwerste geschädigt worden ist. DaS Inkrafttreten des deutsch-rusfischen Handelsvertrags, welches zu Anfang des nächsten Jahres zu erwarten ist, dürfte auä sebr wesentlick dam bei tragen, die Mannigfachen Schranken, welche von russischer Seite gegen den
Verkehr mit dem Auslande aufgerichtet
sind, aus dem Wege zu räumen. Wie die Dinge j'tzt liegen,- fltqt Rußland sich mit seinem vielfach minderwerthigen eigenen Material nur selbst den empfindlichsten Schaden zu. Mecklenburger Herzog unter den Petersburger Verhafteten'. Berlin, 22. Jan. Das Neue Wiener Tagblatt" meldet, daß auch Herzog Karl Michael von MecklenburgStrelitz in St. Petersburg mit den Offizieren verhaftet wurde, welche für den noch der Aufklärung harrenden Zwischenfall bei der Feier der Wasserweihe zunächst Rede und Antwort zu stehen haben. Der Herzog ist russischer, Generalmajor und Kommandeur der 1. Leib.Garde'Artilleriebrigade, aus deren Kanonen bekanntlich auf den Pa villon des Zaren und dem Winterpalast geschossen wurde. Die amcrikanischeGefahr." Berlin. 22. Jan. Ein amerikanischer Gaftwirth beabsichtigt, in Berlin Frnlunch Counters" einzusühren und American Drinks" zu populären Preisen auszuschenken. Der Versuch ist schon in anderen Städten z. B. Mainz gemacht worden, wurde aber bald wieder aufgegeben. K o h l e n st r e i k. Berlin, 22 Jan.. Aus durchaus verläßlicher Quelle erfährt man, daß der Kaiser den Kommissären, denen die Beilegung deS KohlenftreikS ausgetragen wurde, eine besondere Ausgabe auferlegte. Er will genauen Bericht haben über die Gründe, welche zu dem Ausstand Anlaß gaben, nicht die direkten, auf der Oberfläche schwimmenden Ursachen, sondern die tiefer liegenden Gründe, die im Ruhrgebiet den Kohlenstreik her v'erriefen, und in allen Jnduftriecentren des Reiches den Sozialdemokraten das Heft deS Messers in die Hand gespielt haben. ES ist schwer vorauszusagen, ob die Kommission in dieser Beziehung Erfolg haben wird. Der Kohlenstreik hat seine besondere Physiologie, die sich kaum aus andere Arbeiterwirren anwenden läßt. Die Bergarbeiterschaft deS Ruhrgebietes bildet eine ganze Skala sozialer und wirthschastlicher Verschiedenheiten.' Das Einkommen erwachsener Arbeiter schwankt zwischen 3 und 6 Mark täglich. Man findet Bergarbeiterfamilien, die sich einer gewissen wirthschastlichen Behäbigkeit erfreuen; daneben andere, die aus Schul den, Noth und Elend nicht herauskommen. Der Krebsschaden fitzt aber nicht in der Lohnskala. Der ist in dem sogenannten Zuzugssystem- zu suchen, das immer dann in Kraft tritt, wenn die von der Kohlenproduktion abhängigen Industrien fich besonderen WohlftandeS erfreuen und große Bestellungen machen. So find in den letzten Iahren viele taufende vollständig befitz und vermögenslose Bergarbeiterfamilienin das Ruhrgebiet eingewandert Ein kleiner Koffer, ein paar Bettstücke find oft der ganze Reichthum, den solche Familien mitbringen. Sosort fängt natürlich die Pumpwirthschaft an und leider giebt es viele große Geschäfte, deren Agenten fast ausschließlich in den Bergwerksdistrikten für das RatenSystem Propaganda machen. WohnungSeinrichtungen und alles, was d'rum und d'ran hängt, wird auf diese Weise angeschafft. DaS ist eines der Uebel. So verschieden wie die Lohnoer Hältnisse und die Lebenshaltung, so verschieden find die Arbeiterverhältnisse iim Ruhrgebiet überhaupt. Eine allgemein gültige Norm oder Schablone, nach der die Kommission dem Kaiser ein Bild zeichnen könnte, giebt eS nicht. Auf der einen Zeche sind noch Reste deS früheren patriarchalfchen Verhältnisses zwischen Vorgesetzten und Knappen vorhanden, auf anderen Gruben herrscht der Kasernenton, daS Herr im Hause-Wesen in Reinkultur. Noch viele anderee Gründe könnten ange führt werden für die Unzufriedenheit der Arbeiter, die nun so böse Frucht gezeitigthat. Aber die Spannung, die im Laufe der Jahre vor sich ging. mußte Entladung haben und wird der Streik frühzemg beigelegt, fo kommt er doch wieder zum Durchbruch bis die Wuth sich voll ausgetobt bat. Die Stimmung ist heute so. daß jeder ossenfichmche Versuch, zur Nachgiebig -keit zu veranlassen, die Erregang ftei gert, die Opposition noch mehr heraus fordert. Peru. Marblehead. Lima, 22. Jan. Der amerikanifche Kreuzer Marblehead ist von Cal lao nach Forints abgesegelt.
Rußland. :.: Der äußere Feind. S t. Petersburg, 21. Jan. So lebhaft der innere Krieg geworden ist, so todt ist für den Augenblick der Krieg gegen den äußeren Feind. General Kuropatkin berichtet, daß am 18. Januar eine Abtheilung Rufsen eine berittene japanische Patrouille 25 WerftS nürdlich von Sinmintung überruschte. Vier Japaner wurden getödtet, ein fünfter gefangen genommen. Die Nodogi" verlangt, daß Vice. Admiral RoschdestwenZky'S Flotte ungesäumt heimberufen werde. Es sei lächerlich, ein großes Risiko zu übernehmen, wenn das Verderben so gut wie sicher sei. Rußland schwanke zwischen unversöhnlichenGegensätzen hin und her und die Ostseeflotte könne daran nichts ändern. Man hört auch,
'daß die Abfahrt des. dritten russischen Geschwaders sich durch den Mangel an Offizieren verzögere. Großbritannien. Die russische Revolte. London, 22. Jan. Die biefigen Zeitungen enthalten Bemerkungen wie folgt: Die Revolte ist unterdrückt und die Revolution bat begonnen." Die Bureaukrati Hai ihre Politik erklärt, die Politik Blagowetschenk Massacre." Die unvermeidliche Revolution hat begonnen und mit ihr ein neue Kapi tel in der russischen Geschichte und wahrscheinlich auch in der Geschichte Europa's und Asiens." .Ist heute ein Mirabeau oder .auch ein Danton in Rußland?" Frankreich. Besorgniß erregend. Paris, 22. Jan. Die Nachricht von den blutigen Ereignissen in St. Petersburg hat hier große Sensation erregt. Die Zeitungen geben Extrablütter heraus mit dramatischen Einzelheilen der Straßenkämpfe. In offiziellen wie Privatkreisen nimmt man die Sache sehr ernst und hält eine Wie derbolung der französischen Revolution nicht für unmöglich. Neues Ministerium. Paris, 22. Jan. ES wird angekündigt, daß eS Rouvier gelungen ist ein Ministerium zu bilden und daß er morgen dem Präsidenten feine Uebernähme des Premierpostens anzeigen werde. Die Namen der Minister find die folgenden und ist die Vertheilung der Portefeuilles weniger sicher : Premier und Finanz - Minister, Rouvier ; Minister für Auswärtiges, Theophile Delcasse; Minister deS Innern, Eugene Etienne; Justizminister, Jean Sarrien; Kriegsminister, Henry Berteaux; fflottenminister, Gafton Thompson; Unterrichtsminister, Ray mond Poincare; Handelsminister, Jean Duftuy; Minister für öffentliche Arbeiten, Bienvenu Martin; Minister für Kolonien, Ferdinand Dubief; Minister für Ackerbau, Joseph Ruäu. Louise Michel beerdigt. Paris, 22. Jan. Das Begrübniß Louise Michel'S gab Anlaß zu einer großen anarchistischen Demonstration. Auf den Straßen war Militär und Polizei aufgestellt. ES kamen keine Störungen vor. Statue Beth oven 'S. Paris, 22. Jan. Als ein Zeichen, daß der Haß gegen deutfcheS.Wefen nachläßt, kann eS betrachtet werden, daß sich ein Komite gebildet hat, welcheS dem Komponisten Bethoven ein Monument setzen will. Dasselbe besteht aus der Gräsin de Bearn, den Komponisten Saint . Saens, Theo DuboiS. ES hat das Geld für die Statue bereits aufgebracht, die auf einem der schönsten Plätze von Paris, dem Trocadero aufgestellt werden soll. Cuba. Erdbeben. Santiago, 22. Jan. In den letzten 24 Stunden verursachten drei Erdstöße große Aufregung. Ernst licher Schaden wurde nicht angerichtet. Oesterreich'Nngarn. W a h l k r a w a l l. Budapest, 22. Jan. Im Dorfe Turpolyo mußte nach einer Versamm lung der Liberalen die GenSdarmerie aufgeboten - werden, um eine Ruhe störung zu unterdrücken. Die GenS darmerie feuerte in die Menge. . Vier Personen wurden getödtet, 1 der , wundet.
Italien. S a t o l ! i krank. Rom, 22. Jan. Cardinal Satolli,
der von Influenza befallen war, leidet nun an Bronchitiö. Der Papst sandte ihm seinen Segen. . Satöllt'ö Zustand ist nicht gefährlich.. Papst e mpfüngt Studenten Rom, 22. Jan. Papst PiuS X. empfing heute die Studenten des amerikanischcn College, die von Rector Kennedy vorgestellt wurden, und beglückwünschte sie zum Resultat ihrer Prüfungen. China. Von Port Arthur. Tschifu, 22. Jan. In einer Dschunke kamen 27 Männer und Frauen vor Port Arthur hier an. Sie erzählen, daß noch 22 andere Dschunken mit 500 Personen unterwegs sind. Der falsche Louvet. Eine lustige Geschichte ereignete sich jüngst auf dem Bahnhof Nouen. Der Statwnschef saß m semem Dienttzimmer, als ein Bediensteter eintrat und ihm eine Karte überbrachte. Dieser Herr mochte Sie sprechen, um stch über die Grobheit eines Condukteurs zu beschweren. Der Stattonschef las die Karte, auf der einfach stand: Emne Loubet, und fuhr wie von der Tarantel gestochen auf. Seinen Dienstrock ausziehen und sich in Gala werfen, da? war das Werk emes Augenblicks, dann trat er, sich tief verbeugend, m das Wartezimmer, etwas von der außerordentlichen Ehre murmelnd, die ihm der Präsident der französischen Republik erweise. Eine jugendliche Stimme antwortete ihm: Ich bin sehr erfreut, Sie zu sehen! Jetzt blickte der Stationschef auf und er sah einen jungen Mann vor sich stehen, etwa 30 Jahre alt. Entfernen Sie sich sofort", herrschte der Beamte sein Gegenüber an, ich erwarte Herrn Emue Loubet. Ja, aber ich bin Emile Loubet!" Junger Mann, derartige Scherze können Ihnen theuer zu stehen kommen," meinte der Stationschef. Ich muß schon bitten, ich bin Emile Loubet ..." Halten Sie das Maul!" donnerte der Stationschef, ich lasse mich nicht mhstrfi ziren!" Und ehe es sich der junge Mann versah, war er festgenommen und in den Arrest abgeführt worden. Am nächsten Tage kam die für den Stationschef allerdings nicht sehr erfreuliche Aufklärung. Der Prinzipal des verhafteten jungen Mannes stellte fest, daß dieser allerdings Herr Emile Loubet, wenn auch nicht der Präsident Emile Loubet fei, worauf die Freilassung erfolgte. Der unberechtigt Verhaftete hat nunmehr gegen den loyalen Stationschef Klage erhoben. Gemüthlich. Ein Herr will nach Klein-Lungwitz reiten, kennt den Weg nicht und reitet bei einer Gabelung der Straße aufs Geradewohl den Weg, der rechts abgeht. Nach kurzer Zeit begegnet ihm ein Bäuerlein. Sagen Sie mal", fragt der Herr, komm' ich hier recht nach Klein - Lungwitz? Nee, das is nich richtig." Ach je, da muß ich wohl gar wieder rückwärts reiten?" Nee, daS brauchen Se nich, Se müssen nur 's Pferd umdrehen, dann kenn Se vorwärts reite!" Ein versteinertes Vogelnest. Eine der merkwürdigsten Versteinerungen, die man wohl jemals gefunden hat, wurde gelegentlich der Verbreiterung eines Canals aus der Erdschicht gehoben, aus der Bett und Ueberränder des Swaleflusses bei Milton in Kent bestehen. Es ist ein versteinertes Vogelnest, in dem sich drei unzerbrochene, natürlich ebenfalls versteinerte Eier und eine Muschel schale befinden. Das aus Seetang bestehende Material zum Nestbau läßt daraus schließen, daß die Eier von Wildenten herstammen. Auch heute giebt es dort noch in den zu beiden Seiten des Flusses liegenden Brüchen viele Wildenten, waS jene Annahme jedenfalls bestätigt. Das, versteinerte Nest lag tief :n dem morarngen Boden eingebettet, und zwar in nächster Nähe mehrerer Sußwasserquellen. Letztes Mittel. Alte Jung fer: Jetzt werde ich Kriminalpolizistin, da wird es mir doch endlich gelingen, inen Mann emzufangen! B o s b a ft. Sänger (einem Kritiker seinen jüngsten Sprößling zeigend): Nun, ist va5 mcht der ganze Vava Kritiker: Stimmt!... Er schreit auch schon! Sckwer moalick. .Mein Nr'äulein, ich habe Sie wirklich zum Fressen ern." Das glaube ich Ihnen nicht, Sie zmd ja Vegetarier!Verscbnavvt. Serr (au seinem Freunde, im Streite): Was willst denn Du von der Arven reoenv. . . Ich habe schon mehr arbeiten sehen alö Du! Befreite Sorge. Mama, bletbt mein Bruderchen tmmer mnger wie ick?" Aber aewifc!" DaS ist ein Glück, da kann ich ihn immer verbauen!
Aerzte.
Dr. j. A. Sutcliffe, Wund -Arzt, Geschlechts-, Urin- unl,Rectum Rrankheiten. Ogfre ? 155 OS Market Stt. Tel. 541 CfflcfiStnabtn : 9 bll 10 Ukr m. : 1 11 Dr. Carl Q.Winter Deutscher Arzt. Gehandelt alle akute und chronische Krank' hetten. GeburtShülfe Spezialität. Ofsiee: 14 West Ohio Str. AstnLtundn: 1011 ora. 4 Rchm. sonktags : m-l0j0 2m. Wohnung: 1L Radis, at epreaftundeu : 78 ltxA Sonntag : 6 6 Nach. Soyuung rekpyone : Xlt, 2025 ; Neu. MSI Ctfc9on. Neu 41. Etablirt 1883, nimmt jederzeit Sngage, entS entgegen. Irgendwelche OrchesterNufik und irgend eine Anzahl von MustZem vird geliefert. Neue Ausstattung und mue Uniformen. R. A. Miller, Direktor. Henry Sprengpfeil, Geschäftsführer, 601 Kentuck? Avenue. Telephon - Neu 4593. 0 S. ü im 901 West Washington Str Oerkäufn deS berühmten Quinine :: Whisky DeS oefte Nittel gegen Utalatia mv OrkSltung. Saloon und Restaurant. Neues Telephon 4048. Cffra Z st. AI. Siamesischer Jnttelendlebstabl. - Daß nicht nur in westindischen Städten den Jilwelenverkäufern zuweilen böse Streiche gespielt werden, beweist folgende, aus Bangkok, Siam, berichtet5 Geschichte. Dort betrat ein gut gekleideter Siamese, der einen theuern Panamahut trug, ein Leihhaus und wünschte Ringe mit kostbaren Steinen zu sehen. Nachdem er eine Anzahl davon geprüft hatte, wählte er emen goldenen, mit Edelsteinen besetzten aus. Er machte sich damit zu schaffen, den Ring auf seinen Finger zu ziehen, als plötzlich ein anderer Mann ankam, ihm seinen Panamahut entriß und damit wegrannte. Nun gab es eine wilde Jagd. Der Mann mit dem Ringe lief hinter dem R'äuber des Hutes her und wurde seinerseits von dem Besitzer des Leihhauses verfolgt. Nach einer Weile machte die Polizei den Mann mit dem Hute dingfest. Dabei entstand ein Auflauf, den sich der Dieb des Ringes geschickt zu Nutze machte. Es gelang ihm, unbemerkt in der Menge zu verschwinden. Dem Leihhausbesitzer aber ist seitdem der Zusammenhang des abgekarteten Spiels klar geworden. 8 ch n i k e t Allerlei Interessantes au S allerlei Gebiet Für Irden etwas. Die weiße Bevölkerung Alaskas wird auf 26,550, die eingeborene auf 29,536 Seelen geschätzt. R o t h w e i n e werden nach einer Feststellung unter allen Rebenprodukten am wenigsten der Fälschung unterworfen. Ein Automobil-Leichen-wagen bildet das Neueste auf dem Gebiete der Benützung des Gasolinmotors. Die zwölf Panzerschiffe, welche gegenwärtig in der Bundesflotte im Dienste sind, haben mehr als 63,000.000 gekostet. Sj7lau. Herr (zum, Freunde): Du hast dem Baron wieder ein größeres Darlehen gegeben?... Ich würde das an Deiner Stelle nicht thun ... mir stände der Mann zu schlecht'" F r e u n d : 0, der ?ann noch nicht gar fo schlecht stehen!... sucht noch immer keine Frau!" ' Miderlegt. Hausherr (zu einer Sängerin, die vor kurzer Zeit bei ihm einzog): Als Sie einzogen, haben Sie gesagt, daß Sie nur selten singen, und dann wie eine Nachtigall, und nun singen Sie fast jede Nacht und noch dazu wie laut!" S an ger in: Nun, habe ich nicht Wort gehalten? ... Oder haben Sie schon einmal eine Nachtigall bei Tage smgen hören?" Raucht die Tish I Mingo.
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